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Full text of "Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft"



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FOR THE PEOPLeI 


FOR EDVCATION 


FOR SCIENCE 



LIBRARY 

OF 

THE AMERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL HISTORY 



Zeitschrift 



der 



Deutschen Geologischen Gesellschaft. 



(Abhandlungen und Monatsberichte.) 



71. Band. 
1919. 

(Mit 5 Tafeln.) 



Berlin 1920. 



Verlag von Ferdinand Enke 
Stuttc-art. 



•jLx^w^n.>^^*^ 






Inhalt. 



Hinter dem Titel der Veröflfentlichungen bedeutet A. Abhandlung, 
B Briefliche Mitteilung und V-- Vortrag. 

(Die Seitenzahl en der Monatsberichte sind kursiv gedruckt.) 

Seite 

Bärtling, R. : Verbreitung und praktische Bedeutung der Erd- 
brandgesteine (Diskussit)n zum Vortrag Herkmann). V. 74 

Becker, A. : Die Ritterquelle von Hecklingen bei Staßfurt. 

(Mit 1 Textfigur.) B 132 

Behr, Fritz M. : Über Schwerspatperiniorphusen im mitteldevu- 

nischen Massenkalk des Sauerlandes. (Hierzu Tafel IV.) A. 1"22 

Boden, K. : Zur Gliederung des Oberen Muschelkalks in 

Lothringen. A 104 

Böhm, Joh. : Mya KUnghardti nov. sp. aus der tertiären 
diamantfühi'enden Stiandterrasse bei Bogenfels in Süd- 
westafrika. V . 78 

— Patella Wünschmanni nov. sp. und die Fauna des Ilsen- 
burgmergels bei AVernigerode. (Mit 2 Textfiguren.) B. 81 

— i'iber eine Neithea aus der oberen Kreide von Bettin- 
gerode (Titel). V 78 

— Zur Fauna des Emschers bei Soest. B 86 

Branca, W., und Kayser, Em.: Zu welchen schweren 

Schäden fühi't eine übertriebene Betonung der Geologie 

in der Geographie. B 30 

Fliegel, G. : Über Karbon und Dyas in Kleinasien nach 

eigenen Beisen. (Mit 2 Textbildern.) V 2 

Gagel, C. : Über einen neuen Fundi)unkt nordischer Grund- 
moräne im niederrheinischen Terrassendiluvium und 
die Altersstellung dieser Grundmoräne. (Mit 1 Text- 
figur.) V . 21 

Gotiian: Bemerkungen zum Vortrag .von Herrn Fliegel. V. 12 

— Über einen interessanten Pteridospermenfund. V. . . . 80 
Hennig, E. : Die Tübinger geologisch-paläontologische Uni- 
versitäts-Sammlung B 182 

Herrmann, F. : Über Erdbrände. (Mit 1 Textfigur.) V. . . 66 

Hess von 'VVichdürff, H. : Beiträge zur Diluvial-Geologie 
in der westlichen Umgebung von Dünaburg und des 
Dryswjat.y-Sees (Titel). V , . . . . 15 

Hoyermann, Th. : Untersuchungen über die Entwicklimg 
der Lobenlinie von Leioceras opalinum Bein. (Mit 
6 Textfiguren.) B _ . 160 

Hummel, K.: Theoretisches zur Faziesverteilung in den Alpen. 

(Ein Beitrag zur Beurteilimg der Deckentheorie.) B. 114 

Jentzsch, A. : Cyrenenfund aus der Provinz Posen. V. . . 18 

— Über den Kern der Kernsdorfer Höhe. V 19 

— Über den Keuper der Provinz Posen. V 15 

Kautsky: Das Miocän von Hemmoor (Titel). V. . . .. . 79 



Seite 
Keilhack, K. : Das Niederlaiisitzer Miocäu und die Stelhiiijf 

der Glassande von Hohenhocka in ihm (Titel). V. . . . 1-49 

— Die Glassande von Hohenhocka und iiue Stellung- im 

Miocän der Lausitz. B 177 

Kessler, Paul: Geoiogisclie Beobachtungen im Heichslande. A. \'yl 
Kkexkel, Iv : Die Tanganjika- Formation in Deutsch-Ost 

afrika. (Mit 3 Textfigui-en.) B 89 

Keusch, P. : Dei- Gebirgsbau im hoUändiseh-preußi.schen 

Grenzgebiet von '\Mut.er\vijk, "Weseke, lUuirse usw. 

(Mit 2 Textfiguren.) V 139 

Lkhxkk, A. : Beiträge zui- Kenntnis des olierpfälzische/ii 

"Waldgebirges. Hierzu Tafel 11 und 1 Textfis'iu'.) A. . M J 

Oppenheim, Paul: Diskussion zum Vortrag Böhm. V. . . 78 

— Über ein Geschielie (?) von Schliagenthin in der Xeumark. B. ff 

PoMPECKj : Diskussion zum Vortrag Herkmanx. V 74 

QuiRiNG, H. : Zur Tektonik von Eumpfschollengebirgen. B. 114 

Eaxge, P. : Beiträge zur Kriegsgeologie. B 164 

SoERGEL "V^^ : Der Siebenschläfer aus den Kiesen von Süßen- 

born bei Weimar. (Hierzu Tafel III und 1 Textfigur.) A. ■)i> 

Stille, Haxs: Die Begriffe Orogeuese und Epirogenese. A. IBI 

— Über die Begriffe ,, Orogeuese"' und ,, Epirogenese"' (Titel). V . 152 
Stromer, Ernst : Über paläozoologische Sammlungen. B. 47 
Wagxer, Georg : Beiträge zur Kenntnis des Oberen Haujit- 

muschelkalks von Mittel- und Xorddeutschland. (Mit 

3 Textfiguren.) A 80 

"V^'egxer, Th. : Die rnorphologische Bedeutung der Grund- 

wasseraustritte. (Hierzu Tafel \ und 4 Textfiguren.) A. 13ö 

WiLCKExs, Otto : Was ist unter ,, Scharung"' zu ver.stehen ? B 10^ 

AVillmaxx, Karl: Die Eedwitzite. eine neue Gruppe von 
granitischen Lamprophyren. (Hierzu Taf(d I und 

1 Textfigur.) A. . . ' . 1 

AVoLFF. ^' . : Über eine Talsperre im Diluvialgel)iet bei 

Danzig (Titel). V 77 

"Wurm, A. : Beiträge zur Kenntnis der Tria.s von Katalonien. B. 151 

Bericht ülier die Sitzuuir vom 5. Februar 191 i)') / 

, 2. April 1919 13 

, ,, 7. Mai 1919 65 

, 4. Juni 1919 79 

, ö. JS'ovemlier 1919 137 

, .. 3. Dezember 1919 149 

Mitgliederverzeichnis 209 

Neueingänge der Bibliothek 62, 186 

Ortsregister 792 

Preisausschreiben von Heri'u Strom kr v. IIkichenbach . . 133 

Eechnungsalischluß für das .Jahr 1918 64 

Sachregister 196 

Vorstandsvvahl 149 

. 1) Im Januar. März und Juli kminten wegen der T'nruheu 
luid wegen Verkehrsstreiks keine Sitzungen abgehalten werden. 



Zeitschrift 

der 

Deutschen Geologischen Gesellschaft 



Aufsätze. 

I. Die Redwitzite. eine neue Gruppe von 
granitischen Lani propliyren. 

Von Herrn Karl Willmann in Preiburg i. B. 
(Hierzu Tafel J und 1 Textfigur.) 

Einleitung. 

EosENBuscH begründete seine Abteilung der Gang- 
gesteine in erster Linie auf der Eigenart ihrer Struktur, 
vor allem der sogenannten -p a n i d i o m o r p h e n Ausbildung, 
wie er sie z. B. als bezeichnend für A p 1 i t e resp. für 
M i n e 1 1 e n und K e r s a. n t i t e anführt. Es ist schon 
lange bekannt luid besonders von Weinschenk immer 
wieder betont worden, daß diese Strukturform zwar zahl- 
reichen (ianggesteinen, oder wie Weinschenk sie bezeichnet, 
■Spal t u ngs ge s teinen eig.en ist, daß aber einerseits 
die geologische gleichwertige Gruppe solcher Gesteine weder 
insgesamt noch auch nur zum größeren Teil diese Struktur- 
form aufweist und daß andererseits zahlreiche nicht gang- 
förmig auftretende G-esteine die gleiche Ausbiklung be- 
sitzen. Wenn wii- die Verhältnisse näher betrachten, 
welche für die Aufstellung der Gruppe der Ganggesteine 
maßgebend sind, so kann zimächst kein Zweifel obwalten, 
daß diese in geologischem Sinn meist ziemlich untergeord- 
neten Massen keine selbständigen Bildungen sind, sondern 
stets das Ganggefolge gi^ößerer Intrusivmassen daxstellen. 
Wenn wir auch in den Tiefengesfceinen selbst mannigfach^ 
Änderungen der Mineralführung beobachten, so sind diese 
doch immerhin untergeordnet gegenüber den weitgehenden 
Unterschieden, wie sie z. B. zwischen einem Granit und 
einer Minette oder einem Kersantit bestehen. Dazu kommt 

Zcitschr. d. D. GeoU Ge-i. igi9. ^ 



noch, daß die Variationen im Ticlengestein selbst gewölmlich 
durch g-ajiz alhiiäliliche Übergäng-e miteinander an Ort und 
Stelle verbunden sind. In den Gang-gresteinen dagegien stehen 
sich die entgegengesetzten Typen oft scharf abgetgi'enzt 
gegenüber und es ist daher zweckmäßig, den Xamen der 
•Spaltungsgesteine für diese (iruppe von äußersten Sjjultungs- 
produkten zu reservieren. Wenn man im Sinn von BnöoGER 
die a, b y s s i s c h e und 1 a k k o 1 i t h i s c h e Spaltung aus- 
einanderhält, so fallen die (langgesteine Ro.sexbu.sch.s odei' 
die Spaltungsgesteine Wkinschenks unter die erste Gru]3pe. 
Man wird also definieren dürfen: Die ,, Ganggesteine" 
sind Ergebnisse der abyssi sehen Spaltung eines Magmas, 
daher unter sich und mit der zugehörigen 
Intrusivmasse stammverwandt, selbst bei weit- 
gc'ienden Verschiedenheiten der mineralogischen Zusammen- 
setzung imd der äußeren Beschaffenheit. Sie treten zum 
Teil in inniger Verbindung mit dem zugehörigen Intrusiv- 
gestein auf, teils finden sie sich in weiter Entfernung von 
diesem, sio daß häufig ihr direkter Zusammenhang nicht 
melu" nachgewiesen werden- kann; das letztere gilt nament- 
lich für gewisse Gruppen der Lampi'X)phyre, welche schein- 
bai' wurzellos normale Sedimente durchsetzen. Die ,, Gang- 
gesteine" haben sich von dem Stammagma in der Tiefe 
abgespalten imd drangen später im Gefolge der eigentlichen 
Intrusion aus dem Magmabasisin in die Höhe. Sie lagerten 
sich am leichtesten an den schwachen Stellen ab, an denen 
der Zusammenhang der älteren Gesteine in irgend einer 
Weise gelöst war. Weitaus in der Haujitstiche finden sie 
sich daher als Ausfüllung von Klüften und die G a n g f o r m 
ist die verbreitetste geologische Erscheinimg der abyssischen 
Spaltungsprodukte, aber keineswegs deren einzige. Wo die 
Gesteine schiefrig waren, wie z. B. die E, a n d z o n e n d e r 
z e n t r a 1 a 1 j) i n e n Granit e oder aufgebt ä 1 1 e r t e 
Sedimente, da findet man sie ebenso häufig als 
konkor d ante schichtenartige Einlagerungen und schließ- 
lich führt die unregelmäßige Beschaffenheit dei- Zerrüttungs- 
systeme selbst zu ausgedehnten stockartigen Massen, die 
petrogra])hisch \'ollständig gleichwertig mit den gangförmig 
auftretenden Bildungen sind. 

Man hat sich wie schon eingangs erwähnt ferner daran 
gewöhnt niu- bestimmt struierte Gesteine, d. h. jene mit 
pan idio mor p her Struktur bei den eigentlichen 
Ganggesteinen einzui^eiheii, wenn man auch diese Regel 
nicht gleichmäßig anwandte. So sind z. B. die grobkörnigen 



P e g- m a t i t e von den übrigen systematisch eingrereiliten 
Ganggesteinen in jeder Beziehung verschieden. Zumal in 
der Gruppe der Lamprophyre wurden fast ausschließlich 
dichte oder mindestens selir feinkörnige Gesteine als Er- 
gebnisse der abyssischen Spaltung anerkannt, während man 
in einigermaßen gröberkörnigeren Bildungen eher Schlieren 
oder auch Einschlüsse älterer körniger Gesteine sehen zu 
dürfen glaubte. 

Es soll nun in folgendem gezeigt werden, daß auch 
die basischen Spaltungsprodukte der Lamprophyrreilie einer 
solchen mittel- bis •grobkörnigen Entwicklung fähig sind, 
und daß charakteristische Unterschiede diese von den 
eigentlichen Sclilieren der lakkolithischen Spaltungsprozesse 
trennen. Die aus der Tiefe empordringenden Nachschübe 
einer mächtigen Intrusionsmasse sind in Beziehung auf diese 
e p i g e n e t i s c h e Bildimgen, wälu^end man die lakko- 
lithischen, also erst an Ort und Stelle der Verfestigung 
eingetretenen Differentiationen am Ijesten als s y n g e n e - 
tische Spaltungsprodukte bezeiclmen kann. Die Nach- 
schübe der großen Intrusionen stehen in der Mitte zwischen 
dem Prozeß der Verfestigung des Tiefengesteins und jenem 
der Kristallisation eines oberflächlichen Ergusses. Man wird 
amiehmen dürfen, daß von einem Extrem bis zum andern 
jede Ausbildungsform dieser intermediären Gnippe möglich 
ist. Jene Nachschübe, die sich in das eben in Verfestigung 
begriffene Tiefengestein selbst oder in seine von Mineral- 
bildnern durchtränkte Nachbarschaft eingeschoben baten, 
werden in ihrer ganzen Ausbildung dem langsamen gleich- 
mäßigen Prozeß der Verfestigtmg entsprechend durchaus 
den körnigen Charakter der Tiefengesteine an sich tragen. 

Wo aber die Abzweigungen sich weit liinaus in die 
Umgebung erstrecken, wo sie nicht allzu weit von der 
Oberfläche der Erde, ja schließlich an dieser selbst zur 
Verfestigung kamen, da Avird ihre Struktur und Besjliaffen- 
lieit den verschiedenen Formen der Ergußgesteine bis in 
die äußerste glasige imd schlackige Ausbildung entsprechen. 
Es mag darauf hingewiesen werden, daß normale riesen- 
körnige Pegmatite in ihrer chemischen Beschaffenheit völlig 
identisch sind mit rein glasigem Peclistein. Alle diese ver- 
schiedenai'tigen Gebilde gehören zu der einen großen Gruppe 
der G a n g g e s t e ine im geologischen Sinne und 
es ist unmöglich, dieselben in einzelne Teile zu zei'legen, 
die z. B. bei Eosenbusch in verscliiedenen Abschnitten be- 
htindelt werden. 



Bisher lia.t niaii fast nur bei den sauren Spaltung-s- 
produkten die mittel- bis grobkörnigen Formen als eigent- 
liche Ganggesteine anerkannt. Daß ganz ähnliche Er- 
scheiiRingen auch bei den Lampropiiyren in weiter Ver- 
breitung vorhanden sind, ist eine Tatsache, die bisher nur 
wenig gewürdigt wurde und welclie im folgenden ausführ- 
licher begründet werden soll. 

1. Auftreten und äußere Beschuifenheit. 

Der gi^anitische Zentralstock des Pichtelgebirges ist 
ausgezeichnet durch die Frische imd Verbandfestigkeit des 
gleichmäßig körnigen Granits, dessen Brauchbarkeit zu den 
verschiedensten Zwecken die große Grajiitindustrie des 
Pichtelgebirges hervorgebracht hat. Gegen die südlichen 
Bandzonen zu verliert sich mit dem Eintreten porphyr- 
artiger Strukturen die Plüsche des Hauptgesteins mehr und 
mehr und der Granit ist dort in bedeutende Tiefen ver- 
sandet und vergrust, so daß anstelle der Granitbrüche oft 
ausgedehnte Sandgruben getreten sind. Nur ausnahmsweise 
ist der Porphyrgranit selbst, der von Gümbbl V) als 
Kr istall granit bezeichnet wiu'de, als Haustein ver- 
wendbar, weitaus die meisten Steihbmche aber, welclie 
auch in diesen Teilen des Gebirges, sowie in der südlich 
sich anschließenden Oberpfalz vorhanden sind, verarbeiten 
andere GTesteinsmaterialien. Unter diesen erregen dunkle, 
blauschwarze, meist mittelkörnige Gesteine, die sogenannten 
„blauen Granite" besonderes Interesse und sie finden in 
größerer Ausdehnung Verwendung als vorzügliche Pflaster- 
steine. 

In diesen Gebieten sieht man häufig an der (Oberfläche 
flache Hügel, die aus den ganz versandeten und meist auch 
vermoorten Granitgebiet aufragen und beobachtet dann 
häufig Haufen kleinerer und größerer Wollsäcke von dunkler 
Farbe, welche aus den dunkeln Gesteinen bestehen, die 
infolge ihrer großen Frische der Verwitteaiing AA'iderstand 
geleistet haben, während der daneben befindliche Kristall- 
granit bis tief hinunter völlig vergrust ist. Sie sind außer- 
ordentlich zähe und nur schwer gelingt es, von den ge- 
i-undeten, etwas kugelschalig abwitternden Blöcken einiger- 
maßen frische Stücke loszulösen. Von der kugeligen Ver- 
witteiiinsr in den oberen Teilen kommt man nach der Tiefe zu 



1) Gümbel: Das Fichtelgebirge. — Das ostbayerische Grenz- 
gebirge, 



in frischen Kernstein. Die Wollsäcke selbst zei.g-en öfters 
eine eigentümliche Erscheinung an ihrer Oberfläche, in dem 
lichtere, gang- und schlierenartige Partien, die offenljar 
verwitterungsbeständiger sind, etwas erhaben wie Wülste 
Übel' die gerundete Oberfläche hervorragen. 

Es finde.n sich alle Übergänge von ganz dichten, 
oft etwas p o r p h y r i s c h e n Formen durch die am häufig- 
sten auftretenden ni i 1 1 e 1 k ö r n i g e n Gesteine, bis zu 
ganz grobkörnigen p e g m a t i t a r t i g e n Tj'^pen, die 
von großen, oft mehrere Zentimeter messenden Biotit- 
tafeln durchgesetzt sind. Die Farbe und der Charakter der 
dichten Oesteine ist ziemlich tiMppähnlich, bei größerem 
Korn treten die hellen Gremengteile deutlicher hervor, 
manchmal so sehr, daß die Gresteine ein syenitartiges Aus- 
sehen annehmen. Diese Erscheinung sowie das fast ülierall 
reichliche Auftreten von makroskopisch sichtbarem B i o t i t 
hat GrüMBEi. veranlaßt! die ganze Gruppe unter dem Namen 
der S y e n i t g r a n i t e zusammenzufassen. An anderen Orten 
wurden hierher gehörige Gesteine häufig als G 1 i m m e )■ - 
Syenit bzw. G 1 i m m e r d i o r i t besondei'S hervorgehoben. 

Das wichtigste Merkmal dieser Gesteine ist ihre Un- 
glcichmäßigkeit, wenn auch im allgemeinen in dem- 
selben Vorkommnis eine gleichartige Korngröße vorhanden 
zu sein pflegt. Qualitativ ist die Zusammensetzung aller 
m Betracht kommenden Gesteine ziemlich eintönig und 
man erkennt bei einigermaßen deutlichem Korn Biotit, Horn- 
blende, Feldspat und meist wenig Quarz. • Sehr wechselnd 
dagegen ist das quantitative Verhältnis der dunkeln und 
der lichten Gemengteile. Die Folge ist ein weitgehender 
Wechsel der Farbe innerhalb eines Vorkommnisses, ja sogaa- 
innerhalb eines und desselben Handstückes. 

Die Gesteine sind also durch und durch ungleichmäßig 
und im großen wie im kleinen schlierig aufgebaut. Dazu 
kommen die überall in diesen Bildungen in großer Zahl 
auftretenden, bald scharf absetzenden, bald verschweisten 
lichteren Gänge von aplit- und pegmatitartiger Beschaffen- 
heit. Dies tritt besonders augenfällig in die Erscheinung, 
wenn man an einen» Eegentag die mit solchem Material 
gepflasterten Straßen genauer beobachtet. Es ist das 
geradezu das beste Kennzeichen der hier als R e d w i t z i t 
zusammeng-efaßten Gesteine. 

Viele dieser Vorkommnisse erinnern im äußei-en Habitus 
besonders an die Monzonite, wozu auch die größeren 
Glimmertafeln, die hier überall vorhanden sind, in hohem 



6 



MaJie beitragen. Und wie die Monzonite äul^rst wechselnd 
in ihrer Zusammensetzung sind, von ziemlich felds])atreichen 
bis zu ganz feldspatfreien. Gliedern, so findet man eine 
entsprecheaide Reihe auch bei den Redwitziten, die von 
syenitischer Ausbildung bis zu eigentlichen P e r i d o t i t e n 
wechseln. Während aber die Ungleichmäßigkeit der 
mineralischen Zusammensetzung hier bis ins kleinste geht, 
so daß es oft nicht gelingt, auch nur ein völlig einheitliches 
Handstück von Redwitzit zu sammeln, hat die analoge Be- 
schaffenheit der Monzonite vielmehr den Charakter einea^ 
im großen Maßstab und in ziemlicher Regelmäßigkeit ein- 
getretenen lakkolithischen Spaltung. Vollends deutlich wird 
diese Verschiedenheit, wenn man die Beziehungen von Red- 
Avitzit bzw. Monzonit > zu den sie durchsetzenden Apliten 
und Pegmatiten betrachtet. 

Im Monzonit des Monzo nitstockes und bei Pre- 
dazzo trifft man wohl auch vereinzelte Aplitgänge. 
welche Ausläufer des benachbarten jüngeren G-ranites sind. 
Diese zeigen aber ihren Charakter als Stammes fremde Bil- 
dungen schon in ihrer ganzen Ausbildung, \or allem in der 
scharfen Abgi^enzung gegen den meist kontaktmetamorph 
veränderten Monzonit. Ganz anders und vol- allem viel 
inniger ist das Verhältnis bei den Redwitziten. Hier trifft 
man bei den feldspatführenden wie bei den feldspatfreien 
Gliedern allüberall eine geradezu auffallende Massen- 
haftigkeit von Apliten und Pegmatiten, die ebenso ^vx>hl 
die grobkörnigen wie die feinkörnigen und dichten Gesteine 
durchadern und deren Auftreten geradezu charakteristisch 
für die ganze Gruppe ist. Diese Adern und Gänge von 
wechselnder Mächtigkeit setzen zum Teil als scharfe lichte 
Bänder von dem dunklen Gestein ab, ohne daß an ihrem 
Salband irgendeine Änderung im Nebengestein erkennbar 
wäre. Von solchen scharf absetzenden Adern aber bis 
zu kaum mehr von ihrer Umgebung zu trennenden eigent- 
lichen Schlieren von Aplit und Pegmatit gibt es bei den 
Redwitziten alle Arten von Übergängen, welche die nalie 
Verwandtschaft dieser Bildungen miteinander aufs deut- 
lichste erkennen lassen. 

Wenn man die ganze Reihe solcher Gebilde in irgend- 
einem Vorkommnis von Red^vit^it beobachtet, so kann man 
ihre Mamiigfaltigkeit nur durch die Annahme erklären, daß 
zwischen dem offenbar getrennten Empordringen der beiden 
sich ergänzenden Teile des granitischen Magmas nur wenig 
Zeit lag und daß zweifellos in all diesen Fällen jüngere 



sauere Aplite und Peg-iiiatite sclion in den letzten Stadien 
der Verfestigimg des redwitzitisohen Magmas empordran'gen. 
Nur so ist es zu erklären, daß sie sich stellenweise geradezu 
schlierenartig mit diesem mischten. An anderen Stellen 
kam aber der Nachschub in das schon verfestigte dunklere 
Gestein und l)il(lote dort die scharf absetzenden Adern. 

Auch in ihren Bezielmngen zam Granit, speziell zu 
dem sogenannten Kristallgranit in der Oberpfalz treten be- 
zeichnende Erscheinungen hervor, welche für die genetische 
Deutung der Redwitzite von Wichtigkeit sind und unter 
allen umständen einen großen Gegensatz zu dem Verhältnis 
\'on Moinzohit und Granit in Südtirol • darstellen. I>ie 
Monzonite der Umgegend von Predazzo stehen dem dortigen 
Granit als ältere und keineswegs stammverwandte Bildungen 
völlig fremd gegenüber. 

Vergleicht man nun zunächst die hier als Redwitzit 
zusammengefaßten Gesteine mit den so häufig vor- 
kommenden, dunkleren , syenitischen und dioriti- 
schen Randzon'en der Gr a n i t massi ve , so er- 
geben sich folgende Unterschiede. 

Während es für die basischen Randzonen der Granite 
geradezu charakteristisch ist, daß aus dem Nebengestein 
aufgenommene G«mengteile von KJordierit, Andalusit, Granat 
u. a. in weitester Verbreitung vorhanden sind und öfter 
auch in größeren Flecken mid Putzen hervortreten, so 
fehlen diese Mineralien allen von mir untersuchten Ge- 
steinen der Redwitzitreihe vollkommen. Beim Vergleich 
.der l>eiden Arten von Gesteinen tritt dies makroskopisch 
sehr deutlich hervor. 

Andernteils ist eine der bezeichnendsten Erscheinungs- 
formen der Redwitzite in ihren lichten wie in den dunkelsten 
Abarten durch das deutliche Hervortreten größerer, sich 
sehr selbständig abhebender Biotitblättchen gegeben, welche 
ihre Ähnlichkeit mit den Monzoniten bedingt. Diese Er- 
scheinung tritt in eigentlichen Randzonen der granitischen 
Massen, die durch Resorption des Nel>engesteins entstanden 
sind, niemals auf; in diesen ist auch Ig^ei hohem Biotitgelialt 
dieses Mineral stets innig mit den übrigen dunklen Be- 
standteilen gemischt. 

Die basischen Randzonen der Granite neigen endlich 
gewöhnlich zu porphyrischer Ausbildung, indem größere 
oder kleinere Eiasprenglinge von Orthoklas sich von der 
dunkeln Hauptmasse abheben; ähnliche Erscheinungen be- 
obachtet man woh.1 auch ganz lokal an den Redwitziten. 



Sie Min\ al)(M' liici' auf meist solir uutL'rp'ordnete Schlieren 
von gewöliulicii lichter Farbe beschränkt, die vor allem au 
solchen Vorlvjomimiissen auftreten, die im Kristall.^ranit selbst 
zur Ausbildung- kamen. Dann sind es vor allem s;'hmale 
Randzoiien, die sich zwiscliien den dunklen, nicht ])or- 
phyrischen Redwitzit und den lichten, meist durch und 
durch verkrusten Ivrist-iUgranit einschiel>en; Beide Gesteine 
erscheinen dort miteinander versch\\eißt, und diese Zwischen- 
bildungen sind nur dadurcli zu erklären, daß sich das Ein- 
dringen des lamprophyrischen Magmas noch vor dei' völligen 
Verfestigung des g-ranitischen v^ollzog. Die Mischung der 
beiden Gresteine ist in diesen porphyrartig-en Redwitziten 
eine din-chaus innige und der Übergang von Lampropliyr 
zum Kristallg-ranit erfolgt auf einige Dezimeter Entfernung 
so allmählich, daß eine andere Deutuüg dieser Bildungen 
ganz ausgeschlossen ist. Die Feldspateinsprenglinge haben 
völlig Form und Größe jener im benachbarten Kristallgranit, 
nur sind sie, wo sie in der dunklen Grundmasse liegen, 
meist etwas mehr gerundet, wie man das an Feldspat- 
kristallen im T.amproi)hyr ■gewöhnt ist. (Vgl. Tafel I, Fig. 1.) 

Besonders bemerkenswiert aber ist die adulara.rtige 
Frische dieser Einsprengunge gegenüber der trüben, zer- 
setzten Beschaffenheit des Orthoklases im Kristallgranit und 
es ist ferner in solchen Übergangszonen zu beotoaehicn, 
daß die frische Beschaffenheit, wielche die Redwitzite überall 
auszeichnet, um so mehr verloren geht, je mehr dei- 
granitische Anteil in diesen Zwischenprodukten zuninunt. 
Die Grundmasse des Gesteins wird dann lichter und der 
Quarzgehalt tritt deutlicher hervor, damit aber verliert sich 
rasch die kompakte Beschaffenheit, rostige Aderung stellt 
sich ein und ganz allmählich geht so das Gestein in den 
sandigen und rostigen Granitg^rus über. 

Für den 1 a m p r o p h. y r i s c h e n C h a r a k t e r dei- 
Redwitzite spricht auch das allerdings ziemlich seltene Vor- 
kommen von kleineren gerundeten Augen oder größeren 
Putzen von Quarz, die von einem Kianz dunkler 
Mineralien umgeben sind. 

Die Korngröße wechselt mit der Entfernung des 
betreffenden Vorkommens von Granit; wo diese Gesteine 
im Granit selbst oder in dessen nächster, injizierter Um- 
gebung auftreten, trifft man die grobkörnigsten Strukturen. 
In weiterer Entfernung wird das Korn feiner und die 
dichten Ausbildungsformen sind die am weitesten vor- 
ereschobenen Abzweigungen. 



9 



2. EiiizoLschildeiuiig der verschiedenen Xuikonininisse. 

Die von Weinschknk als Redwitzite bezeichnete 
LaniprophyrgTuppe hat am Südabhang- des Fiehtel,a:ebiri;-es 
ihre Verbi'eituiig- auf einer etwa 40 km breiten Zone, die sich 
von M a r k t r e d w i t z in Oberfranken bis geg^en \V e i d e n 
in der Oberpfalz erstreckt. Es handelt sich dabei um 
eine sehr große Anzahl einzelner bald deutlich gangförmio-er, 
bald mehr stock- oder lagerartigei' Massen, welche in den 
als K r i s t a 1 1 g r a n i t ausgebildeten Randzonen der Granite 
des F i c h t e 1 g e b i r g c s und des nö]xlliclien Ober- 
pfälzer Wa. Ides auftreten, aber ebenso auch in den 
injizierten Schiefern der sogenannten h e r z y n i s c h e n 
G n ei s f o r m a't io n vorhanden sind. Die \'orkomnmisse 
innerhalb des Granites sind die am besten ausgebildeten, 
hier trifft man die grobkörnigsten und am meisten schlierigen 
Formen, während bei den Einlagerungen im Gneis die 
Korngröße mir der Entfernung vom' Granit rasch .abnimmt 
\md gleichzeitig ihr Habitus viel einförmiger wird. 

Typische Beispiele der ersteren Art in den Randzonen 
des Fichte Igebirgsgranils finden sich in größerei' Anzahl 
und besonders mannigfaltiger Entwicklung in der Gegend 
von Marktredwitz. Danach ist der Name der ganzen 
Gruppe gewählt worden. 

Ebenso reich sind aber auch die Stöcke von Kristall- 
granit im Oberpfälzer Wald; an dessen Räuden kann man 
zahlreiche und sehr schön entwickelte Vorkommnii^se im 
Norden und Osten von Tirschenreuth bis nach 1' 1 ö ß - 
berg beobachten, während auf der Westseite dieses Stockes 
namentlich im Wald n a a b t a 1 bei W i n d i s c h - E s c h e n- 
b a c h bis gegen' R e u t h bei Erbe n dort größere Auf- 
schlüsse in diesen Gesteinen vorhanden sind. Zwischen 
beiden Graniten liegt eine Gneiszunge, in der z. ß. l>ei 
M i 1 1 e r t e i c h ein ziemlich feinkörniger Redwitzit abgel^aut 
wird, und im Süden von Plößbei'g dringt wieder eine Gneis- 
zunge herein, in welcher namentlich in der Umgebung von 
Floß fast dichte Abarten in großen .Brüchen abgebaut 
werden. Zum Zweck der Untersuchungen wurden vor allem 
solche Redwitzite in Betracht gezogen, welche in größerem 
Maße künstlich aufgeschlossen sind. Die vorzügliche Be- 
schaffenheit des Materials als Pflasterstein hat ja eine aus- 
gedehnte Industrie in diesen Bildungen entstehen lassen, 
welche oft einen ganz vorzüglichen Überblick ül>er die all- 
gemeinen Verhältnisse gestattet. Wo künstliche Auf- 
schlüsse fehlen, ist man dagegen meist auf die runden Woll- 



10 



Säcke dey Vei'Avitterimgsrückstandes beschränkt, die außen 
meist stark verrostet und überhaupt wenig' frisch sind und 
inlolg-o der Zähigkeit, Avelche diesen Gesteinen eigen ist, 
ein Eindringen bis zu frisclieren Partien nicht gestatten. 

Häufig beobachtet man auf den Anhöhen u)id mi deren 
Abliang einzelne größere Wollsäcke, welche bei genauerer 
Betrachtung fast stets aus dunklen, schlierigen Eedwitziten 
von ausgesprochen monzonitischen Aussehen bestehen; sie 
Averden an einzelnen Stellen auch zu Pflaster- und Hau- 
steinen verarbeitet. Namentlich im Nordosten von Markt- 
r e d w i t z in dem stark hügeligen, zum großen Teil auch 
bcAvaldeten Gebiet sind aber auch zahlreiche tiefer gehende 
Aufschlüsse vorhanden, in Avelchen dieselben dunkeln Ge- 
steine ausgebeutet werden, die schon nahe ' der Gl>erf lache 
ein verbandfestes Gestein liefern im Gegensatz ziu deni 
hier bis in große Tiefe völlig vergrusten Kristallgraiiit. 
Von diesem letzten trifft man höchstens ganz imtergeordnete 
Anbrüche, so bei Corbersdorf M^estlich von Seussen, 
die auch kaum haltbares Gestein liefern und außerdem sieht 
man überall in den Wiesen und Wäldern massenhaft die 
ausgewitterten Einsprengunge von Orthoklas. Besonders 
zahlreich sind die Anbrüche im Redwitzit direkt östlich 
von i\Iarktredwitz auf einem flachen Höhenzug zwischen den 
Tälern der R ö s l a u und der K ö s s e i n e , der sich bis 
gegen Seussen hinzieht. Bemerkenswert tritt hier wie 
überall im Gebiet von Redwitziten die Erscheinung hervor, 
daß sich diese Aufschlüsse, ebenso wie übrigens auch die 
vorher erwähnten WoUsäc^ke auf Linien anordnen, die auf 
einen gangartigen Charakter im Auftreten dieser lampro- 
phyrischen Gesteine schließen lassen. 

Von den letzten Häusern von M.arktred^^^tz aus führt 
ein schlechtes Sträßchen am Friedhof vorüber über dem 
Rücken empor nach dem Dorfe Haag zu. An ihm liegen 
eine Reihe interessanter Aufschlüsse. Oberhalb des Fried- 
hofes rechts am Weg lieferte ein sehr kleiner verlassener 
Bruch ziemlich grobkörnige Gesteine, welche 
makroskopisch die •Hauptgemengteile deutlich unterscheiden 
lassen. Weiter oben an dem Scheitel des Rückens links 
vom Weg befindet sich ein mjächtiger Bruch im vollsten 
Betrieb. Das Gesteinsraaterial ist hier etwas dunkler 
und feinkörniger, vor allem aber äußerst schlierig 
ausgebildet. In Schlieren finden sich überall pegmatit- 
artige Formen, die von gix>ßen dümien Biotittafeln durch- 
wachsen sind. StellenAveise reichern sie sich zu kleinen 



11 



Nestern an und erscheinen dann oft in völlig idioniorphen 
seclisseitig-en Tafeln. Ferner sind die Pegmatite reicli an 
verschiedenen Kiesen und gelegentlich ist auch Epidot 
eingesprengt. In mehr quarzreiclien Partien sieht man 
htäufig pechschwarze Kriställchen von Orthit kenntlich 
durch den rostigen Ra;nd im einschließenden Grestein sowie 
durch die radialen Sprünge, die allseitig von ihnen aus- 
laufen. Einige Schritte weiter rechts von diesem Aufschluß 
liegt ein Bruch mit sehr dunklem imd g r o b k ö r n i g- e m 
Redwitzit. Nur eine schwache lichte Maserung weist n(K'h 
auf das Vorhandensein heller Gemengteile hin. Aus der 
dunkeln Masse schinnnern größere Spaltflächen eines 
P y r X e n s sowie große glänzende Biotitfetzen liei'vor. 
Leider ist der Bruch ersoffen und es ist so eine geolügische 
Untersuchung über die Beziehung zu den benachbarten 
Gesteinen unmöglich gemacht. Die Handstücke st:immen 
aus Blöcken, die am Rand des gmbenartig angelegten Stein- 
bniches umherlagen. Desgleichen war eine geologische 
Untersuchung der verschiedenen größeren Steinbrüche^ 
welche gegen das Kösseinetal nach Wölsau lünabziehen,, 
unmöglich, da diese gleichfalls völlig mit Wasser gefüllt 
Avaren. Einige am Rand geschlagene Gresteinsproben weisen 
besonders große r and lieh zerfressene Biotit- 
tafeln auf in einem an sich heller gefärbten grobkörnigen 
Redwitzit. 

Einen interessanten Einblick in den schlierigen Aufbau 
eines redwitzitischen Gesteinskörpers bietet der kleine jetzt 
aufgelassene Bruch gegenüber dem W ö 1 s a u e r Ha m m e r. 
Die unteren Partien sind ziemlich dunkel und recht fein- 
körnig, während der obere Teil aus dem grob- 
körnigen Gestein mit den großen einige Zentimeter 
messenden B i o t i 1 1 a f e 1 n besteht. Zwischen beiden Arten 
schiebt sich eine helle Schliere von a.plitisch-pegmatitischem 
Charakter ein. Bemerkenswert sind in der dunklen Masse 
des feinkörnigen Redwitzits zahlreiche h e 1 1 e F I ec k en. Es 
läßt sich schon mit der Lupe feststellen, daß es sich hier um 
feldspatreiche Partien handelt, in denen Ti"tanitkörnclien liegen. 

Im Kösseinetal aufwärts unterhalb der Landstraße nach 
Seussen bei Friedau miweit Brand liegt ein weiterer 
Aufschluß. Hier findet sich neben gewöhnlich dunklen 
mittelkörnigen Gesteinen auch häufig recht grob- 
körniges Material. Der schlierige Charakter tritt deut- 
lich in den allmählichen Übergängen hervor. Überall fand 
auch eine starke Durchtränkung mit aplitischen Partien 



12 



statt; bald trifft man auch diese sclilierenarti^'- dui-ch alle 
Übergänge mit dem Hauptgestein verbunden, bald sind es 
scharf durchsetzende Gänge, die bis Armesdicke erreichen. 
Einer von diesen weist am Salband mittel körnige Be- 
schaffenheit auf. die Gangmitte dagegen ist feinkörnig und 
überall stark mit schwarzen Tarmalinnäde lohen durchsetzt. 

Nordöstlich von Marktredwitz auf dem rechten Röslau- 
ufer ist in der nächsten Nähe des Dorfes Loren z reu tk 
Überair Eedwitzit durch Hohlwege aufgeschlossen oder 
die dunkeln Wollsäcke auf den Anhöhen weisen auf sein 
Vorhandensein hin. Weiter östlich erhebt sich ein flacher 
mit Kiefern bewaldeter Hügel, der Fuß buhl. Hier wird 
in einem kleinen Bruche Redwitzit zu Hausteinen abgebaut. 
Das Gestein ist im allgemeinen mittelkörnig mit groß- 
bankiger Absonderung. Ein vergruster Pegmatitgang durch- 
setzt es. 

Von Lorenzreutli fülu't eine Waldstraße nach 
Korbersdorf hinauf. Am Ausgang eines kleinen nord- 
südlich streichenden Tälchens kurz unterhalb des Dorfes 
liegt ein kleiner Anbruch im g r o ß p o r p h y r i s c h e n 
Kris t al 1 gr a n i t , von dem ob©n schon die Rede war. 
Das Gestein ist ziemlich zermürbt und die schönen nach 
(010) tafligen Orthoklaseinsprenglinge sind mit einem Rost- 
überzug bedeckt. In einigen der umherliegenden Blöcke 
fanden sich einzelne ziemlich feinkörnige dunkle 
Schlieren mit p o r p h y r a r t i g e r A u s b i I d u n g. 
Diese zeigen zunächst dem Granit, einzelne gix)ße Orthoklas- 
einsprenglinge; häufiger aber ist Plagioklas in kleinen 
Individuen neben ziemlich viel Biotit und runden Quarz- 
körnern. Feldspate und Quarz weisen meist Korrosions- 
erscheimmgen auf. Die gleiche Ausbildung findet sich an 
einer kleinen, mit Kiefern bewachsenen Anhöhe gegenüber 
den Steinbrüchen beim Bahnhof Seussen. 

In diesen mrd ein ziemlich dunkler, körniger 
Redwitzit gebrochen, der bald mehr Hornblende, bald mehr 
Biotit führt. Den westlichen Bruch durchzieht eine 
Schliere von p o r p h y r a r t i g e m R e d w i t z i t nüt 
zahlreichen großen Einsprengungen von Orthoklas, offenbar 
ein durch Mischung des lamprophyrischen Magmas mit dem 
Kristallgranit entstandenes Gestein, wie man es sonst 
öfters anv Kontakt der beiden Arten von Bildungen be- 
obachtet. (Taf. 1, Fig. 1.) Da die Schliere hier al3er 
mitten im Redwitzit auftritt, so kann sie nur dadurch Er- 
Iclärung finden, daß der lampix)phyrische Nachschub aus 



13 



der Tiefe eine Scholle von KristallgTauit mit sicli riß und 
sich einverleibte. 

Aus dem allmählich ansteigenden Gelände nördlich von 
Korbersdorf und Seussen liebt sich ein Höhenzug- ab, der 
die Streichrichtung- Südwest — ^Nordost einhält. Er beginnt 
mit den Anhöhen nordöstlich der R a t h a u s z i e g e 1 h ü 1 1 e 
und endet zwischen R ö t h e n b a c h und G- a r m e r s r e u t h 
in einer ziemlich steil gegen Osten abfallenden Erhebung. 
Zahlreiche mächtige dunkle Wollsäcke sowie verschiedene 
gute Aufschlüsse zeigen, daß es sich auch hier um eine 
mächtige redmtzitische Gangmasse handelt. Weiter nörd- 
lich daran schließt sich das G«biet der p h y 1 1 i t i s c h e p: 
Schiefer an, in welchen unsere Gesteine nicht melu- 
vorkommen. Auf der Anhöhe nordöstlich von 
der Rathausziegelhütte wird in mehreren, dicht 
beieinander befindlichen Brüchen )n i 1 1 e l - bis grob- 
körniger Redwitzit abgebaut. Jn dem gi'obkörnigen Ge- 
stein stellen sich neben den kleinen Bio ti t blättchen oft 
größere Tafeln mit zerfressenem Rand ein, 
wie sie bei W ö 1 s a u erwähnt winden ; man trifft sie auch 
in den pegmatitischen Schlieren. Außer den besonders in 
den oberen Brüchen recht verbreitoten a p l i t i s c h e n und 
pegmatitischen Schlieren mit stellen weiser An - 
reicherung von Biotit durchsetzen den Redwitzit im großen 
Bruche an der Nordseite mächtige eigentliche A p 1 i t gänge. 
Auf der Westseite der Erhebung ist graugrüner Epidot 
keine Seltenheit. 

Ferner befinden sich südlich von Garmersreuth 
am Waldrande noch einige größere Brüche von mittel- 
bis grobkörnigen, bald dunkleren, bald helle- 
ren Gesteinen. Gelegentlich auftretende mächtige Peg- 
matitschlieren führen große Kristalle von O r t h i t. In 
nächster Nähe wird eine Spatgrube auf einen sehr reinen 
gi'oßkörnigen Pegmatit betrieben. 

Weiter nordöstlich auf der Höhe zwischen Gar m e r s - 
r e u t h und R ö t h e n b a c h , die eine prächtige Rund- 
sicht auf die ganze Gegend bietet, liegen mächtige gruben- 
artig angelegte Steinbrüche. Der hier abgebaute, mittel- 
körnige, ziemlich helle Redwitzit fühlet stellen- 
Aveise häufig Aplitadern. 

In der nördlichen Oberpfalz enthält sowohl der 
Kristallgi'anit wie die großen Granitmassiven vorgelagerten 
Zonen der injizierten Scliiefer öfters Lag'ermassen un4 Gänge 



14 

vun Rerhvitzit. \'on diesen seien zuei'.st die d u n kc l n mehr 
oder wenig-er feinkörnigen Gresteine von Pechofen 
bei Mitterteich g-enannt. Ihr Charakter ist aus- 
gespi-ochen schlierig- und l>esonders merkwürdig- sind ge- 
legentlich schwarz glänzende äußerst biotitreiche Partien. 
Die Lampix)phyre sind dem Gneis eingelagert und häufig 
von A p 1 i t s c h l i e r e n und Gängen durchzogen. 

Im T i r s c h e n r e u t h e r G n e i s g e b i e t sind Red- 
witzite äußerst verbreitet und auch an vielen Stellen gut 
aufgeschlossen; mittelkörnige, hellere Abarten 
finden sich so z. B. bei K 1 e i n - K 1 e n a u , dann zwischen 
Tirschenreuth und Wondreb sowie bei Marche- 
n e y. Etwas g r ö b e r k ö r n i g und dunkler ist ein 
Gestein von Groß -Kien au. In ihm trifft man öfters 
wieder jene großen Biotittafeln mit dem zerfressenen Rand. 
Die Verwitterungsoberfläche erscheint infolge des Heraus- 
witterns zahlreicher feinschiippiger Biotitputzen oft geradezu 
schlackenartig. • 

Östlich von Tirschenreuth etwas oberhalb der Ortschaft 
Laub stehen die grobkörnigsten Redwitzite an, 
die ich zu Gesicht bekam. Es sind ziemlich dunkle etwas 
schlierige Lagermassen, von ganz pegmatitartigem Habitus, 
die zwischen dichten dunklen Hornfelsen und P h y 1 1 i t 
eingeschaltet sind. Der Biotit ist reichlich in großen 
lappigen Tafeln vorhanden, welche bis zu 5 cm im 
Durchmesser erreichen ; sie sind ganz von den übrigen 
Gemengteilen durchwachsen, durchschneiden aber auch 
andernteils wieder die lichten Mineralien des Gesteins. 

F e i n e r k r n i g und ziemlich dunkel ist ein 
Lamprophyr, der einen mächtigen Gang im Kristallgranit 
bei P i r k westlich von Tirschenreuth bildet. Diese Gesteine 
haben dioritisches Aussehen, zeichnen sich aber besonders 
dnrch e t w^ a erbsengroße schwarze Flecken aus, 
die Anhäufungen von schuppigen Biotit sind. Solche Biotit- 
flecken sind überhaupt in der Tirschenreuther Gegend in 
den Redwitziten weit verbreitet, während sie in den Vor- 
kommnissen des Fichtelgebirges zu fehlen scheinen. Der 
umgebende Kristallgranit ist verrostet und verginist und 
das Salband bilden ähnliche durch große Orthoklase por- 
phyrische Mischgesteine von Redwitzit und 
Granit, wie sie oben von den Vorkommnissen der Gegend 
von Seussen beschrieben werden. Durch solche bildet sich 
ein gut zu verfolgender Übergang zwischen dem frischen, 
verbandfesten dunklen Redwitzit und dem völlig vergrusten 



15 



Kristallgranit heraus. Auch nach dem Innern des dunklen 
Gesteinskörpers hin trifft man noch gelegentlicli spärliche 
Orthoklaseinspreng-linge in gerundeten abgeschmolzenen 
Formen. Fein bis mittelkörnige A p 1 i t e und grobkörnige 
Peg"matite, letztere gelegentlich mit eingewachsenen 
braunen r t h i t k r i s t ä 1 1 c h o n , durchsetzen die dunkeln 
Gresteine in mehr oder weniger scharf absetzenden Gängen 
oder in Schlieren, welche oft mit dem Nebengestein ver- 
schweißt sind. Manche dünne Aplitgänge gehen allmählich 
ins Nebengestein über, so daß sie ganz verwischt erscheinen 
und oft nur im nassen Gestein einigermaßen zu erkennen sind. 
Bei der Häuserg-ruppe Odschönlind in der nord- 
östlichen Randzone des Plößberger Kristallgranits 
gegen die Bärnauer Gneise liegen wieder recht inter- 
essante Vorkomnmisse. Hier erhebt sich östlich von einer 
kleinen Wegkapelle eine bewaldete flache Anhöhe, an die 
sich nach Süden und Südosten sanft abfallendes Wiesen- 
gelände anschließt. Gegen die Höhe zu finden sich vielfach 
Blöcke von m i 1 1 e 1 k ö r n i g e m , ziemlich helle m 
Eedwitzit. Danel>en trifft man auch feinkörnigere, 
dunkle Abarten, die äußerst reich an Biotit sind. Oft 
reichert er sich zu größeren dunkeln Flecken an, die an 
angewitterten Massen napfförmige Vertiefungen hinterlassen. 
Stücke dieser dunkeln ^Modifikationen lassen sich ül>ei'alt 
auch auf den Feldern sammeln. In einer Lichtung im 
Walde liegt etwa ein Dutzend kleiner Anbrüche annähernd 
auf einer Linie. Die aufgeschlossenen Gesteine sind mittel- 
bis grob körnig und von s e h w a r z e r bis schwärz- 
lichgrüner Farl>e. Die dunkelsten TS'pen erscheinen 
feldspatfrei und lassen zahlreiche große schimmernde Spalt- 
flächen einer uralitischen Hornblende in einer bräunlich- 
gelben Zwischemnasse erkennen. Die Beschaffenheit dieser 
Gesteine, die oftmals stark mit Magnetkies imprägniert 
sind, ist recht schlierig; es finden sich alle möglichen 
Übergänge von diesen feldspatfreien bis zu dunkeln, dann 
zu helleren feldspatführenden Arten und endlich zu aplitisch 
pegmatitischen Schlieren. Stellenweise erscheinen auch 
Nester von grobkörnigem Pegma.tit mit Muskowit und Tur- 
nialin. Die feldspat freien Gesteine sind recht zähe und 
werden wegen ihrer dunklen Farbe und Politurfähigkeit 
in der Oberpfalz auch zu Grabsteinen verarbeitet. Ihr 
Nebengestein ist auch liier durch und durch vergruster 
Kristallgranit, und daß diese feldspatfmien Lamprophyre 
nichts Aveiter sind als Äquivalente des sonst überall fehl- 



16 



spatreicheii Redwitzits, beweist aiicli ihre eif^e-nt liehe O a n g - 
form in dem verynisten Granit, die dm*ch die reihe nföi'miji,'-o 
Anordnimg der Anbrüche deutlich hervortritt. Ganz in 
Cbereinstimmimg steht damit auch ihr schlieiiger Charakter 
und ihre Dinx-haderung mit granitischen Aplit und Pegmatit. 
Am Rande der Lichtung gegen Osten zu liegen an 
einem Waldweg große ausgegrabene V e r w i 1 1 er u n gs - 
stücke dieser Gesteine, welclie durch geradezu bizarre, 
zackige und drusige Formen an jene der südamerikanischen 
Meteorreisen erinnern, mit denen sie auch in der Farbe 
übereinstimmen. Untersucht man diese Verwitterungs- 
Ijrocken genauer, so sieht man, daß diese Formen mit der 
schlierigen Beschaffenheit der Gesteine aufs innigste zu- 
sammenhängen. Beifolgende Skizze mag dies ilkistrieren. 
(Taf. I, Fig. •2.) Der auftragende Zapfen besteht uis 
dem leichter angreifbaren feldspatfreien Gestein, während 
die allerseits darüber vorstehende Krempe feldspathaltig 
ist und die Zusammensetzung eines normalen Redwitzites 
hat. 

Bei meinem Besuche in der Oberpfalz im Herbst 1915 
wurde die Landstraße P lö ß be rg— Wi 1 d enau frisch 
gebaut; die Gesteinsblöcke aus den angrenzenden Feldeni 
und Wäldern lieferten das Material hierzu. Neben allerlei 
interessanten Gesteinen wie Turmalinfelse, Aplite der ver- 
schiedensten Art usw. fanden sich auch einige Redwitzite, 
so z.B. ein schmaler, etwa fingerdicker Gang, 
dicht grau mit einer Neigung ins Porphyrische in einem 
Brocken Kristallgranit. Außerdem zeigten sich noch einige 
grobkörnijg.e b io ti t reic he A r t e n von nicht be- 
sonders dunkler Farbe. 

Weiter südlich von diesen Vorkomnmissen östlich von 
dem etwa 12 km entfernten Dorfe Floß zwischen Schön- 
bnmn und Plankenhammer erhebt sich ein mächtiger 
G n e i s r ü c k e n , auf dessen Südseite das Dorf H a r d t 
liegt. Auf der Höhe verraten schon Aveithin gewaltige 
Steinhalden einen größeren Steinbruchbetrieb. Der tiefem 
Teil des großen Pflastersteinbruches ist zur Zeit zwar mit 
Wasser gefüllt, aber gerade dadurch tritt die Form dieses 
Vorkommnisses ausgezeichnet in die Erscheinung. Das kleine 
Wasserbecken bildet nämlich eine ziemlich scharf als durch- 
schneidende vielleicht 40—50 m lange Rinne mit geraden 
und parallelen Ufern, welche fast senkrecht m die 
Tiefe setzen, während die darüber stehenden Teile dem 
vergrusten Gneis angehören und daher mit einer viel ge- 



Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. 1919. 



Tafel I. 




Fig. 1. Porphyrisches Mischgestein von Redwitzit und 
Kristallgranit. Seussen. 




Fig. 2. Verwitterungsstück. Ödschönlind. 



17 



ringeren Böschung gegen die Rinne abfallen. Die Gan|g- 
form des hier finiher in gi'oßem ^Maßstab gewonnenen Red- 
Avitzits ist also ganzs besonders gut zu beobachten. Das 
Glestein ist ziemlich dunkel und im allgemeinen fein- 
körnig bis dircht. Fleckige Beschaffenheit wie in der 
Tirschenreutlier Gegend fehlt. Bei den dichten Arten fällt 
oft eine Neigimg zur porphyrischen Bescha,ffenheit auf: Aus 
der dichten grauen Masse treten wieder die großen Biotit- 
blättchen hervor; manchmal sieht man auch kleine weiße 
schlecht ausgebildete Feldspateinsprenglinge. Selten sind 
helle ziemlich grobkörnige Schlieren, die, wenn 
sie am Rand der Masse auftreten, poiphyrartig sind. Da- 
gegen ist sehr verbreitet eine D urchade r un'g mit 
scharf absetzendem A p 1 i t oder seltener P e g m a t i t mit 
Putzen von gixißen Turinalinkristallen. 

Größere Gangmassen solcher Gesteine ziehen dann 
ferner von G e i 1 e r s r e u t h nordwestlich von Floß nord- 
wärts gegen* Windisch-Eschenbach. 

Östlich gerade gegenüber dem Bahnhof W i n - 
disch -Eschen bach schon von der Bahn aus sichtbajr 
liegen in einem Tälchen drei Brüche von Redwitzit. Das 
nähere Studium der Aufschlüsse ergibt, daß es sich hier 
um eine mehr rundliche Masse inmitten des KiistallgranitS 
handelt. Der Kern derselben besteht aus einem nicht be- 
sonders dunkeln mittelkörnigen Gestein; nach außen wird 
dieses dunkler und feinkörniger; bio titreiche fast schwarze 
Putzen erscheinen häufig. An der Grenze gegen den 
Kristallgranit entstehen Avieder infolge der Vermischung 
beider Gesteine porphyr artige Bildungen mit 
großen Feldspäten und kleinen Biotitputzen in sehr dunkler 
nahezu dichter Grundmasse. Ferner ist namentlich in den 
Nordbrüchen die Durchaderung der dunklen Gesteine mit 
A p l i t , dem sich Mer auch kleine Gänge von mehr 
granitartigem Aussehen hinzugesellen, ungemein 
häufig und oft durchqueren sich die Gangsysteme. Bald 
durchsetzen die Gänge scbarf den Lamprophyr, bald sind 
sie mit ihm verschweißt, so daß sie schließlich sich kaum 
mehr deutlich abheben und oft erst am nassen Gestein zu 
erkennen sind, wie das von Pirk beschrieben wurde. Be- 
merkenswert für den lamprophyrischen Charakter dieser 
Gesteine ist ein überzoUgroßer Einschluß von F e 1 1 - 
quarz in dem groberkörnigen Gestein, der durch ein 
scharf absetzendes dunkles Band vom Hauptgestein ge- 
schieden ist. 

Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1919. - 



18 

Auch nordwestlich von Windis c h-E sc he n - 
bach im Waldnaabtal aufwärts finden sich srößere 
Redwitzitputzen im Kristallgranit mn R eut h bei Erb en - 
dorf herum. Gleich hinter dem Balinhof des Ortes stehen 
die dunkehl Massen an und finden sich über Reuth hinaus 
bis nach Röthenbach, wo die l>esten Aufschlüsse vor- 
handen sind, so besonders a m D r a h t h a m m e r und kurz 
vor Röthenbach. Andernteils bestehen die gegenüber- 
liegenden Talgehänge nordöstlich von Reuth gleichfalls aus 
Redwitzit und ebenso ist er auch dort durch Brüche auf- 
geschlossen. 

Der große Steinbruch nordöstlich vom Drahthanuner 
liefert einen normalen mittelkörnigen Redwitzit. 
Wegien seiner häufigen Durchjadening mit Aplit und der 
kugligen Absonderung ist er als Pflasterstein wenig geeignet. 
In den unteren Partien des Bruches ist die Farbe nicht be- 
sonders dunkel. G^gen die Wand des Bruches aber nach 
dem Kristallgranit zu wird das Gestein immer dunkler und 
an der Gren2se entstehen wieder jene schon oft erwähnten 
porphyrartiigen Bildungen aus der Vennischung mit 
dem umgebenden Kristallgranit. Allgemein verbreitet sind 
scharf durchsetzende Gänge von Aplit, die gelegentlicli 
Turmalin führen, ferner sind auch Pegmatitschlieren, 
namentlich in den dunklen Arten keine Seltenheit. Weiter 
der Bahnlinie entlang das Waldnaabtal aufwärts kurz v o r 
Röthenbach bietet ein großer Steinbruch wieder einen 
schönen Aufschluß. Das anstehende Gestein ist wiedei* 
mittelkörnig imd gehört zu den hellsten Typen 
von Redwitzit, die in diesem Gebiet vorkommen; es ist 
sehr quarzreich und die dunklen Bio tittäf eichen heben sich 
scharf von der Gesteinsmasse ab. Auch hier herrscht die 
kugelige Absonderimg dßs Gesteinskörpers vor, dagegen ist 
die Durchaderung mit Aplit unbedeutehd. 

Auf der andern Seite des Tales zeigen! mächtige dunkle 
Wollsäcke Avieder den Redwitzit an und kurz hinter 
dem D o r f e Reuth befinden sich oben an den Abhängen 
einige kleinere Anbrüche, in denen aber meist nur die 
Verwitterungsblöcke abgebaut werden. Das gleichfalls 
mittelkörnige Gestein ist bald recht hell und bald 
wieder ziemlich dunkel entsprechend seinem schlierigen 
Charakter. An den liier schön hervortretenden Wollsäcken 
fallen die zahlreichen Wülste in die Augen. Sie ent- 
sprechen saueren Partien der Lamprophyre; ebenso heben 
sich häufig die Aveißen Aplitgänge vom dunkeln Unter- 



19 



o^runde ab. Etwas weiter talaufwärts in der 
Höhe der Bahnlinie liegt noch ein größerer Stein- 
b r u c h. Es handelt sich um ein mittelkörniges Gestein, 
dessen schlierige Beschaffenheit sich auch in einem Wechsel 
der Farbe von hell zu duiikel ausdrückt. Nur untergeordnet 
trifft man etwas gröberkömigere feldspatreiche hellere 
Partien mit größeren durchsetzenden Biotitblättchen. 

Außerdem finden sich noch einige Blöcke von mittel- 
köniigem normalen Bedwitzit unterhalb der Topfsteingruben 
von Plärn bei Erbendorf und schließlich kommen 
noch ähnliche Arten bei T h u m s e n r e u t h nordwestlich 
von Reuth vor. 

'ii. Makroskopische Beschaffenheit. 

Wie schon eingangs erwähnt wurde, ist die Haupt- 
eigentümlichkeit der Redwitzite in noch weit höherem Maße 
als bei den übrigen Lamprophyren ilu^e so ungemein un- 
regelmäßige s c h 1 i e r i g e B e s ch a f f e n h e i t. Dies wurde 
besonders bei Beschreibung der mächtigen Gangmassen des 
Fichtelgebirges hervorgehoben, wo in einem und demselben 
geologischen Körper bei beständigem Wechsel der Korn- 
größe sowie der Farbe alle Übergänge von feldspat- 
armen Gesteinen bis zu sy eni t ä hnlic he n Typen, ja 
sogar bis zu a ]) 1 i t i s c h p e g m a t i t i s c h e n Schlieren 
sich finden. 

Auch die Redwitzitputzen des Waldnaabtales sind 
schlierig, zeigen aber doch schon eine gewisse Gesetz- 
mäßigkeit darin, daß sie nach dem Rande zu basischer und 
infolgedessen dunkler werden. 

Die helleren grobkörnigsten Ty^pen der Redwitzite er- 
innern an bio titreiche Syenite, so einige Typen von Frie- 
da u und aus der Nähe der R a t h a u s z i e g e 1 h ü 1 1 e. 
Hierher gehören ferner die noch recht hellen Gesteine aus 
dem grubenartigen Bruch von der Anhöhe östlich von 
Garmersreu'th. Dem Syenit von Gröba gleichen 
auffällig die übrigens ziemlich quarzreichen Redwitzite von 
Röthenbach; es sind die hellsten unter all diesen Vor- 
konunnissen. Nimmt der Gehalt an dunklen Gemengteilen 
zu, so werden die Gesteine sehr monzo ni t ä h nl ic h und 
sind in ihrem Habitus etwa eben so wechselnd wie diese 
Gesteinsreihe. Makroskopisch lassen sich überall Biotit und 
Hornblende erkennen. Ersterer mit seinen sich scharf ab- 
hebenden Täfelchen stellt neben dem Feldspat den Avich- 



^0 

tigsten Hauptgeinengteil dar, wenn auch gelegentlich ent- 
sprechend der schlierigen Natur die, Honiblende stellen- 
weise überwiegt. Nach den aplitisch pegmatitischen 
Schlieren zu verschA^öndet die Hornblende völlig und der 
Biotit ist der einzige dunkle Gemengteil. Gewöhnlich nimmt 
auch Hand in Hand damit die Korngröße etwas zu. Der- 
artige Partien sind sehr schön bei den Handstücken aus 
dem zweiten Bruch am Haag er Weg zu beobaehten. 
Treten dann die Biotitblättchen in den Pegmatit über, so 
wachsen sie zu größeren, oftmals idiomorphen sechsseitigen 
Tafeln an, welche die Quarzfeldspatkömer scharf durch- 
schneiden. Manche grobkörnige Arten werden oft noch 
dunkler und neben den kleinen Biotitblättchen stellen sich 
größere randlich zerfressene Biotittafeln 
ein; solche von melireren Zentimetern Durchmesser wurden 
• von Laub beschrieben. Am weitesten verbreitet ist die dem 
Monzonit a.m meisten gleichende mittelkömige Art des Red- 
witzits. In manchen Typen häuft sich der Biotit bald zu 
kleinen, wie bei P i r k , oder bald zu größeren rundlichen 
Putzen wie bei Ödschönlind an und es entstehen Ge- 
steine von fleckiger Beschaffenheit. Treten Biotit und 
Hornblende immer mehr hervor, so werden die Gesteine noch 
dunkler und gelegentlich stellt sich der Pyroxen in größeren 
Individuen ein, wie in den äußerst dunkeln grobkörnigen 
Lamprophyren vom Bruch 3 am Haager Weg oder 
der Feldspatgehalt sinkt noch mehr und verschwindet 
schließlich völlig. Es entsteht das Endglied der Redwitzit- 
reihe, ein schwarzer bis schwarzgrüner Peridotit mit großen 
uralitischen Hornblenden in einer bräunlichen Zwischen- 
masse. 

Außer den fein- bis grobkörnigen Modifikationen gibt es 
noch solche von ziemlich dicht er Beschaffenheit, wie 
sie durch das Vorkommen von Floß charakterisiert sind. 
Ihre Farbe ist gewöhnlich lichtgrau. Manchmal trifft man 
in ihnen größere Blättchen von Biotit oder kleine undeutliche 
Feldspatetasprenglinge, so daß Übergänge zu porphyr- 
artigen Gesteinen sich finden. " Eigentliche 1 a m p r o p h y - 
rische Quarzprophyre stellen das Endglied diesei" 
Reihe dar, wie sie im mittleren F i c h t e 1 g e b i r g e 
östlich von Marktleuthen bei Wenden und Kaiser- 
h a m m e r größere Gangmassen bilden. Es sind unfrische 
Poi'phyre mit dichter schmutziggrauer bis schwarzer Grund- 
masse, aus der sich zahlreiche oft noch frischglänzende 
Feldspate sowie manchmal auch zahlreiche Quarzeinspreng- 



21 



linge abhebeai. Die großen metir vereinzelten stark korro- 
dierten oder gelegentlich, sogar zu runden Sclieiben ein- 
geschmolzenen Feldspäte, deren Dui'chmesser bis zu oi 2 cm 
betragen kann, sind Orthoklase, wälirend die viel häufigeren 
kleineren, die meist schlecht begi^enzt sind, zu den Plagio- 
klasen gehört. Die Gesteine sind ungemein zäh. und schlecht 
zu bearbeiten. 

In der Talenge bei Wendenhammer gehen diese 
basischen Quarzporphyre in lichtere und etwas frischere 
Malcbitporphyre über. Aus einer dichten, lichtgrauen 
uneben brechenden Grundm!asse treten viele selten bis 
zentimetergroße mattweiße Kristalle von Feldspat sowie 
Flecken eines dunklen Minerals hervor, das sich infolge 
starker Verrostung nicht mehr bestimmen läßt. Quarz- 
einsprenglinge fehlen vollständig. 

4. Mineralische Zusammeusetzung; und Struktur. 

GüMBEt nannte die hier als Redwitzite bezeichneten 
Gesteine einesteils wegen ihres hohen Quarzgehaltes, 
andemteils wegen ihres Reichtums an dunkeln Mineralien 
Sy enitgrianite. In der Hauptsache stimmt die Be- 
schreibung, welche er von diesen Gesteinen gibt, mit den 
tatsächlichen Verhältnissen der normalen Glieder überein. 
Die am besten charakterisierten Vorkommnisse unterscheiden 
sich im Äußern leicht von Granit sowohl als von Syenit, 
indem die dunklen Bestandteile in viel größeren Mengen- 
verhältnissen an ihrer Zusammensetzung teilnehmen. Wenn 
auch innerhalb der Reihe der Redwitzite selbst ein weit- 
gehender Wechsel der Zusammensetzmig vorhanden ist, so 
tritt doch selbst in den lichtesten Gesteinen der zu den 
Lamprophyren hinneigende Charakter in der allgemeinen 
Gesteinsfärbung deutlich hervor. Es sind also keineswegs, 
wie GüMBEL meint, Zwischenglieder zwischen Granit und 
Syenit, sondern sie sind vielmehr von beiden deutlich ge- 
schieden durch die starke Anhäufung der dunklen Be- 
standteile. 

Fast alle Gesteine dieser Reihe sind auch bei recht 
dunkler Gesamtfärbung ziemlich reich an Quarz, 
der nur in wenigen der basischen Gesteine fehlt und fast 
immer schon makroskopisch sichtbar ist. Er hat durcha^ 
dieselben Eigenschaften wie im Granit und stellenweise 
finden sich auch mikropegmatitische Verwaclisungen mit 
Orthoklas. 



Sehr wechselnd ist dus Verhältnis von Orthoklas und 
Plagioklas, die lichten Varietäten sind im allgemeinen reicher 
an Orthoklas, der dami öfters von Mikroklin beg-leitet 
wird, in den dunklen herrscht der Plagioklaas vor und 
Orthoklas findet sich öfters nur noch in Spuren. "Wie ge- 
wöhnlich ist der Plagioklas besser umgrenzt als Orthoklas 
und Mikix)klin, deren größere Körner auch kleine Plagioklas- 
kristalle in ziemlicher Menge umschließen, wie z. B. Ijei 
F r i e d a u. Auch eigentlicher P e r t h i t kommt dort vor. 

Die Plagioklase zeigen im allgemeinen zonaren Aufbau 
von Oligoklas bis etwa zum Andesin. In höchstem Maße 
aber charakteristisch sind die basischen Kerne von 
Labrador, die sehr häufig ganz unvermittelt in den 
ziemlich sauren in sich wieder zonaren Plasrioklasen auf- 
treten. (Fig. 1.) Gewölinlich sind die Plagioklase ziemlich 
isometrisch ausgebildet, meist frisch und höchstens im kalk- 



^ ^ 







J5 




a. 



Fig. 1. Basischer Kern im Plagioklas. Garmersreuth. 



reichen Kern etwas getinibt, ihre Zwillingslamellieriuig- 
ist die gewöhnliche. N'ebeii ihnen trifft man in manchen 
dunkeln und feinkörnigen E,ed\^dtziten auch taflig aus- 
gebildete Plagioklase ohne Zonarstruktur, üirer Zusammen- 
setzung nach sind sie basischer, ihre Bestimmung ergab 
Andesin bis Labrador. Am Rande sind die zonai* auf- 
gebauten Plagioklase öfters von Quarz myrmekitisch dui-ch- 



23 



waclisen. Ferner sind auch einzelne Partien der Plagio- 
klase gegen die dunkeln Gemengteile gut begrenzt, doch 
durchsetzen sie die letzteren nie scharf nach Art der 
DiabasstiTiktur. Die dunkeln Gremengteile Avaren also noch 
nicht völlig verfestigt, als die Ausscheidung der Plagioklas© 
aus dem Schmelzfluß einsetzte. Eines der bezeichnendsten 
Merkmale in der äußeren Erscheinung der Redwitzite ist 
das Auftreten g- r o ß e r , einheitlich spiegelnder 
Bio ti 1 1 af e 1 n, die von zahlreichen Einschlüssen sieb- 
artig durchlöchert sind und dem G-estein einen aus- 
gesprochen monzonitischen Habitus verleihen. Sie waren 
wohl auch der Grund, weshalb einzelne dieser Gesteine 
filiher als Monzonite oder Quar zmo n zon i t e 2) be- 
schrieben wurden. Daß eine innere Verwandtschaft der 
Redwitzite mit diesen Gesteinen aber nicht besteht, das 
beweist nicht nur die oben charakterisierte Ausbildung der 
Feldspate und der vollkommene Mangel jeder Andeutimg 
einer monzonitischen Struktur, sondern anch in eben solchem 
Maße ihre ständige geologische Verbindung mit echtem 
Granit. Es handelt sich also um eine rein äußei'liclie Ähn- 
lichkeit zweier an sich ganz verschiedener Gesteinsarten. 
In den grobkörnigen pegmatitartigen Ausbildungsformen 
erreichen diese Bio tittafeln über einen Zoll im Durchmesser 
und sind dann besonders löcherig und j'andlich zerfetzt. 
Kleiner© sind meist besser ausgebildet und winzige Biotit- 
schuppen, die man oft erst bei starker Vergrößerung als 
Einschlüsse im Feldspat sieht, sind zum Teil nadelartig 
scharf und einschlußfrei. Im allgemeinen ist die Farbe des 
Biotits die gewöhnlich braune, nur selten wie in den sehr 
basischen Ausbildungsformen von d s c h ö n 1 i n d ist sie 
blaß gelblich und die Blätter sind dann oft zerknittert. 
Pleochroitische Höfe sind überall verbreitet. 

Dem Biotit an Bedeutung zunächst stellt gemeine 
grüne H o r n b 1 e n d e in kurzprismatischen Körnern ; 
sie ist gewöhnlich sehr licht und zeigt einen schwachen 
Ton ins Bläuliche, doch kommen auch ziemlich kräftig grün 
gefärbte Individuen vor. Eigentümlich sind häufig bräun- 
lich fleckige Partien sowie der etwas zonare Aufbau 



-) Glunglkk: Das Eruptivgebiet zwischen AYeiden und 
Tirschenrent und seine kristalline Umgebung. Sitzber. d. math.- 
l)hys. Klasse der Kgl. Akad. d. Wiss. Bd. XXXV, 1905, Heft 2, 
München. 

H. Kketzer : Beiträge zur Petrogi'aphie der Oberpfalz : Das 
Gebiet zwischen ■\\'eiden und Vohenstrauß. Dissert. Eegensburg. 
Verlas": Fhitz Htbee. 1912. 



24 

einzelner größerer Körner, der (uiien lichten Kern von 
einer tiefergetärbten Randzone unter«ehpiden iäßt. Audi 
in der Hornblende sind pleochroitisclie Höfe verbreitet. 
Größere Körner sind oft einsclilußreicli. Werden die Gesteine 
sehr basisch ^vie die von Ödschönlind, so nimmt die 
Hornblende lichtbraune Farbe an und liegt gewöhnlich 
in Haufwerken in den Plagioklasen eingeschlossen. Thi-r 
Form bleibt dieselbe. 

Pyroxene meist mit viel Einschlüssen von Erz- 
flittern fanden sich nur in vereinzelten Arten ziemlich 
spärlich. Reichlicher trifft man sie in den grobkörnigen, 
dunkeln Gesteinen vom Bruch 3 am Haager Weg, 
die sie schon makroskopisch erkennen lassen. Wenig gut 
ausgebildete Körner von lichtrötlichem Hypersthen oft 
in Hornblende eingeschlossen, manchmal auch mit beginnen- 
der Umwandlung in schuppigen Glimmer bilden einen ihrer 
wichtigsten Hauptgemengteile. Außerdem trifft man noch 
vereinzelt größene farblose Individuen von monoklinem 
Pyroxen. Fai^bloser ' monokliner Pyroxen in Körnern 
findet sich auch spärlich in Gesteinen von W ö l s a u und 
Mitteldorf sowie aus einer kleinen etwas dankleren 
linsenförmigen Schliere im grobkörnigen Lamprophyr nord- 
östlich der Ra thau sziege 1 hü tt e. In den Gesteinen 
von Mitteldorf treten gewöhnlich nur noch Reste von 
Pyroxen in einer verrosteten uralitischen Hornblende hervor. 

Von den Nebengemengteilen fällt in den Redwitziten vor 
allem der außerordentlich hohe Gehalt an Apatit 
auf. Man findet die meist langprismatischen Kristalle oder 
seltener iiindlichen Körner oft haufenweise in allen Gemeng- 
teilen; vor allem der Biotit ist oft ganz von ihnen durch- 
spickt. Seine Menge übertrifft jenö in normalen granitischen 
Gesteinen mindestens um das zwanzigfache und in manchen 
Redwitziten, z. B. von Groß -Kien au wird er zu einem 
bedeutendeA Gesteinsbestandteil. Dieser hohe Apatitgehalt 
darf wohl als eine besonders bezeichnende Eigenschaft der 
Lamprophyre angesehen werden. 

Hin und wieder trifft man neben ihm den iii s.onstigen 
Lamprophyren äußerst seltenen Zirkon, manchmal mit 
braunem Kern und als Einschluß im' Biotit von pleo- 
chix)itischen Höfen umgeben. Einzelne solche Kristallchen 
scheinen indes nach ihrer hohen Doppelbrechung X e n o t i m 
zu sein. 

In gToßer Menge findet sich auch lichtbrauner T i t a n i t 
in größeren und kleineren Kristallen und Körnern, die 



25 



nianchiiial sehr l>edeuteiid an Zahl zuuelimen, so daß auch 
dieser Bestandteil in manchen der RedAvitzite in ganz u n - 
gewöhnlicher Menge auftritt. Im Biotit ist der Titanit 
bald von pleocliroitischen Höfen umgeben, bald fehlen solche, 
besonders um eigenai-tige Kristallskelette von Titanit, die 
manchmal scharf durch desseai Blättchen hindurchschneiden. 
Auch als Saum um opake Erze tritt das Mineral auf. In 
den lichten feldspatreichen Flecken im feinkörnigen Red- 
witzit gegenüber vom W ö 1 s a u © r Hammer bildet er 
schließlich eine eigentliche Zwischenmasse zwischen den 
dort leistcnförmigen Plagioklasen, einem Bild der ophitischen 
Struktur nicht unähnlich. 

Ferner sind für die Redwitzite recht bezeiclmend braune, 
manchmal ins rötliche gehende Körner von O r t h i t , die 
hie und da ein Klinozoisitrand umgibt. Im Biotit zeigen 
auch sie pleochroitisclie Höfe. Seltener sind im Biotit 
sechsseitige Durchschnitte von farblosem Orthit mit pleo- 
cliroitischen jHöfen, die mit Apatit leicht ver^\'(^chselt 
werden können, 

Nädelchen von Rutil im Biotit weisen auf den Titan- 
gehalt des letzteren hin. Selten, so z. B, in den Gesteinen 
vom Bruch 2 am Haager Weg finden sich schöne pyra- 
midale Kristalle von Anatas. 

Von sekundären Mineralien ist vor allem C h 1 o r i t 
anzufügen, der meist aus Biotit, selten auch aus Horn- 
blende entstanden ist, ihn begleiten oft keilartige Partien 
von P r e h n i t. M u s k o w i t ist als Zersetzungsprodukt 
in den .trüben Feldspaten vorhanden imd bildet öfters auch 
feinschuppige Putzen. Ferner ist hin und wieder- etwas 
Kalkspat und Körner von E p i d o t und K 1 i n o z o i s i t 
vorhtinden. 

Die Gresteine füliren alle ziemlich reichlich Erze. Vor 
allem fällt schon in jeder Gesteinsprobe der Schwefel- 
kies auf, sodann ist der Gehalt an titan haltigem Magnet- 
eisen und Titaneisen oftmals in skelett- und stäbchen- 
iU'tigen Formen recht bedeutend und auch Magnetkies 
ist ziemlich verbreitet. 

Die Redwitzite neigen im Gegensatz zum Kristallgranit 
gsa- nicht zu p o r p h y r i s c h e r Struktur, denn die 
großporphyrisch aussehenden, namentlich als Randzonen 
gegen den Granit auftretenden Gesteine mit großen Ürtho- 
klaskiistallen haben diese ganz zweifellos dem Nebengestein 
entnommen und sind also nicht Poi-phyre im Sinne der 
heutigen Petrographie. Es gibt aber auch eigentliche 



26 



R, p d w i t z i t )) r ]> h y i" e . dio in der Hauptsache als ver- 
hältnismäßig- schmale Gänge im Granit aufsetzen. Es sind 
ziemlich feinkömige graue Gesteine mit zahlreichen Edn- 
spreng-lingen von weißlichem Plagioklas, von braun- 
schwarzem Biotit und etwas Quarz. Ausnahmsweise wird 
die GiTmdmasse ganz dicht, ilire Farbe wird dabei dunkler 
grau und der Bruch gleichmäßig uneben. Solche Gesteine 
sind zum Teil in nicht unbedeutender Mächtigkeit auf- 
geschlossen am W e n d e n h a m m er. K a i s e r h a in m e r 
und Schwarzenhammer etwa 15 km nördlich von 
Marktredwitz und 4 — 5 km östlich von Marktleuthen. Sie 
enthalten außer den eben erA\iihnten Einsprenglingen lauch 
noch liis zollgroße abgerundete, weiße r t h o k 1 a s e in 
zienüicher Anzahl. 

Die Einsprengunge von Plagioklas gehören hauptsäch- 
lich zum ligo klas - A nde sin, der etwas zonar ge- 
baut und im Kern oft getrübt ist. In den Gesteinen mit 
deutlich körniger Grundmasse verwachsen sie durch eine 
an Quarzeinschlüssen reiche Randzone lappig mit dem 
übrigen Gestein; wo die Grundmasse dichter ist, da ist 
ihre Begrenzmig dagegen gewöhnlich scharf. Äljnliches 
beobachtet man auch am Quarz, der in den groberkörnigen 
Gesteinen warzenartig unebene Oberfläche aufweist, in den 
dichten aber völlig runde, geradezu tropfenartige Einspreng- 
unge bildet. Wo Orthoklas in größeren Individuen vorhanden 
ist, erscheint er in den mehr körnig-en Gesteinen in den typi- 
schen Formen, Avie ini Kristal Igi'anit selbst, aus dem er offen- 
bar aufgenommen ist. In den dichteren Gesteinen sind die 
Umrisse der hier ziemlicli zahlreichen, oft recht großen 
Orthoklaseinsprenglinge ähnliche wie in den bekannten 
Spessartiten von G a i 1 b a c h bei A s c h a f f e n b u r g. 

Unter den Einsprenglingen sowohl, Avie in der Grund- 
masse tritt als dunkler Bestandteil nur Biotit auf; in 
den mehr quarzporphyrartigen sieht man mit liloßem Auge 
ungleichmäßige, träbe dunkle Flecken, die unter dem 
Mikroskop hellgrün durchsichtig sind und häufig- deutlichen 
Pleochroismus zeigen. Es handelt sich ihrer Struktur nach, 
die sich der Maschenstruktur des Serjjentins sehr näliert, 
um P seudo morp ho s e n , deren ursprüngliches Mineral 
in den kleinen Fetzen nicht mehr festgestellt werden kann. 
Ihre Substanz ist ein feinschui)piges Mineral von serpentin- 
artiger Beschaffenheit, aber mit viel höherer Doppei- 
brechung. Daneben sind stets auch trübe Partien von 
T i t a n i t ausgeschieden. 



27 



Die feinkörnige Grundmasse ist ein g r a n u 1 i t a r t i g^ 
stnüertes Gemenge von O r t li o k 1 a*s , M i k r o k 1 i n und 
Quarz nebst etwas 1 i g o k 1 a s - A n d e s i n . durchsetzt 
von massenhaften Biotittäfelclien und Apatitkriställchen. 

Die Ginindmasse der dichten -Gesteine ist g r a n o p h y r - 
artig und ziemlich reich an schlecht ausgebikleten Fefz- 
chen von Biotit, Hornblende und denselben gelb- 
gi-ünen P s e u d o m o r ]) h o Si'e n , wie sie auch als Ein- 
sprengunge auftreten, (opakes Erz ist in feinen Körnchen 
überall in der Grundmasse verbreitet, es erscheint aber auch 
in größeren skelettartigen Körnern. 

Das basische Endglied der ganzen Redwitzitreihe bilden 
die f e ldsi3atfreien U r a 1 i t p e r i d o t i t e von Ö d s c h ö n - 
lind; sie zeigen große Ähnlichkeit mit den Schries- 
heim i t e n von Schriesheim im Oden w a 1 d. Es 
sind äußerlich mittelkörnige Gesteine mit zahlreichen 
schimmernden Spaltflächen von uralitartiger Hornblende; 
gegenüber dem Schriesheimit sind sie ausgesprochen lichter 
gefärbt mit einem kräftigen Ton ins biäunlichgi'aue. Stellen- 
weise sieht man ziemlich viel Magnetkies, der in feiner 
Verteilung überall vorhanden ist. Die Gesteine sind 
spezifisch sehr schwer, von völlig richtungsloser B©- 
schaffonheit und ganz besonders zähe. Zahlreichere lichtere 
Schlieren und auch scharf abgegrenzte Aplitgänge und 
t u r m a 1 i n - und m u s k o w i t f ü h r e n d e X e s t e r von 
P e g m a t i t sind außerdem vorhanden. 

Im Dünnschliff fällt zunächst che meist sehr licht- 
gefärbte Hornblende auf. die eine faserige bis schilfige 
Beschaffenheit hat und ganz lichtgmne, stellenweise auch 
lichtbräunliche Faibe aufweist und durchaus den Eindruck 
eines sekundären Minerals macht, das entweder a.us ur- 
sprünglichem Pyroxen oder aber vielleicht aus einer fiüheren 
kompakten braunen Hornblende hervorging. Die Umrisse 
dei" gi'oßen Flecken dieser Hornblende sind durchaus zer- 
fasert, besonders auffallend sind in ihr zahlreiche Ein- 
schlüsse von O l i V i n k ö r n e r n , die last völlig irisch sind. 
Sie sind al>er ziemlich rissig und meist von eckigzackigen 
Formen, die in die Hornblende liinübergi^eifen. Eüigs um 
diese Olivinkörner stellt sich in der Hornblende gewöhnlich 
ein völlig farbloser Hof von weniger faseriger Beschaffen- 
heit und viel stärkerer Doppelbrechimg ein, der mit dem 
Olivinkorn verzahnt, gegen die gefärVitf^ Hornblende aber 
geradelinig abgegi'enzt ist. 



28 



Nächst der Hornblende der Haui)tg-emengteile ist 
K 1 i n o c h 1 o r , bald *i»arallcl zn den Fciseni und jenen ein- 
gewachsen, bald in breiten zA\ällingslaniellierten Blättern 
sie in allen Richtungen durchschneidend. Auch für sich 
selbst tritt das Mineral in grobblättrigen Aggregaten und 
Nestern auf. Der Klinochlor ist ganz lichtgrün, schwach 
pleochroitiscli und zeigt die Zwillingslamellieiuing un- 
gewöhnlich deutlich. , 

Stellenweise tritt in großer Menge ein sehr licht- 
gefärbter Biotil auf, ||c ganz lichtbräunlich. _Lc blaß- 
grün, der wieder stark zerfetzte große Blättchen bildet, 
die in allen Richtungen durch die beiden andern Bestand- 
teile hindurchgewachsen sind; sie zeigen öfters pleo- 
ehroitische Höfe und deutliche Z i r k o n k ö r n e r. 

Spärlich erscheint gelegentlich etwa« Apatit. Sehr 
reich ist das Gestein an Erzen. Als staubförmige Irapräg- 
sation. in kleinen oft skelettartigen Formen bis zu lang- 
gestreckten Partien, findet sich Titaneisen, in größeren 
unregelmäßigeren Körnern Magnetkies. 

Zusammenfassung. 

Es wurde hier der neue Name Red w i t z i t für eine 
Gnippe von Gesteinen aufgestellt, von denen man wohl 
sagen wird, daß sie von zahlreichen Vorkommnissen schon 
seit langer Zeit bekannt sind. Man darf nur an die Be- 
. Zeichnung der Sy en i t gr ani t e durch Gümeel, an die 
zahllosen Beschreibmigen A'on G 1 i m m e r s y e n i t e n , 
G li m mer dio r ite n , zum Teil auch von Tonaliten, 
Q u a r z m o n z o n i t e n und M o n z o n i t e n aus den ver- 
schiedenen Granitgebieten erinnern, die sich zu einem' großen 
Teil auf die hier behandelten Gesteine beziehen. Alle Be- 
schreibungen solcher Massen gingen von der scheinbar fest- 
stehenden Voraussetzung aus, daß es sich hier um die 
g-ewöhnliche Erscheinung der Innern Zerspaltung eines 
granitischen Massivs handelt, welche durch Diffusions- 
vorgänge an Ort und Stelle der Verfesti- 
gung entstanden ist und für welche Bköggbr den Ausdruck 
lakkolithische Spaltung gewählt hat. Es ist von 
vornherein klar, daß Gesteine, die durch die Diffusions- 
strömungen während ihrer Verfestigung in ihrer Zusammen- 
setzung modifiziert wurden, diu-cli ganz allmähliche Über- 
gänge miteinander verknüpft sind, und so trifft man auch 
in den häufigen svenitischen oder dioritischen Randzonen 



29 



der mächtig-eu Granitmassive ein ganz allmähliches Ver- 
schwimmen der normalen granitisclien Ausbildung mit den 
quarzarmen und an Plagioklas reicheren, häufig auch dunkle 
Mineralien in viel bedeutenderer Menge führenden Gesteinen. 
An zahllosen Beispielen kann man den Nachweis führen, 
daß solche abweichende Randausbildung in der Hauptsache 
mit Eesorptionsvorg-ängen in Zusammenhang gebracht werden 
muß, bei welchen anders zusammengesetzte, meist an 
Kieselsäure und Alkalien viel ärmere Nebengesteine von 
den gramitischen Magmen, wie man sich wohl am besten 
ausdinickt, verdaut wurden und so die eigentliche Ur- 
sache der lakkolithischen Spaltung durch die Gleichgewichts- 
stöiTing im Magma geworden sind. Diese Deutung läßt sich, 
in vielen Fällen als stichhaltig erweisen, denn die sogen, 
basischen Putzen, welche Zusammenhäufungen solcher 
resorbierten Eeste sind, erscheinen besonders häufig und 
oft noch mit mehr oder minder erkennbarer Schichtstriüvtur 
gerade in dichten annormalen Ausbildungen, in denen auch 
Granat, Kordierit, Andalusit, Sillimanit und andere dem 
eigentlichen Granit völlig fremde Bestandteile in fast 
konstanter Weise vorhanden sind. Dazu kommt die Art 
des geologischen Auftretens dieser Gesteine: Es sind ver- 
hältnismäßig selten Schlieren im Innern der Massive selbst, 
welche sich stets um größere Schieferfetzen anordnen, ge- 
wöhnlich sind es die schon erwähnten Randzonen. Überall 
stehen sie femer an Ort und Stelle mit dem normalen 
Granit in so vollkommenen Zusammenhang, daß man die 
Änderung der Zusammensetzung in allen Übergängen fast 
von Meter zu Meter verfolgen kann und die am meisten 
basische Form ist es im allgemeinen, welche den letzten 
Rand bildet, wie z. B. peridotitische Gesteine in den Pyre- 
näen am Kontakt mit Kalksilikatfels. Daß derartige lakko- 
lithische Spaltungsgesteine mit den Redwitziten nichts ge- 
meinsam haben, ergibt sich aus der oben gegebenen Dar- 
stellung der ganzen Beschaffenheit der Gesteine. Wenn 
sie auch besonders häufig in den Randzonen der Granit- 
massive sich finden, so ist doch auch hier ihr Verhältnis 
zum Granit dm^chaus anders und in allen Fällen ganz 
gleichmäßig. Sie bilden Gänge, kleine Stöcke, 
Putzen oder noch unregelmäßig geformte Mas- 
sen, die, so ungleichförmig auch ihre innere Zusammen- 
setzung ist, doch überall dem Granit gegenüber ganz scharf 
abgetrennt sind und allerseits von dem ganz abweichend 
beschaffenen Granit umschlossen werden. Sie sind, soweit 



30 



die Beobachtung>eii gellen, niemals die R a n d z o n e 
selbst. Besonders cliai-akteristisch ist ihre Verbreitung- 
in dem so tief vergipsten Kristallgranit, der die blassen 
dieser körnigen und durch und durch scldierigen Gesteine 
an zahlreichen Orten des hier betracliteten Gebietes um- 
schließt. Da fällt vor allem schon in der Ijandschaft die 
Verbreitung dieser festen und merkwürdig widerstands- 
fähigen Gesteine mit ihren kleinen, von Wollsäcken ge- 
krönten Höhenzügen auf, welche aus der gänzlich v^er- 
sandeten Landschaft aufragen. An vielen Brüchen ist 
allerseits der matte, trüb bröckelige Granit noch in ziem- 
licher Tiefe durch den Betrieb aufgeschlossen und scharf 
abgescliieden liegt darin die dunkle kompakte und bis zur 
Oberfläche gleichmäßig verbandfeste Masse des basischen 
Gesteins. 

Wenn Übergänge überhaupt in Frage kommen, so sind 
das schmale Zonen, die höchstens nach Dezimetern, 
häufig nur nach Zentimetern messen, in denen das dunkle 
Gestein die großen F e 1 d s p a t e i n s p r e n g I i n g e 
des K r i s t a 1 1 g r a n i t s aufgenommen hat, wäh- 
rend die G e s t e i n s m a s s e selbst fast ganz die 
normale basische Beschaffenheit und deren 
V e r b a n d f e s t i g k e i t besitzt. Der verwitt^erite und 
verrostete Granit aber bröckelt von diesen noch zähen 
Massen ab und zeigt so ein ihnen gegenüber durchaus 
fremdartiges Verhalten. Aber auch außerhalb der Granit- 
masse selbst,, in deren injizierten Kontaktbereich findet mian 
Gänge und Lager derselben Gesteine, die sich von jenen im 
Granit ausschließlich durch ihre geringere Komgröße unter- 
scheiden, wenn sie weiter von dem Massiv entfernt sind. 
Diese durchschnittlich viel dimkleren, frischen und ver- 
bandfesten Gesteine, welche liier als Eedwitzite bezeichnet 
wurden, sind also völlig selbständige geologische 
K ö r p e r , deren Bildung allerdings nicht lange nach der 
Intrusion des Granites in das noch halbflüssig'e Hauptgestein 
erfolgt sein muß. In dieser Beziehung ergibt sich eine 
große Analogie zu den Pegmatiten, die randlich oft ebenso 
mit dem Granit verschweißt sind, wie die Redwitzite, von 
denen sie vor allem ihr aplitischer Habitus, ihre drusige 
Beschaffenheit und ihr hoher Gehalt an mannigfachen zu- 
fälligen Mineraliön unterscheidet. Schon die dunkle Farbe 
der E/edwitzite verweist auf den ersten Blick darauf hin, 
daß diese Gesteine der entgegengesetzten Reihe der 
Spaltungsgesteine, den Lamprophyren, angehören. Daraus 



31 



erklärt sich vor allem ihre außerordentlich s c li 1 i e r i g e 
und unregelmäßige Beschaffenheit, die eine 
der bezeichnendsten Erscheinungen der 
Lamprophyre ist. Die basischen Spaltungsprodukte 
erweisen sich ferner in all iliren Vorkommnissen als arm 
an Mineralbildnern. Wenn man auch viele Ähnlichkeit in 
den Verhältnissen der Eedwitzite tax ihrem Nebengestein 
mit den PegmJatiten beobachtet, so felilt deshalb den 
ersteren sowohl die drusige Struktur wie die an Mineral- 
bildnem reichen Bestandteile von Turmalin, Flußspat, Topas 
usw. vollständig. Auch eine lösende Einwirkung auf das 
Nebengestein, das die Pegmatite so sehr ausz-eichnet, geht 
ihnen völlig ab. Es wurde in keinem einzigen dor unter- 
suchten Gesteine auch n.'ur eine Spur von Granat, Andaiusit, 
Ivordierit, Sillimannit, Staurolith usw. aufgefunden, während 
ganz nahe dabei auftretende Pegmatite, die dieselben inji- 
zierten Schiefer durchsetzen, -sich mit diesen Mineralien oft 
in hohem Maße beladen haben. Auch die dunklen Putzen, 
die man in den: Redwitziten häufig findet, unterscheiden sicli 
durch den völligen Maaigiel an solchen Bestandteilen von 
den aus der Resorption von Schiefern hervorgegangenen 
dunklen Putzen der Granite. 

Eine fernere Eigentümlichkeit der Redwitzite )>eruht 
in den zahlreichen Schlieren und Gänge n v o n 
echtem Aplit und Pegmatit, welche in allen diesen 
Vorkommnissen vorhanden sind und die, wie besonders 
hervorzuheben ist, in dem unigebenden Kristallgi^anit in 
außerordentlich viel geringerer Anzahl auftreten. Das sind 
Erscheinungen, wie sie viele zahlreiche Lamprophyre auf- 
weisen, am schönsten wohl die von Baerois beschriebenen 
K e r s a n t i t e von Brest. Es kann kein Zweifel sein, 
daß speziell die Redwitzitmassen bis in ihre äußerst feld- 
spatfreien Ausläufer besonders die Möglichkeit für das Ein- 
dringeai dieser entgegengesetzten Spaltungsprodukte des 
granitischen Magmas boten, da eben gerade dort, wo das 
an zweiartigen Metallen reichere Gestein zur Ausbildung 
kam, in der Tiefe ein an Kieselsäure und Alkalien reicherer 
Rest der a b y s s i s c h e n Spaltung zurückgeblieben sein 
muß. Manche dieser Aplite und Pegmatite sind so mit den 
Redwitziten verschweißt und verschmolzen;, daß sie nur wie 
Schlieren aus dem Bruch des Gesteins hervortreten und 
vor allem auf den verwitterten Flächen als feste Rippen 
stehen geblieben sind. Andere setzen scharf abgegrenzt 
als Gänge oder Adeni durch das dunkle Gestein, in ilii-er 



32 



Zusammen&etzung so gut wie unbeeinflußt von dem viel 
basischeren Nebengestein. Man wird dies am besten da- 
durch erklären, daß der Nachschub des in der Tiefe ab- 
gespaltenen sauren Magmaanteils schon einsetzte, als der 
basische früher emporgedrungene noch nicht ganz ver- 
festigt war. Da bot sich die Mögliclikeit, daß beim Zu- 
sammentreffen der beiden stammverwandten, kurz vorher ent- 
mischten Teile sich wieder die Typenvermischung einstellte. 
Diese aplitisch-pegmatitischen Nachschübe dauerten aber 
auch über den Prozeß der Verfestigung des Eedwitzites lünaus 
fort und dann bildeten sich die scharf abgegrenzten Gänge. 
Die durchschnittliche Zusammensetzung 
der Redwitzite steht zwischen derjenigen der H a 1 1 > - 
lamprophyre und der Lamprophyre der graniti- 
schen Eeihe, geht aber bis zu den allerbasischten Spal- 
tungsprodukten. Damit stimmt auch das starke Zurück- 
treten des Zirkons und das ungemein reichliche 
Auftreten des Apatits überein, dessen Menge in den 
meisten Redwitziten die im Grajiit gewohnte um das zehn- 
bis hundertfache übertrifft. Mit dem lamprophyrischen 
Charakter stehen auch die großen von einem Korrosions- 
rand umzogenen Q u a r z e i n s c h 1 ü s s e in Beziehung, 
sowie die Erscheinung, daß in den porphyrischen Aus- 
bildungsformen Quarz und r t h o k 1 a s e i n s p r e n g - 
1 i n g e eine völlig abgeschmolzene Form haben. 
Die Redwitzite sind durchaus selbständige Nach- 
schübe des granitischen Magmas, dessen Spal- 
tungsprodukte sie darstellen: Sie sind also in chemischer 
und geologischer Beziehung ausgesprochen g r a n i t i s c h e 
Lamprophyre, die nicht nur durch ihre geologische 
Erscheinungsform, sondern auch durch zahlreiche, oben 
eingehender geschilderte petrographische Eigentümlich- 
keiten scharf geschieden sind von dem Tiefengestein- 
.typus der Syenite und Diorite. Mit den Monzoniten, mit 
denen sie vom rein petrographischen Standpunkt öfters in 
Beziehung gebracht wurden, haben sie gar keine Verwandt- 
schaft, da sie ausgesprechene granitische Bildungen sind 
und in ihrer ganzen Zusammensetzung vielmehr der gra- 
nitische Charakter als der gabbroide der Monzonite hervor- 
tritt, so daß selbst ziemlich basische Gesteine 
der Redwitzitreihe noch ziemlich viel Quarz enthalten 
und der Feldspat so gut wie nie reiner Labrador wird. 

Daß bisher solche körnige Gesteine nur ausnahmsweise 
als Lamprophyre bezeichnet wurden, beruht wohl in der 



Hauptsache auf der eigeiiaa-tigeu Abgi-enzaing der ..Gang- 
gesteine" na^h ihren Stiniktiireigentümlichkeiten. Die 
Struktur ist allerdings bei den Redwitziten nicht panidio- 
morph, sondern in der Hauptsache wenigstens aus- 
gesprochen granitisch und geht nur ganz ausnahms- 
weise in eine etwas apiitartige über. Es kann aber nicht 
zweifelhaft sein, daß bei einer Gruppe von Ganggesteinen, 
die so kurz nach der Intrusion des Granites in diesen ein- 
gedrungen sind, daJß sie das noch nicht ganz verfestigt^ 
Magma noch antrafen, die Abkühlungsbedingungen sehr 
annähernd dieselben gewesen sein müssen, wie jene des 
Granites selbst und daß daher auch ihre Stmktur sich um 
so mehr der gTanitischön nähern muß. Die Gruppe 
der Eedwitzite stellt also die grobkörnige 
bis mittelkörnige Ausbildungsform der in 
den meisten Fällen sonst feinkörnigen bis 
dichten g r a n i t i s c h e n L a m p r o p h y r e dar, etwa 
wie der Pegniatit die grobkörnige Form der 
A p 1 i t e i s t. 

Zum Schluß erlaube ich mir, meinem hochverehrten 
Meister Herrn Prof. Weinschenk, auf dessen Anregung 
und unter dessen Leitmig' vorliegende Arbeit entstand, iür 
seine liebenswürdige Unterstützimg meinen herzlichsten 
Dank auszusprechen. Herzlichen Dank auch Herrn Bergrat 
Prof. Klemm in Darmstadt, der meine Arbeit mit großem 
Interesse verfolgte imd mir in freundlichster Weise allerlei 
Vergleichsmaterial zur Verfügung stellte. Ferner erhielt 
ich einiges Material aus der mineralogischen Staatssammlung, 
wofür ich Herrn Geheirarat Prof. v. Gkoth bestens danke. 

Weiter verdanke ich eine Reihe von Handstücken und 
Schliffen der Güte des Herrn Stadtpfarrer Glunglek und 
schließlich bin ich noch dem bekannten Mineraliensammler 
Herrn Privatier Oscar Gbbhakdt in Marktredwitz, dessen 
Erfahrung mir bei der Arbeit im Gelände sehr zu statten 
kam, zu großem Dank verpflichtet. 

■ München. Petrographisches Seminar der Universität 
im Dezember 1917. 

[^Manuskript eingegangen am 5. Februai' 1918.] 



Zeittchr. d. D. Geol. Ges. 1919. 



34 



2. Beiträge zur Kenntnis des oberpfälziselien 
Waldgebirges. 

Von Herrn A. I.ehnek in Würzhui'i^-. 
(Hierzu Tafel II und 1 Textfi,i>-ur.) 

1. Der „Porphyr- von Piugarteu bei Bodeinvöhr. 

I>ie am Westrande des Bayerischen bzw . (Jberpfälzischen 
"Waldes gang- und kuppenförmig auftret(,'nden säuern por- 
phyrischen Gresteine stellt© Gümbel i) zur Familie der Quo^rz- 
porphyre und teilte sie mit Rücksicht auf ihre Fazies in 
zMoi durch Übergänge verbundene Ginippen. Die südlicheren 
Vorkommen faßt er wegen ihrer Pinitführung bzw. ihres 
Auftretens im Flußgebiete des Regen als Pinit- oder 
Regenporphyre zusammen — sie entsprechen nach neuei'en 
Untersuchungen -) dem Typus der granitporphyrischen Gang- 
gesteine — , die nördlicher bei Weiden und Erbendorf auf- 
tauchendCiii Kuppen bezeichnet er dagegen als Porphyre im 
engern Sinne, d. h. als Quarzporphyre. Die Einreihung 
de]' letztern bei den quarzhaltigen, sauern Ergußgesteinen 
von annähernd permischem Alter dürfte wohl auch weiter- 
hin berechtigt sein. ^) 

Nun tritt aber abseits von diesen auf den äußersten 
Westrand des Gebirges beschränkten Vorkommen auch am 
Nordrande der Bodenwöhrer Bucht beim Dorfe Pingarten 
ein ähnliches Gestein auf. welches Gümbel in bezug auf 
Lagenmg und Habitus als vermittelndes Bindeglied zwischen 
beiden Porphyr gruppen anspricht. In diesem Sinne bemei'kt 
er u. a. darüber:*) „Der Porphyr von Pingarten hält be- 
züglich der Gesteinsbeschaffenheit wie nach seiner. Be- 
ziehung zum Nachbargesteiii die Mitte zwischen beiden 
Porphyrtypen". 

Nachfolgende Untersuchung der Pingariner „Porphyr- 
kuppe" wird indes zeigen, daß wir es hierbei weder petro- 



1) Siehe Gümbel, C. W. : Geognostische Besclu-eibung- des 
ostbayerischen Grenzgebirges. Gotha 1868. 

Derselbe: Geologie von Bayern. II. Bd. Kassel 1804. 

2) LimNER. A. : Beiträge zur Kenntnis der Pinitporphyic 
des ostbayerischen Grenzgebirges. Dissert. Erlangen 1915. 

3) Vgl. Kketzek, H. : Das Gebiet zwischen Weiden und 
Vohenstrauß. Dissert. München 1912. 

• ■•) Gümbel, C. AV. : Ostbayerisches Grenzgebirge. S. 609. 



35 



grapliisch noch geologisch mit eiiieiu primären (Tosteiu zu 
tun haben, welches einem echten Quarz- oder Granitporphyr 
an die Seite gestellt werden könnte, sondern mit einem 
diagenetisch ganz eigenartig veränderten Klastikuni, das 
mit dem „Ex)tliegenden" daselbst in inniger Beziehung steht. 

Zur petrographischen Untersuchung im Handstück und 
Dünnschlifl' stand mannigfaltiges, allerdings relativ un- 
frisches Material, zur Verfügung. 

Orthoklas: Makroskopisch fallen in diesem Gestein 
von Pingarten zunächst die Feldspäte durch ihre helle 
Pärbung, die charakteristischen Umrisse sowie durch be- 
sondere Größe und Menge in die Augen. Wie der mikro- 
skopische Befund ergeben hat, handelt es sich größtenteils 
um Kalifeldspat. Im frischen Bruche erscheinen diese 
ürthokla.se von Farbe meist weißlich Ins gelblich oder 
fleckig fleischrot, dabei durchgehends getrübt, matt bis 
durchscheinend; auf Spaltflächen zeigt sicli lebhafterer 
Glasglanz. Während die mit der Verwitterung zunehmende 
rötliche Färbung von einer Imprägnierung mit Limonit 
herrührt, ist die weißliche Tilibung jedenfalls einer be- 
ginnenden Zersetzung der Substanz oder auch einer inneren 
Zertrünnnerung zuzuschreiben. 

In ihren Unn'issen entsprechen vor allem die umfang- 
reicheren Individuen, welchfe idiomorphe Formen noch gut 
erkennen lassen, völlig dem monoklinen Kalifelds])ate. Da 
mehr oder weniger isometrische Quersclmitte überwiegen, 
deutet dies auf hauptsächlich dicksäulige Entwicklung; doch 
weisen mitunter gestreckte Unn-isse auch auf das Vor- 
konmien länglich säuliger Gestalten hin, wogegen die füi 
dünntaflige Ausbildung bezeichnenden Querschnitte fast 
ganz zurücktreten. Bei den sehr häufig vorhandenen 
Zwillingsverwachsungen herrscht allgemein das Karlsbader 
Gesetz \'or; doch konnte a-n einigen aus dem G-estein 
präparierten Einsprenglingen auch Verzwillingung nach' 
Manebacher Art festgestellt werden. 

Solche lunfangreichere Orthoklase, voii deutlich idio- 
morpher Entwicklung und mit erhaltenen ursprünglichen 
Flächen bilden etwa, die Hälftß des Bestandes an Kali- 
teldspat; der andere Teil stellt nach seinen Umrissen 
Bruchstücke dieses Feldspats dar. Während die größern 
(Orthoklase Breiten von 1,5 — 2,3 cm und Längen von 2 — 3 cm 
aufweisen, bewegen sich die kleinern Stücke in Ausmaßen 
von 1,5 — 0,5 cm und darunter. Bei letztern bilden wegen 
der vollkonnnenen Spaltbarkeit des Minerals scharte Kanten 



36 

und Ecken die Regel. Auch an diesen Trümmern sind die 
Querschnitte noch z. T. isometrisch; öfter aber beobachtet 
man abgesetzte Konturen oder deutlich entzwei gebrochene, 
einseitig abgequetschte und zugespitzte Formen. Solclie 
sekundäre Umrisse verleihen dieser zweiten Generation 
von Orthoklas einen breccienartigen Charakter. Doch ist 
der Gegensatz von zwei Generationen, wie er bei primären 
porphyrischen Gesteinen selten vermißt wird, hier staik 
verschwommen, weil zwischen großen idiomorphen Indivi- 
duen und kleinsten Splittern alle Zwis(ihenstufen vorhanden 
sind. Im übrigen zeigt der Orthoklas die bekannten Er- 
scheinungen; zahlreich finden sich tiefschwarze Biotit- 
blättchen eingeschlossen, die sich bei zunehmender Ver- 
witterung mit einer Zone stärkerer Pign'ientienmg des Feld- 
spats umgeben; nicht selten .sieht man schon makroskopisch 
kleinere, rundliche oder gestreckte Quai^zkömer als Ein- 
schlüsse oder nach Art eines Schriftgi^anits mit dem Feld- 
spat verwachsen. 

Das Bild im Dünnschliff entspricht dem makroskopischen 
Aussehen, nur treten die sekundären Erscheinungen noch 
augenscheinlicher hervor. Jedoch ist an den Spaltstücken 
eine Abrollung durch Wassertrcinsport nicht nachweisbai-. 
Sonst zeigt fleckenweise Trübimg und bräunliche Kömelung 
die begonnene Verwitterung ah. Reichliche Durchsetzung 
mit Albitspindeln, also mikropertliitischer Aufbau ist an 
den größeren Individuen regelmäßig- zu beobachten. Außer 
Biotitlamellen und QuaTzkörnchen sind zudem noch häufig 
Apatitsäulchen miteingeschlossen. Die Umrisse der Ortho- 
klase im Dünnschliffe verstärken den Eindruck der Hand- 
stücke, da.ß ein klastisches Gestein von porphyrähnlicher 
Beschaffenheit vorliegt. 

Plagioklas. Neben dem als Hauptbestandteil her- 
vortretenden Kalifeldspat läßt sich ferner schon makro- 
'skopisch die Anwesenheit eines Plagioklases sicher er- 
kennen; der letztere findet sich stets nur in kleineren 
Kristallen vor, die zwar meist noch ziemlich scharf um- 
grenzt, aber durchweg zu erdigen Firodukten zersetzt sind. 
Diese weichen, kaolin- oder talkähnlichen Umwandlungs- 
substanzen sind häufig rotbraun bis violett oder gelbgrün 
und dabei fleckig imprägniert, seltener noch weißlich. Die 
Größe dieses ausschließlich isometrisch entwickelten Natron- 
kalkfeldspats beträgt durchschnittlich bloß 3—5 mm, selten 
darüber, sie heben sich besonders als Einschluß im Kali- 
feldspat von dem relativ viel frischeren Orthoklas kräftig 



37 



a.b. Unter dem Mikroskop ist infolge der Zersetzung in 
massenhafte, muskowitähnliche Schüppchen die Plagioklas- 
streifung kaum mehr odei^ nur noch an den Rändern zu 
erkennen. Mitunter konnten auch farblose Zoisitkörnchen 
als Bestandteil der Pseudomorphose festgestellt werden. 

Für den Habitus des Gresteins kommt dieser Plagioklas 
wegen der Kleinheit der Individuen und der untergeordneten 
Menge kaum in Betracht. Nach makroskopischer Schätzung 
erreicht das Mengenverhältnis der beiden Feldspäte nur 
1:S oder 1:10. 

Quarz. Quarz ist i)n Porphyr von Pingarten reichlich 
vorhanden, tritt aber in der Fazies des Gesteins gegenüber 
den helleren Orthoklasen und den farbigen Bestandteilen 
scheinbar etwas zurück. Meist von rundlichen oder wenig 
gestreckten Umrissen weisen die Körner den gewöhnlichen 
muschligen Bruch und glasig fettigen. Glanz auf, ihre Farbe 
ist bald heller grau, bald dunkler rauchbraun, zum Teil mit 
scliwachbläulichem . Schimmer. Ausgelöste Körner lassen 
rauhe Oberfläche und um'egelmäßige Begrenzung erkennen; 
ihr Durchmesser beträgt meist einige' Millimeter, durch- 
schiuttlich 2 — 4 mm. Mitunter zu beobachtende gestreckte 
Quarzpartien bis 7 mm Länge sind in der Regel mit Feldspat 
veiAvachsen. 

Mikroskopisch erscheinen die Umrisse der (^)uarzkDrner 
etwas mannigfaltiger, sie sind teils mehr rundüch, teils oval, 
ohne daß idiomorphe Formen deutlich zu erkennen wären. 
Dagegen sind die Individuen öfter in einige zusammen- 
hängende Stücke zerteilt, abgebrochen oder zerquetscht, 
seltener spindelförmig auseinandergezogen, häufig aber dem 
muschligen Bruche entsprechend randlich gekerbt und 
scharfkantig krumm abgesplittert. Vereinzelt auftretende 
gerade Kanten dürften wohl als xenomorph zu deuten sein. 
Innere Spannungen mit undulöser Auslöschung fehlen fast 
gänzlich; dagegen ist die konstante Erfüllung mit breiten 
Bändern von Flüssigkeitseinschlüssen bemerkenswert. Beim 
Quarz tritt der Gegensatz zwischen Einsprengungen und 
deren Trümmern nicht so augenscheinlich hervor wie beim 
Orthoklas; da aber idiomorphe Umrisse bei ersterem voll- 
ständig fehlen, so entstammen die Quarzkörner jedenfalls 
eher einem Granit als einem Quarzporphyr. 

Glimme r. Als Hauptgemengteil tritt neben Orthoklas 
und Quarz nur noch Biotit auf, und zwar gleichzeitig als 
einziges farbiges Mineral. Die seltener vorkommenden 
kompakten Säulchen von . durchschnittlich 1—3 mm Höhe 



38 



weisen deutlich idiomorphe Begrenzung auf, und stellen 
jedenfalls die ursprüng-lichen Individuen dar. Meist sind 
sie jedoch zerdrückt und aufg-eblättert, so daß man nur 
abg-espaltene dünnere Blättchen von 2 — 3 mm Breite be- 
obachtet. Mitunter ist der Biotit in Putzen oder iVTe-sJtern 
angehäuft, dabei gewöhnlich von Feldspat durchsetzt. 
Manchmal erscheinen (rlimmerblättchen lag-enweise um Peld- 
spateinsprenglingc gedränj^t und deren Oberflä-cheii an- 
geschmiegt, nicht selten in größeren Individuen denselben 
randlich eingewachsen. 

Während für die größeren Blätter die relative Prische 
bei tiefschwarzer Farbe und metallartigem Glänze im all- 
gemeinen bezeichnend ist, zeigen die kleinern Olimmer- 
lamellen^ mit denen besonders die Grundmasse des Ciesteins 
reichlich durchmengt ist, erheblich schlechtoi en Erhaltungs- 
zustand. Der Glanz ist matter, die Farbe mißtöniger biäuii- 
lich oder grünlich; entsprechende Erscheinungen beobachtet 
man im Dünnschliff. Der frische Biotit weist kräftigen 
Pieochroismus von lioniggelb zu tiefdunkelbraun auf, bei 
zunehmender Verwitterung mischen sich vor allem randlich 
und in der Nähe von Spaltfugen grünliche Töne mit ein. 
Bei stnrker Zersetzung erweisen sich die Glimmersäulchen 
wie gequollen infolge Abscheidung tietbrauner Erzkörnchen 
zwischen den Spaltrissen, wobei die Brauneisenerzschmitzen 
die bald mehr muskowitische, bald mehr chloritisclie 
Unterlage fast ganz verde<"'ken. Ist dieser Eisengehalt durch 
die Atmosphärilien extrahiert, so hinterbleibt teils ein farb- 
loser Kaliglimmer, teils ein schwach pleochroitischer grüner 
Glimmer von der Beschaffenheit eines Chlorits. 

Wie bei den andern Hauptgemengteilen ist auch iDeim 
Biotit durch die allmähliche Größenabnahme der Blättchen 
der Gegensatz zwischen Einsprenglingen und Grundmasse 
stark verwischt, wobei sich die massenhaften Glimmer- 
flitterchen als mechanisch abgespaltene und zerstückelte 
Lamellen der größeren Säulchen erweisen. 

G r u n d m a s s e. Die sogenannte Grundmasse läßt 
durchwegs densellien Mineralbestand erkennen, wie er in 
umfangreichen Einsprenglingen zutage tritt; auch das Ver- 
hältnis der Gemengteile zueinander ist dasselbe geblieben. 
In dem vollständig mit Brauneisenerz durchtränkten Grus 
herrschen nach Zahl und Größe wiederum weiße oder röt- 
liche Orthoklase vor, die sich unverkennbar als ab- 
gesplitterte Stückchen erweisen. Dazu kommen kleine 
Quarzkörnchen und reichliche cJlimmerfetzchen. Unter dem 



39 



Mikioskop er^bt sich das entspiüclieude Biid: ein bis zu 
feinstem Sand zerbröckeltes Quarz-Feldspataggreg'at, ver- 
mischt mit Biotitblättchen bzw. den daraus hervor- 
gegajigenen Chloritschüppchen und Limonit häuf che ii. Dazu 
gesellen sich nui' noch Körner von Apatit und Zirkon. 
Im frischen Handstück ist der Ton des Pigments braunrot 
mit einem Stich ins kirschix)te, so daß in einem vorher- 
gehenden Stadium ein mehr häinatitisrhes Eisenerz als 
Bestandteil der Grundmasse anzunehmen ist, welches jedoch 
durch die Verwitterung in rotbraunen Limonit übergegangen 
ist. Im übrigen weist diese dunkelbraungefärbte Grund- 
massc erdige Beschaffenheit mit kräftigem Tongeruch auf. 

Struktur. Läßt schon die Mikrostruktur des ,;Por- 
phyrs" von Pingarten kaum einen Zweifel an seiner sekun- 
dären Entstehung, so erhebt die Makrostruktur in Ver- 
bindung mit der Lagerung diei Ansicht von dei' klastischen 
Natur dieses Gesteins zur Gewißheit. 

Die bet(3iligten Mineralien entsprechen in ihrer Ivom- 
bination unter Berücksichtigung des Vorwiegens von Ortho- 
klas etwa einem Pori>hyrgranit. Doch tritt nicht nur inner- 
halb der ganzen „Porphyrkuppe", sondern oft schon im 
Handstück der horizontale und vertikale Wechsel im 
Habitus des Gesteins auffällig hervor. Sieht man iiämlich 
zunächst von der trümmerhaft-en Struktur ab, so naherti 
sich ein Teil des Porphyrs nach Korngröße und mehr 
oder Aveniger gleichmäßiger Verteilung der Bestandteile 
etAva einem mittelkörnigen Granit- oder Quarzporphyr. (Vgl. 
Taf. II, Fig. 1—4.) In einer anderen Modifikation ge- 
langt der Kalifeldspat mit umfangreichen Individuen, welche 
mitunter nesterartig beisammen liegen, in Vormacht, so 
daß solche an Feldspatstücken überreiche Typen den Ein- 
druck einer Kristallgranitbreccie erwecken. Schließlich 
trifft man noch Abarten des Gesteins an, in welchen größere 
Einsprenglinge zurücktreten, so daß man nm' mehr die 
Giiuidmasse des ,, Porphyrs" vor sich hat. Diese meist sehr 
glinunerreichen Varietäten gewinnen Ähnlichkeit mit einem 
i-otbraunen, stark tonigen Glimmersandstein oder mit 
sogenannten Arkosen von mittlerem bis feinem Korn. 

Die Art des Nebeneinandervorkommens dieser Gesteins- 
mo(Ufikationen ist zudem sehr charakteristisch; vielfach 
trifft man innerhalb eines Handstücks zwei Varietäten an, 
von denen z. B. der eine Teil Ag-glomerationen von Ortlio- 
klastrümmern mit wenigen eingestreuten Plagioklasen auf- 
weist, außerdem Quarzkörner und Biotitblätter, die von 



40 



einem feinerkömigen Grus verkittet sind, der andere Teil 
das starke Zurücktreten der- Einspreng-linge und ent- 
spi-echende Anreicherung der Grundmasse erkennen läßt. 
Solche petrographisch deutlich unterscheidbare Abände- 
nmgen gehen aber nicht plötzlich, sondern allmählich, 
wenn auch in relativ schmaler Zone ineinander über; es 
handelt sich demnach nicht etwa um fremde Einschlüsse, 
sondern um Abarten in der Fazies eines und desselben 
Komplexes. In Anbetracht der klastischen Natni- des Ge- 
steins kann man diese Variabilität nur als beginnende 
Schichtung deuten, welche auf dem Wege vom Mutter- 
gestein zu der gegenwärtigen Lagerungsstelle stattgefunden 
hat. Verfolgt man nämlich die Verbreitung jener Modifi- 
kationen im Anstehenden, so erkennt man leicht, daß ihre 
Verteilung innerhalb der Porphyrkuppe eine ziemlich 
gleichmäßige ist. Überall trifft man die verschiedenen Ge- 
stein svarietäten unmittelbar nebeneinander und zwar jede 
nur in geringer Ausdehnung. Untersucht man z. B. auf 
die besonders in die Augen fallende feinkörnige Abart von 
Aussehen einer braunen Arkose, so findet man sie stets nur 
in engbegrenztem Umfange zur Entwicklung gelangt, oft 
keilt sie sich sogar innerhalb eines Handfetücks allseits 
aus, mitunter weisen ihre Vorkommen mehr knollenförmige 
Umrisse von höchstens Kopfgröße auf, meist aber handelt 
es sich um Einlagerungen von linsen- bis flachscheibcn- 
förmiger Gestalt. Analog treten die orthoklasreiclien 
Varietäten nicht in durchgehenden Lagen auf, sondern nur 
als lokale Anhäufungen, welche sich wegen der genetischen 
Übergangsbildungeu nur unscharf von den anderen alv 
grenzen. 

Dieser eigenartige Fazies Wechsel auf engem ßauiiie 
kann nur dadurch erklärt werden, daß ähnlich wie in 
vulkanischen Tuffablagerungen bei der Entstehung dieses 
Gesteins eine teilweise, wenn auch unvollständige Sortie- 
rung des Materials durch. Wasser stattgefiuiden habe. In- 
folge solcher Ausschlämmung an Ort und Stelle gelangten 
die kleineren Bestandteile, vor allem Biotitblättchen und 
das toniglimonitische Bindemittel lagen- und schmitzenweise 
zur Ausscheidung, während sich durch den gleichen Prozeß 
die zurückbleibenden Einsprenglinge anhäufen mußten. 
Jedoch ist infolge Platzmangels und ungenügenden Trans-" 
portes weder vertikal noch lijorizontal die Seiger ung der 
Gemengteile soweit fortgeschritten, daß man von Schich- 
tung im sedimentpetrographischen Sinne sprechan könnte. 



41 



GüMBEi. entging die Mannigfaltigkeit in der A.usljildunjg 
des Pingartner Gresteins keineswegs; in Konsequenz^ seiner 
Auffassung des Ganzen als einer Quarzporpliyrkuppe be- 
zeichnete er aber die entsprechenden Varietäten als 
„Po r p h yrtuf f" und „Por p h yr br ecci e", ^) eine 
Deiitung. welche mit Rücksicht auf den' makroskoinseuen 
Habitus der betreffenden Modifikationen wohl nahe liest, 
einer genaueren Untersuchung aber nicht standhalten kann. 

Die Beweise für die klastische Natur und sekundire 
Entstehung jenes ,, Porphyrs" werden noch ergänzt durch d is 
Auftreten zufälliger Bestandteile, s.jwie den Zusaninienlia ng 
mit dem ,, Rotliegenden", in welch h'tzterem diese Gesteins- 
kuppe nach Gümbp:ls Ansicht aufsetzen soll. 

An manchen Stellen nur selir zerstreut, andernorts 
. stäiker gehäuft, trifft man nämlich Einschlüsse an, die 
nach Struktur und Zusammensetzung zweifellos exogener 
Herkimft sind. Grelbrötliche Feldspäte, graue Quarzkörner 
und schwärzliche Glimmerblättchen bilden bei gleichmäßig 
köiTiiger Verwachsung in diesen Brocken ein Gestein, 
welches makroskopisch und im Dünnschliff das Aussehen 
eines feinkörnigen Granits bietet. Die Aljgrenzung dieser 
T]-ümmer vom umgeloenden Gestein ist stets sehr scharf, 
denn die bedeutenden Unterschiede in Habitus, Sti-uk- 
tui", Korngröße und Färbung, heben die hellgi^auen Granit- 
stücke von dem rotbraunen Porphyr liinreichend ab. Die 
Umrisse dieser akzessorischen Bestandmassen erscheinen 
l>a]d mehr plattig oder parallelepipedisch, bald mehr knoUen- 
lörmig, wobei ihr Umfang zwischen Faust- und Kopfgrößo 
schwankt; die Kanten und Ecken sind gewöhnlich schwach 
abgerundet. Das Vorkommen dieser Granitbrocken im 
Muttergestein ist weder an bestimmte Lagen noch an ein- 
zelne Porphyrvai'ietäten gebunden; doch kann man an 
einigen Stellen eine Anreicherung derselben nicht ver- 
kennen, während sie andernorts nur sehr vereinzelt auf- 
zufinden sind. 

Auch GüMBELS guter Beob ichtung mußten diese Ein- 
schlüsse auffallen; allerdings zwang ihn seine Anschauung, 
es handle sich hier um ein Ergußgestein, Beschaffenheit 
und Herkunft der Trümmer zu verkennen. Seine Be- 
merkung: 6) „Große Brocken eines grünlichgrauen Sand- 
steins, die von Porphyr und Porj^hyrtuff eingeschlossen 



^) Ostbayerisches Grenzgebirge. S. 6Ü9 und 679. 
'') Ostbayerisches Grenzgebirge. S. 679. 



42 



sina, deuten da^ spurenweise Vorkonuncii des liefern Rot- 
liegenden an," bezieht sich ohne Zweifel hierauf. Er faßt 
also die Einschlüsse als aus der Tiefe emporg^erissene Sand- 
steinbrocken auf, Avelche dem hier vermuteten untern Rot- 
liegenden entstammen sollen. Bei der geologischen Auf- 
nahme dieses Gebietes um Pingarten hat nämlich GI'mbel 
in unmittelbarem Zusammenhange mit der Porphyrkuppe 
Schichten aufgefunden, die er wegen ihrer petrographischen 
Eigenart und des x\uftretens zwischen dem Urgebirge und 
der Trias der Bohrenwöhrer Bucht als „Rotliegendes" be- 
zeichnet. Er bemerkt darüber u. a. : ") „Rote Konglomerate 
und rote, grünfleckige Schiefer findet man, von Gebirgs- 
schutt bedeckt, in dem Graben zunächst westlich vom 
Dorfe Pingarten zwischen Porphyr und ürgebii-ge an- 
gedeutet." Tatsächlich stößt man auf dem Fahrwege nach 
Tasöldern in einem Hohlwege auf sekundäre Bildungen, 
welche nicht nur der GüMBELschen Beschreibung enr- 
sprecheli, sondern auch mit Ablagerungen des Perras am 
westlichen Rande des Bayerischen Waldes, z. B. bei 
Schroidgaden oder Luhe, Ähnlichkeiten aufweisen. Bei 
Aveiteren Nachgrabungen fielen mir hier hellere Knollen auf. 
die durch Verwitterung zwar stark zermürbt, jedoch nach 
Struktur und Mineralbestand leicht als Trümmer von fem- 
köriiigem Granit zu bestimmen sind. Neben den zersetzten 
"'eißerdigen Feldspaten erkennt man noch deutlich die 
Quarzkörner und Biotitblättchen. Ein Teil dieser Brock"n 
ist infolge Eindringens der Tagewässer zu einem knetbaren 
Lehm zermürbt, gi^ößere Stücke zeigen noch einen festeren 
Kern. Diese gewöhnlich über faustgroßen (iranitb rocken 
kommen hier in einem rotbraunen, von grünen und grauen 
Streifen durchzogenen Letten, stellenweise auch in etwas 
gröberkörniger Arkose vor und entsprechen offenbar den 
Einschlüssen im Porphyr von Pingarten. 

In neuerer Zeit sind ferner durch einen Aufschluß 
zwecks TongewiniRuig auch südöstlich der Porphyrkappe 
Schichten desselben „Rotliegenden" in ähnlicher Fazies auf- 
gedeckt worden; doch gleichen hier die Gesteine fast ganz 
den Porphyrva,rietäten, mit Ausnahme der Festigkeit. Nicht 
bloß die mineralische Zusammensetzung erscheint in beiden 
Gesteinen identisch, sondern auch die Makrostruktur. Die 
begonnene Seigeioing des Materials durch Wasser tritt auch 
in diesen Sedimenten unverkennbar zutage, indem einerseits 



^) O.stbayerisches Grenzgebirge. S. 1)79. 



43 



einzelne S -limitzen einspi'v'iiyling.^ärmer, ajideiei.seits manche 
Linsen mit Feldspaten ang-ereichert sind. Im Gegensatz 
zu der Kompaktheit des Porphyrs weisen indes diese Ab- 
lagenmgen ziemlich lockere Beschäl fenheit auf. Außerdem 
sieht man gerade in diesem Aufschlüsse sehr günstig, wie 
zahlreiche Brocken von Ganggranit dem Sedimente ein- 
verleibt sind, und zwar nicht auf bestimmte Horizonte be- 
schränkt, sondern ähnlich glazialen Bildungen regellos ver- 
teilt, aber auch stellenweise gehäuft. Manche dieser 
Granittrümmer gehen untei- Zurücktreten des Glimmers in 
aplitische oder durch Zunahme der Koi'ngi'öße in peg- 
matitische Ausbildung über. 

Der Vergleich dieser „Rotlieg6nd"-Schichten mit dem 
„Porphyr" von Pingarten läßt in hohem Grade auffallend 
erscheinen, daß nicht mir Zusammensetzung und Stiuktur. 
sondern auch die eigenai'tige Variabilität der Fazies und der 
l']inschluß von Gra.iütbrocken beiden Gesteinen gemeinsam 
•sind. Nur die Art der Verfestigung bedingt einen offen- 
kundigen Unterschied. Solche Tatsachen legen die \'er- 
mutung nahe, daß die ausgesprochen sedimentären Ab- 
lagerungen, Avelche sich nordwestlich und südöstlich der 
Porpiiyrkuppe ausbreiten, entweder nui' einen durch Vev- 
witterung entstandenen Schuttmantel darstellen, oder daß 
umgekehrt der ,,Porphyr" Gümbels nm' als ein lokal 
in besonderer Weise verfestigter Teil jener ,,Rot- 
liegen d" - Scholle zu betrachten sei. 

Weitere Untersuchungen haben letztere Annahme als 
die richtige erwiesen. Zunächst konnte ich feststellen, daß 
der Porphyr einen integrierenden Bestandteil des ganzen 
Komplexes bildet, der nach Nordosten jäh am ,,Pfahl" 
abbricht, ohne jenseits dieses Quarzganges mehi- Spuren 
einer Fortsetzitng zu zeigen. Nach den drei anderen Seiten 
geht die Kuppe rasch unter \^erlust ihrer Festigkeit irt 
lockere Ablagerungen über, wobei sich die Grenze im Terrain 
deutlich "diu'ch eine Höhenstufe ausprägt. Die Ursache al)er, 
weshalb dem einen, mehr zentra.len Teile eine relativ große 
Widerstandsfähigkeit zukommt, ist in dem Umstände be- 
gründet, daß der ,, Porphyr" eine vollständige Imprägnation 
mit Fluorit aufweist, Avährend die Schichten des ,, Rot- 
liegen den" nur mechanisch verfestigt sind. 

GüMBEL erwähnt hierüber u. a. folgendes: *) .,An die 
Flußspatgänge der Naabgegend r-eihen sich zunächst jene 



*) Ostbayei'isches Greiizgcbirire. S. 519. 



44 



bei Pingarten unfern Boden wo hr, die im Porphyr aufsetzen. 
Es sind hier auf dem sogenannten Kohnberge mehr Adern 
und Schnüre als eigentliche Gänge,, welche den Porphyr 
vielfach durchschwärmen." Außer solchen stärkeren 
Trümmern ist nun aber die ganze Porphyrkuppe von massen- 
haften Adern dieses Minerals durchsetzt, so daß man kaum 
ein Handstück antrifft, welches nicht Schnürchen davon 
entliielte. Auch das G-estein selbst ist von kleinsten Drusen- 
räumen erfüllt, die oft erst mit der Lupe erkennbar, doi'ch- 
weg mit Fluoritkriställchen ausgekleidet sind. Im Dünn- 
schliff erkennt man diese Imprägnierung an der Isotropie 
des mikrokristallinen Kittes, der sehr häufig an rundlichen 
oder gestreckten Hohlräumen in Drusen ausläuft; schmale 
Äderchen, welche entweder mit derbem, farblosem und 
fleckig violettem Fluorit angefüllt sind oder aber in der 
Mitte in würfelig ausgebildete Kristallkrusten übergehen, 
sind 'unter dem Mikroskop eine konstante Erscheinung. Be- 
sonders die einem i'otliraunen Sandsteine ähnlichen Schmitzen 
im Porphyr erweisen sich im Dünnschliff als reichlich durch- 
setzt mit fast ringsum entwickelten, scheinbar schwebend 
gebildeten Fluorit"s\äirfelchen. 

Neben dem tonig-limonitischen Zement ist demnach 
Flußspat als eigentliches Bindemittel im Pingartner Porphyr 
anzusehen, eine Tatsache, welche Gümbel entgangen zu 
sein scheint. An dem petrographischen Habitus dieses 
Gresteins beteiligen sich nunmehr folgende Komponenten: 
1. Einsprengunge, 2. klastischer Grus, 3. tonig-limonitisches 
Bindemittel. 4. Flußspat. Solche Zusammensetzung und 
Struktur ergeben ohne weiteres, daß es sich um kein 
primäres G^estein handelt, weshalb die Unterscheidung von 
Einsprengungen und Grundraassr ebenso ungeeignet ist wie 
die Bezeichnung als Porphyr. Verfolgen wir den Verlauf 
dieser diagenetischen Veränderung etwas näher. Von einer 
Spalte aus, die sich durch irgendwelche tektonische Ur- 
s.achen am „Pfahl" öffnete, drang heiße Minerallösung 
in die darüberlicgenden Sedimente ein und suchte sich nach 
allen Seiten auszubreiten; doch zwang mit zunehmender 
Entfernung vom Ausgang-spunkt eine relativ rasche Er- 
kaltung zur Kristallisation. Dadurch kam in erster Linie 
die völlige Imprägniermig des Gesteins und die Bildung 
kleinster Drusenräume zustande, wie sie den Porphyr 
chaiaTcterisieren. Infolge Kontraktion bei dieser ersten Ver- 
festigung zerriß aber dann das Gestein nochmals unter 
Entstehimg größerer Klüfte, welche durch ^eue Zufuhr von 



45 



Minerallösung wieder mit Fluoritkrusten ausgekleidet wurden. 
Die Zusammenziehung des Gesteins nach der Imprägnation 
erfolgte offenbar ziemlich kräftig; denn es ist liä.ufig zu 
beobachten, daß nicht nur große Orthoklaseinsprenglinge 
mitten durchgerissen sind, sondern auch die konglomerat- 
artig eingeschlossenen Brocken von Granit, so daß Fluörir- 
äderchen oline Unterbrechung durch Iwide hindurchsetzen. 

Ferner konnte festgestellt werden, daß sich als Binde- 
mittel des Gesteins nur Flußspat vorfindet; erst auf stär- 
keren Adern tritt regelmäßig gelblicher Schwerspat 
hinzu, der sich an wenigen Stellen zu bedeutenderen Gängen 
ani'eichert. Daneben trifft man mitunter cüchten bzw. mikro- 
kristallinen Quarz, sogenannten H o r n s t e i n , als Kluft- 
füllung an. Da sich konzentrisch gegen den „P f a h 1" hm 
am Kulmberg, etwa in der Mitte der Forpyhrkuppe die 
Klüfte verstärken und zusammendrängen, dürfte dort auch 
die Aufbruchstelle und der Ausgangspunkt für die Durcli- 
tränkung jener Ablagerungen zu suchen sein. 

Aus dem bisherigen Befund geht ohne Zweifel hervor, 
daß diese Gesteine von Pingarten, vor allem der fluoriti- 
sierte Teil der Kuppe, mit einem Quai'z- oder Pinitporphyr 
nichts zu tun haben; das Material hierzu entstammt viel- 
mehr dem nahen Grundgebirge, von dem die Sedimente 
nur durch den „Pfahl" getrennt sind. Unmittelbar hinter 
letzterem steht der im Ostbayerischen Grenzgebirge so ver- 
breitet auftretende „Kristallgranit", ein mit großen Ortho- 
kla.seinsprenglingen porphyrartig erfüllter Granit an. Mit 
ihm stimmen jene Ablagenmgen mineralogisch noch voll- 
kommen überein, während die Struktui' durch die Sedimen- 
tation und Diagenese Veränderungen erfahren hat; ihre Be- 
schaffenheit erweckt den Eindruck, daß die Verwitterungs- . 
Produkte jenes porphyrgi^anitischen Muttergesteiiis durch 
bestimmte (noch zu erörternde) Ursachen in Bewegung 
gesetzt und als Schuttstrom am Gebirgsrande abgelagert 
wurden. . Daß aber hierbei kein längerer Transport statt- 
gefunden hat, beweisen die scharfeckigen Feldspatbruch- 
stücke und die erst begonnene Sortierung der Bestandteile 
durch Wasser. Die Einlagerung von Granitbrocken findet 
ihre Erklärung in der Tatsache, daß nur etwa 50 m ent- 
fernt ein Gang von feinkörnigem Granit vorbeistreicht; 
dort trifft man noch jetzt an der Oberfläche die nämlichen 
Brocken dieses plattig absondernden Gesteins, welches 
gegenüber dem grobkörnigen Kristallgranit langsamer ver- 
wittert und daher länger ei'halten bleibt. Bei der Ab- 



46 

räumung- der damals eluvialen Granitschuttniassen des 
Grundgebirges wurden dann solche Brocken mit ein- 
geschlossen. 

Vor Untersuchung der Lagerungsverhältnisse dieser 
öchiehten, welche zu einer Bestimnmng ihres Alters führen 
werden, und der tektonischen Ursachen, welche ihre Ab- 
lagerung veranlaßt haben, soll nun aber zuerst die Frage 
ap.fgeworfen werden, ob ein Gestein vom Habitus des Pin- 
gartner, das selbst Gümbbl Anlaß zur Verwechslung mit 
priir.iirem Porphyr g-eben konnte, noch mit den hergebiuchten 
Namen bezeichnet werden kann. Abgesehen von der je- 
weiligen Art der Verfestig-ung (mechanisch, verkieselt) sind 
ja Gesteine von solchem Tj'pus besonders in den Sedimenten 
des Paläozoikums sehr verbreitet; sie umsäumen in ähn- 
licher grobkörniger Fazies fast alle Ränder der ;ilteren 
Rumpfgebirge, aus deren Graniten und Gneisen sie g'ixDßen- 
teils, und zwar vielfach ohne erhebliche Sichtung des 
Materials hervorg'eg'ang-en sind. Derartig-e Gesteine \'on 
grobem Korn sind schwerlich unter den bisherig-en Begnff 
der „Arkosen", „Konglomerate" oder ,.Breccien" zu bringen. 

Definiert man nach Zikkel-') Ar kose als ,,ein aus 
der Zerkleinerung von Graniten, auch wohl Gneisen hervor- 
gegangenes, hellfarbiges Schuttgestein, einen Feldspat-Quarz- 
Glimmersajid", so erscheint hierbei die Zerkleinerung zu 
Sand als ein wichtiges Merkmal, wie denn auch in der 
heutigen Sedimentpetix)graphie wohl allgemein mit ,,Arkose"' 
der Begriff des mittleren bis feinen Korns und dadurch 
«ine weitergehende Ähnlichkeit mit Sandsteinen oder Grau- 
wacken verbunden ist. Auch Rosenbuschs Definition: "') 
„Arkose ist ein feldspatreicher Sandstein von granitähn- 
lichem Aussehen (regenerierter Granit), dessen Feldspat 
meistens stai'k in' Kaolin oder Muskowit verwandelt ist", 
umfa.ßt höchstens solche Feldspatsandsteine, die entweder 
aus feinerkörnigem Granit hervorgegangen sind, odei" tleren 
Material vom Muttergestein her durch Transport zerkleinert 
Avorden ist. n) Für Gesteine \on der Beschaffenheit des 
Pingartner Vorkommens trifft ferner die Benennung als 
,, Konglomerat" oder ,,Breccie" ebensowenig das richtige, 
da einerseits abgerollte Geschiebe fehlen, andererseits die 
Bezeichnung ,,Breccie" (und Mylonit) bis jetzt vorwiegend 

9) Lehrbuch der Petrographie.' 2. .lufl. TU, S. G.51. 

10) Elemente der Gesteinslehre. 3. Aufl. 1910. S. 512. 

11) Vgl. auch SALOiiox. AV. : Die Definitionen von Grau- 
wacke, Arkose und Ton. Geolog. Rundschau. 191.5 (VI.). S. 398-. 



47 



auf Bildungen beschränkt war, die' aus der Zertrümmerung- 
von Gesteinen durch tektonische und gebirgsbildende 
Prozesse entstanden sind. 

Während also für die fortg-eschritteneren Stadien der 
Arkosen und Sandsteine die bisherig^e Umgrenzung genügt, 
ist für die den iVrkosen vorangehende Phase der Sedimenta- 
tion, d. h. jene des ,, verfestigten Granitschuttes", soweit 
dieser durch sein grobes Korn mit einem Porphyr Ähnlich- 
keit erlangt, eine Neubenennung sicher zu rechtfertigen. 
Bei der überwiegenden Zusammensetzung der kristallinen 
Grundgebirge aus Graniten und (granitischen) Gneisen 
würde die Bezeichnung als ,,Gr anito s e n" jedenfalls die 
Hauptmengen jener Klastika umfassen; da aber nicht in 
allen Fällen das Muttergestein einheitlich oder nachweisbar 
ist, weil ähnliche Sedimente häufig auch aus andern Eru]i- 
tiven, besonders Quarzporphyren, hervorgegangen, dürfte 
eine allgemeinere Benennung, nämlich „Porphyrose" 
vorzuziehen sein. Will man also den Begriff der ,,Por- 
phyrosen" umschreiben, so könnte dies etwa folgendermaßen 
geschehen: 

,, Unter Porphyrosen versteht man aus grobkörnigen 
bzw. poi^Dhyrischen Primärgesteinen entstandene und 
im ersten Stadium der Sedimentation wiederverfestigte Bil- 
dungen, deren Gemengteile weder stärker abgerollt noch 
geschichtet sind. Setzt sich die Porphyrose vorwiegend 
;ui8 Granit- oder granitischem Gneisschutt zusammen, so 
luv.eiclinet man sie als „Granitose". Die Porphyrosen 
1 lüden sonach das verbindende Zwischenglied einerseits' zu 
den (feiner- und gleichmäßigerkörnigen) Arkosen, anderer- 
seits zu den primären Gesteinen, Porphyren, Graniten und 
Cineisen. 

Es braucht kaum betont zu werden, daß vorstehend 
charakterisiertes Gestein vom Kulmberge bei Pin- 
garten den Typus einer solchen Granitose darstellt; 
gleichzeitig bietet es aber auch einen vorzüglichen Beleg 
tür Fluorit als G e s t e i n s b i n d o ni i 1 1 e l , wie er in so 
ausgezeichneter Weise bis jetzt kaum aufgefunden wurde, i-) 



12) Die ,, Bayer. Hartstein-Industrie Akt.-Ges. in Würzburg- 
liat einige Jahre hindurch (190G— 1911) den Kuhnberg auf 
..Quarzporphyr" abgebaut. Das an der Südwestseite der Kuppe 
in jährUch etwa 30 000 Tonnen geförderte Gestein diente vor- 
wiegend zum Unterbau der Bahnstrecken ßodenwöhr — Neunburg 
V. W. und Bodenwöhr — Nittenau; an diesen ßahidinien findet 
man daher auch prächtige Blöcke mit reichlichen Adern von 
Flußspat. . 



48 



2. Die Lageruugsveihältiiisse bei Pingarteu. 

Um über das Alter des von Gümbel als „Porphyr" 
beschriebenen Gesteins, welches im Vorausgehenden als 
Sediment bestimmt wurde, sowie der von ihm als „Rot- 
liegendes" angesprochenen Schichten bei Ping'arten genauere 
Anhaltspunkte zu gewinnen, untersuchte ich i3) die Lage- 
rungsverhältnisse dortselbst 1917 nochmals eingehender. 
Einen Teil meiner Beobachtungen habe ich schon 1914 auf 
einer Exkursion mit Herrn Professor Dr. L. Kkumbeck. 
Erlangen, gesammelt, auf dessen inzwischen erschienene 
"Veröffentlichungen hiermit verwiesen sei. i*) 

Zimächst galt es, das bei E r z h ä u s e r erschlossene 
Profil, welches fast senkrecht zum Gebirgsrande ein- 
geschnitten ist und den „Pfahl" quer durchsetzt, einer 
Nachprüfung zu unterziehen. Von Nordost nach Südwest 
folgt hier, wie die Skizze zeigt, auf einen stark verwitterten 



StembTturh 



sw 

Lias 
Ehät 



Bahnhof ZwgelrL 



Pfahl Granit 

\ \ NO 



Iteuper { 




Länge soo m ProfU bcl Püigartea. 



VertüCal f-7SOO 
Horizontal 17S00 



und von Quarzapophysen durchzogenen Kristallgraaiit der 
hier etwa 30 m mächtige „Pfahl" als ein intensiv zer- 
trümmerter Quarzgang, hierauf eine ungefähr 1,5 m breite 
Übergangszone von eigentümlich sandiger Beschaffenheit 
und schließlich in größerer Ausdehnimg die früher be- 
schriebenen Granitosen. 

Der Pfahlquarz, welcher in seiner Hauptmasse hell- 
graue Färbung mit bläulicher und grünlicher Tönung zeigt, 
hat hier an der südwestlichen Gangwand eine auffallende 
Dunkelfärbung angenommen. Die mineralogische Unter- 
suchung ergab, daß es sich hierbei um eine kräftige Im- 



13) Durch die Teilnahme am Feldzuge darin unteibrochen. 

1*) Krumbeck, L. : Einige geologische Beobachtungen im 
Bodenwöhrer Becken. Sitzber. d. Bhvs. Med. Soc. Erlangen, 
Bd. 46 (1914), S. 121—143. 



49 



prägnation mit ^langaiieiz handelt; der Giing-, dessen 
Klüfte sonst meist durch reinweiße Quai'zadern ausgeheilt 
sind, wurde an diese^r Seite von aufsteigenden, Mangansalz 
enthaltenden Lösungen durchtränkt. Aveshalb man eine bis 
ins Kleinste gehende Inkinistierung, nämlich feine Äderchen 
und Hohlräume mit einem stalaktitisch und derb abgesetz,teii, 
psilomelanai-tigen Mineral beobachten kann. Die nur zirka 
30 cm breite Zone manganitischer Imprägnierung geht rasch 
nach dem Gangimiern zu in den gewöhnlichen Pfahlquarz 
über. Solches Auftreten von Mangankrusten auf Klüften 
des „Pfahls" ist übrigens weiter nordwestlich am Eichel- 
und Hirschberg bei T a x ö 1 d e r n in \iel ausgedehnterem 
Maße zu verfolgen. 

Das größere Interesse erregt aber jedenfalls die zwischen 
Pfahl und ,,Ilotliegend"-Schichten eingeschaltete Bildung. 
Für ihre Deutung erscheint von vornherein wichtig, daß 
ihr zahlreiche Brocken von Quarz beigemengt sind, die 
nach ihrem Habitus nur dem angrenzenden Pfahl ent- 
stammen können, auch findet gegen diesen hin unverkenn- 
bai' eine Anreicherung und Größenzunahme der Brocken 
statt, wähi^end solche nach der andern Seite nur in ver- 
einzelten Stückchen bis zur Granitose durchdringen. Den 
Übergang zum Sandstein vermitteln zunächst als eine Art 
Kluftbesteg Schmitzen von grau- bis braunschwarzem Letten, 
der sich aber mehi^ sandig als tonig und als deutliches 
Zerreibungsprodukt von Pfahlquarz erweist. Nun sind 
aber auch die den Sandstein selbst durchsetzenden Brocken 
von dunkelbraunem Quarz zennürbt und verbröckeln unter 
der Hand, da gerade dieser Horizont den Tagewässern leicht 
Zutritt gestattet. Durch derartige verwitterte Quarzstücke 
entstehen dunkle Putzen von zum Teil braunkohlenhaftem 
Aussehen, die aber mit organischen Resten nichts zu tun 
haben. Weder in dieser Schicht noch in der darunter- 
liegenden konnte ich kohlige Bestandteile entdecken, wie 
sie Kkumbeck vorgefunden haben will, is) 

Behufs näherer Bestimmung unterwarf ich Proben 
dieser Schicht einer mechanischen Analyse. Die Bildung 
hat zweifellos ein sandsteinartiges Gepräge, zeigt helle 
gelbliche Färbung und besteht vorwiegend aus dreierlei 
Gemengteilen, nämlich groben, dunkelgefärbten, eckigen 
Quarzstücken, kleineren grauen gerundeten Quai-zkömern 
imd einem gelblichen tonigen Bindemittel. Die Schläramung 



1^) loc. cit. S. 134. 

Zeilschr. d. 1) Gcol. Ges. 1919. 



50 



und Siebung einer trockenen Probe von 250 Gramm ei'gab 
27 g Quarzbrocken, 160 g- Sand und 63 g- Ton. Der tonige 
Gemengteil besteht aus feinsten Flitterclien von erdiger 
Beschaffenheit und graugeUier Färbung ohne makroskopisch 
näher bestimmbare Einzelheiten. Glimmerblättxjhen fehlen 
gänzlich, nur winzige, unter der Lupe noch erkennl>are, 
weißliche KöiTichen weisen auf kaolinisierte Feldspatreste 
hin. Im übrigen ist dieser Ton feucht schneid- und knetbar 
und knirscht zwischen den Zähnen nicht. Die Hauptmasse 
des Gesteins bildet indes ein mittel- bis feinkörniger Sand, 
der zum größern Teil aus durchscheinenden und mehr oder 
weniger, jedoch deutlich abgerollten Quarzköi'nern sich 
zusammensetzt; daneben trifft man noch untergeordnet 
Stückchen eines fleischroten und eines weißlichen Feldspats, 
sowie kleine schwarze Glimmerblättchen, wodurch der helle 
Sand unter der Lupe ein buntgetüpfeltes Aussehen erhält. 
Hierzu gesellen sich in geringerer Zahl Brocken von oft 
über Haselnußgröße eines hornsteinartigen Quarzes in teils 
grauen oder gränlichen, teils schwarzen Tönungen; neben 
dichter Beschaffenheit trifft man auch luckig-dnisige Ent- 
wicklitQg an. Jedenfalls kennzeichnen sich diese, nur 
wenig abgerundeten Quarzstücke als dem ursprünglichen 
Sandstein fremde Beimengungen, die allem Anscheine nach 
erst später hineingeraten sind. Nach Entfernung der gröbern 
Brocken von Quarz resultiert bei inniger Durchmischung 
ein heller Quarzsand ohne stärkere Eisenpigmentieining, 
aber mit gelblich lehnügem Bindemittel. 

Die Grenze der Sandsteinscliicht gegen den Quarzgang 
ist als« dureh das Eindringen von Pfahlgrus etwas vei'- 
wischt. so daß man von einem gewissen Ineinandergreifen 
beider Gesteine sprechen könnte. Dagegen hebt sich der 
hellgelbe Sandstein von den anlagernden rotbraunen 
CJranitosen viel schärfer ab. Diese beginnen hier zunächst 
mit zähen Letten, welche in der Übergangszone zum Teil 
ausgelaugt, daher grauweiß oder grünlich erschemen, dann 
aber rasch in die grobkörnige, mit Orthoklasstücken durch- 
mengte Fazies übergehen. Beachtenswert sind indes 
noch die Schwankungen in der Mächtigkeit der Sandstein- 
schicht, die sich tnach oben etwas verjüngt und nach der 
Tiefe zu- deutlich verstärkt; amf jeden Fall stellen ihre 
Grenzen krumme, gewundene Linien dai% welche die Be- 
stimmung einer Fallrichtung sehr erschweren. Doch ge- 
winnt man durchaus den Eindnick, daß es sich lüer bloß 
um eine Verwerfung, nicht Überschiebung handelt, wobei 



51 



iiur andeutungsweise der abgesunkene südwestliche Flügel 
unter den stehengebliebenen Pfahl eingepreßt erscheint. 
Von einem „Herübergelegtsein" des Pfahls auf die Sediment» 
kann sicherlich nicht die Rede sein, denn der Gang steht 
nüt Rücksicht auf seine nordöstliche Wand fast saiger oder 
doch nicht mehr igeneigt, daß dies nicht schon von Anfang 
an der Fall gewesen sein könnte. 

Verfolgt man nunmehr das Profil Aveiter gegen die 
Bodenwöhrer Bucht hin, so treten in erheblicher Mächtig- 
keit die rotbraunen Granitosen auf, an denen neben der 
Durchspickung mit großen Orthoklasen die zerstreute Bei- 
mengimg von Granitbrocken auffällt. Mangels deutlicher 
Scliichtun^ läßt sich aber nicht sicher feststellen, ob die 
Massen noch horizontal lagern oder aufgerichtet bzw. über- 
kijipt sind. Indes weisen die früher erwähnten Anzeichen 
beginnender Schichtung, nämlich Lagen mit reichlicheren 
Einsprengungen und stärker tonige Linsen darauf hin, daß 
die ursprüngliche Lagenmg noch im wesentlichen erhalten 
ist; denn diese liegen meist schwebend oder fallen flach 
vom oder zum Grundgebirge. Für Gümbels le) Beobachtung, 
daß die Konglomeratbänke des Rotliegenden bei Pingarten in 
St. 6 mit 75° nach Westen einschließen, vermochte ich 
keine Bestätigung zu erl)ringen. Im Tagebau der Ziegelei 
ist nun außerdem besonders günstig zu sehen, wie die 
dunkelbraunen Sedimente des angeblichen Rotliegenden von 
hellen, gelblichen Lehm- und Sandschichten überlagert 
werden; letztere, welche zur Ziegelfabrikation abgebaut 
werden, rechnet Gümbel dem untersten Lias zu, da sie 
weit-er südwestlich das Rät konkordant überdecken. Auf 
keinen Fall darf manj sie aber bloß als ,, Gehängeschutt" 
bet reichten. 

Von" vorgenannten Lehragi-uben aus fehlt nun aber gegen 
die Bodenwöhrer Bucht hin auf einige hundert Meter ein 
weiterei' günstiger Aufschluß. Die sandige Beschaffenheit 
der Felder und Abhänge, welche gegen das Rät schwach 
ansteigen, läßt nicht entscheiden, ob der Untergrund der 
Jüngeren Bedeckung oder dem obersten Keuper angehört; 
die Annahme des erstem liegt wohl näher. Kuitmbkck hat 
jedoch südlich der Ziegelfabrik in der Verlängerung des 
Pfahlprofils eine Stelle gefunden, welche ihm Material für 
seine Erklärung der tektonischen Verhältnisse daselbst zu 
liefern schien. Es handelt sich dort um einen einseitigen 



') Frank. Alb. S. 374. 



Einschnitt der Eisenbahn in den Abhang- für ein« Stutzen- 
geleise. An der überra^nden Böschung fand er einen 
leuchtend gelbbraunen, sehr fein- und gleichmäßig körnigen 
Quarzsand, vermischt mit Bruchstücken eines ebenso be- 
schaffenen, weichen, plattigen Quarzsandsteins, der von 
dunkelbraunen, harten, limonitreichen Schwarten durchsetzt 
ist. 1') Diesen Sandstein spricht der Genannte ebenso wie 
einen in der Nähe bei Windmais vorkommenden auf Grund 
des petrographischen Habitusses und eines Vergleichs mit 
ähnlichen Gesteinen im Frankenjura ohne weiteres als 
,,zweifellJosen Doggersandstein" an. Gegen solche Auffassung 
ist freilich einzuwenden, daß es sedimentpetrographisch nicht 
angängig ist, ähnliche Gesteine auf gi^ößere Entfernungen 
auch stratigraphisch miteinander zu identifizieren, solange 
paläontologische Merkmale tehlen oder wenigstens die 
Lagerungsverhältnisse noch im Dunkeln liegen. Theoretisch 
müßte man hier in unmittelbarer Nähe des Urgebirges für 
äquivalente Schichten sogar eine andere Beschaffenheit 
erwai'ten als inmitten der mesozoischen Tafel. Überdies 
betont Kkumbeck selbst den schnellen Fazieswechsel, der 
der Strandablagerungen des Käts in ganz Nordbayern eigen 
sein soll. ^^) Femer finden sich in den Bildungen der Boden- 
wöhrer Bucht feinkörnige, gelbe oder braune Sandsteine und 
limonitische Schwarten nach Gümbelsi^) und meinen Be- 
obachtungen sowohl im Keuper wie im Lias, z. B. in nächster 
Nähe bei Taxöldern, Windmais u. a. a. 0. Zudem steht 
der betreffende Sandstein, wie Krumbbck2o) selbst zugibt, 
an der Fundstelle nicht an, sondern ist jedenfalls am Bahn- 
damm aufgeschüttet. Da dieser Platz jalirelang zum Aus- 
laden von Sand, Kohle, Steinen u. a. (und Einladen von 
Pingai-tner „Porphyr") für die Umgebung gedient hat, ist 
die Herkunft jenes „Doggersandsteins" sicher sehr zweifel- 
haft. Ähnlich verhält es sich mit einem schwarzgrauen, 
eisenkiesreichen Letten, der einige Meter davon entfernt 
zum Vorschein kommen soll. Die von mir dortselbst ge- 
fundenen losen Brocken lassen petrographisch noch keinen 
Schluß zu auf „Opalinuston" u. dgl., eher könnte man an- 
nehmen, daß derartige Trümmer bei Braun- oder Stein- 
kohlentransporten miteingeschleppt und weggeworfen wur- 
den. Übrigens kommen solche kohlereiche und schwefel- 



") loc. cit. S. 133. 

18) loc. cit. S. 128. 

19) Frank. Alb. S. 376 ff. 

20) loc. cit. S. 133. 



53 



kieshalti^ Letten im Rät der Bodeiiwöhrer Bucht so ver- 
breitet vor, daß ein Schluß auf Identität mit diesen jeden- 
falls am nächsten liegt. Tatsächlich zeigt sich auch hier, 
zumal am Nordrande der Bucht, die allgemeine Erscheinung, 
-daß die Sedimente in abweichender Fazies entwickelt erst 
durch Zwischenbildungeu in die sonst als typisch geltenden 
Gesteine der Schichtentafel, d. h. des Beckeninneni all- 
mählich übergehen. Deshalb muß eine GLeichsetzung von 
Horizonten auf Grund der petrographischen Eazies zu 
falschen Folgerungen führen. Mit Rücksicht auf das un- 
genügende Material und die nicht einwandfreien Schlüsse 
kann man daher auch nicht von „Beweisen" 21) für em 
,, zweifelloses" Vorkommen von Doggergesteinen sprechen, 
wodurch die daran geknüpften weitgehenden Folgerungen 
Xeumbecks von selbst ihre Berechtigung verlieren. 

Indes glaubt der Verf., durch weitere Nachforschungen 
in die Lagerungsverhältnisse bei Pingarten hinreichende 
Klarheit gebracht zu haben. Zunächst gab mir ein Stein- 
bnichspalier, welcher di'ei Jahre früher in dem Rätsandstein- 
brucli bei Erzhäuser, und zwar am nordöstlichen Ende des- 
selben eigenhändig ein über 8 m tiefes Schürfloch nieder- 
getrieben hatte, nachstehende Skizze der durchteuften 
Schichten, welche von der Sohle des Steinbruches aus nach 
oben ergänzt folgendes Profil liefern; 

5 — 10 cm Humus 
rp. ,. . 2,5 m Abraum von lockerem gelblichem Sand 
und Ton (Gümbels Lias) 

5 — 6 m fester Werkstein 

0,5 m grauer, zähplastischer Tegel, z. T. mit 

bräunlichen Lagen untermischt 

~, , , , 15 m dichter, sehr harter, schwarzgrauer 

^chacht < ^ j ^ ■ 

' Sandstein 

3 m schwarzer, kohliger Schiefer mit 

Schwefelkies 

Bemerkenswert ist in diesen Angaben vor allem, daß 
sich in einer Tiefe von etwa 14 m von Tag ein Flöz mit 
Kohle vorfinden soll. Auch bei einem vor mehreren Jahren 
niedergestoßenen Brunnenschacht südöstlich des Dorfes, 



21) Diese werden auch nicht gewichtiger durch die ,, Aus- 
sagen eines geweckten, älteren Vorai-beiters italienischer Her- 
kxmft", der 30 Jahre zuvor den Brunnen gegraben, da bei 
solchem Befragen die Suggestion eine bedeutende Rolle spielt. 
Angaben von Laien sind daher immer nur in großen Zügen 
verAvertbar ! 



54 



welcher 21 m Tiefe erroiclite, wurde eine liolüereiche Scliicht 
diirchteuft ; dieses einige Meter mächtige Flöz bestand aus 
milden Sr-hieferletten, die neben schwefelkiesreichen Brocken 
dauinen- bis faustgroße Stücke von glänzendscliwarzer, 
gagatartiger Kohle enthielten und nach unten in grau- 
schwarze Letten übergingen. Doch liandelt es sich hierbei 
offenbar um die schon von Gümbel mehrmals ei^wähnten 
und seitdem wiederholt angeschürften Flöze im Rät; diese 
stehen bei Taxöldern etwa 20 m unter Tag an und 
treten bis Roding hinein auf. Trotz versclii edener Ver- 
sviche haben sich, die Bildungen indes als nicht abbauwürdig 
erwiesen, weil teils zu tonig, teils zu wenig durclihaltend. 
Auch in dem von Krumbbck für den Brunnen der Ziegelei 
angegebenen Profile ist den Sandsteinen ein Horizont von 
schwai'zgrauem, schwefelkiesreichem Letten in der Stärke 
von einigen Metern eingelagert, ein Umstand, der für die 
Deutung der Lagerungs Verhältnisse einen wichtigen Finger- 
zeig bietet. 

"Weitere bedeutsame Anhaltspunkte boten mir Beobach- 
tungen in einer Schürf grübe, die etwa auf halbem Wege 
zwischen dem Rätsandsteinbruch und dem Kulmberg an- 
gelegt wurde. Man trifft hier zu oberst wieder jene gelbe 
sandige Lehmschicht, welche sonst konkordant das Rät 
bedeckt; darunter aber nicht dieses, sondern die charakte- 
ristischen, rotbraunen Granitosen, die hier allerdings stark 
verlehmt und nur mehr 30 cm mächtig sind. Erst dann 
folgt als Liegendes der helle Sandstein des Rats, jedoch 
ebenfalls eigenartig verändert, nämlich trümmerig und ver- 
bröckelnd, wie es durch die Atmosphärilien alh^n kauuL 
in dieser "Weise bewirkt werden kann. 

Faßt man nun die ausschlaggebenden Tatsachen zur 
Erklänmg der tektonischen Verhältnisse tei Pingajften zu- 
sammen, so kann man vor allem von dem nicht nach- 
gewiesenen „Opalinuston" und ,, Doggersandstein", welche 
Kkttmbeck mit in sein Profil liineinkonstruiert hait, voll- 
ständig ab.'-'ohen. Die einzige Schicht, welche hier augen- 
scheinlich }ünger ist als das Rät, überdeckt als gelber, 
lockerer Tonsand sowohl dieses als die Granitosen in 
stellenweise 2 — 3 m Mächtigkeit und ist na«h Gümbel dem 
untersten Lias zuzurechnen. Ferner halte ich für sicher, 
was auch Krumbeck ahgenommen Iiat, daß jenes angebliche 
Rotliegende nicht etwa gegen die Bodenwöhrer Bucht steil 
unter den Keuper eintaucht, sondern selbst die Ti'ias über- 
l>a.gert, d. h. sich nach Südwesten auskeilt. Wie die Schürf- 



55 



grübe gezeigt hat, verlieren sicli aucli die Graiiitosen bald 
zwischen Lias und Rät. 

Außerdem hat schon Gümbel nachgewiesen, daß die 
triassischen Schichten am Nordi'ande des Beckens ailgeuiein 
gegen das Urgebirge hin einschießen. Xun lagert Ireilich 
in dem erwähnten Steinbruche das Rät noch ziemlich 
schwebend, mitunter sogar etwas nach Süden geneigt, also 
vom Gnmdgebirge wegfallend. Es bleibt sonach von hier 
bis zum alten G^birgsrande höchstens eine Zone von kaum 
500 m Breite, innerhalb welcher die vermuteten Störungen 
liegen müssen, die im Pfahl-Profil deutlich zutage treten. 
Nimmt niaji jedoch a{n, daß die Triastafel in einer Ent-' 
feniung 400 m vom Pfahl nur unter 10 ' nach Nordosten 
einschießt, so genügt dieses Gefälle, um das Rät bei der 
Ziegelei etwa 20 m unter die Oberfläche zu senken. Am 
Pfahl selbst müßte dann dieser Horizont zirka 35 m unter 
Tage anzutreffen sein. Es dürfte freilich mehr den Tat- 
sachen entsprechen, anzunehmen, daß nicht bloß eine ein- 
fache Abbiegimg der Ti^iasscliichten vorliegt, .-ondern viel- 
mehr eine oder mehrere Verwerfiuigen. Dadurch Avürde, 
falls die Schichten noch überdies gegen das Grundgebirge 
einfallen, ein einseitswendiger, unsymmetrischer Gral>6n- 
bruch v^on obiger Breite entstehen. Es läßt sich bis jetzt 
nicht entscheiden, welcher Flügel eine Vertikalbewegung 
ausführte; ich nehme an, daß der Nordraud der Triastafel 
an Vei-werfungssi)alten in die Tiefe gepreßt wurde, \vobei 
der ürgebirgsi-and einen tangentialen Druck .lusübte. 

Wie verschiedene Schürfungen auf die Ausdehnung des 
rätischen Bausteins ergeben haben, wird der feste Sandstein 
auf einer Linie etwa 350—400 m parallel dem Gebirgs- 
rand(^ bröckelig, es treten Trümmer und Risse auf, welche 
ihn technisch vollständig unbrauchbar machen. Diesen 
Umstand halte ich für einen Hinweis, daß in jener Ent- 
fernung die Linie zu suchen ist, an welcher die Schichten 
umbiegen, um gegen den Gebirgsrand einzufallen. Doch 
erklärt sich wie bemerkt das Einschießen einfacher durch 
eine gleichzeitige Verwerfung, welche identisch zu sein 
scheint mit der bereits in einem früher bei Taxöldern nieder- 
-^estoßenen Schachte entdeckten. Hier streichen nach 
Gümbel 22) ^ie 20 — 25 m mächtigen rätischen Sandsteine 
mit steilem (20 — 65°) nach Nordosten gerichtetem Ein- 
fallen zu Tag aus. In 19 m Tiefe wiu'de querschlägig 



22) Gümbel. C. W. : Fi-änk. Alb. S. 375. 



56 



das gesuchte Kohlenflözchen angetroff>'U, und zwar mit 
60° nach Nordosten g-eneigt, weiterliin zeigte sich aber 
dann in dem nach Nordosten getriebenen Querstollen 
eine Verwerfungskluft und eine sattelförmige Bie- 
gung der Scliichten. Schon Gümbel s^) hält es für wahi'- 
scheinlich, daß das widersinnige Einfallen der Scldchten am 
Nordrande der Bucht weniger von einer Senkung der an- 
gelagerten Sedimente als vielmehr durch einen vom alten 
Grebirge her wirkenden Seitenschub veranlaßt \\airde. 

Ferner halte ich das kohlige Flöz, welches im Brunnen- 
schacht der Ziegelei inmitten von Sandsteinen angefahren 
wurde (Keumbecks Opalinustoni) für äquivalent der kohlig- 
kiesigen Tonschicht, wie sie im Rät daselbst allerorts an- 
getroffen wurde; diese Annahme liegt auch sicherlich am 
nächsten. 

Die nordöstliche Verwerfung der Scholle fällt nun mit 
der südwestlichen Gangwand des ,, Pfahls" zusammen. Bei 
der betreffenden Vertikalbewegung Avurden die Schichten 
nach oben geschleppt, wie mir deutlich der Sandstein be- 
weist, der zwischen Pfahl und den Granitosen eingeklemmt 
ist. Es kann sich also dabei nur um einen Sandst-ein des 
obersten Keuiiers handeln, der an der Pfahlmauer mit empor- 
gezogen, zerrieben und mit zerquetschten Pfahlquarzbrociken 
durchmengt A\Tirde. 

Schwierigkeiten bei der vorstehend dargestellten Aus- 
legung der Lagerungsverhältnisse bereiten indes scheinbar 
jene Bildungen, welche auf Grund ihi^r petrographischen 
Fazies bisher als „Rotliegendes", wenn auch von Gümbel^i) 
selbst schon als „nicht ganz zweifelloses" angesehen 
wurden. Da wohl als sicher anzunehmen war, daß die 
darunterliegenden Sandsteine triassischen Alters sind, 
müßte man zur Erklärung der Schichtenfolge eine Ül>er- 
schiebung des angeblichen Perms auf die Triastafel zuhilfe 
nehmen. Dabei würde fi'eilich manches, vor allem der be- 
schriebene Sandstein zwischen Pfahl und Rotliegend, keine 
einfache Deutung finden können. Aber da nun einmal der 
petrographische Habitus allein nicht entscheidend sein kann, 
wie ich oben schon bei Krumbecks „Opalinuston" und 
„Doggersandstein" hinreichend dargetan, so möchte ich auch 
bei diesen Granitosen annehmen, daß sie eben jünger sind 
als ihi' Liegendes. Die Entstehung derselben erkläre ich 



23) ebenda S. 379. 

21) Fi-änk. Alb. S. 373. 



mir im Zusammenhange mit dem eingesunkenen Triasrande 
in einfacher Weise folgendermaßen: Der urspi-ünglich 
schwebend sich an das Urgebirge anlehnende Keuper ^^'nrde 
auf der im Pfahlprofil deutlich sichtbaren Verwerfung mit 
seinem nordöstlichen _ Flügel langsam in die Tiefe gepreßt. 
Mit Zunahme der Absenkung steigerte sich aber naturgemäß 
auch das Gefälle vom Gebirge gegen die Triastafel, wodurcli 
die an der Pfahlquarzmauer angehäuften Verwitterungs- 
pmdukte des Granitraassivs ins Gleiten kamen. Die cluvialen 
Sc'huttmassen konnten sich mit fort'^chreitender Verwerfung 
in die entstehende Mulde ergießen und vor dem Pfa.hl aus- 
breiten, wie sie zuvor hinter dem Quai^zgange angestaut 
waren. Später* legten sich dann damber wieder jüngei'e 
Sedimente des Jura, nämlich die sandig- tonigen untersten 
Stufen des Lias, welche jetzt noch den Xordrand des Beckens 
einsäumen. Derartige Granitosen kamen wahrscheinlich 
längs der ganzen Verwerfung zur Ablageiiing, wiu-den aber 
entweder seitdem Avieder abgetragen oder wegen der leichtim 
Vei'wechselbarkeit mit jüngerem Granitschutt in ihren Resten 
bis jetzt nicht als solche ältere Bildungen erkannt. Nur hier 
bei Pingarten blieb ein größerer Komplex erhalten infolge 
iler bald darauf einsetzenden Verfestigung. Denn wahr- 
scheinlich drang in unmittelbarem Anschlüsse an die Ver- 
werfung auf der Störungskluft am Pfahl Minerallösung 
empor, welche die Granitosen mit Flußspat imprägnierte. 
Der Umstand, daß der Kulmberg als Mittelpunkt jener 
Scholle gegenwärtig das Rät noch um einige Meter überragt, 
findet seine Erklärung wohl weniger dadurch, daß die in 
die Senke abgerutschten Schuttmassen nicht nur die Mulde 
ausgefüllt, sondern sich auch an derem Rande aufgebaut 
haben, als vielmehr in der Annahme, daß spätere Stö- 
ningen die Tiias gegen die Bodenwöhrer Bucht liin noch 
weiter absinken ließen. 

Die Tatsache, daß die Crranitosen bei Pingai-ten das 
Rä; im Liegenden und unterliassische Schichten im Han- 
genden aufweisen, Inetet jedenfalls einen sichern Anhalts- 
punkt sowohl für das Alter dieser Ablagerungen ;tls für die 
Zeit der tektonischen Störung am Pfahl. Auch die von 
Gümbels^') gemachte Beobachtung, daß hier am Nordrande 
der Bucht dem Keuper neben mulmigen Manganerzen auch 
als Seltenheit Schwerspat eingesprengt sei, spricht für das 
nachtriadische Alter der Fluorit-Baiwt-Formation l>ei Pin- 

') Ostbayerisches Grenzgebirge. S. 4.53. 



58 



garten. Der Schluß, die analogen Gänge von vVölsendorf 
bei Nabburg soAvie jene von Bach bei Donaustauf seien 
dem Pingartner gleichalterig, liegt (■l>enfalls nalie. 

Von petrogi'aphischem Standpunkte aus biet>et der 
Nacliweis von Sedimenten, welche im Habitus solchen des 
., Rot liegenden" vollständig gleichen, aber entschieden 
jüngere Bildungen sind, jedenfalls das meiste Interesse. 

Die Ergebnisse meiner Beobachtungen sind nunmehr 
km^z folgende: 

1. GüMBELS ,, Porphyr" von Pingai'ten steht mit keinem 
entsprechenden Ergußgestein in Verbindung, sondern weist 
in bezug auf Material, Art und Zeit der Entstehung mit 
den daselbst vorkommenden und bisher als „Rotliegendes" 
aufgefaßten ScMchten innige Beziehungen auf. 

2. Derartige aus dem \^erwitterungssclmtt gix)bkörniger 
Granite und Gneise ohne stärkere Seigerung der Gemeng- 
teile hervorgegangene Gesteine kann man als ,,Granitosen" 
bezeichnen. Der ., Porphyr" bei Pingarten ist eine durch 
Imprägnation mit Flußspat verfestigte Granitöse. 

o. Diese Bildungen füllen eine durch Verwerfung am 
Urgebirgsrand entstandene Senke aus, überlagern das hier 
nach Nordosten gegen, den Pfahl einschießende Rät und 
werden von liassischen Sauden bedeckt. 

4. Die im Profil bei Erzhäuser zwischen Pfahl und 
Granitosen auftretende Schicht ist ein mit Quarzbrocken 
vermischter und nach oben geschleppter Sandstein des 
obersten Keupers. 

5. Die Verwerfung am Pfahl, die Ablageining der 
Granitosen und die Bildung der Flußspatgänge bei Pingarten 
stehen miteinander in ursächlichem Zusammenhange. 

6. Das Vorkommen jüngerer Juraglieder als des Lias 
am Nordrande der Bodenwöhrer Bucht konnte bis jetzt nicht 
nachgcAviesen werden. 

7. Eine Überschiebung in dem Umfange, wie es KauM- 
BECK dargestellt, liegt nicht vor. 

[Manuskrii)t. eing^^iian.afMi am 24. Dezember lillT. 



Erklärung zu Tafel II. 

Nebenstehende Abbildungen des porphyrähnliohen Gesteins von 
granitisoher Zusammensetzung- zeigen vorwiegend die hellen, 
eckigen Kalifeldspäte und deren Bruchstücke, sowie eine dunkle, 
feinkörnige Zwischenfülle. Die stellenweise Anreicherung der 
Einsprengunge bzw. der Grundmasse ist deutlich zu erkennen. 



Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. 1919. 



Tafel IL 






Fij?. 1—4. 



59 



3. Der Siebeuscliläfer aus den Kiesen von 
Süßenborn bei Weimar. 

Von Herrn W. Soeugel in Tübingen. 
(Hierzu Tal. 111 und 1 Textfignr.) 

Einige Reste eines Siebenschläfers fand Präimrator 
E. Lindig vom Städtischen Museum zu Weimar in einer 
Feinsandscliicht im östlichsten, dem Architekt Sa.vlborn 
gehörigen Bruch des Süßenborner Kieslagers, ca. 5 m unter 
der Oberkante des Kieses. JSTah beieinander lagen ein 
rechtes Unterkieferfragment mit dem ersten und zweiten 
Molar, ein rechter unterer und ein rechter oberer Nage- 
zahn, alles nach Lagerung und Größe einem Individium 
zugehörig. Infolge eines bösen Zufalls beim Zeichnen zer- 
brach das kleine erhaltene Stück des Kiefers in zahlreiche 
Pi^agmente, ^o daß nur die beiden Backzähne zur Dar- 
stellung gebracht werden konnten. 

Dieser glückliche Fimd engt die große zeitliche Lücke 
etwas ein, die bisher im Vorkommen der Myoxinen offen 
stand. Aus dem älteren Tertiär und dem Miocän in ver- 
schiedenen Arten bekannt, fehlt die Familie bisher völlig 
aus dem Pliocän, fehlte auch bis auf unseren neuen Fund 
fast völlig aus dem Alt- und Mitteldiluvium') und wurde erst 
^vieder im Jungdiluvium in denjenigen Arten nachgewiesen, 
die heute noch in Mittel- und Südeiu-opa heimisch sind. 
Zu Vergleichen mit nah verwandten flosisilen Formen bot 
die Literatur unter diesen Umständen wenig Anhaltspunkte. 
Da die direkten Vorfahren des diluvialen und des lebenden 
Siebenschläfers im Pliocän bisher noch nicht aufgefunden 
worden sind, von den zahlreichen miocänen und alttertiären 
Arten aber keine sich mit einiger Wahrscheinlichkeit in 
die direkte Stanuulinie des Siebenschläfers einreihen läßt. 



1) Jünger als Süßenborn, aber jüngstens dem älteren Mittel- 
diluvium zuzAU'echnen ist das Vorkommen des Siebenschläfers 
in der wahrscheinlich interglazialen Fauna vom Gesprengberg 
bei Kronstadt ; vergl. Toula. Diluviale Säugetierreste vom Gespreng- 
berg, Kronstadt in Siebenbürgen. Jahrb. d. K. K. geol. Eeichsanst., 
Bd. LIX. 1909, und Ehik. J., Die praeglaziale Fauna von 
Brassö, Földtani Közlöny, Bd. XLIII. 1913. 



60 



so besitzen spezielle Verg'leiche unsei'es Fossils mit den 
vordiluvialen Arten weder für die Bestimmung noch für 
phylogenetische Fragen besonderes Interesse. Die Stellung 
dieser tertiären Arten und ihre Unterschiede gegen Myoxus 
glis L. sind außerdem in M. Schlosseks A[ono,CTaphie -) 
hinreichend erörtert worden. 

Von den diluvialen Formen kann von Vergleichen 
artbestimmender oder stammesgeschiehtlicher Richtung von 
vornherein der von Lydbkker ^) als Leithia melitensis be- 
schriebene diluviale „Siebenschläfer" von Malta aus- 
geschieden werden, da er den Sciuromorphen viel nähef 
steht als den Myoxinen und zu Xerus, dem afrikanischen 
Hühlcneichhörnchen enge Beziehungen hat. So blei1>en 
\^n den fossilen Foniien nur die jungdiluvialen zu berück- 
sichtigen, von denen ich aber nur l)ei Woldkich ') eine 
kurze Besclireibung und eine brauchbare Abbildung der 
Molaren finde. Die von FEEUDENBEr.G ^) gegebenen Abbildun- 
gen von Siebenschläferresten von Hundsheim und Deutsch- 
Altenburg sind wegen ihrer geringen Größe zu Vergleichen 
nicht geeignet. 

Einige Unterkiefer aus einer humosen Schicht des jün- 
geren Travertins zu Ehringsdorf bei Weimar stellte mir zu 
Vergleichszwecken Direktor Dr. H. Hahne aus den Samm- 
lungen des Provinzialmuseunis zu Halle freundlichst zur 
Verfügung, w^ofür ihm auch an dieser Stelle der beste 
Dank ausgesprochen sei. 

Die Angaben, welche die Literatur über das Gebiß des 
rezenten Siebenschläfers enthält, und die vorhandenen Ab- 
bildungen ließen sich nur in bescheidenem Maße verwerten. 
Eine höheren Ansprüchen genügende Darstellung des Gebisses 
kenne ich überhaupt nur in der zitierten Arbeit von M. 
SniLOSSER. Die dort wiedergegebenon TTnterkieferbackzähne 



2) M. Schlossek: Die Nager des eui'opäischen Teitiär nebst 
Bemerkungen über die Organisation und die geschichtliche Ent- 
wicklung der Nager überhaupt. Palaeontographica B. .31. 188.5. 

3) E. Lydekkbe: On the affinities of the so-calied extinkt 
Giant Dormouse of Malta. Proceed. of the zoological Society of 
London. 1895. 

*) J. N. WoLDEicn: Diluviale Fauna von Zuzlawitz bei 
AVinterberg im Böhmerwald. 2. Teil. Sitzungsber. d. math.- 
naturw. Kl. d. K. Akad. d. Wiss. "Wien 1881. LXXXIV. Bd. 
1. Abt. 

•^) W. Fkbudenberg: Die Säugetiet'fauna des älteren Quartärs 
von [Mitteleuropa Usw. Geol. und Pala^'Ont. Abh. N. F. Bd. 12, 
H. 4/5. 1914. 



61 



— die Oberkieferbackzähne bleiben hier außer Betracht — ■ 
\reichen in gewissen Einzelheiten aber nicht unbeträchtlich 
von meinem rezenten Vergleichsmaterial ab, so daß sich für 
das Verständnis der folgenden Ausführungen die Abbildung 
verscliiedener rezenter Zähne als notwendig erwies. Das um 
so mehr, als ich auch, liier das rezente Material als Aus- 
gangspunkt der Untersuchung genommen und eingehender 
als bisher in der Literatur den Bau der rezenten Zähne be- 
sprochen habe. Eine besondere Behandlung erforderten vor 
allem die Abänderungen, die das Zahnbild im \' e r 1 a u f d e r' 
A b k a u u n g erleidet, weil durch derartige Abkauungs- 
resp. Altersunterschiede sowohl spezifische Unterschiede vor- 
getäuscht als gewisse phylogenetisch wichtige Details ver- 
schleiert werden können. Wer das Fortschreiten unserer 
Kenntnisse auf dem Grebiete der diluvialen Säugetiere in 
den letzten Jahrzehnten verfolgt hat, weiß, daß zu geringe 
Bemcksichtigung derartiger Unterschiede in den ver- 
schiedensten Gattungen, bei den Elefanten, den Pferden, 
den Hirschen, den Bibern verschiedentlich zu Fehldeutungen 
geführt hat. 

Der Besprechung der Süßenborner Zähne schicke ich 
eine ausführliche Erörterung über den ersten und zweiten 
Unterkiefermolar des rezenten Siebenschläfers voraus. Die 
folgenden Darlegungen stützen sich auf 17 rezente Indivi- 
duen, von denen ich sechs von Planina in Krain, eins von 
Porlezza am Luganer See, eins aus dem zoologischen G-arten 
Berlin und eins unbekannter, wahrscheinlich deutscher 
Herkunft aus den Sammlungen des zoologischen Museums 
zu Berlin Herrn Prof. Matschie in Berlin, eins von Höllen- 
stein in Württemberg, zwei von Kochendorf in Württemberg, 
drei aus Württemberg und zwei aus Süddeutschland aus dem 
K. Naturalienkabinq^t zu Stuttgart Herrn Prof. Buchner in 
Stuttgart, eins aus der Umgebung Tübingens aus dem zoolo- 
gischen Institut der Universität Tübingen Herrn Professor 
Blochmann in Tübingen verdanke. 

I, Der erste und zweite Unterkiefermolar 
des rezenten Siebenschläfers. 

Der erste und zweite Unterkiefermolar zeigen den 
gleichen Bauplan. Auf flacher, schmelzüberdeckter Krone 
erheben sich vier H a u p 1 1 e i s t e n , die quer zur Längs- 
achse des Zahnes verlaufen. (Auf Fig. 1 der Taf. III mit 
römischen Zahlen bezeichnet.) Die erste Hauptleiste bildet 



62 



den Vorderrand, die vierte den Hinteri-and des Zahnes. 
Am Zahniniienrand (bei Fig. 1 der Taf. 111 ndt'i bezeiclniet) 
gelieii die erste und zweite Hauptleiste meistens ineinander 
über oder sind durcli eine Querleiste verbunden. Die zweite 
und dritte Hauptleiste hängten auf dieser Zahnseite nicht 
zusammen, gelegentlich abei' wieder die dritte und vierte, 
so daß die Hauptleisten in zwei Paaren angeordnet er- 
scheinen und der Zahn in zwei Hälften gegliedert ist. Nach 
dem Außenrand zu 'und zwar vom äußeren Viertel der 
Zahnbreite an verbreitern sich die drei letzten Hauptleisten 
und biegen sich mehr oder weniger deutlich nach vorn um, 
während die erste Hauptleiste nach außen zu nur schwach 
oder gar nicht verdickt und meist etwas nach hinten ab- 
gebogen ist. Im unangekauten Zustand erscheinen diese 
Hauptleisten vielfach in ihrer Längserstreckung schwach 
gerillt, der Leistenkamm etwas eingeritzt, so daß jede Leiste 
in zwei kleine SchmelZ;gTate und ein zwischen ihnen ver- 
laufendes Längstal zerfällt. 

Zwischen den vier H a u p 1 1 e i s t e n verlaufen drei 
kürzere N e b e n 1 e i & t e n (bei Fig. 1 der Taf. III mit 
arabischen Zahlen bezeichnet), von denen die hinterste 
(dritte) am Innenrand des Zahnes beginnt, dort mit der 
vierten Hauptleiste verschmelzend oder durch eine Quer- 
leiste mit ihr verbunden, während tlie mittlere (zweite) und 
die vordere erste Nebenleiste den Innenrand des Zahnes nicht 
mehr erreichen. Diese beiden setzen auf der Innenhälfte 
des Zahnes meist im zweiten Sechstel der Zahnbreite an. 
Bis zum. Außenrand ziehen die Nebenleisten in keinem Fall; 
die dritte reicht bis ins ä,ußere Drittel der Zahnbreite, 
ebensoweit, gelegentlich etwas weiter, die erste und zweite. 
Eine den Hauptleisten entsprechende Jlillung besitzen die 
Nebenleisten nicht immer, meist sind sie niedriger und da- 
durch der Ankauung später unterworfen. 

Der Verlauf der Hauptleisten ist in Einzelheiten 
schwankend, bald mehr geradlinig, bald miehr gebogen oder 
etwas schief zur Längsachse des Zahnes. Schwankungen be- 
stehen ferner im Grad der Umbiegung der Hauptleisten am 
Außenrand, bestehen schließlich für die Nebenleisten in 

9 

Lage und Ausdehnung, bald etwas mehr nach innen, bald 
etwas mehr nach außen gerückt, bald der nach vorn, bald 
der nach hinten benachbarten Hauptleiste melir genähert. 
Außer den Haupt- und Nebenleisten trägt die 
Zahnkrone noch eine Anzahl schwächerer, in dem 
Grad ihrer Ausbildung .sehr schwankender E r li e b u n g e n. 



63 



die am Innen- und Außenrand des Zahnes zwischen den 
Hauptleisfcen sich befinden. Diese kleinen der Läng-sachse 
des Zahnes parallel laufenden Querleisten und Buckel sind 
im allgemeinen wesentlich niedriger als die Hauptelemente 
der Zahnkrone. Am Innenrand sind sie nicht selten ebenso 
hoch als die Hauptleisten und stellen dann zwischen der 
ersten und zweiten, g-elegentlich auch zwischen der dritten 
und vierten Hauptlerste, mit denen sie vollständig ver- 
schmolzen sind, direkte Verbindungen her. Am Außenrand 
sind die Querleisten stets niedriger und treten erst bei sehr 
starker Abkauung mit den Hauptleisten in Kommunikation. 
Fehlen oder Vorhandensein, schwächere oder stärkere Ent- 
wicklung- dieser Querleisten oder einzelner von ihnen he- 
einf lußt sehr wesentlich das Kauflächenbild stark a b g e - 
kaut er Zähne. Im Kauf lächenbild nicht oder sehr schwach 
angekauter Zähne treten die schwach entwickeltenQuerieistiMi, 
besonders des Außenrandes, vollständig zurück, und erheben 
sich so wenig über den Zahnboden, daß sie in den Figuren 1 
und 2 der Tafel III bei nur fünffacher Vergrößerung nicht 
zur Darstellung gebracht werden konnten. 

Von dem beschriebenen normalen Bau der Zahnkrone 
zeigen mehrere Zähne eine interessante Abweichung: eine 
Hauptleiste, gelegentlich auch eine Nebenleiste, ist in ihrer 
Längserstreckung in zwei vStücke geteilt. Für die Neben- 
leisten ist diese Erscheinung selten. Ich beobachtete sie 
nur einmal an der dritten Nebenleiste eines ersten Molaren 
\on Planina (siehe Fig. 2 der Tafel III). An den Haupt- 
leisten traf ich eine solche Teilung häufiger, sie ist am MI 
und MII stets auf die dritte Hauptleiste beschränkt und 
ti^ennt das äußei'c verdickte und nach vorn . umgebogene 
^"iertel von dem längeren und schmäleren Reststück der 
Leiste (siehe Figiu- 2 der Tafel III). Meist ist die Abbiegung 
des- isolierten äußeren Stückes von der Richtung des län- 
geren Leistenstückes kräftiger als bei den einheitlichen 
Hauptleisten. Diese Zweiteilung der dritten Hauptleiste 
zeigten von 17 untersuchten rezenten Individuen vier, und 
zwar eines \^on Flanina am rechten • M I und M II, ein 
anderes von Planina am linken MI, eines aus Württemberg 
am rechten MI (die trennende Depression ist weniger tief) 
und eines aus »Süddeutsch land am linken MII. Am MIII 
beobaclitete ich zweimal, an einem Exemplar von Planina 
und einem Exempla>r aus Süddeutschland, eine Zweiteilung 
der letzten Hauptleiste. Entsprechende Abweichungen vom 
normalen Bau fanden sich zweimal am Oberkiefergebiß, 



64 



und beide Mal benierken&Averter Weise wieder an der 
dritten Hauptleiste des zweiten Molaren. In einem 
Falle Avar außerdem die mittlere Nebenleiste des M I in 
zwei Teile zerlegt. 

Die Häufigkeit dieser Zweiteilung an dem ersten und 
zweiten Molaren bei rezenten Formen aus ganz verschie- 
denen Gebieten, ihre fast vollständige Beschränkung auf die 
dritte Hauptlei&te und die stets gleiche Lage der trennenden 
Depression dort, wo auch an der eAheitlichen Hauptleiste 
Breite und Richtung des Verlaufs sich ändern, schließt eine 
pathologische Anomalie von vornherein aus. Die Er- 
scheinung kann auch nicht mit einer Variabilität gemeinhin 
verglichen werden, wie sie beispielsweise in dem sehr 
schwankenden Ausbildungsgrad der kleinen achsenparallelen 
Querleisten des Zahnrandes zum Ausdruck kommt. Es sind 
augenscheinlich ganz bestimmte Hemmungen, die gelegent- 
lich in der Ontogenese des Zahnes wirksam werden und 
die Verschmelzung zweier in Form und Eichtung ihrer 
Längserstreckung verschieden charakterisierter Skulp- 
turelemente verhindern. Da beim Säugetiergebiß ein Zu- 
sammenscldießen einzelner Skulpturelemente zu Jochen und 
Leisten in den einzelnen Stänunen stets das fortgeschrittene 
Stadium repräsientiert, so werden wir in der nicht seltenen 
und stets in gleicher Weise entwickelten 
Zweiteilung der dritten Hauptleise der A^rderen Sieben- 
schläfermolaren ein „atavistisches" Merkmal zu er- 
blicken haben, das auf den Zahnbau der Vorfahren direkte 
Schlüsse erlaubt. 

Im unangekauten Zustand ist die ganz.e Zahnkrone von 
Schmelz bedeckt. Schwache Ankauung läßt zunächst die 
beiden Schmelzgrate jeder Hauptleiste verschwinden, führt 
dann bald zur Beseitigung- des scheinbar dünneren Schmelz- 
belags auf dem Boden der auf den Hauptleisten hinlaufenden 
Längstäler, und bringt in diesen Längstälern das Dentin 
zum Vorschein. Weitere Abkauung hobelt die Hauptleisten 
tiefei' auf, die Dentintäler werden breiter und weiten sich 
besonders an den äußeren Enden der Hauptleisten, in dem 
nach vorn umgebogenen Stück beträchtlich aus. In diesem 
Stadium sind auch die Nebenleisten von der Abkauung 
stärker ergriffen, auch bei ihnen ist der Dentinkern zum 
Vorschein gekommen; sie bilden elliptische schmelz- 
umrandete Dentininseln. 

Gleichzeitig treten weitgehende Verschmelzungen ein 
dadurch, daß am Tnnenrand des Zahnes die niedrigen der 



65 



Längsachse parallel laufenden Sclinielzbuckel angekaut 
werden. Stets verschmelzen auf diese Weise die beiden 
hinteren Hauptleisten und die zwischen ihnen verlaufende 
Nebenleiste am Innenrand (siehe Fig. G auf Taf. III), wäh- 
rend die beiden %'Torderen Hauptleisten am Innenrand meist 
längst verschmolzen sind resp. es vfo^n Anfang an waren. 
Unverschmolzen mit benachbarten Elementen bleibt vor- 
erst die mittlere Nebenleiste. Dieses Abkaiiungsstadium, in 
dem der Zahn in eine vordere kleinere^ und eine hintere 
größere Hälfte zerlegt erscheint, zeigen die Zähne von 
Süßenborn (Fig. 5 auf Taf. III). 

Weitere Abkauung verwischt diese Teilung dadurch, 
daß auf der Innenseite die zweite und dritte Hauptleiste 
zur Verschmelzung gelangen (am MI der Fig. 6 eingeleitet), 
dei" sich in weit fortgeschrittenen Stadien auch die mittlere 
Nebenleiste anschließt. Die weiterhin erfolgenden Ver- 
schmelzungen können zu verschiedenen Kauflächenbildern 
führen, je nachdem am Außenrand kleine der Längsachse 
parallel laufende Querleisten vorhanden sind oder nicht. 
Im ersteren Falle können zunächst die erste und zweite 
. Hauptleiste und die dritte und vierte Hauptleiste am Außen- 
rand verschmelzen, wie es im Anfangsstadium der MI 
der Figur G zeigt, sio daß die zwischen ihnen verlaufenden 
Nebenleisten ganz eingeschlossen sind. Sind derartige Quer- 
leisten sehr niedrig oder überhaupt nicht vorhanden, wie 
es für ein Tübinger Exemplar zutrifft, so bleiben die den 
Außenrand berührenden Teile der Hauptleisten länger oder 
überhaupt frei. Fortschreitende Abkauung führt dann von 
der Innenseite des Zahnes her allmählich zu vollständigem 
Schwinden des Schmelzes, wie es Textfigui' 1 ganz 
schematisch für das Tübinger Exemplar darstellt. Unter 




Fig. 1. Kaullächenbild eines stark abgekauten ersten Unterkiefer- 
molaren von Myoxus glis, rezent, etwa 10 : 1 nat. Größe. 
Origin. in der Zool. Samml. der Universität Tübingen. 

meist spitzen Winkeln laufen die Schmelzränder der Haupt- 
und Nebenleisten ineinander, stellenAveise hört die Ver- 
bindung durch Schmelzkämme überhaupt auf. Eine Zwei- 

Zeit-srlir. d. D. Geol. Ges. 1919. 5 



66 



gliedeiuiiy des Zahnes, die lange das Zahnbild belieri'sciiLe, 
ist völlig verschwunden, das Kauflächenbild von dem- 
jenigen geiingerer Abkauungsgrade stark verscliieden. 

Eine weitere Folge der Abkauung ist eine gelegentlich 
eintretende mäßige Längen Verkürzung der Zähne; diese 
ist teils im Bau der ersten Hauptleiste begründet, die 
infolge der nach hinten unten geneigten Vorderwand mit 
fortschreitender Abkauung schmäler wird, beruht zum Teil 
auf interstitiellen Abschleifungien am Zahnvorderrande resp, 
an dei- ersten Hauptleiste, wie sie in geschlossenen Zahn- 
reihen bei vielen Säugerfamilien vorkommen. 

Solche durch die Abkauung bedingten Veränderungen 
des Zahnbildes wii'd man auch bei Bearbeitung tertiärer 
Gebißreste nicht außer acht lassen dürfen und besondere 
Vorsicht dort walten lassen müssen, wo neben; stärkerer 
Abkauung noch fragmentärer Charakter der Zähne die Be- 
urteilung erschwert. Von diesem Gesichtspunkt aus er- 
scheint mir die Stellung der unter dem Namen Myoxiis 
zuteil von Hofmann ^) beschriebenen Zähne von Göriach 
zwischen Myoxus und Muscardinus noch nicht ganz ein- 
deutig festgelegt. 

II. Die Zähne von Süßenboru. 

Die Gebißreste von Süßenborn (siehe Fig. 5 und 5 a 
auf Taf. III) gehören einem alten Tiere an, dessen Zähne aber 
noch nicht das Abkauung-sstadium der in Fig. 4 dargestellten 
rezenten Zähne erreicht haben. Alle Leisten sind weit- 
gehend aufgehobelt, Verschmelzungen auf der Innenseite 
zwischen Haupt- und Nebenleisten eingetreten. Das Bild 
der Kaufläche ist dem der etwas stärker abgekauten Zähne 
in Fig. 6 in den Grundzügen recht ähnlich, unterscheidet 
sich von ihm aber in zwei Punkten. 

Erstens ist trotz geringerer Abkauung die vordere 
Hauptleiste bei beiden Zähnen infolge interstitieller Ab- 
schleifung mit folgender Resorption viel stärker reduziert. 
Für beide Zäline, insbesondere für den M I, kann es nach 
dem Befund an der Zahnvprderseite nicht zweifelhaft sein, 
daß das fast vollständige Fehlen dieser Leiste letzten Endes 
auf Resolution beruht. Derartige Resorptionserscheinungen 
kenne ich von dem rezenten Siebenschläfer nicht; auch 
bei viel stärker abgekauten Zähnen sind es nur interstitielle 



6) A. Hofmaxn: Die Fauna von Göriach. Abh. d. K. K. 
Geol. Eeichsanst. Bd. XV, H. 6. Wien 1893. 



67 



Abschleifungen, denen ein ganz unbedeutender Teil der 
ersten Hauptleiste zum Opfer fällt. Die )>eiden stark an- 
gekauten Grebissie von Kochendorf in Württemberg zeigen 
keine Eesoiptionen. An den weit stärker als die fossilen 
abgekauten Zähnen des Tübinger Exemplars ist eine Längen- 
\ei'kür7Anig infolge interstitieller Absclileifung am MII viel 
geringer als am Süßenborner MII, am MI sogar sehr 
1) e tr ä c ht li ch geringer. Dieser scheinbar un- 
wesentliche Unterschied zwischen dem rezenten und 
dem Süßenborner Siel>enschläfer, der auf stärkere Di-iick- 
wirkungen innerhalb der Zahnreih© des fossilen Tieres hin- 
weist, hängt, wie wir später sehen werden, aufs engste mit 
spezifisch wichtigen Unterschieden in den Proportionen der 
Zähne zusammen. 

Die zweite Abweichung liesteht in der Ausbildung der 
vordersten Nebenleiste. Die vorderste Nebenleiste ist bei 
dem fossilen M I sehr schwach, und zwar nicht ausschließ- 
lich infolge Resorption, beim MII reicht sie von innen her 
nur bis zur Zahiimitte. Bei allen 17 i^zenten Tieren ist diese 
Leiste ungleich kräftiger (siehe Fig. 1, 2, 6 auf Taf. III), ohne 
Eücksicht auf stärkere oder schwächei'e Abkauung. Beim 
M I stößt sie weit über die ^ahnmitte nach außen vor und 
reicht bis an das äußere Zahnviertel heran, beim M II 
läuft sie v'on innen her stets über zwei Drittel der Zahn- 
breite, sehr häufig sogar bis ans dritte Viertel nach außen, 
sie ist bei beiden Zähnen also wesentlich länger. Für die 
spezifische Bedeutung dieses Unterschieds spricht nicht nur 
das mir zur Verfügung stehende rezente Material, sondern 
auch die von Woldrich 1. c. abgebildeten, in Fig. 4 auf 
Taf. III nochmals dargestellten Zähne des jungdiluvialeu 
Siebenschläfers von Zuzlawitz. Bei beiden Zähnen sind 
die vorderen Ne benleisten schwach. Am MII ragt sie über 
die Zahnmitte etwas nach außen vor und zwar bis an das 
äußere Drittel der Zahnbreite, also weiter als bei Süßen- 
born (Hälfte der Zahnbreite) und nicht so weit als bei der 
rezenten Art (ans äußere Zahnviertel). Am MI ist sie 
sehr schwach entwickelt, wesentlich schwächer als bei der 
rezenten, aber stärker als bei der Süßenborner Form. 
Diese im geologischen Alter zwischen der Süßenborner und 
der rezenten stehende jungdiluviale Form nimmt also auch 
moi-ptiologisch eine Zwischenstellung ein. 

Eingehendeiv morphologische Vergleiche, die der ver- 
schiedene Abkauungsgrad an sich schon beschränkt, er- 
möglicht WoLDRicHS Darstellung nicht, da sie in Einzel- 



66 



heiten nicht klai' genug ist. Als ungewöhnlich, jedenfalls 
vTon mii- an rezentem Material nicht beobachtet, ist die 
Erstreckung der Mnteren Nebenleiste des MII vom Innen- 
rand bis fast zum Außeniand, also entsprechend den 
Hauptleisten über die ganze Zahnbreite zu erwähnen. 

Die Fl'age, ob bei den Süßenborner Zähnen die dritte 
Hauptleiste ursprünglich in zwei Teile zerlegt war, was 
nach unseren Ausfühmngen über diese Erscheinung an 
rezenten Zähnen bei einer altdiluvialen Form erwartet 
werden könnte, ist bei so weit fortgesclii'ittener Abkauung 
nicht mehr mit Sicherheit zu entscheiden. Für die dritte 
Hauptleiste des MII macht es aber die starke Abbiegung 
des verbreiterten äußeren Viertels von der Hauptrichtung 
dieser Leiste wahrscheinlich, daß der kleinere äußere Teil 
m^sprünglich ^•om Hauptteil der Leiste isoliert A\'ar und mit 
ihm erst durch die Abkauung zu einer Einheit verschmolzen 
wm^de. An den sehr wenig angekauten Zähnen von Zuz- 
lawitz sind alle Hauptleisten einheitlich. 

Die Bewiu^zelung der Süßenborner Zähne entspricht 
vollständig derjenigen der rezenten. MI trägt zwei quer- 
gestellte Wurzjeln, die annähernd parallel nach unten laufen; 
der MII besitzt ebenfalls zwei quere Wurzeln, von denen 
die hintere, wie es sich gelegentlich auch l>eim rezenten 
MII findet, stark nach hinten abbiegt. 

Von einigen zum Vergleich herangezogenen Unterkiefern 
aus einer humosen Schicht des jüngeren T r a v e r t i n 
zu Ehrin gsdorf muß zunächst die Frage erörtert 
werden, ob es sich um wirklich fossile Reste handelt. 
Der Siebenschläfer hält bekanntlich .gern in Felsspalten 
und Erdlöchern seinen siebenmonatigen Winterschlaf, 
und geologisch ganz junge Reste des Tieres können auf 
solche Weise leicht in ältere Schichten und in die direkte 
Nachbarschaft diluvialer Säugetierreste geraten. In Höhlen- 
faunen gestattet der Erhaltungszustand meist fossiles vom 
^'ezenten zu scheiden. In unserem Falle ist der Erhaltungs- 
zustand der Unterkiefer entsprechend ihrem humosen Lager 
nicht verschieden von dem sehr junger Knochenreste in 
alluvialen humosen Bildungen und die Lebensweise des 
Siebenschläfers schließt ein späteres Einlagern seiner Reste 
in tiefe, durch Spalten zugängliche Schichten keineswegs 
aus. Die Lage der Fundschicht und die Art der hangenden 
Schichten spricht fast eindeutig gegen eine solche Möglich- 
keit. Die Fundstelle lag über 7 m unter Tag, von ca. 5 m 
jüngerem Travertin und ca. 2 m losem Gehängeschutt bedeckt. 



69 



Diese Gehäng^schuttmassen sind ebenfalls diluvialen Alters, 
sie enthalten in lokal wechselndem Maße jüngstes Lößmaterial 
(Jüng'erer Löß II) beig^emischt und liaben neuerdings im Bi^ch 
Fischer einen Unterkieferzahn von Rhinoceros tichorhinus 
geliefert. Sollte der Siebenschläfer, was bei dem zum Teil 
lockei-en, Spalten verstopfenden Charakter des Jüngeren 
Travertin nicht wahrscheinlich ist, auf einer offenen Spalte 
nach Bildung desi [gesamten Travertins in die Tiefe der 
humosen Schicht gelangt sein, so muß das doch vor Auf- 
schüttung der alle Spalten verschließenden jüngsten löß- 
haltigen Gehängeschuttmasaen, also zweifellos noch in 
d il 11 V i a 1 e r Zeit, geschehen sein. 

Das Gebiß von zweien der Unterkiefer stimmt morpho- 
logisch mit rezenten Gebissen überein; die vorderen Neben- 
leisten sind kräftig, die dritte Hauptleiste nicht in zwei 
Teile zerlegt. Am dritten zahntragenden Unterkiefer zeigt 
der MII die für vSüßenborn und Zuzlawitz charakteristische 
Kürze der \norderen Nebenleiste, die nicht einmal die Zahn- 
mitt« erreicht (siehe Pig. 3 auf Taf. III). Ob das in diesem 
Falle als primitives Merkmal zu deuten ist, bleibt ,aller- 
ding's zweifelhaft, da die zweite und dritte Hauptleiste 
dieses Zahnes, wie die Abbildung zeigt, nicht ganz normal 
gebaut sind. Die zweite Hauptleiste ist ungefähi- in der 
Zahnmitte nach vorn ausgebogen und an dieser Stelle 
durch eine enge Depression in zwei Teile zerlegt, die dritte 
Hauptleiste ist an derselben Stelle schwächer ausg^ogen 
und tritt durch eine schmale Querleiste mit dem äußeren 
Ende der mittleren Nebenleiste in Verbindung. Dieser 
zweifellos aniormale Bau, den interessanterweise auch die 
beiden MII eines anderen vollständigen LTnterkiefers von 
Eliringsdorf an der zweiten Hauptleiste ganz schwach an- 
gedeutet besitzen, könnte sehr wohl die Entwi(>klung der 
\^rderen Nebenleiste beeinflußt haben. 

Am MI ist die vordere Nebenleiste von normaler 
Länge, che dritte Hauptleiste in der bekannten Weise in 
zwei Teile geschieden (siehe Fig. 3 auf Taf. III). 

Mo ip ho logische Unterschiede zwischen der Ehrings- 
dorfer und der rezenten Form im Sinne eines primitiveren 
Zahnbaues der fbssilen oder eines Teiles der fossilen Reste, 
können also nicht mit Sicherheit behauptet werden.. 

Den unbedeutenden morphologischen Unterschieden 
zwischen den altdiluvialen, jungdiluvialen' und rezenten 
Formen treten schärfere Unterschiede in den Proportionen 
der Zähne zur Seite. Bis auf die etwas kleineren Zähne 



70 



cct>st-'(-^h-'i-*i-'>-ih-'i-' 


^ O ^ X ^ ~ 


:;i 4^ cc CO ;; 


- 


Tübingen r. . . . 
Deutschland? r. i 
Hohenstein, Würt 
Kochendorf, Wür 
Kochendorf, Würt 
Württemberg r. . 
Württemberg r. . 
Württemberg r. . 
Deutschland r. . 
Deutschland r. . 


Pldnina, Krain r. 
Planina, Krain r. 
Planina, Krain r. 
Planina, Krain r. 
Planina, Krain r. 
Porlezza r. . . . 


Süßenborn f. (koi 
Ehringsdorf f. . . 
Ehringsdorf f. . . 
Ehringsdorf f. . . 
Planina, Krain r. 


X 



C^ 'TP 2 

B 5 3, 

^ a- ^ 

Cft; Cf<5 2 , 



+040-K>0f OfOf ■ 



'■iS. irr 



m 



Nummer 



cr> o 



Oi*^i;i.(fi.hfi.h;i.üico>^rfi. 



Oi jf^ rf^ jf^ _*«■ _hf^ *«. 
"to "co "ii. üi "üi "h^ "oo 



Länge von MI + MII 



'tOCOCOLOt-'h-'COCO 

Vj 1^ Q Q "(^ Q 00 00 o o 
Ol Cn Üi Ü< 



J^^ K; lO tO tO tO CO _K) ^ CO JNS 

"o V^ Tn3 "h- "tO h- lo "o "«^ "O "cO 



Länge 



-^ tO JN3 JN3 K) JO h-- h-^ _tO JO „ J-' JNS CO K) CO JO _CO J-' J-' J-' ^ 

lO O O "O O "o GO "cd O "h-' W ~CD~5--'"io"h--'~CO"I--'"co"tD"bo"cD"?D 



Breite 



o es e o e o ve o vo o voo ee e o o sc vo vooe 
»o 5» o M o e «4 K3 «vi to M e e o o o e u> iCk ui c^ 

b>feaooooc«at;«cvCi» o>ooooe<»oöeoc< 



Breite in 'V^ der S. 
Länge 



CO jo CO jo j>s jo CO jo to _co 

O "O O "O "i-^ O O 'O "h-' "co 

Üi Cr< Cf Ol 
CO JnSCOJO CO CO CO CO CO / 



CO CO CO CO CO CO CO 



Länge 



J>3_CO CO CO tO CO CO 

o "co Oi "co oi Oi 'co 



CO CO CO 



Breite 



ooeooooo>e 



O lO ■» o 



» e o 1 •« s v0 

O tC N3 { Ui lO M 
O i- ""- lO M tO 



Breite in % der j = 
Länge ^ 



4:^ 4^ ^ ^ 

'r-i "co l-' OS 



j:ji jf^ jt- j(^ I S^ p' p^ P^ P^ p^ ^ 
"co "*-<i "o5 '-o I "-^ c» lo "co "w o "bo 



Länge des 
Anschliffs 



CO H^ CO 

"o-to o 



JN3_C0_C0JNÜJ:0 

"co o "o Ins "t-^ 



coJOJ^^J^SJ^SJ^^ JN3 . J-^_co 
üJ~c»"a3"'c»"co"io o I 00 "h-' 



Großer Diameter 
unter d. Anschliff 



I --■ 



Kleiner Dianieter 
unter d. Anschliff 



LO_COJND_CO 

'f;i."co"bo"'-a 



CO 1 tO Üi 



Oi CO JO JO Oi K3 JN3 

"►-' "o "-0 "o "co "co "ci 



_^Länge des 
' Anschliffs 



^^ i-* CO l-' 

"bo'Qo"o"cD 



►-'_co CO 

"bo"©"© 



_CO _CO JO JND _CO CO J 

'h-' "co "co lo "co ^ ~ 



Großer Diameter 5 
unter d. Anschliff ! g 



CO CO CO CO CO CO i-' 



Kleiner Diameter 
unter d. Anschliff" 



y. CO 

-; o 

- ^ 



B B 

p: p: 

CO c= 



^ 1^ 



r>,. ?T^<^5T^ CDOoiCDoccrtiaicDS. ^ ^ 

J"? cop CB cßPojaiPaia'aiCoCf? 
sj =r ^ D- tr t^ 3- c:- p- =r ö- er 
p p p p p p p 

Q 00 O O O Q 

P" ~ er f er er er 



71 



von Ziizlawitz, die nach ^^"OLDKICHs Maßangaben für den 
ganzen Kiefer aber in der Darstellung etwas zu klein ge- 
raten zu sein scheinen, gehören alle untersuchten fossilen 
und rezenten Zähne im allgemeinen der gleichen LTrößen- 
stufe an. ■ Es sind nur geringe, durch Übergäng-e über- 
bräckte Größenunterschiede, die zwischen dem rezenten 
Siel>enschläfer v<in Planina (Krain) und denen aus Süd- 
deutschland bestehen. Der letztere ist mit seltenen Aus- 
nahmen schwächer. Der fossile Siebenschläfer von Ehrings- 
dorf entspricht in der absoluten G-röße der süddeutschen 
Eorm (vgl. die Tabelle auf S. 72), der Sieben- 
schläfer von Süßenborn in den Nagezähnen der stärkeren 
Planina-Porm, in den Molaren scheinbar den schwächeren 
der süddeutschen Exemplare. (Vgl. nebenstehende Tabelle.) 
Länge und Breite der Zähne sind wesentlich geringei" als 
bei allen Indixiduen von Planina. Dieses Mißverhältnis 
zwischen Stärke der Nagezähne und Länge der Molaren hat 
seinen Ginind in der beträchtlichen Verkürzung, welche die 
Molaren infblge Resorption am Zahnvorderende erfahren 
haben. Ergänzen wir die Molaren auf ihre urspiüngliche 
Länge, so sind sie nicht nur größer als die der süddeutschen 
Pomi, sondern auch gi^ößer als der Durchschnitt der 
Planina-Ponii, vion der sie nur in einigen Exemplaren 
en^eicht werden. Die auffallend geringe Breite der Süßen- 
borner Zähne bleibt aber l>estelien und hier in dem Ver- 
hältnis vTon Zahnbreite zu Zahnlänge liegt der wesentlichste 
ünterscliied zwischen unserer , fossilen und der rezenten 
Fonn. 

Unter !!• rezenten Individuen ist der MI neunmal 
ebenso breit als lang, fünfmal breiter, dreimal 
schmäler als lang; der MII sechsmal ebenso breit als lang, 
neunmal l>rei t e r und einmal schmäler als lang. Diesen 
Verhältnissen fügen sich die Proportionen der nicht 
korrigierten Süßenborner Masse vollständig ein, indem 
sowohl M I als M II der jeweils häufigsten Proportion der 
rezenten Zähne entsprechen,' MI also ebenso breit ist als 
lang, MII breiter als lang. Diese Übereinstimmung hat 
aber ursprünglich nicht bestanden, die Süßenborner Zähne 
sind nicht unbeträchtlich länger gewesen. Unter Berück- 
sichtigimg der Resorptionserscheinungen und des Kau- 
flächenbildes im vorderen Zahnteil gelang es mit voller 
Sicherheit die ehemalige Zahnlänge zu rekonstruieren, und 
zwar für MI mit 2,2 statt 1,9 mm, für MII mit 2,3 statt 
2,0 mm. Es war danach der Ml sowohl als der MII be- 



72 



trächtlich länger als breit, und das in viel liökerem Grade 
als es für den MI drei, füi^ den MII ein rezenter Zahn 
zeigen. Breite in Prozenten der Länge ergibt für den 
fbssilon MI dann 86,3 gegen 97,3—105,3 mit einem Durch- 



Planina in Krain 
(6 Individuen) 

Süddeutschland . . 
(10 Individuen) 






Ehringsdorf Nr. 1 
Ehringsdorf Nr. 2 
Ehringsdorf Nr. 3 
Ehringsdorf Nr. 4 
Ehringsdorf Nr. 5 
Ehringsdorf Nr. 6 
Zuzlawitz 
(nach Woldrich) 


c 

! 


23,1 - 25,2 
20,7—24,0 


o 

er 

3 


►-i 
C 

ö CD 
O CD 

^3- 

CD 


1 9,6 
21,6 

\\'0LDRiGH gibt 4,0 an, 
was zweifellos auf 
einen Druckfehler be- 


Länge des Kiefers 
vom inneren Hinter- 
rand der Schneide- 
zahnalveole bis zum 
Hinteirand 
des Condyliis 


23,6 
21,7 


5. ^ 


5,5—6,0 
4,8-6,4 


O S -^ 


Ol j(i. 4^ Ol tn üi Ji- 


CD Q. 


5,96 
5,5 


ob 

3 i^ 


7,3-7,8 
6,7-7,4 


SS? 

—'CTO "^ 

S^ 2 


-^1 ^ -^1 ^ ^ -o 

"cc "co 1 "rf^ Ol "o j "co 


Länge der 
Lackzahnroihe 
an tlen Alveolen 

gemessen 


"i-^ O) 


5. o 


5,5-6,1 
5,0—5,8 


Schwan- 
kungs- 
breile 




_Oi _*■. Ol Ol Ci Ol Ol 


Höhe desKiefeis 
am Vorderrand 

der Alveole 
des ersten Back- 
zahns (P I) 


5,83 
5,4 





schnitt vion 100,4 bei den rez<iuten, für MII 91,2 gegen 
97,7—105,0 mit einem Durchschnitt von 102,0 bei den 
rezenten. Dieser deutliche Unterschied ist um so bemerkens- 



73 



werter als aucli die lus.sileii Zäluie \'ou Zuzlawitz und 
Eliringsdorf im gleichen Sinne \'on den rezenten Zähnen 
abwieichen. Fül" die Zä)iuie von Ziizlawitz erweist dies 
ohne weiteres die Abbildung, an der hinreichend genaue 
Maße leider nicht gienomnren werden können. Für die Zähne 
\c)ii Ehringsdorf ') ergeben sich für den M 1 Schwaiikungeii 
der relativen Breite zwischen 94,8 und 95,0, für den M II 
zwischen 95,2 und 102,3, also Werte, die vion denen der 
rezenten Form zwar etwas abweichen, aber im Einklang 
mit dem geologischen Altei' der rezenten näher stehen als 
der Form von Süßenborn. 

Diese Unterscliiede sind von hohem Interesse, weil sie 
für das Gebiß des Siebenschläfers eine Entwicklung in 
diluvialer Zeit beweisen, wie sie ähnlich schon in vor- 
diluvialer Zeit die Gebißentwicklung anderer Nagetier- 
gattungen beherrschte: längere, schmale Zähne charakte- 
risieren die phylogenetisch älteren, küi'zeie breite die phylo- 
genetisch jüngeren Formen. 

Mit dieser größeren Länge scheinen mir die autf.illeiKh'U 
Eesoiptionserscheinungen — es handelt sich, ^\■ie die un- 
regelmäßigen Vorderränder der Zähne zeigen, nicht um 
interstitielle Abschleifungen — der Süßenborner Zähne in 
Zusammenhang zu stehen. Ihr Zustandekommen setzt 
stärkere Druckwirkungen innerhalb der Zahnreihe voraus, 
die sich aus einem zeitweiligen Mißverhältnis zwischen 
dei' Kiefer- und Gebißentwicklung befriecügend erklären 
lassen. Da der Kiefer und die die Zähne entwickelnde 
Zahnleiste beim Fötus fast gleichzeitig angelegt werden und 
in den fmhen Stadien der Ontogenie sich unabhängig von 
einander entwickeln, so muß eine in der Stammesentwick- 
lung langsam fortsclireitend© Kieferverkürzung, wie sie die 
Entwicklung so vieler Stämme beheri'scht, zu stärkeren 
Druckerscheinungen innerhalb geschlossener Zalinreihen, 
zu interstitiellen Abschleifungen führen, die sich am durch- 
geschliffenen Dentin des Vorderrandes unter dem Einfluß 
des Speichels zu Dnickresorptionen an den Berührungs- 



") Einige weitere [Maße der sechs nur vorliegenden, teil:^ 
zahnlosen Unterkiefer von Ehringsdorf. die für unsere Unter- 
suchung keine Bedeutung haben, aber in anderem Zusammen- 
hang Vergleichswert gewinnen können, stelle ich mit Maßen 
rezenter Kiefer und den AVoLDRiCHschen Maßen für einen Unter- 
kiefer von Zuzlawitz in nebenstehen,der Tabelle zusammen. Unter 1 
finden sieh die Maße des zu den Fig. 3 auf Ta,f. III abgebildeten 
Zähnen gehörigen Kiefers. Nr. 2 der Haupttabelle auf S. 70 
unter 2 und 5 die der Xummern 3 und 4 der Haupttalielle. 



74 



riäclien der Eiuzel^iähne steigern können. Ein Ausgleich 
kommt im Laufe der Phylogenie erst allmählich durch 
Foraiveränderung der Zähne, Längen Verkürzung, im äußer- 
sten Fall durch Zahnverkümmerungen und Zahnverlust zu- 
stande. Es ist bemerkenswert, daß in unserem Falle durch 
eine,- wahrscheinlich im G-efolge iiit(M-stitieller Abschleifung 
eintretende Resorption des Zahnvorderendes für die Zähne 
das gleiche Längen-Breitenverhältnis hergestellt wurde, Mie 
es für die Hauptmasse der rezenten Formen charakteri- 
stisch ist. 

Der b e r k i e r e r- und U n t e r k i e f e r n a g e zahn 
von Süßenborn stimmen in Form und Biegung und, wie 
die Tabelle auf Seite 70 zeigt, in den Proportionen voll- 
ständig mit den rezenten überein. 

Zusammenfassend läßt sich sagen: Durch schwä- 
chere Entwickln ng der vorderen N e b e n 1 e i s t e 
am MI und M II und d u r c li längere und s c ii m ä - 
lere Molaren ist der Siebenschläfer von 
S ü ß e n b o r n von der rezenten F o r m u n t e r - 
schieden. Zwischen beiden nehmen die j u n g - 
diluvialen Formen in beiden Merkmalen eine 
Z w i s c h e n s t e 1 1 u n g ein, sie stehen aber ihrem 
geologischen Alter e n t s jm" e c h e n d der re- 
zenten Form näher als d er ai t d i 1 u v i a 1 e n. 

Diese Abweichungen von der rezenten Form recht- 
fertigen, so lange sie nicht an einem größeren fossilen 
oder einem viel größeren rezenten Material erhärtet sind, 
kaimi die Aufstellung einer neuen Art. Da in diluvialen Stäm- 
men aber stets mit nur kleinen Unterschieden zwischen 
den einzelnen überlieferten Stufen gerechnet werden muß, 
und unsere Untersuchung zum ersten Male eine bestimmte 
Richtung der Gebißentwicklung Ireini Siebenschläfer nach- 
weisen oder sehr wahrscheinlich machen konnte, so be- 
sitzen die erörterten Tatsachen hinreichendes phylo- 
genetisches Interesse, um wenigstens vorläufig in einer 
Mutation festgehalten zu werden. Ich bezeichne den Sieben- 
schläfer von Süßenborn deshalb als Myoxiis g/is m\it. 
sässenbornensis **). 



^) Der von Schmerlino (P. Cl. Schmkrlixg : Eechevches 
sur les Os.sements fossiles recouvertes dans les eavenies de la 
Province Liege. Tome II. Liege, 1846) für Siebenschläferreste 
aus belgischen Höhlen in Vorschlag gebrachte Name Myoxus 
priscus ist ein nomen nudum, da weder Beschreibung, noch Ab- 
bildung gegeben werden und ein Vergleich mit rezenten Sieben- 
schläfern ganz offensichtlich gar nicht durchgeführt worden ist. 



75 



Die festgelegte Entwickluiigsrichtiing und die oben 
besprochenen „atavistischen" Erscheinungen an i-ezenten 
Zähnen vermitteln uns schließlich eine in einigen Zügen 
bestinunte Vorstellung vion den zwei vorderen Molaren des 
noch nicht aufgefundenen viordiluvialen Vorfahren des 
Siebenschläfers: Auf schmalen, länglichen Zähnen war 
die dritte Hauptleiste wohl stets, andere Hauptleisten und 
auch Nebenleisten vielleicht nicht selten in zwei Teile zer- 
legt, von denen der kürzere und breitere äußere Teil 
winklig gegen die Längsachse des längeren Innenteils ver- 
lief. Eine Verschmelzung beider Teile dürfte wenigstens 
an dei' dritten Hauptleiste erst nach sehr weitgehender 
Abkauung erfolgt sein. Die ^^rdere Nebenleiste war sehr 
schwach, die beiden hinteren Nebenleisten Avalrrscheinlich 
schwächer als bei der rezenten Form. 

Pur derartig gebaute Zähne finden wir unter den 
heut bekannten vorpliocänen Siebenschläfergebissen keine 
Vorfalu^en; die Hauptleisten sind stets einlicMtlich, 
in keinem Falle in einen äußeren und einen inneren 
Teil gegliedert. Von den gesamten liekannten alt- 
tertiären und miocänen Siebenschläfern würde also, 
Avas auch ohne Rücksicht auf unsere rekonstruierte 
FoiTn wahrscheinlich war, keiner in der Vorfahrenreihe- 
des rezenten Siebenschläfers einen Platz haben, alle wären 
Glieder anderer Reihen und zumeist wohl Endg"lieder er- 
loschener Seitenzweige. Für die bisher aufgefundenen 
tertiären Myoxinen würde somit das gleiche gelten, was 
sich melu" und mehr für die Hauptmasse allei' bekannten 
tertiären Säugetiere herausstellt: Es sind Stufenrepräsen- 
tanten aus vielen verechiedenen Zweigen, in seltenen Fällen, 
wie genaues Analysieren der Fossilreste und der möglichen 
phylogenetischen Verknüpfungen erweist, direkte Repräsen- 
tanten des Hauptstammes, dessen jüngste G-lieder heute 
noch leben. 

III. Die Stellung- des Siebenschläfers in der Fauna von 
Süßenborn und sein Vorkommen im Diluvium Mittel- 
europas. 

Daß Avir in dem Siebenschläfer ein Mitglied der ge- 
samten Süßenborner Fauna und nicht etwa den Vertreter 
einei" kurzen klimatisch günstig-er gestellten Periode im 
zeitlichen Rahmen des Süßenborner Kieslagers zu erblicken 
haben, enveist die Lage der Fundstelle zu den Fundstellen 



76 



anderer Säugetiere in der gleichen Kjesgioibe. Da stets 
das natürliche Bestreben besteht mit Hilfe von Fossi Hunden 
eine Gliederung- mächtiger Kiesmassen durchzuführen und 
auf dieser Basis dem Ablauf vorzeitlicher Klimakurven nach- 
zuspüren, halte ich es für wichtig, durch genaue Angaben 
der mir l>ek.annten Fimdsfcellen ariderer Säuger in derselben 
Kiesgrube die Zugehörigkeit unseres Waldtieres zur Süßen- 
borner Fauna besonders zu erhärten. Es genügt dazu, da 
es sich um g^eringe, 40 m nicht übersteigende Horizontal- 
entfernungen handelt, die Höhendifferenzen anderer Fimd- 
steli^ von der des Siebenschläfers anzugeben. 

Unsere Fundstelle liegt in 265 m Meereshöhe. 1 — li/-. m 
höher istammt aus gröberen iKiesen ein Backzahn von ELephas 
trogontherii, ca. 1 m tiefer aus grobscliiottrigen , .Letten" 
zahlreiche Reste eines Megaceriden aus der Verwandtschaft 
des Cerviis verticornls und Knochen von Bison sp. priscns ?^ 
3 m höher der Unterkiefer eines sehr großen, Riesenhirsch- 
größe erreichenden Edelhirsches. Etwa 2 m höher fand sich 
ein Unterkiefer von Equus süssenbornensis und in un- 
gefähr gleicher Höhe ein Metacarpal eines großen Bären, 
der nach den wenigen in Süßentorn bisher gefundenen 
Gebißresten mit Ursus Deningeri identisch ist. In benacli- 
. harten Brüchen wurden schließlich in entsprechender 
Meereshöhe wiederholt Reste von Rhinoceros etruscus. 
Alces latifrons und Elephas trogontherll gefunden, so daß 
an der zeitlichen Zugehörigkeit unseres Fundes zur Süßen- 
borner Hauptfauna nicht gezweifelt werden kann. 

In das Gesamtbild der Süßenborner Fauna oder das 
Landschaftsbild, das aus geologischen und paläontologischen 
Daten zu erschließen ist. paßt der Siebenschläfer sich 
zwanglos ein. Wie ich kürzlich im „Steinbruch" '^) dargeleüt 
habe, müssen wir für die Gebiete Mittelthüringens zur 
Bildung^szeit der Süßenborner Kiese weite Grassteppen an- 
nehmen, in denen kleinere Waldgebiete an geschützten Stellen 
sich hielten oder die Flußläufe begleiteten. Als Waldtier 
ist der Siebenschläfer der eigentlichen Steppe naturgemäß 
fremd, aber ,,er kommt doch zuweilen in den Steppeiiland- 
schaften der Wlolga vor. So z. B. nach Pallas in den 
Felsen der Berge östlich vion Samara. Nach Lehmann findet 
er sich im Orenburgischen" i"). Er ist in diesen Steppen 



^) '^V. Soergel: Das Kieslager von Süßenborn. ..Der Stein- 
bruch", Jahrg. 1918. Heft 1, 2. 3. 4. .5. 6, 7, 8. 

^0) A. NEHRiNd: Über Tundren und Steppen der Jetzt- und 
Vorzeit. Berlin 1890. 



77 



selbstverständlicli auf isolierte oder von geschlossenen 
Waldflächen aus zung-enfönnig in die Steppe vorgreifende 
Waldgebiete besclu'änkt. Unter ähnlichen Verhältnissen 
dürfte er zui' Bildungszeit der SüßenVjorner Kiese in Mittel- 
thüringen gelebt haben. 

Als ausgesprochener Waldbewohner hat der Sieben- 
schläfer zweifellos in den waldreichen Interglazialzeiten 
seine weiteste Verbreitung besessen. Ti'otzdem ist er aus 
solchen Zeiten oder überlia.upt in Gemeinschaft mit dilu- 
vialen Waldfaimen nur selten nachge^viesen. Als sicher 
interglazial ist er aus dem unteren Travertin von E h r i n g s - 
dorf bekannt, wo ihn E. Wüst, wie er mir freundlichst 
mitteilte, aus lockeren Tviffmassen ausschlämmte; ferner 
von Hundsheim und D e u t s c li - A 1 1 e n b u r g , wo 
ihn Fkeudenbeüo l. c. Anm. 5 mit einer Waldfauna nach- 
wies, und vom Gesprengberg bei Kronstadt, von 
wo ihn TouLA 1. c. Anm. 1 und £hik 1. c. Anm. 1 an- 
geben. Die Immose Schicht im Verband des oberen Travertin 
von Ehringsdorf, welche die vorher besprochenen Eeste 
geliefert hat, düi'fte nicht mehr dem letzten Interglazial zu- 
gehören. In diluvialen Faunen mit stark prae valier endem 
Waldcharakter wurde er nur zweimal aufgefunden, in der 
Spalte 2 (siehe Woldkich 1. c.) in Zuzlawitz und 
am Somlyohegy bei Püspökfürdö (Ungarn) ^i). Fünfmal da 
gegen — abgesehen von Funden, deren Alter ganz un- 
bestimmt ist — in Waldfaunen, die jünger als der Bühl- 
vorstoß der letzten Eiszeit, also in engerem Sinne post- 
glazialen Alters sind : Zwergloch beiPottenstein ^^), 
Schloßfelsen und Hohler Felsen bei Birseck 
(Basel) 1^), bei Wolin und bei Zechovik in Böh- 
me n^^). In allen übrigen mir bekannten Vorkommen ist er 
vorwiegend von Tieren der Steppe, ja der Tundra begleitet, 



11) Th. KüRiKts: Die pleistocäne Fauna des Somlyöheg'y 
bei Püspökfi'uclö im Komitat Rihar (Uugani). Zeatralbl. f. Min. 
usw. Jahrg. 1911. 

12) A. Nehring : Übersicht über vierundzwanzig mittel- 
europäische Quartärfaunen. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Gesellsch. 
Bd. XXXII, 1880. 

1^) Fr. Sauasix: iJif stein zeitlichen Stationen zwischen Basel 
und Delsberg. Palcäontol. Teil von H. G. Stbhlix, unter Mit- 
wirkung von Tu. Studek (Aves). Neue Denkschriften d. Schweiz, 
naturf. Gesellsch. Bd. LIV, Abh. 2, 1918. 

11) J. V. Zelizko : Nachträge zur dihivialen Fauna von 
Wolin. Bull, int de l'Acad. d Sciences de Boheme. Jahrg. XXV, 
No. 10, II. Kl., 1917. 



78 



von denen Lagoiuys piisilLiis, Lepus variabiiis, Myodes tor- 
quatus und leninus und Rangifer tarandus meist recht 
häufig" sind und (Uc wenigen Waldtiere an Zalü der 
überlieferten Individuen übertreffen. Es sind Mischfaunen, 
wie sie vorzug"Sweise in landschaftlich _ ganz bestinnnt 
charakterisierten Gebieten überliefert werden konnten: 
Weite Hochfläclien mit Steppen-, teilweise Tundrencharakter, 
dazwischen tief eingeschnittene Täler, in denen kleine Wald- 
.gebiete sich halten konnten. Landschaften ndt derartiger 
floristischer Gliederung haben in Mitteleuropa zweifellos nur 
in Glazialzeiten, oder wenigstens Zeiten starkei" klimatisclier 
Depression bestanden. Und in solche Zeiten gehören alle 
übrigen sicher fossilen Vorkommen des Siebenschläfers 
in Mitteleuropa: 

der H h 1 e f e 1 s 1) e i S c h e 1 k i n g e n ? ' ■), 

die Kastlhänghöhle im A 1 1 mü h 1 1 al ";), 

Schweizer sbiid ^ '), 

Völklinshofen i^), 

die Höhle Vypusteki^), 

die K n o c h e n h ö h 1 e n O j c o w in Polen, 
Höhle von J e r z m a n o v i c e 2»), 

Höhle im Kaltenl>runnental (siehe Anm. 13), 

Köszeg im Komi täte Vas^i), 

einige polnische Fundstellen, deren Lite- 
ratur mir augenblicklich nicht zugänglich ist. 



i''') 0. Fkaas : Eesultate der Ausgrabungen im Hohlefels bei 
Schelkingen. Württ. naturwis.s. Jahresh. XXVIII. 1872. 

16) J. Fkauenholz, H. Obermaier und M. Schlussek : Die 
Kastlhänghöhle, eine Rentierstation im bayrischen Altmühltal. 
Beiträge zur Anthr. und Urgeschichte Bayerns. Bd. X\'I[I. 1911. 

1") A. Neuri>s"g: Die kleinen Nagetiere vom Schweizersbild. 
In Nüesch, Das Schweizersbild, 1902. (Hier wm-de Aiyoxns ge- 
funden in der Übergangsfauna der obei'en Nagetierschicht, die 
schon starken "VValdcharakter aufweist.) 

18) L. Döderlein und E. ScnuHiiACHEi: : Über eine diluviale 
Nagetierfauna aus dem Oberelsaß. Mitt. d. Com. f. d. geol. Landes- 
unters. V. Elsaß-Lothringen. Bd. 1, 1888. — G. Hagüanx,: Die 
diluviale Wirbeltierfauna von ^'öklinshofen (Oberelsaß). Abh. 
zur geol. Spezialk. von Elsaß-Lothringen. N. F. H. IIL 1899. 

19) K. Th. Liebe: Die fossile Fauna der Höhle Vypustek in 
Mähren. Sitzungsb. d. Akad. d "Wissensch. AVien. Bd. 79. 
1. Abt., 1879. 

20) F. Roemer: Die Knocheidiöhlen von Ojcow in Polen 
Paläontographica. Bd. XXII, 1883. 

21) Tu. KoRMOS : Über eine arktisclie Säugetierfauna im 
rieistocäii Ungarns. Zentralbl. f. Min. usw. .Jahre-. 1911 



Erklärung zu Tafel III. 

Fig. 1, 1 a. Myoxus glis L., rezent, Planina in Krain. Original 
im Zoolog. Museum Berlin. 5 : 1 nat. Größe. Nr. 7 der 
Tabelle. 
MI + MII mand. d. 

1. Kaufläclienansicht, i bezeichnet die Innen-, a dir; 
Außenseite, I — IV die Hauptleisten, 1 — 3 die aSTeben- 
leisten. Darunter die Zahnumrisse in natürlicher Größe. 
1 a. Seitenansicht von außen. 

Fig. 2. Myoxus glis L., rezent, Planina in Krain. Original im 
Zoolog. Museum Berlin. 5 : 1 nat. Größe. Nr. 5 der Tabelle. 
M I -|- M II mand. d. in Kauflächenansicht. 

Fig. 3. Myoxus glis L., Jüngerer Travertin, Ehringsdorf. Original 
im Provinzialmuseum zu Halle. 5:1 nat. Größe. Nr. 2 
der Tabelle. 
MI -f- M II mand. sin. 

Fig. 4. Myoxus glis L., Zuzlawitz, Spalte II. 5:1 nat. Größe. 
Kopie nach Woldeich 1. c. Taf. X. Fig. 11. 
MI -)- MII mand. sin. 

Fig! 5, 5 a. Alyoxus glis mut. süßeiibornensis, Kiese von Süßen- 
born. Original im Städtischen Museum zu Weimar. 5,5 : 1 
nat. Größe. Nr. 1 und 1 a der Tabelle. 
M I + MII mand. d. 

5. Kauflächenansicht, darunter Zahnumrisse in natür- 
licher Größe. 

5 a. Seitenansicht von außen. 

Fig. 6, 6 a. Myoxus glis L.. rezent, Deutschland? Original im 
Zoologischen Museum Berlin. 5:1 nat. Größe. Nr. 13 dei- 
Tabelle. 
M I + M II mand. d. 

6. Kauflächenansicht, darunter Zahnumrisse in natür- 
licher Größe. 

6 a. Seitenansicht von außen. 



Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Gesellsch. lUlD. 



Tafel III. 



BT HI E I nr mn i 




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1 



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4 



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5 





Lichtdruck von Albert Friscli, Berlin W 35. 



.79 



Diese relativ liäufig-'e Überlieferung' des Siebenschläfers 
aus Zeiten, da die Lebensverhältnisse für ihn recht un- 
günstig gewesen sein müssen und er zweifellos ein sehr 
beschränktes Verbreitungsgebiet in Mitteleuropa besaß, ist 
eine iDesondere Merkwürdigkeit und eine lelu-reiche Illu- 
stration zur Lückenhaftigkeit der geologischen Überliefe- 
rung oder der Fehlerhaftigkeit des durch die geologische 
Überlieferung vermittelten Bildes von Verbreitung und 
Häufigkeit früherer Lebewesen. Sie hat in unserem Falle, 
wie meistens, vor allem biologische Ursachen. Der Sieben- 
schläfer ist ein ausschlief51icher Bewohner trockener Laub- 
wälder. Zur Zeit des Optimums seiner Lebensbedingungen 
waren die Überlieferungsmöglichkeiten für ihn selir gering, 
da in trockenen Waldgebieten konservierende Sedimente 
sich nicht bilden und die Wahrscheinlichkeit aus diesen Ge- 
bieten in entsprechende Sedimentationsbereiche zu geraten 
für den Siebenschläfer nach Aussage seiner Lebensweise 
und dei" seiner Feinde minimal waren. Das Optinmm der 
Überlieferungsmöglichkeiten in Höhlen- oder Vorhöhlen- 
ablagerungen als Beuterest von kleinen Eaubtieren odei' 
GewöUi^est von Raubvögeln trat erst ein, als die Lebens- 
möglichkeiten der Art und ihre Verbreitung in Mittel- 
europa einem Tiefstand sich näherten oder ihn erreicht 
hatten, in glazialen Zeiten, so daß aus' Zeiten geringerer 
Häufigkeit die Art am relativ häufigsten überliefert ist. 
Ein Beweis, daß die geologische Überlieferung einer 
Säugetierart oder der Häufigkeitsgrad ihrer Überlieferung 
keineswegs in einem direkten Verhältnis steht zu ihrer 
ehemaligen Häufigkeit, daß andererseits Seltenheit oder 
Fehlen einer Art in einer Ablagerung keineswegs Selten- 
heit oder Fehlen der Art zur Bildungszeit der betreffenden 
Ablagei^mg zu beweisen braucht. Eine stärkere Berücksich- 
tigung dieser für alle landbewohnenden Säugetiere aller 
Zeiten geltenden Tatsache, die je nach der Lebensweise 
einer Art, je nach den Entstehungsbedingungen der gleich- 
zeitigen Ablagerang-en im Vorgang der Überlieferung mehr 
oder weniger verschleiernd oder täuschend wirken muß, von 
Seiten der Tiergeographen besonders LYDEKKBRScher Rich- 
tung wäre sehr zu begrüßen. 

[Eingegangen am 23. April 1918.1 



80 



4. Beiträge zur Kenntnis des oberen Haupt- 
musehelkalks von Mittel- und Norddeutschland. 

Yaw Hcnu Gkokg Wagxek in Nagold (Württcmh.). 
(Mit 8 Textfiguren.) 

Nachdem ich den oberen Hauptmusclielkalk in Franken 
und Elsaß-Lothringen einer eingehenden Untersuchung 
unterzogen hatte (Geol. Abhandlungen, Bd. XII, Heft 3, 
und Centi^albl. f. Min. usw., 1913. 17. 18), machte sich 
das Bedürfnis geltend, die Kreise weiter zu. ziehen, um. auch 
die Widersprüche, die der norddeutsche Muschelkalk noch in 
sich birgt, zum Teil aufzuklären. Das Ergebnis meiner 
Wandenmgen im August 1913 war, daß der nord- und 
mitteldeutsche Muschelkalk sich ziemlich widerepruchslos 
ins System einreihen läßt, daß der deutsche Hauptrauschel- 
kalk wesentlich einheitlicher ist, als bisher ang-enommen 
wurde. Meinen Freunden, die mich auf dieser AVanderfahrt 
begleiteten, spreche ich auch hiei- meinen lierzlichsten 
Dank aus. 

I. Unterfranken und 3Ieining'en. 

Den Schlüssel für das Verständnis des Hauptmuschel- 
kalks in Thüringen und im Weserland bieten Unterfranken 
und Meiningen. Außer den schon früher beschriebenen 
Aufschlüssen (Geol. Abli.) sind es besonders die am Rande 
des Steigerwaldes bei Wiesentheid — Prichsenstadt — Stadel- 
schwarzach, dann westlich von Gerolzhofen bei Krautheim — 
Obervolkach, ferner nöixilicli 'von Dettelbach bei Brück 
und Schnepfenbach. Im nördlichen Unterfranken bei 
Münnerstadt — Königshofen — Mellrichstadt waren leider über- 
haupt keine Aufschlüsse in den höchsten Lagen zu finden. 
Erst ]\Ieiningen (Blatt Eentwertshausen zwischen ]\Iühlfeld — 
Schwickertshausen — ^^Nordheim) bot wieder Gelegenheit zur 
Scliichtenvergleichung. 

Das neu untersuchte Gebiet entsprach ganz den Er- 
wartungen. Die Uffenheimer Fazies setzt sich nach Norden 
fort: Die Kalkbänke treten mehr zurück, der Ton ninmit 
zu. Der Übergang zur Tonfazies des Beckeninnern erfolgt 
ganz allmählich. Und diese Ausbildung linden wir in 



81 



Meiningen wieder, mir imt noch inelu" Ton und Merg'el. 
Die Aufschlüsse nördlich von Dettelbach zeigen noch 
deutlich die Nähe der Quaderkalke, des Trigonoduskalks, 
an: eine Kornsteinbank mit Septarien schiebt sich als letzter 
Ausläufer der „Maihbausteine" . im Bairdienton ein 
(s. l^rofil vS. 85). Bei Volkach ist sie völlig- verschwiinden. 

Untere L e 1 1 e n k o h 1 e. 
Ein Leithorizont läßt sich dm-chs g-anze Gebiet ver- 
folgen. Ich habe ihn schon finiher als wichtig für die 
Maintrias lun'ausgehoben. (Profil Grainberg und Main- 
Ijcrnheim.) t'ber der Muschelkalkgi^enze lagern zunächst 
granbraune Mergclschiefer und Mergel, in Meiningen auch 
ZcUendolomite, 1 — 1,5 m dick. Dann aber tritt überall ein 
P 1 a 1 1 e n h o r i z o n t auf, bis 2 m dick, aus lauter 1 — 3 cm 
dicken, feinkörnigen Sandsteinplättchen bestellend, grau bis 
grüngelb gefärbt, fein gescldchtet, gelegentlich mit Anoplo- 
phora und dünnen Bonebedlagen. Besonders auf Blatt Eent- 
wertshausen hebt sieh dieser Leithorizont deutlich heraus. 

S e m i p a r t i t u s s c h i c h t e n. 

Die Trennung in Fränkische Grenzscliichten und 
Terebratelscliichten läßt sich noch festhalten. Erstere führen 
nur Ceratites semipartitiiSy wenn auch nicht gerade häufig; 
letztere liefern auch Cer. dorsoplanus. Cer. semipartitns 
luM'rscht noch im oberen Teil der Terebratelscliichten (bes. in 
(Um- oberen Terebratelbank) und verliert sich nach unten. 

Die Fränkischen Grenzschichten zeigen, je 
weiter nach Norden, ein um so stärkeres Vorherrschen von 
Ton imd Mergel, sogar in der Stufe des Glaukonitkalks. Der 
G 1 a u k o n i t k a 1 k ist noch bis Meiningen typisch aus- 
gebildet; über die Grenze kann nicht der geringste Zweifel 
l)i^stehen. Auf Blatt Rentwertshausen erkennen wir ihn 
schon aus der Besclu'eibung von Pjiöscholdt: „eine mäch- 
I ige Bank eines zähen, kalkigen, verwittert braunen Gesteins 
voll fest verAvachsener Muscheln, das hier sehr reich an 
grünem Glaukonit ist. Das Gestein erscheint im Quer- 
bruch parallel, und zwar durch Druck verworren striemig 
und führt einzelne Myophoria Goldfussi, häufiger Myo- 
phoria transversa". Pköscholdt stellt ihn allerdings 
schon in den Kohlenkeuper, während ich trüber gezeigt 
habe, daß damit der Muschelkalk abzuschließen ist. Er- 
schlossen ist der Glaukonitkalk in den Wassergräben an 
den Wegen am Köpfersberg zwischen Mühlfeld — Schwickerts- 
liausen, dann südsüdwestlich Schwickertshausen, am Bahn- 

Zeitschr. d. D. <ieol. Ges. IQIQ. 6 



82 



einschnitt südliclL des Ortes iiml am Abhang des Feder- 
lips giegen Nordheini. Unserem Ghiukonitkalk ist er zum 
Verwechseln ähnlich: muschch^eich, Myophoria Goldfnssi, 
fhiidale Struktur, viel Glaukonit in großen, g-rünen Flecken. 
Bonebed, Koprolithen, Nagelkalk und Gekrösekalk. Der 
untere Teil des Glaukonitkalks enthält hier Mergel, Mergel- 
schiefei' und Dolomite, , dazu noch Zellendolomite. Der 
Glaukonitkalk von Volkach — Krautheim führt ;MUch Glan- 
könitmulm. Hier erreicht er eine Dicke von 1,7 m, wäh- 
rend die Profile in Meiningen kaum genaue Messiuigen 
zulassen (etwa 3 m Mächtigkeit). 

Der Bairdienton zeigt ein . starkes Zurücktreten 
der härteren Bänke gegenüber Schieferton, Mergelschiefer 
und Zellendolomit. Dieser ist für Meiningen bezeichnend. 
Doch darf darauf kein zu gix)ßer Wert gelegt werden; 
denn sekundäre Bildungen sollten stratigraphisch möglichst 
wenig verwertet werden. Die Bairdien sind selten oder 
fehlen ganz. Weiße Schüppchen kommen noch vor. San- 
dige Bonebedlagen schieben sich ein. Eine Kalkbank führ'l 
auch etwas Glaukonit. Besonders stark ist der Wechsel 
gegenüber dem Gebiet des TrigonoduskäXks, wo gerade 
in diesem Niveau mächtige Quader auftreten (im Osten der 
Quaderkalke). Nur eine muschelreiche Kornsteinbank bei 
Brück bildet noch einen Ausläufer jener massigen Kalke. 
Wellige Kalke und Kalkknollen wechsellagern auch sonst 
mit Mergel. Bei Volkach ist der Bairdienton rund 2 m 
mächtig, in Meiningen dürfte mit 3 m zu rechnen sein. 

Die Terebratelschichten verdienen im Norden 
ihren Namen immei- weniger. Die obere Terebratelbank 
führt noch bei Brück verein/>elt Terebrateln. Sonst findet 
man in dem' Knaiierkalk Gervilleien, Myaciten, Austern, 
Corbula, Cer. semipartitus. Doch läßt die petrographische 
Ausbildung noch sichere Parallelen zu. Ein sehr wich- 
tiger Leithorizont ist der „gelbe Kipper", ein Mergel- 
kalk, frisch grau, gelb verwitternd, oben mehr schiefrig, 
mci'gelig, imten fester, senkrecht klüftend, wahrschein- 
lich Peöscholdts „rauchwackenähnliche Bank". Noch in 
Meiningen läßt er sich festhalten. Für Vergleichung und 
Kombination von Profilen ist er außerordentlich wichtig. 
Er entspricht den „gelben Bänken" der Koche ndorfer Fazies. 
Die Mitte der Terebratelschichten bilden Splitterkalke mit 
Terebrateln und Myaciten, dünne Kornsteinbänke, gelber 
Mei^gel und Kalkplatten, bei Brück 2 m dick, nach Süden 
stetig abnehmend (Wiesentheid 1,7 m, Mainl)ernheim 1,1 m). 



83 



Die „Kiesbank" ist sehr bezeichnend für das g-anze C4ebiet: 
g-elbe und g'raue Mergelschiefer, oben knaiieiig. Werden 
die Kornsteine der Gervilleiensciiichten unterirdisch ab- 
gebaut, so bildet sie häufig das Dachgewölbe des Stollens 
(Schnepf enbachtal) . 

Die H a u p 1 1 e r e b r a t e llj a n k wird nach Norden 
ärmer au Terebrateln. Doch ließen sich diese noch bis 
Weimar sicher nachweisen. Terquemia, Lima und Gervilleia 
sind ihre Begleiter. Die Bank wird 20 — 50 cm dick. 
I'röscholdt beschreibt sie als „eine Bank mit großer 
Gervilleia socialis, Terebratula vulgaris, Ccratites enoclis 
und voll weißer Austernschalen der Ostrea subanomia" . 
Gerade die CTervilleien treten nach Norden melir und mein- 
hervor. 

A^ ö ^/ s ;/ s s c h i c h t e n. 

Der obere G e r v i 1 1 e i e n k a 1 k ist an der Mühle 
von Priclisenstadt 4,7 m mächtig. Er besteht aus dünnen 
BlaukaLkbänken („Knaller") mit Mergel und Kornstein- 
lagen. Die Kornsteine bilden wenig unter der Haupt- 
terebratelbank einen durchgehenden Horizont von Dettel- 
bach bis Krautheini. Sie werden bis 1/2 m dick und sind 
Gegenstand des Abbaues. Bei Wiesentheid sind die oberen 
Gervilleienkalke frisch ganz blauschwarz und verwittern auf 
den Bruchflächen tief rostbraun. Die Mergellagen MI und 
MIII der Kochendorfer Fazies lassen sich noch erkennen. 
An Fossilien findet man Gervilleia socialis, G. substriata, 
Lima^ Austern, Myophoria Goldfussi, Ceratites intermediiis 
und dor so planus. An die reichen lothi'ingischen Gej- 
\illeienplatten erinnern die von Schnepfenbach. Die kleinen 
Terebrateln sind bei Prichsenstadt sehr spärlich. 

Trochitenkalk. 
Dei" untere Trochitenkalk zeigt wie auch sonst in Öüd- 
deutschland eine massigkalkige Ausbildung: Dicke Quadei-, 
darüber dünne Kalkplatten. Die Quader führen in Ober- 
franken (zwischen Königshofen und Mellrichstadt) und ia 
Meiningen (bei Rentwertshausen) n.eben Trochiten auch 
Oolith und Glaukonit. Die Oolithe gehen über in größere, 
langgestreckte Formen, so daß es kaum möglich ist, die 
Grenze gegen die Sphärocodien zu ziehen. 

Wie erwartet, zeigte sich in Oberfranken eine all- 
gemeine Schichtenabnahme nach Südosten. Einige Zahlen 
mögen dies zeigen. Die Fränkischen Grenzschichten ein- 
schließlich der oberen Terebratelbank messen bei: 



84 



\'olkacli 4,8 ni, Hainbernlieim 4,1 m, Winkelhof (südL 
Marktbreit 3,8 ni, Uffenlieim 3,3 m, Hilpertshot' (Ijei Burg-- 
txn'nheim) 2,7 m. Bei Nordheim (Meining-en) ist die Mäch- 
tig-keit 'wohl am größten. Die Terebratelscliicliten (ohne 
die obere Terebratelbank) zeigten folgende Mächtigkeiten: 
Brück 3,5 m, Volkach 3,4 ni, Wiesentheid imd Mainl^ern- 
heim 2,6 — 2,8 m, Winkelhof 2,3 m, Hilpertshof 2/2 m. 

Tektonisch seiu- interessant ist das Gebiet zwischen Gre- 
rolzhofen und Volkach. Zwischen Ivi^autheim und Ober- 
volkach schneidet hier eine Ostsüdost — Westnordwest bis 
Ost — West verlaufende Verwerfung das Tal (von Tliürach 
festgestellt). Ostsüdöstlich der Wenzelmühle fallen die 
Schichten in der Nähe der Cycloideshank ■ unter etwa 45 ° 
gegen das Tal ein. Am nördlichen Ufer zeigen die Steinbrüche 
der Semipartitusschichten fast alpme Verhältnisse: senk- 
recht gestellte und ül>erkippte Schichten, Überschiebungen, 
Wiederholung derselben Scliichten. Bei Obervolkach 
kommen sehr schöne Flexuren vor, die in Überschiebungen 
übergehen. 

Profil Volkach-Krautheim (Unterfranken). 
IntereLettenkolile: 

Sandige Anoplophora-Flättcheu. 
120 m graubraune ]\lergelscliiefer. 
8,2 m Semipartitusschichten : 
1,7 m Glaukonitkalk: 

25 cm Muschelieicher Glaukonitkalk, viele große, grüne 
Flecken, Glaukonitmulm, fluidale Struktur. 
110 cm gelber Mergel und Mergelschiefer mit blauen, 
-! welligen Kalken (Gekrösekalk). 

35 cm Wulst- und Splitterkalk. 
1,9 m Bairdienton : graue bis gelbgraue Schiefertone und 
Mergelschiefer, vereinzelte KaUcplatten. weiße 
Schüppchen, sandige Bonebedplatten. 
1,2 m Obere Terebratelbank (O. T.) : 

oben: blauer Splitterkalk, mit Glaukonit, Austern, 

Bonebed ; 
mitten: ^Mei'gelschiefer und Kalkknollen. Septarien, 

Bonebedreste ; 
unten : Knauerkalk (O. T. typisch) und Mergel, 
^lyacitenplatten. Ceratitcs setnipartitus. 
0.8 — 0.9 m ..Gellier Kipper". ..gelber Bolen'', frisch grau, 
gelb verwitternd, senkrecht klüftend, oben mer- 
gelig, unten fester. 
1,7 m :Mittlere Terebratelschichten : Splitterkalke und Mu- 
schelbänke — Kornstein, blaue und Wulstkalke, 
gelbei- Mergel, Terebrateln, Lingula. Myaciten. 
0.8—0.9 m ..Kiesbank" CK). ..Letten-' oben gelber Mergel,. 
unten ffrauer ]\rer<relschiefer. 



85 




Hilpertshoi 



Uäenheiui 



Onötzbeiiii 
Winkelhol 

Mainbernheiiii 

Wiesentheid 

Prichsenstadt 



Volkach — 
Kraiitheiin 



Brück — 
Schnepfen - 
bach 



Mühlhauseii 



iij. 1. Längsprüül dui-ch den oberen 'Hauptmuschelkalk im Maiu- 

rt^biet von Mühl hausen im Wern-Grund (Tonfazies des Beckeninuern) 

i"M' üffenheim bis Hilpertshof (bei Burgbernheim), also von NNW — SSO. 

Höhe 1 : 200, Länge 1 : 400 000. 



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86 



0.4 in H a u p 1 1 e r e b r a t e 1 b a n k . Splitterkalk, oben locker, 
(,,Letteiistein"), unten fest. Korn.stein. Terebrateln. Ter- 
quemiu, Lima. 

\'o(iosus schichten: 

0,3 m MI: gelber Mergel. 

1 m Kornsteinb;inke, wenig Mergel. Austern. 

Darunter Blaukalk heri'schend; Oervilleia, Lima, 

Austern. 

Profil Brück-Sctmepfenbacli (nördl. Dettelbach), kombiniert. 

S e m i p a r t i t u s s c h i c h t e n : ca. 9 m. 

Fränkische Grenzschichten: 
Glaukonitkalk : 65 cm dolomitische Bänke, Splitterkalk und Ge- 
krösekalk, verstürzt. 
Ca. 2,2 m Bairdienton; 

gelbbrauner und giaugrüner ^ 1er gelschief er. 

blaue und dolomitische gelbe Lagen. 

Kornsf'in, oben und mitten .Scptarien. 

Knauerkalk. 

dolomitischer Kalk. 

gelblicher — graugrünei' Mer.irel. mitten schwach 

welliger Kalk. 

verbackener Knauerkalk. Muscheln. 

Schiefer. 

1.8 m T e r e 1) r a t e 1 s c h i c h t e n : 

25 cm verbackener Knauerkalk, Austein. Muscheln. 1 

::)0 cm gelbbrauner ^iergel. ! O. T. ? 

20 cm Kalkbänkchen-Knollen. Mergel. I 

.55 cm O. T. Knauerkalk und ?ileri;el. Myacifes, Oervilleia, 
Terebrateln sj^ärlich. 
5 — 10 cm glatter, blauer Kalk. 

70 cm ..gelber Kipper'", oben Merael. unten ^Icrfrclkalk. 

20 cm bUiue Kalkbänke. 

10 cm gelber Mergel. » 

15 cm Kornstein. 

35 cm dünne Kalkplatten und Mergel. 
115 cm Splitter- und "Wulstkalk. oben mit Terebrateln. 

80 cm Kiesbank, gelber ^^Tergel. unten grau. Kein Kalk 
Toder nur sehr wenig). 

H au p 1 1 e ]■ eb r a t e Ib a n k: 0.5 m. Oben Kornstein mit seide- 
glänzenden Terebratelschalen. Oervilleia, Pseudomonofis 
Alber ti ; unten Splitterkalkbänke. 

( ; e 1- A- i 1 1 e i e n k ä 1 k : 

.50 cm MI gelber ^Mergel, oben mit Kalkplatten. 

20 cm kristalliner Kornstein 1 ^ .... , .„ »,,,,„..,, 

o^ „ ,.. -r^ n , .. 1 Oervilleia, Lima, Auslern. 

20 cm dünne Kalkbanke. \ kA„^„u„^-„ ri^uf„rc; 

40 cm 2 Kor„stei„bä„ke | ""Ter'Zt.ZlätT 

<0 cm Splitterkalk und ^Mergel. ' 



80 


cm 


15 


cm 


30 


cm 


10 


cm 


10 


cm 


45 


cm 


20 


cm 


5 


cm 



87 



11. Weserlaud. 

Im Weseiiand wird der obei-e Hauptniuschelkalk imiuer 
tonreicher; die Kalke treten liier mehr und mehr ;^urück. 
Aufschlüsse sind daher in diesen Lag"en nur vorüber- 
5:ehend an Weg-- und Eisenbahneinschnitten vorhanden. 
Am besten sind sie noch erschlossen an dem Einschnitt der 
Bremsbahn, die einst die Braunkohlen des Meißner zu 
Tal führte. Mehr die untere Lettenkohle als den oberen 
Muschelkalk zeigen die von Grtjpe angegebenen Aufschlüsse 
von Bödexen (Blatt Holzminden) und Folie (Blatt Ottenstein). 

Untere L e 1 1 e n k o h 1 e. 

Auf Blatt Mihla sind die bescluiebenen Aujfschlüsse fast 
alle verfallen. Doch läßt sich noch in nächster Nähe der 
MuschelkaLkgrenze der Leithorizont mit feinsandigen, fein- 
schichtigen Plättchen nachweisen. Ihr Abstand von der 
Muschelkalkgrenze wächst nach Nordwesten. Am Meißner 
sind es schon etwa 2io m; dafür nimmt hier auch der Platten- 
liorizont an Dicke zu. Bei Bödexen (Holzminden) beginnen 
die sandigen Lagen etwa 2Va m über der Muschelkalkgrenze, 
werden aber 5 — 6 m dick und bilden in den 
olleren 4 m einen unten dünnscMchtig'en, " glimmerigen, 
ol>en dickbankigen Sandstein = Gkitpes „Unterer Letten- 
kohlensandstein". Auch bei Polle (Ottenstein) treten 
wieder diese Platten auf, die nach ol)en in einen richtigen 
Sandstein übergehen (alter Friedhof von Ottenstein). Der 
Abstand des Plattenhorizonts (= Unterer Lettenkohlensand- 
stein) wächst also mit der Mächtigkeit der Lettenkohle. 

Etwa IV2 — '- ni über der Grenze zum Muschelkalk treten 
bei Bödexen braune, plattige Dolomite auf, ganz erfüllt von 
Lingula tenuissima, besonders schön an der „Neuen Trift" 
südlich des Ortes. Cakthaus beschreibt sie in ähnlichen 
Lagen von Holzhausen. Darunter liegen dunkle Schiefer- 
ton(^ und gelbbrauner dolomitischer Mergel. 

Muschelkalkgrenze und S e m i j) a r t i t u s - 
schichten. 

Die Grenze Muschelkalk — Lettenkohle ist in Norddeutsch- 
land weniger scharf ausgeprägt als im Süden. Denn auch 
der oberste Muschelkalk ist selir tonreich, enthält auch 
gelegentlich Sandsteinplatten, und der Glaukonitkalk ist 
nicht mehr so typisch ausgebildet wie noch in Meiningen. 
Am Meißner tritt in der untersten Lettenkohle schön aus- 
gebildeter Nagelkalk auf, bis 20 cm dick. Moesta 



88 



\v;ililtc iliii als Grenze. Ich lege die Grenze 2 ni tiefer. 
Demi d(^r Plattenhorizont Ixiginnt nur wenig iil)cr dem 
Nagelkalk und ist im Profil vom Meißner als Nr. l (grauer, 
sandig-mergeliger Schieferletten mit Pflanzenresten), in dem 
von Triibenhausen (jetzt verfallen) wahrscheinlich als Nr. 7 
(schmutzig-gelbgriuier, sandiger Mergelschiefer mit Pflanzen- 
resten) beschrieben. Für unserer (rrenze entsprechend lialte 
ich seine Bänke Nr. 7 (glatte Kalkschicht) bzw. Nr*. 3 (raucli- 
grauer fester Kalk). Der Nagelkalk — nach Moesta „bitu- 
minöser Flaserkalk, Flasern senkrecht zur Scliichtung, bleicht 
an der Luft" — darf schon deshalb nicht als Formations- 
gi'enzc gewählt werden, weil er ja eine sekundäre Bil- 
dung ist (Reis), also überall neu entstehen kann, wo die 
Bedingiuigen günstig sind. Tatsächlich kommen auch unter 
Moestas Grenze noch mehrere NagelkaLkschmitzen vor, wäh- 
rend im Profil Triibenhausen der Nagelkalk zu fehlen 
scheint, weshalb hier die Grenze wesentlich tiefer gelegt wird. 
Die Grenzbaiik bildet am Meißner — nach meiner An- 
sicht — eine harte Splittei'kalkbauk, die oben ein dünne.s 
Bonebed trägt, rund 2 m unter' dem Xa.gelkalk. Bei Böde.xen 
sind es stark verkieselte l^latien mit Fluidalstruktiir und 
etwa-s Bonebed, beim Anschlagen i\inken sprühend. Bei 
Polle ist die Grenzschicht mehr kalkig-dolomitisch, enthält 
Bonebedreste, Koprolithen, Myophorien, Malachit und Glau- 
konit; auch liier Avieder fluidale Struktur. Sie entspricht 
dem Bairdienkalk von Cautiiai-s (Profil Holzhausen). Ab- 
gesehen von dieser etwa 2(j cm dicken Grenzbank ist der 
Glaukonit-„Kalk" in Mergelschiefer oder Schieferton über- 
gegangen. Bei Polle und Böde.xen sind fliese ol>en steiii- 
ruergelartig. Bei Holzhausen gibt Carthaus für die Fränki- 
schen Grenzscliichten noch keine lOo'o feste Bänke an. Am 
Meißnei' ist das Verhältnis noch nicht so ungünstig. Blau- 
kalk und Kalkknollen, sind hier in den dem Bairdienton 
entsprechenden Schichten etwas häufiger. Hier ist das 
Verhältnis Ton zu Kalk überhaupt derart, wie es die 
Ceratiten bevorzugen, Avährend weiter im Norden (Otten- 
sitein) Ton und Mergel oben zu selu- herrschen. Daher 
lieferte der Meißner auch sehr viel Ceratiten. Das Haupt- 
lager der Semipartiten ist 21/2 — ÖV2 ni unter der Grenze, 
genau wie im Fränkischen. Der untere Teil der Fränki- 
schen Grenzschichten und che „obere Terebratelbank" liefei'n 
die meisten Semipartiten; danmter werden sie immer sel- 
tener. Ceratites dorso planus und tiefer auch Ccr. 
intcrmedius treten an ihre Stelle. Für die Frä 11- 



89 



Mschen Greii^^sclücliteii nelinie icli im ^^'eserlau(l 
4 — 4,4 ]u an; denn als „obere Terebratelbank" deute icli 
hier einen Knauerkalk mit Merj^elschiefer, in dem ich aller- 
dings keine Terebrateln mehr fand, aus dem aber auch 
Caethaus 20 — 30 cm große Semipartiten beschreibt (Holz- 
hausen). Die Terebrateln der oberen Terebratelbank f-ingen 
eben schon im Maingebiet an, spärlich zu werden. Am 
Meißner liegt daranter gelber Mergel, der dem ,, gelben 
Kipper" entsprechen ^vürde. Tiefer folgen nun Kalk- 
knollen und dünne Kalkbänke mit Mergel. Doch ist dann 
bald das Profil — l>esonders durch die Durchwühlung au! 
Ceratiten — so verschüttet, daß genaue Aufnahmen kaum 
möglich sind. So konnte auch die Hauptterebratelbank 
nicht festgestellt werden, weil gerade hier der Aufschlul.) 
•Sil schlecht ist. 

N d s II s schichte n. 

.\m ]\lcißner sind nocli die obersten Nodositsschichteu 
ei"Schlossen. Sie beginnen mit Gervilleien führenden 
Platten. Kalk und Ton befinden sich in bunter Wechsel - 
iagei-ung. Die Aufschlüsse in der Nähe von Göttingen, 
die inii" HeiT Geheimrat von Koenen freundlichst mitteilte, 
.zeigen keine wesentlich verschiedene Ausl)ildung des ober- 
sten Muschelkalks. Schichtenvergleichungen sind allei"- 
dings kaaun möglieii, denn die nur in Wasserrissen und 
an Wegrändern vorhandenen Profile sind noch tektoniscli 
ziemlich gestöi't. Bei EUiehaiisen kommt Myophorla [h's 
anseris im oberen Nodosiis\idX\i vor. Eine Bank eigen- 
artig senkrecht abgesonderten Kalkes hat eine größere 
Verbreitung. Bei Hardegsen sind nocli ceratitenreiche ol>ere 
A^ö^ös;/5schicliten ci-schlossen, vielleicht auch noch Semi- 
partitusschicli i "n . 

In den ()l)eren Nodosusk[i\\<. (Gervilleienkalk) gehört 
auch das Piofil, das Gju've vom Friedhof von Otten- 
stein beschreibt. Er reiht es allerdings 1 m unter dem 
„Unteren Lettenkohlensandstein" ein. ,,Die hängendsten, 
höchstens 1 m mächtigen Scliichten unter dem unteren 
Lettenkohlensandstein sind nicht mehr erschlossen und l>e- 
stehen, soweit es im Felde zil sehen ist, aus grauen und 
brämilichen Tonen mit vereinzelten kleineixm Kalkknollen." 
Auf diesen Aufschluß gründet er seine „Os//'^c//zör-Schicli- 
ten", die er mit den Semipartitusscliichten parallel setzt. 
Nun ist aber die ganze Einreihung des Ottensteiner Profils 
irrig, und damit fallen auch seine weitergehenden Schlüsse. 



90 



Schon die hixge des Steiiibruolis läl.U eine; so hohe bJiii- 
i-eihung nicht beweisen. Denn die Sandsteinpiatten be- 
ginnen im Felde mindestens 8 m darüber. Ferner stände 
diese Ausbildung- der höclLsten Muschelkalklag"en peti'o- 
graphisch wie famiistisch einzigartijsj und aliweichend da, 
sowohl für Blatt Ottenstein als auch für den ganzen ober- 
steii deutschen Muschelkalk. Das Profil zeig^t dicke 
Muschelbänke, die z. T. fast in Kornstein überg-ehen. Der 
Kalk tritt hier sehr stark hervor, bei weitem stärker als in 
den Semipartihisschichten des AA'eserlandes, die 1—.'^ m 
unter der Lettenkohle fast rein tonig-merg'elig sind. 8o 
fand ich sie bei PoUe und Köde.Ken, und unter den Profilen 
von Gkui'E hat das von Ottenstein eine völlige .\usnahnie- 
stellung. Sonst sind überall die ,, entsprechenden" Schich- 
ten Mergel, Schiefertone mit Kalkknauern und vereinzelten 
Kalkbänken. Dageg-en g-leicht die petrographische Ausbil- 
dung derjenigen der oberen Nodos usschichten (etwa Ger- 
villeienkalk), wo Muschelbänke und Kornsteine sehr ver- 
breitet sind. Damit stimmen auch die Ceratiten vorzüg-- 
lich ül)erein: viele knotig-e Nodosen, darunter auch große 
Formen, wie sie noch in den höchsten Lag'en der ol>eren 
N od OS II sschiehten vorkommen. Selbst Funde von Cer. dor- 
so plan US wäi'en für diese Region nicht abnorm; denn beide 
kommen im Gervilleienkalk vor. Pseudomonotis Alberti 
ist in Süddeutschland zum letztenmal im mittleren Ger- 
villeienkalk (Nähe der kleinen Terebrateln) häufig- und 
xerbreitet ; weiter oben fehlt sie. So sprechen alle Gründe 
für eine Einreihung' in die oberen A/'orfos«5schichten (etwa 
CuM'villeionkalk), mindestens 8 — 10 m untei' der Letten- 
kolüengrenze. Damit fallen auch alle Unregelmäßig-keiten. 
Placunopsis (Ostrea) ostraclna ist in Süddeutschland sehr 
verbreitet in den Terebratelschichten und im Gervilleien- 
kalk. Das Vorkommen der C'eratiten ist dann g^anz normal. 

Tr c h i r e n k ;t 1 k. 

Auch im Weserland unten dicke Quader, vielfach ab- 
g-ebaut, ol)en Kalkplatten. Am Meißner ist die Grenze zum 
mittleren Muschelkalk erschlossen. Eine Bank mit vielen 
Turmschnecken fällt liier auf. \'on PoUe beschreibt Guupe 
fossilreiche Hornsteine aus dem oberen mittleren Muschel- 
kalk. Sie stimmen petrographisch und faunistisch völlig- 
mit denen überein, die Viktor Hohensteix am Rande des 
Schwarzwaldes nachgewiesen hat. Auch der Erhaltungs- 
zustand der Fossilien ist der gleiche. 



91 



Als obere Grenze des Troclütenkalks wählt man im 
Weserland eine Terebratelbank. Diese stimmt nicht mit 
unserer Grenze überein, sondern liegt wesentlicli tiefer. 
In Franken kommen ja auch Terebratelbänke mitten im 
Trochitenkalk vor. Bei Hardegsen führt der Trochiten- 
kalk auch Glaukonit. 

Profil Meißner (Bremsbahn). 

Untere Lettenkohle: 

2.7 m Plattenhorizont: oben sandig - glimmerige Plättclien, 

nach unten feinsandig — Mergelschiefer. 
0,2 m Xagelkalk. sehr scliön ausgebildet. Mokstas Grenzliank. 
ca. 2 m dunkler Schieferton. unten gelb, mit einzelnen Nagel- 

kalkschmitzen. 

Semipartitusschichten : 

4,4 m Fränkische Grenzschichten : 

20 cm harter Splitterkalk, oben dünnes Bonebed. 
150 cm gelber unfl grauer Mergelschiefer. 
20 cm dünne Blaukalkplatten und ]Mergel. Bonebed. 
60 cm Mergel und Kalkknollen. 

50 cm AVulstkalk mit viel Mergel. Ceratites semipartltus. 
80 cm gelblicher Mergel und fein-andige Bonebedplatten. 
10 cm Blaukalk. 
50 cm gelbgrauer Mergel. Ceratites semipartitus. 

X m T e r e b r a t e 1 s c h i e h t e n : 

80 om O. T. ? Splitteikalk und Kalkkiiauern. C.er. semi- 
partitus. 
50 cm gelbei- Mergel (..gelber Kipper"'). 
150 cm Kalkknollen und dünne Kalkbänke mit ^lergel. 

Cer. dorsoplanus und semipartitus. 
Dann zum Teil verscliüttet : noch NodosusV?L\k erschlossen. 



III. Lüneburg. 

Viel umstritten ist die Einreihung- der Schichten mit 
Myophoria pes anseris und M. intermedia von Imneburg. 
An der Schaf weide bei Lüneburg- ist heute anstehender 
Muschelkalk kaum noch zu finden. Alles Wichtige ist jedoch 
in den Slaimmlungen des naturwissenschaftlichen Ver- 
eins (Museum) zu sehen. Keilhack und Müller 
stellen die Schichten in den Kohlönkeuper, weil ,,nach 
V. LiKSTOw M. intermedia bisher nur aus dem Kohlen- 
keuper bekannt geworden ist" und „von v. Linstow zum 
Leitfossil erhoben" win^de. Nun kommt aber M. intermedia 
auch im typischen Hauptnuischelkalk vor (wobei keine Ver- 
wechslung mit M. transversa vorliegt). Damit fällt wieder 
ein „Leitfossil", dem zuliebe man es vorgezogen hatte, 



1)2 



'^Ceratitcs nodosus saint vielen aiidereu -Muschelkalk- 
fossilieii in die Jjettenkohle '/m stellen! 

Für Muschelkalk sprechen al>er auch noch eine Reihe 
anderer Gründe: Die Gesteine zeit^en einen vom soii- 
stig-en noj'ddeutschen Muschelkalk (Tonplatten) abweichen- 
den Typus: harte Kalke, fein porös, fast Kornsteine, mit 

■ dunklen Einschlüssen, Glaukonit und Fischresten, unseren 
Küstenkalken selu' ähnlich. Unter keinen Umständen 
können wir sie mit Lettenkohle verg-leichen ; die hat normal 
andere Gesteine. Dazu ist die ^anze Fauna, die aus diesem 
„Kohle nkeuper" beschrieben wird, ©ine echte Muschelkalk- 
fauna, von der unseres oberen Nodosus\id\^^ kaum we- 
sentlich abweichend. Gerade hier häufen sich Placiinopsis 
(Ostrea) ostracina, Velopecten (Pseudomonotis) Alberti, 
Qervilleia socialis, Ceratites nodosus, Schnecken und 
Myophorien. Auffallend erscheint zunächst der Reichtum 
an Myophorien. Diese kommen aber auch in Franken lokal 
fa^t gesteinsbildend vor, aber eben nur nesterweis. Be- 
,sonders dem Ries zu werden sie immer häufiger, während 
sie im Beckeninnern mehr zurücktreten. Myoplwria pcs 
anseris kommt in den Semipartifusschicliten wie im No- 
dosuska,\k vor (vgl. auch Profil Weimar), wähi^end ich sie 
in der Lettenkohle noch nicht gefunden habe. Die Pes- 
<inst'ris-SQhichtvn führen ^ähne von Hybodus, Acrodus, 
Notlwsaunis, genau wie im Süden der obere Hauptmuschel- 
kalk. Alle Gesteine sind reich an Glaukonit (auch die 
des Muschelkalks von Helgoland). Sie entsprechen deshalb 

-aber nicht dem Glaukonitkalk Kokbns; denn Glaukonit ist 
auch im oberen NodosuskuWi sehr verbreitet, besonders 
in Thüringen und Franken. Terebrateln kommen auch 
voi'. Manche Gesteine sind auch dolomitisch. 

Nun die sti'atigraphische Einreihung. In Süddeutsch- 
land liegen die ersten Nodosen 4 — 5 m unter dem Haupt- 
Lager von Myoplwria pes anseris. Nun kommt diese aber 

. auch noch im echten Nodosuskatis. vor. Ob die.'^e Vor- 
kommen von EUiehausen und Weimar denen von Lüne- 
burg entsprechen, läßt sich nicht sicher nachweisen. Jeden- 
falls gehören die Pes-anseris- und Intermcdia-Bänke von 
LüneV)urg zweifellos nicht in die Lettenkohle, sondern 
in den oberen Nodosiiskaik. Die Ceratiten sind im Süden 
untei- den gleichen Verhältnissen (1. Kornsteine, Myo- 
phorienkalk, 2. Glaukonit und Küstenkalk, 3. Dolomit) auch 
spärlich. All das scheint mir auch darauf liinzuweisen, dal.^ 

■ die Küste (lüer wie in Helgoland) nicht allzufern und 



93 



das Meer schon zieinLicli flach war. Inwieweit ein Auskeileu : 
von Schichten liier eing'esetz.t hat, ob vielleicht schon die- 
ganzen Semipartitusschichten fehlen, läßt sich nur ent- 
scheiden, wenn giite Aufschlüsse vorhanden sind. Mii- er- 
scheint nach der Ausbildung der G-esteine beides möglich. 
Auch sind echte Semipartiten dort nicht g-efunden worden, 
nur ein Cer. dorsoplamis von Holg^oland, und der kommt 
auch noch im obersten 7Voflfo5//5kalk vor. 

IV. Tliitriiigeu. 

Den Thüring-er Muschelkalk hat Richakd Wagneu in 
Zwätzen (Jena) in seiner grundleg'enden Arbeit „Beitrag 
zur genaueren Kenntnis des Muschelkalks bei Jena" be- 
schi-ieben. Über der Cycloldeshdjvi^ fand er noch 10,18 m 
„obere Tonplatten". Da diese auffallend geringe Mächtig- 
keit dieser Schichten, die l>ei Würzburg 40 m dick sind, 
dem Thüringer Muschelkalk eine Sonderstellung verschafft 
hatte, war eine nochmalig-e Untersnchung dieser höchst* mi 
Muschelkalklagen wünschenswert, um so mehr, da früher 
überhaupt keine zusammenhängenden und hinreichen- 
den Aufschlüsse in dieser Eegion vorhanden wai-en. 
Neuerdings sind diese Schichten jedoch an der 
Bahnlinie östlich Weimar erschlossen, worauf mich 
Herr Richakd Wagner fi-eundiichst aufmerksam machte. 
Es gelang nun, ein vollständiges Profil des ganzen oberen 
7Vorfö5askalks und der Semipartitusschichten aufzunehmen. 
Da tektonische Störungen vorkommen und die Schichten 
vielfach abgeböscht sind, ist mit einigen ungenauen Mächtig- 
keitsangaben zu rechnen. 

Profil Weimar, Bahneinschnitt. 
Letteukohle: 

ca. 20 m Dolomite, .sandige Dolomite, Sandsteine, sandiger 

Mergel und Schieferton. 
ca. 3,5 m grauer Schieferton, mitten grauer Mergel, der in 
gelben Zellendolomit übergeht. 

4.:> m Semipartitusschichten, und zwar: 
1.7 m Fränkische Grenzschichten: 
15 — 20 cm harte, verkieselte Kalksandsteinplatten, Glimmer, 

Fischreste. 
150 — 160 cm gelbgrauer Mergelschiefer, oben grauer Stein- 
mergel, gelb verwitternd. 
■J.T) m Terebratelschichten : 

25 cm gelber und grauer Wulstkalk, Fischreste. 0. T. ? 
80 cm gelber Mergelkalk, oben grau (= , gelber Kipper'). 



94 



40 cm dünne Kalkbänke und Mergel. 
100 cm grauer Sehieferton, etwas Glimmer, vereinzelte Sand- 

steinplättchen. = ,Kiesbank'. 
15 cm welliger Kalk — Splitterkalk und Mergel. 
0,2 m Hauptterebratelbank : hellblauer Kalk, Terebrateln mit 
seideglänzenden Schalen, wenn auch nicht sehr viel ; Gervilleia. 

Nodosusüc\\ichi&n. noch ca. 27 m erschlossen. 
4,6 m Oberer Gervilleienkalk : 

40 cm grauer Mergel, gelb verwitternd. Sand Stein- 
platten = Ml. 
145 cm Splitterkulk und Muschelbänke, mit Mergel und 

Schieferton wechsellagernd. 
20 cm Zinkblendebank mit Austern : harter, kristalliner 
Kornstein. 
115 cm Mergel, wenig Kalk (MII). 
20 cm 2 Splitterkalkbänke. 
120 cm ]Mergel und Kalk (M III). unten sandig. Glaukonit- 
nuüm. Fischsehuppenschichten. 
2.6 m Unterer Gervilleienkalk: 

100 cm .Thüringer G 1 a u k o n i t k a 1 k". Bank der 
kleinen Terebrateln (K.T.). Kleine Terebrateln. 
Cer. intermedius. oben riffai'tige Erhebungen, Bonebed. 
Glaukonitkalk und Glaukonitsandstein. Kornstein 
(Quader). 
160 cm grauer Schieferton, .Tonhorizont", 
ca. 13,4 m Obere A'^orfosusplatten. 

80 cm grauer Schieferton mit Kalki)lättclien (ev. noch 

zu T. H.). 
20 cm Splitterkalk-Kornstein. Myophoria pes anseris. 
120 cm grauer Schieferton. 
25 cm dünne Splitterkalke, wenig Mergel. 
100 cm grauer Schieferton. unten Kalkplättchen, Cer. 

nodosus. 
40 cm Splitterkalkbank. hervortretend. Liegende 

Styloiithen. 
40 cm grauer Schieferton, weiß ausblühend. 
50 cm kristalline Splitterkalkbänke. Mergel. schwarze 

Bonebedlagen. 
50 cm grauer Schiefertton. Fischschuppen, 
ca 800 cm Kalkbänke und Schieferton in buntem Wechsel. 

0.4 m Cycloideshan^. 

6 m -+- Untere A''orfos«5platten. ^ 

300 cm Schieferton und Kalk. 
300 -f- Splitterkalk vorherrschend. 

Als Grenze wähle ich die harten, sandig^en, verkieselten 
Bonebedplatten, die auch bei Görsleben (südöstlich Franken- 
hausen) vorhanden sind und denen des Weserlandes ent- 
sprechen. Die Kastendolomite als Gren25e zu wählen halte 
ich für unzweckmäßig', denn sie sind ja sekundärer Ent- 
stehung-, kommen zwar normal in der Lettenkohle vor, aber 



95 



auch noch im typischen Muschelkalk. Die Fränkischen 
(irenzschichten sind nur 1,7 m mächtig-, das Auskeilen hat 
<ilso schon z.iemlich stark eingesetzt, und die Kurve von 
Wasselnheim (Straßburg), Vaihingen a. d. Enz, Hall, Gera- 
bronn, Eiedenheim, Rothenburg läuft auch durch Weimar. 
In der „oberen Terebratelbank" fand ich Fischreste, aber 
keine Terebratehi mehr. „Gelber Kipper" und „Kiesbank" 
des Mainlandes . lassen sich deutlich wiedererkennen. In 
der daiiinterliegenden Bank hatte ich die Haupttero- 
l) r a t e 1 b a n k vermutet, und bald waren auch die 
Terebratehi gefimden. Viele sind's gerade nicht, aber der 
sichere Nachweis ist erbracht. 4,6 m darunter liegt der 
„T h ü r i n g e r G 1 a u k o n i t k a 1 k". An der Dürrenbacher 
Hütte (bei Weimar) hatte ich ihn zuerst gesehen und als 
Bank der kleinen Terebrateln angesprochen, obwolil ich 
seine Lage im Gesamtprofil nicht kannte. Hier lieti sich 
nun feststellen, daß sein Abstand von 'der Hauptterebratel- 
bank, soAvie von der Cyclo/ deshank den sicheren Beweis 
der Identität (erbringt. Die kleinen Terebrateln sind beson- 
ders oben häufig. Riffartige Erhebungen erinnern an die 
Austernriffe Frankens und Lothringens. Auch die Sphäro- 
codien fehlen nicht: l)ei Klein-Romstedt (bei Jena) kommen 
sie in kleineren Formen vor. Die Parallelen weisen hier 
wiedei- nach Franken (Kirchl>erg- Hall — MuiTtal) und 
Wa.f*selnheim. Die Bank der kleinen Terebrateln ist die 
■forste massige Kalkbank des Muschelkalks. Sie wird bis 
1,2 in dick und besteht aus Kornsteinen oder Muschel- 
(juadern, wird daher überall abgebaut. Bezeichnend ist der 
Reichtum an Glaukonit, ein förmlicher Glaukonitmergel liegt 
oben drauf. Bonebedreste und Sandsteinplatten sind sehr 
verbreitet. Es sind die thüringischen Fischschuppenschichten, 
die seit alter Zeit bekannt sind. Auch bei Görsleben treten 
Kornsteine auf mit Gervilleia, Pecten, Lima., Austern. Sie 
dürften in denselben Horizont gehören. Die Bank der kleinen 
Tei-ebrateln ist für Thüringen ein vorzjüglicher Leithorizont. 

Rund 21/2 m über diesem Glaukonitkalk liegt die Z i n k - 
t)lendebank, die Herr Dr. R. Michael als durchgehend 
l)ei Weimar nachgewiesen hat, un,d auf die er mich auch 
freundlichst aufmerksam machte. Ich fand sie denn auch 
bei Jena wieder (Ivlein-Romstedt), und vielleicht entspricht 
ihr auch eine Zinkblende führende Bank bei Thale (am 
Harz) an der Ziegelei. 

Dicht unter der Bank der kleinen Terebrateln treten 
,gi"aue Schiefertone auf, unserm Tonhorizont entsprechend, 



i)Ü 



die also Orbiciiloidea, Liii'^ula und Ostracodcii liilireii 
könnten. Die oberen Nodosus^Xdiiien führen Myo- 
phoria pes anseris. Zwiscli<3n der Bank der 
kleinen Terebrateln und der CycLoidcshdink. lieg^en rund 
15 m (nach Messungen von Michael etwa VI n\) Ton und 
Kalk. Wir haben also folgende Mächtigkeiten: 

. o c • i-i I Fränkische Grenz- 
4,3 ,n Semipartüus .ehichten l;? m 

schichten 1 ,,, , , , >■ , , ,, ,, 

I Terebratelschichten 2,b ra 

0,2 m Hauptterebratelbank 

■ oberer Gervilleien- 



20,6 m oberer Nodo- 

s«s kalk 
(mindestens 18 m!) 

0,4 m Cyclo idesbci.n\i 



kalk 4,6 m 

unterer Gervilleien- 

kalk 2,6 ni 

obere Nodosus- 

platten ca. 13,4 m 



,,Obere Ton- 
platten" 
etwa 25 m 
(statt 10,1 6 m> 



Damit fällt die Ausnahmestellung des Thüringer 
Muschelkalks, die er nur solange besessen hatte, bis aus- 
i'oichende Aufschlüsse und genügendes Vergleichsmaterial, 
voi'handen waren. 

Trigonodus Sandbcrgeri fehlt in Thüringen, denn er 
liel)t den Ton nicht. Auch den Semipartiten mag es hier 
zu tonig-mergelig gewesen sein. 

Verwechslungen zwischen der Cj'r/o/V/^sbailk und der 
J^ank der kleinen Terebrateln mögen früher wohl vor- 
gekommen sein, denn lokal ist in Thüringen die letztere 
sehr reich an Terebrateln, die von TerebratuLa vulgaris 
var. cycloides sehr schwer zu unterscheiden sind. Dazu 
wird die Bank der kleinen Terebrateln sehr häufig abgetiaut, 
weil sie noch die dicksten Kornsteinbänke liefert. Doch 
ist sie sehr reich, an Glaukonit, oft ein reiner Glaukonit- 
kalk oder Glaukonitsandstein, oben mit Glaukonitmulm 
oder Glaukonitmergel und Fischschuppenschichten. So ist 
die Bank der kleinen Terebrateln, der Thüringer Glaukonit- 
kalk, scharf genug charakterisiert, um Verwec-hslungen aus- 
zuschließen. 

Eigentümlich für den ganzen norddeutschen oberen 
Hauptmuschelkalk ist das Auftreten von sandigen Lagen, 
die in regelrechte Sandsteinplatten übergehen können, so 
l)esonders im Gervilleienkalk Thüringens. Die sandigen. 
Lagen fehlen aber ebensowenig im Weserland (bis nach 
Meiningen). Bei Weimar und Jena kommen über den kleinen. 
Terebrateln auch wellige Kalke vor, die allerdings nicht 
so hochwellig werden wie die Gekrösekalke. Kjeideartige,, 



97 



weißlicli-mergelige Kalke siiid viel inelii' verbreitet als im 
Süden, wo sie fast ganz fehlen. 

Der Thüringer Muschelkalk unterscheidet sich von dem 
Unterfrankens durch stärkeres VorheiTschen des Tons, durch 
reichere Entwicklung- der Bank der kleinen Terehrateln zu- 
gleich mit starker GlaLikonit- und Sandführung, durch be- 
trächtliche Abnahme der Semipartitusschichten, die zudem 
niu' 10 — 20 o/o festere Lagen enthalten. Wir sind hier der 
Küste wesentlich näher als in Unterfranken; unter Um- 
ständen muß mit einem Auskeilen des ganzen Glaukonit- 
kalks KoKENs gerechnet werden. 

Profil Klein-Ex)mstedt NW. (bei Jena). 
(Vgl. Profil Dr. Richard WagneA Zwätzen.) 

Nodosusschichtcn. (Im Abraum wäre die Hauptterebratelbank 

zu suchen.) . • - 

ca. 50 cm gelber Mergel (=MI?). 

45 cm oben Splitteikalk, mitten Mergelkalk, unten Muschel- 

bank. 
50 cm Mergel. 
10 cm Sphtterkalk. 
25 cm gelbbrauner Mergel. 

10 cm Kornstein mit Zinkblende. , Zinkblendebank'. 
10 cm Mergel. 

10 cm Splitterkalk mit Muscheln. 

100 cm gelbgrauer Mergel und gelbweißer, kreidiger Kalk. 
35 cm 2 sandige, kristalline Splitterkalkbänke, rasch 

wechselnd. 
35 cm grau gelber ]\Ieigel, zum Teil sandig. 
40 cm Knauerkalk, zum Teil welliger Kalk, Muscheln, 

Ger"'illeia. 
15 cm Glaiikonitkalk, Schmitzen mit kleinen Terebrateln. K.T. 
40 cm wellige Kalke und gelbe Mergel, Glaukonite und Glau- 
konitsand. 
5 cm Glaukonitsandstein. 
40 — 60 cm K. T. Quader. lötlicher Kornstein, Bonebed, 
Glaukonit, kleine Terebrateln, Ger- 
villeien. südlich des Orts auch Sphärocodien. 
10 cm Wulstkalk. 
60 — 80 cm Mnschelquader. 

V. Oberf ranken. 

Der obere Hauptrauschelkalk zwischen Kronach — Kulm- 
bach — Bayreuth ist die kalkreichere Ausbildung des Thü- 
ringer Muschelkalks. Daher ist er auch in einet* Reihe 
von Steinbrüchen erschlossen, die sämtlich den Nodosus- 
kalk ausbeuten oder noch in den Trochitenkalk hinabgehen. 
Aufschlüsse der Semipartitusschichten fand ich leider nicht. 

Zeilschr. d. D. Geol. Ges. 1919. ^ 



98 



Die höchsten Schicliten reichten bis in die Nähe der Haupt- 
terebratelbank. Schade, denn gerade sie hätten interessante 
Schlüsse über den Verlauf der alten Küste ziehen lassen, 
weil hier mit einem beträchtlichen A u s li e i 1 o n 
zu rechnen ist. Auch der Sandstein der Lettenkohle 
wird wesentlich grobkörniger (bei Lessau), denn das 
alte Festland ist in der Näh©. Im Muschelkalk ist der 
G-laukonit im ganzen Gebiet sehr verbreitet, nicht nur 
in ider Bank der kleinen Terebrateln (= Thüiinger Glaukonit- 
kalk), wo er in Glaukonitmulm, Glaukonitmergel, Glaukonit- 
kalk und Glaukonitsandstein sich anhäuft, sondern auch 
in der Nähe der Cycloldeshank, in der Spiriferenbank (bei 
Hegnabrunn W) und am Bindlacher Berg bei Bayreuth 
in mächtigen Quadern verstürzt etwa 4 m über den kleinen 
Terebrateln. Diese Quader sind außerordentlich reich 
an Glaukonit und führen Terebrateln und Pseudomoiiotis 
Alberti. Vielleicht entsprechen sie der Hauptterebratelbank, 
jedenfalls liegen sie tiefer als Kokbns Glaukonitkalk. Trotz- 
dem wäre es nicht ausgeschlossen, daß sie infolge starken 
Auskeilens der Schichten darüber die Grenze bildeten. 

Im oberen Nodosus^LdAk sind Küstenkalke (reich 
an vielen kleinen, dunklen Ivörnern und schwarzen Ein- 
schlüssen) sehr verbreitet. Bei Unter-Rodach, Unter-Steinach, 
Hegnabrunn (liier sogar tief im Nodosuskalk) kommen sie 
zum Teil in verschiedenen Bänken vor, besonders in der 
Bank der kleinen Terebrateln. Bei Stockau (Bayreuth SO) 
sind sie geradezu typisch entwickelt, wie bei Filsdorf in 
Lothringen und bei Crailsheim — Vellberg — Hall in Franken. 

Sphärocodien treten in der Bank der kleinen 
Terebrateln auf, wie auch in Thüringen, Franken und im 
Elsaß. Ich fand sie bei Unter-Steinach und Laukendorf. 
Eegelrechte Konglomeratbänke kommen im oberen 
Nodosusksilk vor, besonders schön bei Unter-Steinach und 
Hegnabrunn. Muschelquader treten nicht nur in der 
Bank der kleinen Terebrateln auf, sondern sind im ganzen 
Nodosuska,[k zu finden. Mehrfach zeigten sie deutliche 
Schrägschichtung (sogar noch die Spiriferenbank) . 
Stark verkie Seite Kalke treten in der Nähe der 
Grenze auf oder bilden die Grenzbank. (Laukendorf — 
Lessau.) 

Das sind Beweise genug für Ivüstennähe. Dazu kommt 
noch, daß der Wellenkalk bei Trebgast anfängt sandig zu 
werden. Auch mit einer starken Mächtigkeitsab nähme ist 
zu rechnen. Allerdings sind die Angaben der liavrischen 



99 



Geolog-en tür dieses Gebiet zii niedrig-. GCmekl gilit für 
Scliwingen bei Kulinbacli nur 27 ni Mächtigkeit des Haupt- 
nuischelkalks an und ThÜrach für die Schichten üloer der 
Cvcioidi'shsink liei Hininielskron nur 10 m. Ich Avürde 
für das Gebiet nördlich Bayreutli mindestens 40 m Ge- 
samtniächtigkeit annehmen, von denen 15 — 20 m auf die 
Scliichten über der Cycloideshaiak entfallen würden. Ob 
VerM^echshmgen zwischen C}'cloidesha,nk und der Bank der 
kleinen Terebrateln vorgekommen sind, ist noch nicht zu 
entscheiden. 

Die Bank der kleinen Terebrateln führt auch Lima 
striata, Pecten laevigatus, Austern (die auch Erhebungen, 
kleine Riffe bilden), Sphärocodien, kleine Ceratiten, Bonebed 
und Glaukonit. Der obere Gervilleienkalk enthält beson- 
ders Gervilleia socialis und Pseudomonotis (Pecten) Alberti. 
GüMBEL lieschreibt von Unter-Steinach Ceratites semi- 
partitus. Die Aufschlüsse dort liegen im Gervilleienkalk 
und reichen höchstens bis zur Hauptterebratelbank. Da 
früher nicht zwischen Cer. semipartitus und den noch im 
(iervilleienkalk vorkommenden Cer. dorsoplanus und Cer. 
intermediiis imterschieden wurde, läßt sich so die Frage 
einfach lösen. Denn echte Semipartiten sollten dort sehr 
spärlich sein oder ganz fehlen. Auch die Sammler erhalten 
aus Oberfranken nie (oder nur selten) echte Semipartiten, 
meist nur Nodosen in allen _ möglichen Ibrmen. 

Schichtenvergleichungen sind in Oberfranken, wie über- 
haupt in küstennahen Gebieten, außerordentlich schwierig. 
Meist sterile Blaukalke ohne charakteristische Merkmale, 
alles ziemlich einheitlich, fast keine auffallenden Bänke, 
die sich festhalten und leicht wiedererkennen ließen. Dazu 
keine ordentlichen Grenzaufschlüsse. So bleibt nur ül)rig, 
alle Steinbrüche systematisch Bank für Bank aufzuzeichnen, 
di(^ spärlichen Fossilien einzutragen, anders sind Schichten- 
vergleichungen zu gewagt. Nur die Bank der kleinen 
Terebrateln bietet Vergleichsmöglichkeiten. 

Übersicht iiher den deutschen Hauptmuschelkjjlk. 

Die rntersuchung des größten Tei's des deutschen 
Hauptmuschelkalks hat nun die folgende Gliederung er- 
geben. Sie wurde in Franken aufgestellt, hat sich aber 
nicht nur im Neckar- und Mainland als durchführliar 
erwiesen, sondern auch in Elsaß-Lothringen und Thüringen. 
Avährend im Weserland eine vollständige Durchführung hei 



100 



dem großen Mangel an gnten Aufschlüssen nicht möglich 
war. Doch gilt auch hier diese Gliederung in ihren Haupt- 
zügen. 

I. Semipartitus schichten. 7 — ö m. 

a) 4 m fränkische Grenzschichten, die mit Grenz- 
bonebed und Glaukonitkalk beginnen. >,'ach Südosten aoII- 
ständig auskeilend. Im Kalk herrschen ]\Iyophorien, im 
Ton Ostrakoden. Ceratites semipartitus, Verarmung dei- 
Muschelkalkfauna. 

b) 3—4 m T e r e b r a t e 1 s c h i c h t e n. Beginnend mit dei 
knauerigen .oberen T e r e b r a t e 1 b a n k' und dem 
(oberen) Sphärocodienkalk. Unter diesem setzt in 
Schwaben, im Elsaß und im "westlichen Lothringen der 
T ri gonodus flo\on\\t ein. Die Terebrateln herrschen, (in 
Xorddeutschland treten sie allerdings sehr zurück), außerdem 
besonders Austern. Pccten, Gervilleien. Ceratites dorso- 
planus. semipartitus. Letztes Aufblühen der M uschelkalk- 
fauna. 

II a u p 1 1 e r e b r a t e 1 b a n k , meist 0,5 m ; Terebrateln herr- 
schend. Ceratites dorsoplaniis, intennediiis (semipartitus, 
nodosus (?), selten). 

II. Nodosus schichten, durchschnittlich 40 m. 

a) 7—10 m G e r V i 1 1 e i e n k a 1 k. Unter der ^Mitte : Bank 
der kleinen Terebrateln mit Sph'irocodien und einer 
reichen Fauna (besonders kleine Formeii). Kornsteine und 
Austernriffe sehr verbreitet. Gervilleien heri'schend. 
Ceratites intermedius, Cer, nodosus (major und laevis). 
Cer. dorsoplanus. 

b) Obere iVoö^os»splatten. reich an Cer. nodosus. Fossilarme 
Bänke häufig. 

Cycloides b a n k , 20 — 40 m unter der Grenze. 

c) Untere Nodosus platten. Cer. compressus. spinosus. 

III. Trochitenkalk, durchschnhtlich 30 m (20—40 m), 

beginnend mit: 
Spiriferenbank, die zum erstenmal Trochiten in größerer 
Zahl führt. 

a) Plattiger Trochitenkalk, leich an Ton. arm an 
Trochiten. Cer. compressus. 

b) Massiger Trochitenkalk. reich an dicken Bänken, 
mit Trochiten und Terebrateln. 

c) Grenzbänke mit Hornstein. 

Die kleinen Terebrateln haben eine weite Ver- 
breitung: Aidlingen (Blatt Busendorf in Lothringen), 
Wasselnheim (Elsaß), Enz-, Murr-, Kocher- und Tauber- 
gebiet, Oberfranken, Thüringen. 

Sphärocodien fülu^t der obere Nodosus\idi\k. in 
Lothringen (Filsdorf), im Elsaß (Wasselnheim), im Murr-, 



101 



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10-2 



Kocher-, Jagst- und Taubergebiet, in Oberfraiikeu und 
Thüringen. In den Terebratelschicht'u siind ^iv nachgewiesen 
von Wasselnheini bis Rothenburg o. T. 

Helgoland^N?:^^ 



Lüneburg^ 



Meissi 




oßaHingen 



illeimarl 



w 

Bayrmh 



yUffenheim . 




[• • • •\Sphdroco^ien 
Tieferes Meer 



Fig. 3. Land und Meer zur Zeit des oberen Hauptmuschelkalks. 

Die beiden Linien sind Kurven gleicher Mächtigkeit der Fränkischpn Grenz- 
schichten (Om und 2m). — (Die Kiistenkalke bei Aachen sind nur vemuitet, 
noch nicht fesigesiellt.) K -- Kunzelsau. 

Starke A u f a r b e i t u n g des U n t e r g r u n d e s 
kommt vor im Muit-, Kocher-, Jagst-, Taubergebiet und 
in Oberfranken. Hier kommt es sogar zu Konglomerat- 
bänken. 



103 



K ü s t e ij k a 1 k e fand ich in Lothringen (Filsdorf), 
im Alurr-, Kocher-, Jagst- und Taubergebiet (besonders dem 
Eies zu, in schönster Ausbildung bei CraiLsheim) und in 
Oberfranken. Auch die Lüneburger Kalke nähern sich sehr 
diesen Küstenkalken. 

Starken G 1 a u k o n i t g e li a 1 1 zeigt der obere 
Nodosuska,\k. im Murr-, Kocher- und Jagstgebiet, in Über- 
franken, Thüringen, bei Lüneburg und auf Helgoland. 

Dolomit ist verbreitet in Schwaben 'und im Elsaß, 
im westlichen Lothringen und in der Eifel, auch bei Lüne- 
burg gibt es stark doLomitische Kalke. Der primär ent- 
standene Trigonodusdolomit iimfaßt das untere Drittel der 
Semi parh'tii sschichten und den obersten Teil der Nodosus- 
scliichten. 

Die höchsten Muschelkalklagen (Fränkische Grenz- 
schichten und zum Teil auch die Terebratelschichten) 
keilen aus gegen das südliche Elsaß, gegen Schwaben 
(besonders das Ries) und das böhmische Massiv. Wahr- 
scheinlich ist ein Auskeilen im Gebiet der Mosel (gegen 
Luxemburg), der Eifel und bei Lüneburg. 

Das Meer zur Zeit des Hauptmuschelkalks hatte seine 
größte Tiefe im Weserland (bis I\Ieiningen), von da über 
den Werngrund nach Würzburg und über das Bauland 
(nördliches Baden) zum Saargebiet. Eine Verflachung erfolgt 
einerseits g-'egen die Ardennen, andererseits gegen das 
Elsaß, Schwaben (Ries), Oberfranken, Thüringen und sehr 
wahrscheinlich auch gegen Lünebm^g. Die Küste, die bei 
uns in Süddeutschland W — O bis WSW — ONO gerichtet 
war, bog in Oberfranken mehr nach Norden um. 

[Manuskript eingegangen am 20. Februar 1914. J 

Anmerkung der Redaktion : Der Druck vorstehender Abhandlung 
erlitt infolge des Krieges erhebliche Verzögerung. E. Bärtlirig. 



104 



30 


m 


5 


ni 


5 


111' 


32 


m 


12 


m 



5. Zur (Tli(Mlerim<i- des Oberen Muschelkalkes 
in Lothringen. 

Von Herrn K. Boden in München. 

Der Obere Muschelkalk Lothring-ens wurde von Schupi- 
MACHER und VAN Wekveke in folgende Stufen g-egliederti) : 

L e 1 1 © n k h 1 e 

Obere 5^/7n7-?ö/'/'i/'«s- (Terebratel-)Schicliten 

Untere „ „ 

Schichten mit Ceratites nodosus 

Trochitenkalk 

Bbnecke^) trennte die Schichten mit Ceratites nodosus 
dieser Gliederung nach dem Vonvalten der beiden Ceratiten- 
arten Cer. compressus und Cer. nodosus in die 12 m 
mächtigen Co/^z/;r^5Si/s-Schlchten und die darüber lagernden 
20 m mächtigen A^öüfös^s-Schichtyen, welche auch bezüglich 
der petrographischen Beschaffenheit g-ewisse Unterschiede 
aufweisen. 

Die zwischen Cirey, Folkringen und V e r d e n a 1 
ausgeführten Untersuchungen bestätigen und ergänzen diese 
stratigraphischen Ergiebnisse. 

Um zu einer möglichst eingehenden kartog-raphischen 
Darstellung- zu gelangen, wurde versucht, die einzelnen 
Stufen in erster Linie durch petrographische Merkmale zu 
kennzeichnen. — Von den zahllosen im Muschelkalk einge- 
schlossenen Brachio]wden und Zweischalern kann kaum eine 
Spezies als Leitfossil im strengen Sinne angesehen werden. 
Die große Anhäufung von Formen innerhalb gewisser Bänke 
. t 

1) Erläuterungen zu Blatt Pfalzburg 1 : 25 000, Geolog. Spezial- 
kavte von Elsaß-Lothringen. Straßburg 1902. (S. 118 und 119). Er- 
läuterungen zu Blatt Saarbrücken 1 : 200 000 (S. 175—178). Sti'aJß- 
burg 1906. Von der Lettenkohle sollen hier jedoch nur die 
tieferen als ■ Dolomitische Region bezeichneten Schichten in den 
Kreis der Betrachtungen gezogen und als Oberster Hauptmuschel- 
kalk angesehen werden. Eine eingehendere Gliederung des 
Oberen Hauptmuschelkalkes in Elsaß-Lothringen finden wir bei 
G. Wagner. (Centralbl. f. Miner. Geol. u. Palaeont. 1913. S. 551.) 

-) Über das Auftreten der Oeratiten in dem elsaß-lothringische» 
Oberen Muschelkalk (Centralbl. f. Min. Geol. und Palaeont. 1911. 
S. 593). 



10." 



sowie Erhaltungszustand und Größe bilden jedoch ein wich- 
tig-es Hilfsmittel zur Charakterisierung- der Sahiehtcn. 

Auch die meist stark korrodierten und bei mang-elnden 
Aufschlüssen selten im Anstehenden gefundenen Ceratiten 
sind beim l^articren zur Unterscheidung der einzelnen Stufen 
wichtig. Eine lediglich auf diese Formen gegründete Ein- 
teilung kommt jedoch für Kartierungsz wecke nicht 
in Frage. 

Nach diesen Gesichtspunkten konnten auf Gnmd der 
zahlreichen aufgenommenen Pi'ofile folgende Stufen unter- 
schieden werden : 

Dolomitische Region 12 m 

Obere 5^w//;^//'/'/7//s-Schichten 5 m 

Untere „ ,, 5 m' 

Nieren- und Knollenkalkschichten 10 m 

Plattenkalk-Schichten 10 ni 

Com pf CSS US -i>chichten 12 ni 

Trochitenkalk 10 m 

Da die Aufnahmen 1916 und 1917 während meiner 
kriegsgeologischen Tätigkeit aus'geführt und auch die Nieder- 
schrift bereits Januar 1918 im Felde fertiggestellt wurde, 
mußte auf eine eingehendere Berücksichtigung der Literatur 
verzichtet werden. 

Meinen besten Dank möchte ich Herrn Geheimrat 
Dr. V. Wekveke in Straßburg und den Herren Prof. Dr. 
Beoili, Oberbergrat Dr. Reis, Prof. Dr. Schlosser und 
Dr. Schuster in München für ihre entgegenkommende 
Unterstützung bei den Arbeiten aussprechen. 

Trochitenkalk. 

Der durchschnittlich 10 m mächtige Trochitenkalk läßt 
sich in drei Unterabteilungen gliedern. 

Die untersten 4— jB m werden von fest aufeinander- 
gepackten 1 — 2 m dicken, grauen, äußerst zähen, von zahl- 
reichen Drucksuturen durchzogenen, starkklüftigen Kalk- 
bänken mit spüttrigem Bruch und rauher Bruchfläche ge- 
bildet, die bei der Verwitterung gelbliche Färbung und fein- 
poröse Beschaffenheit annehmen. An einzelnen Stellen 
treten Hornsteine in größerer Menge auf. Nicht sonderlich 
häufig finden sich Krinoidenstielglieder und Terebratel- 
schalen in den sonst fast fossilleeren Kalken. 

Die mittlere 3 — 4 m mächtige Abteilung des Trochiten- 
kalkes besteht aus 0,10 — 1,0 m dicken ebenfalls meist fe«t 



106 



aufeinandergepackten, seltener diiieli weiche Mergellagen 
getrennten .Kalkbänken, die sich aus Oolitlikörnchen und 
Kiinoidenstielgliedern im wechselnden Verhältnisse auf-- 
bauen, wobei alle Übergänge zwischen hellgrauem, an Styl- 
olithen reichem, splittrig brechenden Oolith und reinem 
Krinoidengestein beobachtet Averden. 

In der obersten 2 — 4 m mächtigen Abteilung des 
Ti^ochitenkalkes finden sich 0,05 — 0,4 m dicke, splittrig 
brechende, dichte oder feinkörnige gi^aue Kalke mit gelben 
bis roten Flecken und Adern wechsellagernd mit 0,05 bis 
0,20 m dicken, grauen und grünea, wei.'hen plastischen 
Mergellagen. Außerdem schalten sich 0,40—1,50 m mäch- 
tige Schichtkomplexe ein, die sich aus 0,02 — 0,10 m dicken 
abwechselnden Lagen von Splitterkalken sowie Aveichen 
Merg'eln und gi\iuen bis blaugrauen, knolligen und wellig 
gebogenen, muschelig brechenden Kalken und mergeligen 
Kalkoiv zusammensetzen. 

Die mit rauher Veiwitteningsoberfläche bedeckten 
Splitterkalkbänke fühi'en in wechselnden Mengen Krinoiden- 
stielglieder und zahlreiche meist mittelgroße Exemplare der 
Cocnothyris vulgaris Schl. 

Dies© Abteilung ist petrographisch durch die überall, 
auch in Lesestücken auf den Feldern anzutreffenden Tere- 
bi'atelschalen gut gekennzeichnet und läßt sich karto- 
graphisch ausscheiden. 

Die G-esteine, welche die l)eiden unteren Abteilungen 
aufbauen, sind auf den Trocliitenkalk beschränkt, diejenigen 
der obersten Abteilung stehen ihrer petrographischen Be- 
schaffenheit nach den überlagernden CompressusScMchiew 
näliei'. Infolge der zahlreich vorhandenen Krinoiden, mit 
deren Verschwinden die Ceratiten auftreten, sind dieselben 
zum Trochitenkalke zu stellen. 

Compressus-iSchiohtcu. 

Die über dem Trochitenkalke liegende, im Durchschnitt 
12 m mächtige Schichtenfol^'e baut sich auf aus abwechseln- 
den Lagen von grauen und grünen, plastischen, weichen 
Mergeln und dichten bis feinkörnigen, rauhen Splitterkalk- 
bänken von grauer Färbung mit rostroten bis gelben Flecken 
und Adern, lebhaft grau gefärbten Splitterkalken mit brauner 
Verwitterung und vereinzelt auch grauweißen, zuckerkörni- 
gen, splitterig brechenden Kalken, deren Dicke zwischen 
0,05 und 0,25 m schwankt. — Außerdem finden sich 0,02 bis 
9,10 m dicke, im frischen Zustande blaugraue, feinkörnige, 



107 



gelbijrauii verwitternde Kalk])latten. — Vorwiegend ini 
unteren Drittel schalten sich 0,40 — 1,50 m mächtige Schicht- 
komplexe ein von 0,02 — 0,10 m dicken, grauen und blauen, 
dichten, muschelig brechenden, wellig gebogenen oder knolli- 
gen, 'unregelmäßig an- und abschwellenden, zuweilen mer- 
geligen von Bhizocorallien bedeckten, mit gleich dickeiu 
grauen und grünen, weichen, plastischen Mergeln wechsel- 
lagernden Ivalken. In der unteren Hälfte des Schicht- 
komplexes ist das Verhältnis von Kalken und Mergeln etwa- 
gleich. Nach oben zu nehmen die Mergel an Mächtigkeit 
mehr und mehi' zu. Rauhe Splitterkalkbänke treten zurück, 
und die festen Einlagerungen werden meist von den hellbraun 
, verwitternden feinkörnigeii Kalkplatten gebildet. 

Besonders bezeichnend für die Ausbildung dei' Coiii- 
pressus -'äcXvicXxien sind die gegenüber den Kalken stark 
hervortretenden, etwa zwei Drittel der Zusammensetzung 
ausmachenden Mergel, die knollig-welligen Mergelkalke und 
hauptsächlich die dünnen licilbraun verwitternden, phittigen 
köriiigen Kalke. 

Ziemlich zahlreich sind in den Schichten Ceratiten ver- 
ireten. Ceratites compressiis (Sandb.) Phil., Ceratites 
Münsteri (L)iex.) Phil, und Ceratites cvoliitus Phil. \MU'deu 
öfter angetroffen. 

Außerdem finden sich häufig: GervilUa (Hoeniesia } 
socialis Schl., Lima (Plagiostoma) lineata Sohl., Lima 
(Radiila) striata Sohl, iind Pecten laevigatiis Schl., die^ 
auch zur Abgrenzung gegen den Trochitenkalk di^'uen 
können. Bei Montreux wurde eine mehrere Kri- 
noiden führende Bank mit Raclula striata Schl. und 
Prospondylus (Hinnites) comtiis Gieb. beobachtet. 

Platteukalk-Schichten. 

Die unteren 2 — 4,5 m der durchschnittlich 10 m mäch- 
tigen, wenig mannigfaltig ausgebildeten Scliichten werden 
von teils fest aufeinandergepackten, teils durch dünne, 
weiche Mergelzwischenlagen getrennten, 0,20—0,40 m 
dicken, plattigeii Kalkbänken gebildet. Darüber setzen 
sich die Schichten aus abAvechselnden festen Kalk- und 
weichen grauen oder graugrünen Mergellagen zusammen^ 
deren Dicke zwischen 0,03 — 0,30 m schwankt. Vereinzelt 
nehmen die Mergel eine .größere 2 m erreiche ndf Mächtig- 
keit an. 

Die Kalke dieser Schichtfolge sind harte, feinkörnige, 
oft feinporöse, splittrig brechende Clesteine mit rauher Ver- 



108 



witterungsobertläche, grau gefärbt mit Rostflecken oder von 
lebliafi; blauer Farbe und rotbrauner Verwitterung. Seltener 
treten in der oberen Abteilung blaue oder graue dichte Kalke 
mit muscheligem Bmche oder bläulich graue, kör-nige Kalke 
mit gelblichbrauner bis hellbiauner Verwitterung auf. Zu- 
weilen finden sich grauweiße, zuckerkörnige Bänke. Der 
wesentliclisto Fossilgehalt der Kalkbänke (die Mergel sind 
meist fossilfrei) wird von großen Gervillienschalen (Hoer- 
nesia socialis Schloth.) und zwar schlecht erhaltenen, aber 
sehr bezeichnenden, verschieden großen Steinkernen der 
Myophoria simplex v. Schlotheim gebildet. Die Gervillien 
■und Myophorien finden sich vereinzelt oder bedecken ganze 
Platten, treten jedoch meist getrennt voneinander auf. Außer 
auf den Schichtflächen sind die Gervillien auch im Kalke 
vorhanden und heben sich besonders in den blauen Kalken 
durch ihre weißen Schalenquerschnitte gut ab. 

In dem unteren Drittel der Sciiichten ^^^irde an mehreren 
Stellen eine 0,10 — 0,20 m dicke, von gelben Kalkspatadeim 
durchzogene graue, dichte Kalkbank mit mittelgi'oßen 
Terebrateln festgestellt')- Durchgehend sind die Kalke etwa 
1 — 2 m über den Conipressus-^chiohtQW in einer Mächtig- 
keit von 0,1 — 0,2 m oft ganz erfüllt von den dünnen Sc-halen 
des Pecten di sc lies Schloth. 

Als Ausnahme kann nach bisherigen Erlahiungen das 
Auftreten eines 1 cm dicken, in den harten Kalkbänken 
eingeschalteten Bonebeds^) angeführt werden. 



3) Möglicherweise bildet diese Bank nach dem Niveau ihres 
Auftretens zu urteilen ein mangelhaft entwickeltes Äquivalent 
der Cycloides Bank. Auch die rundUchen oder auch breiten, nicht 
sonderlich günstig erhaltenen, perlmutterglänzenden Schalen, die sich 
von der in den oberen Semipartitus-y^chxohiQM und in di-m obersten 
Tiochitenkalke angehäuften Terebratula vulgaris sehr Avohl untei- 
scheiden lassen, können mit der Terebratula (Cocnothyris) 
vulgaris Sohl. sp. var. cycloides Zenk. verglichen werden. 
('Kakl Walter; 12 Tafeln der vei'breitetsteu Possilien aus dem 
Buntsandstein und Muschelkalk der Umgebung von Jena. Jena 
1906. (Tafel III, Fig. 13 d, S. 22.) 

Die Individuen der fränkischen Cycloides Bank, von der mir 
Stücke zum Vergleich vorliegen, sind jedoch kleiner und erfüllen 
das Gestein vollkommen, während in dem lothringischen Voi- 
kommen die Formen im Gresteine weniger gedrängt auftreten.. 

*) Nach Beaconniek finden sich derartige Bildungen bereits 
in nocli tieferen Schichten des Oberen Muschelkalkes. In dem 
beschriebenen Profil liegt über hartem, aus Krinoiden aufge- 
bautem Kalk eine 1.50 m dicke Kalkbank mit viel Saurier- 
resten. (Description geologique et agr-onomique des Terrains de 
Meurthe et .Moselle. Nancy— Paris 1883. vS. 124.) 



109 

Ceiatiteii wurden weniger häufig angetroffen als in 
den CompressusSchichten. Neben äußeren Windungen des 
Ceratites fastigatiis R. Ckednee fand sicli verschiedentlicli 
der Ceratites spinosus Phil. 

Nieren- und Knolleukalk-Schichteu. 

Der im Durchsclmitte 10 m mächtige Schichtkomplex 
besteht aus zähen, schmutzig graugrün, grau oder blau .ge- 
färbten, weichen, plastischen Mergeln mit meist lagenföraiig 
angeordneten, muschelig brechenden, häufig etwas mer- 
geligen, blauen bis blaugrauen, 0,10 — 0,20 m langen und 
mehrere Zentimeter dicken, flach ellipsoidischen Kalkknollen 
und unregelmäßig geformten Kalknieren. 

■ Nur vereinzelt beobachtet man durchg^ehend', wenige 
Zentimeter dicke, muschelig oder splittrig brechende blaue 
Kalkbänke, deren Schichtflächen oft mit konischen Höckern 
bedeckt sind. 

Eingeschaltet in den Mergeln finden sich 0,05—0,5 m 
dicke Lagen von etwas festeren, dunklen, grauschvvarzen 
Kalkmergeln, die beim Trocknen an der Luft schiefrig 
aufblättern. Ganz vereinzelt treten auch graugrüne, etwas^ 
festere, wenig mächtige Tonlagen auf. An der Basis der 
Schichten liegen meist 0,20 — 0,30 m mächtige, 4 — 5 cm 
dicke, blaue unregelmäßig geformte, von schlauch- und 
nierenförmigen . Gebilden überzogene Kalkbänke, die mit 
• Rhizocorallien bedeckt sind. 

Auch in diesen Schichten finden sich hier und da große 
Schalen der Hoernesia socialis Sohl und vereinzelte Stein- 
kerne der Myophoria simple x Sohl, sowie nicht selten 
Exemplare des Ceratites nodosus Schloth., der zwar auch 
im Hangenden und Liegenden angetroffen wurde, jedoch 
in diesen Scliichten vorwaltet. 

Hervortretend ist auch die Häufigkeit g^roßer Stein- 
kerne des Nautilus (Temnocheilus) bidorsatus Schlüth. 

Als besonderes Kennzeichen ist das Vorkommen von 
kleinen Fisclischuppen und -zähnchen anzusehen, welche 
die Oberfläche 'der Kalkknollen bedecken, zuweilen auch im 
Gestein eingesprengt, sind und sich oft zu dünnen Bonebeds 
anreichern. 

In frischen Aufschlüssen bilden die zähen, an der Ober- 
fläche meist entkalkten Mergel mit den Fischreste führenden 
Kjiollen einen typischen Horizont. Aber auch an den be- 
wachsenen Hängen werden die Schichten durch die flachei'e 



HO 



Gellänge bösoliLing-, iiisbesondei'e gegen die üljerlagerndeii 
S 'hichteii, und die verstreut uinlierliegeiidrii K'alkkiioUen, 
kenntlich. 

Infolge der geringen Wasserdurclilässigkeit des Sehiclit- 
-komplexes stauen sich über demselben die in den Klüften der 
hangenden Schichten niederrieselnden atmosphärischen 
Niederschläge zu einem Wasserhoiizont, der häufig zu 
Quellbildungen führt, die verschiedentlich zur Versorgung 
Yon Gehöften und Ortschaften benutzt werden''). Da jedoch 
die Klüftigkeit der überlagernden Schichten meist einen sehr 
hohen Grad erreicht, ist die Schüttung derartiger Quellen im 



•'") Solche (jtuelleu werden für den südlichen Teil von Eeichcntal 
(liicheval), für Deutschenhag (Haie les Allemands), Carpe. Los 
■Salieres, und für den iiorflösthchen Teil von Fremonville ver- 
wertet. Diese (^uellaustritte liegen unterhalb der zwischen 
Tankonville und Eeichental ausgebreiteten Plioc'interrasse. In 
der Umgebung der letztere^n finden sich nocli weitere, meist 
in den breiten Tälern gelegene (Quellen, die ebenfalls über den 
jSTieren- und Knollenkalkschichten austreten und ihr AVasser mehr 
oder weniger unmittelbar aus der Terrasse beziehen. Dem- 
selben (Jnellhorizont des Oberen Muschelkalkes gehört auch 
der außerordentlichen Schwankungen unterworfene (^luellaustritt 
in der breiten Talmulde südöstlich voii Folkringeu an und die 
kleinere für die Versoi-gung von Gogney verwandte (Quelle im 
Westen dieses Ortes. — Dieselben geologischen A'erhältnisse be- 
dingen auch die stellenweise sehr reichlichen Wasseraustritte an 
der rechten Talseite des Erbiset-Baches zwischen Igney und 
Eepaix. sowie die beiden IV2 km südwestlich von Folkilngen 
gelegenen. (Präle und Pre de la Cloche-Brunnen.) 

Weiter westlich tritt im Nordosten vom Schlosse St. Marie 
rechts der von Blämont nach Autrepierre führenden Straße an 
der Basis der Semi partif us-Sdiichten eine (Quelle aus, die mit 
2ur Versorgung von Blämont verwandt wird. (Das Wasser für 
St. Marie liefert eine 1 km nördlich des Schlosses in der Dolo- 
mitischen Eegion liegende Quelle. Diese verdankt offenbar ihre 
Entstehung einer Verwerfungsspalte, die westlich des Schlosses 
"beobachtet wurde und die mit der von L. v. Weevekb be- 
schriebenen Verwerfung von Autrepierre iiarallel läuft. [Mitt. 
d. Philom. Gesellsch. in Elsaß-Lothringen. Bd. A', Heft 3, 23. Jahr- 
gang 1915, S. 299]). 

Die südöstlich von Eepaix gelegene starke Qi>elle. die ebenfalls 
für einen Teil von Blämont Trink- und Nutzwasser hefert;. findet 
•sich auch in der Grenzzone der Nieren- und Knollenkalkschichten 
■z,u den S.^w//;rt/'//YH5-Schichten. etwa im tiefsten Teil einer süd- 
westlich einfallenden Mulde, die von den Schichten zwischen 
<4ogney xind Eepaix gebildet wird. Die.se Mulde schneidet im 
Erbise't-Bache eine Verwerfung ab, die ebensowohl mit in Zu- 
sammenhang zu dem im Vei-hältnis zu den anderen (Quellen 
sehr reichlichem Wasseraustritt gebracht werden kann. 



111 



allgemeinen großen Schwankungen unterworfen und das 
austretende Wasser nach Niederschlägen häufig durch Ton- 
und Lehmteilchen getrübt. Günstiger liegen die Verhält- 
nisse für die Wasserführung dieser Quellen des Oberen Mu- 
schelkalkes, wenn im Einzugsgebiete derselben pliocäne 
8chott)erablagerungen auftreten, welche sich überall als ein 
aushaltfönder Wasserbehälter auf den sonst wasserarmen 
Hochflächen des Oberen Muschelkalkes erwiesen haben. 
Auch bei Biiinnenbohrungen, die in dem klüftigen Trochiten- 
kalke unter der Talsohle das Gnmdwasser erschlosisen, 
\\iuTle dieser Wasserhorizont über dem Talniveau mehrfach 
durch.sunken. 



Semipartitus-Schiehten. 

Über den Mergeln der Nieren- und Knoüenkalk- 
schichten heben sich die 10 m mächtigen Semipartiiiis- 
vSchichteii. abgesehen von dem reichen Fossilinhalt, aucli 
4>etrographisch durch das Vorwalten fester, splittrig brech;'u- 
der iKalke scharf ab. 

Die unteren, von Benkckk'^) als Jntermedius-^oXnvXiien" 
bezeichneten, 5 m dieser Schichtenfolge bestehen aus 0,02 
bis 0,5 m dicken, festen, oft knolligen und wulstigen, fein- 
körnigen oder dichten, meist grau gefärbten Splitterkalk - 
bänken mit rloter Sprenkelung und gelben Linsen und Adern, 
ebenso dicken, lebhaft blau gefärbten Kalkbänken mit rot 
und rotbrauner Verwitterung, sowie aus eingeschalteten 
0^02 — 0,05 m dicken, stets gleichmäßig grau gefärbten, 
dichten, muschelig brechenden Kalken. Die weichen, die 
Kalkbänke an Dicke etwa erreichenden Zwischenmittel bilden 
keine durchgehenden Lagen und bestehen teils aus dunkel- 
grünem Tone, teils aus graugrünen weichen Mergeln. 

Die Kalkbänke weisen einen großen Reichtum an großen 
Gervillien (Hoernesia socialis Sl'hi,.^ auf, die als Schalen- 
exemplare die Schichtflächen oft vollständig bedecken und 
deren weiße Querschnitte sich besonders in den blauen 
Kalken auf dem frischen Biniche deutlich abheilen. Ver- 
gesellschaftet sind die Gervillien zuweilen mit gi'oßen Limen 
(Radüla striata SchlJ und Pectiniden (Pecten discitcs 
Sohl.), sowie .kleinen Terebratelschalen, die hier keine 



^) Bkxeckk: Über das Auftreten der C'eratiten usw a. a. O. 
598. 



112 



Terebratelbank bilden'), sondern vereinzelt, unregelmäßig 
verteilt in den Scliichten auftreten^). 

Manche Kalkbänke dieser Ablageningen besitzen Ähn- 
lichkeit mit den Gervillien enthaltenden Bänken der Platten- 
kalkschichten. Di© sich in den letzteren häufig findenden 
Steinkerne der Myophoria simplex Schl. führen zur Untei-- 
scheidung. 

Die 5 m mächtigen oberen Semipartitus- oder Terebratel- 
schichten (Benecke: Über das Auftreten der Ceratiten usw. 
a. a. O., S. 598) bestehen aus ebensolchen harten hie und da 
Hornsteine führenden Kalkbänken und weichen, plastischen 
Mergel- imd Tonlagen. Die Kalkbänke besitzen jedoch eine 
Dicke von 0,05^ — IV2 m und die weichen Zwischenmittel 
machen höchstens 30o/o in der Zusammensetzung der 
Schichten aus. Zuweilen fehlen dieselben zwischen den 
Kalkbänken auch ganz. 



') <^^. Wacinek : Beiträge zur Stratigraphie und Bildungs- 
geschichte des Oberen Hauptmuschelkalkes und der unteren Letten- 
kohle in Franken. Geologische und Palaeontoloeische Abhandlun- 
gen.' X. F. XIII, 3, 1914. S. 14. 

^) In einem Schachtbrunnen auf der Höhe südlich von Les 
Saliere.s wurden von der Basis der 5^/«/''/t7öA'//Y«5-Schichten drei 
je 20 cm dicke feinkörnige grau bis rötlich gefäi-bte oder auch 
rot gesprenkelte fest aufeinandergepackte Splitterkalkbänke zu- 
tage gefördert mit blauen HornsteinknoUen. 

In den Kalken finden sich neben vereinzelt auftretenden 
großen Gervillien- und Terebratelschalen sowie großen und kleinen 
Gastropodensteinkernen nicht näher bestimmbare kleine Nuculiden 
und Corbuliden, die sich an manchen Stellen stark anhäufen 
und das Gestein oft g-anz erfüllen. Auf den Schichtflächen 
zeigen sich mitunter Fischzähue und -schuppen. 

Die Hornsteine enthalten ebenfalls verkieselte Fossilschalen, 
die sich durch etwas helleres Blau abheben und die Knollen 
oft vollständig zusammensetzen. Bei der Verwitterung nehmen 
die Hornsteine weiß© Färbungen an und die verkieselten Fossil- 
schalen treten deutlicher in die Erscheinung-. — Die Fauna der 
Kieselknollen, in denen hie und da auch große Pectinideu und 
Gervillien beobachtet wurden, ist dieselbe wie die des umschließen- 
den Kalkes. 

Die durch ihre Fauna und durcli die blauen Kiesellumachellen 
charakterisierten Kalke an der Ba^is der Semipartifiis-Sch'ichten 
finden sich in derselben Ausbildung und in demselben Niveau 
— wie rriir Hierr Spitz mitteilt — auch bei Gogney und 
Verdenal. 

Bei Schloßweinberg (La Vigne) wm*den die Kiesellumachellen 
an einem aus Compressus- und Plattenkalk-Schichten bestehen- 
dem Hange beobachtet. 



113 



Die in diesen ScMchten massenliaft auftretenden Tere- 
brateln (Coenothyris vulgaris Schlote J erfüllen viele 
Bänke als meist große Schalenexemplare, die auf Schicht- 
und Bruchflächen aus der umgebenden Kalkmasse heraus- 
wittern und deren zarte Querschnitte auf frischen Bruch- 
flächen (sichtbar werden. — Vergesellschaftet sind die 
Terebrateln mit Austernschalen (Ostrea ostracina Schloth J 
mit denselben großen Formen der Limen und Pectiniden 
wie in den Grervillien führenden unteren Semlpartitiis- 
Schichten sowie einzelnen Exemplaren des Ceratites semi- 
partitus Montf. und des Ceratites dorsopLaniis Phil, und 
besonders in den obersten Bänken nicht selten mit Myophoria 
Goldfussi V. Alb. 

Die wesentlichste Anhäufung der Terebrateln findet 
sich im oberen Teile der Schichten. In mehreren Profi. en 
wurden nämlich unmittelbar unter der Dolomitischen Region 
und teils durch Übergänge mit derselben verbunden über 
2,4 m mächtige Terebratelbänke beobachtet, getrennt 
durch weiche, dünne Mergellagen von 0,05—0,1 m 
Dicke. 

Harte, gegen die Atmosphärilien selir widerstandsfähige 
Platten mit den verkieselten Terebratelschalen, die in Menge 
auf den Feldern liegen und von der BevölkeiTing zu Mauern 
aufgeschichtet werden, liefern ein gutes Kennzeichen dieser 
charakteristischen Ablagerungen. 

Im Bereiche von Blatt Falkenberg 9) bestehen die im 
Durchschnitt ebenfalls 5 m mächtigen unteren Semipar- 
//^tts- Schichten aus graugelben Mergeln mit eingeschalteten 
2 — 6 cm dicken Platten von dichtem Kalke mit Pecten disci- 
tes, Gervillia siibstriata, socialis, Ceratites semipartitus 
usw. und sind petrograj)hisch von den unterlagernden Nodo- 
s«5-Schichten nicht scharf getrennt. Kartographisch wurden 
daher von Schuhmachkr die oberen Semi partitus-^QhiQh.iQn 
ausgeschieden. 

In dem untersuchten Gebiete jedoch bedingt die gut 
ausgeprägte Grrenze gegen die Mergel der Nieren- und 
Knollenkalkschichten sowie die petrographische Ähn- 
lichkeit von unteren und ol)eren Semipartitus-'^hiehiQn die 
Zusammenfassung der gesamten SemipartitnsSchichten zu 
einem Schichtkomplex bei der Kartierung. 



9) Geolog. Spezialkarte von Elsaß-Lothring-en. 1897, S. .57—59. 

Zeiischr. d. D. Geol. Ge«. 1919. 8 



114 



Dolomitische Region. 

Nach dem Vorgehen .von L. v. Wbeveke i*^) wird, 
die Bezeichnung Dolomitische Reg-ion für die zwischen Tere- 
bratelschichten und Lettenkohle geleg-enen Ablagerungen bei- 
behalten. In diesen durchschnittlich 12 m mächtigen Bildun- 
gen stellen sich gegenüber der Schichtenausbildung im übrigen 
Hauptmuschelkalke große Mannigfaltigkeit in der Ent^\dck- 
lung der Gesteine und rasche fazielle Ändenmgen ein. Jedoch 
lassen sich drei Unterabteilungen gut unterscheiden. 
Östlich der Linie Folkringen — G-ogney bis Ibingen und 
nördlich Folkringen bis zur Lettenkohlengrenze wird die 
oberste, von Terebrateln und einzelnen Gervillien erfüllte 
Kalkbahk der Semipartitus -Schichten von einer scharf ab- 
gegrenzten, etwa 60 cm mächtigen, dunkelgrünen Tonbank 
überlagert, die durch eine 10 cm dicke, feste Splitterkalk- 
bank in zwei meist ungleich große Teile zerlegt wird. Über 
der Tonbank folgen im Durchschnitt 2,5 m mächtige Schich- 
ten, die im wesentlichen aus 0,05 — 0,3 m dicken, grauen, 
rot und gelb gefleckten und geäderten, den Terebratelbänken 
ähnlichen Splitterkalken bestehen mit 0,05 — 0,1 m dicken 
Einlagerungen von orangegelben, etwas dolomitischen, 
schwach mergeligen, splittrig brechenden Kalklagen und aus 
0,02 — 0,2 m starken Zwischenmitteln von grauen, weichen 
Mergeln. In den Kalkbänken treten von Eisenmulm über- 
zogene Steinkerne der Myophoria Goldfiissi v. Alb. teils 
vereinzelt auf, teils erfüllen cUeselben einzelne Bänke voll- 
ständig. Nur hie und da finden sich Exemplare, bei denen 
die zarten Schalen teilweise erhalten geblieben sind. 

Wie schon erwähnt, kommt Myophoria Goldfussi be- 
reits in den Semi parfitusSchichten vor und geht durch die 
ganze Dolomitische Region. Ihre größte Anhäufung liegt 
jedoch in diesen Ablagerungen, in denen andere Fossilien 
seltener beobachtet wurden. 

An diese eben geschilderte untere Abteilung 
sichließt sich die mittlere im Durchschnitt 4 m 
mächtige Dolomitische Region an, die in den unter- 
suchten Aufschlüssen mit einer 1/2 m cÜcken, grauen, weichen 
Dolomitbank beginnt. Darüber heiTscht nun die größte 
Verschiedenartigkeit an Gesteinstypen und stärkster 
Fazieswechsel. Nahe zusammengelegene Profile zeigen be- 
reits erheblich voneinander abweichende Schichtfolgen. 

10) Die Küstenausbildung der Trias am Südrande der Ardennen 
I. Teil. Mitt. d. Geolog. Landesanst. v. Elsaß-Lothringen, Bd. X. 
Heft 2, 1916. S. 212. 



llö 



In allen Profilen kehren schwarze, grau verwitternde, 
0,05 — 0,3 m dicke Piaserkalkbänke" wieder, die Mächtig-keiten 
bis zu 1/2 m, seltener darüber erreichen, oder auch nur wenige 
auskeilende und wieder ansetzende dünne Lagen bilden und 
häufig stark von Glaukonit sowie Fisch- und SaurieiTesten 
durchsetzt sind, die sich hie und da zu brecciösen, bis 0,10 ra 
dicken Bonebeds anhäufen. 

Ebenso wichtig wie die Flaserkalke sind für den mitt- 
leren Teil der Dolomitischen Region 0,02 — 0,5 m dicke, 
meist blau, seltener grau gefärbte, dichte, zuweilen auch 
feinkörnige Splitterkalke, in denen neben anderen Fossilien 
(Myophoria GoLdfussi, Lingula tenuissima, Bronn etcj 
Trigonodus Sandbergeri v. Alb. hauptsächlich vorkom.mt 
und manche Bänke als Steinkerne, die mit Eisenmulm über- 
zogen sind, ganz erfüllt. IJie Mächtigkeit der Kalke mit 
Trigonodus Sandbergeri überschreitet zuweilen 1 m und 
sinkt an anderen Stellen auf einige nur wenige Zentimeter 
dicke Lagen herab. 

Die in den Flaser- und Trigonodus-Ksblken auftretenden 
weichen, plastischen Zwischenmittel, die Mächtigkeiten bis 
zu 0,50 m erreichen, oft jedoch auch nur als dünne Schnüre 
in Erscheinung treten (oder ganz fehlen), bestehen vor- 
wiegend aus grauen, z. T. dolomitischen Mergeln, seltener 
aus dunkel gefärbtem Ton. 

Den dritten wesentlichen Bestandteil der mittleren 
Dolomitischen Region bilden hellgi^aue bis blaugraue, im 
Durchschnitt 0,05 — 0,10 m dicke, muschelig brechende, zu- 
weilen brotlaibförmig abgesonderte Kalke, in denen sich 
häufig gelbe, etwas dolomitisch mergelige Lagen und Adern 
einschalten. Diese in mehr oder minder mächtigen weichen 
Mergeln eingebetteten Kalke sind von knollig-wulstiger 
oder wellig gebogener Beschaffenheit, besitzen glatte Bruch- 
flächen (seltener sind Splitterkalke mit rauhen Bruch- 
flächen) und führen einen wechselnden Gehalt an Glau- 
konit und Pischresten. Vielfach werden bis zu 0,10 — 0,30 m 
liohe Faltungen und Fältelungien • zwischen horizontal 
lagernden Bänken innerhalb der Schichten bemerkbar (Ge- 
krösekalk), deren Entstehung durch submarine Gleitungen 
Erklärung findet. Diese eigentümlichen, unregelmäßig ent- 
wickelten Sedimente treten oft nur in geringer Mächtigkeit 
auf, oft nehmen dieselben, indem Trigonodus Sandbergeri- 
Kalke und Flaserkalke stark verdrängt werden, den Haupt- 
bestandteil der Schichten ein. 



116 



Außer den bisher genannten Gesteinen beobachtet man 
nicht selten bis zu 0,40 m mächtige Lagen von bläulichen, 
feinporösen, dichten, von Schuppen und Zähnchen erfüll- 
ten Splitterkalken mit roten Flecken und Adern, durch- 
setzt von kleinen, bläulich gefärbten, nur wenige Milli- 
meter dicken, unregelmäßig geformten, meist kantigen 
Hornsteinchen und vereinzelt auch gröberen Hornstein- 
knoUen. Hie und da stellen sich auch wenig mächtige 
Lagen von Zellenkalken ein. 

Die oberste, bis zu 5 m mächtige Abtei- 
lung der Dolomitischen JRegion baut sich in den aufge- 
nommenen Profilen aus meist fest aufeinandergepackten, 
seltener dui^ch weiche Mergel- oder Tonlagen getrennten, 
0,20 m bis über 1 m dicken Dolomitbänken auf. 

Hauptsächlich sind giaue, ge'b verwitternde, dichte, splitt- 
rig brechende Dolomite mit i'auher Bruchfläche vertreten. 
(Zuweilen mit Drusen von Dolomitkristallen.) Außerdem fin- 
den sich Bänke von hellgrauen bis weißen zuckerkörnigen oder 
grauen, feinkörnigenDoiomiten, femer untergeordnet schwärz- 
liche oder graugesprenkelte, muschelig bis splittrig brechende 
Dolomite mit glatter oder rauher Bruchfläche. 

Manche Bänke weisen einen mehr öder minder hohen 
Gehalt an Glaukonit und Fischresten auf, die teils unregel- 
mäßig eingesprengt, teils in Schnüren angeordnet sindi^). 

Über den Dolomiten finden sich in einer Mächtigkeit 
von etwa 2 m abAvechselnde Lagen von 0,30 — 0,40 m dicken, 
graugrünen Tonen und 0,05 — 0,20 m dicken Dolomitbänken. 

Weiter nach oben zu treten die Dolomite mehr und mehi' 
zurück, und die Ablagerungen gehen in die Lettenkohle über^^). 

11) Auf der Höhe südlich Folkringen lagern in zwei etwa 
20 m voneinander entfernt gelegenen Profilen über schwarzen 
Flaserkalken und grauen Zweischalersteinkerne enthaltenden 
Splitterkalken mit Kostflecken graue dichte, Dolomite in einer 
Mächtigkeit von 1,5 m. Im unteren Teile der Dolomite ist 
eine 0,20 m mächtige unregelmäßig schiefrige grau und ocker- 
gelb gefärbte MergeJbank eingeschaltet, die vollständig erfüllt 
ist von der Anoplophora lettica Q'uenst., deren zarte dunkle 
Schalen sich im Querbruch von der Gesteinsmasse gut abheben. 
Auf den Schieferflächen sind die ockergelben Umrisse der Formen 
nur unklar zu erkennen. Deutlicher werden die Schalen auf 
den angewitterten Flächen sichtbar. 

1-) Die in der dritten Zone (superieur) des Profils von 
Braconniek genannten Gesteine sind der Dolomitischen Region 
ziTizurechnen. In der Schichtfolge findet sich eine unregebnäßige 
von Pflanzenabdrücken erfüllte Tonbank, die in den untersuchten 
Aufschlüssen nicht beobachtet wurde. (Decr. geol. et agr. 
des Terrains de Meurthe et ]\loselle a. a. O., S. 126.) 



117 



'Im Westen von Gogney und bei Repaix fehlt in den 
beobachteten Aufschlüssen die grüne Tonbank an der Basis 
der Dolomitischen Region. Die Grenze zwischen den überall 
in ihrer charakteristischen Ausbildung wiederkehrenden, über 
3 m mächtigen Kalken mit Myophoriu Goldfussi und den 
gleichartig entwickelten Terebratelkalken ist daher lediglich 
durcli die Fossilien gekennzeichnet und nicht so scharf aus- 
geprägt, da die Terebrateln durch die Myophorien nur all- 
mählich verdrängt werden. 

In der mittleren, bei Repaix ebenfalls mit einer grauen, 
lockeren ' Dolomitbank beginnenden Abteilung- der Dolomiti- 
schen Region sind dieselben Gesteinaarten vertreten wie im 
OiSlten (Flaserkalk, wellig gebogene Kalke usw.). Große 
Verbreitung erlangen die blauen Kalke mit Trigonodus 
Sandbergeri, nördlich von Repaix. Dieselben erreichen in 
einem Profil eine Mächtigkeit von über zwei Metern und 
werden von einer giiinen Tonbank überlagert, mit nach- 
folgenden, grauen Dolomitbänken, die bereits der obersten 
Abteilung der Dolomitischen Region angehören. In dieser 
letzteren treten im ISTordwesten von Repaix zusammen mit 
grauen Dolomiten teilweise die Lettenkohle unmittelbar 
unterlagernde, rauh verwitternde, feste Splitterkalke auf, 
mit herausgewitterten, scharfkantigen, von Brauneisen über- 
zogenen Quarztäfelchen und Würfelchen. 

Bei Verdenal liegen über hornsteinführenden Terebratel- 
bänken die Myophoria Goldfussi-Kaike mit zahlreichen, 
von Kalkspatkristallen und Kalksinter erfüllten Hohl- 
räumen, über denen graue, großzellige Rauhwacken bis 
zu 1 m Mächtigkeit mehrfach beobachtet wurden. Ebenso 
wie diese Rauhwacken gehören der mittleren Abteilung, 
(die sich darüber einstellenden, ebenso mächtigen ab- 
wechselnden Lagen von grauen Splitterkalken und hell- 
grauen, wellig gebogenen Knollenkalken an, die hie und da 
Rhizocorallien führen und von . Glaukonit und Fisch- und 
Saurierresten erfüllt sind. 

Aus der Gegend von Avricourt beschreibt Benbckb 
bereits die blaugrauen Trigonodas-Ksil'ke, zusammen vor- 
kommend mit gewundener). Kalkplatten und Tonen, in 
denen sich die Kalklagen in EUipsoide absondern^'^). 



13) Benecke: Über die ,, Dolomitische Region" in Elsaß- 
Lothringen und die Grenze von Muschelkalk und Lettenkohle. 
Mitt. d. Gool. Landesanst. von Elsaß-Lothringen. Bd. IX. Heft 1, 
Seite 14 und 15. 



118 



Die ©rsteren konnten in diesem, von Verwerfungen 
durchzogenen, für Gliederungsversuche nicht besonders ge- 
eigneten Gebiete nicht mehr nachgewiesen uiöi^den; da- 
gegen fanden sich in mehreren Aufschlüssen — vergesell- 
schaftet mit einzelnen Fisch- und Saurierresten und Glau- 
konit führenden schwarzen Flaserkalkbänken — bis zu 
4 m mächtig die unregelmäßig wellig gebogenen und ge- 
wundenen, in einzelnen Lagen brotlaibförmig abgesonderten 
Kalke der mittleren Dolomitischen Region. 

Darunter lagern in einem Aufschluß IV2 m mächtig 
0,10 — 0,50 m dicke, graue, feinkörnige Splitterkatke, von 
denen eine 0,20 m dicke Kalkbank zahlreiche Exemplare 
der Myophoria Goldfussi mit teilweise erhaltener zarter 
Schale führt. Die letzteren stellen offenbar eine etwas 
andere Entwicklung der Kalke mit Myophoria Goldfussi 
aus den südlicheren Gebieten dar. 

Über den Ablagerungen der mittleren Dolomitischen 
Region folgen — getrennt durch Mergel bis zu 1 m Mäch- 
tigkeit oder durch 0,20 m dicke gi'obsandige Schiefer, 
erfüllt mit Gervillia costata, Schloth. — graue, zuweilen 
körnige, klüftige Dolomite der oberen Abteilimg (aufge- 
schlossen bis zu 2 m mächtig). 

Von Goinderchingen (Gondi-exange) erwähnt Beneckb 
(Dolom. Region a. a. 0., S. 14) in der Dolomitischen Region 
liegende Steinbrüche, in denen kalkig-dolomitische Bänke 
abgebaut werden, sowie eine 30 cm dicke, zähe Bank. 

In einem, einige 100 m nordwestlich des Dorfes jetzt 
im Betrieb befindlichen Steinbruch sind Schichten aufge- 
schlossen, die im wesentlichen der hier selii' mächtigen 
mittleren Abteilung der Dolomitischen Region angehören. 
Zu Oberst lagern bis zu 2 m mächtige, weiche Mergel mit 
Einschaltungen von schön entwickelten Glaukonit führen- 
den Gekrösekalken, unter denen in einer Mächtigkeit von 
1/2 m bis Im plattige bis dickbankige, schwarze Flaser- 
kalke folgen. Darunter liegen 2,75 m mächtige, dick- 
bankige, feinkönaige bis dichte, oft feinporöse> sehr zähe, 
rot gesprenkelte, graue oder graublaue, zuweilen Fisch- 
und Saurierreste führende Kalkbänke, die vielfach ganz 
durchsetzt sind von bläulich gefärbten, wenige Millimeter 
messenden Homsteinausscheidungen und hie und da iJiusen 
mit weißen Quarzkristallen enthalten. 

Einzelne Bänke sind fast vollständig aus Muschel- 
schalen zusammengesetzt, eine Gesteinslage führte zahl- 



1 19 

reiche Exemplare der Myophoria Goldfussi uiici außerdem 
wurde verschiedentlich Trigonodus Satidbergeri beobachtet. 

Von diesen Ablagerungen durch 0,50 m dicke, weiche 
Mergel getrennt, wird der unterste Teil der Steinbruch- 
wand von etwa 1 m. mächtigen, gTauen, gelb gefleckten 
und geäderten Splitterkalken gebildet, die den weiter südlich 
angetroffenen Kalken der unteren Abteilung der Dolo- 
mitischen Region gleichen^*). 

In einem aufgelassenen Steinbinich nördlich von 
Gimderchingen ist auch die oberste Abteilung der Dolo- 
mitischen Region in einer Mächtigkeit von 1,25 m auf- 
geschlossen. Dieselbe baut sich aus mehreren 0,05 — 0,60 m 
dicken, gelben bis grauen, dichten Dolomitbänken auf, 
in denen eine 0,25 m dicke glaukonitische, etwas flaserige, 
graue Kalkbank eingeschaltet ist. Über den Dolomitbänken 
lagert eine 0,10 m dicke, graue, dichte, splittrig brechende 
Kalkbank mit glatten Bruchflächen, die z. T. von Muschel- 
schalen und Glaukonit ganz erfüllt ist. 

Die unter den Dolomitbänken folgend© mittlere Ab- 
teilung der Doloniitischen Region besteht zu oberst aus 
1,10 m mächtigen, 0,05 — 0,80 m dicken, abwechselnden 
Lagen von grauen bis gelben Kalken und doloraitisK^hen 
Kalken mit 0,20 — 0,30 m dicken Einschaltungen von weichen 
plastischen Mergeln und einzelnen dünnen Gekrösekalk- 
bänken. 

Die untersten ebenfalls noch der mittleren Abteilung 
der Dolomitischen Region angehörigen Schichten des Stein- 
bruchs bestehen zu oberst aus 1/2 m mächtigen schwarzen 
Flaserkalken, unter denen in einer Mächtigkeit von 0,90 m 
graue und rötlichgelbe Kalke mit kantigen Hornstein- 
ausscheidungen folgen. Den Abschluß nach unten bildet 
eine 0,30 m dicke blaue Kalkbank mit Trigonodus Satid- 
bergeri. 



1*) }»lit einer neben dem Steiubioich abgesenkten Bohrung 
wurden unter den vorwiegend aus Kalken mit einigen dünnen 
Mergelzwischenlagen bestehenden Semipartitus-^chichtan die 
Mergel der Nieren- und Knollenkalkschichten in einer Mächtig- 
keit von 10 — 12 m durclisunkcn. An der Zusammensetzung der 
8^ — 10 m mächtigen PlattenkaUcsehichten beteiligen sich weiche 
graue und blaugraue Mergel in höherem Maße als weiter im Süden. 

Die untersten 10 m der Bohning stehen in den Mergeln und 
Kalken der Compressus^^QhiQ,h.iQ\\. die auch hier durch blau- 
schwarze Mergelschiefer und feinkörnige Kalkplatten charak- 
terisiert sind. 



120 



Nachtrag. 

Einige Beobachtungen im G-ebiet des Olleren Muschel- 
kalkes nordwestlich von Saarburg deuten darauf hin, daß 
hier dieselbe Schichtengliederung durchgeführt werden kann. 

Die vS^m//;ö'A'^//'/is-Schichten heben sich von den Nieren- 
und Knollenkalkschichten meist schon morphologisch deut- 
lich ab, insbesondere an den östlichen Talseiten. Die un- 
beackerten, mit Hecken und Buschwerk bewachsenen 
steileren, von den S^//n'/7fl!r//Y«s-Schichten aufgebauten 
Hänge, an denen die Terebrateln und Gervillien fühi'enden 
rauhen Lesesbeine zu Mauern aufgeschichtet sind, treten 
zu beiden Seiten des Tälchens, das vom Fudenhof gegen 
Zittersdorf führt, klar hervor, unterhalb derselben bilden 
die Nieren- und Knollenkalkschichten sumpfige Wiesen mit 
schwachen Quellaustritten. Besser noch zeigt diese Glie- 
derung östlich Zittersdorf der Südostabhang des Koppel, an 
dem sich unterhalb der charakteristischen Semipartitus- 
Schichten ein flacher, mit Feldern bedeckter Hang ausbreitet, 
auf dem neben den zahlreichen Rollsteinen aus den Semi- 
pariitus Schichten typische Kalknieren und -knoUen ge- 
funden wurden. 

An der von Zittersdorf nach Saarburg führenden Straße 
unterhalb vom Forsthaiis Hof liegt ein verfallener Schützen- 
graben und einige Granattrichter an. der Grenze der beiden 
Stufen. Neben den rauhen, von Gervillien erfüllten Kalk- 
bänken der unteren Semi partitusSchichten sind hier die 
hellbläulich gefärbten Kalkknollen und -nieren freigelegt, 
sowie die grauschwarzen, beim Anschlagen schiefrig und 
wellig spaltenden Kalkmergel. Weiter gegen Saarburg zu 
trifft man am Südabhang des Bretelberges auf Kalk]ilatten 
mit gelbem, ockerigem Überzug, die oft bedeckt sind 'mit 
Steinkernen der Myophoria simplex v. Schloth. Mehrfach 
wurden auch Gervillienschalen führende Platten gefunden 
und einzelne Stücke mit Pecten discites Schloth. Diese 
verstreut liegenden und in einigen GraMattrichtern frei- 
gelegten Gesteine bilden am Hange einen ausgeprägten 
Horizont, in dem die Plattenkalkschichten der südlicheren 
Gebiete wiederzuerkennen sind. Weiter unt^'n finden sich 
die Com pressus-BchichXcw oberhalb der Trochitenkalkbrüche 
in der oben geschilderten Ausbildung, vornehmlich durch 
die wulstigen und knolligen dunklen Kalkmergel and die 
gelb verwitternden feinkörnigen Kalkplatten gekennzeichnet. 



Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. 1919. 



Tafel IV. 





(?) Schwerspatperimorphosen im mitteldevonischen Massenkalk. 

Steinbruch Borghausen bei Grevenbrück (Westf.) 

1) und 4) rosettenförmig, 2) einzeln verstreut, 3) schnurförmig aufgereiht. 

Orig. 1, 2, 3; Slg. Behr, 1914. Orig. 4: Slg. W. Henke, Berlin. 



121 



Die Platteiikalkschicliten mit Myophoria slmplex 
ScHLOTH. und Pecten discites Schloth. sowie einzelnen. 
Gervilüenschalen (Hoemesia soclalis Schloth.) wiirdeu 
auch östlich Saareck am Nordabhange des Kühschwanz und 
beim Kaikoten von Oberstinzel beobachtet. 

Oberhalb der steil geböschten Hänge der Semipartltiis- 
Schichten bilden die Ablagerungen der Dolomitischen Region 
meist flach ansteigende Plateauformen. Kalke dieser Stufe 
n.ii, A'lyophoria Goldfussi v. Alb. stehen östlich Saar- 
elfing an der Höhe 310,4 und beim Hochbehälter von 
Dolvingen an. 

[Manuskript eingegangen am 14. Mai 1919. 



122 



6. über (?) Schwerspatperimorphosen im niittel- 
devonisclien Massenkalk des Saiierlandes. 

Von Herrn Fritz M. Behk. 
(Hierzu Tafel IV.) 

Bonn, den 15. Juli 1914. 

Der niederrheinisch-g-eologische Verein hielt seine Jah- 
resversammlung- für 1912 in der Osterwoche des Jahres 1912 
in Finnentrop im Sauerlande ab^). Auf einem der Ausflüge 
sahen die Teilnehmer den großartig-en Aufschluß im mittel- 
devonischen Massenkalk, welcher durch den ausgedehnten 
Steinbruchsbetrieb der Borghauser Kalkwerke, Abteilung 
Mecklinghausen, Akt. -Ges. zu Siegen bei Grevenbrück ge- 
schaffen worden ist. Bei dieser Gelegenheit wurden von 
einzelnen Exkursionsteilnehmern, welche der Leitung von 
Herrn W. HENKE-Berlin folgten, eigenartige Hohlformen im 
dichten, massigen Kalk beobachtet mid aufgesammelt, wel- 
che in verschiedenster Größe auftraten. Ich glaube mich zu 
entsinnen, daß sie damals schon aus dem Kreise der Vei'- 
samrnlung heraus als Mineralperimorphosen gedeutet worden 
sind. Dadurch aufmerksam gemacht, suchte ich bei Ge- 
legenheit von Vergleichsausflügen, welche mich zur Un- 
tersuchung der DolomitisieiTingserscheinungen^) wiederum 
m die Attendorner Devonmulde führten, weitere Belege 
zur Untersuchung der Bildmig dieser Hohlräume zu- 
gninde liegenden Ursachen zu erlangen. Dies ist mir in 
beschränktem Maße bei verschiedenen Besuchen gelungen. 
Ich hatte mich dabei von neuem der gütigen Unterstützung 
von Herrn HENKE-fBerlin zu erfreuen, deren ich, wie auch 
mancher anderen wertvollen Fingerzeige, dankbar gedenke. 
Die Belege sind dem Geologischen Museum und Institut 
der Universität Bonn über^viesen worden, ein Belegstück 



1) Hekke, AVilh. : Exkursionsführer durch die Attendoni- 
Elsper Doppelmulde für die Frühjahrs Versammlung des Nieder- 
rheinischen geologischen Vereins, April 1912 Sitz.-Ber. Natiu-h. 
Ver. Rheinl. u. Westf. 1912. 

2) Behe, r. M. : Über Dolomitisierung und Verquai'zung in 
Kalken des Mitteldevons und Karbons am Norcü-ande des Eheini- 
schen Schiefergebirges. Diese Zeitschrift. 1915. 



123 

entstammt der Sammlung von Herrn Henke und wurde zur 
Bearbeitung in dankenswerter Weise von ihm zur Verfügung 
gestellt. \ ] 

Die Fundstelle für das in Frage stehende Material be- 
fand sich im Frühjahr 1914 in dem Steinbruch der Borg- 
hauser Kalkwerke, A.-G., welcher 800 m nordwestlich der 
Lennebrücke bei Borghausen an der Eisenbahn im Massen- 
kalk liegt^). Jn diesem Bruch \\Tirde damals fast ausschließ- 
lich Dolomit gewonnen, welcher den größten Teil der Bruch- 
wand bildete. Nach NW ging der Dolomit in eine schmale 
Zone dolomitisierten Kalkes über, auf welche reiner, massi- 
ger und dichter Kalk folgte. Etwa in der Mitte der W-wand 
des Steinbniches ragte eine Kalkmasse in den Dolomit hin- 
ein, welche von diesem ebenfalls durch ein dolomitisiertes 
Zwischenmittel getrennt war. 

In dieser massigen, dichten, splitterig brechenden Kalk- 
n)asse fanden sich vornehmlich die erwähnten Hohlformen und 
ebenso häufig in der schwach dolomitisierten Zone, während 
sie im Dolomit fehlten. Sie waren unregelmäßig in dem 
Kalk verteilt und auf eine Kalksäule von etwa 12 m Durch- 
messer beschränkt. Sie schienen sich nach keiner Seite viel 
weiter auszudehnen, wie in dem Kalk der Bnichsohle festzu- 
stellen war. Auch durch Ausfi'agen der Betriebsführea^ und 
Arbeiter, welchen die Erscheinung wohl bekannt war, konnte 
kein zweites Vorkommen dieser Art oder eine weitere Aus- 
dehnung desselben festgestellt werden. 

Makroskopisch haben diese Hohlformen teilweise das 
Aussehen von „Messerechnitten" mit glatten Flächen in den 
dichten Stein. Auch flach linsenförmige Formen kommen 
vor. Vereinigungen dersel1>en unter konstanten Winkeln 
bestehen aus zwei oder drei Einzelformen, daneben erschei- 
nen Durchdringungen von der Form des Andi'easkreuzes ; 
vereinigen sich zahlreiche derartige Hohlräume um einen 
gemeinsamen Mittelpunkt, so entstehen große Rosetten. 
Die Größe der Einzelhohh'äume wechselt stark. Die Aus- 
maße schwanken zwischen 5 und 47 mm Länge, bei 
den Rosettenformen lassen die korrespondierenden Hohl- 
räume sogar Längen bis zu 72 mm feststellen. Die Breite 
schwankt zwischen 0,1 und 1,2 mm, ihre Tiefe beträgt bis 
zu 19 mm, doch sind diese letzteren Angaben unmaßgeblich, 
da die allseitig geschlossenen Hohlräume naturgemäß bei 



3) Henke, Wilh. : Zur Stratigraphie des südwestlichen Teiles 
der Attendorn — Elsper Doppelmulde. Diss. Göttingen, 1907. 



124 



der Ausmessung die Tiefe des fehlenden Teiles nicht erken- 
nen lassen. 

Eine Altersgrenze der Bildungszeit dieser Hohlformen 
kann insoweit festgestellt wer*den, als sie sicher jünger sind 
als der Dolomit. Auf den Flächen haben sich nämlich, vor 
allem in der dolomitisierten Zone des Kalkes, zahlreiche Do- 
lomitrhomboeder angesiedelt, welche mit der Annäherung 
an den Dolomit immer zahlreicher werden. Gleichzeitig ver- 
lieren sich durch diese Kristallisationserscheinungen die 
scharfen Umrisse, so daß das Fehlen der Hohlformen im 
Hangenden der erwähnten Kalkmasse dadurch erklärt wer- 
den kann, daß der Dolomit die bestehenden Hohlräume ver- 
wischt und mit seinen kristallinischen Massen, erfüllt haben 
kann. Aus dem Fehlen derselben im Dolomit nach oben 
eine Grenze für ihr Auftreten zu konstruieren, ist daher nach 
meiner Meinung nicht zulässig.-^^) 

Die von den negativen Perimorphosen erhaltenen positi- 
ven Ausgüsse lassen leider eine kristallographische Winkel- 
messung nicht zu. Denn ihre Flächen sind rauh und etwas ge- 
gekrümmt. Sie lassen jedoch erkennen, daß es sich um tafelför- 
mige Kristallindividuen handelt, deren Kanten dui^chweg zuge- 
schärft sind. Ich habe versucht, sie nach ilii^er Form einer be- 
stimmten j\Iineralspezies zuzuweisen und nur am Schwerspat 



3a) Die ^Möglichkeit, die Hohlformen als PerimoriDhosen weg- 
gelöster Mineralien zu deuten, machte einige Versuche nötig, von 
ihnen brauchbare, wenn möglicli meßbare Ausgüsse zu erhalten. 
Die Bemühungen, solche Positive mittels Guttajjercha oder einer 
Gelatine-, Leim-. Glyzerinmasse lierzustellen. mißlangen voll- 
ständig. Die auf den Seitenflächen aufsitzenden Dolomitrhomboeder 
wirkten als Widerhaken und hielten den Ausguß entweder ganz 
oder teilweise in der Form fest oder zerrissen ihn. Außerdem 
entstanden beim Herausziehen der Ausgüsse so beträchtliche 
Zerrungen oder Bisse, daß diese dadurch zu irgend welchen 
Untersuchungen ungeeignet gemacht wurden. Daher mußte ein 
anderei- Weg zur Untersuchung eingesehlagen werden, wobei 
leider eine Zerstörung einiger Originale nicht zu umgehen war. 
Einzelne Handstücke mit den auszugießenden Hohlformen wurden 
im 'Trockenschranke längere Zeit auf etwa 120° C erwärmt. 
Gleichzeitig wurde Kanadabalsam auf Glashärte eingedickt und 
tropfenweise auf die betreffenden Stellen aufgebracht. Dabei hat 
es sich als nützlich herausgestellt, nicht die ganze ^Nfenge auf 
einmal auf den Stein zu geben, sondern nur in einzelnen Tropfen, 
und diese mittels einer schwachen Stichflamme noch einmal bis 
zur Dünnflüssigkeit zu erhitzen. Auf diese Weise werden auch 
die tiefsten Stellen gleichmäßig mit dem Kanadabalsam ausgefüllt, 
an welchen sich andernfalls Luft festsetzt und die Ausfüllung 
beeinträchtigt. Die Auflösung des Kalkes erfolgte in verdünnter 
Salzsäure. 



125 



ähnliche Formen gefunden, soweit es sich um Alineralien 
handelt welche in derartigen, unveränderten, kalkigen Se- 
dimentgesteinen aufzutreten pflegen. Andkbe J) hat gezeigt, 
daß der Gehalt der Meeressedimente an Barium und Stron- 
tium bei weitem größer und verbreiteter ist, als man ge- 
wöhnlich annimmt. Nach Claeke ^) ^) geht er durchschnitt- 
lich bis 0,1 o/o, ein Befund, weichen Bergeat ') «) neuerdings 
bestätigt und teilt. Die Vermutung, daß die ursprüngliche 
Ausfüllung der Perimorphosen Schwerspat gewesen sein 
kann, bestätigte nur Herr Brauns nach Durchsicht eines 
Teiles des Materials und nach der Betrachtung einiger Aus- 
gußresultate auf das liebenswürdigste.^^) 

Ein derartiger primärer Bariumgehalt eines Kalksteines 
bietet an und für sich, wie ausgeführt, nichts Auffälliges. 



■i) Andkee, K. : Über den Cölestin im Mokattamkalk von 
Ägypten nebst allgemeinen Bemerkungen über sedimentäre Cölestin- 
vorkommen und einem Anhang über eine Stylocoenia. N. Jahrb. 
Mineral, usw.. Beil. Bd. 1913. 

5) Clakke, f. W. : Analyses of Rocks from tie Lalxn-atory of 
the United States Geological Survey. U. St. Geol. Survey. 
Bull. 228. 

6) Claeke, F. W. : The data of geochemistry. U. St. Geol. 
Survey. BuU. 330. 11. Aufl. 

n Bbegeat, A. : Untersuchungen über die Struktur des 
Schwefelkies-Schwerspatlagers zu Meggen a. d. kenne, als Unter- 
lage für deren geologische Deutung. N. Jahrb. Min. usw., Beil. 
Bd. 1914. Feed. Bauee - Festband. 

8) Beegeat, A. : Das Meggener Kies-Schwertspatlager als Aus- 
scheidung auf dem Grunde des mitteldevonischen Meeres. Zeitschr. 
f. prakt. Geologie, 1914. 

8a) Herr Geheimrat Beaüns hatte ferner die Güte, mir einige 
sehr interessante Auswürflinge aus der Umgebung des Laacher Sees, 
welche sich in der reichen Sammlung des mineralogischen In- 
stituts der Universität Bonn befinden, zu zeigen. In einigen 
dieser kalkigen, stark veränderten Auswürflinge kommt Kalkspat 
in dünntafeligen, lamellenartigen, in wirrem Netzwerk die Hand- 
stücke durchsetzenden Individuen vor. Diese vermögen nach 
ihrer Auslaugung ganz ähnliche Perimorphosen zu hinterlassen, 
wie sie hier aus dem Massenkalke vorliegen. Ich habe aber den 
Gedanken, die Perimorphosen von Borghausen könnten auf einen 
derartigen primären Gehalt von Kalkspat von dem eigenartigen 
und seltenen tafeligen Habitus zurückzuführen sein, von der 
Hand gewiesen. Ein primärer Gehalt an solchem Kalkspat er- 
scheint mir nicht wohl annehmbar, da ich mir keinen Prozeß 
vorstellen kann, durch welchen in einem in der Sedimentierung 
begriffenen Kalkstein solche Einzelkristalle im frischen Kalk- 
schlamm gebildet worden sein könnten. Eine Neukristallisation 
oder eine metasomatische oder diagenetische Bildungsweise kann 
aber ebensowenig nur gerade Einzelkristalle von solchem Habitus 
gebildet haben, vielmehr müßte in einem solchen Falle der Kalk 



126 



vSeine Kristallisation auf diagentischem Wege hat Axdkke ^) 
>\atirscheinlich gemacht, wie er sie für den Cölestin be- 
wiesen hat. Die Entstehung derselben jedoch an dieser 
Stelle, bei Borghausen, erscheint mir von einiger Bedeutung, 
einmal wegen der örtlichen Beschränkung auf eine auffällig 
kleine Stelle, weiter aber auch wegen der großen Nähe der 
nur 6 km entfernten Meggener Schwefelkies-Schwerspa.t- 
Lagerstätte, deren Genesis in allerjüngster Zeit "wieder er- 
höhtes Interesse zugewandt worden ist. In der Frage über 
deren Genesis, welche bekanntlich seit langem strittig ist, 
hat Bergeat 10) kürzlich ein bedeutsames Wort gesprochen 
und ist auf Ginind der neuerdings mit großem Erfolge auf 
die Lagerstättenforschuiig angewandten mikroskopischen 
Untersuchung zu Resultaten gelangt, welche eine Diskussion 
herausfordern. Es mag daher gerechtfertigt ei^scheinen, 
auch einen an und für sich unbedeutenden Fund an die Öf- 
fentlichkeit zu bringen, welche die eine oder die andere An- 
schauung über die Verhältnisse der Meggener Lagerstätte 
stützen kann. 

Der Schwerspat, welchen ich als die primäre Ausfüllung 
der Perimorphosen annehme, kann auf verschiedenen We- 
gen im dichten Kalk entstanden sein. Entweder muß er mit 
ihm gleichaltrig sein, wobei die Gleichaltrigkeit soweit an- 
zunehmen ist, daß auch eine Entstehung des Schwerspates 
im schon gebildeten, aber noch unverfestigten Kalkschlamm 
als gleichzeitig angesehen werden soll. Ist dagegen der 
Schwerspat in. dieser heute nur noch als Perimorphose vor- 
liegenden Form jynger als der Kalk, so ist eine Genesis auf 
diagenetischem Wege als eine Anreicherung des Ba-Gehalts 
dieser Schichten möglich oder eine Verdrängung von Gang- 
spalten aus und durch an ihnen aufsteigenden Lösungen, 
etwa von der Zusammensetzung der heutigen Ba-haltigen 
Mineralquellenil), anzunehmen.nä) 



in weiterem Umfange körnig, also von dem allverbreiteten Habitus, 
geworden sein. Ob bisher einmal ähnliche Erscheinungsformen ,vom 
Kalkspat als Kristalleinschluß in Kalken oder anderen Sedimenten 
beschrieben worden sind, habe ich trotz allen Suchens in der 
zahlreichen Literatur nicht in Erfahrung bringen können. 

9) Andree, K. : a. a. O. 1°) Bergeat, A. : a. a. O. 

11) Dei,keskaiip : Die weite Verbreitung des Bariums in 
Gesteinen und MineralqueHen und die sich hieraus ergebenden 
Beweismittel für die Anwendbai'keit der Lateralsekretions- und 
Thermaltlieorie auf die Genesis der Schwerspatgänge. Zeitschr. 
f. prakt. Geol. 1902. 

113) Daß Mineralquellen sehr grobspätige Barytmassen epi- 
genetisch in Sedimenten absetzen können, zeigen die bekannten 



127 



Zunächst bietet eine nachträgliclie Auflösung des 
Schwerspates unter Schonung des umgehenden Kalkes nichts 
Neues. Es ist bekannt und verschiedentlich betont wor- 
den 12), daß Alkalibikarbonate ohne Schwierigkeit die für an- 
dere Mittel relativ schwer löslichen Sulfate des Bariums 
und Strontiums wegführen können, ohne den umgebenden 
Kalk mit in Lösung bringen oder nachhaltend verändern zu 
müssen. Diese Alkalibikarbonate entstammen meiner Mei- 
nung nach in dem hier vorliegenden Fall den Gangspalten, von 
welchen aus die Umwandlung des Kalkes in Dolomit durch 
echte Verdrängung erfolgt ist, wie ich dies bei Heggen, 
ca. 5 km von Boi^ghausen entfernt, habe nachweisen kön- 
nen 13). Eine Bestätigung dieser Annahme habe ich auch 
darin gefunden, daß die Wände der Perimorphosen von Do- 
lomitrhomboedern besetzt oder überkrustet sind, daß ferner 
das Auftreten der Perimorphosen auf den unveränderten odecr 
erst schwach dolomitisierten Kalk beschränkt ist, daß sie 
dagegen im massigen, echten Dolomit völlig verschwinden. 
Die Auslaugung des Baryts hat also wahrscheinlich gleich- 
zeitig mit der Dolomitisierung stattgefunden oder ist dieser 
unmittelbar voraufgegangen, so daß die Umkristallisation 
des dichten, mikrokristallinen Kalks in den ziemlich grob- 
körnigen Dolomit die PerimoiTphosen im dolomitischen Kalk 
verwischen, im Dolomit beseitigen konnte. 

Zu der Frage, ob der Baryt als ein primärer Gehalt des 
Massenkalks anzusehen ist, und sich in primärer Form be- 
reits zu den nach der Größe der einzelnen Perimorphosen 
recht beträchtlichen Kristallen konzentriert haben kann, lie- 
gen uns aus der jüngsten Zeit durch die Arbeiten Bbr- 
geat's 1*) Beobachtungen an naheliegender Stelle vor. Zu- 
nächst nimmt Bergbat, wie er dies mit einigen Fachge- 
nossen schon lange getan hat^^), zur Bildung des Schwer- 



Schwerspatsandsteine des mitteloligocänen Meeressandes im Jvreise 
Kreuznach. Im Unterschiede zu dem jSIeggen-Borghauser Vorkom- 
men handelt e« sich jedoch bei Kreuznach um grobsandige 
Schichten mit Fossileinschlüssen, welche durch den ausge- 
schiedenen Baryt fest verkittet worden sind. 

Vgl. dazu auch Delkbskamp : Beiträge zur Kenntnis der West- 
ufer des Mainzer Tertiärbeckens. I. Der Kreuznacher mitt^l- 
oligocäne Meeressand und seine Fauna. Verh. Nat. Ver. Kheinl.- 
Westf. 1905. S. 95—134. 

12) Andrbb, K. : a. a. 0. 

13) Behe, f. M. : a. a. O. 
1*) Beegbat, A. : a. a. 0. 

15) Stblznbe-Bbegbat, Die Erzlagerstätten. Leipzig 1904/1906. 



128 



spats der Meg-gener Lagerstätte an, daß diese syngenetischer 
Entstehung, also gleichaltrig mit den devonischen Gesteinen 
sei, welchen sie eingelagert ist. Dies erklärt er so, daß sich 
entweder am Meeresgrunde bariumhaltige Quellen ergossen 
halben, oder der primäre Ba-:Gehalt des Meeres infolge einer 
Ausscheidung durch Schwefelbakterien und Kalkkarbonat 
in Form des frischgebildeten Kalkschlammes sich gerade an 
dieser Stelle zu der gewaltigsten Schwerspatlagerstätte an- 
gereichert habe, welche wir kennen. In eine Diskussion 
über eine solche Art der syngenetischen Entstehung hier 
einzutreten, kann nicht meine Absicht oder Aufgabe sein, 
ich habe jedoch zu untersuchen, ob das Erscheinen des 
Schwerspates in Form von Konkretionen in den Gesteinen 
des Hangenden und Liegenden der Lagerstätte sich mit dem 
Auftreten der Perimorphosen in Borghausen vergleichen 
läßt. 

• Ein Beweisgrund für die Syngenese des Meggener 
Schwerspatlagers findet Bekgeat darin, daß der Massen- 
kalk an dieser Stelle nicht ganz fehlt, aber auf eine wenige 
Meter dicke Schicht über dem Baiyt beschi'änkt ist. Er 
glaubt deshalb die von Henke und anderen vertretene An- 
sicht, daß der Schwerspat eine Metasomatose des Schwefel- 
kieses darstelle, ablehnen zu müssen. Er selbst aber gibt 
an, leider ohne eine Abbildung der beti^effenden Stücke 
und Schliffe mitzuteilen, daß er im hangenden Packen der 
Schwerspatlagerstätte ein "Kalkband beobachtet und unter- 
sucht habe, „welches durch die Schvverspatbildung tief- 
buchtig zerfressen und augenscheinlich verdrängt ist. Der 
Schwerspat dringt in blumigstrahligen Kristallisationen in 
die Ausbuchtung ein"i^). Ob diese Erscheinung eine zu- 
fällige und auf dieses einzige Stück beschränkt ist, vor allem, 
ob sie einige Ähnlichkeit mit den von mir aufgefundenen 
Perimorphosen besitzt, vermag ich wegen des Fehlens "einer 
Abbildung nicht zu entscheiden. Einer weiteren Ei"wähnung 
bedürfen noch die Schwerspatknollen, welche sich nach 
Direktor Grundhoff im liegenden Lenneschiefer, sowie nach 
Henke") auch im hangenden Büdesheimer Schiefer finden. 
Sie stellen nach der Auffassung Beegbats, welcher ihnen 
eine sehi- hohe genetische Bedeutung zuschreibt, syngene- 
tische, sphärolithische Bodenkörper dar, welche sich in dem 
noch w^eichen Tonschiefer gebildet haben sollen, da in 



16) Bebgeat. A. : a. a. 0. N. Jahrb. Seite 45. 

i'^) Bbegeat. A.: a.' a. O. Zeitschr. f. prakt. Geol. S. 244. 



129 



ihnen ,,der Schwerspat mit Tonschiefer innig- darch- 
wachsen" ist.i'-'') 

Ifl welcher Weise lassen sich diese Anschauungen 
Bkkgkats auf die Periniorphosen im Massenkalk von Borg- 
hausen anwenden? Schwierigkeiten ergeben sicli zunächst 
aus der örtlichen Beschränkung ihres Auftretens. Ihre Bil- 
dungsstätte durchsetzt saiger einen nicht unbeträchtlichen 
Teil des unteren Massenkalkes, ohne sich in horizontaler 
Richtung weit nach der Seite auszubreiten. Sicher spieli 
dabei die nachträgliche Dolomitisierung eine nicht unter- 
geordnete Rolle, indem sie seitlich die Periniorphosen zer- 
störte. Auf keinen Fall al>er kann ich nach den Aufschlüssen 
l)ei Borghausen und nach der Beschränkung der Peri- 
niorphosen auf diesen Fimdyunkt annehmon. daß es sich 
um ein V^orkommen von auch nur entfernt ähnlicher Aus- 
dehnung wie die der Meggener Schwerspatlagerstätte han- 
deln kann. 

Die Beschaffenheit des Meeresbodens war jedenfalls an 
dieser Stelle von der der Meggener Lagerstätte durchaus 
verschieden. Für Meggen überwiegen die Ansichten, daß 
es ein tiefes, wenigstens aber bathyales Meer gewesen sei, 
in -welchem der Massenkalk oder der Baryt zum Absatz kam. 
Bei Borghausen beweisen dagegen die zahlreich auftretenden 
Korallenreste, vor allem die mächtigen Stroinatoporenstücke, 
daß der Massenkalk ein di^vonisches Riff darstellt, der 



1'^) Zu der Aufla-ssung- ßEiiaiiATS über die Eutstehuiiy diesi-r 
Si'luvei'.spatknoUen sei mir noch eine autterhalb des Rahmens dieser 
Mitteilung liegende Bemerkung erlaubt. Er gibt au. daß naeli 
Mitteilung von Herrn Direktor GßrNDnoFF, des Icidci- früh 
verstorbenen ausgezeichneten Keiuiers der Lagerstätte, weder im 
Tonschiefer Kangeiiden noch im Liegenden dfM- Meggener Sehwer- 
sj^atlagei-stätte jemals Sphärosidcrite gefunden worden seien, deren 
iiäufiges Vorkommen in den devonischen Schierem an andern Orten 
der Attendorn — Elsper Doppelmulde 'bekannt ist. Er zielt dabei 
auf die von Hexke, Dknckmanx u. a. vertretene Ansicht hin, 
daß der Baryt metasomatisch ein primäres Kieslager verdrängt 
habe. Ich stelle dem entgegen, daß im Lenneschiefer wie im 
Büdesheimer Schiefer gar nicht selten Kalkknollen vorkommen, 
welche ebenfalls sehr tonig sind und "sehr wohl das verdrängte 
primäre Minei'al dei- SchAverspatknollen enthalten konnten. Diese 
können auf diagenetischem Wege im Tonschierci- entstanden sein, 
und auf eine ähnliche authigen-diagenetische oder ehie meta- 
somatische Bildung im beieits verfestigten Tonschiefei- kann meiner 
Meinung nach auch eine Bildung von Baryt aus einem primär nicht 
sehr hohen Ba-Gehalt des Tonschiefers zrirückgefütirl werden, ohne 
daß man das Vorhandensein von Pyritkonkretionen annehmen müßte, 
welche durch den Schwei's]iat verdningt A\orden sein sollten. 

Zeitselir. d. IJ. »iool. (;p.s 1919. '-• 



loO 



Meeresboden au dieser .Stelle wenigstens seicht oder vvenifr 
tief gewesen sein muß. Eine Ba-haltig'e Mineralquelle, 
welche also dort in das Meer, und deren Ba-salze durch die 
Tätigkeit von Schwefelbakterien als Sulfat zum Absatz ge- 
langt wäre, hätte sicherlich innerhalb dieses flachen, viel- 
leicht subtropischen Korallenriffes keine derartige Ver- 
dünnung, wie Beegeatis) dies für Meggen verlangt, er- 
fahren können, daß sich derartige Einzelkristalle oder Kri- 
stallaggregate hätten bilden können, anstatt daß der Schwer- 
spat als ein Überzug der Quellränder oder ein gleichmäßiger 
Niederschlag über dem Meeresboden ausgebreitet hätte. 
Bekgeat19) schreibt dazu: ,,Eine Ausfällung des Baryts 
aus dem Meere in der Form eines Niederschlages Avürde 
auch kaum zu dei" sphärolithischen oder strahligkristallinen 
Ausbildung des Schwerspatgesteins, sondern zu einem fein- 
körnigen Schwerspatgestein von der Form eines fein- 
körnigen Kalksteins geführt haben." 

Gegen eine solche syngenetische Entstehung des 
Schwerspates bei Borghausen mit dem Kalk als Meeres- 
absatz spricht außerdem die Art seiner Verteilung im 
Massenkalke, wenn wir die BEKGEAT'sche Theorie als die 
richtige annehmen w^oUen. Wir haben gesehen, daß die 
Bi-eite der betreffenden Kalkmasse, in welcher die Peri- 
morphosen auftreten, etwa 12 m, die Höhe etwa 8 m be- 
trägt. Den kontinuierlichen submarin-oberflächlichen Ein- 
guß einer bariumhaltigen Mineralquelle und deren Einwir- 
kung auf einen Raum von so wenigen Quadratmetern in 
dem weichen, nachgiebigen und durchlässigen Kalkschlamm 
eines Korallenriffes während einer Zeit, welche die Bil- 
dung einer etwa 10 m dicken Kalkmasse erfordert, anzu- 
nehmen, ohne daß auch seitlich davon bedeutendere Baryt- 
massen zum Absatz gekommen seien, kann ich nicht für 
richtig halten. Ich muß daher die Möglichkeit einer syn- 
genetischen Entstehung des Schwerspates auf diesem Wege, 
solange der Kalkschlamm noch unverfestigt und durch die 
Kristallisationskraft leicht beiseite zu schieben war, als 
unannehmbar ablehnen. Außerdem wären sicherlich dabei 
viel eher kugelig-strahlige oder sphärolitliische Schwerspat- 
knoUen entstanden, welche habituell mit den von Bergeat 
beschriebenen Ähnlichkeit hätten aufweisen müssen. Deren 
Perimorphosen aber hätten bei einer Wegführung des Ba- 



18) Bergeat, .V. : a. a. O. 

19) Bergeat. A.: a. a. O. Zeitschr. f. prakt. Geol. S. 247. 



131 



i-yley von den vorliegenden, dünntat'elig-en bis linsen- 
förmigen völlig verschiedene Hohlraumformen ergeben 
müssen. 

Für die genetische Erkläning der Schwerspatkristalle, 
welche die Perimorphosenbildung veranlaßt haben, stehen 
uns al:>er noch zwei andere Wege offen, und zwar ihre Er- 
klärung als Nebenwirkung von auf Spalten aufsteigenden 
Minerallösungen oder als eine Konzentration des primär 
feinst verteilten Bariumgehalt^ des Massenkalkes auf dia- 
genetischem Wege nach der vollendeten Verfestigxing des- 
selben. 

Eine Erkläining der Genesis von Gangspalten aus bietet 
ebenfalls nicht zu verkennende Schmerigkeiten. Immeilhin 
betrachte ich auch die Möglichkeit nicht als ausgeschlossen, 
daß es sich um Pseudomorphosen von Baryt nach Gips 
handle, wie sie nicht selten anzutreffen sind. Als Gang- 
lösung wäre dann eine Bariunichlorid oder -bikarbonat- 
lösung anzunehmen, welche einen primären Gehalt des 
Kalkes au Gipskristallen auf dem Wege der Pseudo- 
morphosenbildung durch Austausch eines Bestandteils in 
Baryt umgewandelt hätte. An und für sich wäre eine 
Erklärung des Absatzes von Baiyt auch um einen Kri- 
stallisationsmittelpunkt von Schwefelkies denkbar, wenn wir 
an den fein verteilten Pyritgehalt vieler Gesteine, darunter 
auch des Massenkalkes in der Attendorner Mulde denken. 
Dadurch wäre, wie Doss^o) dies für die JNIitwirkung von 
Schwefelbakterien und deren Schvvefelsäureabscheidung bei 
der Entstehung des Meggener Vorkommens annimmt, durch 
die Zersetzung von Eisensulfid-Eisensulfat und aus diesem 
wiedei-um Baryt entstanden. Gleichfalls für eine derartige 
Entstehung sprechen vielleicht die vertikal schnm-förmig- 
vorhandenen kleinen Perimorphosen, welche beiderseitig 
von schmalen Klüftchen angeordnet zu sein scheinen, die 
nachträglich jedoch wieder verheilt und dadurch ver- • 
. sclnvunden sein müssen. -o^*) 



-") Doss, B.: Meluikürit. ein neue^ Eiseü-sulfid, und seine Be- 
deutung für die -Grenesis der Kieslagerstätten. Zeit-^chr. f. pi'akt. 
Geol. 1913. (?) 

-'0^) Analoge Bidlungen liegen vielleicht den Ausla.ssungeu 
von Bentz über Schwei-spatkristalJe im Nebengestein eines Harze)- 
Schwerspatganges zugrunde, über welche er scln'eibt: ..Ver- 
drängungen des Nebengesteins sind im Zechstein zu beobachten. 
An den Gängen im Hummelkopf durchschießen häufig strahlig- 
blumig angeordnete Schwerspatkristalle die dolomitischen Kalke 
der Spaltenwände und bilden sogenannte ..Ahrensteine'". Eine 



132 



Wir sehen in einem solchen Falle eine ähnliche Er- 
scheinung', wie sie die von mir untersuchten Verquarzuug's- 
vorgängc in Verbindung mit der Dolomitisierung- des Massen- 
kalkes darstellen^i). Das seitliche Ausklingen der Einwir- 
kung von Ganglösungen ^vürde in beiden Fällen durch die 
Einwandeiiing einzelner isolierter Kristalle oder Kristall - 
ginippen in relativ weiter Entfernung von der Gangspaltc 
aus in das dichte unveränderte Nebengestein hinein dar- 
gestellt. Daß eine kristallo^aphisch gute Ausbildung von 
Barium- und Strontiuinsulfat in solchen dichten .Gesteinen 
sehr wohl möglich ist, zeigen die I'ntersucliungen von Col- 
lot22)^ FiscHEE23)undRBis2*), ebenso, daß die Wiederauflösung 
derselben ohne wesentliche oder auch nur merkbare Ver- 
ändeining des umgebenden Kalksteines von sich gehen kann. 

In gleicher Weise wie eine epigenetische Entstehung 
des Baryts bei Borghausen durch das Aufsteigen von Mine- 
rallösungen auf Spalten wahrscheinlich sein kann, ist auch 
die epigenetische Bildung desselben auf authigen-diageneti- 
schem Wege nicht; von der Hand zu weisen. Ein Ba-gehalt 
des Massenkalkes bei Borghausen ist zwar in der chemischen 
Analyse nicht festzustellen, von anderen Kalken aus der 
näheren Umgebung liegen leider ebensowenig Analysen mit 
Angaben des Ba-gehaltes der untersuchten Gesteine vor. Es 
ist aber bekannt, daß der oft verschwindend geringe Ba- 
gehalt in der Analyse leicht übersehen, oder als Ba-gehalt 
bestimmt wird, wenn sich die Aufmerksamkeit des Analy- 
tikers nicht ganz besonders darauf richtet-^). Infolgedessen 
können irgend welche Schlüsse aus dem Fehlen von der- 
artigen Angaben nicht gezogen werden. Ebensowenig sind 



Zugehörigkeit derselben zu der großtaieligen, leichtspaltbare ii 
Schwerspatgeneration der vou Bentz beschriebenen Harzer Gang- 
bildungen legen die A'erniutung auf eine Analogie mit dem Borg- 
hauser Vorkommen sehr nahe. 

Bentz: Über Schwerspatlagerstätten im Süd- und ^^'estha^z. 
Zeitschr. f. prakt. Geologie 1914. S. 285. 

-1) Behr, f. M. : a. a. O. 

--) Co'LLOT, L. : Diffiision du baryum et du Strontium dans les 
tcrrains sedimentaires : epigenies, druses d'apparence organique. 
Oompt. Rend. de l'Acad. d. Sc. Paris 1905. T. 141. 

-3) Fischek: Beitrag zur Kenntnis der unteilränkischeii Trias- 
gesteine. Geognost. Jahresh. 21. 1908. 

-^} Reis, O. M. : Beobachtungen über Schichtenfolge und 
Gesteinsausbildungen in der fränkischen Trias. I. Muschelkalk 
und untere Lettenkohle, 2. Teil. Geognost. Jaliresh. 22. 1909. 

^^) Engelbach : Zur N;ich Weisung des Baryts und Strontians 
in Kalksteinen. Likbtgs Annalen der Chemie u. Pharmazie 
Bd. 123; 18ß2. 



i 0'> 
LOO 



bisher die Einzelpliasen der diagenetisclien Veränderung dct^ 
Mineralg-ehaltes und der chemischen Zusammensetzung der 
einzelnen Sedimente genau bekannt. Als sicher muß da- 
gegen gelten, daß bei einer authigen-diagenetischen stoff- 
lichen Konzentration in festen, dichten Gesteinen sehr wohl 
EinzelkristaUe, Kristallbündel oder Rosetten mit recht guter 
kristallographischer Begrenzung und. von beträclitlicher 
Größe entstehen können. Das bekannteste Beispiel dafür 
ist Gips und Cölestin in manchen Vorkommen-'^). Die kiistal- 
lographisch gute Ausbildung des Barytes der Perimorphosen 
würde also nicht gegen eine solche Erklärung auf diagene- 
tischem Wege sprechen. Auf einen Bariumgehalt des 
Massenkalkes glaube ich außerdem aus den Feststellungen 
Kkusch's^') und ando'cr schließen zu dürfen, nach welchen 
die Neubildungen von Baryt in westfälischen Spalten- und 
Gi-ubenwässern einer deszendenten Wanderung des Schwer- 
spates aus alten, der Trias, dem Perm und dem Karbon, 
vielleicht auch dem Devon angehörenden Gesteinen beruhen 
soll. Und ist auch ein Niedersinken der schweren Ba- 
lösungen des devonischen Massenkalkmeeres zu den tieferen 
Bildungsorten des Meggener Vorkommens von dem Riffe bei 
Borghausen aus anzunehmen, — wenn ein solcher Ba-gehalt, 
aus einer untermeerischen oder küstennahen Mineralquelle 
stammend, überhaupt im devonischen Massenkalkmeere an 
dieser Stelle vorhanden war — , so müssen doch auch die 
aus flacherem Wasser stanmienden Sedilmenfce einen ge- 
ringen Ba-gehalt besessen haben, welcher, war er auch noch 
so gering, zur Bildung der den Perimorphosen zugiainide 
liegenden Schwerspattäfelchen hätte ausreichen müssen. Wie 
BekCtEAt28) aber angibt, ist eine solche Eintiefung bei 
Meggen durchaus nicht bewiesen, wodurch das Vorhanden- 
sein eines primären Ba-gehaltes in den übrigen Sedimenten 
des Massenkalkmeeres nur umso wahrscheinlicher wird. 

Ich komme daher zu dem Schluß, daß die Bildung der 
vorliegenden Barytperimorphosen mit großer Wahrschein- 
lichkeit auf metasomatischem oder autliigen- diagenetischem 
Wege als eine spätere Umwandlung des Kalkes in bezug auf 
.seine chemische Zusammensetzung erfolgt ist. Ein Vergleich 
mit der in der Luftlinie kaum 6 km davon entfernten Meg- 



-•') Andkee, K. : a. a. 0. 

-') Kkuscii, P. : Die Zusaium(*usetzHn<;- der wesüabschen 
.Spalte II Wässer und ihre Beziehung zur rrvAmten Schwevspalliil- 
dung. Diese Zeitschr. Monatsber. 1904. 

-*') Brrgeat, A. : a. a. O. 



134 



geiier »Schwerspatlagerstätte läßt uns erkennen, daß es sich 
mit eiiiig-er Wahrscheinlichkeit um eine der Schwerspat- 
knollenbildung- im Liegenden derselben analoge Erscheinung 
handelt, daß diese daher ebenfalls metasomatisch od^i- 
diagenetisch entstanden sein können, mit der Unter- 
scheidung, daß im Kalk eine Kristallausbildung des 
Barytes möglich war, im dichten Tonschiefer liiergegen 
eine sphärolithiscli-kristalline Ausbildung erfolgt ist. Eine 
Beziehung der Perimoii)hosen zur Lagerstätte selbst wäre 
dagegen nur in der Annahme festzustellen, daß der primäre 
Ba-gehalt des Kalksteines dem Devonraeere entstammt, aus 
welchem nach den neuen Untersuchungen von Bergeat^»), 
Doss3o) und anderen die Meggener Lagerstätte gebildet wor- 
den sein soll, ohne dagegen einen Schluß auf die Art und 
Weise der dort vor sich gegangenen Prozesse, auf die 
Wechselwirkung der Lösungen oder die Möglichkeit von 
deren Ableitung zu gestatten. 

Nach s (• h r i f t. 

Köln, 1. Deezmber 1919. 
Über fünf lange Jahre sind seit der Niederschrift voi'- 
stehender Mitteilung vergangen. Wandlungen in An.schau- 
ungen und Hypothesen sind nicht ausgeblieben. Inwiefern 
sie die oben angeführten Gedanken berühren, wird sich 
noch zeigen müssen. Ihnen Rechnung zu tragen, wird der 
Zukunft vorbehalten bleiben müssem. 



29) Bergeat, A. : a. a. 0. 
•■"') Doss. B.: a. a. O. 

[^Manuskript eing-egaiigeii am 5. Dezembei- 19 IS. 



135 



7. Die morphologische Bedeutung 
der Grundwasseraustritte. 

Von Herrn Th. Wegner, Münster i. Westf. 
(Hierzu Tafel \' und 4 Textfiguren.) 

Über die morphologische Bedeutung- der Grundwasser- 
austritte ist bisher nichts bekannt geworden. Als Grund- 
wasseraustritte bezeichne ich alle Stellen, an denen Grund- 
wasser aus Gestein hervortritt. Stellen mit aussickerndem, 
nicht fließendem Grundwasser werden Flächenaustritt« 
genannt. Quellen sind alle fließenden Grundwasseraustritte. 

I. Beobachtungen in Westfalen au künstlich hervor- 
gerufenen Grundwasseraustritten. 

1. An frisch ausgeworfenen D r ai n age gr ä b en im 
Kreide- und Geschiebemergel des Münsterschen Plateaus be- 
obachtete ich vielerorts folgendes: Die oberen 20 — 30 cm 
des lehmig \-erwitterten Mergels führen schAvaches Grund- 
wasser, der darunterliegende wenig verwitterte Lehm oder 
Mergel bildet den Wasserstauer. Tritt im Sommer bei 
niedrigem Stand des Wassers im Drainagegraben das Grund- 
wasser in und vor allem über dem Wasserspiegel des Grabens 
aus der Grabenwand hervor, so bilden sich, besonders nach 
dem ersten ergiebigeren Regen, in dieser langgezogene 
Unterhöhlungen von wenigen Zentimetern Höhe, 10 — 20 cm 
Länge und mehrei'en Zentimetern Tiefe. Hin und wieder 
beobachtete ich auch mehrere Dezimeter tiefe Unter- 
minierungen bis zu etwa i'^ ni Länge. Diese ünterminierun- 
gen können nur dadurch hervorgerufen sein, daß das aus- 
tretende Grundwasser Bodenteilchen mit sich reißt. Wird 
der über den größeren Unterminierungen liegende Lehm 
durch Pflanzen wurzeln nicht genügend zusammengehalten, 
so bricht die Decke unter Bildung einer oberflächlichen 
Delle am Grabenrand zusammen oder wandert als kleiner 
Erdschlipf — eine Nische oder kurze Stufe bildend — in 
den Graben hinein. 

2. Gräbt man eine Grube in einen feinporigen Grund- 
wasserträger (z. B. ton igen Sand) bis unter den Grund- 
wasserspiegel, so beobachtet man meistens, daß das Grund- 



136 



was8cr nicht überall gieichrricäßig- aus den Wanflungen 
hervortritt. Das Grundwasser ,,sciiwitzt " zwar überall iu\ 
den Wandungen aus., tritt aber meistens an einigen Sfellen 
besonders stai'k zutage. Hier wandern alsdann Bodenteilchen 
mit dem abfließenden Grundwasser in die Grube und rufen 
nischen- oder kanalartige Unterminierungen derselben Art 
hervor, wie sie oben beschrieben sind. Dieses Verhalten kann 
nur auf ungleiche Durchlässigkeit des Materials zurück- 
geführt werden. Von mir vorgenommene Nachgrabungen 
bei Herne i. Westf. zeigten wiederholt, daß keine Anhalts- 
punkte dafür vorliegen, daß dieses ungleiche Verhalten auf 
ungleicher, ursprünglicher Sedimentation beruhen kann. Auch 
an verschlämmte Maulwurfsgänge, Wurzelkanäle usw. kann 
man nicht denken, das Material der Austrittsstellen unter- 
scheidet sich in seiner Art und Stiiiktur, soweit sich das 
njakroskopisch beurteilen läßt, in nichts von der standfesteren 
T'mgebung. Nach allen Beobachtungen kann ich die Er- 
scheinung nur so deuten, daß sich infolge der Bewegung- 
des Grundwassers die feinere, tonige Ausfüilungsmasse 
zwischen den größeren Körnern bereits vorher verlagert 
hat, und so kanalartige Pallien größerer Porosität geschaffen 
sind, in denen eine schnellere Bewegung des Grundwassers 
stattfindet. Über die Form und den Zusammenhang konnte 
ich mir kein Bild machen. 

3. Daß bei dei' Absenkiuig des Grundwasserspiegels 
vom abfließenden Grundwasser Bodenteilchen mitgeschleppt 
werden, ist bei P u m p v e r s u c h e n vielfach festzustellen. 
Wenn auch ein Teil der bei den Pumpversuchen auftretenden 
Tiübung zunächst auf die Vei'schmutzung der Bohrrohre 
zurückzuführen ist, so ist doch vielfach diese Entstehungs- 
ursache der Trübe ausgeschlossen, sie kann mir auf einem 
Abfließen von Bodenteilchen aus der Umgebung zum Brunnen 
beruhen. 

Von einer periodischen Quelltrübung kann man jedoch 
nicht auf die gleiche Ursache schließen. Die trübenden 
Substanzen werden wohl meistens nach heftigen Regen- 
güssen aus den bedeckenden Alhuionen losgerissen und 
durch Klüfte zu den Quellen gelangen. Immerhin ist auch 
diese Art der Denudation durch das Grundwasser be- 
achtenswert. Es scheint mir aber, daß man positive Unter- 
lagen für die subterrane Verlagerung l)zw. den Abtransport 
durch systt^iiiatisohe T^ntersuchnngen an (Quellen erlialten 
köimle. 



137 



4. Im Soimuer 1916 stellte ich folgende Erscheinungen 
fest: Beim Block Sythen der Bahnstrecke Haltern — Reek- 
linghausen werden weiße Sande des Untersenonsi) von 
unteren, diskordant gelagerten Diluvialsanden, einem lyoin 
mächtigen Geschiebemergel und diluvialen Sanden über- 
lagrert. Ein schwacher Grundwasserhorizont liegt über dem 
Geschiebemergel. Vielfach sind über ihm im Sand kleine 
kanalartige ünterminierungen in derselben Art zu be- 
obachten, wie sie weiter unten von ostgalizischen Quellen 
beschrieben werden. Der Hauptgrundwasserhorizont liegt 
etwa 5 m unter Oberfläche in den Kreidesanden, er geht 
in das Wasser des östlich fließenden Heubachs über. Un- 
mittelbar westlich vom Sythener Block befindet sich ein 

Sohle der Grube ^ 





Dienst wohnarig fi 



ÖQhnkörper 



^S(.'ntil!nvrU> 



Fip. 1. Skizze der Sandgrube der Rheini.';ch-^^'estfälischen Saiid- 
werke am Block zwischen Sythen und Dülmen. Die gestrichelten 
Linien geben die Lage der Halbhühle in der Grubenwand und der 
davon au.sgehcnden Kanäle. Die gesti'iciielten Kreise und Ellipsen 
zeieen die Lage der am 11. November 191.5 entstandenen i*'rdfälle 



großer Aulschiul.) dei- Rheinischen Sandwerke, in dem in 
erster Linie weiße Kreidesande für Glasfabrikation ge- 
wonnen werden. Der Tongehalt des Sandes, der durch 
Waschen beseitigt wurde, bedingt eine geringe Verfestigimg, 
die sehr steile bis nahezu senkrechte Abstürze der Gruben- 
wände zur Folge hatte. Der Betrieb der Grube wurde in- 
folge des Krieges Anfang' November 1915 eingestellt. Die 
Gcwinnuni;' ging in der Weise vor sich, daß der Grund- 



i) Sande der ,,Zone der Scaphites binodosus iu der sandigen 
Halterner Fazie.'^." Vgl. Wegner : Zur Faziesbildung des westf . 
Untersenons. Diese Zeitschr. 1910. Munälshcr. S. 387 



138 



Wasserspiegel (lauernd durcli Puniparbeit um etwa (j m 
abgesenkt gehalten wurde. Dabei trat das Wasser unten 
aus den Wandungen der Grube von der Seite her aus. An 
der Ostwand der Grube hatte sich an einem derartigen 
stärkeren Quellaustritt eine Halbhöhle in dem Kreidesand, 
gebildet, die nach dier Aussage von Arbeitern und des 
Betriebsführers etwa 4 m Höhe und 6 m Tiefe hatte.- Die 
Sohle der Höhle lag in der Fortsetzung der Grubensohle 
und stieg nach hinten zv schwach au. Die Halbhöhle lief dann 
nach hinten in drei Kanäle aus, aus denen Wasser nicht 
melir festzustellender Stärke hervorkamen. Nach einer Aus- 
sage konnte n)an sich in diesen Kanälen meist nur in 
gebückter Haltung bewegen, doch waren in ihnen mehrere 
übermannshohe Erweiterungen^) vorhanden. Am 11. No- 
vember 1915 brachen diese Kanäle zusammen. Über der 
großen Halbhöhle bildete sich eine breite, stark abschüssige 
Senke, über dem weiteren Verlauf der Kanäle wurde eine 
Anzahl trichterförmiger Bodensenkungen hervorgerufen. Der 
größte Erdfall hatte bei einem Durchmesser von über 10 m 
nahezu 5 m Tiefe. Die Lage der Erdfälle und vor allem 
die von der Eisenbahndirektion Münster vorgenommenen 
Nachgrabungen ergaben, daß die drei von der Grubensohle 
ausgehenden Kanäle sich mindestens 50 m weit ostwärts 
erstreckten, und daß einer von ihnen in dieser Entfernung 
noch eine Breite von 2,5 m und eine Höhe von 3,25 m 
besaß. Die Sohle der Kanäle stieg von der Grubensohle 
aus bis zu den 50 m entfernten Erdfällen auf etwa 3 m 
an, eine Erscheinung, die auf die .\l)senkungskurve des 
Grundwassers zurückzuführen ist. 

An den übrigen Wandungen waren mehrere Höhlungen 
kleineren Ausmaßes gleicher Art und Entstehung vorhanden. 
über deren Größe aber leider nichts mehr in Erfahi-uni:" 
gebracht werden konnte. 

Die vorstehend angeführten Beobachtungen an künstlidi 
hervorgerufenen Grundwasseraustritten gaben mir Vev- 
anlassung, die Vorgänge zu beobachten, die durch, natürliche 
Grundwasseraustritte hervorgerufen werden. Es ist aber 
von vornherein zu erwarten, daß sich heute diese Folgen 
natürlicher Grundwasseraustritte infolge des langen Be- 



-) Es erscheint mir wahrsclieiulich, daß diese bedeuteaden 
Erweiterungen der Kanäle im Bereich der Geleise durch die 
Erschüttenjng des Bodens infolge des legen Zugverkehrs ver- 
ursacht wurden (vgl. Höhlenbildung in Sanden durch Grundvrasser- 
sVnkuns). Zeitschrift für prakt. Geologie. 1917. S. 26. 



139 



Stehens nicht mehr in derselben Stärke wie bei den seiner- 
zeit hervorgerufenen zeigen können. 

Fasse ich die vorstehenden Beobachtungen zusammen, 
so ergibt sich folgendes : Bei künstlich hervor- 
gerufenen Grund Wasseraustritten werden 
d u 1- c h (las a u s t r I' l e n d e G r u n d w a s s e r 
B o d e n t e i 1 c h e n aus dem angeschnittenen 
G r u n d w a s s e r h r i z n t mechanisch her a u s - 
gedrückt, es bilden sich mit der Stärke 
des Austritts in ihrer Größe schwankende. 




Querschnitt ur 

Ho/ien/age ates nortt! 
Xana/s unmiiteliar'< 



festem treiSer- Sand 
c/cr 
/freiere forma tion 



Fiff. 



Queischuitt des großen Erdfalles am Stellwerk und des 
östlich sich weiterziehenden Kanals. 



k a n a 1 a r t i g e U n t e r m i n i e r u n g e n , die schließ- 
lich zusammenbrechen und zur Bildung 
von Stufen durch Abwandern der Schollen 
führen. Nach den Beobachtungen ist fer- 
ner eine subterrane Verlagerung von Boden- 
teilchen durch die unterirdisch fließenden 
Wasser und ein Abtransport an der Austritts- 
stelle vorhanden. 



II. Beobachtungen an Tertiärquelleu in Ostgalizien. 

Der Sockel des ostgalizisch-podolischen Plateaus wird 
im Westen von fast horizontal gelagerter Kreide, im Osten 



. 140 

von flachIief>(Mideiii, durchweg- sandigem Devon und weitei'- 
hin von tonigem Silur mit eingeschalteten Kalksteinbänken 
gebildet. Diesem Sockel liegt überall Tertiär in seh)- 
wechselnder Fazies und diesem Löß in stark schwankender 
Mächtigkeit auf. Der Grundwasserhorizont der durchwe.i,^ 
gleichmäßig klüftigen Kreide geht entweder in das Grund- 
wasser der Talaue über oder tritt bei Undurchlässigkeit 
der AUuvionen am Eand derselben oder durch diese in der 
Talaue selbst in Quellen aus. Selten ist durch tonige 
Zwischenlagen ein lokaler höherer Horizont in der Kreide 
vorhanden (Rücken östlich der Narajowka bei Lipica dolna 
und Lipica gorna). Im Devon ist häufiger über tonigen 
Einschaltungen, im Silur selten in stärkeren Kalkstein- 
packen Grundwasser vorhanden. Dagegen findet sich stets ein 
bei genügendem Hinterland kräftig ausgesprochener Grund- 
wasserhorizont an der Basis des Tertiärs, der in den Tälern 
je nach der ISTeigung der Grundgebirgsoberkante einen 
mehr oder weniger starken Quellhorizont bildet. Ein oberer 
schwächerer Grundwasserhorizont liegt im Löß infolge tonig 
verwitterten oder tonig entwickelten Tertiärs oder infolge 
einer grünen, diluvialen Tonlage, über deren Entstehung 
ich keine Klarheit erhalten konnte. Ln Karpathenvorland 
auf den langen Rücken zwischen den zum Dniester in 
Südnordrichtung strömenden Flüssen und Bächen ist der 
obere Grundwasser horizont sehr kräftig entwickelt, indem 
sich zwischen Löß und tonig entwickeltem Miocän eine 
mehrere Meter mächtige Schotterlage einschaltet. In den 
alluvialen und diluvialen Ablagerungen der Täler treten 
weitere Grundwasserhorizonte hinzu. 

1 . Beobachtungen an T e r t i ä r q u e 1 1 e n bei 
Czortkow (O s tg ali zi e n). 

l)er Schichtenaufbau ist folgender: (Abbildung neben- 
stehend.) 

Ein schwachej" oberer Grundwasserhorizont befindet sich 
an der Basis des Löß, bald über einer tonig verwitterten 
Tertiäroberkante, bald über einem grünen Ton, der nach 
Skajnocha-^) Limnaea peregrina Müll., Succinea oblonga 
Drap, und Planorbis albus Müll, enthält. Ein zweiter 
recht bedeutender Grundwasserhorizont mit vielfach sehr 
markant ausgesprochener Quellenlinie liegt an der Basis 
des Tertiärs bald über tonigen, bald über alphibitischen 



•0 Führer Kxr. tut. Geol.-Koiii;)-., Wien. Nr. III b. S. 1. 



141 



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7,sm f>3/d fest^^ , Ö3/e^ 



Ssnds^e/'n fr>jr ^/sfrorc/snfer ^^r^//e/s^rt/A'^ar 



' 7.-/ S^ncf, z. T. fein 



53n€/^/e/n /n/> s^&rfr unregif//n&^,s^ge 



Y&/.s^er Sonc/ ^ m/^e/^orotg . -r/ jAsm^/esf. 



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A^/k ic'in</s^ 



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'/Qer. fester Tor) 



S/'/ar 
i^fe/f&c^e *yec/>se//^gen i'on ^^orn'/eg entfern Ton^c^fe/er /t?//- c/i/nncr. 
/fs/^äSnAen o /<o/A//nsen . 



Fiä 



Schichtenfolge des Hansres CzortkoAv-\\'ygiiaiilvy. 



142 



Basisablagerungen desselben, bald unter Fehlen derselben 
über tonig verwittertem Silur. 

Die Quellen entströmen bald mehr, bald weniger gut 
ausgebildeten Quellnischen, die Wannenform besitzen. Ich 
fand sie dort überall typisch ausgebildet, wo die Ergiebig- 
keit der Quelle 1/4 Sekundenliter überstieg. Wie bei einer 
Wanne ragt die Rückwand steil auf, während sich die Seiten- 
wandungen nach vorn mehr und mehr senken und ver- 
flachen. Das Innere der Wannen ist wellig, hin und wieder 
von einigen Blöcken von abgerutschtem, über den Sauden 
liegendem, festem Algenkalkstein unterbrochen. In flacher 
Einne nimmt hierdurch der Quellabfluß seinen Weg. In 
der Mitte der rückwärtigen Steilwand ist meistens ein breiter, 
aber kurzer, oben geschlossener. Kanal von 20 — 30 cm Tiefe 
zu beobachten, aus dem die Quelle hervortritt. Auf dem 
Grund dei'selben liegen im Quellabfluß vielfach bis taubenei- 
große Gerolle und Grobsand, während Feinsande und tonige 
Materialien fehlen. Die Vegetationsfreiheit oder -arnnit der 
Rückwände der Nischen zeigt, daß ihre Bildung jungen 
Datums ist. Hin und wieder beobachtete ich, daß Risse 
parallel zur hinteren Steilwand vor allem über dem 
Kanal das obere Gehänge durchsetzten, die den weiteren 
Abbruch und das Rückwärtsschreiten dei' Erosion vor- 
"bereiten. Durch die an solchen Rissen sowohl von rückwärts, 
.als auch seitwärts in die Wanne hineinwandernden Schollen 
wird die wellige Oberfläche derselben hervorgerufen, die 
von dem Quellabfluß beseitigt wird. 

Neben den Quellen sind Flächenaustritte sehr zahlreich, 
von denen die in ihnen und in ihrer Umgebung liegenden 
Rasendecken durchfeuchtet werden, die infolgedessen, wie 
die schiefgestellte Vegetation erkennen läßt, langsam hang- 
abwärts wandern. 

An dem steilwandigen Serethufer bei Czortkow zeigen 
sich weiterhin an mehreren Stellen unterhalb des Dorfes 
Wygnanka Erscheinungen, die nur als Folgen dieser sub- 
terran rückschreitenden Erosion des Gnmdwassers bezeichnet 
werden können. Große Schollen Sand und Lithothanmienkalk 
sind aus dem Hangenden des Grund wasserführers abge- 
brochen und hängen bald am tieferen Hang (Taf. V, Fig. 2), 
bald sind sie bis in die Talaue abwärts gewandert. Quellen 
finden sich an diesen Stellen nicht mehr im Niveau des 
tertiären Quellhorizonts, sie gehen durch die Schuttmassen 
entweder in das GrundAvasser der Talaue über oder treten 
.am unteren Ende der Schuttniassen hervor. 



iu 



Die hier zu beobaclitenden Erscheinungen gehen am 
besten aus den beigegebenen Photographien und aus den 
unter diesen gebrachten Erläuterunjgen hervor. Meine Be- 
obachtungen lassen folgende Schlüsse zu: 

Die Quellaustritte schaffen Material aus dem Gnmd- 
wasserhorizont, sie bilden vor allem einen mehr oder weniger' 
tiefen, subterranen Abflußkanal, der einbricht und rückwärts 
wandert und so durch subterrane .Erosion unter Mitwirkung 
des offenen Quellabflusses zur Bildung einer Quellnische 
führt. Durch die weitere Rückverlegung der Nische wird 
das Gehänge unterg-raben, so daß Bergrutsche die Folge sind. 

Unterhalb Wygnanka (Czortkow) treten die Quellen dicht 
nebeneinander aus. Ihr Austritt ist durch eine Stufe gekenn- 
zeichnet, in der die Quellnischen liegen. Die Bildung dieser 
Stufe ist im wesentlichen auf die Tätigkeit der Quellaustrittß 
zurückzuführen, wenn auch der Erosion des aufschlagenden 
Regens dabei w^eiterhin eine Bedeutung zukommt. Bei der 
Ausbildung der Stufen wird das seitliche Wandern der Quell- 
austritte eine Rolle spielen. Daß ein solches vorliegt, ist 
bei den nicht selten schief gestellten Kanälen selbstverständ- 
lich. Ein seitliches Wandern kann sodann dadurch bedingt 
sein, daß alte Quellaustritte durch niederbrechende Schollen 
verstopft werden und neue daneben sich bilden. 

Während am Ostufer des Sereth bei Czortkow zahl- 
reiche kleine Quellen dicht nebeneinander liegen, sind auf 
der gegenüberliegenden Talseite die Quellen spärlich, aber 
weit wasserreicher. Die größten und nahezu einzigen Quellen 
der westlichen Talwand bei Czortkow sind durch drei Quell - 
kammern der Stadt Czortkow bzw. des Wunderrabbis gefaßt. 

Der hier sehr deutlich diagonal geschichtete Sand des 
voi-steliend gegebenen Profils ist durch kohlensauren Kalk 
KU einem sehr mürben, aber recht standfesten Sandstein 
in seiner ganzen Mächtigkeit verkittet. Auf ihn legt sich 
in klotzigen Bänken ein zäher Algenkalkstein. Ein durch- 
gehendes Profil konnte mangels Aufschlüsse nicht gemessen 
werden. Czortkow liegt auf einer vom Sereth umfaßten 
Schlinge, die, von zwei bis drei T.errassenresten unter- 
brochen, langsam zum Plateau ansteigt. Über der oberen, 
v^on Löß bedeckten Terrasse hebt sich das Tertiär mit 
deutlicher Steilkante ab und bildet das von Löß bedeckte 
Plateau, das sich zur Stry])a hinzieht. Seitlich der Schleife 
schneiden zwei kleine Täler in den Plateam-and ein. In 
dem nördlichen liegt nahe der Kavalleriekaserne das kleinere 
Wasserwerk der Stadt Czortkow. in einer Alvzwcigung des 



144 



südlichen die (^ueilfassung- des E,al)l)iiials. Die lelztcre lie^i 
in einem amphitheatralisch ausgebildeten Talanfanfi-, dessen 
Wandungen von dem diskordant gelagerten Sand gebildet 
werden. Da das Haupttal die Weisser des unmittelbaren 
Hinterlandes abfängt, erscheint es ganz ausgeschlossen, daß 
das Seitental der Rabbinatsquelle von Oberflächenwasser 
gebildet wurde. 

Auch an der Bildung des nördlichen Tälchens ist m. E. 
die Quelle neben der Wirkung des oberflächlich tätigen Quell- 
abflusses und der Niederschläge infolge subterraner Erosion 
beteiligt. Zu weiteren Untersuchungen in dieser Richtung 
an Ort und Stelle fehlte mir leider die Zeit. Seitentalbildung- 
durch su1)terrane Quellerosion scheint mir vor allem dann 
möglich, wenn der Quellaustritt eine konstante Lag'e behält. 

2. B e b a (■ h t u n g e n an D i 1 u v i a 1 q u e 1 1 e n des 
s t g a 1 i z i 8 c h e n K a r p a t h e n v o r 1 a n d e s. 

Den folgenden Ausführungen liegen Beobachtungen 
zwischen Stanislau und Halicz-Kaluß zugrunde. 

Der Aufbau des hier untersuchten Gebiets ergibt si<:;h 
aus den folürenden Querschnitten (Fig. 4).'') (Abbildung neben- 
stehend.) 

Der Grundwasserhorizont liegt im Karpathenschotter, 
bzw. dort, wo dieser fehlt, an der Basis des Löß. Die nach- 
stehenden Erscheinungen zeigen sich vor allem dort, wo 
die Karpathenschotter über weites Gebiet ausgedehnt be- 
deutendes Grundwasser führen. Sie sind sehr gut am öst- 
lichen Steilufer der Lukawiec entwickelt. Die Quellen treten 
in hohen, steilwandigen Nischen aus, deren Rückwand von 
dem von Löß überlagerten diluvialen Schotter gebildet wird. 
Bald sind die Nischen isoliert, bald verfließen mehrere zu 
einem großen Amphitheater. 

Die wenigstens im Frühjahr sehr starken (^)uellen 
kommen nahezu stets aus engen Kanälen im Geröll hervor. In 
einem Fall konnte ich eine Tiefe von über 1 m messen, seine 
weitere Länge "war aber infolge einer Krümmung nicht 
feststellbar. Eine Nachgrabung an einem Quellaustritt zeigte, 
daß in der Richtung des ausfließenden Grundwassers,, die 
zwischen den Gerollen festgestellte tonig-grobsandige Aus- 
füllungsmasse nicht mehr vorhanden war. 



*) Durch einen Irrtum des Zeichners ist statt T;öß in dvAi 
Profilen Ton s^esetzt. 



Zeitschr. d Deutsch. Geol. Ges. 1919. 



Tafel V. 




Fig. 1. Blick auf die Tertia rquellzone an der 
Steilwand Czortkow-Wygnanka. 
Im Vordergrunde der linken Bildhälfte sind 5 Quellabflußrinnen 
sichtbar, die nach oben zu in Quellnischen münden. Das Wandern 
des Bodens im Bereich einer Quellnische zeigen die schiefgestellten 
Weiden der ersten Nische. Im Hintergrund links fehlen im Aus- 
gehenden der Tertiärbasis die Quellen. Starke Abrutsche des 
Hangenden sind hier sichtbar (vgl. folg. Abbild.). Die Quellen 
treten dort erst am Fuße der abgerutschten Massen aus. 




Fig. 2. Rutschungen am Steilhang Czortkow- 
Wygnanka. 
Die Quellen fehlen im Ausgehenden des Tertiärs, sie sind über- 
lagert von im Quellhorizont abgerutschten Tertiärmassen (scharfer 
Absatz in der Mitte des Bildes). Links das Tal des Sereth. 



145 



Uer aus Schotter und I.öß aufgebauten Steilwand ist 
l)ei Majdan, südlich der (.'haussee Stanishiu — Kaluß, eine 
aus tertiärem Salzton gebildete Stufe terrassenartig vorge- 
lagert. Von der Steilwand abgebrochene Schollen bedecken 
diese Terrasse mit zahllosen, bald mehr, 'nald weniger großen 
Huckeln, zwischen denen hindurch die hin und wiedei- ym 

Pro/// c9. 



ron 



Grund^vasser 



H.3£pai/27ensc/>of^r_ _'_ 



.Ss/ziß/T 



Fror// ö 



Ton 



Kärpa/^en^cfyü/fe/s 



Gruncf^yssser ~ 



KS3fT/-On' 



Pro/// c 




Fig. 4. Querschnitte, durch die liacheln bei Majdan östlich 
der Lukawiec. 

l"üini)eln aufgestauten Quellabflüsse ihren Weg nehmen. Daß 
diese Schollenwanderungen auch heute noch stark im C lange 
sind, zeigen sehiefstehende Buclu-n von etwa zwei bis sechs 
Jahren Alter. Die Erscheinungen zeigen auch hier wiederum 
deutlich, daß die Quellen den Steilhang unterminieren und 
zum ZusammeidH'uch bringen, und daß tlie von ihm ge- 
lösten Schollen auf der von iV^w Quellabflüssen geti'änkten 
Tonschicht talabwärts wandern, l.eider Avar es mir in dem 

Zcilschr. il. r». (ieul. des. 1010. 10 



146 



dichten Bestand nicht niög'hc;h, diese intei'essanten Er- 
scheinungen im Bilde festzuhalten. 

Das Profil durch das Tal der Lulcavviec unterscheidet 
sich von dem in Fig. 4 c gegebenen dadurch, daß die 
Lukavviec in den Salzton breit und wenig tief einge- 
schnitten ist. 

Dieser Einfluß des Grundwassers auf die Form dei 
Talung zeigt sich auch vor allem deutlich in den Kacheln, 
die südlich Majdan zur Höhe des Rückens zwischen Luka- 
wiec und Pawelcebach führen. Das Profil des Rückens 
bleibt das oben angegebene: unter Löß von 2 — 5 m Mäch- 
tigkeit liegt eine Schotterbank, die von dem miocänen Salzten 
unterlagert wird. Die Racheln sind zunächst im Löß 
flach und breit eingeschnitten, der mit 2 — ^3 m hohen, steilen 
Wandungen zu einem 10 — ^20 m breiten, ebenen Tälchen 
abfällt, in dem das Oberfiächenwasser sich In. schmaler Rinne 
durchwindet (Fig. 4 a). Dort, wo im oberen Tal des Rückens 
das Tal im Löß und später in der Schotterbank eingeschnitten 
ist, bleibt dieser Talquerschnitt. Das Wasser verschwindet 
aber bei normalem W^asserstand vollständig dort, wo die 
Sohle von dem angeschnittenen Karpathenschotter gebildet 
wird (Fig. 4a.). Es kommt erst dort wieder zum Vorschein, wo in 
weiterem Verlauf das Tal den liegenden Salzton anschneidet. 
Von diesem Punkt abwärts verändert sich dann plötzlich 
der Talquerschnitt in ganz auffallender Art. Der Bach selbst 
.schneidet sich V l'^i'inig im Salzton ein. Die Tonoberkante 
bildet eine deutliche Terrasse, die hin und wieder durch 
von der oberen Steilwand losgelöste Schollen bucklig wird, 
und deren Rand von den Queilabflüssen zersägt ist (Fig. 4c). 
Auch hier ist, ebenso wie im Haupttal, zweifelsfrei zu 
beobachten, daß die Ausbildung des terrassenartigen Bandes 
imd damit die Talverbreiterung eine Folge der aus dem 
Schotter austretenden Quellen und der Flächenaustritte ist. 

3. A^' e i t e r e B e o 1) a c h t u n g e n i n v e r s c h i e d e n e n 
Gebieten. 

a) Bei Czazow. westlich B u r z t y n (Ostgal.), 
wird die w^eite Talung von Löß und Lö,Blehm gebildet, 
unter denen ein grüner ,,Ton" den Wasserstauer bildet. 
Der den Ort durchfließende Bach ist bis in den Wasser- 
stauer eingeschnitten, so daß bei normalem Wasserstand 
das Grundwasser aus dem Löß über Bachniveau austritt. 
An zahlreichen Flächenaustritten und kleinen Quellen ist 



U7 



zu l)eobacliten, daß sich an der Grenze Ton — Löl.) eiue Stufe 
in der Bachwandung herausbildet. 

Dieselbe Erscheinung auf gleicher Grundlage beobachtet'' 
ich an dem Bach unterhidl) des Dorfes Po<lkaniien (■)stlicli 
Rohatyn (Ostgalizien). 

b) Bei ßuda, \v e s l I i c li ßohatyn, Iritt am 
nördlichsten Hause des Ortes ein kleiner Zufluß von Westen 
in das Tal der Gnila Lipa. Die vom Zufluß gebildete 
Rachel ist oben breit [j-förmig im Löß eingeschnitten. In 
ganz auffallender Weise ändert sich dieses Bild dort, wo 
die Rachel die ausstreichenden Tertiärschichten schneidet. 
An Stelle der flachen Lößrinne senkt sich an diesem Schnitt- 
punkt plötzlich das Bett in breitem Amphitheater ein, um 
wieder zu einer schmaleji Rinne mit steiler Wandung zu 
werden, dort, wo <^las Bett kurz unterhalb von den 
klüftigen Kreidemergeln gebildet wird. Das Tertiär wird 
hier von eiqem 50 — 100 cm mächtigen grünen Ton sowie 
üljcriagernden Sauden (mürben Sandsteinen) und Kalkalgen - 
l)änken gebildet. Clier dem Ton treten mehrere nicht be- 
deutende Quellen aus, durch deren Tätigkeit die hangenden 
Tertiäi'schichten zum Einbi'uch gebj'acht werden, so daß 
(li ' amphitheatraiische Erweiterung bewirkt wurde. 

!•) N o r d w " s 1 1 i c li 1\ o h l s c h e i d bei Aachen 
wird Karbon mit tonig xcrwitterter 01)erkante von Maas- 
-schotter und von Löß überlagert. Im Kies liegt ein (irund- 
wasserhorizont, der mehrere Quellen bildet. 100 m südlicli 
des Gehöfts Mühlen bach tritt eine schwache Quelle aus, 
in gleicher Höhe liegen am Hang mehrere Flächenausti'itte. 
Der Quellaustritt liegt in einer weiten, steilwandigen Nische, 
n.n deren Bildung Oberflächenwasser keinen nennenswerten 
.\nteil gehabt hal)en können; die Bildvmg der Nische kann 
nur durch die genannte Quelle und andere in der Nische liegende 
Flächenaustritte hervorgerufen sein, die den Grund der- 
selben versun)pfen. Leider war es mir nicht möglich, die.se 
düi'ftigen Beobachtungen hier über ein größeres Gebiet fort- 
zusetzen, doch scheint dieses Gebiet für weitere Studien 
der Bedeutung der (^uellansti'itte geeignetes Material liefern 
zu können. 

d) Vor allem ist das CJebiet südlich z e i' n o w- i t / 
füi- derartige Studien geeignet. Die Höhen nach Czudyn 
Averden aus tertiären Tonen mit zwischengelagerten, grund- 
wasserführenden Sauden gebildet. Eine nähere Untersuchung 
wai- mir leider infolge eines nur sehr kurzen militärischen 
Anlrntliaits nicht möglich. An den Hängen sind an überaus 

10* 



148 



/alilreicheii Sleüeii') vielfach nur iiilol,i;c vou Fläclicuaus- 
iritten starke Eiitschungeri Ijeiiierkbar, die nicht selten Jede 
Bebauung verhindern. Hier drängt sich einem die Bedeutung 
der Quell- und Flächenaustritte für die Form der Berghänge 
imd ihre Bedeutung für die Denudation auf. 

e) Ein längerer Lazarettaufentlialt in Untcrniarcht^ti 
bei Ulm gab mir hin und wieder Gelegenheit, in dem zwischen 
Munderkingen und ßiedhngen liegenden, aus Mo lasse - 
bildungen zusammengesetzten Höhenzug Beobachtungen anzu- 
stellen. Leider ließ es meine Erkrankung nicht zu, ein 
Profil aufzunehmen, doch konnte ich vielfach die Wirkungen 
der Grundwasseraustritte feststellen. Unmittelbar uinerhalb 
der Schupferberg genannten Häusergruppe bei Tobel tritt 
eine jetzt gefaßte Quelle am Ende einer breiten Mulde aus. 
Kurzwellige Rücken mit dazwischenliegenden abflußlosen 
Vertiefungen in der über 100 m breiten Mulde sind zweifel- 
los eine Folge der Grundwasseraustritte. 

Westlich Schupferberg ist der gleiche Quellhorizoni 
deutlich zu verfolgen. Etwa 200 m westlich der genannten 
Häusergruppe liegt eine amphitlieatralische Nische mit etwa 
150 m Durchmesser, deren Quellen ebenfalls gefaßt sind. 
Eine w^eitere talartig ausgebildete Mulde, noch bedeutender 
im Ausmaß, schließt sich westlich an. Zahlreiche Grund- 
wasseraustritte sind die Ursache der deutlich zu beobachten- 
den Eutschungen. Unmittelbar nördlich dieser großen tal- 
artigen Nische kreuzt der Weg nach Obermarchtal ein breites 
Tälchen mit zahlreichen * Grundwasseraustritten. Mehrfach 
zu beobachtende Eutschungen haben hier Veraulassimg 
zur Bildung eines terrassenartigen Bandes gegeben. 

f) Alle vorstehend wiedergegebenen Beobachtungen 
wurden an aus lockeren oder wenig verfestigten, sandigen 
oder sandig-tonigen Ablagerungen austretendenj Grundwasser 
gemacht. Beobachtungen an Grundwasseraustritten aus 
festem Gestein zu machen, hatte ich kaum Gelegenheit. 
In dem Gebiet von ßrzezany-Podwysokie treten die Quellen 
aus tertiären festen Mergeln aus. Die Quellinischen sind, 
typisch ausgesprochen, sie l)esitzen senkrecht ansteigende 
Eückwände. Gleiches beobachtete ich an Quellen, die aus 



^) Einen (ierartigen Bergrutsch in der Stadt Czernowitz iiat 
Becke beschrieben. Die Bedeutung der (j)uellaustrftte für die 
Entstehung desselben wurde bereits von ihm erkannt. Vgl. 
F. Becke: Über die bei Czernowi,tz im Sommer 1884 und 
AVinter 1884/85 stattgefundonen llutschungcn. Jalirlnnli k.k. ucol. 
Reichsanst. 35. Bd" 1885. S. 397. 



149 



dem Kreidemergel im Gebiet der Narajo\\ka lier vortreten. 
Offenbar wirken aiicli hier die Quellaustritte unterminierend, 
so daß ein Abbruch des Hangenden an den Klüften erfolgt, 
doch konnte ich hier keine Beobachtungen über die Art 
dci' Quellerosion machen. 

Zusaniinenfassung;. 

Uie Grundwas.seraustritte sind von hoher Bedeutung 
für die Denudation und che Ausbildung der Hänge. 

1. Meine Beobachtungen ergeben, daß in lockeren 
sandigen und sandig-Ionigen Ablagerungen durch die Grund- 
wasserbewegung eine subterrane Materialverlagerung statt- 
findet, und daß sich vor allem in der Nähe der Quell- 
austritte im Boden dui'ch teilweise Entfernung der Aus- 
füllung der Poren zwischen den gröberen Körnern eine 
w iMtmaschige , .Sickerpackung" bildet. Nur so ist es überhaupt 
erklärlich, daß ein feinkörniges Material größere Wasser- 
inengen zur Quelle abgeben kann. Durch die Fließbewegung 
der Quellen findet so subterran eine Entführung von Boden- 
teilchen aus dem Bodeninnern statt. 

2. Am Quellaustritt bildet sich durch subterranes Ab- 
stotien von Bodenteilchen ein Kanal. Durch den Einl)ruch 
der Decke des Kanals entsteht eine Rinne, die sich durch 
Abrutsch von Schollen zur Quellnische erweitert. Diese 
Avandert durch fortgesetzte subtei'rane Erosion in den Hang 
i'ückwärts. 

H. Durch das Rückwäi'tswandern der Quellnischen wird 
das Hangende des Grundwasserhorizonts unternüniert, es 
brechen Schollen los, die auf dem durchfeuchteten Hang unter 
Mitwirkung des als Schmiermittel dienenden tonigen Grund- 
wasserstauers hangabwärts in die Talaue wandern und hier 
duTX'h Flußerosion entfernt werden. Auch der Quellabfluß 
trägt zu ihrer Beseitigung bei. In dem Abwärtswandei-n 
der Schollen zum erodierenden Bach und zudem in ihrer- 
Beseitigung diuidi den Quellabfluß liegen weitere MonnMite 
der Bedeutung der Quellausti'itte für die Denudation. 

4. Bleibt der Quellaustiitt an gleicher Stelle längere 
Zeit l)estehen, so bildet sich durch die rückwärtsschreitende 
subteri'ane Erosion, verbunden mit der subaeren Erosion des 
(^uellabflusses und allmählich einbezogener Oberflächen- 
wasser eine talartige Quellnische, die nach meinen Beob- 
aclitungen wenigstens zur Rildun«- kurzer Seitentäler führen 



150 



kann. Es ist aber noch in geeig-neten Gebieten /-u uiiU'i 
suchen, ob und wie weit eine Talbildung durch oder we- 
nigstens unter wesentlicher Beteiligung subtorraner Erosion 
hervorgerufen werden kann. 

5. Treten zahlreiche Quellaustritte in einem Gehänge 
aus, so wird das Gehänge über der Quellzone gleichmäßig 
zurückverlegt, und es entsteht in der Höhenlage des Grund- 
wasserstauers eine mehr oder weniger stark ausgesprochene 
Stufe. Von Bedeutung wird für diese Stufenausbildung viol- 
leicht ein seitliches Wandern der •Grundwasseraustritte in- 
folge Bergrutsche oder schief zum Hang gestellter suli- 
terraner Grundwasserabflußkanäle sein. 

6. Die Bedeutung der subterranen Erosion der Grund- 
wasseraustritte kann nur in Gebieten junger Erosion in 
ihrer ganzen Größe erkannt werden. Die subterrane Erosion 
ist aber nach den vorstehend mitgeteilten Beobachtungen 
für die Morphologie ganz allgemein von hohem Interesse. 
Sie muß vor allem unmittelbar nach dem Anschneiden der 
Grundwasserhorizonte bzw. der Grundwasserstauer wirken 
und muß abgesehen vom ersten Affekt ihr höchstes Aus- 
maß erreichen, wenn während der Erosion im Grundwasser- 
horizont oder Grundwasserstauer der wechselnde Wasser- 
stand des erodierenden Baches wiederholten Rückstau und 
wiederholte Absenkung bewirkt. Die Erscheinungen der 
subterranen Erosion des Gi'undwassers müssen vor allem 
dann von Bedeutung werden, wenn ein artesisch «gespannter 
Grundwasserhorizont von der Flußerosion betroffen wird. 
Nicht nur für die Talform, sondern auch für "die Talver- 
tiefung nmß alsdann das Grundwasser von Bedeutung sein 



Die vorstehenden Ausführungen hatte ich Winter l*J]7.'l^ 
im Felde zusammengestellt. Nachträglich habe ich erst 
Kenntnis von der Arbeit Schmitthennp^ks: Die Oberflächen - 
gestaltung des nördlichen Schwarzwalds^) erhalten. Schmitt - 
HKNNEK hat bereits 1913 beobachtet, daß durch Ton durch- 
sickerndes Wasser imstande ist, kleine Teilchen mit sich 
zu führen (S. 9) und hat weiterhin vermutet, daß eine im 
Buntsandstein gebildete Höhle von Sickerwasser v'erur- 
sächt sei. Schmitthenner hat sodann erkannt, dat'i 
bei der Rückverlegung der Stufen die Quellen cinr 
bedeutsame Rolle spielen. Es ist mir eine große Freude 



'^) Dissertfitio)! Heidelberg. Karlsnihe IHK-^ 



Löl 



l'eststelleii zu können, daß meine vorstellenden, vun Schjitl't- 
HKNNKK V ö 1 1 i i*- unabhängigen Beobachtungen im we- 
sentlichen zu dem gleichen Resultat führen, sie liefern aber 
darüber hinaus meines Erachtens einen auf positive Unter- 
lagen begründeten Beitrag zu der Frage der subterranen 
Erosion der Grundwaseeraustritte und ihrer Bedeutung für 
die Denudation. Leider nuißte ein Teil der Abbildungen 
infolge der zeitigen Schwierigkeiten dei' Hei'stellung fni-r- 
i^elassen werden. 

-Mauuski-ipl ciiigeiianircn am l-'). Febiiuu' 11119.; 



15- 



U. (Teolog'isclie B(M)bacIitiiiii>eii im Hoiclislaiide. 

Von Herrn Paul Kkssleij. 

Infolge meiner Ausweisung aus dem Elsalj konnne ich 
nicht mehr dazu, einige geologisclie Arbeiten, deren Aus-, 
führung ich vorhatte, abzuschließen. Ich muß mich daher 
darauf beschränken, wenige Tatsachen anzuführen, die mii' 
von so weitgellendem Interesse zu sein scheinen, daß ihre 
Veröffentlichung auch ohne nähere Erforschung gerecht- 
fertigt erscheint. 



Tertiäre Terrassen am ^'ogeseurand und ihre Bedeutung 
für die Geschichte des Rheintals. 

In den Vogesen existieren sehr hochgelegene i)araUel 
dem Eheintal verlaufende Terrassen, von denen ich eine 
bei den Ausflügen nach der Tagung des Deutschen Geo- 
graphentages Pfingsten 1914 auf der Exkursioii von der 
Hohkönigsburg nach Rappoltsweiler zeigen konnte. Auf ihr 
liegen die unteren Teile des Dorfes Tannenkirch in 420 bis 
460 m über NN. GeröUe finden sich zwar, sagen aber 
nichts aus, da sie, soweit ich beobachten konnte, mit denen 
des Hauptkonglomerats des Buntsandsteins identisch sind, 
das auch oberhalb des Ortes ansteht. Der Boden der Terrasse 
sowie der untere Teil des rückAvärtigeh Gehänges besteht 
aus Bilsteingranit, so daß die Terrasse nicht als Denu- 
dationsterrasse aufzufassen ist. Die Rheintalebene hat am 
Fuß der Berge bei St. Pilt eine Höhe von 220 m, bei Schlett- 
stadt 170 m, der Rhein selbst fließt in etwa 160 m Höhe. 

Eine ähnliche, nur viel ausgedehntere Terrasse läßt 
sich vom Forsthaus Eichwald, Nordrand des Meßtischblattes 
Barr aus beobachten. Die Höhe beträgt zwischen 350 und 
.380 m, das Rheintal liegt bei Bischofsheim etwa 200 m 
tiefer, der Rhein bei Altenheim fließt in etwa 140 m über NN. 
Die Terrasse breitet sich über Lias und Buntsandstein aus, 
ist also ebenfalls keine DenudationsteiTasse. Möglicherweise 
lassen sich hier noch Schotter finden, da zum Teil auch 
Lehme die Oberfläche bilden. Aus der starken Zerstücke- 
hniu' i^cht iKM'vor, daß die Torrasse recht alt ist. 



153 



Die Terra.s.se, die schönste mir bel^antite ,iin \'o,uesen 
lande, liegt etwa 2(J0 ni über dem Rlieintal. Zum Oberpliocäii 
g-ereclmete Sande, die sich durch ihre weiße, gelbliche oder 
heHrote Farbe auszeichnen, und wie bekannt im Unter- 
elsaß luid anderen Gebieten eine weite Verbreitung haben'), 
liegen etwas weiter südlich bei Danibach und Epfig, wo 
sie bis 263 m ansteigen. Hier .sind ilmen Blocklehme 
zwischengelagert-), während das sonst meist niclil der 
Fall ist. 

Sie sind als jüngci' anzusehen wie die in Rede stehenden 
Terrassen, es sei denn, daß man eine s])ätpliocäne oder 
jungdiluviale Störung annimmt, die die Terrasse selbst teil- 
weise in die Tiefe versenkt hat. Dem widers]iricht abei' 
die Natur der Ablagerung und ihre Höhenlage im nördlichen 
Elsaß. Aus den dortigen Lagerungs Verhältnissen geht her- 
vor, daß die jungpliocänen Sande und Gerolle Zuflüssen 
eines im Rheintal damals vorhandenen Stromes oder Sees 
entstanunen, die zum Teil wohl ziemlich bedeutendes Ge- 
fälle besassen. Liegen doch die Ablagerungen in der Nähe 
des jetzigen Ciebirges bis zu 285 m hoch') (Olierbronn 275 m, 
Fuß der Scherhol bei Weißenburg 285 m) und senken sich 
von dort allmählich in das Rheintal (Riedselz Ins UK), 
Hagenau 150, Sufflenheim 135 m). Eine Terrasse, die bis 
zu ITO m reicht, l)ilden sie zwischen Schweighausen und 
Ohlung(>n. Mag auch ein Teil der Niveauunterschiede auf 
spätei'e Stöi'ungen zuiiickzuführen sein, in der Hauptsache 
wird man sie uispi'ünglichem Gefäll zuschreiben müssen, 
wofüi- besonders noch sjjäter zu erörternde (Jründe sprechen. 
Somit fällt die Möglichkeit, die Bildung dei- hochgelegenen 
Teri'assen in das Oberpliocän zu setzen, und man nnil.), 
will man übei'haupt eine zeitliche Festlegung veisuchen, sie 
mit anderen bekannten ältei'en Terrassen oder Flußal)lage- 
i'ungen vergleichen. 

In der weiteren rmgelnmg finden \vii- diese sowoiil auf 
badischer Seite, als auch im Mainzer P)ecken und am Rhein 
von Bingen abwärts. 



') S.\ i.oiiox. JJic JUMleutuns dc^ I'lii)c;uis füi' die Moi-)>hol(i.i;i<' 
Sü(iuc.-,tdeiitschlaiul.<. Sitzung.slici-. d. Heidelberger Akademie dei 
WisseiLschaften. .Matli.-iiat. 'Klasse, Abt. A, 1919. Abhaiidl. 1. 

-) VAN Wervkki;. Ihec das Pliucän des [^'ntRreisu(.V. Mitteii. 
<l. Orol. Landesanst. von i:is;iß-bH)thiinL;i'ii. Bd. HI. f^. 139—1157. 
1892. (Auch in den .\Jitteil d. ohfrrii (I.-dI Verein , 1891, Ver.^ 
Wolfacli.) 

■) v.\N A\'hi:vi:ki;, a. a. (). 



154 



Altpliücäiio scliottcrlieduckie 'renasseu hal Fui';ri:)yN- 
BERG*) aus der Gegend von Bruchsal beschrieben. Sie liegen 
dort in Höhen bis zu 237 m, etwa^ 55 m höher als die 
ältesten glazialalpinen Terrassen und 122 ni über dem Al- 
luvium der Rheinebene. Der Rheinspiegel selbst hat un- 
gefähr 95 m Höhe. Der Rhein hat auf der etwa 90 km 
langen Strecke von Altenheim bis in die Gegend von Bruchsal 
etwa 55 m Gefäll, die Terrassen hätten dagegen, will man 
sie gleichstellen, über 140 in Gefäll, also fast dreimal 
so viel. Das Gefäll von 1 : ö "/on erscheint innnerhin zu 
groß, um eine Gleichstellung auch ohne Annahme geringer 
nachträglicher tektonischer Verschiebungen zu gestatten, 
doch wird daran, seitdem ja ganz junge Störungen aus 
diesem Gebiete bekannt geworden sind, niemand Anstoß 
nehmen. Ebenfalls zum Altpliocän gehören die bekannten 
Dinotheriensande des Mainzer Beckens. In diesem durch 
und durch zerrütteten Gebiet sind aus der Höhenlage keinerlei 
Anhaltspunkte zu gewinnen, liegen doch allein schon die 
über Tage anstehenden Sande in Höhenlagen von unter 
100 bis über 250 m. Weiter rheinabwärts finden sich die 
unterpliocänen Ablagerungen in den Kieseloolithschottern 
wieder, die ja auch petrographisch ihre Identität mit den 
Eppelshenner Sauden beweisen'^). Daß aus ihi-er Höhenlage 
nachunterpliocäne Störungen hervorgehen, ist bekaniit^), 
und zwar solche Störungen, durch die das Unterpliocän des 
Rheinischen St?hiefergebirge8 in eine höhere Lage kam, 
als die gleichaltrigen Ablagerungen des Mainzer Beckens. 
Auch die Bruchsaler Schotter liegen in geringerer Meeres- 
höhe, ebenso die Barrer Terrasse. Füi" den unterpliocänen 



^) über pliocäne ßuntsandsteinschottev im Kraiehgau, nebst 
BemeTkiuigen über alttertiäro .Turaschotter bei Ubstadt. IMitteil. 
d. Oberrhein. Geol. Verein., 1916. 

^) -MoKDZiOL, Über eine Verl)indung des Plioeäns des Mainwr 
lieokens mit dem am Niederrhein. Bericht d. Niederrliein. Geol. 
Verein. Verhaiidl. d. Naturh. -Verein, d. Preuß. llheinlande, 1907. 
MoKDZiOL, Die Kieseloolithe in den unterpliocänen Diiiotherien- 
sanden des Mainzer Beckens. Jahrb. d. Preuß. G©ol. Landesanst. 
r. 1907, S. 122—130. MoEDziOL, Die geologischen Grundlagen der 
jungtertiären und diluvialen EntwicklungsgescJiichte des Rheini- 
schen Schiefergebirges. Geologische Eundschau, 1910, S. 31!). 
Hine Znsammenstelltmg der Angaben über die Höhenlage der 
K.ieseloolithschotter findet sich bei Kranz, Hebung oder Senkinig 
im Eheinischen Schiefergebirge. Diese Zeitschr., .Monatsber. 1911, 
S. 240, ebendort auch eine gute Zusammeiistelhmg der Literatur. 

^) MoRDZioi., Beitrag zur Gliederung und Entstehungsweise 
des Tertiärs im Elieinischeu Schiefergebirge. Diese Zeitsclir., 
1908. S. 272. 



155 



Unhein wird angenommen, daß er in ähnliclier Riclitmig- 
wie der lieutige in das Scdiiefergebirge eintrat.') Letzteres 
soll als Gebirge noch nicht vorhanden gewesen sein, sondern 
als ein im allgemeinen flaches Hügelland nur Avenig über 
das Meeresniveau emporgeragt haben. Die GeröUe und 
Sande, die der unterpliocäne Strom mit sich führte, weisen 
darauf hin, daß er von Süden in das Mainzer Becken kam. 
Die Kieseloolithe selbst werden, wenigstens für das Gebiet 
des Mainzer Beckens und bis zur Einmündung der MoseL 
von Fkeudenbkrg«) gedeutet ,,als oolithische Hornsteine 
des mittleren Muschelkalks von Schwaben, die der Neckar 
dui^ch die Pforte von Heidelberg nach dem Rheinhessischen 
Plateau verfrachtet hat". Dejokk") hält es ebenso für wahr- 
scheinlich, daß die Kieseloolithe dem mittleren Muschelkalk 
Badens, Schwabens und des Elsaß entstammen, dazu konunen 
nach ihm ferner noch jurassische Gesteine als j\l.uttergesteine 
in . Betracht. 

Ein weiteres Vergleichsgebiet ist der Schweizer Jura. 
Dort finden sich in der südlichen Verlängerung der Rhein- 
ebenei") miteri)liocäne Ablagerungen wieder, die besonders 
aus dem Bois de Raube bei Delsberg bekannt geworden 
sind, aber nicht nur dort, sondern auch noch an zahlreichen 
anderen Stellen Dinotheriam giiranteum und andere Säuger 
geliefert haben. Schon Rollier hat angenommen, dal.) die 
sämtlichen Dinothericnsande von der Elsässer Grrenze bis zur 
Schweizer Ebene einst miteinander in unnüttelbarei' Be- 
ziehung gestanden hätten, also nicht in getrennten Tälern, 
sondern auf einer ziemlich ebenen Fläche abgelagert seien, 
lue sich erst später zum jetzigen Schweizer Jura auf- 
faltete. Da diese Sande vorwiegend Vogesenmaterial ent- 
halten"), wurden sie als „Sables a galets vosgiens" l)e- 
zeichnet. In mehreren neueren. Arbeiten'-) sind diese Schotter 



') MoiJDZiOL, a. a. ü. 

■*) über pliocänc BuMtsaiKlslciiiscliulkn- usw. 
■') Geolog:ie von Baden, Bd. II, S. 522. 

lo) Rollier, Dix coupes du tertiaire jurassien. Kxti-. des- 
Arcinves de.s .sciences physiques et natiu'elles. Genf, 1892, S. 40. 
") Rollier. Nonvelles coupes du tertiaire jurassien. Ebenda, 18^);!. 
^-) Hummel, Die Tektonik des Eisgaues. Bericht d. Naturf.- 
Oesellsch. Freiburg i. Br., Bd. XX, 1914. — Kemmeeling, Gen- 
Logische Beschreibung der Ketten von Vellerat und Moutiei-.- 
Freiburg i. Br., 1911. — Oertel, Stratigraphie und Tektonik 
der Gegend von St. Brais und Saulcy im Schweizer Jura.' Inaug.- 
Dissert., Freiburg i. Br., 1912. — Schuh, Geologisclv Beschn-i- 
.bung der Gegend von Saiffenleirici- und r>es Pnmmerats. Diese 
Z<-itschr,. 1914. 



156 



als diskordant aul' verschiedenen Stufen dos dura licfjieiid 
beschrieben worden, wonüt eine zweimalige, eine vorpliocäne 
und eine spätpliocäne oder altdiluviale Faltung des Jura 
bewiesen ist, wie sie schon BKrtKNER aus geomorphologischen 
Oründen angenommen hattoi''). Die Schotter liegen jetzt 
auf recht verschiedener H(")li(\ im Eisgau meist zwischen 
400 und 500 m, doch auch bis zu 720 m hoch und bestehen 
aus Buntsandsteingeröllen, besonders Hauptkonglomerat, 
iQuarziten, karbonischen Grauwacken, Quarzporph.yren und 
Quarzporjihyrtuffen. hornfelsartigen Kontaktgesteinen und 
aus meist bis zur Unkenntlichkeit zersetzten Graniten und 
Gneisenii). Nach Hummel lassen sich gleichartige Schotter 
nach N und NW hin bis nach Frankreich und in den 
Sundgau verfolgen. Im Becken von Tavannes liegen aber 
auch zwischen dem Kalk der Öninger Stufe und dem Oberen 
marinen Helvetien Sande mit Dinotherium bavaricum, die 
vermutlich ebenfalls aus den Vogesen herzuleiten sind, also 
eine noch ältere Ablagerung gleicher Zusanmiensetzung. Für 
unsere Zwecke kommen diese älteren Ablagerungen aiicht 
in Frage, da Terrassen aus dieser Zeit sich wohl kaum 
erhalten haben werden. 

Aus dem Sundgau sind von pliocänen Geröllablage- 
rungen die Sundgauschotter Bki-ckneks (= Elsässer Decke 
GuTzwiLLERs), die BurcKNEK den oberpliocänen Sauden des 
übrigen Elsaß gleichzustellen geneigt ist,''') bekannt. Diese 
Schotter enthalten vorwiegend ali)ines Material, und zwar 
solches aus der Mittelschweiz und dem RhonetaU''), und 
die GeröUe von Vogesensandstein, die in ihnen sich finden, 
werden als aus der miocänen Nagelfluh umgelagert angesehen. 
Doch konnuen außer den Sundgauschottei-n auch ältere Ge- 
röllablagerungen vor. HuMMELi') glaubt, daß manches von 
dem, was als Sundgauschotter bezeichnet wird, zum Unter- 
pliocän goliört, ,, wenigstens, soweit nicht in größerei' Menge 
alpines odei' Schwarzwaldmaterial nachzuweisen ist". Fast 
mit Sicherheit gehören zu den Dinotheriensanden die Abiago- 
ruiiiicn am Fuße der nördlichsten Jurakette bei Dürlinsdorf''). 



!■') Penk luid BBÜfKNKK, Die Alpou im iMszcitaltcr, S. 437. 

li) HuMMKi-, a. a. O., S. 28. 

^s) a. a. O., S. 4G7 u. 47'J. 

'«) BuüCKXEi!, S. 47:'.. 

'0 a. a. O., S. 28. 

•'*) VAN "VVeuvkke. Dil- Eiität.ehung des Mittelrheintales und 
«ler Mitteh-heinischeii Gebirg-e. Mitteil. d. Gesellsch. f. Erdkunde 
jii)(l Koloniahvt'spn. Stiaßburg i. Cb., t913, S. ';\?y. 



157 



Auch Heimi'*) nimmt an, daß die Sande mit (^uarzgeröUen 
und die Vogesensande des Sundgau den Dinotherienablag-e- 
rung-en des Jura gleiclialtrig sind. Jedenfalls ist an dem 
j)rinzipieilen Unterschied festzuhalten, daß die Sundgau- 
schotter alpines Material enthalten, die Dinotheriensande. 
Vogesenmaterial. 

Aus der Zusaimnensetzung der Sundgauschotter schließt 
Bkücknek-'j) nun im Zusatnmenhang mit anderen Tatsachen, 
daß vor der jungpliocänen Hebung des Jura die EntM^ässerung 
der Alpen senkrecht zum Streichen des Gebirges über eine- 
Fastebene erfolgte, der auch der damals als .Gebirge noch 
nicht vorhandene Jura bis in die Gegend der Saöne an- 
gehörte. 

,,Wo der Abfluß des Eheintales sich hinwandte, wissen 
wir zwar nicht; die Gewässer der Mittelschweiz aber — 
ßeuß und Aare — , ebenso die Rhone richteten sich direkt 
nach NW über den eingeebneten Jura hinweg, wo wii- im 
Sundgauer Schotter ihre Gerolle finden. Erst spätei' nach 
der pliocänen Hebung des Jura hat die WaUiser Ehone 
ihren Lauf nach SW eingeschlagen, wo schon lange ein 
Fluß das Gebirge verlassen hatte, zugleich wurde die Aare 
nach NO abgelenkt. "^i) 

So bestechend die Darstellungsweise Brückners ist, 
zumal in Verbindung mit den diu'ch die Arbeiten von 
HuMMEi-, Kemmermng, örtel uiid Schuh gelieferten Re- 
sultaten, eines fehlt ihr, der Nachweis der alpinen, den 
Sundgauschottern gleichaltrigen GeröUe im Jura. Brückner 
selbst erwähnt sie nicht, in der Literatur ist kein Hinweis 
auf sie zu finden, und Heim liezeichnet die Sundgauschotter 
als in der Schweiz fehlend.--) Als Beweis, daß die, die 
Sundgauschotter ablagernden Flüsse einst den Jura über- 
quert haben, bleiben also nur die aus der Rhonegegend 
stammenden GeröUe. Bei alten Geröllablagerungen, be- 
sonders solchen, die stark verwittert sind, ist aber stets 
schwer zu imterscheiden, was zum erstenmal vom Gebirge 
verfrachtet wurde, und was umgelagerte ältere Geröllbil- 
dungen sind. 

Man kann also meines Erachtens Brückners Fluß, der 
den Jura im Oberpliocän querte, Avohl als sehr wahrschein- 
lich, nicht aber als bewiesen ansehen. Ob diesei' Fluß 



iy) Geologie der Sckweix, Tabelle S. 542. 

-0) a. a. 0., S. 480. 

-1) Brückner, a. a. O. 

") a. a. 0., S. 271. 



lös 



iiun existierte oder nicht, jcdeuralls eriulytc die Aur\\"()ll)ung 
des Jura erst nach der Ablag-erung der Dinotheriensc^hichten, 
die die Sedimente aus den Vogesen nach S über den jetzi.yen 
Jura hinwegsetzender Flüsse sind. 

Wenn nun aber im Unterpliocän (oder einem Abscimitt 
des Unterpliocän) die Entwässerung- der Südvogesen luich S 
erfolgte, so ergibt sich für die Altersfrage unserer Teri'assen 
wieder eine neue Schwierigkeit, es sei denn, daß man 
für das Unterpliocän die zeitliche Aufeinanderfolge zweier' 
verschiedener Flußsystenie annimmt, wozu bis dato keinerlei 
Unterlagen vorhanden sind. Wenn ein au^s dei' Eichtung 
des jetzigen Hochrheins konnnender Fluß ebenfalls nach 
5 zu dem Mittelmeer abfloß, woher kam dann ein ge- 
nügend großer Fluß, die Terrassen zu bilden? Als Nord- 
südzufluß zum nach S fließenden Urrhein kann der fragliche 
Fluß nicht angeselien werden, da einem solche Terrassen 
•bildenden Fluß das nötige Niederschlagsgebiet gefehlt hätte; 
^ing doch bereits der Urneckar nach N. Es nmß also zur 
Erklärung der Terrassen doch ein aus dem Alpengebiet 
nach N fließender Fluß angenommen werden. Wurden aber 
die Südvogesen nach S entwässert, so muß zwischen dem 
unterpliocänen nach N abfließenden Rhein und den iiaeh 
•S fließenden Gewässern eine Wasserscheide, vorhandeti ge- 
wesen sein. 

Diese Erhebung müßte sich etwa in tlov Richtung 
Basel-Mülhausen-Eufach ersti'eckt haben, also uni;-efälir der 
jetzigen, ebenfalls niedrigen Wasserscheide zwischen 111 — 
Nordsee und Doubs — Mittelmeer parallel gewesen sein. Eine 
Stütze könnte die Hypothese einer derartigen Wasserscheide'! 
vielleicht in der Tektonik finden. In der Tat streicht l)ei 
Niedermagstatt halbwegs Basel-Mülhausen eine Störung 
■durch, an der der westliche Teil höher liegt-'). Ebenso 
ist eine nach NO verwerfende St(")rung dui'ch Riedisheim 
bei Mülhausen anzunehmen^*). .'Vuch das jetziuc Ende des 
Melanienkalkes gegen die Eheinniederung l)ei Eixheint un- 
weit Mülhausen ist durch eine Verwerfung bedin^'t-'^). Xocli 



-^) FöK.STioi!, \\'('il.^er Jur.i iiiitur (h.'iu Tciliär (k's suiid,^uu.s 
iin Ohcit'lsaß. Milteil. d. tieo). Ij.nidtisaiisl. von Klsall-I.ntlirini,^']!, 
1^(1. V. S. 415, 1904. 

-J) VAX Wekvekk, Die Tektonik des Sundgaiis, ihre Hc- 
ziehuiiy zu den KalisfUzvorkonimeii im Oberelsal.') luid iu IJadcii 
\\m\ ihre Entstehung. Ebenda, Bd. Vrfl, S. 243. Uli;-!. 

-•'') FöKSTKK,* Geologischor Fülirci' für die lTn,t;('liuuu von 
.Mrilhaiiseii i. Eis. Elie'nda. Ud. VIFF, S. -217. 1S'.I2. 



159 



inelirere Verwerfunj^eu j;leicher Richtung- und ^ieichen 
Sinnes sind bei Mül hausen vorhanden. Am wichtigsten aber 
ist, daß zwischen Isteiner Klotz und Sund.n'auhölien ein 
C4raben in Südost- bis . Nordwestriclitung verhluft, den 
VAN Weka^eke-'') als (Iraben von Siei'enz bezeichnet. 

Nach FöKSTEK ist der Sundgau ein bei der Bildung 
des Rheintals relativ einporgequetschter mittlerer Teil der 
im gan'zen gesunkenen Platte. Zu beweisen wäre noch, 
daß diese Störungen bei'eits vor dem Unterpliocän existierten, 
da sich annehmen ließe, daß sie ursächlich- mit der letzten 
Jurafaltung zusammenhingen. Dann wären sie als jünger- 
wie der hypothetische Fluß natürlich rücht zu verwenden. 
Nun aber bildet das Tertiär zwischen Mülhausen und AU- 
kirch ein Gewölbe, dessen Längsachse SW — NO verläuft, 
mit der höchsten Erhebung zwischen lUfurt und Zillisheim. 
Aus den Mächtigkeitsverhältnissen im Oligocän hat van 
Werveke''') nachgewiesen, daß die höhere Lage des den 
Sundgau aufbauenden Gebirgsstückes bis ins Unteroligocäu 
zurückreicht und nicht lediglich durch nacholigocäne Stö- 
rungen bedingt ist. Hier wäre also ein bereits im Oligocän 
angelegter, im Miocän wohl weitergebildeter Sattel, der auch 
im Unterpliocän als Erhebung vorhanden war, wie er es 
jetzt auch noch ist. 

Suchen wir nördlich Mülhausen nach einer tektonischen 
Erhebung, so finden wir sie im Horst zwischen den Bohrungen 
Ensisheim TU und Münchhausen I, in dem Wagnet;-'*) die 
Fortsetzung des nach N sich senkenden Ausläufers dei- 
Höhen östlich Mülhausen erblickt. Auch für die Anfänge 
dieser Erhebung glaubt Wagner bereits das Oligocän an- 
nehmen zu dürfen. Das Bestehen einer altpliocäneu 
Wasserscheide zwischen Rhein und Doubs scheint mir damit 
ziendich wahrscheinlich. Zur Gewißheit würde die An- 
nahme eines altpliocäneu aus oder SO, wahrscheinlich 
aus den Alpen kommenden Flusses, der nach N strömte, 
allerdings erst durch das Auffinden alpinen Materials, sei 
es auf den hochgelegonori Terrassen, sei es vielleicht auch 



-«) lOi;!, S. 241). 

-') Die Tektonik des Suudg.ius und ihre lle/Aehun^-en -/au 

Tektonik des Jurujxebirges. Kbeuda, Bd. V[, S. 330, 1908. 

-8) Neuei-e Ergebnisse übc^r die (rliederuii,!;- und die Ijagei-un«' 

des Tertiärs Im Kalisalzgebiet des Oberelsaß. Mitteil. d. l'hilo- 

matisf-lvMi (!"s(d|scli. in Rlsaß-Lotluingen, Bd. IV, IT 5. S. 763, 
1912. 



lÜO 



uiitei' (k'ii jüiiiccrcii (MMolliilda^cruiiüHii im Jelziycii 
Rheintal-9). 

Ist die hier vorji'cbrachte Aiisc.-liauunf'' richtig, und eine 
andere, wahrscheinlichere ErklärungsniöiiHchkeit .sehe icli 
zAH-zeit nicht, so müßte die Sundgau wasserscliei de sich noch 
weiter nach S fortgesetzt haljen, das (befall östlicli der 
Wasserscheide müßte nach N, westlich nacl: 8 gegangen 
sein. Darin wird man keine Schwierigkeit erblicken, seilen 
wir doch auch z. B. Rhein und Donau, Loire und Saöne- 
Rhone mit umgekehrter Stromrichtung dicht aneinander 
vorbeifließen. Daß westlich der Sundgauwasserscheide 
wieder ein tektonisches Senkungsgebiet liegt, das ein Ali- 
strömen der Wä.sser der Südvogesen nach S erleichterte, 
ist bekannt.3") 

Im Oberpliocän änderten sich 'die Flußrichtungen nun 
bedeutend, und zwar dadurch, daß eine Senkung im süd- 
lichen Teil der Mittelrheinischen Tiefebene eintrat. Nun 
strömten, wenn man Britcknees Anschauungen folgen will, 
Reuß, Aare und' Rhone über den noch immer als Rumpf- 
ebene eines wenig gefalteten .Gebirges daliegenden .Iura 
nach NW und setzten die Sundgauschotter ab. um weiterhin 
durch die Burgundische Pforte ^ nach dem jetzigen Doubs 
und dem Mittelmeer abzuströmen. Mit ihnen vereinigte sich 
der Rhein und ebenso Zuflüsse, die von N aus der 
jetzigen Mittelrheinischen Tiefebene kamen. Vorher aber 
schon hatte in den östlichen und westlichen Randgebirgen 
der Tiefebene eine relative Hebung stattgefunden. Sehen 
wir doch die Absätze der in das Rheintal einströmenden 
oberpliocänen Bäc-lie auch an ihren höchsten Stellen wesent- 
lich tiefer liegen, als die Terrassen des unterpliocänen Rheins. 

Erst gegen das letzte Ende des Pliocän zu wurde der 
Jura in neue Falten gelegt, der Rhein aus seiner ober- 
pliocänen Richtung wieder nach N abgedrängt, ..er nahm 
die Spur seines altpliocänen Vorgängers wieder auf und 
benutzte dessen Bett zum Durchbruch durch das immer 
mehr emportauchende Rheinische Schiefergebirge, so daß 
die während der Hebungsperiode durch etap])enw^eise Tiefen- 
erosion gebildeten diluvialen Rheinterrassen in den Grund- 



-9) Eine Notwendigkeit des X'oi'liauden.seiiis alpiner (Testciiu' 
in den Ablagerungen eines aus den Alpen kommenden Flusses 
besteht natürlich nicht. Ein tektonisch etwa im jetzigen Rhein-. 
tal gebildeter See hätte natürlich das alpine Material abgeranücn. 

■^'^) VAX AVkrvbke, a. a. O. 



161 

Zügen ihrer Erstreckung den unterpliocänen Schottern im 
allgemeinen folgen". ^i) 

Ähnlich wie durch die Höhenlage der Kieseloolith- 
terrasse die nachunterpliocäne Hebungshöhe der verschie- 
denen Teile des Rheinischen Schiefergebirges festgelegt ist, 
müssen sich auch durch ein Erforschen der hochgelegenen 
Vogesenterrassen für die verschiedenen Teile dieses Ge- 
birges die spätpliocänen Hebungsvorgänge bestimmen lassen. 
Im Zusammenhang mit der Tektonik des Jura ließen sich 
dabei für den Mechanismus der Hebungen höchst wichtige 
Resultate erzielen. Leider ist mir nun die Ausführung dieser 
Arbeit nicht mehr möglich. 

Im Zusammenhang mit dem Vorhergehenden darf eine 
eben erst erschienene Arbeit Salomons-*-) nicht übersehen 
werden. Mit van Werveke nimmt Salomon an, daß Schwarz- 
wald und Vogesen Gewölbe sind, die durch den Seitendruck 
des Schweizer Jura hoch aufgestaut wurden, während sich 
nördlich von ihnen, durch Pfalzburger und Kraichgauer 
.Vlulde getrennt, die Gewölbe der Haardt und des Odeti- 
waldes bildeten. Da der Druck im S am stärksten wirkte, 
wurden auch dort. die Gebirge am höchsten gewölbt, obwohl 
dic^se Gegenden ursprünglich, wie aus dem Fehlen von Resten 
der höheren Juraschichten im N hervorgeht, tiefer lagen 
als die nördlichen. Diese Anschauung teile ich, glaube aber 
hier nicht die Wirkungen der spätpliocänen, sondern der 
älteren Jm'afaltung z'a sehen. Nicht erklärt ist allerdings 
damit die starke jungpliocäne Hebung des Rheinischen 
Schiefergebirges nach Ablagerung der Kieseloolithe.''^) 

Anders aber nuiß ich mich der Festlegung des Zeit- 
pvmktes gegenüberstellen, den Salomox nach Ablagerung 
der oberpliocänen Sande annimmt. Aus <ler weitgehenden 
Bleichung dieser Ablagerungen schließt er, daß ihr 
l'rsprungsgebiet in ehemalig vermoorten Gegenden zu suchen 
ist. Dieser Schluß scheint zwar unanfechtl)ar, nicht aber, 
wepn S. als Grund der Vermoorung ein sehr geringes Ge- 
fälle des ganzen Gebiets ansieht.^i) Wßnn wir die höchsten 



•^1) Mo]jDzi()L Diese Zeitschr., 1908, Monatsher. S. 271; ■ 

32) Siehe oben S. 00. 

33) Niederrhein. Geol. Verein., 1910, S. 21 ff. 

31) Auch Dkecke, Kritische Studien zu Glazialfragen Deut,scli- 
lands, Zeitschr. f. Glet.scherkunde, Bd. XI, S. 42, nimmt ein 
mehr oder minder versumpftes B-heintal an, .,das wegen wieder- 
holten ruckwejsen Aufsteigens des Rheinischen Schiefergebirge« 
.seine "AVasser nicht los wiuxle und daher den Habitus eines Sumpf- 

Zeiisilir. .1. D. Gr<il. Gps. 191Q. 11 



162 



Erhebungen der Kieseloolithterrasse jetzt zwischen 310 und 
360 m über NN im Rheinischen Schiefergebirge sehen, so 
müssen auch damals noch bedeutende Erhebungen über dem 
Flußbett, und zwar in ziemlicher Nähe, bestanden haben, 
wenn wir nicht alle Niveaudifferenzen auf Störungen in der 
letzten Pliocänzeit oder im ältesten Diluvium zurückführen 
wollen. Ich kann auch Salomon darin nicht beipflichten, 
daß die Flüsse der pliocänen Landschaft langsam in sumpfigen 
Mäandern Seen und Tümpel bildend dahinflössen. Vielmehr 
müssen es teilweise sogar recht stark strömende Gewässer 
gewesen sein; sehen wir doch im Unterelsaß im unteren 
Teil der Ablagerung, wenn auch kleine, GTeröUe aus Quarz 
und gebleichtem Buntsandstein, während die obere Abteilung 
sich nach van Werveke^s) geradezu durch ihren Geröll - 
reichtum auszeichnet, wobei die Zunahme der GeröUe an 
Menge und Größe nach dem Gebirge zu deutlich für ein 
starkes Gefälle spricht. Daß überhaupt GeröUe aus einem 
so wenig widerstandsfähigen Material, wie es seines eisen- 
schüssigen Bindemittels beraubter Buntsandstein ist, vor- 
handen sind, spricht für einen Transport aus einem nahen 
Bergland. Vermoorungen sind an sich noch kein Beweis 
für eine niedrige Lage, kommen doch auch heute auf den 
Höhen des Schwarzwalds Moore vor. Für ihre im Ober- 
pliocän viel größere Verbreitung ist wohl eher als tiefe 
Lage des ganzen Gebiets ein damals nicht nur hier, sondern 
auch in weiten Teilen Deutschlands herrschendes feuchteres 
Klima anzusehen. Für die Vogesen vermag ich aus den 
oben angeführten Gründen Salomons Ausführungen nicht 
zuzustimmen, halte daher, da wir am Schwarzwald und an 
anderen Gebieten ganz ähnliche spätpliocäne Ablagerungen 
treffen, wie dort, sie auch für gleicher Entstehung, wie 
die am Vogesenrand, und mithin auch die letzte große 
Erhebung des Schwarzwalds für älter als oberpliocän. Un- 
berührt davon bleibt die Frage, ob der Schwarzwald jünger 
ist als die Vogesen, wie jetzt meist und wohl mit gutem 
Grund angenommen wird.sß) 



landes annahm". Auch dieser Auffassung kann ich mich nicht 
anschließen, weil ja doch auch die groben hochgelegenen pliocänen 
Schotter gebleicht sind und sehe vielmehr als Grund der .Bleichung- 
Hochmoore an. 

35) über das Pliocän des Unterelsaß, S. 141 u. 144. 

36) Auch in den rechtsrheinischen Gegenden beweist ver- 
schiedene Höhenlage der Bleichsande nicht bedeutende nach- 
trägliche Störung. Die Vermoorung kann einmal in sehr ver- 
schiedener Höhenlage stattgefunden haben, dann aber vermochte. 



163 



Der von Salomon gewonnenen Überzeugung, daß vor 
verhältnismäßig kurzer Zeit noch die die mittelrheinische 
Tiefebene begrenzenden Gebirge nicht vorhanden waren, 
stimme ich im übrigen vollkommen zu, habe auch schon 
früher diese Ansicht geäußert,^') sehe mich jedoch gezwungen , 
die Aufwölbung der Gebirge in die Zeit vor dem ünter- 
pliocän zu versetzen. In der guten Erhaltung der alten 
Landoberflächen würde ich jedenfalls auch keinen zwingenden 
Grund für ihr pliocänes Alter sehen. Wie lange sich eine 
Landoberfläche in nicht exponierter Lage erhalten kann, 
zeigt die Hochfläche der Schwäbischen Alb, wo das raiocäne 
Randecker Maar noch immer als Trichter erhalten ist, 
während in der exponierten Lage am Neckar die gleich- 
altrigen Vulkane samt den Gesteinen, die sie einst um- 
hüllten, einige hundert Meter tief abgetragen sind. 

Daß auch nach dem Oberpliocän eine weitere Heraus- 
hebung der Gebirge und weiteres Einsinken des Rheintals 
stattgefunden hat, ist nicht zu bezweifeln, geht es doch 
aus der Höhenlage der diluvialen Terrassen und der 
Mächtigkeit der Rheinschotter hervor; doch kommt diesen 
Hebungen im Verhältnis zur miocänen nur die Bedeutung 
zu, daß sie das durch letztere entstandene Gebirge 
etwas weiter in die Höhe wachsen Heßen, genau so, 
wie es auch die Hebung nach Bildung der Barrer Terrasse tat. 



nachträgliches Einschneiden der Bäche in die g-ebleichten Schich- 
ten die Bleichsände wiederum auf recht verschiedenen Höhen 
auszubreiten. 

37) Die Entstehung von Schwarzwald und Vogesen. Mitteil. 
(1. Oberrhein. Geol. Verein., Neue Folge, Bd. TV, 1914, S. 34. 

[Manuskript eingegangen am 1. Juli 1919.J 



ri* 



164 



*.). Die Begriffe Orogenese und Epirogenese^). 

Von Herrn Hans Stille, Göttingen. 
Inhalt. 

Seite 
Einleitung; Bedeutung der Epirogeuese Ix'i morphologischen 
und tektonischen Studien 1G5 

I. Die Begriffe Orogeneae und Epirogenese in Gilbbuts 
„Lake Bonneville" (Unterscheidung nach morphologi- 
schem Ergebnis und Voi-gangsart) 17U 

n. Unterscheidung von Orogenese und Epirogenese nach 

im wesentlichen raumartlichen Verhältnissen . . . 170 

A. Haug 176 

1. Haugs Unterscheidung von Orogenese und 
Epirogenese 1'^*^ 

2. Einwendungen 18^ 

B. Dacqüe . .... 185 

III. Unterscheidung von Orogenese und Epirogenese nach 

Vorgangsart imd zeitlichen Verhältnissen 189 

A. Ablehnung von Raumart und morphologischem Er- 

gebnis als grundsätzlich anwendbaren Iln'er- 
scheidungsprinzipien 18y 

B. Definition der Epirogenese 190 

Die epirogenetischen Vorgänge sind: 

1. weitspannig 190 

2. säkular 192 

3. gefügeerhaltend 19;{ 

C. Definition der Orogenese ". . . . lOö 

Die orogenetischen Vorgänge sind : 

1. gefügeverändernd 195 

2, episodisch 195 

D. Synklinal- und Geosynklinalbilduug in lieziehung 
zum ozeanischen Spiegel 20U 

E. Beispiele: \ 200 

1. Kaledonisehe und ])Ostkaledonische lektonische 
Bewegungen 200 

2. Jungtertiäre Vorgänge am Ostrande der 
Zentralalpen 202 

3. Die „Großfaltung" Kleinasiens 203 

IV. „Synorogenesen" 205 

1) Etwas erweiterte Wiedergabe eines Vortrags, gehalten in 
Berlin in der Sitzung der Deutschen Geologischen Gesellschaft am 
3. Dezember 1919. 



165 



Einleitung: Bedeutung der Epirogenese bei morpho- 
logischen und tektonisehen Studien. 

Die Beschäftigung mit denjenigen tektonisehen Vor- 
gängen, die gegenüber den eigentlichen Schichtendislokationen 
im wesentlichen auf vertikale Niv(^auveränderungen hinaus- 
kommen und die wir als die epirogenetischen bezeichnen, 
ist in den Kreisen der Geologen und ganz besonders in 
den Kreisen der deutschen Geologen recht gering, vielmehr 
absorbieren den Geologen in tektonisehen Fragen fast aus- 
schließlich die eigentlichen Dislokationsvorgänge. Dem- 
gegenüber hat die Epirogenese in hohem Maße von geo- 
graphischer Seite Beachtung gefunden^). Es ist das zunächst 
zu verstehen, naclidem sich einmal eine Arbeitsteilung, — man 
mag über sie denken wie man will — , entwickelt hat, die 
dem Geographen (Morphologen) die Erklärung der Morpho- 
logie der Oberfläche, dem Geologen die Erklärung der 
Struktur des Untergrundes zuweist; die Erklärung dei- 
Oberflächenformen fußt aber immer wieder auf jenen Ver- 
hältnissen, die die exogenen Vorgänge der Denudation und 
z. T. auch der Sedimentation bedingen und verändern, und 
unter diesen steht die Epirogenese voran. Ist doch über- 
haupt für viele Morphologen der geologische Bau 
des Untergrundes zu einer großen Nebensächlichkeit ge- 
worden gegenüber dem Wechsel der Erosionsbedingungen 
im Zusammenhange mit allgemeinen Niveau Veränderungen 
(Epirogenesen). 

Aber die Epirogenesen sind nicht nur Vorgänge der 
Jetztzeit und jungen geologischen Vergangenheit, — mögen 
sie hier auch besonders augenfällig sein — , sondern sie 
haben sich ebensogut in älterer geologischer Vorzeit er- 
eignet, haben in bezug auf diese aber gegenüber den eigent- 
lichen gebirgsbildenden Vorgängen, die uns viel greifbarer 
überliefert sind, viel zu wenig Beachtung gefunden. Und 
doch stehen sie diesen an Bedeutung gewiß nicht nach, 
wenn man, wie v. Staff^) mit Recht fordert, das Volumen 
der erreichten Massenbewegungen zum Kriterium für die 



-) Als besonders bemerkenswerte und /Aisamnienfassende Ver- 
öffentlichung von morphologischer Seite nenne ich: Feitz 
Machatschbk, über epirogenetische Bewegungen. Bibl. geogr. 
Handbücher, PENCK-Festband, 1918, S. 1. 

3) K. VON Staff, Beiträge zur Geomorphogenie und Tektonik 
Deutsch-Ostafrikas. • Archiv für Biontologie Bd. III, Heft 3, 
S. 78 ff. 1914 



166 

tektonische Bedeutsamkeit einer geologischen Periode macht. 
V. Staff hat auch wohl nicht Unrecht, wenn er die un- 
zureichende Beachtung der epirogenetischen Verhältnisse 
zum Teil auf das Vorbild von Eduard Suess zurückführt, 
der von epirogenetischen Bewegungen nicht viel wissen und 
sie höchstens als rein „örtliche Vorkommen" gelten lassen 
wollte*). 

Gewiß gibt es Ausnahmen hinsichtlich der un- 
zureichenden "Würdigung der Epirogenesen in Geologen- 
kreisen. Ich brauche nur auf E. Haug (vgl. unten) zu 
verweisen, der in seinem Traite de Geologie der Behand- 
lung einer jeden Formation einen besonderen Abschnitt nicht 
nur über die Gebirgsbildungen, sondern auch über die epi- 
rogenetischen Vorgänge der betreffenden Zeitspanne beifügt. 
Und was die deutsche geologische Literatur anlangt, so darf 
ich vielleicht auf meine eigenen Arbeiten hinweisen^). 

Allerdings muß man sich, um die Bedeutung der Epiro- 
genese für die ältere geologische Vergangenheit zu ver- 
stehen, zunächst voll in den Gedanken hineinversetzen, daß 
die Epirogenese, — und davon wird in folgendem noch nach- 
drücklich zu sprechen sein — , nicht nur ein aufwärts, 
sondern ebensogut ein abwärts gerichteter tektonischer Vor- 
gang ist. Daß aber von Epirogenese vielfach nur im Sinne 
der A ufwärts bewegung von Festlandsmassen die Rede ist, 
liegt m. E. an zweierlei. Es liegt zunächst schon etwas an 
der in dieser Hinsicht nicht ganz glücklichen Wahl des 
Wortes, wie Gilbert (vgl. unten) sie getroffen hatte; es 
liegt aber vor allem daran, daß man sich mit der Epiro- 
genese bisher vornehmlich hinsichtlich ihrer Wirkungen in 
den jüngsten geologischen Zeiten beschäftigt hat und daß 
uns allerdings aus diesen Zeiten die Spuren der a u f - 
wärtigen Epirogenese (gehobene und verbogene Ter- 
rassen, alte Landflächen usw.) itf besonderem Maße zu- 
gänglich sind, während die Spuren der jungen abwar- 
t i g e n Epirogenese zumeist in den Meeresräumen verhüllt 
liegen. In bezug auf die Epirogenesen der älteren geolo- 
gischen Perioden ist es aber anders. Hier sind uns die Doku- 



*) Eduard Suess, Antlitz der Erde, in, 2, S. 723. 

5) H. Stille, Senkungs-, Sedimentations- und Faltungsräume, 
XI. Intern. Geologenkongreß, Stockholm 1910. — Tektonische Evo- 
lutionen und Revolutionen, Leipzig 1913. — Die saxonische , .Fal- 
tung". Diese Zeitschr. 1913, Monatsber. S. 575 ff. — Injektiv- 
faltung und damit zusammenbcängende Erscheinungen. Geol. 
Eundsch. VIII, 1917, S. 89 ff . spec. Kap. V. — Alte und junge 
Saumtiefen. Nachr. k. Ges. d. Wiss., Göttingen, Math.-phys. Kl. 1919. 



167 



inerite der autvvärtigen Epirogenese kaum erhalten, denn voü 
den morphologischen Formen der damaligen Festländer ist 
uns kaum etwas geblieben. Festlandsschwellen sind eben 
Denudationsgebiete, und mit fortschreitender Denudation ver- 
schwinden wieder die Spuren der vorangegangenen auf- 
wärtigen Epirogenesen. Nur die allgerheine Vorstellung ist 
da, daß sich die Festlandsgebiete, um durch lange Zeiten 
das Material für die Auffüllung der Geosynklinalen liefern 
zu können, im Zustande des mehr oder weniger kontinuier- 
lichen Aufsteigens befunden haben müssen. Aber um so 
sinnfälliger sind aus der älteren geologischen Vergangenheit 
•die Dokumente der ab w artigen Epirogenese überliefert, 
nämlich die unserer Beobachtung heute zAigänglich gewordenen 
mächtigen Schichtfolgen der damaligen sinkenden Räume. 

So ist es zu erklären, daß der Morphologe, wenn er 
von Epirogenese spricht und auch wenn er sie zu erklären 
versucht, vorherrschend und oft nur allein an die a u f - 
w ä r t i g e Epirogenese denkt und dabei unbeachtet läßt, 
daß ein abwärtiger, für seine besonderen Probleme aller- 
dings weit unwichtigerer Vorgang parallel geht. Demgegen- 
über ist bei den epirogenetischen Vorgängen der älteren 
Erdgeschichte die abwärtige Bewegung, das Einsinken 
der Sedimentationsbecken, der uns in erster Linie über- 
lieferte Vorgang. 

Sehen wii- von der erheblichen Bedeutung der epiro- 
genetischen Vorgänge für sehr viele allgei,aein-geologische 
und insonderheit auch für paläogeographische Fragen ab, so 
ist m. E. auch für den mehr regional arbeitenden Geologen 
bei der Erklärung der Lagerungsformen und der tekto- 
nischen Geschichte eines einzelnen Landstrichs die gesteigerte 
Beschäftigung mit den Fragen der Epirogenese dringend 
wünschenswert, weil sie nämlich erstens zu einem ver- 
tiefteren Verständnis des' Zustandekommens der Lagerungs- 
verhältnisse und zweitens zu einer Berichtigung mancher 
Vorstellung, die vielleicht jetzt noch als gesichert oder gar 
als selbstverständlich gilt, führen kann. 

Was den ersten Gesichtspunkt anlangt, so ist ja 
die Gebirgsbildung durch gewisse, bei ihrem Ein- 
treten gegebene Verhältnisse vorbedingt. Ich verweise 
nur auf die zuerst von James Hall erkannte Be- 
ziehung zwischen Mächtigkeit der Schichtsysteme und nach- 
folgender Faltung, die in dem Grundgesetze der Gebirgs- 
bildung, nach welchem die Geosynklinalen die vorbereiteten 
Stätten der Faltung sind, zum Ausdruck kommt. Aber nicht 



i(;,s 



nur ganz, allgemein das Eintreten und die Intensität dev 
Faltung, sondern auch die ganze Art und weitgehende 
Einzelheiten derselben sind durch den vorher entstandenen 
„Rohbau" des Bodens vorbereitet, wie ich in bezug auf die 
deutschen Verhältnisse zu zeigen mich bemüht habe. In 
Betracht kommt hier die Lage der Faltungsstätten zu den 
Rahmen, die Art und Kontur der Rahmen, die Ausgestal- 
tung der Uebergangszonen zwischen Rahmen und Sedimen- 
tationsbecken, die ,,Tiejfgründigkeit" der Becken und über- 
haupt die Verhältnisse der Mobilität und anderes mehr. 
Aber was bedingt den Rohbau? Was bedingt den Gegen- 
satz zwischen Geosynklinalen luid Geantiklinalen? Was be- 
dingt ihre Lage zueinander? Was bedingt die Konturen? 
Was macht die Räume flach- oder tiefgründig? Ueberall 
stoßen wir hier auf den Kreis der epirogenetischen Vor- 
gänge. Wenn es also richtig ist, daß die Epirogenese die 
Orogenese in sehr wesentlichen Zügen bedingt, so bringt uns 
auch wohl erst ihr Studium, d. h. dasjenige der bedin- 
genden Verhältnisse, zu einer vertiefteren Auffassung der 
orogenetischen, d. h. der bedingten Vorgänge. Und indem 
wir bei dem Studium der Epirogenese die Paläogeographie 
in hohem Maße heranziehen müssen, erweist sich diese als 
wichtige Hilfswissenschaft der Tektonik. 

Zweitens, so sagte ich, zeigt sich, wenn wir die Epiro- 
genese neben den weit sinnfälligeren „gebirgsbildenden" Er- 
eignissen gebührend berücksichtigen, daß .manche einge- 
wurzelte Vorstellung über den Mechanismus gebirgsbildender 
Vorgänge nicht haltbar ist. Wenn zweierlei Vorgänge ein 
lektonisches Bild, wie es z. B. die Verteilung der Forma- 
tionen in Mitteleuropa bietet, bedingen, und wenn man dann 
die Verschiebungseffekto, die hier feststellbar sind, allein der 
einen Vorgangsart auf das Konto setzt, so müssen sich selbst- 
verständlich falsche Vorstellungen* über diese Vorgangsari 
entwickeln. Zieht man aber von den angeblichen Allein - 
leistungen der Orogenese und ihrer Erscheinungsformen, so 
der Verwerfungen, dasjenige ab, was nicht durch sie, son- 
dern durch die epirogenetischen Vorgänge erzielt worden 
ist, so muß sich manche herkömmliche Ansicht ändern, 
oft sogar in ihr Gegenteil. Dann sind z.B.,— ich wähle hiei- 
solche Fälle, .die ich an anderer Stelle bereits berührt habe — . 
die Meere nicht mehr eingebrochen; dann gibt es kein 
Einbrechen des Rheintalgrabens und ähnlicher Undations- 
gräben mehr, sondern unter Aufwärtsbewegung ist 
die Ausfüllungsmasse des epirogenetisch entstandenen 



169 



Bebkeii!? zu einem „Graben" g-eworden; dann seh(^i> 
wir ein, daß beim Aufreißen der ßandbrüche zwischen 
den „alten Massen" und den „Senkungsfeldern" die „Seu- 
kungsfelder" der relativ gehobene und die „Massen" der 
relativ gesinikene Teil sind; dann ist es auch wohl endgültig 
vorbei mit der Erklärung des deutschen Schollengebirget* 
durch differentielle radiale Senkung. 

Wenn also E. de Martonne»^) sagte, daß wir bei der- 
I^schäftigung mit der Epirogenese an der Schwelle einer 
ganzen Welt neuer, noch ungeklärter Fragen, die von größter 
geographischer Wichtigkeit sind, stehen, so stehen 
wir damit aucli an der Schwelle einer ganzen Welt iieuiii- 
Fragen von ■ größter geologisciier Wichtigkeit. 

So ist es ra. E. wahrlich vonnöten, daß das Studium 
der Epirogenese nicht die Domäne der Morphologen bleibt, 
sondern daß sich auch der Geologe bei der Lösung der 
Fragen aus älterer Vergangenheit ihrer Bedeutung weit 
mehr als bisher bewußt wird. Allerdings besteht noch eine 
gewisse Unklarheit, um nicht zu sagen Verwirrung, über die 
Begriffe Orogenese und Epirogenese, und wenn de Martonnk 
(1. c.) 1909 hervorhob, daß noch nicht einmal die Termino- 
logie feststeht, so ist es damit heute nicht bosser, son- 
dern, wie ich aus literarischen Neuerscheinungen der 
letzten Jahre wieder ersehe, eher schlimmer bestellt. 
Klarheit der Begriffe ist aber die Vorbedingung, um mit 
ihnen arbeiten zu können, — und diese Klarheit zu för- 
dern, mache ich heute den Versuch. Ich gehe dabei von 
der Urbedeutung der Begriffe Orogenese und Epirogenese 
aus, wie sie in G. K. Gilberts Fundamentalwerke') 
festgelegt ist; ich gehe dann auf eine Begriffs- 
fassung ein, die gerade mit Rücksicht auf das hohe 
wissenschaftliche Ansehen ihres Autors verwirrend zu 
wirken geeignet ist und neuerdings wieder gewirkt hat. 
ich meine diejenige E. Haugs; ich suche endlich diejenige 
Begriffsumschreibung nach anderer und eigenen Arbeiten 
zu geben, die, wenn notwendigerweise auch hinausgehend 
über Gilberts Begriffsbestimmungen, doch den Grundvor- 
stellungen Gilberts entspricht »und auf diesen aufbauend 
eine möglichst klare Scheidung der zwei großen Gruppen 
tektonischer Vorgänge ermöglicht. 



6) E. DE Martonnb, Traite de Geographie physique. Paris 
1909. S. 508. 

■') G. K. Gilbert, Lake Bonne ville, 0. S. Geol. Surv. Moiiu 
graphs r. 1890. 



170 



I. Die Begriffe Orogenese und Epirogenese in GILBERT» 
„Lake Bonneville". 

(Unterscheidung nach morphologischem 
Ergebnis und Vorgangsart.) 

Der Begriff der Epirogenese ist im Great ßasin, dem 
großen, zwischen den Pazifischen Ketten (Sierra Nevada) 
und den Rocky Mountains gelegenen abflußlosen Gebiet des 
westlichen Nordamerikas, beheimatet, und zwar im Becken 
des ehemaligen Lake Bonneville, dessen letzter Rest heute 
noch im Großen Salzsee vorhanden ist. Hier hat G. K. 
GiriLBEET (1. c.) zum erstenmal die Gesamtheit der tektonischen 
Deformationen der Erdkruste oder den Diastrophismus, wie 
er im Anschluß an J. W. Powell sagte, in „Grogeny" 
und „Epeirogeny" eingeteilt. 

Die große Hohlform des Great Basin besteht in sich 
wieder aus einer Unzahl von einzelnen Becken und 
Ketten. Sie beherbergt die Basin Ranges, die den bekannten 
tektonischen Typus („Basin-Range-Type") der von Ver- 
werfungen umgrenzten monoklinalen Blöcke /eigen. 
Zwischen den einzelnen Blöcken, die Verwerfungen ver- 
hüllend, liegen die Ebenen (Wüsten). Die Höhenlage der 
rund hundert Einzelbecken sinkt von etwa 5000 Fuß im 
Norden bis zur Meereshöhe im Süden ab. 

Etwa ein Viertel des Great Basin überdeckte einst der 
Lake Bonneville, der Gegenstand der für die Entwicklung 
moderner tektonischer Anschauungen so grundlegend ge- 
wordenen Monographie Gilberts. Im Osten umschloß ihn, 
um mehrere tausend Fuß ihn überragend, die Bergmasse 
der Wasatch Mountains. 

Im Zusammenhang mit den klimatischen Schwankungen 
der Quartärzeit waren Tiefe und Ausdehnung des Sees 
großen Schwankungen unterlegen. Die Maxima der Seehöhe, 
die beiden Bonneville-Stadien, fielen zusammen mit den 
Maxima der Vereisungen in der Sierra Nevada und dem 
Wasatch-Gebirge. Im Interglacial- Stadium (Bonneville- 
Zwischenstadium) war der See flach und eingeengt, und 
in der postglazialen Zeit verkümmerte er von seiner größten 
Ausdehnung, die er im zweiten Bonneville- Stadium besessen 
hatte, zum heutigen Salzsee. 

Die verschiedenen Stadien der Seehöhe haben nun das 
hinterlassen, das für Gilbert den Ausgangspunkt für die 
Vorstellung der epirogenetischen Bewegungen gebildet hat, 



171 

nämlich die einst horizontalen, heute aber vielfach ver- 
bogenen und zum Teil auch verworfenen Seeterrassen, Von 
diesen liegt die „Bonneville-Shoreline" durchschnittlich etwa 
tausend Fuß, die „Provo-Shoreline", die entstanden ist, als der 
Sfjcvpiegel sich in postglazialer Zeit länger in einigermaßen 
gleicher Höhe hielt, rund 625 Fuß über dem großen Salz- 
see. Zahlreiche weitere Terrassen kommen hinzu. 

Zweierlei morphologisch-tektonische Elemente erkennt 
Gilbert im Gebiete des Lake Bonneville und überhaupt des 
Great Basin, nämlich erstens die weit gespannten 
H h 1 f o r ni e n , wie das Great Basin oder das Bonne- 
ville-Basin, und zweitens die Berggestalten, wie die 
einzelnen Bergrücken innerhalb des Beckens und das 
Wasatch-Gebirge. 

(Diejenigen tektonischen Vorgänge, die 
die Berggestalten hervorrufen, sind die oro- 
genetischen. 

Demgegenüber hat, so sagt Gilbert, die Sprache für die 
weit spann igen Bewegungen („broad m o vo- 
rn ents"), die „Kontinente und Plateaus, ozea- 
nische Becken und kontinentale Basin s" 
schaffen, keinen gleichtreffenden Ausdruck, und für Vor- 
gänge dieser Art schlägt er nun die Bezeichnung „e p e i - 
r g e n e t i s c h" vor^). 

Epirogenetisch heißt zwar festlandbildend; aber ich 
möchte gleich hier feststellen, daß, als diese Bezeichnung 
in die geologische Terminologie eingeführt wurde, ihr Autor 
darunter nicht nur die aufwärtigen Bewegungen, die 
zur Bildung von Festländern führen, verstand, sondern daß 
er nachdrücklich auch die abwärtigen Bewegungen, die 
ozeanische und kontinentale Becken entstehen lassen, eih- 
begriff , Ja daß sogar der Urtypus des epirogene- 
tisch e n Gebildes nicht ein gehobenes Festland, sondern 
ein gesunkenes Becken gewesen ist. Diese epirogene- 
tischen Vorgänge sind nun nach Gilbert das Ergebnis von 
Verbiegungen, und Gilbert hat ja gerade durch die 
Untersuchung der jungen Verbiegungen der Terrassen des 
Bonneville-Sees die Vorstellung der Epirogenese gewonnen. 

Gewiß ist zutreffend, daß die vertikalen Aufwärts- und 
Abwärtsbewegungen die hauptsächlichsten Erscheinung« - 



8) Neben der griechischen Wortform ep e i rogenetisch hat 
sich die latinisierte Form ep i rogenetisch in der Literatur stark 
eingeführt. Z. B. hat sich Hauq für sie entschieden (Traitc, 
S. 507.) 



172 



formen der weitspannigen Verbiegungen, wie Gilbert sie 
sich vorstellte, sind; aber trotzdem müssen wir festhalten, 
daß bei Gilbert die begriff bestimmende Grundvorstellung 
nicht das vertikale der Bewegungsvorgänge gewesen ist. 
sondern eben die durch Strand linien verbieg ungen nach 
gewiesenen Veränderungen, die weite Flächenräume be- 
treffen»). 

Weit mehr schwebte Gilbert, so scheint es, die Voi- 
stellung der Vertikalbewegung in bezug auf die oroge ne- 
tischen Vorgänge, d. h. das ,,Mountain-making"', vor. Jeden- 
falls werden von ihm die jungen Verwerfungen entlang dem 
Westfuße des Wasatch-Gebirges gerade deswegen als orogenc- 
tische Gebilde angesprochen, weil sie im Sinne der H e r - 
aushebung des Gebirges gewirkt haben sollen. 

Oft liest man in der geologischen Literatur, daß Gilbert 
unter Epirogenese kurzhin die vertikale Bewegung der Fest- 
länder oder gar die vertikale Aufwärtsbewegung der Fest- 
länder verstanden habe^o). Aber das ist, wie wir gesehen 
haben, ungenau, und zwar erstens, weil von ihm unter 
Epirogenese nicht nur die Bewegung der Festländer, sondern 
auch diejenige der Meeresbecken usw. verstanden wurde, 
imd zweitens, weil der Begriff des vertikalen gegenübcM 
dem Begriff der Verbiegung zurücktritt. 

Wir finden im „Lake Bonne ville" eine Doppeldefinition 
für die Begriffe Epirogenese und Orogenese. und zwar in 
erster Linie diejenige nach den entstehenden morphologischen 
Gebilden und in zweiter diejenige nach den endogenen Vor 
gangen, die zu den morphologischen Gestaltungen geführt 
haben. Schon in den Worten Oro- und Epirogenese tritt 
uns dieses entgegen, je nachdem wir ihren ersten oder 
zweiten Teil betonen. Epirogenese ist einerseits das „Con- 



^) „Die durch Strandliiiieuverbiegung festge.stellten Vo^rändp 
rungen betreffen weite Flärlien und sind epirogenetisch" (Git.bel't. 
a. a. O., S. 368.) 

10) Vgl. z. B. H. VON Staff, a. a. O., S. 215, der in einer 
Diskussion gegen meine Anwendungsart des Begriffs Epii-ogene.-^e 
sich darauf stützen will, daß Gilhp:rt als epirogenetisch in erstei- 
Linie vertikal hebende Kraftäußerungen bezeichnet habe. ■\\^enii 
VON Staff weiter sagt, daß ich den Ausdruck epirogenetisch für 
.Absenkungen der Geosynklinalbezirke reservieren 
wolle, und daß das kontinuierliche Aufsteigen von Küstengebieten 
von mir als orogenetisch klassifiziert würde (S'. 217, letzter 
Absatz), daß ferner in küstennahen Zonen mit abw^echselnder 
Hebung und Senkun-g nach meiner Ausdnicksart die Hebung 
(Landgewinn) als orogenetisch, die Senkung als epirogenetisch 
zu bezeichnen wäre, so hat er meine Arbeiten nicht verstanden. 



173 



Linent-making" und andererseits der Vorgang der weit- 
spannigen Verbiegungen ; Orogenese ist einerseits das „Moun- 
tain-making'" und andererseits der entsprechende dis- 
lozierende Vorgang. Es steht also neben der r e s u 1 1 a t - 
liehen Definition eine v o r g a n g s a r 1 1 i c h e. 

In dieser Doppeldefinition liegt nun nach heutigem Stande 
des Wissens eine gewisse Zwiespältigkeit insofern, als 
Krustenbewegungen, die nach der vorgangsartlichen Defi- 
nition unzweifelhaft epirogcnetisch sind (weitspannige Auf- 
wölbungen als „broader swells"), zu Berggestalten 
führen können, also nach der resultatlichen Definition oro- 
genetischer Art sein würden. Ich denke dabei nicht nur an 
(iebirge mit älterer Struktur, wie etwa das skandinavische 
Hochgebirge, den Ural, die AUeghanies, deren jetzige Er- 
s(,'.heinungsform als Gebirge nichts mit den alten Faltungs- 
vorgängen zu tun hat, sondern auf Massenhebung und an- 
schließende Modellierung durch die Denudation zurückgeht, 
sondern es hat sich ja auch für viele unserer Kettengebirge 
mit junger Faltungsstruktur ergeben, daß die durch die oro- 
genetische Aufwölbung zunächst entstandenen Hochgebirg-e 
zu niedrigeren Mittelgebirgslandschaften oder gar weithin 
zu Rumpfflächen eingeebnet worden waren, und daß erst 
eine spätere, nun aber weitspannige Aufwölbung von neuem 
das morphologische Bild des CJebirges hervorgerufen hat. 
Diese jüngeren Bewegungen charakterisieren sich durch die 
flache Verbiegung junger morphologischer Gebilde, z. B. 
\on jungen Peneplains oder von Talterrassen, in ähnlicher 
Weise als epirogenetisch, wie Gilbert durch die Verbie- 
gungen der Terrassen des Lake Bonneville zu der Vor- 
stellung der Epirogenese geführt worden ist. 

Es hat sich also im Fortschritt der Wissenschaft her- 
ausgestellt, daß die von Gilbert als epirogenetisch be- 
zeichneten Vorgänge auch Gebirge erzeugen können, 
und wir müssen also nunmehr bei der Bezeichnung epiroge- 
netisch den Nachdruck weniger auf das r e s u 1 1 a 1 1 i c h c; 
als "das a r 1 1 i c h'^e der Vorgänge legen, d. h. auf die „broad 
movements'", wie sie z. B. in den Terrassenverbiegungen des 
Lake Bonneville zum Ausdruck kommen. Der Vorstellungs- 
kreis des Jahres 1890 schien noch eine Definition nach 
dem Resultat solcher Vorgänge zuzulassen; die heutige Ei'- 
fahrung steht dem aber entgegen. Gewiß ist die Epiro- 
genese auch heute noch diejenige Art von Diastrophismus, 
die Kontinente und Plateaus, ozeanische 
Becken und kontinentale Bassins schafft, aber 



174 



darüber hinaus schafft sie auch Berggestalten oder 
wölbt wenigstens die Erdkruste strichweise derartig auf, 
daß die danach einsetzende Erosion Berggestalten hervorruft. 
Der Vorgang der Epirogenese ist durch Gilbert wohl 
definiert. Daß dieser Vorgang zu Festländern usw. und 
nicht zu Gebirgen führt, ist eine subjektive Meinung Gii-- 
BBKTS gewesen, die für die rein äußerliche Nomenklatur 
e p i r ogenetisch (im Gegensatz zu o r ogenetisch) bestim- 
mend gewesen ist; wollen wir streng kritisch der Urbedeutung 
des Wortes nachgehen, so ist also Epirogenese diejenige 
ganz bestimmt definierte Art von Diastrophisraus, die nach 
subjektiver Ansicht Gilberts wohl Festländer usw., aber 
keine Gebirge schafft. Ist diese subjektive Ansicht nun auch 
überholt, so bleibt doch der wohldefinierte Kreis der objek- 
tiven Vorgänge in alter Art bestehen, und ich sehe nicht 
die Notwendigkeit ein, ihm die alte Bezeichnungsweise zu 
nehmen und eine neue statt ihrer einzuführen. Epirogenesen 
sind, so sagen wir auch jetzt noch im Sinne Gilberts, die weit- 
spannigen Bewegungen in der Erdkruste, die, wie Gilbert 
richtig erkannte, Festländer usw. schaffen, — die darüber 
hinaus zwar auch in gewissen Fällen zur Bildung von Ge- 
birgen führen können. Wollte aber jemand die GiLBERTSche 
Bezeichnung ,, Epirogenese", da sie auch einen im Sinne 
der resultatlichen Definition Gilberts ^ „oro- 
genetischen" Vorgang umfassen kann, überhaupt ver- 
Averfen, so wäre ihm vielleicht mit den Bezeich- 
nungen „Undation" und „Undulation"ii) gedient, die 
ich aber nicht als Ersatz für die Bezeichnungen Epiro- 
genese und Orogenese, sondern nur als wortbildliche Ver- 
anachaulichung derselben gebrauche. 

Orogenese ist nach Gilbert der Kreis der Vorgänge, 
die im Gegensatz' zu den ,,broader swells" die „«narrowei^ 
geographical waves", die Berggestalten, schaffen. 

Es gründet sich also auch hier die Definition zunächst 
auf die entstehenden morphologischen Gebilde. Die Defi- 
nition nach der Art des Diastrophismus, der zu diesen Ge- 
bilden führt, ist jedoch nicht so scharf, wie im Falle der 
Epirogenese. Aber wenn von den „narrower waves" im 
Gegensatz zu den „broader swells" die Rede ist, oder wenn 
die Verwerfungen entlang dem Westfuße des Wasatch-Ge- 
hirges oder wenn die dislozierenden Vorgänge, die innerhalb 
des Great Basin den Basin-Range-Typus geschaffen haben. 



1^) Tektonische Evolutionen und Revolutionen usw; 1. c, S. 24. 



175 

als orogenetisch angesprochen werden, so wissen wir, daß 
es sich um jene Vorgänge handelt, die auch nach dem 
deutschen Sprachgebrauch die „gebirgsbildenden" sind, näm- 
lich um Faltungen, Überschiebungen, Verwerfungen usw. 
Allerdings hat sich Gilbert keineswegs dahin ausgesprochen, 
daß Jede Verwerfung ein Erzeugnis der Orogenese wäre, 
sondern er hat nur in den von ihm herangezogenen Fällen die 
Verwerfungen deswegen als „orogenetische" Erscheinungen 
klassifiziert, weil sie hier „gebirgsbildend" gewirkt haben. 

Die Definition der Orogenese als des äußerlich ge- 
birgsbildenden Vorgangs müssen wir fallen lassen, wie man ja 
im allgemeinen auch längst getan hat, — nicht etwa, weil 
die hierunter verstandenen Vorgänge nicht „gebirgs- 
bildend" wirkten, sondern weil auch ganz andersartige Vor- 
gänge (Epirogenese, ,,broad movements") dieses tun. 

Damit teilt der Begriff Orogenese das Schicksal des ent- 
sprechenden deutschen Wortes „Gebirgsbildung". -— G«wiß 
hat man darunter anfänglich die Vorgänge verstanden, die 
„Gebirge bilden"; aber heute denkt man beim Gebrauch dieses 
Wortes nicht mehr oder doch erst in zweiter Linie an die 
morphologische Form desGebirges, sondern an alle die Verände- 
rungen in den gegenseitigen Lageverhältnissen der G^steins- 
massen, die in der Struktur des Untergrundes zum Aus- 
druck kommen. Und wenn wir bei dem Begriff Orogenese 
in gleicher Weise verfahren, so entfernen wir uns kaum von 
der GiLBEETschen Grundidee, denn diese basierte auf der 
Gegensätzlichkeit zwischen den weitspannenden, oder, me 
ich sagen möchte, den ,,regionalen"i2) Verbiegungen, wie das 
Becken des Lake Bonneville sie kennen gelehrt hat, und den 
„eigentlichen" tektonischen Vorgängen, wie sie z. B. den 
Basin-Range-Typus geschaffen haben. 

Blicken wir zurück, so hat also Gilbert in „Lake 
Bonneville" die Begriffe Orogenese und Epirogenese in erster 
Linie im Hinblick auf das morphologische Ergebnis ge- 
braucht; aber daneben stehen für ihn, besonders klar hin 
sichtlich der Epirogenese, die ganz bestimmten endogenen 
Vorgänge, die nach seiner Meinung jene morphologischen 
Ergebnisse zeitigen. 

Die Definition nach dem morphologischen Ergebnis 
ist heute nur noch teilweise verwendbar; wohl aber werden 
durch die vorgangsartliche Definition, wie Gilbert sie 
wenigstens in dem einen Falle klar ausspricht und wie sie 



**) „Regional", -weil für weite Gebiete gleichsinnig-. 



70 



im anderen Falle aus den gegebenen Beispielen zu ent- 
nehmen ist, die beiden großen Kategorien tektonischer Vor- 
gänge scharf unterschieden. 

II. Unterscheidung- von Orogenese und Epirogenese nach 
im wesentlichen raumartlichen Gesichtspunkten. 

A. Hau g. 

1 . Hauos Unterscheidung von Orogenese und 

Epirogenese. 

Wenn wir Haugs Definition von Orogenese und Epiro- 
genese verstehen woUen^^), so müssen wir vom Begriff der 
Geosynklinalen, wie er ihn auffaßt, ausgehen. Sie sind nach 
ihm besonders mobile Zonen der Erdkruste, stets gelegen 
zwischen zwei relativ stabilen Massen. Sie sind nach 
ihm ferner bis zu ihrer Auffaltung marine Depressionen von 
ziemlich beträchtlicher Tiefe (Geosyncl. S. 632). Alle tekto- 
nischen Vorgänge verlaufen nach ihm in den Geosynklinalen 
longitudinal (posthum zum älteren Untergrunde), und schon 
hierdurch unterscheiden sie sich von Senkungsräumen ganz 
anderer Art, den HAUGschen ,, Aires d'Eniioyage", die durcli 
Quersegmentierung gefalteter Zonen entstehen. Zwischen 
diesen liegen als transversale Hebungszonen die ,, Aires de 
8urelevation"ii). 

Die Bezeichnung ,,Ennoyage" soll nach einer mündlichen 
Mitteilung von J. Cornet im Kohlenbecken von Mons be- 
heimatet sein. Man versteht darunter die auch sonst in 
gefalteten Gebirgen häufig zu beobachtende Erscheinung, 
daß die Achsen der Sättel und Mulden auf gewisse Er- 
streckung quer zu ihrem Streichen einsinken, um sich weiter- 
hin wieder herauszuheben. Das sind Erscheinungen, die sich 
in vielen Fällen durch eine Art von Querfaltung, die sich 
mit der Hauptfaltung vergittert, erklären lassen. Solche 
Erscheinungen haben wir ja auch in ausgedehntem Maße 



13) Emile Haüg, Les Geosynclinanx et les Aires continea- 
lales. Bull. Soc. geol. Franoe, 1900, 3. Serie, Bd. XX VIII. 
S. 617 ff. 

Derselbe, Traite de Geologie, Paris 1907—1911. 

^*) „'^^ propose d'appeler a i r e de s u r e 1 (■ v a t i o n 
i-uute partie dun faisceau de plissement dans laquelle ies axes 
des plis sont portes ä une altitude maximum et aire d ' e n - 
rioyage toute partie du meme faisceau dans laquelle les axe.s 
8e trouvent ä leur minimum d'altitudo.'' (Haug, Geosynclinaux, 
S. 666/667.) 



177 



in unseren niitteldeutsclien SchoUengeljirgen als Interferenz- 
wirkung zwischen herzynischer und rlieinischer Gebirgs- 
bildung. V^on Achsenbuckeln und Achsensenken habe ich 
dort gesprochen, und die Achsensenken sind etwa vergleich- 
bai' den „Ennoyages" im belgischen Carbon. 

Auch nach Haug bilden sich die Aires de Sur>Uevation 
und Aires d'Ennoyage vielfach schon bei der flauptfiltiuig 
(Geosyncl. S. 669). Bei unseren jetzigen Betrachtungen 
konunt es aber auf diejenigen Segmentierungen gefalteter 
Zonen durch Hebungs- und Senkungserscheinuungen an, die 
der Faltung folgen. Es bilden sich allmählich Senk- 
zonen aus, in die das Meer eindringt oder die auch dann, 
wenn sie kontinentalen Charakter behalten, zu St'itteu dei- 
Sedimentation werden. Sie liegen zwischen anderen Quer- 
zonen, die in eine Aufwärtsbewegung geraten. Das sind 
die eigentlichen Aires d'Ennoyage und Aires de Surelövatioii 
bei Haug, und am besten übersetzen wir diese Worte in 
diesem zweiten Sinne wohl' mit ,, Quersenke" (Transversal- 
senke) und ,, Querschwelle" (Transversalschwelle)^^). Haug 
hatte die deutsche Übersetzung „Auffaltungsfeld" und ,,Ein- 
faltungsfeld^" vorgeschlagen (Geosyncl. S. 667, Anm. 1). Das 
klassische Beispiel einer derartigen Transversalsenke ist für 
Haug das Pariser Becken, das einer Einsenkung quer zum 
armorikanisch-variszischen Streichen seine Entstehung ver- 
dankt; eine andere Aire d'Ennoyage großen Stils ist für 
ihn das germanische Triasbecken in seiner im großen und 
ganzen meridionalen Erstreckung von der Provence bis zur 
Nordsee (Traite, S. 918). 

Nach Haug sind nun Epirogenese und Urogeriese im 
wesentlichen nach der Art der Räume zu trennen, in denen 
sie sich ereignen, und zwar hat die Orogenese ihren Schau- 
platz in den Geosynklinalen. Hier geht die Faltung vor 
sich, und Orogenese ist für Haug (Traite, S. 15) zunächst 
die Zusammenpressung bestimmter Zonen unter der Wirkung 
seitlichen Druckes. Aber nicht nur die Faltungen, sondern 
alle tektonischen Bewegungen in den Geosynklinalen sind 



1^) Unter Zugruudelejjuiif;- der in Kapitel HI ym entwickeln- 
den Definition von ,,oz'ogeneti.sch" und ,,epirogenetisch"" sind die 
Aires de Surelevation und Aires d'Ennoyage, soweit sie zusammen 
mit der Faltung entstehen, orogenetische Quer s ä 1 1 e 1 
und Quer m u 1 d e n , dagegen die Aires de Surelevation und Aires 
d'Ennoyage im engeren Sinne, die sich infolge nachträgliche!- 
säkularer Segmentierung gefalteter Zonen bilden, e p i r o - 
genetische Quer schwellen und Quer senken. 

ZeitBchr. d. D. GpoI. Gps. 1Q19. 1- 



178 



Orogenesen oder docli Vorläufer oder Nachklänge solcher, 
und dabei ist Haug (siehe oben) der Ansicht, daß die 
geosynklinalen Bewegungen durchweg'- longituclinal (posthum) 
zu den älteren Palten verlauf cd und also die Greosynklinalen 
nie quer zu ihrem Verlaufe (Traite, S. 508) segmentiert sind. 

Orogenetische Ereignisse sind somit auch die säkularen 
Absenkungen der Geosynklinalen und die Entstehung der 
Mittelschwellen in ihnen, d. h. solche Vorgänge, die zu- 
nächst als rein vertikale Oszillation erscheinen, mag diese 
Oszillation abwärts (Absenkung der Oeosynklinalen) oder 
aufwärts (Entstehung der Alittelschwellen) gerichtet sein. 

Sind die orogenetischen Bewegungen an die Gk^osynklinal- 
gebiete gebunden, so die epirogenetischen an die Festländer. 

„Epirogenetische Bewegungen, d. h. die vertikalen, und 
zwar sowohl positiven wie negativen (Oszillationen der Kon- 
tinentalgebiete", so lesen wir im Traite de Geologie (iS. 512). 
Diese Bewegungen führen zu einer Segmentierung der Falten- 
zonen innerhalb der Kontinentalgebiete, d. h. zur Bildung 
von Aires de Surelevation und Aires d'Ennoyage. So heben 
sich z. B. durch epirogenetische Vorgänge in der Faltungs- 
zone Balkan — Kaukasus diese beiden Gebirge heraus, wähi-end 
d£is Zwischenstück zwischen ihnen in die Tiefe sinkt und 
der Pontus entsteht. Die epirogenetischen Oszillationen sind 
^ilso aucdi bei Haug, wie wir sehen, sowohl positiver als auch 
negativer Art. So spricht er bei der Erörterung eines mög- 
lichen Zusammenhanges von Epirogenese und Vereisung von 
den epirogenetischen Hebungen, die zu Vereisungen 
führen, und den epirogenetischen Senkungen, die die 
Gletscher abschmelzen lassen.' Von den orogenetischen Vor- 
gängen unterscheiden sie sich im wesentlichen dadurch, 
daß sie senkrecht zur Struktur des Untergrundes gerichtet 
sind. „Die epirogenetischen Bewegungen, d. h. die Sure- 
levations und Ennoyages. die transversal zu illteren 
Faltungszonen eingetreten sind", so heißt es z. B. im 
Traite, S. 734. 

Von der Unterscheidung der orogenetischen Vorgänjre 
als derjenigen in den Geosynklinalen und der epirogenetischen 
als derjenigen in den Festlandsschwellen einschließlich der 
Aires d'Ennoyage macht nun Haug die Ausnahm(\ d:ii.> 
die posthum, also longitudinal, gerichteten Bewegungen auch 
in den Aires d'Ennoyage als orogenetisch zu gelten haben. 
Das sagt er deutlich z. B. in bezug auf die typische Aire 
d'Ennoyage des Pariser Beckens, indem er (Traite. S. 1574) 
die ..niouvements orogeniques paralleles ä In direction des 



179 



anciens plis"" von den „mouvements epirogeniques perpen- 
diculaires ä cette direction" unterscheidet. Und damit wird 
in der HAUGschen Praxis das Longitudinale oder Transversale 
der Vorgänge /.um wesentlichen ünterscheidung-sprin/ipi«). 
Das sehen wir deutlich, wenn wir im Traite de Geologie 
hei den einzelnen Formationen die Kapitel über Orogenese 
und Epirogenese nachlesen. 

Nehmen wir z. B. das Devon (Traite. 8. 729 ff.). 
Die Jungsilurische Faltung hatte das Meer aus dem 
ehemaligen Geosynklinalraume des heutigen Brabanter 
Massivs und der Ardennen verdrängt; schrittweise 
kehrt es hierlici' zAU'ück. zum Teil schon im Gedinnien, 
dann im unteren Mitteldevon, dann im oberen Mitteldevon; 
daß es sich dabei im allgemeinen parallel zu den jung- 
silurischen Falten vorschiebt, ist für Haug der .A.usdruck 
für den o r o g c n e t i s c h e n Charakter jener tektonischen 
Bewegungen, die die neue Überflutung ermöglichten. Auch im 
Timan und im Ural steht, wie Haug- meint, die mittel- 
devonische Transgression mit o r o g e n e t i s c h e n Bewegun- 
gen in Zusamjnenhang, denn Timan und Ural sind 
nach SuBss Gebilde auf altem Plane. .Aus ähnlichem Grunde 
sollen in Asien die Bewegungen, die die mitteldevonische 
Transgression herbeigeführt haben, o r o g e n e t i s c h e r Art 
.sein, wie auch diejenigen am Südwestrande des kan;ulischen 
Schildes, wo die Synklinale Depression etwa parallel zu den 
vorkambrischen Falten liegt. In Brasilien Ist nach Katzers 
Aufnahme die Ingression des Devonmeeres parallel zu den 
alten Falten erfolgt; also handelt es sich, wie Haug sagt, 
um eine oro gene tisc he und nicht um eine epiro- 
genetischc Bewegung. Und so geht es weiter. Immer sind 
die abwärtigen Oszillationen, die das Meer vorrücken lassen, 
dann oroge netischer Art, wenn sie posthum zum 
Streichen der vorausgegangenen Faltung- verlaufen. Um- 
gekehrt ereigneten sich gleichzeitig in England Bewegamgen 
transversal zu den älteren Faltungen und führten zu Ver- 
legungen der Uferlinien; das sind Bewegvmgen epiro- 
genetische r Art. 

Oder betrachten wir Haugs Ausführungen über die tek- 
tonischen Bewegungen in der Ti'iaszeit (Ti'aite, S. 918). 



16) Vgl z. B. auch Traite S. 508. ,,Le.s zones de plisse- 
ments . . . peuvent prewenter a la fois des mouvements oro- 
ge n i q u e s posthumcis, paralleles ä la direction des plis 
anciens, e.t des mouvements e p i r o g e n i q u e s , sous la forme 
<.le surelevations transversales ,'i eette direetion." 

12* 



180 



In der Trias entstehen Geosynklinalen, die mit denen des 
Pa^läozoikums im wesentlichen /usammenfallen, nur schmäler 
sind; ihre Entstehung- ist wegen der Parallelität der Achsen 
nach Haug ein orogenetischer Vorgang. Andererseits 
ist das Becken der germanischen Trias, da es sich im 
wesentlichen quer zum vanscischen Streichen erstrecken 
soll, ein Gebilde epiroge netisch er Entstehung, und 
epirogenetische Bewegungen vertieften auch das 
Becken in der Muschelkalkzeit. 

Eine Unterscheidung von orogenetischen und epirogene- 
tischen Vorgängen hinsichtlich der Zeitlichkeit ihres Eintretens 
findet sich bei Haug nicht, im Gegenteil sind sie für ihn gleich- 
zeitige Erscheinungen, die sich nur in verschiedenen Räumen 
und über verschiedenartigem Untergrunde abspielen. „Die 
orogenetischen Bewegungen sind begleitet von gleichzeitigen 
epirogenetischen, die im allgemeinen senkrecht zu ihnen 
stehen, doch mit umgekehrtem Vorzeichen", — so sagt Haug 
im Traite, S. 507, und schon in der ' Fundamentalarbeit 
aus dem Jahre 1900 hatte er die epirogenetischen Bewegungen 
der Kontinentalschwellen und die orogenetischen der Geo- 
synklinalen als gleichzeitig, ,,wenn auch mit umgekehrtem 
Vorzeichen", charakterisiert. 

2. Ein "\v e n d u n g e n gegen H a u g s U n t e r Schei- 
dung von Orogenese und Epirogenese. 

Gegen die HaugscIic Unterscheidungsart von Orogenese 
und Epirogenese habe ich einzuwenden, daß sie 

1. die Gesamtheit des Diastrophismus- nicht in zwei wirk- 
lich scharf und grundsätzlich unterscheidbare Kate- 
gorien trennt, und 

2. der ursprünglichen Bedeutung der Gn^BBRTSchen Be- 
griffe nicht gerecht wird. 

Zu 1 . Haug spricht von den im Streichen verlaufenden 
orogenetischen und den orthogonal dazu sich vollziehenden 
epirogenetischen Bewegungen. Wie aber steht es mit den 
Mittelrichtungen? Sind die Bewegungen, die ihnen 
folgen, epirogenetischer oder orogenetischer Art? Wenden 
wir das HAUGsche Prinzip z. B. auf die jüngere deutsche 
Gebirgsbildung an, so wäre natürlich in West- und Mittel- 
deutschland jegliche herzynische (herzynisch im Sinne von 
Lbop. V. Buch gleich Südost- nordwestlich) Bewegung von 
epirogenetischer Art, dagegen wären die tertiären südwest- 
nordöstlichen Bewegungen, wie wir sie im Oberrheingebiete 



181 



und zurücktretend auch in Mitteldeutschland kennen, oro- 
genetischer Art, denn sie folgen dem variszischen Streichen 
des Untergrundes. Wie ist aber die „rheinische" Gebirgs- 
bildung in Mitteldeutschland, die spießeckig zur variszischen 
verläuft, zu klassifizieren? Sie ist in der Praxis Haugs 
weder orogenetisch noch epiix>genetisch, denn sie ist nicht 
streichend in bezug auf den älteren Untergrund und auch 
nicht orthogonal zu diesem; trotzdem wird Haug sie wohl 
als epirogenetisch ansprechen, wie sich ja überhaupt das 
ehemalige germanische Triasbecken wegen seiner annähernd 
meridionalen Haupterstreckung als eine Aire d'Ennoyage 
charakterisieren soll. Überhaupt wird man sagen, daß man 
den Begriff orthogonal nicht mathematisch fassen darf, da 
ja ganz allgemein das Streichen Schwankungen unterliegt, 
— und ich will auch gern einerseits dem variszischen 
Streichen, dessen Wiederholung die Vorgänge als oro- 
genetische kennzeichnet, und anderseits dem Streichen senk- 
recht dazu, dem Streichen der angeblich epirogenetischen 
Vorgänge, einen gewissen Spielraum geben; aber irgendwo 
muß man doch schließlich die Grenze setzen, wenn man 
nach der Richtung Orogenese und Epirogenese unter- 
scheiden soll. Wie wenig weicht ferner weithin das rheinische 
Streichen, z. B. im Oberrheingebiet, vom variszischen ab, 
wie häufig biegt es in dieses ein und erscheint geradezu 
als eine posthume Wiederholung des variszischen Streichens! 
Wo ist denn hier die Grenze zwischen orogene tischen und 
epirogenetischen Vorgängen, wenn wir das Prinzip Haugs 
zugrunde legen wollen? Und überhaupt haben wir in der 
großen deutschen sog. Aire d'Ennoyage, trotz Vorherrschens 
gewisser Richtungen,, tektonische Bewegungen in allen 
Zwischenrichtungen und immer wieder beobachten wir die 
Einlenkung tektonischer Gebilde aus der einen Richtung in 
die andere, so daß man unmöglich hier, ohne den Dingen Ge- 
walt anzutun, eine Scheidung im Sinne Haugs vornehmen 
könnte. Die HaugscIicu Vorstellungen sind ja zum guten Teil 
im Pariser Becken beheimatet, wo schon Hkim;ut'^) im Jaiirc 
1876 von „perpendikulären" Faltungen gesprochen und wo 
insbesondere Marcel Bkrtrand'») die beiden Systeme der 
,,Hauptundulation6n" und der .^Querundulationen". die hier 



'■'') Hebert, Ondulation!^ de la Craie daii;? de Nord de In 
Kraucc. Ann. des Sciences geolog., VII, Xr. 2, Paris 187G. 

18) Maückt. Bektkand, Sur la Cnntinuit^^ du plienomene di 
plissement daus le Bas.siii de Pai-is. Bull. Soe. geol. France, 
;-'.. Serie. Ikl. .\.X. 1892, S. 118 ff. 



182 



etwa parallel z,u den Breiten- und J Längengraden liegen, 
unterschieden hatte. Doch auch im Pariser Becken ist, 
wie Termieb in seinem Nachrufe auf Marcel 
Beetrand19) hervorhebt, die Bestätigung des von Mabgkl 
Bbrtrand verallgemeinerten Gesetzes des Doppelsystems 
orthogonaler Linien nicht überall zutreffend, und so scheint 
auch Marcel Bertrand nach Tebmiers Auffassung diese 
„Systematisation un peu chimerique" später aufgegeben zu 
haben, denn man findet in seinen jüngeren Schriften kein 
Wort mehr dai'über. ■ Und mögen , wir trotzdem das Unter- 
scheidungsprinzip Haugs unter den einfacheren Verhältnissen 
des Pariser Beckens als zur Not durchführbar ansehen, so 
versa-gt es in anderen Aires d'Ennoyage, wo sich die V'or- 
hältnisse komplizieren, wie i. B. in Mitteldeutschland. 

Und nun weiter. 

Das variszische Streichen ist infolge der Bogenfoi'm 
des jungpaläozoischen Gebirges w^estlich der Elbe nax;li 
Nordosten, estlich der Elbe aber nach Nordwesten gerichtet. 
Damit verlaufen die herzynischen (nordwestlichen) Brüche 
und Falten westlich der Elbe senkrecht, in ihrer Fortsetzung 
östlich der Elbe, z. B. in den Sudeten, aber posthura 
zu den variszischen. Also wären nach der HAUGschen Be- 
zeichnungsweise die gleichai'tigen und gleichgerichteten tek- 
tonischen Bewegungen im Räume östlich der Elbe von 
orogenetischer, im Räume westlich der Elbe von epiro- 
genetischer Art. 

* Und noch etwas anderes. 

Das germanische Zechsteinmeer, dei- Vorläufer des ger- 
manischen Triasbeckens, gilt für Haug als epirogenctische 
Aire d'Ennoyage. „Das Becken der Zechsteinzeit ist epiro- 
genetischer Entstehung, denn es liegt in der Trans versal- 
depression zwischen Ardennen und Böhmischer Masse" 
(Traite, S. 836). Damit hat Haug aber nur einen recht 
kleinen Teil des Zechsteinbeckens im Auge, das in seiner 
Haupterstreckung von Polen und Schlesien bis nach Hol- 
land und England in bezug auf das variszische Gebirge keine 
Aire d'Ennoyage, sondern ein longitudinales Gebilde ist und 
damit in diesem Teile orogenetischer Entstehung sein würde. 
Aber auch in dem Haug vorschwebenden Teile zwischen 
Rheinischer und Böhmischer Masse ist die Umrandung nur 
zum Teil renegant (Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges) . 
zum Teil aber, wie in der allgemeinen Linie Niederschlesien — 



1«) P. Tekmikr. Makcri. iJcKTKAND. Paris 1908, S. 40 w. 41. 



183 



Leipzig, — Nordscliwaben von longitudinaleiu \'erlaut'e. Also 
ist das Zeclisteinbecken auch hier kein rein epiro- 
genetisches Gebilde im Sinne Haugs, sondern mindestens 
haben orogenetische (d. h. posthume) und epirogenetische 
(d. h. in unserem Falle renegante) Bewegungen zusammen- 
gewirkt. Aber wo läge denn innerhalb eines nach Süd- 
westen sich schließenden Beckens, dessen Südkontur durch 
orogenetische, dessen Westkontur durcli epirogenetische Be- 
wegungen bedingt sein Avürde, die Grenze des orogenetischen 
und des epirogenetischen Senkungs Vorganges? 

Ebensowenig ist das germanische Triasbecken als Ganzes 
ein einwandfrei epirogenetLsches Gijbilde nach dem Haü<;- 
schen Bezeichnungsmodus. Vielmehr verläuft seine Südosi- 
kontur von den Sudeten über das Vogtland und das nord- 
östliche Bayern bis nach SQdschwaben im wesentlichen 
longitudinal, und longitudinal ist vor allen Dingen wiedei- 
die Haupterstreckung von Oberschlesien durch Norddeutsch- 
land nach Holland und Kngland. Gewiß liegt die südliche 
Fortsetzung bis hin zur Provence und zum Mittel ländiscdien 
Meere im wesentlichen senkrecht zum \ariszischen Streichen, 
aber nach der räumlichen Ausdehnung ist das nur ein kleines 
Anhängsel an dem großen, im wesentlichen longitudinalen 
Becken Ost-, Mittel- und Norddeutschlands, Hollands und 
Englands. Wieder ergibt sich aber bei derartig koutu- 
i'ierten Räumen die Schwierigkeit der Abgrenzung des „epiro- 
genetischen" von dem ,, orogenetischen" Senkungsvorgange. 

Ich wende also gegen das HAUGsche Unterscheidungs- 
prinzip zunächst ein, daß es in praxi nicht durch- 
führbar ist, wenn man nicht unzweifelhaft zusammen- 
gehörige Dinge trennen und ganz gekünstelte Schnitte legen 
will. Insbesondere kommt es dabei auf folgendes an: 

a) Außer den ])osthumen und transversalen tektonischen 
Erscheinungen gibt es solche nach Zwischenrichtungen, 
Wie sind diese zu klassifizieren? 

b) Falten und Verwerfungen können aus der longitudi- 
nalen Richtung ganz allmählich in die transversale 
oder in mittlere Richtungen . einbiegen; sie wären 
also auf gewisse Erstreckung als orogenetisch, auf 
andere Erstreckung als epirogenetisch zu bezeichnen. 

(•) Dasselbe gilt auch für solche geradlinig fortsetzende 
und einheitliche Systeme von Dislokationen, die in- 
folge der Bogenform im Streichen des älteren Unter- 
grundes bald posthum, bald renegant zu diesem li(\gen. 



184 



(I) Wir lialiei! Senkun^-sräunic von leils longitudinaler. 
teils transversaler, teils spießeckiger Umrandung. 
Hier müßte also der einheitliche Senkungsvorgang 
zum Teil als orogenetisch, zum Teil als epirogenetisch 
klassifiziert werden, und die räumliche (irenze 
zwischen der orogenetischen und der epirogenetischen 
Absenkung wäre gänzlich willkürlicher Art, besonders 
in dem Winkel zwischen einer longitudinalen und einer 
reneganten Kontur. 
Zu 2. Die HAUGsche Unterscheidung von Oro- und 
Epirogenese entspricht in vielfacher Hinsicht nicht der 
historischen Bedeutung dieser Bezeichnungen, wie wir sie 
bei Gilbert finden. Gilbert verstand ja unter Epirogenese 
die Bildung der ,,broader swells" des Bodens im Gegen- 
satz zur Entstehung der ,, narrower waves"; aber die trans- 
versalen Wellen des Pariser Beckens sind ganz gewiß keine 
,,broader swells", sondern ebensogut ,, narrower waves", wie 
die dortigen longitudinalen Falten; daß dabei die Faltung 
in der transversalen Richtung nicht so intensiv ist, wie in 
der longitudinalen, kommt für die Bezeichnungsart nicht 
in Betracht. Und nun gehe man zum germanischen Becken 
und betrachte die große Schar der nordwestlich gerichteten 
Falten, die, da transversal zum variszischen Streichen ge- 
richtet, epirogenetisch sein müßten. Sie alle sind aber 
typische orogenetische Gebilde im Sinne Gilberts. 

Andererseits Averden typische Gebilde großwelliger Ver- 
biegung bei der HAuGschen Unterscheidungsweise als oro- 
genetisch klassifiziert, und ich verweise da nur auf die 
Geosynklinalen. Der Typus des epirogenetischen Gebildes ist 
die Hohlform des Bonneville-Basins, und eingefülu't wird 
die Bezeichnung epirogenetisch geradezu für die weit- 
ausholenden Verbiegungen, die „Kontinente und Plateaus, 
ozeanische Beck e n und kontinentale Basins" schaffen. 
Wenn also Haug die Geosynklinalen als orogenetische Ge- 
bilde anspricht, so gebraucht er in solchem. Falle diese 
Bezeichnung in direktem Widerspruch zu dem, was Gilbert 
darunter verstanden hatte, denn nach der GiLBERTSchen 
Definition sind die Geosynklinalen ebensogut epirogenetischer 
Entstehung, wie die Quersenken nach Art des Pariser 
Beckens, die auch Haug als epirogenetisch bezeichnet. Die 
mit jungen Bildungen aufgefüllten Hohlformen des Bonne- 
ville-Basins und überhaupt des Great Basin haben doch sich(M- 
ihre Haupterstreckung im Streichen der Faltung der nord- 
amerikanischen Kordilleren, d. h. sie sind Gebilde von vor- 



185 



wiegend longitudinaler Art. Damit wäre aber dieses Ur- 
bild der GiLBEETschen Epirogenese unter Zugrundelegung 
derHAUGschen Unterscheidung^weise ein orogenot lache. s 
Gebilde. 

B. JJ A C Q U K. 

Nur mit einem der Autoren, die in der Unterscheidung 
von Orogenese und Epirogenese im wesentlichen den Haug- 
schen Gedankengängen folgen, möchte ich mich hier be- 
fassen, und zwar mit E. Dacque. Nach Seite 106 seines 
in vielfacher Hinsicht sehr schätzenswerten Buches „Grund- 
lagen und Methoden der Paläogeographi6"2o) ist die Oro- 
genesis mit auf- und abwärtigen Bewegungen der labilen 
Zonen der Erdkruste, den sog. ,,Geosynklinalbewegungen", 
verknüpft. , .Diese trennen wir von den epirogenetischen 
ab." Damit sind also für Dacque, ganz im Sinne Haugs, 
die säkularen Absenkungen der Geosynklinalen Vorgänge 
von orogenetischer Art. In einem späteren Kapitel (S. 133) 
sind aber die orogenetischen Bewegungen nicht nur dadurch 
charakterisiert, daß sie sich in echten Geosynklinalen er- 
eignen, sondern auch durch ihren ,, alpinen" Charakter 
(siehe unten). 

Was nun zunächst den Begriff Geosynklinale anlangt, 
so nimmt zwar Dacque auf Seite 127 die von mir gegebene 
Definition der Geosynklinale als ,, eines säkular sinkenden 
Sediinentationsraumes" zunächst an-'i); eine ,, echte" Ge<')- 



"") E. Dacquk, Grundlag-eu und aMotliodeii der' falijo- 
geographie. Jena 1915. 

21) Daß „als notwendige Ergäiizuiii;- 7AI dieser Definition 
noch die Komplementärl)ewegung, die säkulare H e b u n i; 
im "Wechsel Tnit der säkularen Senkung'" hinzukommen müsse, 
ist aus der Geschichte der Geosynklinalen m. E. nicht erweisbar. 
Gewiß können säkulare Hebungen in geosynklinalen Zonen auf- 
treten, so z. B. bei der Ausbildung von Mittelsehwellen, auf di«? 
Haug als erster hmgewiesen hat; auch in den Bandzonen dei- 
Geosynklinalen wechseln unter Umständen mit säkularen Senkun- 
gen säkulare Hebungen ab, was hier in vorübertrehenden 
Regressionen zum Ausdruck kommt. Auch unter anderen Ver- 
hältnissen mag es einmal zu säkularen Aufwärtsbewegungen 
innerhalb geosynklinaler Räume kommen, aber ganz gewiß sind 
sie nicht notwendige Komplimentärbewegungen, die gleich 
den Abwärtsbewegungen zum W e s e n der Geosynklinalen ge- 
hören. So stimme ich auch nicht der Änderung zu, die Dacquk 
(S. 128) an dem von mir gegebenen Zyklus der Vorgänge in 
Geosynklinalgebieten (Senkung und Sedimentation — Faltung — 
Einebnung und Vei'sinken der Falten — Senkung und Sedimen- 
tation usw. Vgl. Tekt. Evol. u. Uevol., a. a. O., S. 13) vor- 



I8(i 



Synklinale muß allerdings noch weiteren Bedingungen go- 
nügen22), nämlich erstens ,, müssen mit ihrer Vertiefung Re- 
gressionen, mit ihrer Verflachung Transgressionen überall 
in den außerhalb liegenden Gebieten sich einstellen" 
(HAUGSches Gesetz) und zweitens müssen in ihr Faltungen 
von „alpinem" Typus auftreten. Dabei werden zwar hin- 
sichtlich beider Kriterien Einschränkungen gemacht, denn 
nach S. 180 ist das erstere ein Gesetz, ,,von dem evS im 
einzelnen oft Ausnahmen gibt", ,, welche zwar der all- 
gemeinen Regel keinen Eintrag tun", und nach Seite 129 
ist die alpine Faltung nur ,,ein häufiges, wenn auch nicht 



nimmt, indem er nach ,, Senkung und Sedimentation" lür ,,Faltunf^".- 
wie ich sagte, „Hebung evtl. bis zur Faltung'' einsetzt. Gewiß 
kommt es vor, daß den Faltungen Verflachungen der Geo- 
synklinalen vorangegangen sind, wie solche auch zu anderen 
Zeiten eintreten, in manchen Fällen vielleicht infolge von Hebung, 
in anderen aber infolge »von Überwiegen des Sedimentations- 
betrages über den Senkungsbetrag. Aber selbst wenn die zuweilen 
vor der Faltung eingetretene Verflachung mit einer säkularen 
Hebung zusammenhing, so war diese Hebung ihrem Betrage 
nach — verglichen mit der Hebung bei der nun einsetzenden 
Faltung — so gering, daß man unmöglich die Faltung als eine 
t'twus fortgeschrittene säkulare Hebung ansprechen kann. Dazu 
ist sie ein ganz andersartiger Vorgang. Sie erfolgt unter weit- 
gehendsten tektonischen Verschiebungen innerhalb der aufsteigen- 
den Massen, während die säkularen Hebungen das innere Gefüge 
des Ik)dens unverändert lassen. 

Auch Macuatschbk (a. a. O., S. 13 und Fig. 2) will in 
dem von mir gegebenen Schema zwischen der epirogenetischen 
Senkung und der orogenetischen Phase (Faltung) eine ,,epiro- 
genetische Hebung" einschalten ; aber hinsichtlich des ßeleg- 
materials, da.s er in der nacholigocänen Geschichte des deutschen 
Hodens zu finden glaubt, kann ich ihm unmöglich folgen, viel- 
meh)- ergibt sich z. B. im Fall der jungmiocänen Gebirgsbildung, 
daß in dem damals schon sehr reduziertem Becken (Nordhannover 
usw.) die starke Sedimentation, d. h. die Senkung, bis zum Ein- 
tritt der Gebirgsbildung angehalten hat. Auch mit der von 
Machatschek vorgenommenen Einschaltung einer (nach seinem 
Schema recht langzeitigen) ,, tektonischen lluhe'' zwischen der 
,,oix)genetischen Phase" und der erneuten ,, epirogenetischen 
Senkung" kann ich nicht einverstanden sein ; jedenfalls ist es 
eine bemerkenswerte Erscheinung in der Erdgeschichte, daß oft 
die Gebirge bald nach ihrer Entstehung ganz 
oder teilweise wieder versinken. (H. Stillk, Tekt. Evol. und 
Revol., a. a. O., S. 11—13.) 

--) S. 127 seines Buchs lehnt Dacqu^ mit mir ab, daß man 
den Begriff Geosynklinale mit allerlei Forderungen belaste, — 
dafür belastet er ihn weiterhin abei' selbst wieder, und zwar mit 
Forderungen, die auch nach ihm nicht einmal luibediugt zu- 
zutreffen brauchen. 



187 



absolut notwendiges Kennzeichen", das ja /. B. in der 
„Geosynklinale von Mozambique"'"^^ fehlt. 

Ich sehe bei Dacque von neuem die Unmöglichkeit 
einer strengen und das logische Empfinden befriedigenden 
Abgrenzung sogenannter „echter" Geosynklinalen von den 
übrigen säkular sinkenden Räumen, und in erster Linie 
diese Unmöglichkeit hat mich veranlaßt, den Begriff 
Geosynklinale sehr weit zu fassen. Ist so die erste Be- 
dingung für den orogenetischen Charakter der Vorgänge, 
nämlich die Entstehung in ,, echten" Geosynklinalen, schon 
wogen der unzureichenden Definition einer „echten" Geo- 
synklinale anfechtbar, so ist in besonderem Maße anfechtbar 
die zweite Forderung, nämlich diejenige des „alpinen" 
P'altungscharakters im Sinne Dacqübs. Denn hier handelt- 
es sich um höchst subjektive Vorstellungen, hinsichtlich 
deren Dagquk wohl kaum große Gefolgschaft finden wird, 
die aber sicher recht ungeeignete Unterlagen für termino- 
logische Unterscheidungen sind. 

„Alpine" Faltung ist nämlich nach Dacque eine .solche, 
bei der nicht Zerrung oder seitlicher Dinick, sondern innere 
Kräfte (thermische Vorgänge und tihemisch-physikalische Ge- 
steinsumsetzungen in deren Gefolge) wirken! Der tangentiale 
Druck wird/ deswegen abgelehnt, „weil er die Geo- 
synklinale eher hinabpressen als sie heben müßte", trotz- 
dem m. E. das Ausweichen des durch tangentialen 
Druck auf geringeren Breitenraum gebrachten Geosynklinal- 
inhalts in den Höhenraum, d. h. also das Aufsteigen des- 
selben, eine nicht gerade unfaßbare Vorstellung ist. 

.Epirogenetisch sind für Dacqüb, kurz gesagt, alle 
nicht orogenetischen Vorgänge. Zu ihnen gehören 
nach S. 106 ,.alle jenen- einfachen vertikalen Auf- und Ab- 



-3) Daß Dacquk die ,,Geo.synklinaIe von Moxambique'" als 
echte Geosynklinale gelten läßt und sogar mit Rücksicht auf sie 
eines seiner Kriterien für eine echte Geosynklinale durchlüchert,^ 
ist wohl auf das Vorbild Haugs zurückzuführen, für den die 
mesozoische Senke zwischen Afrika und Jifadagaskar wegen 
ihrer Lage zwischen den beiden Landmassen ein Beispiel 
einer echten Geosynklinale ist. Aber dabei lehnt doch Dacqu^ 
die Lage zwischen zwei Kontinentalmassen als irrelevant für den 
Begriff der Geosynklinale ab. Die alte Geosynklinale von Mozam- 
bique ist m. E. nach ihrer Art und Geschichte nichts anderes, 
wie viele Einsenkungen in ehemaligen Kontinentaigebieten, die, 
mag ich selbst sie auch als „säkular sinkende Räume" zu den 
Geosynklinalen stellen, nach Dacquk doch gewiß nicht 7ai diesen, 
wenigstens nicht zu den ,, echten'' (icosynklinalen, sondei-ii zu den 
Aires d'Ennoyage zu rechnen sind. 



188 



beweguiif^cu, Hebungen und Senkungen an Brüchen, 
Schleppungen, welche nicht den Charakter von Falten- 
gebirgsbildung alpiner Art haben und nicht Geosynklinal- 
gehieten und deren Bewegungsmechanismus angehören". 

Epirogenetisch ist für Dacqi'k die saxonische Ge- 
birgsbildung2*), denn er läßt das Niederdeutsche Becken 
zwai' als GeosynkUnale kurzhin, jedoch nicht als „echte" 
Geosynklinale gelten. Aber die Konsequenz seiner Ge- 
dankengänge führt m. E. sogar soweit, die Falten des 
Schweizer Juras nicht als orogenetische. sondern als epiro- 
genetische Gebilde anzusprechen. Denn nach ihm ist die 
Faltung des Schweizer Juras nicht eine solche aus „innerer" 
Ursache nach „alpiner" Art, sondern eine Verbiegang 
von Sedimenttafeln durch tangentialen Druck, der durch 
Andrängen der benachbarten alpinen Faltenwellen sekun- 
där erzeugt wurde; gegen den ., alpinen" Charakter spricht 
hier nach Dacquk das Fehlen einer kristallinen Kernzone. 

Ich glaube, daß Vorstellungen, die konsequenterweise 
dazu führen müssen, sogar die Faltung des Schweizer Juras 
als epirogenetisch zu klassifizieren, weiterer Widerlegung 
nicht bedürfen. 



2*) Abgesehen von der Verschiedenartigkeit der entstandenen 
Gebilde soll nach Dacque das Wesen der .sogenannten "Rahmen- 
faltung in einer A b wärtsbewegung, dasjenige einer alpinen 
geosynklinalen Faltung in einer Auf wärtsbewegung liegen ; 
,, Stille sagt selbst, daß z. B. die sogenannte Rahmenfaltung um 
.so intensiver ist, je tiefer das von ihr betroffene Feld lie.gt" 
(Dacquk, S. 132). Aber die „Tiefenlage" der stärker gefalteten 
Felder ist doch keine Folge der Eahmenfaltung, sondern, 
wie ich nachdrücklich ausgeführt habe, eine Folge der vor der 
Rahme nfal tu ng oder auch zwischen den einzelnen Faltungs- 
phasen eingetretenen Beckeneinsenkung, der die 
Faltung folgte; die Rahmenfaltung war aber verknüpft 
mit einer A u f w ä r t s bewegung des Beckeninhalts, — das habe ich 
mehrfach mit besondereim JS^achdruck hervorgehoben, und darin liegt 
überhaupt der Kernpunkt der ganzen Deutung der saxoniscdien Ge- 
birgsbildung als einer „Faltung". Die Aufwärtsbewegung konnte 
zwai- nicht, ebensowenig- wie in den „echten" Geosynklinalen, den 
Betrag der vorausgegangenen Beckenabsenkungen ganz kompen- 
sieren, so daß die Senkungsfelder trotz der Aufwärtsbewegung 
in den Faltungsphasen noch ,, gesunken" gegenüber den Rahmen 
sind, wie auch in den weitesten Teilen der Alpen das Grund- 
gebirge infolge der langen geosynklinalen Absenkung trotz der 
in den Faltungsphasen erfolgten Hochbewegungen noch viel tiefer 
liegt, als in den umrahmenden M^issen. Ich verweise Dacquk 
auf die Ausfidu-ungen über die saxonische ,, Faltung" in Zeit- 
schrift d. D. Geol. Ges. f. 1913, Mon.-Ber., S. 575 ff., wo die 
.A 11 f w ä r t s b e vr e g u n g bei der saxonischen Gebirgsbildung 



189 



Daß sich üacquk iu noch weit stärkerem Malie als 
Hauo in Widerspruch mit den Begriffsdefinitionen Gilbekt.s 
befindet, ist nicht zu verwundern. Selbstverständlich 
würden nach seiner Definition z. B. die Berg-zügc des 
Großen Beckens und das Wasatchgebirge, d. h. die Vv- 
typen der Orogenese in der GiLBERTschen Fundamental- 
arbeit, epirogenetische Gebilde sein. 

Hl. Unterscheidung- von Orogenese und Epirogeuese 
nach Vorgangsart und zeitlichen Verhältnissen. 

A.Ablehnung von R a u m a r t und morpho- 
logischem Ergebnis als grundsätzlich anwend- 
bare U n t e r s c h e i d u n g s p r i n z i j) i e n. 
Haug und Dacque stellen, wie wir im vorangegangenen 
Kapitel gesehen haben, bei der Unterscheidung von zwei 
großen Kategorien tektonischer Vorgänge, die sie als Oro- 
genesis und Epirogenesis bezeichnen, das räumliche oder 
richtiger raumartliche Moment in den Vordergrund; und 
zwar unterscheidet Haug hauptsächlich nach Raumart und 
Richtung, Dacque nach Raumart und Kausalität. 



auch an der Hand schemati.scher Skizzen (Fig. 2 auf S. 581, 
Fig-. ;•{ auf S. 582, Fig. 5 auf S. 586) veranschaulicht worden ist. 
Ein weiterer Gegensatz zu den alpinen Bewegungen soll darin 
liegen, daß die saxonischen Rahmen (Rhein. Masse, Böhmisoh- 
herzynische Masse) gehobene, die saxonischen Faltungsbezirke 
gesunkene Felder seien. Aber dieses Heben der Rahmen und 
Sinken der Faltungsbezirke bezieht sich, wie von mir ausgeführt 
win-de, nur auf die Zeiten vor und zwischen den Faltungs- 
phasen, — und nicht anders verhielten sich aucli (üe 
Rahmen und Sedimentationsräume des heutigen Alpenbogens. Daß 
mich Dacque hinsichtlich der Unterscheidung dessen, was einer- 
seits vor und zwischen den Faltungen (als epirogenetische 
Vorgänge in meiner Anwendungsart dieses "Wortes) und was 
andererseits durch die Faltungen (als orogenetische Vorgänge 
in meiner Anwendungsart dieses "Wortes) geschah, nicht verstanden 
hat, ergibt sich auch aus dem angeblich dritten fundamentalen Gegen- 
satz der saxonischen Gebirgsbildung zur alpinen, der darin liegen 
soll, daß der ,, Rohbau" des deutschen Bodens (Rahmen und ge- 
rahmte Felder zusammen) ,,ein durch seitlichen Druck in flache 
"Wellen gelegtes Areal" sei, während in den alpinen Gebieten die 
Faltung ,,im wesentlichen nur in der Geosynklinalregion, und zwar 
nach aufwärts" vor sich ginge. Bei dem Rohbau handelt es sich 
doch nur um die (epiiiogenetischen) Vorgänge vor und 
zwischen den Faltungsphasen, die im Alpengebiet nicht viel 
anders verlaufen sind, und nicht um Faltungen, die in 
den saxonischen Gebieten ebenso, wie Dacquö von den alpinen 
sagt, nach auf w ä r t s gerichtet waren. 



li)(J 



Gewiß ereig'nen .sich die ,,CTebirji;sbildimgen" in erster 
Linie in den Geosynklinalen, während die P'estländer, und 
insbesondere die großen Festland^schwellen, che Stätten vor- 
iierrschender .,broad movements" sind; aber in den Fest- 
landsschwellen, wenn wir diesen Begriff so weit wie die 
genannten beiden Autoren fassen („Aires Continentales"). 
treten auch „Gebirgsbildungen" ein, und in den Geosynkli- 
nalen ereignen sich auch ,,broad movements". 

So kommen wir dazu, die Raumart, noch mehr aber die 
Richtung und vor allen Dingen hypothetische Kausalitäten 
-als geeignete Fundamente für eine Kla.ssifikation des 
Diastrophismus abzulehnen. Demgegenüber hatte Gii3eet, 
wie wir im ersten Kapitel gesehen haben, eine Orogenese 
imd eine Epirogenese im wesentlichen auf der Basis der ent- 
stehenden morphologischen Gebilde, daneben auf der Basis 
der diese Gebilde schaffenden Vorgänge unterschieden. 

Das resultatliche ünterscheidungsprinzif) ist, wie wir 
gesehen haben, heute nur noch mit gewisser Einschränkung 
verwendbar; es bleibt die Vorgangs art, die nament- 
lich hinsichtlich der Epirogenese bei Gilbekt klar um- 
-schrieben ist, als Unterscheidungsprinzip bestehen. 

B. D e f i n i t i n d e 1' E p i r o genes e. 
1 . Die e p i r o g e n e t i s c h e n \' o r g ä n g e s i n d 
w e i t s p a n n i g. 
Es handelt sich bei der Epirogenese, wie wir gesehen 
haben, um die ,,broad movements"; es sind die ,,mouvements 
d'ensemble" (Bewegungen im großen) Emanubl de Mah- 
i'ONNES^s). „Mouvements • d'ensemble o u mouvements 
«'^peirogeniques", so lautet eine Kapitelüberschrift in de Mar- 
TONNES Ti-aite de Geographie physique. Das „warping" 
des amerikanischen Sprachgebrauchs^^) kommt ziemlich auf 
dasselbe hinaus. Es handelt sich um die „Falten großer 
Amplitude" bei Eduard Suess^''), der allerdings später von 
•epirogenetischen Bewegungen nicht viel wissen wollte (vgl. 
•oben). Die gleiche Vorstellung schwebt im allgemeinen 
vor, wenn man neuerdings in der deutschsprachigen Literatur 
von „Großfalten" spricht. Allerdings hat Wilckens^»), dei- 



25) Traite de Güügraphie pliysique. Paris, Armand Colin, \{M) 

-6) Vgl. u. a. Th. C. CnAMBEKi,r\ and Tl. O. .SAi.isr.rt;v, 
Geology, 2. Aufl., 190(3, S 540. 

-7) E. SUBSS, Die Entstehung der Alpen, Wien 1875, H. l-")') ff. 
^'gl. auch Antl. d. Erde, II. S. 28. 

-^) O. AViLCK?:xs, Gi'uncl7.üi,''e der Icktonischeu (leologie. .Jena 
1912, S. 3 und 11. 



191 



kürzlich daran erinnerte-'^), daß er diesen Begi'ift' vor 
Abendanon^o) gebraucht habe, ihn für Gebilde angewandt, 
die er selbst als orogenetisch bezeichnet (a. a. 0. S. 11 u. 3), 
nämlich füi' die variszisch streichenden großen Aufwöl- 
bungen Vogesen — Schwarzwald und Haardt— Odenwald. 
Abkndanon behandelt aber durchaus heterogene Dinge als 
Großfalten, und so schwebt auch aus diesem Grunde der 
Terminus leider etwas in der Luft. Will man ihn weiter ver- 
wenden, so tut man das m. E. am besten in der Be- 
schränkung auf die Gebilde von epirogenetischer Ent- 
stehung, und in diesem Sinne würde die weiter unter noch 
zu erörternde Walter PENCKsche''^) „Großfaltung'" Klein- 
asiens mit Recht diese Bezeichnung führen, mag Penck 
sie auch als eine echte Faltung ansprechen. 

Ich selbst habe für diese weite Wellung den Ausdruck 
„L'ndation" im Gegensatz zu den kleinwelligen orogenetischen 
„ITndulationen" gebraucht. 

üeberall herrscht ganz im Sinne Gilberts die Vor- 
stellung von einem weite Gebiete gleichmäßig betreffen- 
den („regionalen") Vorgange. 

Daß es sich um a u f w ä r t i g e und a b w ä r t i g e 
Vorgänge handelt und daß die epirogenetischen Auf- 
w^äJ'ts- und die epirogenetischen Abwärtsbewegungen korre- 
spondierende Vorgänge bedeuten, wie Sättel und Mulden 
korrespondierende Begriffe sind, sei nochmals hervorgehoben. 
Da« finden wir ja schon bei Gilbert, der den Begriff 
Epirogenese für die Bildung der ,,continents and plateaus"" 
einerseits, der „ocean beds and continental basins" ander- 
seits (Lake Bonneville, S. 340) eingeführt hat. Scharf be- 
tonen u. a. auch Chamber lin und Salisbury (a. a. O.) 
die Reziprozität der aufwärtigen und abwärtigen Epiro- 
genese; nebeneinander bilden sich, wie sie sagen, in 
parallelen Zonen die Weidegründe (,,feeding-grounds") der 
St)'öme und die Wohngründe (,,lodgment-grounds") für die 
Sedimente aus, und daljei ist die Aufwärtsbewegung (,,upward 
bowing"), die die Woidegründe schafft, ein ebenso vitaler 
Prozeß, wie die Senkung (,, sagging"), die die Sedimentation 
ermöglicht. 



-9) Referat über Abbndanox, Großfalten der Hrdriiide, in 
Oeolog. Rundsch., Bd. VIII, S. 2(52. 

30) E. C. Abendanox, Die Großfalten der Erdrinde. Iveideii 
1914. 

31) Walteii Penck, Die tektoni.schen Giund/.üge We.st- 
kleinn.^iens. Stuttgart 1918. 



192 



2. Die e p i r ^- e 11 e t i s (; h e u He w e g u n ^' e ii sind 

s ä k u 1 ä r. 

Etwas anderes pflegt sich ohne weiteres mit der Vor- 
stellung des regionalen Vorgangs zu verknüpfen, nämlich 
die Voi'stellung seiner langen Z e i t d a u (^ r. 

Aus den Fortschritten der Verbiegungen, wie sie sich 
aus den Verbiegungsunterschieden der altersverschiedenen 
Terrassen ergeben, hat Gilbert auf die Art des Vor- 
gangs geschlossen; „die Wölbungsbeträge sind an sich un- 
bedeutend, aber die Kontinuität schafft die erheb- 
lichen vertikalen Unterschiede", so lesen wir bei de Mar- 
TONNE (a. a. 0., S. 505), und ähnlich heißt es bei vielen 
anderen Forschern; ,, säkulare Oszillationen oder epiro- 
genetische Bewegungen", so hieß es auch schon bei 
Marcel Bertrand^^) haXd nach Erscheinen des Gilbert- 
schen „Lake Bonneville". Von den ,,nearly constanf small 
mov'ements sprechen Chambbrlin und Salisbury (a. a. O.). 

Die „Kontinuität" ist zwar vielfach im Sinne von Einzel- 
rucks mit Zwischenpausen zu verstehen, was u. a. von St äff 
(a. a. 0.) hervorgehoben hat. Auch innerhalb der langen 
anoi'ogenetischen Zeiträume ist die Stärke der Epirogenese, 
mag sie in Einzelrucks erfolgt sein oder nicht, recht ver- 
schieden, und im allgemeinen scheinen die thalattokraten 
Perioden der Erdgeschichten Zeiten einer besonders trägen 
Epirogenese^^), die geokraten, — soweit sie nicht überhaupt 
mit orogenetischon Phasen zusammenfallen , — ■, Zeiten einer 
aktiveren Epirogenese zu sein. 

H. Die e p i r o g e n e t i s c h e n V o r g ä n g e sind 
g e f ü g e e r h a 1 1 e n d. 

Etwas Drittes charakterisiert endlich die epirogene- 
tischen Vorgänge : sie lassen das tektonisclie Gefüge 
des Untergrundes sozusagen i n t a k t. 

Ich spreche hier ausdrücklich vom t e k t o n i s c h e n 
Gefüge („Lagegefüge"), wobei ich besonders an das tekto- 
nische Makrogefüge denke; das stoffliche Gefüge kann 
demgegenüber durch die Epirogehesen sehr erhebliche Ver- 



3-) Makc'EL Bektjiand, .Vimales des Mines, .Janviur 1893, 
S. 51. 

33) Auch WiLu. Ramsay bringt in „Orogenesis und Klima" 
(Öf versigt af Finska Vetenskaps-Societetens Förhandlingar, 
LH, 1909-1910, Afd. A. Nr. 11) die großen Transgressionen mit 
dem langen Andauern ,,tmorogenetischei'" Zeiten in Zusammen- 
hang. 



193 



Änderungen erfahren, denn mit dem Aufsteigen und Absteigen 
kommt das Gestein unter selu* veränderte Bedingungen des 
Drucks und der Temperatur und damit unter veränderte 
chemische Gleichgewichtsverhältnisse. Ich erinnere in diesem 
Sinne an die Vorstellungen über die ßegionalnietamorphose, 
an die Vorstellung Haugs'*) über die Aufschmelzung zu 
granitischen Magmen in den Tiefen der Geosynklinalen und 
an die thermometamorphen Veränderungen von Salzmassen 
mit zunehmender Ueberdeckung durch jüngeres Sediment, auf 
die Abrhenius und Lachmanns^) hingewiesen haben. 

Immer wieder lesen wir allerdings in der Literatur, daß 
die Epirogenese mit Verwerfungserscheinungen verknüpft 
sei, so auch in der schon mehrfach erwähnten' zusammen- 
fassenden Studie, die F. Machatschbk kürzlich über die Epi- 
rogenese veröffentlicht hat. Einleitend (S. 1) heißt es zwar 
auch dort, daß es sich um tektonische Vorgänge handelt, 
die sich nicht als Schichtdislokationen, sondern 
bloß als Niveauveränderungen äußern, aber weiterhin (S. 8) 
soll die Vergesellschaftung der umfassenden Aufwölbungen 
mit Bruchvorgängen der weitaus vorherrschende Typus der 
epirogenetischen Bewegungen sein, und nach S. 12 sollen 
auch überall auf mitteleuropäischem Boden die epirogene- 
tischen Bewegungen mit Bruchbildungen Hand in Hand 
gehen. Auch de Martonne (a. a. O.) hat insbesondere 
auf die alten Massive Mitteleuropas, wie Vogesen, Schwarz- 
wald und französisches Zentralplateau, verwiesen, als er von 
der Verbindung der Epirogenese mit Bruchabsenkungen 
sprach. Der Befund ist in allen diesen Fällen der, daß 
die sogenannten Massive von Verwerfungen ganz oder teil- 
weise umsäumt sind, und dieser Befund verleitet zu der Er- 
klärung, daß die Verwerfungen die Entstehung der Mas- 
sive bedingen oder wenigstens bei ihrer säkularen Aufwöl- 
bung wesentlich mitgewirkt haben. Aber beim Rückblick in 
die Vergangenheit und beim sorgfältigen zeitlichen Ausein- 
anderhalten der Bewegungsvorgänge, wo ein solches möglich 
ist, stellt sich, wie ich an anderer Stelle gezeigt habe, die 
Sachlage anders dar, indem sich nämlich die Bruchzonen, die 
heute die Massive umsäumen, als nachträgliche, näm- 
lich in einer jüngeren orogenetischen Phase entstandene Zu- 



3*) Emile Haug, Traite de Geologie, S. 189. 
35) Sv. Arkhbnius und R. Lachmann, Die physikalisch- 
chemischen Bedingungen bei der Bildung der Salzlagerstätten und 
• ihre Anwendung auf geologische Probleme. Geol. Rundsch. 1912, 
IUI. III, S. 139 ff. 

Zeilschr. d. D. Geol. Ges. 1919. 1^ 



194 



laten zu den bruclilos aufgewölbten Schwollen ergeben. Und 
bei Aufreißen dieser Verwerfungen vollzog sich auch nicht 
die gegenseitige Verschiebung zwischen Schwelle und an- 
grenzendem Senkungsfeld in dem Sinne, daß die SchweUe 
aufstieg und das Senkungsfeld sank, sondern umgekehrt stieg 
nunmehr relativ zur Schwelle der Inhalt des Senkungsbeckens 
auf und es sank dementsprechend relativ zum Senkungsbecken 
die Schwelle. In bezug auf den Rheintalgraben sagt auch 
Machatschek, daß die Brüche, die den als epirogenetische 
Einsenkungszone vor der Oligocänzeit angelegten Graben um- 
ziehen, erst „seit dem Miocän" entstanden, d. h. also nach- 
trägliche Zutaten zu einer epirogenetischen Einsenkung sind; 
aber das soll geschehen sein unter erneuter Aufwölbung der 
Randgebiete und Einmuldung der Senke, während doch mit f .er 
Bruchbildung die vorher versenkten Tertiäi'massen teilweise 
der Denudation zugeführt, also hoc hbewegt worden sind. 
Aber trotzdem die Rheintalbrüche nach der epirogenetischen 
Einsenkung entstanden sind, glaubt Machatschek hier 
weitere Beispiele für den Zusammenhang zwischen Epi- 
rogenese und Verwerfung zu sehen. Der gleiche Zusammen- 
hang soll auch im Norden Europas überall erkennbar sein. 
Hier haben wir Gebilde schildförmiger Aufwölbung, wie 
Skandinavien oder Spitzbergen oder Island, und Gebilde der 
Absenkung, wie den Skandik de Geeks. Zum Teil treten 
dabei steilere Böschungen auf, und diese führt Machatschek 
auf Abbruche zurück, während de Geer Flexuren ange- 
nommen hatte. Ein zweifellos tektonischer Graben ist nach 
Machatschek auch die norwegische Rinne. In diesen 
nordeuropäischen Beispielen ist zunächst schon das Vorhanden- 
sein der Verwerfungen m. E. nicht oder doch nicht einwand- 
frei erwiesen. Z. B. kann die norwegische Rinne sehr 
wohl ein bruchloses Gebildete) und auch die sonstigen Ab- 
senkungen können wenigstens teilweise bruchloser Art sein. 
Aber wenn Brüche auch da sind, — wie ist zu erweisen, 
daß sie mit dem säkularen Vorgange der Aufwölbung und 
Absenkung und nicht, wie in den Randzonen der Rheinischen 
Masse oder wie im Falle des Rheintalgrabens, erst nach- 
träglich zur Zeit einer jüngeren orogenetischen Phase 
sich bildeten? — Gewiß erscheint auch hier die Einsenkung 
der Meeresräume an Verwerfungen als eine recht ein- 



36) Ich selbst erblicke in dem norwegischen Graben ein 
Beispiel einer „Saumtiefe", d. h. einer gesteigerten epiro- 
genetischen Senkung in der Umrandung eines stabileren Erd-. 
Stücks (vgl. Alte und junge Saumtiefen, a. a. 0., S. 29). 



195 



leuchtende Vorstellung, aber die Geschichte der fossilen 
Meere beweist ihre Unhaltbarkeit. 

Und dann sollen auch die jungen Grabenbrüche und Ver- 
werfungen Schönens Beispiele der Vergesellschaftung von 
Aufwölbungen und Bruchvorgängen geben. Das gilt aber 
doch nur im Sinne räumlicher Vergesellschaftung, nicht aber 
zeitlicher; oder wo findet Machatschek Beweise in letz- 
terem Sinne? 

Immerhin habe auch ich an anderer Stelle eine kleine 
Einschränkung hinsichtlich der Bruchlosigkeit der Epiro- 
genese. unter Hinweis auf unsere heutigen Erdbebendisloka- 
tionen, soweit solche nicht überhaupt als Begleiterschei- 
nungen von atektonischen Beben atektonischer Art sind, 
gemacht^''). Und nur mit dieser kleinen Einschränkung gilt 
für mich die Charakterisierung der epirogenetischen Vor- 
gänge als solcher, die das Gefüge des Untergrunds intakt 
lassen. 

C Definition der Ürogenese. 

1. Die orogenetischen Vorgänge sind 

gefügeverändernd. 
Die Orogenese äußert sich in den Veränderungen des 
tektonischen Bodengefüges, und mit dieser „vorgangsart- 
lichen" Begriffsumschreibung steht man durchaus auf dem 
Boden der in Gilberts „Lake Bonneville" enthaltenen Vor- 
stellungen, wenn allerdings auch, wie gesagt wurde, die nach- 
drückliche Definition in diesem Sinne im „Lake Bonneville" 
fehlt. 

2. Die orogenetischen Vorgänge sind 

episodisch. 

Wenn ich nun weiter die Orogenese als die e p i s o - 
dischen^s) Gefügeveränderungen des Untergrundes cha- 



3') }i. Stille, Über Hauptformen der Orogenese und ihre 
Verknüpfung. Nachr. K. Ges. d. Wiss. Göttingen. Math.-phys. Kl. 
1918, S. Iff; vgl. insbes. das Kapitel -über das „orogenetische 
Zeitgesetz", S. 4 ff. 

38) Das Hineintragen des zeitlichen Moments in die Unter- 
scheidung von Orogenese und Epirogenese ist seinerzeit von 
Lachmanx (,,Zur Klärung tektonischer Grundbegriffe", Diese 
Zeitschrift f. 1914, Mouatsber., S. 227) deswegen angegriffen 
worden, weil Gilbert bei diesem Begriff nur regionale Unter- 
schiede im Auge gehabt haben soll. Ich habe darauf schon an 
anderer Stelle (Diese Zeitschrift f. 1916, Monatsber., S. 274) ge- 
antwortet. Seitdem hat Machatschek (a. a. O., S. 11) die von 

18* 



19(3 



rakterisiere, d. h. auch liier, wie boi der Epiroj^enese, 
das zeitliche Moment heranziehe, so bin ich mir klar, damit 
zwar über die in Gilbekts Fundamentalwerk entwickelten 
Vorstellungen hinauszugehen. Aber im Jahre 1890 fehlte 
noch die Erkenntnis von dem Beschränktsein der Vorgänge, 
die für Gilbert die orogenetischen w^ren, auf bestimmte 
uud von anorogenetischen Zeiten unterbrochene Termine, 
vielmehr galt damals allgemein, wie auch heute noch in 
sehr weiten Kreisen der Geologen, auch der orogenetische 
Vorgang als ein kontinuierlicher, — „als säkular in bezug 
auf Dauer, obgleich katastrophal im Detail", so heißt es 
bei Gilbert (S. 356). So stimmt der' Zusatz, daß die Oro- 
genese ein episodischer Vorgang sei, zwar nicht mit 
den Ausführungen im „Lake Bonneville" überein, aber trotz- 
dem sind in der Definition der Orogenese als der , .episo- 
dischen Gefügeveränderungen des Untergrundes" die gleichen 
Vorgänge umschlossen, die auch Gilbert als „orogenetisch" 
im Gegensatz zu den epirogenetischen Vorgängen bezeichnet 
hatte, nur wird dem Fortschritt der Erkenntnis, daß diese 
Vorgänge nicht säkular, sondern episodisch eingetreten sind, 
Rechnung getragen^a). Wir können aber m. E. bei der rein 



mir gegebenen Beziehungen zwischen Orogenese und Epirogenese 
zwar als einwandfrei anerkannt, sie allerdings in einer Hinsicht 
so dargestellt, daß vielleicht bei demjenigen, der meine Original- 
arbeiten nicht nachliest, ein Mißverständnis entstehen könnte. 
Er schreibt nämlich, daß nach meiner Ansicht bei dem großen 
flachen Wellenwurf die Wellenberge „oder Undations- 
horste" die Rahmen, die Wellentäler ,,oder LTndations- 
graben" die Senkungs- und Sedimentationsrüume sind, und 
daß später, wenn an Stelle der epirogenetischen Bewegung die 
orogenetische tritt, Undulationshorste und -graben sich bilden. 
Ich brauche aber wohl kaum zu wiederholen, daß im Sinne meiner 
Vorstellungen die großen flachen epirogenetischen Wellen zunäch^it 
noch keine Undulations horste und TJndulations graben sind, 
sondern nur Undulations schwellen und Undulations b e c k e n , 
und daß sie erst in einer nachfolgenden orogenetischen Phase zu 
den Undulations h o r s t e n (,, Schwellenhorsten'') und Undulations- 
graben (,, Beckengräben") werden, während sich gleichzeitig 
in den letzteren durch Bruchfaltung Undulationshorste (,, Schollen- 
horste") und Undulationsgräben (,, Schollengräben") bilden können 
(vgl. u. a. ,,Injektivfaltung usw.", Geol. Rundsch. 1917, Bd. VJII, 
S. 136 ff.). 

39) Auch Chamberlin und Salisbury (a. a. O.) stellen 
den „n e a r 1 y c o n s t a n t small movements", die ich nach 
ihren von den amerikanischen Autoren geschilderten Erscheinungs- 
formen mit den „epeirogenic movements" Gilbi-^rts identifiziei-en 
muß (vgl. oben), die ,,grea,t p e r i o d i c movements" gegenüber 
und teilen diese ein in 



197 



vorgangsartlichen Definition nicht stehen bleiben, weil sie 
in manchen Fällen nicht genügt; so ist auch die Zeitlich- 
keit oder die Zeitdauer der Vorgänge für mich nicht nur 
eine Z us atzdefinition, sondern ein integrierender 
Teil derselben. Was heißt denn schließlich „weite" und 
„enge" Amplitude? Es gibt doch auch „mittlere" Ampli- 
tuden. Was heißt Änderung des Erdgefüges, wo es do-h 



a) mouutain-formirig movemeuts, 

b) plateau-forming movements, 

c) continent-forming movements. 

Dabei ist unter a) die Faltung und unter b) die Bloek- 
gebirgsbildung verstanden, — und was die hier wieder er- 
scheinende grundsätzliche Unterscheidung eines „Faltengebirges'" 
und „Blockgebirges" anlangt, M'obei das erstere vorwiegend durch 
laterale, das letztere eher durch vertikal wirkende Kräfte erzeugt 
sein soll, so erlaube ich mir auf meine Ausführungen in dem 
Aufsatz über „Hauptformen der Orogenese und ihre Verknüpfung" 
(a< a. O.) zu verweisen. Die unter c) genannten „continent- 
forming movements" sind aber etwas ganz anderes^ wie das 
,,continent-making" oder die „epeirogenic movements" bei 
G. K. Gilbert; sind sie doch erstens ,,great" und zweitens 
„periodic" gegenüber dem „warping", das erstens als ,,small" und 
zweitens als „nearly constant" gekennzeichnet wird. Es handelt 
sich um uralte tektonische Vorgänge, die schon vor den ältesten 
bekannten Sedimentationen eingetreten sind und zur Bildung der 
nach amerikanischer Auffassung später wohl erweiterten oder 
verkleinerten, aber in annähernd ursprünglicher Art heut'' 
noch vorhandenen Kontinente (der Kerne der sich um sie 
gruppierenden Falteiizonew) geführt haben. Zur Annahme 
dieser besonderen Kategorie von Vorgängen führt m. E. 
das überkonsequente Festhalten an der besonders von den ameri- 
kanischen Fachgenossen verti'etenen Permanenz der Kontinente, 
und in diesem Sinne sollen ja nach Chamberlin und SAI>ISBUJ.•^ 
die alten Faltungen — im Gegensatz zu allen jüngeren uinl 
auf die Randzonen der Kontinente beschränkten Falten — , auch 
die Kontinentalgebiete ergriffen haben ; demgegenüber erscheiiU 
mir mit vielen anderen Forschern auf Grund der in 
den alten ,, Grundgebirgen" festgestellten, wenn zum Teil 
auch stark verwischten Diskordanzen die Annahme weit 
gerechtfertigter, daß in den heutigen Räumen der alten Koii- 
tinentalgebiete Zyklen der Senkung, Sedimentation, Faltung und 
Denudation in früher Zeit der Erdgeschichte ebenso gut ein- 
getreten waren, wie später in anderen Erdzonen, und daß also 
auch diese Kontinentalgebiete einstmals wenigstens teilweise labil' 
Zonen, w^ohl in der Peripherie noch älterer Kontinentalmasseii. 
deren Spuren wir bis jetzt nur sehr teilweise nachkommen können. 
ETBwesen sind. 

Wenn ich Chamberlin und Salisbury also recht verstehe, su 
sind ihre ,,continent-forming movements" Vorgänge von im wesent- 
lichen orogenetischer Art aus ganz früher Erdgeschichte ; damit 
könnte man sie aber kaum als eine srrundsätzlich selbständig <' 



198 

schließlich auch echte (orogenetische) Falten gibt, die über 
weitere Landstrecken gehen und dabei bruchlos und über- 
haupt ohne „orogenetische" Kriterien sind? Kennen wir doch 
ferner neben den epirogenetischen Wellen großer Spannweite 
schließlich auch Wellen mittlerer Spannweite, und kommen 
wir doch sogar zu der Vorstellung von S p e / i a 1 unda- 



Art tektonischer Erscheinungen gegenübei- den sonstigen ,,great 
periodic movements" anerkennen. 

Noch ein paar Worte seien anmerkungsweise zu der eben 
gestreiften Frage des Verhältnisses von Kontinentalkern und 
Faltenkranz gestattet. 

Man findet nämlich häufig einen Gegensatz zwischen 
der „amerikanischen" Auffassung, daß sich die Faltenzüge u m 
die, Kontinente bilden, und derjenigen Auffassung, die bei 
europäischen Autoren besonders ihre Vertretung hat, daß näm- 
lich die Faltenzonen aus Senkungsräumen zwischen zwei 
Kontinenten entstanden seien, hervorgehoben. Beide Auf- 
fassungen sind m. E. richtig, und der scheinbare, Gegensatz 
überbrückt sich leicht. Die Gebirge steigen aus den gesunkenen 
Zonen in der Peripherie der Festlandsmassen auf, wie die 
Amerikaner auf Grund der Geschichte ihres Kontinents sagen ; 
sind aber die Kontinente einander genähert und ist das trennende 
Becken entsprechend schmal, wie etwa in Europa im Fall der 
Thetys, so ergibt sich das Bild der Entstehung der Gebirgszüge 
„wie zwischen den Backen eines Schraubstocks", d. h. im Fall 
der Thetys zwischen der afrikanischen und den mitteleuropä- 
ischen Massen, wobei eine mittlere Zone noch ungefaltet bleiben 
kann ; in ganz extremen Fällen, d. h. bei sehr schmaler Geo- 
synklinale, kann sogar die ganze Geosynklinale aufgefaltet werden, 
wie mit der Pyrenäen-Geosynklinale zwischen Zentralplateau und 
Iberischer Mescta geschehen ist (vgl. Haug, Traitei, S«. 167), 
und man mag dann den einen Teil der dabei entstandenen Falten 
als peripherisch der einen, den andern Teil der andern Schwelle 
zurechnen. Verbreitern sich aber die Becken und liegen endlieh 
„Weltozeane" zwischen den Kontinenten, so ergibt sich für jeden 
einzelnen dieser Kontinente das ,, amerikanische" Bild der Falten- 
angliederung. Ich meine also, daß z. B. — um ganz extreme 
Fälle zu vergleichen — , die südwärts gerichteten Falten der 
südlichen Pyrenäen ebenso peripherisch zur Iberischen Meseta 
und die nordwärts gerichteten Falten der Pyrenäea ebenso 
peripherisch zum Zentralplateau liegen, wie die pazifischen Ge- 
birge Nordamerikas peripher zu Laurentia, — und daß das 
tektonische Verhältnis der nördlichen zu den südlichen Pyrenäen 
hinsichtlich der Lage zu den Festlandsschwellen dem tektonischen 
Verhältnis der perilaurentischen Gebirgszüge in der amerika- 
nischen Umrandung des Pazifik zu den periasiatischen in der 
westlichen Umrandung dieses AVeltmeers durchaus vergleichbar 
ist, — nur war in einem Falle das Muttermeer, dem die Falten 
entsprangen, sehr schmal, im andern Fall riesenweit. 



199 



tionen, mit denen ich mich an anderer Stelle befaßt liabe**^), 
und von denen in bezug auf die Verhältnisse Kleinasiens, 
wie sie uns Walter Penck geschildert hat, sogleich die 
Rede sein wird. 

So mag es einmal sein, daß Falten, die sicher in den 
Kreis der Orogenese gehören, an Amplitude nicht zurück- 
stehen hinter örtlich einmal kleinen Wellen der Undatlon. 
Wo liegt dann das Fundamentum divisionis? Die Wellen 
,, mittlerer" Amplitude der ersten Art sind mit den un- 
zweifelhaft orogenetischen Falten und wie diese ent- 
standen und diejenigen zweiter Art m i t den epirogene- 
tischen Gebilden und w i e s i e. In der Zeitlichkeit 
der Vorgänge liegt eben die Unterscheidungsart. Handelt 
es sich um Gebilde säkularer Entstehung, so sind sie 
als e p i r o g e n e t i s c h zu klassifizieren, trotz der 
örtlich einmal etwas kleineren Amplitude. Sind sie epi- 
sodischer Entstehung gleich den Falten, Ueber- 
schiebungen usw., so sind sie zur Orogenese zu stellen. 
Das ist zunächst theoretisch das Kriterium; in der prak 
tischen Handhabung desselben kommt es auf die V o r g e 
schichte des Gebildes an. 

In diesem Sinne verweise ich auf Ausführungen, die ich 
im Anschluß an die Frage der Unterscheidung von Horsten 
und Gräben undatorischer Entstehung von solchen undula- 
torischer Entstehung gemacht habe^i), nur kommt es jetzt 
nicht auf Horste und Gräben, sondern auf Sättel und Mulden 
an. Fällt die „Mulde" annähernd mit einem ehemaligen 
Sedimentationsraume oder fällt der „Sattel" annähernd mit 
einer ehemaligen Schwelle zusammen, so handelt es sich 
um epirogenetische Gebilde ; sind aber die Sättel und 
Mulden nur kleine Teile eines ausgedehnteren Schichtsystems 
mit einigermaßen übereinstimmender Vorgeschichte, nur 
kleine Teile ehemaliger größerer Becken, so handelt es sich 
um orogenetische Falten. 



*o) H. Stille, Alte und junge Saumtiefen (a. a. ü., S. 20, 
Anm. 1). Eine Diskussion im Anschluß an den oben wieder- 
gegebenen Vortrag gibt mir Veranlassung zu der nachdrücklichen 
Feststellung, daß nach der von mir gebrauchten Terminologie 
,,Spezialundation" und ,,Undulation" gänzlich verschiedene Dinge 
sind. Spezialundation ist eine verhältnismäßig klein wellige Un- 
datlon innerhalb eines aufsteigenden oder einsinkenden größeren 
Bezirks, aber immerhin eine Undation, d. h. ein säkular fort- 
gehender Vorgang, während die Undulationen (,,Ondulations" der 
französischen Litei'atur) die episodischen Faltungen sind. 

") ,.Injekt.ivfaltung usw.", a.a.O. S. 136 ff . 



200 

Anschließend hieran möchte ich vorschlagen, daß nocli 
strenger als bisher die Begriffe Synklinale und 
Antiklinale (Mulde und Sattel) allein in bezug auf die 
Gebilde der Orogenese („Undulationen") angewandt wer- 
den, während die Begriffe G e o s y n k 1 i n a 1 e^') und G e - 
a n t i k 1 i n a 1 e (Becken und Schwelle) die Gebilde der 
Epirogenese („Undationen") bezeichnen. 

D. Synklinal- und Geosynklinalbildung in 
Beziehung zum ozeanischen Spiegel. 
Die orogenetischen Mulden (Synklinalen) 
entstehen samt den orogenetischen Sätteln unter Auf- 
wärtsbewegung, bezogen auf den ozeanischen Spiegel, 
die epirogenetischen Becken (Geosynklina- 
len) im allgemeinen unter Abwärtsbewegung gegen- 
über diesem, während die epirogenetischen Schwellen (Ge- 
antiklinalen) im allgemeinen ihm gegenüber aufsteigen; nur 
in gewissen Fällen von „Spezialundationen", nämlich bei 
geringerem Betrag der abwärtigen Spezialundation gegen- 
über dem Ausmaß der aufwärtigen Allgemeinundation der 
größeren Einheit, kann sich auch einmal ein epirogeine- 
tisches Becken (Geosynklinale) unter Aufwärtsbewegung 
gegenüber dem ozeanischen Spiegel fortentwickeln, — wie 
Geantiklinalen im Falle einer geringeren aufwärtigen Spezial- 
undation gegenüber der abwärtigen Allgemeinundation dei- 
größeren Einheit sich auch einmal unter Abwärtsbewegung 
gegenüber dem ozeanischen Spiegel fortbilden können. 

E. Beispiele. 
Im folgenden gebe ich drei Beispiele für die aus den 
voranstehenden Kapiteln sich ergebende Anwendungsart der 
Begriffe Orogenese und Epirogenese, und zwar im ersten 
Fall unter Bezugnahme auf schon etwas ältere Ausführungen 
Haugs, im zweiten und dritten Fall unter Herausgreifen 
mir als Beispiele besonders geeignet erscheinender Arbeiten 
aus der neuesten Literatur. 

1. Kaledonische und postkaledonische 

tek tonische Bewegungen. 
Die kaledonische Faltung im weiteren Sinne zerfällt in 
zwei Phasen, nämlich 



*2) Dabei muß allerdings der Begriff „Geosynklinale" in 
der von mir angewandten sehr weiten Fassung für säkular 
sinkende Räume jeglicher Art gebraucht werden. 



201 

1. die t a k o n i s c h e Faltung: zwischen Untersilur 
(Ordovicium) und Obersilur (Gothlandium), 

2. diekaledonischeFaltungimengeren Sinn 
im Ausgange des Obersilurs. 

Als ,,taconic revolution" bezeichnen die amerikanischen 
GeologenJ'S) die vorgothlandischen orogenetischen Bewegun- 
gen,, die in der Zone östlich der AUeghanies von Virginia 
bis Neu-England, so in der Struktur des Piedmont-PIateaus, 
und im Fortstreichen bis hin in das östlichste Kanada nach- 
weisbar sind. Gleichzeitig ereigneten sich Faltungen in 
England (Midland Counties und Wales) und wahrscheinlich 
auch in Nordwestafrika, und ich möchte den Vorschlag 
machen, daß man über das Heimatgebiet des Begriffs „la- 
konisch" hinaus ganz allgemein die ältere Phase der silu- 
rischen Faltung als die „takonische" bezeichnet. 

Die jüngere Phase, die kaledonische Faltung s. str., erweist 
sich als älter als Godinnien in solchen Gebieten, in 
denen Gedinnien entwickelt ist. Vielfach finden wir in der 
Literatur zwar altdevonische Faltungen angegeben, aber 
wenn in den solchen Angaben zugrunde liegenden Fällen 
auch jüngeres Unterdevon oder älteres Mitteldevon über 
gefalteten silurischen Schichten liegt, so spricht doch nichts 
dagegen, die unter der transgredierenden Decke erkenn- 
baren tektonischen Vorgänge der jungsilurischen Faltung 
zuzuschreiben, — im Gegenteil spricht die Konkordanz inner- 
halb des Unterdevons vom Gedinnien aufwärts, wo immer wir 
eine solche Schichtfolge finden, gegen jegliches unterdevonische 
Ereignis von orogenetischer Art. Mag also auch z. B. in 
dem Falle der Überdeckung gestörten Silurs durch jüngeres 
Unterdevon die unmittelbare Altersbestimmung des tekto- 
nischen Vorgangs nicht möglich sein, so führt doch die 
,, mittelbare" (vergleichende)**) Altersbestimmung zur Ein- 
reihung in den kaledonischen Faltungsakt. 

So haben wir vom Untersilur bis zum Mitteldevon nach- 
weislich nur zwei Phasen von orogenetischem Charakter, 
die zeitlich gut festgelegt sind. Was sich sonst in dieser 
langen Zeitspanne an tektonischen Bewegungen ereignet 
hat, entfällt, da weitspannig und säkular und gefügeerhaltend, 
unter die epirogenetischen Vorgänge, und wenn Haug auch 

*3) Vgl. Blackwelder, United Status of North Amerika im 
Handb. d. reg. Geologie, Bd. VITT, Heft 2, 1912. S. .54. 

**) Vgl. H. Stille, Über Hauptformen der Orogenese usw., 
H.a. O., S. 15. 



202 

hier von „orogenetischen" Bewegung^en spricht, so liegt das 
eben an seiner andersartigen Anwendungsart dieses Be- 
griffs (vgl. oben). So sind nach ihm, wie wir gesehen 
haben, die Senkungen, die in Belgien nach der vordevonischen 
Faltung zur Transgression des Devons führten, orogenetischer 
Art, denn sie sind longitudinal. Demgegenüber soll die 
Diskordanz zwischen dem unteren und oberen Old Red in 
Schottland und in Nord- und Zentralengland eine e p i r o 
genetische Bewegung verraten, da hier eine Heraus- 
hebung des unteren Old Red vorliegt, so daß das obere 
Old Red sich auf geneigten Schichten ablagerte'^). M. E. ist 
die Sache umgekehrt im Sinne der GiLBBETschen Bedeutung 
der Begriffe. Die Senkungen im Süden, die das Meer all- 
mählich vorrücken ließen, sind unzweifelhaft epirogenetisch 
im Sinne Gilberts, und Heraushebungen, die za starken 
örtlichen Denudationen und der immerhin nicht unbeträcht- 
lichen Diskordanz der nachfolgenden Sedimente führen, ent- 
fallen unter den GiLBERxschen Begriff des , .Mountain - 
making", d. h. der Orogenese. Etwas anders ist es natürlich 
mit der Entstehung und Fortbildung der Sedimentations- 
räume des Old Red, — das sind epirogenetische Vorgänge. 
Aber davon ist derjenige Vorgang zu unterscheiden, der in 
Unterbrechung der Old-Red-Sedimentation das ältere Old 
Red weithin schräg stellte, heraushob und damit der De- 
nudation zugänglich machte. Hier drückt sich nach der 
kaledonischen Faltung zum ersten Male wieder ein orogene- 
tischer Akt aus. 

2. Jungtertiäre Vorgänge am Ostrande der 
Zentralalpen. 
A. WiNKLEK^e) hat am Ostrande der Zentralalpen in 
einer mir außerordentlich dankenswert erscheinenden Studie 
Bewegungen von zweierlei Art unterschieden, nämlich 

1. „Hebungen und inipturelle Störungen", „die in be- 
stimmten Zeitpunkten zur Auslösung kommen", 

2. „weitreichende Schollenbewegungen" (Hebungen und 
Senkungen), „die durch längere Zeiträume andauern". 

Seine beiden Kategorien sind nichts anderes als Oro- 
genese und Epirogenese im oben erläuterten Sinne, und auch 



*^) E. Haug, Tratte, S. 734. 

*6) Aktuk "Winkler, Über jungtertiäre Sedimentation und 
Tektonik am Ostrande der Zentralalpen. Mitt. Geol. Ges. Wien. 
1914. S. 256 ff. 



2oa 

bei WiNKLEK begegnet uns ja die Unterscheidung erstens 
nach Vorgangsart und zweitens nach Zeitverhältnissen. So 
sind, um bei diesem Beispiel zu bleiben, als Äußerungen der 
Epirogenese die Hebung der Koralpe usw. unter Senkung 
der nordostwärts gelegenen Grazer Bucht zur Mediterran- 
zeit, die vor- oder tiefsarmatische Muldenbildung in der 
östlichen Mittelsteiermark, die das „mittelsarmatische Delta" 
einleitenden Hebungen und Senkungen und die Ausbildung der 
pontischen Sedimentmulde im Nordosten von Mittelsteier- 
inark zu betrachten. Demgegenüber sind als orogcnotiscli(! 
Vorgänge nachweisbar: 

1. eine vormediterrane Phase, 

2. eine intramediterrane Phase (zwischen 1. und 2. Medit. 
Stufe), 

3. eine vorpontische Phase (zwischen tiefsarmatisch und 
pontisch), 

4. eine postpontische Phase. 

Was die intramediterrane Phase anlangt, so hatte 
WiNKLBR zwar 1913") Gebirgsbildungen dieses Alters ange- 
nommen, jedoch ließ er diese Annahme 1914 fallen. Wir 
kommen aber, wie mir scheinen möchte, nach den neueren 
Beobachtungen und Literaturzusammenstellungen von W. Pk- 
TiiASCHECK^s) wohl kauHi um diese intramediterrane Gebirgs- 
bildung herum. Zu bemerken ist zwar, daß, während die 
vormediterrane, vorpontische*^) und postpontische Gebirgs- 
bildung die notorischen orogenetischen Phasen der jüngeren 
Tertiärzeit sind, intramediterrane Vorgänge von unzweifelhaft 
üiogenetischem Charakter recht geringe Verbreitung zu be- 
sitzen scheinen. 

3. Die Großfaltung Kleinasiens. 
Auf Grund der geologischen Geschichte der eni- 
standenen Gebilde, d. h. insonderheit nach der säkularen 
Aufschüttung in den sinkenden Räumen und der säkularen 
Abtragung auf den AntLklinen, erscheint mir die „Groß 
faltung" Kleinasiens, die „letzte Phase der dinarisch-tauii- 
schen Faltung" Walter Pbncks, alg ein im wesentlichen 
epirogenetischer Vorgang. W. Penck hat aufs treffendste 

*'') Aetuk Winklee, Untersuchungen zur Geologie u. Palä- 
ontologie des steirischen Tertiärs. Das Miocän von Mittelsteier- 
mark. Jahrb. Geol. Reichsanst, AVieii 1913, Bd. 63, S. 503 ff. 

*8) W. Peteascueck, Die miocäne Schichtfolge am Fuße dei- 
Ostalpen. Verh. Geol. Reichsanst., Wien 1916, S. 310 ff. 

*9) Vgl. H. STILX.E, Über Hauptformen der Orogene.sr. 
a.. a. O.. S. 17. 



204 



diesen Vorgang der Großfaltung, sein Einsetzen etwa im 
Mio-Pliocän nach einer längeren Verebnungszeit, seine säku- 
lare Fortdauer, seine Hauptwirksamkeit im Pliocän und 
Quartär, seine .weitgehende Unabhängigkeit von der älteren 
Struktur des Bodens, seine Beziehungen zu der „regionalen" 
Hebung des gesamten Großfaltenlandes, die gleichzeitig mit 
der GroßfaUenbildung erfolgt, den Wechsel von Aufschüttung 
und Ausräumung in den Synklinalen, die Interferenz ver- 
schiedener Großfaltenelemente, die zu Quergliederungen 
führt und die Synklinalen zum Teil zu rund umschlossenen 
Tiefgebieten macht, die Entstehung gewisser „Ova" als einci- 
besonderen Erscheinungsform der Groß-Synklinen, das Ein- 
sinken anderer Synklinen unter Meeresniveau (Golf von 
Ismid, Golf von Gemlik) geschildert. Das säkulare des 
Bewegungsvorgangs charakterisiert diese Großfaltung als 
eine epirogenetische Erscheinung und charakterisiert trotz 
der für epirogenetische Verhältnisse kleinen Amplitude die 
Mulden als Geosynklinalen, die Sättel als Geantiklinalen. 
Dabei handelt es sich um den Fall einer Spezialundation 
innerhalb einer größeren epirogenetischen Einheit^«) dj^ 



^0) „Spezialundationen" und „Allgemeinundation" habe ieli 
kürzlich im malaisch-pazifischen Inselmeere unterschieden (vgl. 
,,Alte und junge Saumtiefen", a. a. O., S. 20, Anm. 1). Auch dort 
liegen Fälle einer verhältnismäßig kleinwelligen Epirogenese vor. 
wenn sie gewiß auch noch weit großwelliger ist als diejenige, 
die die „Großfalten" Kleinasiens geschaffen hat. Der Unterschied 
gegen die Verhältnisse in Kleinasien, wie ich sie nach AV. Pencks 
Schilderungen deuten zu müssen glaube^ liegt darin, daß es sich 
im malayischen Archipel um Spezialundationen innerhalb eines 
Gebietes mit vorherrschend abwärtiger Allgemeinundation. 
dagegen in Kleinasien um solche in einem Gebiete mit vor- 
herrschend aufwärtiger Allgemeinundation handelt. 

Aber wir brauchen von Kleinasien nur etwas westwärts 
in das Gebiet der Aegäis zu gehen, um auch iiicr 
wie im Malayischen Archipel eine Spezialundation Iiei 
vorherrschend negativer Allgemeinundation, nämlich der 
jenigen, die die Aegäis als „Aire d'Ennoyage" • zum 
transversalen Meeresbecken im Gegensatz zu der auf- 
steigenden kleinasiatischen Schwelle machte, zu finden ; diesei- 
Wechselwirkung von abwärtiger Allgemeinundation mit allerlei 
Spezialundationen, die vergleichbar denen sind, die uns AV. Fenck 
in dem Großfaltenbau Kleinasiens vorführt, möchte ich die Aus 
gestaltung der Aegäis mehr zuschreiben, als den immer wieder 
behaupteten ,, radialen Einbrüchen", - wenn gewiß, wie über- 
haupt in Gebieten von cpirogenetischer Anlage, so auch hier, Dis- 
lokationen und sonstige orogenetische Vorgänge an den epiro- 
genetischen Schwellen und Becken episodisch umgestaltend ge- 
wirkt und sie zum Teil auch in „Horste" und ,. Gräben" ver- 
wandelt haben. 



205 



Epirogenese dieser größeren Einheit äußert sich in ihrer 
,, regionalen" Hebung, die das Gesamtsystem der Großfalten 
ergreift, und W. Penck schildert uns nun, wie im allgemeinen 
in den Synklinen die (lokale) Senkung über die regionale 
Hebung überwiegt, was Sedimentationen in den Synklinen 
zur Folge hat und die Denudation auf die Antiklinen be- 
schränkt, wie aber anderseits das zeitweilige Überwiegen 
der regionalen Hebung über die abwärtige Großfaltung der 
Synklinen zur Ausräumung der Synklinen führen kann. 

Auch an orogenetischen Erscheinungen fehlt es in den 
von W. Penck geschilderten Großfalten nicht, aber in bezug 
auf sie glaube ich eine von derjenigen Pbncks etwas ab- 
weichende Meinung vertreten zu müssen. Nach Penck sind 
sie nämlich Begleiterscheinungen des Großfaltenbaues, den er 
ja überhaupt für eine „echte" Faltung hält. Aber es handelt 
sich doch in den örtlichen Zerknitterungen, Faltungen, 
Schleppungen und sonstigen Störungen der mio-pliocänen 
Schichten, die besonders an die Randzonen der Großmulden 
gebunden zu sein scheinen, um typisch orogenetische Er- 
scheinungen, und deshalb müssen wir sie meines Erachtens 
von der eigentlichen Großfaltenbildung als Vorgänge von 
orogenetischer Art scharf abtrennen. Sie sind, was ihr Alter 
anlangt, einerseits postlevantinisch und anderseits älter, als 
gewisse junge Verebnungen, und so spricht nichts dagegen, 
sie der in weiten Teilen der eurasiatischen Gebirge nachweis- 
baren jungpliocänen, vielleicht zum Teil auch einer quar- 
tären, jedenfalls aber einer episodischen Dislokationsphase 
zuzuteilen. 

Für mich sind also auf Grundlage der Untersuchungen 
und Schilderungen Walter Pencks die „Großmulden" 
(„Ova") Kleinasiens Gebilde einer abwärtigen Spezialundation 
inrterhalb einer größeren Einheit mit vorherrschend auf- 
wärtiger Allgemeinundation, die in einem oder vielleicht 
auch zwei orogenetischen Zwischen- oder Nachakten — be- 
sonders wohl in der Phase der jungpliocänen Gebirgs- 
bildung — , tektonisch etwas umgestaltet, zum Teil dabei auch 
zu „Gräben" verwandelt worden sind'. 



IV. „Synorogenese". 

Auch bei den im Kapitel III möglichst scharf gefaßten 
Definitionen der Begriffe Orogenese und Epirogenese bleibt 
ein kleiner Komplex tektonischer Erscheinungen, die sich 



206 

nicht sicher klassifizieren lassen, — und zwar nicht etwa 
aus Unzuläng-lichkeit der Definitionen, sondern aus dem 
einfachen Grunde, daß es sich hier um Vorgänge handelt, 
die an der Grenze von Orogenese und Epirogenese stehen. 
Kennzeichnete sich die Epirogenese als ein mehr oder- 
weniger kontinuierlicher, (wenn vielleicht auch in lauter 
kleinen Einzelrucks erfolgender), die Orogenese als ein 
episodischer Vorgang, so gibt es damit Zeiten, nämlich die 
Phasen der Orogenese, in denen beiderlei Vorgänge sich 
ereignen. In diesen entstehen also zunächst die wechselnden 
Formen der Orogenese vom höchsten bis zum niedrigsten 
Typus, vom Deckengebirge und eigentlichen Faltengebirge 
zum Bruchfaltengebirge und endlich zum Blockgebirge'''). 
Alle diese Vorgänge sind mit Aufwärtsbew^egungen der 
betroffenen Gesteinsmassen verknüpft und haben deshall) 
örtliche Regressionen im unmittelbaren Gefolge. Aber die 
Regressionen haben in den orogenetischen Zeitphasen im 
allgemeinen mehr als örtlichen Charakter, denn sie pflegen 
in weiten Teilen der Erde auch außerhalb der Gebiete 
der nachweisbar orogenetischen Heraushebung einzutreten, 
und damit sind die orogenetischen Phasen im allgeraein<3n 
,,geokrate" Phasen allererster Ordnung. Man denke z. B, 
an die Übergangszeit zwischen Silur und Devon (kaledonische 
Faltung), in der weitgehende Verlandungen eintreten, so 
daß sich "das Meer weite Teile seiner vorherigen großen 
Ausdehnung erst in der Folgezeit nach und nach wieder- 
ierobern muß, oder man denke an die Übergangszeit vom 
Devon zum Carbon oder an die Übergangszeit zwischen 
Oligocän und Miocän oder an die jüngste Miocän- uu(J 
früheste Pliocänzeit. Gewiß beruht bei diesen und anderen 
Beispielen die Geokratie zum guten Teil auf der unmittel- 
baren Verdrängung des Meeres durch Auffaltung oder 
sonstige orogenetische Heraushebung weiter Landstriche. 
Aber vielfach liegen auch, wie es scheint, Schwellenhebungen 
vor, die nicht eigentlich orogenetischen Charakter haben, 
sondern den Charakter einer gesteigerten oder doch in ei - 
wxitertem Umfange Virksamen Epirogenese. Wo ist da aber 
der Schnitt zu ziehen zwischen dem Grenzfalle eines Block- 
gebirges („Orogenese") und der gleichzeitigen „epirogeneti- 
schen" Aufwölbung einer Festlandsrandzone? Theoretisch 
könnte man ja sagen, daß, solange Verwerfungen auftreten 



*i) H. Stille, Über Hauptform der Orogonese usw., a a. O., 
S. 1—4. 



207 



(,, Blockgebirge"), noch eine „Orogenese" vorläge, während 
die Aufwölbung, die gleichzeitig damit an anderer Stelle 
bruchlos erfolgt, als epirogenetisch zu klassifizieren wäre. 
Aber nun stellen wir uns erstens vor, daß die Verwerfungen 
immer unbedeutender werden; und dann sollte schließlich 
das Fehlen oder Vorhandensein eines kleinen Risses daa 
Fundaihent für die Zuweisung zur Orogenese oder Epiro- 
genese bilden? Zweitens besteht aber in vielen Fällen die 
große praktische Schwierigkeit oder gar Unmöglichkeit der 
sicheren Entscheidung, ob Risse da sind oder nicht. 

Es gibt also Grenzfälle, in denen orogenetische und epiro- 
gonetische Vorgänge so ineinanderführen, daß eine Scheidung 
schwer möglich ist. Es handelt sich, wie ich wiederhole, 
speziell um die Formenreihe von einem Blockgebirge in der 
Randzone eines Massivs über eine Randzone, in der Ver- 
werfungen nur noch ganz untergeordnet erkennbar sind, 
bis zu bruchlosen, weitwelligen Bewegungen, die nach allem 
nur eine gewisse Verstärkung der Epirogenese der voran- 
gegangenen Zeiten bedeuten. Über die sich hier ergebenden 
terminologischen Schwierigkeiten suche ich hinwegzukom- 
men, indem ich von „synorogenetischen" Vorgängen 
spreche, d. h. von solchen, die der Zeit nach in eine oi'o- 
genetische Phase entfallen und der Art nach an der Grenze 
der orogenetischen und epirogenetischen stehen. Teilt man 
die Vorgänge der Orogenese zu, soweit das Auftreten typisch 
orogenetischer Gefügeveränderungen des Untergrundes dieses 
noch irgend zuläßt, so verbleibt für die ,;Synorogenese" 
neben den auch dann noch zweifelhaften Grenzfällen zwischen 
Orogenese und Epirogenese im wesentlichen die (meist ver- 
stärkt) fortgehende Epirogenese der orogenetischen Erd- 
phasen. — Es sind Vorgänge in den orogenetischen Erd- 
phasen, die uns als epirogenetische erscheinen, — zum 
Teil es auch unter Zugrundelegung der vorgangsartlichen 
Definition (keine Veränderungen im tektonischen Gefüge 
des Untergrundes!) wirklich sind, zum Teil aber zur Block- 
gebirgsbildung, dem niedrigsten Typus der Orogenese, hin- 
überleiten. 



208 



• Nachwort. 

Zwischen dem Vortrage obiger Ausführungen und ihrei' 
Drucklegung erscheint eine nachgelassene Arbeit von Tu. 
Brandes über „Die varistischen Züge im geologischen Bau 
Mitteldeutschlands"52), in der er gleichfalls auf die Grenzfälle 
von Orogenese und Epirogenese, die etwa mit dem zu- 
sammenfallen, was ich oben als „Synorogenese" bezeichnet 
habe, hinweist. 



-2) N. Jahrb., Beil. Bd. XLIII, 1919, 8. 190 ff. 



Deutsche Geologische Gesellschaft. 

Februar 1920. 



Vorstand 

Vorsitzender: Herr P o m p e c k 
R a u f f. 



Stellvertr. Vorsitzende 

Schriftführer 

Schatzmeister 
Archivar 



Kruse h. 
ß ä r t 1 i n g. 
Schneider, 
J a n e n s c h. 
Sei dl. 
P i c a r d. 
D i e n s t. 



Beirat 

Die Herren F r h. Stromer v. R e i c h e n b a c h 
München, Tie tze - Wien, S t i 11 e - Göttingen, Wich 
m a n n - Utrecht, B e r g e a t - Königsberg i. Pr., Drever 
mann- Frankfurt a. M. 



Verzeicliiiis der Mitglieder. 

Die beigedruckten Zahlen geben das Jahr der Aufnahme an. 

Aachen, Aktien-Gesellschaft für Bergbau, Blei- und 
Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen, 
1914, Aachen. 

Aachen, Geologische Sammlung der Technischen Hoch- 
schule, 1907. 

Abels, Josef, Dr., 1919. Freiburg i. B., Maria-Theresia- 
Straße 6. 

A b 6 n d a n n , E. C, Bergingenieur, 1907. Blaricum (Nie- 
derlande), Noolsche Weg, ,,(le Kernel" oder Wassenaar, 
Holland, .lepenlaan 2. 

Alberti, Eudolf, Dr., 1914. Goslar (Harz), ßeußstr. 2. 

Alb recht, Emil, Diplom-Ingenieur und Generaldirektor. 
1900. Gleiwitz, Wilhelmstr. 7. 

Zeitschr. d. n. (!eol. Ges. 1919. 14 



■210 



AUisat, konz. Markscheider, 1Ü2(). iMülliciiu (Ruhi-), 

Uhlandstr. 58. 
A 1 I org-e , M. Marcel, lUO.S. Loiiviers, Normaridie (Franc«'). 
Altona (Elbe), Städtisches Museum, 1910. Altona (Elbe), 
von Ammon, Ludwig, Dr., Professor, Oberberg- 
rat a. D., 1873. München, Akademiestr. 13 11. 
Andree, Karl, Dr., Professor, 1902. Königsberg i. Fr., 

Brahmsstr. 19 Ir. 
Anholt, Fürstlich Salm-Salm' sehe Generalverwaltung, 

1914. Anholt (Westf.). 
.Ä. o c k e r b I o m , Ottmar, cand. rer. mont., 1914. Claus- 
thal (Harz), 
.A r 1 l, Hans, Dr., Bo'gassessor, 11)11. Bonn, .Joachinistr. 4. 
Arndt, Heinrich, Dr., Assessor, 1909. München, NO Tl. 

Hiranielreichstr. 3. 
von A r t h a b e r , G., Dr., Professor, 1892. Wien IX, 

Ferstelgasse 3. 
Aß mann, Paul, Dr., Geologe, 1007. Berlin N 4. 

Invalidenstr. 44. 
■.Vulich, Dr., Professor an der Maschinenbau- uni! 

Hüttenschule, 1907. Duisburg, Prinz-Albrecht-Str. 33. 
B a 1 d 6 r m a n n , Walther, konz. Markscheider, 19 19. 

Essen-Altenessen, Heßlerstr. 51. 
Balken hol, Joseph, Oberlehrer, 1914. Witten (Ruhi). 

Euhrstraße 51. 
Baelz, Bergassessor, 1914. Berlin W 9, Leipziger Sti'. 2. 

Handelsministerium . 
Balthäzar, Jean, Dr., 1907. Bonn, Koblenzer Str. 99. 
Bamberg, Paul, Fabrikbesitzer, 1902. Wannsee bei 

Berlin, Kleine Seestraße 12. 
l'ai'rois, Charles, Dr.. Professoi', 1877. Lille, 4! 'nie 

Pascal. 
Barsch, O., Dr., Geologe, li)08. Berlin N4, Invalidenstr. 44. 
B ä r 1 1 i n g , R., Dr., Bezirksgeologe, Privatdozent , 

1903. Berlin N4, Invalidenstraße 44. 
Basedow, Herb., Dr., Chief Medical Inspector and Chief 

Protector of Aborigines, 1908. Kent-Town, Adelaide, 

Süd-Australien. 
Bau mann, L., Dipl.- Bergingenieur. 19U8. .Adr. luibek. 
I>aumgärtel, Bruno, Dr., Professor, 1910. (lansthal 

(Harz). 
B a u m h a u e r , H., Dr., Professor, 1879. Freiburg 

(Schweiz). 
Beck, Carl, Dr., 1898. Stuttgart, Wagenburgstr. 10. 



211 



Becker, A., Lehrer a. Eealprogymnasium, 1912. Staßfurt. 

Behlon, H., Forstmeister, 1908. Kiel Knooper Weg 37. 

Bahr, Fritz, M., Dr., 1913. Cöln-Marienhurg, Ober- 
länder Ufer 192. 

B(^hr, Johiinnes, Dr.. Bezirksgeologe, 1001. P>erlin 
N 4, Invalidenstr. 44. 

B o h r e n d , Fritz, Dr., Geologe a. d. Preuß. Geol. Landes- 
anstalt. 1913. Berlin N 4, Invalidenstr. 14. 

Belowsky, Max, Dr., Professor, Privatdozent, Kustos 
am Min.-Petrogr. Institut, 1896. Berlin N 4, Invaliden- 
straße 43. 

H (in der, Gisela, Dr., 1919. Baden-Baden, Lichtentaler 
Allee 32. 

Berg, Georg, Dr., Bezirksgeologe, 1903. Berlin N 4. 
Invalidenstr. 44. 

Bergeat, Alfred, Dr., Professor, 1893. Königsberg in 
Preußen XIIL, Oberteichufer 12. 

P) e r g m a n n , W., Bergwerksdirektor, 1904. Useder Hütte 
b. Peine. 

Bergt, Walter, Dr., Professor, Direktor des Museums für 
Vulkanologie und Länderkunde (Stübelstiftung) im 
Grassi-Museum, Privatdozent für Mineralogie und 
Petrographie an der Universität, 1894. Leipzig- 
Eutritzsch, Delitzscher Str. 121. 

Berlin, Bibliothek der Technischen Hochsciiuic, 1909. 
Charlottenburg. 

Berlin, Geo/o<^isch-niineraloirisches Institut der Land- 
wirtschaftl. Hochschule, 191;-). Berlin N4, Invaliden - 
Straße 42. 

Berlin, Geologisch-Paläontologisches Institut und Mu- 
seum der Universität, 1911. Berlin N 4, Invaliden- 
straße 43. 

Berlin, Handbibliothek des Geologischen Landes- 
tnuseunis, 1912. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

Berlin, Technische Hochschule, Abt. f. Bergbau, Geolo- 
gisches Institut, 1913. Charlottenburg. 

Berlin, Verein der deutschen Kaliinteressenten, 1914. 
Berlin SW 11, Anhaltstr. 7. 

Berlin, Verein der Studierenden der Geographie an der 
Universität Berlin, 1912. Berlin NW 7, Geographi- 
sches Institut der Universität, Georgenstr. 34/36. 

B (irz, Karl C., Dr., Assistent, 1920. Adr. unbekannt. 

BfUiing, konz. Markscheider, 1919. Bochum, Gudrun- 
straßo 19. 

14* 



212 



Beyer, Schulrat, Professor, Dr., 1911. Dresden 27, 
Kantstr. 2. 

B e y s c h 1 a g , Franz, Dr., Professor, Geh. Oberbergi^at, 
Dü^ektor der Preuß. Geol. Landesanstalt, 1883. Berlin 
N 4, Invalidenstr. 44. 

Beyschlag, Rudolf, Bergreferendar, 1914. Berlin 
N 4, Invalidenstr. 44. ' . 

Bier eye, Professor, 1907. Groß-Dl^hterfelde, Haupt- 
Kadettenanstalt, Lehrerhaus. 

V on, B i s m a r c k . Landrat, 1898. Külz, Kreis Naugard. 

B I a n c k e nh o r n , Max, Dr., Professor, Mitarbeiter der 
Preuß. Geol. Ländesanstalt, 1881. Marburg i. Hess., 
Wilhelmsplatz. 

Bochum i. W., Westfälische Berggewerkschaftskasse, 1905. 

von Böckh, Prof., Dr., Ministerialrat, 1914. Budapest. 

Bode, Arnold, Dr., Professor a. d. Bergakademie. 
1902. Clausthal (Harz). 

Boden, Karl, Dr., Geologe, Assistent am Geolog. - 
Paläontol. Institut der Universität, 1907. München, 
Geolog. Institut der Universität, Neuhauser Str. 51. 

Böhm; Joh., Dr., Professor, Kustos an der Geol. 
Landesanstalt, 1881. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

Bonn, Geologisch-Paläontologisches Institut und Museum 
der Universität, 1907. Bonn, Nußallee 2. 

Born, Axel, Dr., Privatdozent der Geologie und Paläon- 
tologie, 1911. Frankfurt a. M., Geolog. Institut, Roberi- 
Mayer-Str. 6. 

Bornhardt, Geh. Oberbergrat, Vortragender Rat im Mi- 
nisterium für Handel und Gewerbe, 1894. Charlotten - 
bürg, Dernburgstr. 49. 

Borth, Deutsche Solvaywerke, Aktien-Gesellschaft, Ab- 
teilung Borth, 1910. Borth, Post Büderich, Kreis 
Mors. 

Bottenbroich, Akt.-Ges. Grube Graf Fiirstenberg, 1914. 
Bottenbroich bei Frechen. 

B t z o n g , Carl, Dr., 1907. Heidelberg-Handschuhsheim, 
Bergstr. 107. 

B r a n c a , Wilhelm, Dr., Professor, Geh. Bergi^at, 1876. 
Goslar a. H., Frankenberger Kloster. 

Brauns, Reinhard, Dr., Professor, Geh. Bergrat, 1885. 
Bonn^ Endenicher Allee 32. 

Braunschweig, Braunschweigisch- Lüneburgische Kammer. 
Direktion der Bergwerke zu Braunschweig, 1914. 
Braunschweig. 



213 



Bravo, Jose J., Professor, Direktor del Cuerpo de In- 
. ^-enieros de Minas, 1908. Lima (Peru), Apartado 889. 

Breslau, Deutscher Markscheiderverein, 1912.. Bres- 
lau VIII, Goethestr. 69. 

Breslau, Geologisches Institut der Universität, 1910. 

Brinkmann, Hermann, konz. Markscheider, 1920. Essen- 
Borbeck, Neustr. 210. 

'Brinkmann. Roland, stud. ^eol., 1920. Freiburg- i. Br., 
Ob er au 55. 

•Briquet, Abel, Advocat ä la cour d'appel, 1914. Douai 
(Nord), 44 rue Jean de Bologne. 

Broili, Ferdinand, Dr., Professor, 1899. München, Alte 
Akademie, Neuhauser Straße 51. 

Brück, Oberbergamtsmarkscheider, 1917. Dortmund, 
Leipziger Straße 16. 

Bruhns, W., Dr., Professor, 1888. Clausthal (Harz), 
Bergakademie. 

Brunn, Mineralog. Geolog. Institut der Böhm. Techn. 
Hochschule, 1916. Brunn. 

Buch er, Walter, Dr., 1910. Cincinnati, Ohio, 2624 Eden 
■'' Avenue. 

Buchner, Luise, Dr. phil., 1919. Hannover-Kleefeld, 
Schellingstr. 1. 

B ü c k i n g , Hugo, Dr., Professor-, Direktor der Geol. 
Landesanstalt, 1873. Heidelberg, Marktplatz 3. 

Budapest, Ungarisches N ationalmuseum, Mineralogische 
Abteilung, 1912. Budapest XVIII, Nationalmuseum, 
Asvanytär (Mineralogische Abteil.). 

Budap st, U niversitäts-Bibliothek , 1917. Budapest. 

V. B ü 1 w , E. U., Dr., 1916. Greifswald, Geolog. Institut 
der Universität. 

von Bülow, Kurt, cand. geol., 1920. Greifswald, Geo- 
logisches Institut. 

Buri, Theodor, Dr., Professor, 1917. Mannheim, Ober 
realschule. 

Burre, O., Dr., Geologe, 1910. Berlin N4, Invalidenst. 44. 

Busz, K., Dr., Professor, Geheimer Bergrat, 1904. Mün- 
ster i. W., Heerdestr. 16. 

Buxtorf, August, Dr., a. o. Professor, 1907. Basel, 
Grenzacher Straße 94. 

C'ahn, Gustav, Be'rgwerksbesitzer, 1912. Prankfurt a. M.. 
Laarbachstr. 61. 

Ganaval, Richard, Dr., Berghauptmann und Hofrat, 
1890. Klagcnfurt, Ruprechtstr. 8. 



214 



C a p e 1 1 i n i , Giovanni, Professor, Senator, 1884. Bologna. 
Carthaus, Emil, Dr., 1910. Haiensee, Karlsruher 

Straße 31. 
Chewings, Charles. Dr., 1896. Ha^\'thol■n. Williain 

Street, South Australia. 
Cissarz, Arnold, stud. f^reoL. 1920. Frankfurt a. M.. 

Finkenhofstr. 29. 
Clark, William BuUock, Dr., Professor, State Geologist 

für Maryland, 1885. Baltimore, John Hopkins Uni- 

versity. 
Clausthal, Oberöcrgamt, 18(59. 
Cloos, Hans, Dr., Professor, 1909. Bi'cslaii. Gwloi^. 

Institut, Schuhbrücke 38/39. 
Cöthen, Grube Leopold b. Edderitz, Aktiengesellschaft , 

1914. Cöthen i. Anh., Heinrichstr. 1. 
Cöthen, Städtisches F riedrichs-Polytechnikum, 1908. 
Correns, Carl, cand. ^'•eol., 1919. Berlin-Dahieni, Holl/.- 

mannstr. 
C r a m e r , Rudolf, Dr.. (^eolofi'e, UKHj. Berlin N 1. 

Invalidenstr. 44. 
C r 6 c e 1 i u s , Th., Lehrer, 1909. Lonsheim bei Alzey 

(Rheinhessen). 
Crem er, G., Oberbergrat, 1914. Tecklenburg. 
Cron acher, R., Dr. phil., Dipl. -Ingenieur, 1908. Berlin 

S42, Gitschiner Straße 48. 
Crook, Alja Robinson, Dr., Curator, State Museum of 

Natural History, 1897. Si)ringfield, 111., IT. S. A. 
Dahms, Albert, Bergassessor, 1909. Hannover, Geibel- 

straße 48 III. 
Damm er, Bruno, Dr.. Bej^irksgeologe, 1902. Berlin 

N4, Invalidenstr. 44. 
Dannenberg, Artur, Dr., Professor, 1894. Aachen, 

Techn. Hochschule. 
Dantz, C, Dr., Bergwerksdirektor a. D., 1892. Berlin- 
Grunewald, Bismarckallee 11. 
Dar ton, N. H., Geologist U. S. Geological Survey, 1904. 

Wa-shington D. C. 
Deecke, Wilhelm, Dr.. Professor, Geh. Hofrat, Direktor 

der Badischen Gool. liandesanstalt. 1885. Freiburg i. !>.. 

Erwinstr. 37. 
D eitert, August, konz. Markscheider, 1920. Gelsen - 

kirchen, Alter Markt 3. 
Delkesknmp, R.. Dr., 1905. Frankfurt a. M.. Köniu- 

straße 63. 



215 



D e n c k m a n n , August, Dr., Professor, Geh. Bergrat, 
Landesgeologe, 1884. Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

Bender, Wilhelm, 1919. Köln. Hochstr. 125a. 

De Stefani, Carlo, Dr., Professor, Direktor der geolo- 
gisch-paläontologischen Sammlungen, 1898. Florenz. 

Dienemann, Dr., Geologe, 1913. Berlin N I, Invaliden- 
straße 44. 

Dienst, Paul, Dr., Kustos an der Geol. Lütiilesanstalt, 
1904. Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

Diesel, Eugen, Dr., 1914. Berlin N4, Invalidi'iisir. 4;-5. 

Dietrich, W., Dr., Assistent am Geol.-Paläont. Institut 
und Museum, 1911. Berlin N 4, Invalidenstr. 43. 

Dietz, C, Generaldirektor, 1908. Hannover, Landseliaft- 
straße 81. 

Dittmann, Kurt Emil, Dr., Dipl.-Ingenieur, 1911. Essen 
(Ruhr), Dreilindenstr. 631. 

de Dorlodot, Henry, Abbe, Professor an der Universite 
catholique, 1902. Löwen in Belgien, 44 rue de Beriet. 

Dorn, Bezirkstierarzt, 191(). El)erinannstadt (Ober- 
franken). 

Dortmund, Naturwissenschaftl. Verein, 1913. Dortmund, 
Märkische Str. 60. 

Dresden, Bergwitzer Braunkohlenwerke, Aktiengesell- 
schaft, 1914. Johann-Georgen- Allee 251. 

Dreyer, Bernhard, Bergassessor, 1919. BcrUn N4, In- 
validenstr. 44. 

Duft, Bergrat, 1911. Berlin-Südende, Oehlertstr. 14. 

Düsseldorf, Verein deutscher Eisenhüttenleute, 190(5. 
Düsseldorf. 

Dyhrenfurth, Günther, Dr., Professor, 1908. Bres- 
lau XII, Schloß Carlowitz. 

E b e 1 i n g , Bergrat, 1894. Hannover, Hindenburgstr. 32. 

von Eck, Dr., Professor, 1861. Stuttgart, Weißenburg- 
straße 4BIL 

Eck, Otto, Dr., 1908. Anschrift unbekannt. 

Eislehen, Mansfeldsche Kupferschiefer hauende Gewerk- 
schaft, 1914. Eisleben. 

E II e r , Albert, Dr., Dipl.-Ingenieur, 1908. Danzig, Faul- 
graben 4/511. 

Emerson, Benjamin, Professor der Geologie an den 
Amherst and Smith Colleges, 1868. Amherst 
(Massach.), N.-A. 

Enke, Ferdinand, Verlagsbuchhandlung, 1913. Stutt- 
gart, Hasenbergsteige 3. 



216 



Erdmannsdörffer, 0. H., Dr., Professor, 1900. Han- 
nover, Techn. Hochschule, Geolog. Institut. 

E r m i s c h , Karl, Bergwerksdirektor, 1908. Kaliwerk 
Wansleben, Bez. Halle a. S. 

E 1- n s t , Gustav, Bergrat, 1909. Halberstadt, Seydlitz- 
straße 13 B. 

Esch, Ernst, Dr.. Korn. -Rat, 1893. Darmstadt, Roquette- 
weg 37. 

Essen, Bergschule, 1914. Essen (Ruhr). 

Essen, Bibliothek des Vereins für die bergbaulichen 
Interessen, 1907. Essen (Ruhr). ^ 

Essen, Naturwissenschaftliches Museum der Stadt Essen, 
1914. Essen (Ruhr). 

Ewald, Rud., Dr., wissenschaftlicher Mitarbeiter am 
Provinzialnmseum, 1910. Hannover, Lutherstr. 1. 

Faura i Sans, Dr., Direktor der geologischen Landes- 
untersuchung von Katalonien, Professor an der Uni- 
versität und der Landwirtschaft!. Hochschule, 1920. 
Barcelona, Rue de Valencia 234. 

Felix, Johannes, Dr., Professor, 1882. Leipzig, Gellert- 
straße 3. 

Fels, Gustav, Dr., 1902. Eggenburg, Niederösterreich. 

Fei seh, Joh., Dr., 1908. Casilla 1559, Santiago (Chile), 
p. Adr. Prof. Meier. 

F e n t e n , Joseph, Dr., Staatsgeologe, 1906. Buenos Aires, 
1568 Casilla Correo. 

Flegel, Dr., Bergassessor, 1913. Breslau, Oberbergamt. 

F 1 i e g e 1 , Gotthard, Dr., Professor, Bezirksgeologe, Dozent 
an Ider Landwirtschaftl. Hochschule, 1898. Berlin- 
Lankwitz, Bruchwitzstr. 8 I. 

Francke, M., Bergassessor a. D., Bergwerksdirektor, 
1912. 1 London Wall Buildings, London E. C. 

Franke, A., Oberlehrer, 1910. Dortmund, Jung 
gesellenstraße 18. 

Franke, G., Professor, Geh. Bergrat, 1894. Berlin 
Haiensee, Auguste- Viktoria- Str. 7. 

Franke, Dr., Professor, 1895. Schleusingen, Kurhausstr. 5. 

Frankfurt a. M., Geol.-paläontol. Institut der Univer- 
sität, 1918. 

Frebold, Georg, Dr., 1919. Hannover, Isernhagener 
Straße 48 ni. 

Fremdling, C, Oberbergamtsmarkscheider, 1910. 
Dortmund, Knappenberger Straße 108. 

F r e m e r y , Hermann, 1908. Adresse z. Z. unbekannt. 



217 



Frentzel, Alexander, Sr.^^ng., Dipl. -Ingenieur, Berg- 
werksdirektor, 1906. Mühldorf bei Spitz (Donau), 
Niederösterreich. 

Freudenberg, Wilh., Dr., Professor, 1907. Göttin- 
gen, Ob. Karspüle 43 1. 

\-. Freyberg, Bruno, Dr., 1919. Halle a. S., Geolog. 
Institut der Universität, Domstr. 5. 

Freystedt, Landesbauinspektor, Eegierungsbaumeister 
a. D., 1908. Liegnitz, Sophienstr. 381. 

F r i c k e , Gustav, konz. Markscheider, 1920. Gerthe (Kr. 
Bochum). 

Friede richsen, Max, Dr., Prolessor, 1903. Königs- 
berg i. Fr., Luisenalle 39/41. 

F r i t z s c h 6 , Hellmut, Dr., 1919. Bonn a. Rh.. Nußallee 2. 

Fuchs, Alex., Dr., Bezirksgeologe, 1902. Berlin N4, 
Invalidenstr. 44. 

Fulda, Ernst, Bergassessor. 1911. Berlin N4, Inva- 
lidenstr. 44. 

G ä b e r t , Carl, Dr., Geologe, Montangeologisches Bureau, 
1907. Leipzig, Inselstr. 2. 

Gagel, Gurt, Dr., Professor, Geh. Bergrat, Landes- 
geologe, 1890. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

Gärtner, Dr., Direktor der Wenzeslausgrube, 1904. 
Ludwigsdorf, Kreis Neurode. 

Geinitz, Eugen, Dr., Professor, Geh. Hofrat, 1877. 
Eostock. 

Gelsenkirchen, Bergwerks- Aktiengesellschaft Consoli- 
dation, 1914. Gelsenkirchen. 

(rerth, Heinrich, Dr., Professor, 1907. Bonn, Geolog 
Institut, Nußallee. 

G i e b e 1 e r , Wilhelm, Prokurist der Firma Ernst Giebeler, 
Bergwerks-Effekten-Geschäft, 1914. Siegen i. Westf. 

G i 1 1 , Adam Capen, Dr., 1891. Ithaca (New York), Cornell 
University. 

Oleiwitz, Oberschlesische Eisen-Industrie, Aktiengesell- 
schaft für Bergbau und Hüttenbetrieb, 1914. Gleiwltz. 

Glöckner, Friedr., Dr., Dipl.-Ing., Bergwerksdirektor, 
1909. Wächtersbach, Bez. Kassel. 

(ioebel, Fritz, Dr., 1920. Broistedt bei Braimschweig, 
postlagernd. 

G r j a n o V i c - K r a m b e r g e r , Karl, Dr., Hofrat, Pro- 
fessor und Präsident der geologischen 'Kommission 
von Kroatien-Slavonien, Direktor des Geologischen Na- 
tionalmuseums, 1898. Agram (Zagreb), Kroatien. 



21« 



Görlitz, Magistrat, 1914. Görlitz. 

Goslar, Naturwissenschaftlicher Verein, 1904. Go.slara. J^. 

(iothan, Walter, Professor, Dr., Dozent an der Teclin. 
Hochschule, Abt. f. Bor^bau, Kustos, 1907. Berlin N4. 
Invalidenstr. 44. 

Göttingen, Geologisches Institut der Universität, 1905. 

Grab au, H., Dr., Professor, Oberlehrer a. D., 1879. 
Leutzsch b. Leipzig, Rathausstr. 1. 

(iraf, Engelbert, Schriftsteller, 1911. Gera (Reuß). 
Prinzenplatz 2. 

Grahmann. Rudolf. Dr., 1917. Leipzi-, Talstr. 35. 

Gräßner, P. A., Geheimer Oberregierungsrat. General- 
direktor a. D., 1889. Schlachtensee b. Berlin, Adalbert- 
straße 25 A I. 

Gravelius, Dr., Professor 'an der Technischen Hoch- 
schule, 1905. Dresden-A., Reißigerstraße 13. 

Graz, Geologisches Institut der Universität. 191o. 
Graz. 

Greif, Otto, Bergingenieur. 1907. .Stuttgart. Roteiiberii- 
straße 511. 

Gripp, Karl, Dr., Assistent am Mineralogischen In- 
stitul der Stadt Hamburg, 1919. Hamburg. 

Gröber, Paul, Dr., 1907. Buenos Aires (Argentinien), 
1241 Galle Maipü. 

G r ö b 1 e r , Bergrat, 1894. Wetzlar, Hausergasse 36. 

Grosch, Paul, Dr., 1907. Ravensburg (Württemberg). 
Wagenerstr. 102. 

von Groth, Paul, Dr., Professor, Geheimer Rat, 1866. 
München, Neuhauser Str. 51, Alte Akademie. Minera- 
logische Sammlung. 

Gruben mann, Uh\, Dr.. Prof., 1907. Zürich, Titlis- 
straße 60. 

Grupe, Oskar, Dr.. Bozirksgeologe, 1899. Berlin N 4. 
Invalidenstr. 44. 

G ü r i c h , Georg, Dr., Professor, Direktor des Mineralo- 
gischen Instituts, Mitarbeiter der Preuß. Geol. Ijandes- 
anstalt, 1891. Hamburg 5, Lübecker Tor 22. 

Haack, W.. Dr.. Geologe. 1908. Berlin N 4, Invaliden- 
straße 44. 

Haarlem. Rijks Geologische Dienst, 1919. Haarlem. 
Niederlande. Spaarne 17. 

Haarma'nn, Allan, Dr. jur., Regierungsrat a. D., Vor- 
sitzender d. Vorst. d. Georgs-Marien-Bergw.- u. Hütten- 
Vereins. A.-G., 1916. Osnabrück, Hamburger Str. 7. 



219 



H a a r m a n n , Erich, Dr., Privatdozent für Geologie und 
Paläontologie, 1904. Berlin - Haiensee, Küstrincr 
Straße 11. 

Hahn, F. Alexander, 1886. Idar a. d. Nahe. 

H a,h n e , August, Stadtschulrat, 1913. Stettin, Königs- 
platz 15. 

H ä h n e 1 , Otto, Dr. phil., Assistent am I. Chemischen In- 
stitut der Universität, 1909. Gr. -Lichterfelde, Jäger- 
straße 18 a. 

Halberstadt, Natiirwissenscliaftlichcr Vcrcjn, 191 2. H.il 
berstadt. 

Halle a. 5., Landwirtsckaftlichrs Institut der Uni- 
versität Halle-Wittenberg, 1910. Halle a. S., Ludwig- 
Wucherer-Str. 2. 

Halle a. 5., Oberbergamt. 1910. 

Haltern, Wilhelm, konz. .Markscheidei-, 1920. Wanne. 
Bismarckstr. 23. 

Hambloch, Anton, 5)r.=3n9- h. c, Grubendirektor, 1906. 
Andernach a. Rh. 

Hamborn, Gewerkschaft Friedrich Thyssen, 1915. Ham- 
born a. Rh. 

Hamm, Anton, Olierbergamtsmarkscheidei-, 1920. Dort- 
mund, Wallrabestr. 13. 

Hamm, Hermann, Dr. phil. et med., 1899. Osnabrück, 
Lortzingstr. 4. 

Hamm, Bergwerksgesellschaft Trier m. b. H., 1914. Hamm 
i. Westf. . 

Hannover, Alkaliwerke Ronnenberg. 1914. Hannover, 
Landschaftstraße 6. 

Harbort, Erich, Di.. Profes.sor, Privatdozent, Be- 
zirksgeologe, 1905. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

Härder, Poul, Dr., Professor, 1910. Kopenhagen. V. Gl. 
Kongevey 157. 

Harker, A., M. A., 1887. Cambridge (England), St. 
John's College. 

H a ir as so w i t z , Hermann L. F., Dr., Professor, 1905. 
Gießen, Mineralogisches Institut. 

Hartwig, Georg, Dipl.-Bergingenieur, 1920. Berlin- 
Niederschönhausen, Blankenburger Straße 70. 

von Haugwitz, Manfred, cand. ]ihil., 1915. München. 
Kaulbachstr. 33. 

Haupt, O., Dr., Kustos an der Geql.-mineralogischen Ab- 
teilung des Hessischen Landesmuseums, 1907. Dariii- 
stadt, Lagerhausstr. 1611. 



220 



H a u t h a l , Rudolf, Dr., Professor, 1891. Hildesheim, 
Römer-Museum. 

Heckel, AI., Oberbergrat, Bergwerksdirektor, 1911. 
Vienenburg a. Harz. 

Heidelberg, Mineraloglsch-Petrographlsches Institut der 
Universität, 1912. Heidelberg. 

Heim, Albert, Dr., Professor, 1870. Hottingen-Zürich 7, 
Hofstr. 100. 

Heim, Fritz, Dr., Geologe, 1910. München, Georgen- 
straße 241. 

Fi-eifräulein v. H e 1 1 d o r f , Adda, 1911. Dresden, Dürer- 
Straße 861. 

Hemmer, A., Dr., 1917. Berlin W 8, Mauerstr. 35/37, 
D. P. G. 

Henke, Wilh., Dr., Geologe, 1908. Berlin N4, 
Invalidenstr. 44. 

Henkel, Ludwig, Dr., Professor, Oberlehrer, 1901. Schul- 
pforta bei Naumburg a. S. 

Henneken, Theodor, konz. Markscheider, 1919. Wanne 
(Westfalen), Unser Pritzstr. 156. 

H e n n i g , Edwin, Dr., Professor, 1908. Tübingen, Schloß- 
; berg 15. : 

Henning, Charles L., Bergingenieur, 1912. Denver, 
Colorado, U. S.A. 4922 W, 34th Avenue. 

Henrich, Ludwig, 1901. Frankfurt a. M., Zeil 48 1. 

Hentze, Ernst, Dr., 1917. Berlin W35, Körnerstr. 24, 
bei Laude. 

Her hing, Dr., Bergreferendar, 1904. Halle a. S., 
Geseniusstr. 2. 

Hermann, Paul, Dr., Geologe, 1904. Mannheim, Stepha- 
nienufer 17. 

Hermann, Rud., Dr., 1904. (Mutter: Fi-au Prof. Her- 
mann, Berlin SW 11 Schöneberger Ufer 37.) 

Herne, Gewerkschaft Friedrich der Große, 1914. Herne 
in Westfalen. 

Herzberg, Franz, Sr.^'^ng., Dipl.-Ingenieur, 1909. 
Wien, Allgemeine Depositenkasse. 

Heß von Wichdorff, Hans, Dr.. Bezirksgeologe, 
1904. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

van der Heyden ä Hauzeur, Louis, Generaldirektor 
1903. Auby-lez-Douai, Dep. Nord (Frankreich), Cora- 
pagnie Royale Asturienne des Mines. 

H e y d w e i 1 1 e r . Erna, Dr., 1918. Charlottenburg, Ber- 
liner Straße 37/38. 



221 



Hibsch, Jos. Em., Dr., Professor i. ß., 1883. Wien 
XVni/1, Erndtgasse 26 II. 

Hindenburg, Donnersmarkhütte, Obersclilesische Eisen- 
und Kohlenwerke, Aktiengesellschaft, 1914. Hinden- 
burg. 

Hirse hwald, Julius, Dr., Professor, Geh. ßegierungsrat, 
1898. Grunewald bei Berlin, Wangenheimstr. 29. 

Hlawatsch, Carl, Dr., Volontär am Naturhist. 
Hofmuseum, Miner.-petrogr. Abteilung, 1907.' ■ Wien 
XIII/5, Linzer Str. 456. 

Hoff mann. Guido, Dr., Geologe, 1916. Potsdam, Krtm- 
prinzenstr. 30. 

Hoff mann, Karl, Berginspektor, 1910. Knurow (Ober- 
schlesien). 

Hohenlohehütte, Hohenlohe-Werke, Aktiengesellschaft , 
1914. Hohenlohehütte (Oberschles.). 

Höhne, Erich, Dr., Geologe, 1908. Berlin NW 21, Cre- 
felder Str. 61. 

Homberg (Niederrhein), Gewerkschaft Sachtleben, 1914. 
Homberg a. Rh. ^ . 

Homberg (Niederrhein), Steinkohlenbergwerk „Rhein- 
preußen", 1913. Homberg (Niederrhein). 

H ö p p n e r , Wilhelm, Bergassessor, 1913. Düsseldorf, Ka- 
sernenstr. 18. 

Hörn, Erich, Dr., Wissenschaf tl. Hilfsarbeiter am Mineral. - 
Geol. Institut, 1907. Hamburg, Lübecker Tor 22. 

Hornung, Ferd., Dr., 1889. Leipzig-Kleinzschocher, An- 
tonienstr. 3. 

Hotz, Walther, Dr., 1912. Basel (Schweiz), Schanzen- 
straße 27. 

Hoyer, Professor, 1894. Hannover, Ifflandstr. 33. 

Hucke, Oberlehrer, 1917. Templin (Mark). 

Hug, Otto, Dr., 1897. Bern, Belpstr. 42. 

Hülsenbeck, geb. Hoyermann, Thekla, Dr., 1913. Wul- 
kow bei Altruppin (Mark). 

Hummel, Karl, Dr., 1911. Gießen, Mineralog. -Geolog. 
Institut der Universität, Ludwigstr. 23. 

Hundt, Rudolf, Lehrer, 1920. Klosterfelde (Kr. Nieder- 
barnim). 

Freiherr von Huene (v. Hoyningen-Huene), Friedrich, 
Dr., Professor, 1899. Tübingen, Zeppelinstr. 10.. 

Huth, W., Dr., Oberlehrer, 1912. Berlin N 65, Genter 
Straße 66 IV. 



Innsbruck, Alasrnm Ferdinandeuni, liJlö. Iiuisbruck. 
J a f f e , Richard, Sr.^^ng., Dipl. -Bergingenieur und Mark- 
scheider, 1911. Frankfurt a. M., Gärtnerweg 40. 
J aekel, Otto, Dr., Professor, (Jeheimer Rogieiungsrat. 

1884. Greifswald, Fischstraße 18. 
Janen seh, Werner, Dr., Professor, Kustos am Geol.- 

Paläont. Institut d. Mus. f. Naturkunde, 1901. Berlin 

N 4, Invalidenstr. 43. 
•Tentzsch, Alfred, Dr.. Professor, (Jeh. Bergrat, 

Landesgeologe, 1872. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 
Johow, Paul, Bergrat, 1914. Buer i. W. 
Jung, Gust., Kommerzienrat, Direktor, 1901. Neuhütte 

bei Straßebersbach, Nassau. 
Jüngst, Hans, stud. geol., 1919. Berlin W 10, Friedrich- 

Wilhehn-Str. 5. 
Just, Wilhelm, .Hauptlehrcr, 1890. Zellerfeld (Harz). 
Kaiser, Erich, Dr., Professor, 1897. Gießen, Garten- 
straße S8. 
Kaiser, Otto, konz. Markscheider, 1920. Kray bei Essen 

(Ruhr), Essener Str. 15. 
Kalkowsky, Ernst, Dr., Professor u. Museumsdirektor 

i. R., Geh. Hofrat, 1874. Dresden- A. 24, Nürnberger 

Straße 48. 
Kammrad, Gerhard, Dr., Oberlehrer, 1914. Berlin N20, 

Uferstr. 10. 
Karlingen, Saar- und Mosel-Bergwerks-Gesellschaft , 

1914. Karlingen, Lothringen. 
Karlsruhe, Geol.-Mineralog. Institut der technischen 

Hochschule, 1915. 
Kattowitz, Fürstlich Plessische Bergwerksdirektion, 1914. 

Kattowitz. 
Kattowitz, Generaldirektion der Schlutiuswerke, 1914. 

Kattowitz, Holteistr. 29. 
Kattowitz, Kattowitzer Aktien-Gesellschaft für Bergbau- 

und Eiscnhüticnbetrieb, 1905. Kattowitz. 
Kattowitz, ObcrscJilesischcr Berg- und Hüttenmännischer 

Verein, E. V., 1919. Kattowitz. 
K a t z e r , Friedrich, Dr., Regierungsrat, Vorstand der 

Bosnisch-herzegow. Geologischen Landesanstalt, 1900. 

Sarajevo (Filialpost). 
K a u f h l z , Dr., Professor, Oberlehrer, 1893. Goslar, 

. Vogelsang 4. 
K a, u n h o w e n , F., Dr.-, Professor, Landesgeologe, 1897. 

Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 



223 



1\ a u u lio w e 11 , Walter, stud. i;eol., 1H2(). Iterlin-Pankow, 
Pestalozzistr. 4. 

Kaiitsky, Fritz, cand. -eol.. 1911). Berlin N 1, Iii- 
validenstr. 43. 

K a y s 6 r , Emanuel, Dr., Professor, Geh. Regierungsrat, 
1867. München, Giselastr. 291. 

Kegel, Wilhelm, Dr., Geologe an der Geol. Landes- 
anstalt, 1913. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

K e i d e 1 , H., Dr., Staatsgeologe, Chef der Secciön Geo- 
logia (d. Division de Minas, Geologia e Hidrologia), 
1909. Buenos Aires, Galle Maipi'i 1241. 

Keilhack, Konrad, Dr., Professor, Geh. Bergrat, Ab- 
teilungsdirigent an der Geologischen Landesanstalt, 
1880. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 
. K 6 i n h o r s t , Heinrich, konz. Markscheider, 1920. 
Günnigfeld bei Gelsenkirchen, Kirchstr. 64. 

K e m m e r 1 i n g , G. L. L., Dipl. -Bergingenieur, 1910. 
Maastricht (Holland). 

Kempner, M., Geh. Justizrat, Vorsitzender des Kali- 
syndikats, G.m.b.H., 1914. Berlin W8, Taubenstr. 46. 

Keßler, Paul, Dr., Privatdozent, 1907. Tübingen, Geol. 
Institut der Universität. 

Keylier, Carl, Dr., Dipl. -Bergingenieur, Bergwerks- 
(lirektor, 1909. Eisleben, Markt oG. 

Kiel, Universitäts-Bibliothek, 1915. Kiel. 

Kirste, Ernst, Rektor, 1910. Altenburg, Roonstr. 1 

Kißling, E., Dr., Professor, 1915. Berlin W 8, Mauer- 
straße 35/36. (Deutsche Petrol.-Akt.-Ges.). 

K i ä h n , Hans, Dr., 1910. Freiburg i. B., Schweighol'str. 17. 

Klautzsch, Adolf, Dr., Professor, Landesgeologe. 
1893. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

Klein, W. C, Dr., Geoloog bij de Bataafsche Petroleuni- 
maat.schappij, 1910. Haag (Niederlande) P). P. M.. 
Carel v. Bylandtlaan. 

K' 1 e ni m , Gustav, Dr., Bergrat, Pi'ofessor, Hess. Landes- 
geologe, 1888. Darmstadt, Wittmannstr. 15. 

Klewitz, Otto, Bergassessor, 1909. Berlin N.4. Inva- 
lidenstr. 44. 

IClinghardt, Franz, Dr.. 1910. Greifswald, Karls- 
piatz 3L 

Kliver, Karl, konz. Mark.scheider. 1919. Bochum, 
Schillerstr. 37. 

K lockmann, Friedrich, Dr., ProL, Geh. Regierungs- 
rat, 1879. Aachen, Technische Hochschule. 



224 



K n e p p e r , Gußt., Bergwerksdirektor, 1914. Bochum VII, 

Steinstr. 49. 
Knod, Reinhold, Dr., 1907. Trarbach (Mosel). 
Koch, Max, Dr., Professor, Landes;?eologe a. D.. 

1884. Berlin W30, Frankenstr. 7. 
Köhler, William, Bergrat, 1914. Recklinghausen. Fried- 
hof str. 1. 
Koehne, "Werner, Dr., Geologe, 1902. Berlin W G;;. 

Landesanstalt für Gewässerkunde, Wilhelmstr. SO. 
K o 1 b e c k , Friedrich, Dr., Professor a. d. Bergakademie, 

Oberbergrat, 1901. Freiberg (Sachsen). 
Kolesch, Dr., Professor, Oberlehrer, 1898. Jena, Forst- 
weg 14. 
V. Komorowicz, M., Dr., Regierungsgeologe, 1911. 

Adresse unbekannt. 
Ko enigs b er ge r , Joh., Dr.. Prof., 1911. Freiburg i. B.. 

Erwinstr. 3. 
Kö plitz, W., Dr., konz. Markscheider, 1920. Herne. 

Hotel Meinhardt. 
Koritsc honer. F., Dr., Montanistischer Beirat der 

Depositenbank, 1914. "Wien I, Teinfaltstraße. 
Korn, Joh., Dr., Professor, Landesgeologe, 1896. Ber- 
lin N 4, Invalidenstr. 44. 
Koroniewicz, Paul, Dr., 1910. "Warschau, Geologisches 

Institut des Polytechnikums. 
Koert, Willi, Dr., Professor, Landesgeologe, 1899. 

Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 
Kossmat, Fr., Dr., Professor, Geh. Bergrat, Direktor 

der Sächsischen Geol. Landesanstalt, 1913. Leipzig. 

Talstr. 35. 
Kraft, Philipp, 2)r.=SnG-, 1914. 919 Agden Avenue, New 

York, City. 
Krahmann, Max, Professor, Bergingenieur, Dozent an 

der Techn. Hochschule, Abt. f. Bergbau, 1889. 

Berlin W 15, Meineckestr. 8. 
Kraisz, Alfred, Dr., Geologe der Deutschen Erdöl 

Af-G., 1909. Berlin W 62, Kurfürstenstr. 112. Deutsche 

Erdöl-A.-G., Geol. Abt. 
Kraencker, Jakob, Dr., Oberlehrer, 1907. Straßburg 

(Elsaß), Graumannsgasse 11. 
Krantz, Fritz, Dr., Teilhaber der Firma Dr. F. Krantz. 

Rheinisches Mineralien-Kontor, 1888. Bonn, Herwarth- 

straße 36. 
K ranz , W., Dr., Major a. D., 1 909. Stuttgart, Heusteigstr. ö6 I . 



225 



Kraus, Ernst, Dr., 1917. Königsberg i. Pr., Lobeck- 
straße 8. 

Krause, Carl, Sr.^Qng., Beratender Bergingenieur, 1910. 
Adresse unbekannt. 

Krause, Paul Gustaf, Dr., Professor, Landesgeologe, 
Privatdozent, 1889. Eberswalde, Bismaixkstr. 26. 

K r e n k e 1 , E., Dr., Professor, 1907. Leipzig, Perdinand- 
ßohde-Str. 7IIr. 

K r e t s c h m e r , Franz, Bergingenieur u. Bergbaubetriebs- 
leiter, 1899. Sternberg (Mähren). 

K r 1 1 p f e i f f e r , Georg, Dr., 1910. Berlin SW 1 1, Groß- 
beerenstr. 86 III. 

K r u m b e c k , Lothar, Dr. Professor, 1912. Erlangen. 

K r ü m in e r , Dr., Bergreferendar, 1914. Bonn, Ober- 
bergamt. 

K r u s c h , Paul, Dr., Professor, Geh. Bergrat, Abteilungs- 
dirigent a. d. Geol. Landesanstalt, 1894. Berlin N4, 
Invalidenstr. 44. 

Kühn, Benno, Dr., Professor, Geh. Bergrat, Landes- 
geologe, Dozent a. d. Bergakademie, 1884. Berlin N 4, 
Invalidenstraße 44. 

Kukuk, Bergassessor, Geologe der Westfälisohen Berg- 
gev/erkschaftskasse, 1907. Bochum, Bergschule. 

Kumm, August, Dr., Assistent, 1911. Braunschweig, 
Technische Hochschule. 

Kumm er ow, E., Mittelschullehrer, 1912. Brandenburg 
(Havel), Haslunger Straße 49. 

K u n t z , Julius, Diplom-Ingenieur, Beratender Berg- 
ingenieur und Montangeologe, 1905. Berlin-Steglitz, 
Hohenzollernstr. 3. 

K u r t z , Professor, Dr., Gymnasialoberlehrer, 1912. Düren, 
(Rhl.), Aachener Str. 30. 

K u s e , Fritz, cand. geol., 1919. Charlottenburg, Horst- 
weg 6. 

Lang, Eichard, Dr., Professor, Privatdozent, 1909. Halle 
(Saale), Schillerstr. 13 IL 

L a u f h ü 1 1 e , Heinrich, konz. Markscheider, 1920. Reck- 
linghausen, Reitzensteinstr. 21. 

Lehmann, li, Dr., 1908. Halle (Saale), Domstr. 5. 

Tj eh mann, P., Dr., Professor, G^eheimrat, Dozent für 
Erdkunde an der Universität, 1898. Leipzig, Kant- 
straße 15. 

Lehner, A., Dr., Assistent am Mineralog.-Geolog. Insl., 
1917. Würzburg. 

Zeilscl r. d. I). GcoJ. (irs. 1919. 15 



22f; 



T.eic li t er - S eil !■ 11 k . Dipl.-Bt'r^in^-ciiicui-. 1914. [lorna, 

Hoz. Leipzig, Ali(!iil>urii:(U- Straße ilH. 
]. e i d h I (1 , Clemens. Dr.. 1912. Wietze (Kr. Celle). 
Leipzig, Geolog.-Paläontolog. Institut der Universität, 

1910. Leipzig-, Talstr. 35. 
Leopoldshall-Staßfurt. Anhaltische Salz wcrks-Direktion. 

1912. 
I>ep])la, August, Dr., i'rofessor. Geh. Hergrat, Laiules- 

geologe, 1881. Wiesbaden, Neuendorfer Str. 2. 
L e u c h s , Kurt, Dr., Privatdozent, 1907. München, Alte 

Akademie, Neuhauser Str. 51. 
L i e b r e c h t , F.. Dr., 1909. Lippstadt (West f. ) . 
van Lier, Bergingenieur, 1907. Adresse iiiibek-nini. 
Lindemann, A. F., 1884. Sidholme, Sidmouth, Devon 

(England), 
von Linstow, Otto. Dr., Professor, i-aiidesgeologe, 

1897. Berlin N4, Invalidenstr. 44. 
Lissön, Carlos, Professor, 1908. Lima (Peru), 
von L e s c h , Karl Christian, Dr. phil., Referendar a. D., 

1907. Berlin ^^^ Kiu-fürstendamm 202, Pension Zwick. 
Löscher. \\'i]li('hii, Di.. Realgymnasialdirektor, 1909. 

Essen, Heinickesli'. l? 
Lotz, Heinrich, Dr., Be/irksgeologe a. 1)., 1898. J^erlin- 

Dahlem, Ehrenbergstr. 17. 
LoeAve, L., Dr., Bergrat. Direktor der Kaliwerke Konow 

und Friedrich Franz, 1910. fjübtheen (.Me('klenV)urg). 
Ritter von Lozinski. W^alery, Dr.. IMldiothekar, 

1907. Krakau, Wolska 14. 
Lüde mann, Karl, Wissenschaftl. Mitarbeiter der Werk- 
stätten für wissenschaftliche Prcäzisionsinstrumente von 

Max Hildebrand, 1919. Freiberg i. Sa., Albertstr. 26. 
Lyman, Benjamin Smith, Bergingenieur, 1870. Phila- 

fielphia (Pa.), 708 Locust Street, ü. S. A. 
Mac CO, Albr., Bergassessor und Berginspektor a. D., 

Privatdozent, 1897. Cöln-Marienburg, Leyboldstr. 29. 
M a d s e n , Victor, Dr., Staatsgeologe und Direktor von 

Danmarks geologiske Undersögelse, 1892. Kopen- 
hagen V., Kastanievej 10. 
Maier, lernst, Professor, Dr., 1908. Santiago (Chile), 

15.59 Casilla. 
Marburg, Geol. Institut der Universität, 1918. Marburg- 

(Bez. Cassel). 
von Marees, Bergassessor. 1919. München-(;iadl)ach, 

Niedei-rh(Mn. Licht- und Kraftwerk, A.-C 



227 



Martin, J., Dr., Professor, Direktor d. Naturhist. Mu- 
seums, 1896. Oldenburg, Herbartstr. 12. 

Marx, Walfried, Rechtspraktikant a. D., cand. geol,, 
1913. Froiburg i. B., Mercystr. 2. 

Mascke, Erich, Dr., 1901. Göttingen, Rheinhäuser 
Chaussee 6. 

Fürst M a t s c h a b e 1 1 i . Georg, Dipl.-Bergingenieur, 
1912.' Tiflis, c;eorgioii. 

Graf von M a t u s c h k a , Franz, Dr., 1882. Berlin-Schöne- 
berg, Innsbrucker Str. 441. 

M c C 1 e II a n d H e n d e r s o n , J., Dr., Bergingenieur, 
1895. London E. C, 4 Bishopsgate. 

.Mo (Ion; (i. H.. 1912. Berlin-Zohiendorr, Georgstr. 6. 

M eigen, W., Dr., Professor, 1913.- Freiburg i. B., 
Hildastr. 54. 

Meister, Ki'iist, Dr.. Geologe, 1912. Bei'lin N 4, Inva- 
lideiistr. 44. 

Menten, Hubert, 1911. Adresse unbekannt. 

Merzbacher, Gottfried, Dr., Professor, 1906. Mün- 
chen, Möhlstr. 25. 

Mestwerdt, Dr., Bezirksgeologe, 1902. Berlin N 4, 
Tnvalidcnslr. 44. 

Meyer, Ij'icli (^skar. Dr.. PiM\at(Iozent für Gculo-^ie und 
Pa.IäontoIogie, 1907. Breslau, Schulibrücke 38. 

M ey c r , Hermann, Betriebsassistent am Gas- und Wasser- 
werk, 1920. Saalfeld (Saale). 

M ichae I , Richard, Dr.. Professor, Geh. Bergrat, Jjandes- 
geologe, IS9I. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

Milch, Liidwii:-. Dr.. Prof.. 1887. Breslau, T.aiidsberg- 
stralJe \2 

Mö bring, Walther, Dr., Geologe der Compariia Argen- 
tina de Pcrforaciones, 1909. Buenos Aires (.\rgen- 
tinien), Galle 25 de Mayo 293. 

Molengraaff, G. A. F.,' Dr., Professor, 1888. Delft, 
Kanaahveg 8. 

Moeller,' llaiiiii. Frau. I'.)2(). Berlin \A' 9. I\öiiigin- 
.\ugusta-Str (i. 

M o n k e , Heinrich, Dr., 1882. Berlin- Wilmersdorf, Jenaer 
Straße 7. 

Montreal, Canada, Library, Mc. Gilt University, 1913. 
Montreal (Canada). 

Miazec, Ludo\ic, Dr.. Professor, Direktor der Königl. 
Rumänischen geologischen Landesanstalt, 1912. Bu- 
karest, Callca Vittorici. 



228 



M ü h 1 b e r g , Johannes, Hoflieferant, Königl. Rumänischer 
Konsul, 1905. Dresden-A., Wallstr. 15. 

von zur Mühlen, L., Dr., Geologe. 1917. Berlin N4. 
Invalidenstr. 44. 

Müller, Joseph, Dr., Geologe, 1918. Berlin N 4, In- 
validenstr. 44. 

Müller, Otto, Bergrat, 1916. Wiesbaden, Juliusstr. 2. 

M ü 1 1 e r - Her r i n gs , Paul, Bergassessor, 1909. Berlin- 
Lankwitz, Berncasteler Str. 16. 

Mülter, H. F., Tiefbolirunternehmer, 1910. Königslutter 
(Braunschweig), Lindenstr. 5. 

München, Bibliothek des Paläontologisch-Geologischen 
Instituts, 1905. Alte Akademie, Neuhauscr Str. 51. 

Nägele, E., Verlagsbuchhändler, 1905. Stuttgart, Hason- 
bergsteige 1. 

jSTaumann, Edmund, Dr., 1898. Frankfurt a. M., Zeil 114. 

Naumann, Ernst, Dr., Professor, Landesgeologe, 1898. 
Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

Neunkirchen, Gebrüder Stumm, G. m. b. H., 1914. Neun- 
kirchen (Saar). 

Neuroder Kohlen- und Tonwerke, 1914. Neurode (Schi.). 

Neuwelzow, Eintracht, Braunkohlenwerke und Brikett- 
fabriken, 1914. Neuwelzow (Nieder-Lausitz). 

Neu-Weißstein, Verwaltung der Steinkohlenbergwerke 
Cons. Fuchsgrube zu Neu-Weißstein und David zu 
Konradsthal, 1914. Neu-Weißstein, Post Altwasser 
in Schlesien. 

Niederscheiden, Gewerkschaft Alte Dreisbach in Nieder- 
schelden-Sieg, 1914. Niederscheiden (Sieg). 

Niedzwiedzki, Julian, Dr., Professor, Hofrat, 1873. 
Wien, Geoi. Hofmuseum, Burgring 7. 

Baron Nopcsa, Franz, Dr., 1903. Wien I, Singerstr. 12. 

Noetling, Fritz, Dr., Hof rat, 1903. Baden-Baden. 
Bismarckstr. 23. 

Nowak, Ernst, Dr., Assistent an der Lehrkanzel für 
Geologie der Montanistischen Hochschule, 1919. Leoben. 

Oebbeke, Konrad, Dr., Professor, Geh. Hofrat, 1882. 
München, Techn. Hochschule, Arcisstr. 21. 

Oberhausen, Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Berg- 
bau und Hüttenbetrieb, 1914, Oberhausen, Rheinland. 

Oberste Brink, K., Dr., Markscheider, 1912. Gelsen - 
kirchener Bergwerks - Aktiengesellschaft, Gelsen - 
kirchen. 

Obst, E.. Dr. Professor, 1909. Breslau, Parkstr. 45. 



229 



h m i c h e n , H., Dipl.-Ingenieur, Bergingenieur, 1899. 
Frankfurt a. M., Metallbank, Bockenheimer Anlagen 45. 

(1 11 e r i c h , Ad., 1891. Hamburg, Rontzelstr. 70 IV. 

Oppenheim, Paul, Dr., Professor, 1889. Groß-Lichter- 
felde, Sternstr. 19. 

O s a n n , Alfred, Dr., Professor, 1883. Freiburg i. B. 

O est reich, Karl, Dr., Professor, 1908. Utrecht, Wil- 
helminapark 5. 

Overhoff, FiWald, Konz. Markscheider, 1920. Witten 
a. d. Euhr, Schulstr. 42. 

Paeckelmann, Werner, Dr.. Geologe, 1914. Berlin 
N 4, Invalidenstr. 44. 

P a p a V a s ili u , S. A., Dr., Bergingenieur, 1908. Naxos 
(Griechenland). 

V. Papp, Karl, Dr., Professor, Geologe an der Ungarischen 
Geolog. Reichsanstalt, 1900. Budapest VIII., Mehmed 
Szultan-Ut 4 a. 

Pas sarge, Siegfried, Dr., Professor, 1894. Seminar für 
Geographie, Hamburg 36, Ednumd-Siemers-Allee. 

P au Icke, W., Dr., Professor, 1901. Karlsruhe, Tech- 
nische Hochschule. 

Penck, Albrecht, Dr., Professor, Geh. Regierungsrat. 
Direktor des Instituts für Meereskunde und des Geo- 
graphischen Instituts der Universität, 1878. Berlin 
NW 7, Georgenstraße 34/36. 

Person, Paul, Kaufmann, 1901. Hannover, Georgstr. 13. 

Petrascheck, Wilhelm, Dr., Professor. 1901 . Leoben , 
Steiermark, Montanistische Hochschule. 

Pflücker yRico, Dr., 1868. Lima (Peru). 

Philipp, Hans, Dr., Professor, 1903. Greifswald, Rom- 
straße 19. 

P h i 1 i p p s n , Alfred, Dr., Professor, Geh. Regierungsrat. 
1892. Bonn, Königstr. \. 

Picard, Edmund, Dr., Kustos an der Geol. Landes- 
anstalt, 1904. Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

P i e t z s c h , Kurt, Dr., Landesgeologe, 1908. Leipzig, 
Talstr. 35 IL 

P i Iz , R., Dr., Dipl.-Ingenieur, 1913. Wien IV, Schwarzen- 
bergplatz 12. 

Pittsburgli (Pennsylvania), Carnegie-Museum, 1911. 

Plieninger, Felix, Dr., Professor, 1891. Landwirt- 
schaftliche Hochschule Hohenheim bei Stuttgart. 

Pocta, Phil., Dr., Professor, 1908. Prag, Albertov 6. 

■P h 1 i g , Hans, Dr., Professor, 1886. Bonn, Reuterstrt 43. 



230 



P o h 1 s c h m i d t . Fcidiiiaiul, Obertjcigamtsniarkscheider, 
1920. Dortirumd, Liebip^str. 10. 

Pollack, Vincenz, Professor a. d. Technischen Hoch- 
schule, 1914. Wien III, Barmherzigengasse 18. 

Polster, Geh. Bergrat, 1896. Weilburg. 

PompeckJ, Jos. F., Di., Professor, Geh. Bergrat, 
1898. Berlin N 4, Invalidenstr. 43. 

Pontoppidan, Harald, Dr., 1907. Hamburg, Claus- 
Groth-Str. 12. 

Porro, Cesare, Dr., 1895. Mailand, 4 Via Cernuschi. 

Portis, Alessandro, Dr., Professor, 1876. Rom, Museo 
geologico della Universitä. 

Prag, Geologisches Institut der Deutschen Uni- 
versität, 1911. Prag II, Weinberggasse 3. 

Pratje, Otto, cand. geol., 1919. Berlin NW 23, 
Altonaer Str. 22, Ghs. 

Pressel, K.. Dr., Professor, 1907. München, Herzo>i- 
straße 64 III. 

Prinz, E., Zivilingenieur, 1916. Berlin W 15, Meierotto- 
straße 5. 

Qu aas, Arthur, Dr.. 1902. Tii,i;neuville, Kv. Malmedy. 

Quelle, Otto, Dr.. Privatdozeiit, 1903. Bonn, Kurfürsten- 
slraßp (i(). 

•Q u i ]■ i n g , H., Dr., Sr.=3ng., Bergassessor, Geologe, 
1912. Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

Radoslawow, Bogumil M., Dipl.-Bergingenieur, Berg- 
haujitmann, 1.914. Sofia, J^oulevard Ferdinand 54. 

Raeller, Friedrich, Dr., Bergassessor, 1908. Berlin N 4. 
Invalidenstr. 44. 

R a m a n n , Emil, Dr., Professor, 1898. München, Amalien- 
straße 67. 

Rang e , Paul, Dr., Regierungs- und Bergrat, Mitarbeiter 
der CJeol. Landesanstalt, 1905. Berlin-Lichterfelde. 
Flotowstr. IL 

Rassmuss, Hans, Dr., Staatsgeologe, 1910. Buenos 
Aires (Argentinien), 1241 Galle Maipü. 

Ratzel, Albert, Dr., 1919. Heidelberg, Geol. Instilut. 

Rau, K., Dr., Oberförster, 1905. Bermaringen, O.-A. Blau- 
beuren (Württemberg). 

Rau er, Philipp, Dipl. -Ingenieur, 1913. Adresse ?.. Z. un- 
bekannt. 

R a u f f , Hermann, Dr., Professor, Geh. Bergrat, 1877. 
Cliarlottenburg, Leibnizstr. 91. 



2:n 



Reck, Hans, Dr., 1908. Berlin IST 4, Invalidenstr. 43, 
Geol. Institut der Universität. 

ReckI in (^hausen. Staatliche Bergwerksdirektion, 1911. 
Recklinghausen. 

Baron von R e h b i n d e r , Boris, Dr., 1902. St. Peters- 
burg, Berginstitut, Quart. 15. 

Rein i seh, Di'., Pr-ofcssür, Laiu]('.sgeolo;^(\ 190."). Mockau 
1). L('ij)zi,u-, llaiiplsli-. G.'). 

Reiser, K., Di.. PmlVs.-ior. l'.KKi. Kciiiploii (Allgäu). 
Wilhelmstr. 9;;. 

Reu/., Carl, Dr., Prixatdozciit, Professor, V.)\))\. Ziir/,«Ml 
MüncluMi. Hotel Paxcri.sclicr Hof. 

Rettschlag, Wallci', sind, geol., 1920. Bernau (Mark). 
Böriiectkcrstr. IG. 

R e u n i n g , Ernst, Dr., Prokurist der Deutschen Kolonial- 
gcscllschaft für Süd\V(';^lafl•ika, 1910. Swakopmmid. 

Ric h ,1 i-z , Stcph., Dr.. 1919. Ihschofsliofen (Sai/lnirg). 
S(. Rupert. 

Richter. Rudolf, Dr., Üherichrcr. 1907. hVankfurl a. .\l.. 
Feldbergstr. 30. 

Riedl, Emil. Lehrer, 1911. Körbeisdorf (Post Pegnitz, 
Oberfr.). 

Rinianu. K.. Dr., Dipl. -Bergingenieur luid Dipl. -.Mark- 
scheider, 1908. Dresden, Teelm. I loeliscliule. Min.- 
Geol. Institut. 

Rinne, Fritz, Dr., Professor, Geheimer Regierungsrat, 
1887. Lei])/.ig, Miueialog.-Tnslitut der Universität, Tal- 
straße 88. 

Röch'ling. \\'.. Bergasses.sor, 1908. Anschrift unbekanni. 

Rodel, Hugo, Studienrat, Dr., 1919. Frankfurt a. O., 
Sopliieustratie. 

Roedel, Sebastian, Professor, Direktor der Realschule, 
1919. Fürth i. Bayern, Kaiserstr. 94. 

R ö h r e r , Friedr., Dr., 1910. Pforzheim, Zähringer 
Allee 56. 

Romberg, .Tu!., Di-.. 1889. Bensheim (Hessen), Seh/iii- 
berger Str. G8. 

Ruda, Gräfl. von Ballestremsche Güterdirektion, 1914. 
Ruda (Oberschi.). 

R u d o I ]) h , Karl, B(n-gassessor, 1919. Berlin N 4, In- 
validenstr. 44. 

Rumpf, Joh., Dr., Hofrat u. Hochschulprofessor i. R., 
1876. Piber b. Graz (Steiermark). * 



232 



Rutten, h., Dr., 1907. Soerabaja^ Java, Shanghai und 

Hongkong Bank. 
Saarbrücken, Bergschule, 1918. 
Sabersky-Mussigbrod, Dr., 1890. First Chance 

Mining Company, Carnet (Montana). 
Salfeld, H.. Dr., Professor, Privatdozent für CTCologio 

und Paläontologie, 1905. Göttingen, Geol. Institut. 
Salomon, Wilhelm, Dr., Professor, Geh. Hofrat, 1891. 

Heidelberg, Geologisches Institut der Universität, 

Hauptstr. 52 IT. 
Sauer, Adolf, Dr., Professor. Vorstand der Würii. 

Geol. Landesaufnahme, 1876. Stuttgart, Mineralog.- 

Gcol. Institut der Technischen Hochschule, Seestr. 121. 
Sauerbrey, Erich, konz. Markscheider, 1920. Karnap. 

Landkreis Essen. 
S c h e f f e r , '2)r.=;3'i9v Bergassessor, 1912. Frankfurt a. M. . 

Eysseneckstr. 20 (Tellus A.-G.). 
Scheibe, Robert, Dr., Geh. Bergrat, Professor, 1885 

Charlottenburg, Techn. Hochschule, Abt. f. Bergbau. 
Schenck, Adolf, Dr., Professor, 1879. Halle a. S., 

Schillerstr. 7. 
r^ c h e r b e r , P., Dr., Geh. Admiralitätsrat a. D., 191 1 . 

Würzburg, Schönlenistr. 6. 
S c h i n d e w I f , .Dr.. Assistent am Geol.-Paläont. Institut. 

1920. Marburg (Lahn). 
Schlafke, Otto, Bergassessor, 1913. Gr. - Giesen bei 

Hildesheim, Kaliwerk „Siegfried". 
Schlagintweit, Otto, Dr., Privatdozent, 1907. Würz- 

bürg, Scheffelstr. 3 I. 
S c h I e n z i g , J., Dipl. -Ingenieur, Bergwerksdirekt'or. 

1898. Berlin NW, Kirchstr. 1. 
Schlippe, 0., Dr., 1886. Leipzig-Gohlis, Menckestr. 18. 
Schloß m acher. K., Dr., Geologe, 1912. Berlin NI. 

Invalidenstr. 44. 
Schmeißer, Karl, Sir.^^ng. h. c, Wirkl. Geh. Ober- 
bergrat, Berghauptmann und Oberbergamtsdirektor, 

1900. Breslau, Kaiser-Wilhelm-Platz. 
S c h m i d 1 e , W., Direktor der Oberrealschule, 1909. Kon- 
stanz (Baden), Waldstr. 15. 
^Schmidt, Axel, Dr., Landesgeologe, 1905. Stuttgart, 

Büchsenstr. 56. 
Schmidt, Carl, Dr., Professor, 1888. Basel, Münster- 
platz - 6/7. 



23o 



S c li lu i d t , Martin, Dr., Professor, Landesgeolo/^'c 

1896. Stuttgart, Büchsenstr. 56 II. 
Schmidt, W. Erich, Dr., Bezirksgeologe, 1904. Berlin 

N 4, Invjilidenstr. 44. 
Schmierer, Th., Dr., Bezirksgeologe, 1902. Berlin N 4, 

Invalidenstr. 44. 
Schmitz, Wilhelm, koiiz. Markscheider, 1920. Rott- 

hausen (Kreis Essen), Wiehagenstr. 5. 
Schnarrenberger, Karl, Dr., Landesgeologe, 1904. 

Freiburg i. B., Bismarckstr. 7. 
Schneider, Otto, Dr., Professor, Kustos an der Geol. 

Landesanstalt, 1900. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 
S c h n e i d e r h ö h n , Hans, Dr., Privatdozent, 191L Frank 

fürt a. M., Eobert Meyerstr. 6. 
S c h ö n d r f , Dr., Professor, Privatdozent, 1911. Hau 

nover, Theodorstr. 3a. 
Schöppe, W., ®r.-3ng., Bergwerksdirektor, 1901. 

Wien VI, Gumpendorfer Straße 8. 
Schornstein, Waldemar, Dipl. -Ingenieur, Berg 

referendar, 1919. Waidenburg (Schles.), Ring. 
Schottler, W., Dr., Bergrat, Landesgeologe, 1899. 

Darmstadt, Martinsstr. 79. 
Sc breiter, Rud., Dr. phil., Wissenschaftl. Hilfsarbeiter 

am Mineralog. Museum, 1912. Freiberg i. Sa., 

Schützenstr. 7 II. 
Schröder, Henry, Dr., Professor, Geh. Bergrat, Landes- 
geologe, 1882. Berlin N4, Invalidenstr. 44, 
S c h u c h t , F., Dr., Professor, Landesgeologe, Dozent an der 

Landwirtschaft!. Hochschule, 1901. Berlin N 4, In- 
validenstraße 44. 
Schuh, Friedr., Dr., 1911. Rostock, Geol. Institut der 

Universität. 
Schulte, Ludw., Dr., Bezirksgeologe, 1893. Berlin 

N 4, Invalidenstr. 44. 
Schulze, Gustav, Dr., 1907. Adresse unbekannt. 
Schumacher, E., Dr., Landesgeologe, Bergrat, 1880. 

Straßburg i. Eis., Nikolausring 9. 
S c h ü n c m a n n , Ferdinand, Oberbergrat, 1905. Zeller- 

feld (Harz). 
Schwärt mann, Markscheider. 1918. Wattenscheid. 

Nordstr. 90. 
Schwarz, Hugo, Dr., 1907. Warschau, Jasna 30. 
S c h w a r z e n a u e r , Bergwerksdirektor, 1908. Hannover, 

Podbielskistr. 16. 



234 



Seh w ertschlager, Jos., Dr., Professor, 1908. Eich- 

stätt (Mittelfranken). 
Scipio,W., Regierungsassessor a. D-, 1906. Mannheim 

N 5. 
S c u p i n , Hans, Dr., Professor, 1893. Halle a. S., 

Mühlweg 48. 
Seidl, Erich, Regierungsrat. 1910. Berlin NW 23. 

A'ltonaer Str. 35. 
von Seidlitz, W.. Ur.. Professor, 1906. Jena. 

Reichardstieg 4. 
Seitz, Otto, Dr., Assistent an der Geol. Landcsanstalt. 

1919. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 
Seligmann, Gustav, Dr., Bankier, 1873. Koblenz, Neu- 
stadt 5. 
Seile, V. ,Dr.. Ber.üussessur a. D., 1909. Potsdam, Sophien - 

Straße 3. 
Semmel, Joh., Bergassessor, 1910. Teplitz. i;("")hnifii. 

Pension Ölbaum. 
S e m p e r , Max, Professor, Dr., Dozent a. d. Techn. Hoch- 
schule, 1898. Aachen, Technische Hochschule. 
S i e b e r , Hans, Dr., Seminarlehrer, 1908. Bischof swerda. 

Bautzener Str. 70. 
Siegen, *Siegener Bergschulverein, E. V., 1910. 
Silberg, Gewerkschaft Grube Glanzenberg, 1914. Silberg. 

Post Welschenennest. 
Simon, A., Berg Werksdirektor, 1914. Beendorf bei 

Helmstedt. 
Simon, Arthur, Dipl. -Ingenieur, Bergingenieur, 1919. 

Goslar, Oberer Triftweg 27. 
Simons, Herbert, cand. ing.. 1910. Düsseldorf, Konig- 

straße 6. 
Sohle, Ulrich, Dr.. Privatdozent, Dipl. -Bergingenieur, 

1891. Braunschweig, Humboldtstr. 24 II. 
Solger, Friedr., Dr., Professor, Privatdozeut, 1900. 

Berlin N, Reinickendorfer Str. 4. 
S o m Jn e r m e i e r , Leopold, Dr., 1908. Berlin W 8, 

Mauerstr. 35 — 37. 
Soergel, Wolfgang, Dr., Privatdozent, 1909. Tübingen, 

Geolog. Institut. 
S p a n d e 1 , Otto, 1910. Nürnberg, Verlag des General- 
Anzeigers für Nürnberg-Fürth. 
Spitz, Wilhelm, Dr., 1907. Freiburg i. B., Bad. Geol. 

Landesanstalt, Bismarckstr. 7/9. 



235 



S p u 1 s k i , Boris, Dr., 1909. Kiew, Rußland, Universität, 
Geologisches Kabinett. 

Stach, p]rich, stud. geol., 1920. Berlin-Pankow, Wollank- 
straße 117. 

Stahl, A. F., Bergingenieur, 1899. St. Petersburg, Gont- 
scharnaja 13. , 

S t a p p e n b e c k , Eichard, Dr., Staatsgeologe, 1904. Salz- 
wedel, Burgkaffee. 

Steeger, A., Mittelschullehrcr, 1914. Kempen (Rhoinl.). 
Vorstersti-. 10. 

Stein, Karl, konz. Marksdicidcr, 192U. Gi^lsonkirchcn 11, 
c;rilIostr. H9. 

S 1 i n m a n n , Gustav, Dr., Professor, Geh. Bergrat, 1876. 
Bonn a. Rh., Poppelsdorfer Allee 98. 

Stou(;r, Alex., Dr., Professor, Horgrat. Hess. [.;uidi-s- 
geologe, 1892. Darmstadt, Herdwcg 110. 

Stiel er, Karl, Dr., Assistent am Gcol. Iiistilul. r.iHi. 
Berlin N 4, Jn v.iJidenstr. 43. 

Stille, Hans, Dr., Professor, 1898. Güttingen, Geol. 
Institut der Universität, Herzberger Chaussee 55. 

Stob e r , F., Dr., Professor, 1896. Gand (Belgien), Univer- 
sität, rue de 'la roseraie. 

Stoller, .!.. Dr., Bozirksgcologe, 1903. Berlin N^, 
Invalidenstr. 44. 

S 1 1 1 e y , Ernst, Dr., Professor, 1890. Braunschweig, 
Technische Hochschule. 

Straßburg l. E., Geologisch-Paläontologisches Institut 
der Universität Straßbarg, 1909. Straßburg i. E., 
Blessigstr. 1. 

S t r e m m e , Hermann, Dr., Professor, 1904. Danzig- 
Langfuhr, Technische Hochschule', Mineralog.-Geolog. 
Institut. 

Stromer von Reichenbach, Ernst, Dr., Professor, 
1899. München, Alte Akademie, Neuhauser Str. 51. 

Struck, Rud., Dr. med., Professor, 1904. Lübeck, Ratze- 
burger Allee 14. 

Stürtz, B., Mineralog. und paläontolog. Kontor, 1876. 
Bonn, Riesstr. 2. 

Stuttgart, Geologische Abteilung des Statistischen 
Landesamts, 1903. 

Stutzer, 0., Dr., Professor, 1904. Freiberg i. Sa. 

S u e ß , F. E., Dr., Professor, 1905. Wien I, Landesgerichts- 
straße 12. 



23(; 



Taeger, Heinr., Dr., Privatdozent, 1910. Wien XIX, 

Billrothstr. 39 (Villa B.). 
Tarnowitz, Oberschlesische Bergschule, 1905. 

Thiem, Günther, S;r.'3'i9-> Zivilingenieur, 1911. Leipzig, 
Hillerstr. 9. 

Tjiiost, Rob., Dr., Verlagsbuchhändler, 1891. Groß- 
Lichterfelde-Ost, Wilhelmstr. 27. 

T hü räch, H., Dr., Bad. Bergrat und Landesgeologe, 
1885. Freiburg i. B. -Günterstal, Schauinslandstr. 8. 

T i e t z e , Emil, Dr., Oberbergrat, Hofrat, Direktor der 
Geol. Reichsanstalt, 1868. Wien ITI 2, Rasumoffsky- 
gasse 23. 

Tille, Dipl. -Ingenieur. 1912. Halle a. S.. Krausenstr. 24. 

Tilmann. Norbert, Dr., Professor, 1907. Bonn, Nuß- 
allee 2, Geol.-Paläont. Institut der Universität. 

Tob 1er, August, Dr., Abteilungs Vorsteher am Natur- 
liistor. Museum, 1907. Basel, Augustinergasse 5. 

Tornow, Maximilian, Dr., Bergassessor, 1913. Berlin- 
Wilmersdorf, Nestorstr. 54. 

T r n q u i s t , Alexander, Dr., Professor, 1891. Graz 
(Steiermark), Techn. Hochschule. 

T r a u t h , Friedrich, Dr., 1907. Wien, Burgring 7. 

U h 1 e m a n n , Alfred, Oberlehrer, Mitarbeiter der Sachs. 
Geol. Landesanstalt, 1910. Plauen i. Vogtl., Blücher- 
straße 12. 

Ulrich, Dr., Geh. Sanitätsrat, 1902. Berlin 17, Frucht- 
straße 6. 

Ulrich, A., Dr., 188G. Leipzig, Thomaskirchhof 20. 

Unter-Eschbach, Akt.-Ges. des Altenbergs (Vieille Mon- 
tagne, Abt. Bensberg), 1914. Unter-Eschbach. 

V a c e k , Michael, Dr!, Chefgeologe und Vizedirektor der 
Geol. Reichsanstalt, 1882. Wien III, Rasumoffsky- 
gasse 23. 

Vater, Heinrich, Dr., Professor, Geh. Forstrat, 188b. 
Tharandt, Forst-Akademie. 

Vischniakof f , N., 1876. Berlin W^ Unter den Lin- 
den 62, Pension Fritz. 
. \'ogt-I, Berghauptm.ann a. D., 1906. Bonn, Drachenfelsstr. 3. 

Vo^t, J. H. L., Dr., Professor, 1891. Trondjem, Nor- 
, wegen, Technische Hochschule. 

.\'oit, Friedrich W., Dr., Bergdirektor, 1901. Charlotten - 
bürg 5, Riehlstr. 19. 



237 



Volz, Wilhelm, Dr., Professor, Geh. Reg:ierun?:srat, 1894. 
Breslau XVI, Wilhelmsruh 5 a. 

V r b r d t , Wilhelm, konz. Markscheider, 1920. Wanne- 

Röhlinghausen, Roonstr. 2. 

V s s i e c k , konz. Markscheider, 1920. Kafernberg, Land- 

kreis Essen. ' 

Wagner, Hans, Assistent am Deutschen Entoniologischen 

Museum, 1919. Berlin-Dahlem. 
Wagner, Richard, Oberlehrer an der Ackerbauschule, 

188G. Zwätzen bei Jena. 
Wagner, Willy, Dr., 1911. Münster a. St., Villa 

Rotenfels. 
Freiherr Waitz von Eschen, Friedrich, Dr., 1902. 

Kassel, Opernplatz. 
Waidenburg i. Schi., Niederschlesische Sieifikohlen-Berg- 

bau-tiilfskasse, 1864. Waidenburg (Schlcs.), z. H. der 

Direktion der Niederschlesischen Bergschule. 
Walt her, Joh., Dr., Geh. Reg.-Rat, Professor. 188;}. 

Halle a. S., Domstr. 5. 
Walt her, Karl, Dr., 1902. Montevideo (Uruguay), 

Camino Millan 376. 
Wanner, J., Dr., Professor, 1907. Bonn, Geologisches 

Institut, Nußallee 2. 
Warmbrunn, Reichsgräflich Schaff gotscli' sehe Majorats- 

bibliotkek, 1910. Warmbrunn i. Schi. 
Wattenscheid, Rheinische Stahlwerke, 1914. Wattenscheid. 
Weber, Emil, Dr., 1881. Schwepnitz i. S. 
Weber, Maximilian, Dr. phil. et med., Professor, 1899, 

München, Gabelsbcrger Str. 36 III. 
Wedding, Friedr. Wilhelm, Bergreferendar, 1907. Stecle 

(Ruhr), Lindemannstr. 32. 
Wedekind, Rudolf, Dr., Professor, 1907. Marburg. 
Weg, Max, Buchhandlung und Antiquariat, 1914. Leipzig, 

Königstr. 3. 
Wegner, Th., Dr., Professor, 1904. Münster i. W., 

Pferdegasse 3. 
Weigand, Br., Dr.. Professor, 1879. Freiburg i. B.. 

Maximilianstr. 30. 
Weigelt, Johannes, Dr., Privatdozent für Geologie und 

Paläontologie, 1919. Halle a. S., Wielandstr. 221. 
Weingärtner, P. Reginald, M., 0. P., 1912. Vechta, 

Oldenburg, Missionsschule der Dominikaner. 
Weise, E., Professor, 1874. Plauen i. Vogtl. 



238 



Weiser, Friedr, Moritz. Oberlehrer, 1910. Ghemnitz, 

Südbahnstr. 2. 
\^' i s s e r m e 1 , Waldemar, Dr., Professor, Privatdozent, 

Tiandcsgeoloo:o, 1891. Berlin N4, Invalidenstr. 44. 
\V oiß, Arthur, Dr., Physiker am Technikum, 1895. Hild- 
burghausen, Schloßgasse 9 part. 
Wontzel, Jos., Dr., Realschul-Professor, 1889. Warns- 

dorf (Böhmen), 1. Bezirk, Zollstraße 10. 
Wonz, Wilhelm. Dr., Oberlolircr, 1920. Frankfurt a. M., 

Gwinnerstr. 19. 
Wcpfcr, Emil, Dr. phil., Professor, 1908. J^^reil)urg i. B., 

Jacobistr. öG. 
Wcrth, Emil, Dr., Professor, Kartograph der Preut). 

Landesaufnahme, 1908. Berlin-Wilmersdorf. Binger 

Straße 17. 
van W e r V e k 6 , Leopold, Dr., Geh. Bergrat, Landes - 

geologe, 1879. Geiigenbach bei Offenburg (Baden), 

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Westeregcln, Consolidierte Alkaliwerke, Akt.-Qes. für 

Bergbau und chemische Industrie, 1914. Westeregeln. 

Bez. Magdeburg. 
W et z e 1 , Walter, Dr., Privatdozent, 1910. Kiel. Mineralog. 

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Wetzlar, Buderussche Eisenwerke, 1914. Wetzlar. 
Wichmann, Arthur, Dr., Professor, 1874. Utrecht 

(Niederlande), Universität. 
W i c h m a n n , E,., Dr.. Geologe, 1909. Buenos Aires 

(Argentinien), Caile Maipü 1241. 
W i d e n in e y e !• , Oscar, Dipl. -Ingenieur. Dirclvtor. 190(i. 

Berhn W G2, Kurfürstenstr. 112. 
Wiegers, Fritz, Dr.. Be/irksgeologe, 189(i. Berlin 

N 4, Invalidenstr. 44. 
Wien, Uinvcrsitäts-Bibliothek, 1881. 

Wien, Miner alogisch-P et ro graphisches Institut der Uni- 
versität, 1913. 
W i 1 c k e n s . Otto, Dr., Professor, 1901. Bonn, Nußallee 2. 
Wilckens, Eudolf, Dr., 1909. Hannover. Sallstr. 31. 
Will m a n n . Karl, Dr.. 1911. Freiburg i. B., Hildastr. 40. 
Willrntli, Karl, Dr.. Geol. Assistent des Halleschen 

Verbandes für die Erforschung der mitteldeutschen 

Bodenschätze, 1919. Halle a. S., Mühlweg 25 IL 
Wilser, Julius, Dr. phil. nat., Assistent am Geol. Institut 

der Universität, 1914. Freibur«:' i. B. 



239 



W i n d h a u s e n , Anselm, Dr., Staatsgeologe, 1903. 

Buenos Aires (Argentinien), 1(>91 Casilla Correo. 
W i 1 1 i h , E., Dr., 1898. Mexiko, D. F. 6a del Cipres, 176. 
Wittniann, H., Lelii'cr, 1912. Dortnuind-Körno, Libori- 

straße 3a. 
Wöjcik, Kasimir, Dr., Privatdozent und Assistent am 

Geolos:. Institut in Krakau, 1908. Kraknn, St.- Anna- 
Gasse 6. 
W o 1 d H c h , Dr., Professor, 1910. Prag II, Karlsplatz 287, 

Minoralog•.-Geolo^^ Institut der Böhm. Techn. Hocli- 

sohule. 
Wolf, Th., Dr., Professor, 1870. Dresden-Plauen, Hohe 

Straße 62. 
Aon Wolff, Ferdinand, Dr., Professor, 1895. Halle a.S.. 

Reichhardtstr. 3. 
Woirf, Mülheim, Dr., Pj'ol'essor, Landesgeologe, 1893. 

Frohiiau I). Berlin, Markgrafcnstr. 
Wo er mann, Stadtschulrat, 1914. Dortmund, Heiliger 

We- 11. 
W u 11 d (• 1.- Li (• h , Erieli, Dr., Professor, 1917. Stuttgart, 

Haiii)tst;il|ersti-. 12."'). 
^^' ü n s c h ni ;i n n . Dr., Oherlehrei-, 1914. Halberstadt, 

Mollkeslr. :>1 II, 
Wunstorf, \A'.. Di'.. Professor, Landesgeologe, 1898. 

BiM'lin X 4, liixalidcnstr. 44. 
Wurm, Adolf, Dr.. Privatdoy.ent, Assessor am Ober- 

l)ergaiiil, 191(1. ]\iünch(Mi, Fürstenstr. 15 IT. 
Wärzbiirg, Ocvirraphisc/ics Ijistitiit der Univcrs^ität, 1917. 
Würzburg, Mineralogisch - Geologisches Institut der 

Universität, 1909! 
Wüst, Ewald, Dr., Professor, 1901. Kiel, Geol. Institut. 
W y s o g 6 r s k i , Joh., Dr., Professor. 1898. Volksdorf bei 

Hamburg, Diekkamp 35. 
Young, Alfred P., Dr., 1895. London, per Adr. Messrs. 

G r i n d 1 a y & C o., 54 Parliament Street. 
Z e c h 1 i n , Konrad, Apotheker, 1906. Salzwedel. 
Zeisc, Oskar, Dr., Landesgeologe a. D., 1886. Altena 

(Elbe), Palmaille 43. 
Z i e r V g e 1 , Herrn., Dr., Dipl. -Bergingenieur, Berg- 
meister, 1908. Karlsruhe, Zähringer Str. 65. 
Z i m m c r , Robert, Bergwerksunternehmer, 1901. Kassel- 
Wilhelmshöhe, Rasenallee 41. 



240 



Zimmer m a n n (I), Ernst, Dr., Professor, Geh. Bergrat, 
Landesgeologe, 1882. Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

Zimmermann (IT), Ernst, Dr., Geologe, 1909. Berlin 
N 4, Invalidenstr. 44. 

Zobel, Rektor, 1910. Groß-Lichterfelde-W., Sopliienstr. 7. 

Zöller, Berginspektor, 1915. Beidin N4, Invalidoti- 
Straße 44. 

Zuber, Rudolf, Dr., Professor an der Universität, 1897. 
Lemberg (Galizien), Universität, Geologisckes Institut. 

Zwierzycki, J., Dr., Dipl.-Bergingenieur, Kgl. Nieder- 
ländischer Regierungsgeologe, 1914. Batavia (Java), 
Hooftbureau van mijnwezen. 



Zeitschrift 



der 



Deutschen Geologischen Gesellschaft. 

B. Monatsberichte. 

Nr. 1-4. 1919. 



Die Jauiiarsitzung der Deutscheu Geologischeu Gesell- 
schaft fiel we^eu der Unruheu iu Berlin aus. 



Bericht über die Sitzung am 5. Februar 1919. 
Vorsitzender: Herr Keilhack. 

Die Gesellscliaft hat durch Tod als Mitglied verloren: 
t Geh. Bergrat Dr. Schalch. 
Die Anwesenden erheben sich zu Ehren des Verstorbenen. 

Als neue Mitglieder wünschen der Gesellschaft bei- 
zutreten : 

1. Herr cand. geol. Karl Stieler, Berlin, Invaliden- 
straße 43, auf Vorschlag der Herren Dietrich, 
Janensch (und Pompeckj. 

2. Herr Dr. Otto Seitz, Assistent an der Geolog. 
Landesanstalt, auf Vorschlag der Herren Böhm, 
Dienst 'und Fliegel. 

3. Herr Bergreferendar Schornstein, vorgeschlagen 
durch die Herren Beischlag, Keilhack und 
Krusch. 

Die satzungsmäßig erforderliche Kassenprüfung hat 
durch die Herren Bblowsky und Picard stattgefunden. 

Für die Hauptversammlung im Sommer soll eine 
Satzungsänderung beantragt werden, die besagt, daß bei 
gerichtlichen und notariellen Urkunden 1 oder 2 Mitglieder 
des Vorstandes genügen sollen, um die Gesellschaft zu 
vertreten. 

Der Vorsitzende berichtet über die in diesem Jahre 
zum ersten Male stattgefundene Sitzung des Kuratoriums 
der Irmgard- und Ferdinand v. Eichthofen - Stiftung. 
Bewerbungen um die Stiftung sind jetzt einzureichen. 

1 



2 



Auf Vorschlag- des Vorsitzenden wird für die beiden 
nächsten Sitziung-en der Be^nn um 6 Uhr versuchsweise 
angesetzt. 

Für die satzungsg^emäße Kassenprüfung sollen die 
Herren Korn und Thost, mit der Prüfung der Archive die 
Herren Rauff und Jentzsch beauftragt werden. 

Die Restbestände der Fortschritte der Geologie sollen 
zunächst den Mitgliedei'n zu 3 Mark für den Band und zu 
15 Mark für die ganz© Reih© angeboten werden. 

iNach Vorlage der nur in geringer Anzahl vorliegenden 
Neueingänge für die Bücherei erhält Herr FLIEGEL das 
Wort zu seinem Vortrage 

Über Karbon und Dyas in Kleinasien — nach eigenen 

Reisen. 

(Mit 2 Textbildern.) 

Die von mir in den Kriegsjahren 1916 — 1918 im Auf- 
trage einer amtlichen Stelle ausgeführten Reisen in Klein- 
asien — in den beiden ersten Jahren in Begleitung des Berg- 
assessors Wbncker, im letzten Jahr© zusammen mit Herrn 
Dr. Sbitz — galten der Untersuchung und Begutachtung 
der nutzbaren Lagerstätten. Die wissenschaftlichen Ergeb- 
nisse dieser Reisen, die mich durch alle Teile des Landes 
geführt haben, beabsichtig© ich unter dem Sammelnamen 
„Geologische Forschungen in Kleinasien" zu veröffentlichen. 
Der von mir am 5. Februar in der Sitzung unserer Gesell- 
schaft gehalten© Vortrag über Karbon und Dyas wird daher 
hier nur in kurzem Auszuge wiedergegeben und kann als 
eine vorläufige Mitteilung angesehen werden. 

I. Das Steinkohlen gebirg© am Schwarzen 
Meere. 

(Blatt A III der KiEPERT'schen Karte.) 

Steinkohlen der Karbonzeit von der Küste des Schwar- 
zen Meeres sind sieit langem bekannt; die sie betreffende 
erste Veröffentlichung^) ist in der Zeitschrift unserer Ge- 
sellschaft erschienen. Die bei weitem beste Beschreibung 



1) Schlehan: ,, Versuch einer . geog-nostischeu Beschreibung 
der Gegend zwischen Amasry und Tyrla-x-isy an der Nordküste von 
Kleinasien". Diese Zeitschrift. 4. 1852, S 96. 



3 — 



des Beckens ist die von Ralli-'). Der Bergbau hat sich 
bisher nur wenig- entwickelt — die gesamte Jahres- 
torderung belief sich vor Ausbmch des Krieges auf nur 
inind 850 000 t. 

Das Beckenl von Heraklea, aus dem diese Förde- 
rung stammt — so genannt nach dem einzigen brauchbaren, 
natürlichen Hafen — , erstreckt sich in einer Breite 
von nur wenigen Kilometern, indem es bei Kose Aghzi, 
6 km östlich des alten Heraklea, des heutigen Eregli, seinen 
Anfang nimmt, über die Hauptgrubenorte Kozlu und 
Zonguldak bis dicht vor Tschatal Aghzi in 45 km streichen- 
der Länge. Es liegt in einer östlichen Hauptschollc, 
auf der der Bergbau von Kozlu, Zonguldak, Kilimli und 
Tschatal Aghzi umgeht, und in zahlreichen kleinenen Horsten 
zu Tage. An den Randbrüchen schneidet es meist gegen 
intensiv gefaltete Schichten der Unteren Kreide ab, von 
denqn die zur Bildung schroffer Klippen und steiler Felsen- 
wände neigenden Schrattenkalke (Requienien- und Orbito- 
linenkalke) das Landschaftsbild beherrschen. Im Westen 
grenzen die Karbonschichten an jüngere Bildungen, an eine 
flach liegende, aus Andesit und vulkanischen Tuffen be- 
stehende Decke, die im Hinterlande von Heraklea weit 
verbreitet ist und sich allem Anschein nach um das ganze 
Karbonbecken bis Mn zum unteren Filiasflusse herum- 
schlingt. Diese Decke hat senones Alter, denn ich fand 
in ihren Tuffen bei Heraklea unter eifriger Mitwirkung 
von Herrn Bergreferendar Schrödter reiche Faunen mit 
Inoceramus baltiöus und Ananchytes ovata; auch ist sie 
stellenweise von senonen Mergeln überdeckt. Danach ist das 
Pontische Küstengebirge intrakretazisch gefaltet. Bruch- 
bildung schloß, sich an und beherrscht das tektonische Ge- 
schehen bis zur Ausbildung der großen Küstenbrüche, an 
denen in der jüngsten geologischen Vergangcniicit die 
Schwarzmeerscholle sich vom festen Lande schied. 

Weiter im Osten haben sich durch meine Reisen die 
ganz vagen Literaturangaben über Steinkohlen bei Djidde 
zu der Feststellung eines zweiten, lang ausgedehnten 
Kohlenbeckens von Djidde verdichtet, das bei 
Amasra, nördlich Bartin, seinen Anfang nimmt und bis 
wenige Stunden westlich Küre (an der Straße Ineboli- 
Kastamuni) nachgewiesen werden konnte. Steil stehende, 



2) G. Ralli : ,,Le Bassin houiller d'Heraclee". Annales de la 
Societe geologique de Belgique. 23. 1895/96, S. 151. 

1* 



— 4 



stark g'efaltete Kalk© der Unteren Kreide treten nämlich 
zusammen mit einem stellenweise mächtig- entwickelten 
sandig- tonigem Roten Gebirge in diesem rd. 100 km langen 




Räume als hochaufragende, der Küste parallele, scliwer zu 
überschreitende Ketten mit gewaltigen Steilabstürzen und 
eindrucksvollen Wänden von neuem auf, und in ihrem 



— 5 — 

Liegenden kommen in den tiefeingeschnittenen Tälern die 
Karbonschichten an einer ganzen Reihe von Punkten heraus. 

Beide Steinkohlenbecken sind von ein- 
ander geschieden durch eijien etwa 50 km 
breiten Grabenein bruch von gänzlich abweichen- 
den Oberflächenformen: Breite, flache Täler, wie z. B. das 
des Filiasflusses, sind in mäßig geneigte, weiße Kreide- 
mergel des Senons mit Inoceramus balticus, teilweise auch 
in Feuerstein führende Schreibkreide eingeschnitten; wenig 
südlich von Bartin tritt sogar Eocän hinzu. In dem 
ganzen Bereich dieses Grabens ist das Steinkohlengebirge 
an der Oberfläche nicht entwickelt und in unzugängliche 
Tiefen versenkt. 

Die Hauptmerkmale in der Entwicklung des Karbons 
selbst sind im Becken von Heraklea die folgenden: 

Einbettung der Flöze ganz überwiegend in Sandsteine 
und mächtige Konglomerate. Sandschiefer und Schiefer- 
tone, auch feuerfester Schieferton, kommen ebenfalls vor, 
treten aber durchaus zurück. Außerordentlicher Flöz- 
reichtum, bei rd. 800 m Schichtenmächtigkeit 30 — 40 m 
Kohle in 22 bauwürdigen Flözen. Keine marinen Zwischen- 
schichten, auch keine limnischen mit Fauna. Große Schwan- 
kungen in der Mächtigkeit, wenigstens mancher Flöze. 
Die Kohle außerordentlich aschenreich, bei den Gruben von 
Kozlu z. B. zwischen 25 und 40 o/o Asche, die reinste Kohle, 
die voni Kandilli, hat immer noch 7 o/o i. D. Dabei ist der 
Aschengehalt, d. h. die Beimengung mineralischer Bestand- 
teile, im Streichen und Fallen der Flöze weitgehenden 
Schwankungen unterworfen. Die zahlreichen Analysen- 
angaben der Literatur sind iiTcführend, da sie sämtlich 
von ausgewählten Stücken herrühren. Andererseits ist die 
Kohle sehr gasreich, etwa 27 — 42 o/o. 

Die Flora des Karbons von Heraklea ist von Zeillee^) 
bearbeitet und erweist in den drei Stufen von Aladja Aghzi, 
Kozlu 'und Caradon die Entwicklung der Ostrau — Walden- 
burger, der Saarbrücker und der Unteren Ottweiler Schich- 
ten, also ein ungewöhnlich umfangreiches Profil. Über- 
raschend ist das von mir beobachtete Auftreten von Torf- 
dolomiten auf Grube Kandilli an der Basis des Flözes Boz- 
Maoglu. 

Die Lagerungsverhältnisse leiden noch unter erheb- 
lichen Unklarheiten, eins aber scheint mir festzustehen, daß 



3) R. Zeiller : Etüde sur la flore fossile du bassin houiller 
d'Heraclee. Mem. Soc. geol. France. Paleontologie. 21. Paris, 1899. 



w 



der südliche Kandbruch der Scholle von Kozlu — Zongnldak 
nach Westen zu, jenseits des Uli Su ins Meer ausstreicht, 
und daß demnach die sämtlichen kleineren Karbonschollen 
der westlichen Beckenhälfte einem zweiten, südlichen Kar- 
bonzuge ang-ehören. 

Zwischen beiden, am Südrand© des Horstes von Kozlu- 
Zong-uldak, treten die Lieg-enden Schichten des flözführen- 
den Karbons in erheblicher Verbreitung- zu Tag^e, jedoch 
nicht als Kohlenkalk, wie überall*) an^eg-eben ist, sondern 
in folg-ender Schichtfolge: 

Oberkarbon: Grüner Pflanzensandstein und f laseriger 
Schieferton. 
Tonschiefer mit dünnen, nach oben immer zahl- 
reicher werdenden Sandsteinbänken. Pflanzenreste, 
reiche Fauna jnit Qlypliioceras sphäriciim. Posidonia 
Becheri, Estherien, Tentakuliten und Krinoidenstiel- 
gliedern. Der Tonschiefer ist dünnplattig und eben- 
S I flächig und enthält dünne Lagen von Toneisenstein. 
Am Liegenden einige Bänke von Alaunschiefer 

mit derselben Fauna 50 m 

Dunkler, f laseriger M e r g e 1 s c h i e f e r , ganz erfüllt 
mit Productüs giganteus, an der Liegendgrenze eine 

dünne Bank von Kelchkorallen 0,3 m 

Kieselschiefer, schwarz, stark durchtrümert 20 m 
Massiger Korallenkalk, dunkel, bituminös,, 
stinkend, reich an Einzelkorallen und Korallenrasen, 
vereinzelte Muscheldurchschnitte; Kieselknollen, be- 
sonders im oberen Teil der Schichtfolge, liier vielfach 
lagenweise angeordnet und sich sogar zu Bänken zu- 
sammenschließend . , 200 m 

Verwerfung: Sandstein der Unteren Kreide. 
Das Liegende des flözführenden Oberkarbons ist im 
Becken von Zonguldak danach von einer Schichtfolge ge- 
bildet, die sich auf das engste an unsere deutschen Ver- 
hältnisse anschließt und speziell an den Velberter Sattel 
erinnert, dessen Kulm ebenfalls von Kohlenkalk unter- 
lagert ist. 

Der Übergang aus dem Kulm ins flözfülu'ende Karbon 
vollzieht sich allmählich, wie die nach oben zu immer zahl- 
reicher werdenden Sandsteinbänke im Kulm tonschief er 
zeigen. Die Verflachung des Meeres der Unterkarbonzeit 



M 



'^) G. Ralli: a. a. 0., S. 194 ff. — E. Frech: „Geologie Kleinasiens 
im Bereich der Bagdadbahn", Diese Zeitschr. 68, 1916, S. 311. 



setzt sich also ins Oberkarbon fort, jedoch, nicht unter 
Schwankungen wie in den deutschen paralischen Becken, 
sondern in g-Ieichbleibender Stetigkeit. Das muß daraus 
geschlossen werden, daß in dem nun folgenden Profil der 
i'lözführenden Schichten marine Zwischenlagen anscheinend 
fehlen: Der Küste wurden von dem stark ansteigenden 
Lande her gewaltige Massen von klastischem und besonders 
grobklastischem Sediment zugeführt. Dabei sprechen die 
oben angeführten Eigentümlichkeiten der Flözentwicklung, 
besonders der außerordentlich hohe und rasch wechselnde 
Aschengehalt der Kohle, die Einschaltung stark schwan- 
kender Mittel und die großen Schwankungen der Flöz- 
mächtigkeit entschieden dafür, daß das Pflanzenraaterial 
lür den Aufbau der Flöze von denselben Wässern zusammen- 
geschwemmt wurde, die die ausgedehnten und mächtigen 
klastischen Sedimente anhäuften. 

Ich nehme also für die Steinkohlen des Hera- 
kleabeckens ©ine überwiegend allochthone 
Entstehung an, und rechne nur für die Flöze auffallend 
reiner, aschenarmer Kohle und gleichbleibender Mächtigkeit 
nnt der Möglichkeit autochtlionen Ursprunges. 

Keinesfalls scheint mir die bisherige Auffassung von 
der binnenländischen Entstehung durch die tatsächlichen 
Verhältnisse hinreichend gerechtfertigt zu sein; denn so 
verbreitet in unseren deutschen paralischen Becken die 
marinen Zwischenlagen im flözführenden Steinkohlen- 
gebirge auch sind, so wenig sind sie für ein solches Becken 
erforderlich. Das wird uns besonders klar, wenn wir 
beachten, daß das Festland, an dessen Rande diese Bildungs- 
vorgänge sich abspielten, nur im ISTorderi, im Bereich des 
heutigen Schwarzmeereinbruches, gelegen haben kann. An 
dessen Nordrande entstand in derselben Zeit die Donez- 
kohle lunter starken Schwankungen des Bodens und der 
Küstenlinie; denn hier sind in die Schichtfolge der Flöze 
und klastischen Sedimente sogar Kalke von erheblicher 
Mächtigkeit zwischengeschaltet. Die gebirgsbildcnden Vor- 
gänge waren an das Nordufer des Festlandes gebunden, 
sie mußten . notgedrungen nach Süden ausklingen, und so 
steht dem lebhaft schwankenden Donez- 
gebiet jener Zeit das ruhige, gleichmäßig 
aus dem Meer herauswachsende Heraklea- 
becken gegenüber. 

Mit der Ablagerung der Karadonstufe, d. h. der 
iSchichten vom Alter der Unteren Ottweiler Stufe, schließt 



das Karbonprofil des Gebietes ab. Die Landwerdung- ist 
vollendet. 

II. Die Fusulinenkalke Kleinasiens. 

Das im nordwestlichen Kleinasien gelegene 
Balia Maden ist das altberühmte klassische Vorkommen 
von Fusulinenkalk im Lande. Nach der monographischen 
Bearbeitung der an Fusulinen, Schwagerinen und Bra- 
chiopoden gleich reichen Fauna durch EndekleS) treten hier 
oberkarbonische und dyadische Schichten zugleich auf, 
während der Bearbeiter der Fusulinen, Herr Dyheenfuktc), 
jetzt eher geneigt ist, in den dort entwickelten Kalksteinen 
ausschließlich dyadische Schichten zu sehen. Dieselbe Auf- 
fassung hat er von den zahlreichen anderen Fusulinen- 
kalkvorkommen') des westlichen Kleinasiens, die der 
Wissenschaft durch die Reisen Philippsons l>ekannt ge- 
worden sind. 

Ich hatte das Glück, Balia zu besuchen, und habe 
eine kleine, aber ausgewählte Fauna mitgebracM, 
die eine wesentlich größere Mannigfaltigkeit der Formen 
zeigt, als es nach der Arbeit Enderles scheint. Bei der 
ausfülirlichen Wiedergabe meiner Forschungsergebnisse 
werde ich darauf eingehend zurückkommen. Da in dem 
Gebiet in jedem Falle auch das Unterkarbon^) marin ent- 
wickelt ist, so kann es wohl kaum zweifelhaft sein, daß 
hier wie überhaupt im westlichen Kleinasien 
während der ganzen Karbonzeit und bis tief 
hinein in die Dyas marine Sedimentbildung 
geherrscht hat. 

Im östlichen Kleinasien tritt Unterkarbon in 
den beiden Stufen des Tournay- und des Visekalkes, nach 
Prech^), im Taurus auf und ist von ihm im Bereich der 
Bagdadbahn an mehreren Punkten beobachtet worden. Mit 



^) Julius Endekle: „Über eine anthrakolithische Fauna von 
Balia Maden in Kleinasien". Beiträge zur Geol. u. Pal. Österreioh- 
Ungarns und des Orients. 13. 1901, S. 49. 

6) A, Philippson: ,,Eeisen und Forschungen im westlichen 
Kleinasien". Petermaxns Mitteilungen. Ergänzungsheft 183. 1915. 
Nachtrag S. 133. 

'•) ebenda. 

s) H. CoQUAND : Notice geologique sur les environs de Pan- 
derma (Asie mineure). Bulletin Soc. geol. France, Ser. III, 6, 1878. 
S. 352. 

9) F. Frech: a. a. O., S. 224 ff . 



dem Kohlenkalk soll die i)aläozoisclie Schichtreihe des 
Taurus iliren Abschluß finden und ein© bis zur Oberen 
Kreidezeit reichende Schichtlücke einsetzen. 

Demg-egenüber konnte ich bei einem Besuch der im 
nördlichen Taurus gelegenen alten Grube von Bereketli 
Maden (Blatt C IV der KiEPERxschen Karte) die folgenden 
Feststelhmgen machen: Die nördliche Fortsetzung der Tekir- 
senke zieht sich von Bozanti als schmaler Grabeneinbruch 
in rein nördlicher Richtung durch den Taurus, bildet also 
mit diesem einen spitzen Winkel von geringem Betrage. 
Beim Marsch durch den langgestreckten Graben sah 
ich, daß er mehrere mächtige Züge von Kalkstein 
durchschneidet. Diese müssen einerseits, da sie von 
Hypersthenfels und auch von Serpentin durchsetzt sind, 
wohl zur Kreide gestellt werden, und andererseits, soweit 
sie frei von Eruptivgesteinen sind, dürften sie den Kalken 
des Bulgar Dagh, die bisher als Kohlenkalk gelten, zu ver- 
gleichen sein. Beim Aufstieg zur wahrhaft imposanten Kette 
des Ala Dagh querten wir zunächst intensiv gefaltete, 
halbkristalline Kalke, die ich zur Kreide stellen möchte, 
dann aber traten wir tunvermittelt bei der längst verlassenen, 
in unwirtlicher Bergeshöhe gelegenen Grube von Bereketli 
Maden in dunkle, dichte Kalk© ein, die eine reiche 
Fauna an Fusulinen und anderen Formen des 
jüngsten Karbons bzw. der Dyas enthielten. 

Die behauptete Schichtlücke im Taurus 
wird durch diesen Fund bereits recht erheb- 
lich eingeengt, und man darf dem Zweifel 
Ausdruck geben, olj die von Frech angenom- 
mene besondere str atigraphische Stellung 
des Taurus sich wird aufrecht erhalten 
lassen. 

Von einem ebenfalls neuen Vorkommen von Fusulinen- 
kalk habe ich sodann aus dem nordöstlichen Klein- 
asien, aus der Gegend von A m a s s i a (Blatt A IV der 
KiEPEKTSchen Karte), zu berichten: Als ich aus der hier 
mächtig entwickelten Gosaukreide heraus dem bisher nur 
durch Sendungen von Versteinerungen nach Europa be- 
kannten Lias") im Nordosten der Stadt — die Bezeichnung 
,,Pontischer Ak Dagh" ist nicht glücklicher als der ur- 



10) Eexst Meistee: ,,Über den Lias in Xorclanatolien nebst Be- 
merkungen über das gleichzeitig vorkommende Rotliegende und 
die G-osaukreide". Neues Jahrbuch für Minei-alos-ie, B. B ;35. 1913, 
S. 499. 



- 10 ~ 

sprüngliche Name Ak Dagh selbst -^ einen Besuch abstattete, 
zeigte es sich, daß die Liasschichten in langgestreckten, 
schmalen, ostwestlich streichenden Schuppen zwischen 
hoch aufragenden Rücken von Fusulinonkalk 
auftreten. Die Fauna besteht ausschließlich aus Fusulinen, 
die sich durch ihre außergewöhnliche Größe vor allen mir 
bekannten Formen auszeichnen. 

Die hier mitgeteilten, bisher unbekannten Vorkommen 
von Fusulinenkalken aus dem östlichen Kleinasien bilden 
das bisher fehlende Bindeglied zwischen den jungpaläo- 
zoischen Meeresablagerungen des westlichsten Klein- 
asiens und Armeniensii), wo bekanntlich sowohl unter- 
karbonische als auch oberkarbonische und dyadische, in die 
Trias hinüberleitende ScMchtfolgen entwickelt sind. Vom 
Unterkarbon bis in die Dyas hinein war das 
heutigeKleinasienin seinerganzen Ostwest- 
ausdehnung vom großen Mittel meere be- 
deckt. Nur am Nordrande der heutigen Halb- 
inselhobsichaUmählicheinFestlandheraus, 
in dessen Küsten b© reich es in der Ober- 
karbonzeit zur Bildung ausgedehnter Koh- 
le n 1 a g e r k a m. 

In unvereinbarem G-egensatz steht zu dieser Beobach- 
tung das behauptete Vorkommen kontinental entwickelter 
Dyas in dem gleichen Gebiet. Das „Rotliegende von 
Merzivun"i2) beruht auf der Bestimmung eines Blatt- 
abdruckes, der durch einen eifrigen einheimischen 
Sammler, Herrn Manisadjian aus Merzivun, in zahlreichen 
Stücken in die deutschen Sammlungen und so auch in das 
Breslauer geologische Institut gekommen ist. Ich habe 
das Vorkommen unter der höchst dankenswerten Führung 
des genannten Herrn besucht und habe darüber das Folgende 
zu sagen (siehe das beigefügte Profil): 

In der Luftlinie nur 25 km von dem Fusulinenkalk 
von Amassia steht unmittelbar am Wege Amassia — Slamsun, 
in großer Ausdehnung und das Landschaftsbild beherrschend, 
flach gelagerter eozäner Flysch an. Die neben den Konglo- 
meraten entwickelten Sandsteine beherbergen beim Dorfe 
Tscheltek ein sehr ansehnliches Kohlenflöz, andererseits 



11) Felix Oswald: „Armenien", Handbuch der regionalen 
Geologie, 5, 3. 1912, S. 5. 

12) Eknst Meister: a. a. O., S. 503. 



// — 



V5 



sind im Tale auch echte Nummulitenmergel mit reicher 
Fauna eing-elagert. An mehreren Stellen wölbt sich aus 
der Tiefe steil stehender, gefal- 
teter, feuersteinführender Kreide- 
kalk empor; die durch ein präch- 
tiges, aus Feuerstein- und Kalk- 
geröll bestehendes Brandungs- 
geröll besonders betonte ungleich- 
förmige Auflagerung ist hervor- 
ragend schön aufgeschlossen. 

Das Hangende des Flysches, 
an dessen eocänem Alter demnach 
kein Zweifel sein kann, besteht 
in einer, ein wenig diskordant 
darüber gebreiteten vulkanischen 
Decke, die teils als massiger An- 
.desit, teils als eine blasige Lava 
ausgebildet ist; sie bildet vielfach 
die der Abtragung widerstehend© 
Krönung der Bergkuppen. Darüber 
folgt gleichförmig in zahlreichen 
Bänken eine wohl dem Oligocän 
angehörende Folge von braunem 
Sandstein, Konglomeraten und 
einem rauhen, grauen Schiefer- 
ton, der allem Anschein nach 
als ein sehr feinkörniger, vul- 
kanischer Tuffi*) anzusprechen 
ist. In diesen Ttiffbänken tritt 
an der Besch - Göz - Mühle in 
den verscliiedensten Höhen des 
Profiles immer wieder die 
Pflanze auf, und nur sie 
allein — ohne Vergesellschaf- 
tung mit anderen Formen — , 
die fälschlich unter dem Na-, 
men Taeniopteris muLtinervia 
veröffentlicht ist, und die sonst 
wegen der weitgehenden Ähn- 
lichkeit als eine Form der 
Glossopterisflora bezeichnet zu 
sein pflegt. 




zo 



!■*) Andesittuff nach der inzwischen ausgeführten Dünnschliff- 
untersuchung durch Herrn Beeg. 



— 12 — 

Läßt sich so nach dem E r g' e 1) ii i s der Beobach- 
tung- im Felde das Rotliegronde von Merzivun 
nicht länger aufrecht erhalten, und muß auch 
jeder Gedanke an die Existenz eines Glossopterisfcstlandes 
verbannt werden, so ist andererseits erfreulich, daß ein 
Gegensatz zwischen der Geologie und der Paläobotanik doch 
nicht vorhanden ist. Herr Gothan, dem ich von meinen 
Beobachtungen Mitteilung machte, kannte die fragliche 
Pflanze aus der KRANTz'schen Sammlung und hat sie un- 
abhängig von mir unter Verwerfung der bisherigen Be- 
stimmung als ein Clirysodium, eine Polypodiaceengattung, 
die im Tertiär mehrfach gefunden worden ist, angesprochen. 

An der Erörterung nahmen teil die Herren Keusch, 
Beyschlag, Gothan, Pompbckj und der Vortragende. 

Herr Gothan bemerkte das Folgende: Die vom Vor- 
tragenden erwähnten Blattreste, die von Meister (N. Jahrb., 
Beilageband 35, S, 503, 1913) als Taeniopteris multinervia 
Weiss angegeben werden und auf die sich die Alters- 
bestimmung der Schichten als Rotliegend gründet, waren 
mir aus dem KEANTzschen Mineraliendepot in Bonn schon 
lange vor dem Kriege bekannt. Sie haben schon einigen 
Paläobotanikern vorgelegen und sind meist als Glossopteris 
bestimmt worden, was man auch beim ersten Anblick 
durchaus begreiflich finden muß. Es sind lange, zungen- 
förmige Blätter, nur Bruchstücke, mit Mittelader und 
charakteristischer einfacher Maschenaderung, also äußer- 
lich genau wie Glossopteris aussehend, und auch ich hatte 
zuerst an diese gedacht. Indes war mir die Sache insofern 
sehr merkwürdig, als dadurch inmitten eines Gebiets mit 
Karbonflora vollständig europäischen Charakters eindeutige 
Gohdwanaelemente auftreten würden, und außerdem be- 
merkte ich an einer Anzahl von Stücken des Materials 
Verzweigungen der Blätter^ nach denen das Blatt als ein 
einmal gefiedertes anzusprechen war. Da Glossopteris 
immer einfache Blätter hat, so entfällt damit die Bestim- 
mung als Glossopteris vollständig. Bei Gelegenheit einer 
Rücksprache mit Zeiller in Paris 1912 machte ich ihn 
auf diese Farm^este aufmerksam, und er ließ sich einige 
davon von Keantz in Bonn kommen und befaßte sich 
näher mit ihnen. Er teilte mir dann brieflich das Resultat 
seiner Nachforschungen mit, wonach es sich um eine 
Chrysodium - Art handelt. Es ist dies eine meist mit der 



— 13 — 

Gattung Acrostichum vereinigte Gattung der Polypodiaceen, 
also der modernsten Farnfamilie, und Clirysiodicn sind aus 
dem Tertiär schon melirfach bekannt geworden (vgl. z. B. 
Sewaed, Fossil plants II, 1908, S. 379 und S. 350, Fig. 
261 A). Eine Art von Clirysodiiim, Acrostichum (Chryso- 
diütn) aiireum ist als xerophiler Farn der Mangrovesümpfe 
bekannt. Es handelt sich also in den „Taenlopteris mul- 
tinervia" von Meister um tertiäre Typen. Merkwürdig 
ist das massenhafte Vorkommen dieser Reste bei Merzifun, 
und zwar kommt anscheinend ausschließlich diese Pflanze 
vor, wodurch die Ablagerung allerdings auf den ersten 
Blick weniger tertiär aussieht. Die Bestimmung als Taenl- 
opteris beruht auf dem Übersehen der Maschenaderung. 
Im obigen Sinne hatte ich auch bereits in der Neubearbei- 
tung des PoTONiBschen ' Lehrbuchs der Pflanzenpaläon- 
tologie, vion dem 1915 einige Bogen gedruckt wiu^den, auf 
dieses kleinasiatische Vorkommen hingewiesen und die Be- 
stimmung mitgeteilt; das Buch ist aber bisher noch nicht 
erschienen. 

Der vorgerückten Zeit wegen beschließt die Versamm- 
lung, den zweiten angekündigten Vortrag des Herrn Hess 
von WiCHDOEF auf die nächste Sitzung zu verschieben. 

v. w. o. 

Keilhack Belowsky Pompeckj. 



Im März wurde wegen der Unruhen in Berlin keiue 
Sitzung der Gesellschaft abgehalten. 



Bericht über die Sitzung am 2. April 1919. 

Die Sitzung wird um 6 Uhr vom Vorsitzenden, Herrn 
Keilhack eröffnet. 

Er macht Mitteilung von dem Tode zweier Mitglieder: 
Dr. BöHNDEL aus Freiburg i. Br., der auf dem Felde 

der Ehre gefallen ; 
Dr. Johannes Ahlburg, Geologe der Preuß. Geolog. 
Landesanstalt, der in Wetzlar unerwartet ver- 
schieden ist. 
Die Anwesenden erheben sich zu Ehren der Ver- 
storbenen. 



14 



Als iieue Mitglieder wünschen der Gesellschaft bei- 
zutreten : 

Hqrr Wilhelm Dbnder in Köln, Hochstr. 125 a, 
vorgesclilag-en durch die Herren Keilhack, P. G. 
Krause und Picakd; 

Herr Studienrat Dr. Rodel in Frankfurt a. O.^ 
Sophienstraße, vorgeschlagen von den Herren 
Beyschlag, Keilhack und P. G. Krause; 

Herr Bergassessor Karl Rudolph, z. Z. Berlin, 
Geologische Landesanstalt, und 

HeiT Bergassessor von Marees, z. Z. Berlin, Geol. 
Landesanstalt, auf Vorschlag der Herren Bey- 
schlag, Krusch und Räfler; 

Herr Dr. Stephan Richarz, München, Gietlstr. 1, 
vorgeschlagen von den Heri-en Bärtling, Picard 
und Schneider, 

Eigentlich müßte in dieser Aprilsitzung- (nach § 6 a — c 
der Satzung) Mitteilung über die geplante diesjälmge all- 
gemeine Versammlung erfolgen. Es war in Aussicht ge- 
nommen, die 1914 ausgefallene Hauptversammlung in Han- 
nover abzuhalten. An den damaligen Gescliäftsführer, Herrn 
Erdmannsdörffer in Hannover, ist in diesem Sinne eine 
Anfrage gerichtet worden. Herr Erdmannsdörffer ist gern 
bereit, dieses Amt wieder zu übernehmen, muß aber die 
endgültige Entscheidung über den Zeitpunkt der Versamm- 
lung verschieben, bis die Frag© des akademischen 
Zwischensemesters für den Herbst entschieden ist. 

Nach § 5 der Satzung der Hermann CREDNER-Stiftung 
müssen Anträge zur Bewerbung bis zum 1. Mai eingereicht 
und sodann den Beirats- und Vorstandsmitgliedern zur 
Äußerung unterbreitet werden. 

Im Jalire 1917 ist in der Zeitschrift für Vulkanologie ein 
Preisausschreiben erfolgt: Die Bedingungen für das Zu- 
standekommen vion Systemen regelmäßig angeordneter 
Spalten in festen Kräften sollen experimentell untersucht 
werden. Da dies infolge des Krieges keine Bewerber ge- 
funden hat, ist es bis 1. Januar 1920 verlängert worden. 

Unser Mitglied, Herr Jon. Walthfr - Halle, macht der 
Gesellschaft Mitteilung von einer Ändeining in den Prüfungs- 
fächern der Geologie und Mineralogie für Oberlehrer, die 
eine erfreuliche, selbständige Stellung für unser Fach schafft. 
Die Prüfungsbestimmung lautet jetzt folgendermaßen: 



15 



„Zu §• 27 a und b der Prüfung-soidnung- vom 28. Juli 
1917 wird bestimmt, daß die Prüfung- sowohl in Minera- 
logie lals auch in Geologjie je für sich abgeleg-t werden kann 
und 'das Bestehen einer solchen Prüfung nioch mit der 
in § 8, Abs. 3 bezeichneten Wirkung- als volle Prüfung 
in einem Zusatzfach zu igelten hat." 

Der Vorsitzende legt die für die Bücherei eingegang-enen 
Sonderabdrucfco vor. 

Sodann erliält Herr HESS VON WICHDORE das Wort 
zu seinem Vortrage über: 

Beiträge zur Diluvial-Geologie iu der westlichen 
Umgebuug- von Dünaburg und des Dryswjaty-Sees. 

An der Erörterung nahmen der Vorsitzende und Herr 
Wunschick teil. 

Herr JENTZSCH spricht unter Vertagte von G-esteins- 
proben: 

Über den Keuper der Provinz Posen. 

Nachdem der Vortragende bereits vor 39 Jahren die 
ersten „Spuren der Trias bei Bromberg"i) nachgewiesen, 
haben sich solche inzwischen vermelirt und zu einem sicheren 
und mächtigen Profil der gesamten Trias verdichtet, deren 
mächtigstes und innerlialb der Provinz Posen vollständigstes 
durch das fiskalische Bohrloch Schubin^) erschlossen wurde. 
In diesem 2149,45 m tiefen Bohrloch fanden sich unmittelbar 
unter dem dort nur 42,4 m mächtigen Diluvium: 

56,0 m einer Süßwasserbildung, deren Pflanzen- 
einschlüsse (Marattiopsis) sie als zur Gruppe des 
Lias und Rhät gehörig erkennen lassen. Und 
in der Nähe ist innerhalb einer 30 G-eviertkilo- 
meter umfassenden Fläche dieselbe Schichten- 
gruppe durch noch 5 andere Bohrungen, im 
Ganzen mithin sechsmal getroffen, nämlich zu 
Baranowo bei Pinsk 63 m mächtig, 
Szaradowo I 256,8 m ,, 

— (Salzdorf) V 126,8 m 
Bärenbi'uch 79,0 m ,, 

Friedberg 118,63 m 



1) Jahrb. preuß. Geol. Landesanstalt für 1880, S. 346—3.50. 

"3 'Jentzsch : Der vortertiäre Untergrund des nordostdeutschen 
Flachlandes. Abhandl. preuß. Geolog. Landesanstalt N. F., Heft 72. 
S. 1—48. mit Karte. BerUu 1913. 



- 16 — 

In allen diesen 6 Bohningen lagern die Schichten fast 
horizontal, also schwebend. Es sind vorwiegend graue 
Schieferletten und blaßrötliche Sandsteine mit ebenen, durch 
weiße Glimmerschüppchen bezeichneten Sclüchtflächen. 

Ihre Stellung zur Trias bzw. zu deren unmittelbarem 
Hangenden ergab sich aus der Bohrung Schubin, welche 
als deren Liegendes: 

111,5 m Muschelkalk, luid darunter 
135,7 m Eöt mit Myophoria costata, 
1290,8 m Mittleren und Unteren Buntsandstein und 

Oberen Zechstein über 
513 m Sälzgebirge 
ergab. 

Alle diese Bohrpunkte, ebenso wie das nur petro- 
graphisch nach der roten Tonfärbung vermutungsweise zum 
Keuper gestellte Wierzbiczany (4 bis 5 km südlich der 
Stadt Argenau) liegen im nordöstlichsten Teile der Pro- 
vinz Posen. 

Nunmehr ist auch im südlichsten Teil dieser Provinz 
Keuper erbohrt, nämlich zu M ie 1 e n c i n im Kreise Kempen. 
Eine Aufzählung und Beschreibung der Scliichtenfolge wird 
vom Vortragenden anderwärts veröffentlicht^). Die lebhaft 
rote Färbung der mit 138 m Mächtigkeit nicht durch- 
sunkenen Tone und Tonmergel nebst einzelnen einge- 
lagerten Linsen von Kalk und Tbneisenstein, lassen die 
Verbindung mit dem schlesischen Keuper nicht verkennen, 
zumal dieser in der Bohrung Gr. Zöllnig bei Oels, nur34.km 
südwestlich von Mielencin, gleichfalls angetroffen und in 
seiner Stellung als Hangendes des Muschelkalkes durch 
Zimmermann*) festgestellt worden ist. Der neue Bohr- 
punkt liegt , 185 km südlich von Schubin, mehr als 300 km 
südöstlich der Triasklippe von Rüdersd'orf bei Berlin und 
mehr als 150 km östlich der Triasaufschlüsse der Bunzlau- 
Goldberger Gegend. Er bedeutet mithin eine erhebliche 
Erweiterung des deutschen Triasgebietes und insbesondere 
em© Verbindung der alten Bromberger Triasfunde mit denen 
Nieder- und Oberschlesiens. Die drei wichtigsten Profile 
ergänzen sich gegenseitig und ergeben folgenden Vergleich: 



3) Jentzsch : über die nördliche Fortsetzung der oberschle- 
sischen Keupertafel. Jahrb. preuß. Geolog. Landesanstalt. 1918. 

*) ZiiiMEEMANN: Über eine Tiefbohrung bei Gr.-ZöUnig. 
Diese Zeitschr. 53, 1901. Verh. S. 22—28. 



17 





Nord- 


Süd-Posen 


Gr.-Zöllnig 




Posen 




(Schlesien) 


Diluvium 


42 


34 
70 


45 


'fei'tiäi" 


79 


"2 ^ j Schwachkalkige bis reich- 




3i| 1 lichkalkhaltige Sandsteine 








rt p^ 1 und Tone mit rötlichen 








•A ' Lagen 


257 


86 


7 


[^ebhaft rote Keupermergel . . 




138 


352 


Keupermergel und Letten, vio- 








lettgrau 








14 


Sandstein 


— 


z 


31 


Gipskeuper mit Myophoria . . 


97 


Grenzdolomit und Lettenkohlen- 








keuper . . 








62 


Muschelkalk 


111 
136 


— 


93 






Mittlerer Buntsandstein .... 


43 


— 


— 


UiitererBunt- \ 








„beT/;zäh>°'-To„,e»tei„ 


1248 


— 


— 


stein ) 








Salzgebirge 


515 


— 


— 



Hiernach geht der Muschelkalk von Rüdersdorf 
bis Schlesien und Nordposen (Schubin) durch. Sein Liegen- 
des, der Buntsandstein, erreicht in Nordposen weit über 
1000 m Mächtigkeit; sein Hangendes, nämlich der Untere 
und Mittlere Keupeir eireicht im mittleren Schlesien 
(Gr. Zöllnig) 556 m Mächtigkeit und ist im südlichsten Posen 
mit 138 m noch nicht durchsunken, aber im nördlichsten 
Posen bisher nur angedeutet, durch rote Tone, die in Twar- 
tow bei Jarotschin bei 88 m Tiefe erbohrt wurden und in 
angeblich kaolinartiger Beschaffenheit 10 m mächtig waren,, 
scheint ein Bindeglied zwischen dem Keuper im Norden und 
Süden Posens gegeben. Dagegen sind im nördlichen Posen 
Süß Wasserbildungen, die der Rhät-Liasgruppe zugerechnet 
werden 'müssen, 'bis 257 m mächtig entwickelt und haben dort 
den mittleren und unteren Keuper stellen^weise zerstört; sie 
liegen übergreifend über der mittleren Trias und sind in 
Mielencin nur 86 m, in Zöllnig gar n|ur 7 m mächtig er- 
lialten. Jura und Kreide fehlen in allen drei Vergleichs- 
profilen, sind aber in zwischenliegenden Teilen der Provinz 
Posen in großen Mächtigkeiten (von etwa 1000 bzw. 500 m) 
erbohrt. Tertiär und Diluvium schneiden alle mesozoischen 
Schichten übergreifend ab. Angesichts der in allen Kern- 
bolinmgen beoliachteten schwebenden Schichtenlage ergibt 

2 



18 



sich für die saxonische Scholle, zu welcher die Provinz Posen 
gehört, der Schluß auf das Vorhandensein tiefer Ver- 
werfungen, deren Sprunghöhe zusammen mehi-ere Kilometer 
ausmacht. 

Hierauf legte Herr Jektzsch einen 

Cyrenenfund aus der Provinz Posen 

, vor. Im nordöstlichsten Tfeile der Provinz Posen, in der Ver- 
bindungslinie der Salzhorste von Wapno bei Exin und von 
Hohensalza (Inowrazlaw) stehen bekanntlich Felsenkalke 
des Oberen Jura zutage und werden dort in mehreren, 50 bis 
nahezu 60 m tiefen Tagebauen abgebaut, die sich dicht süd- 
lich der Eisenbahn Hohensalza — Rogasen von der Haltestelle 
Hansdorf nach WNW bis zu dem unter dem Namen Wapienno 
bekannten Steinbruiche im SO von Krotoschin (unweit des 
Städtichens Bartschin) auf nahezu 5 km Länge liinziehen. In 
allen diesen Tagebauten lagert der Kalkstem unmittelbar 
unter 5 bis 6 m Geslchiebemergel, an dessen Sohle er stellen- 
weise Schrammen erkennen läßt. Die Richtung dieser 
Schrammen fand Wahnschaffe in Wapienno als NW- 
SO, während in Bielawy — Hansdorf der Vortragende sowohl 
W— O- wie NS-Schrammung sah. 

In allen Steinbrüchen zeigt der Kalkstein Risse 
von a,nnähernd senkrechter Stellung. Viele derselben sind 
fest geschlossen; mehrere aber klaffen und haben Fetzen 
der vor Absatz des G<eschiebemergels den Jurakalk be- 
deckenden Schichten in die Spalten liinabsinken lassen, wo 
sie durch den benachbarten festen Kalkstein vor weiterer 
Zerstörung bewahrt worden sind. Diese Zeugen einer vor- 
glacialen Decke sind meist feine Sande oder Tone vom 
Aussehen des Pösener Tertiärs, mit schwarzen, kohligen 
Nestern, teils aber auch MarkasitknoUcn, die sowohl tertiären, 
als auch oberjurassischen Schichten entstammen könnten. 

Eine der Klüfte in Wapienno hat aber in einem feinen 
grünlichen Sande Hunderte von Muschelschalen geliefert, 
die sämtlich der Gattung Cyrena angehören. Leider war 
bei dem Besuch des Vortragenden jene Kluft nicht melir 
zugänglich; doch sind die wiederholten Aussagen der 
Finder, sowie des Steinbruchbesitzers, HeiTU Dr. iur. 
Leopold Lewy, so klar, bestimmt und zuverlässig, daß 
an dem Fund, von welchem mehr als 100 Muschelklappen 
übergeben wurden, nicht zu zweifeln ist. Ohne entscheiden 
zu wollen, welicher der 30 oder 50 aus dem deutschen Wealden 
beschriebenen Cyrenaarten unsere Muscheln angehören, läßt 



— 19 — 

sich doch soviel mit Sicherheit sagten, daß sie in den Fornien- 
kreis der deutschen Wealdenarten gehören. 

Wir hätten somit in den Klüften des Jurakalkes von 
Bartschin Ausvvasclmng-srückstände einer W e a 1 d e n - 
abläge rung, welche einst den dortigen Jura überdeckte 
und -später, ebenso wie die, in Posen etwa 500 m mächtige 
marine Kreide und das etwa 200 m mächtige Tertiär noch 
vor der Auflagerung des Greschiebemorgels der Abrasion 
verfallen sein muß. 

Damit vervollständigt sich der Ostrand des deutschen 
Wealdengebietes. Wir kennen ihn nunmehr aus Rügen 
und dem westlichen Ponunern, aus der Bolirung Cisclikowo 
im Posenschen Kreise Czarnikau (Blatt Gultsch der Greolo- 
gischen Karte) und, wenn wir die hierdurch bezeichnete 
Linie nach OSO verfolgen, in Polen in Bohi^ungen bei 
Winiec, Janiszewo, Waganiec, Ciechozinek und Nieszawa, wo 
er nach Michael 40 bis 100 m Mächtigkeit erreicht. 

Zwischen Jura und mariner Kreide zieht sich also durch 
die Provinz Posen ein Band von Brack- und Süßwasser- 
bildungen. Im Wealdengebiete Polens haben Bohrungen nach 
Erdöl bisher keine abbauwürdigen Punde ergeben. Die Frage^ 
ob jenes Band in der Provinz Posen etwa günstigere Funde 
liefern .würde, erscheint zweifelhaft und könnte niu- durch 
künftige Tiefbohrungen beantwortet werden, zu denen unter 
den 'jetzigen politischen Verliältnissen wenig Aussicht besteht. 
Die muschelführenden Spalten und Klüfte, welclie ihre Ana- 
logien in den bekannten, Tertiärschalen liefernden Stein- 
brüchen bei Bernburg und Oppeln finden, müssen früher 
als der Geschiebemergel, aber (mindestens teilweise) später 
als das Posener Miocän entstanden sein. 

Sodann spricht Herr Jentzsch: 

Über den Kern der Kernsdorfer Höhe. 

Daß letztere, die mit 312,1 m Meereshöhr den 
höchsten Punkt der Provinz Ostpreußen und ül)erhaupL den 
höchsten Punkt des Deutschen Reiches östlich der Weichsel 
bezeichnet, leine Endmoräne ist, dürfte niemand be- 
zweifeln. Sie liegt im südwestlichsten Teile Ostpreußens, 
im Kreise Osterode und steht an Höhe nur um 19 in 
hinter dem 331 m erreichenden Turmberge des Dan- 
ziger Höhenlandes, dem höchsten Punkte des norddeutschen 
Flachlandes, zui-ück, welcher gleichfalls als Endmoräne all- 
seitig anerkannt ist. Wie bei diesem, läuft auch liier die 
Hauptersti^eckung nordsüdlich. Ihr höchster, die 280 Meter- 

2* 



- 20 — 

linie überragender RKicken ist 72ÜÜ in lang-, vvälu'end in 
gleicher N — S-Riclitung der die 2G0 Metei'linie überragende 
Rücken der Kernsdorrei- Höhe 10 300 m Längserstreckung 
zeigt. 

Beide Endmoränen sind mit Blöcken und Greschiebe- 
sand bedeckt, unter welchen stellenweise Geschiebe- 
mergel erkennbar vvii'd. Auch die meisten anderen End- 
moränen Norddeutschlands zeigen bekanntlich Überschüttung 
mit Gescliiebesand. Wie mächtig letzterer sein kann, er- 
gibt sich aus dem Umstände, daß in den höchstgelegenen 
Gebieten Westpmußens und des angrenzenden östlichsten 
Pommerns nirgends vorglaciale Scliichten zutage treten und 
dort zahlreiche, 100 m Tiefe eiTeichende oder über- 
schreitende Brunnenbohrungen das Diluvium nicht durch- 
sunken haben. Hoch oben an den Gehängen der Turm- 
berggi-uppe fanden die auf Vorschlag des Vortragenden 
im Jahre 1876 bei etwa 300 m Meereshöhe angesetzten 
Bohrungen nur Diluvium^), nämlich bis 85,48 m Ge- 
schiebeführende Sande und Kiese, mit untergeordneten Bän- 
ken von Geschiebemergel. 

Um so bemerkenswerter ist es, daß dort, wo die Eisen- 
bahn Bergfriede — Soldau nebst der sie begleitenden Kunst- 
straße, am NW-Ende des Bahnhofs Klonau in einem paß- 
artigen Einschnitte die Moräne verquert, in einer Ziegelei 
vorglaciale Schichten zutage treten. (Meßtischblatt Peters- 
wialde, Gi-.-A. 34, No. 28). Die Ziegelgmbe zieht sich an 
der Marien feldo — Klonauer Flurgrenze, dicht südöstlich der- 
selben auf 190 m Länge den . Abhang nach Nordosten 
lünauf und läßt unter einem Mantel von Gesclüebesand 
einen sichtlich tertiären, kalkfreien Ton hervortreten', der 
einzelne Schlieren von Feinsand, 6 dünne Plözchen von 
Braunkohle bzw. Alaunerde enthält. Fünf dieser Flöz- 
chen waren zur Zeit der Beobachtung (Oktober 1901) nach 
ihrer Stellung erkennbar. Sie strichen etwa N 20° O und 
fielen 60° bis 80" nach Westen, mithin sehr steil. Der Ab- 
stand des ersten vom fünften Flöz betrug, in der Gruben- 
sohle gemessen, 17 m. 

Die ganze, wenige Meter tiefe Grube stiich N 50° O 
vmd ihr Tertiäraufschluß erhob sich von etwa 230 m bis 
etlwa 2(50 m. Dies ist weit und breit die größte, von 

5) Jentzsch: Bericht über die geologische Erforschung der 

Provin^ Preußen. Schriften: Physikal. Ökonom. Gesellschaft. 

Königsberg. XYII. !87(5. s. 109—170. und XVllI, 1878.' 
S. 185—215. 



- 21 



vordiluvialen Schichten im norddeutschen Flachlande er- 
reichte Meei-eshöho. Erst 290 Kilometer SSW von hier, 
in den Endmoränen der (regend von Scliildberg-, im süd- 
lichsten Teile der Provinz Posen, ragt Tertiär bis zu ähn- 
lichen Höhen; denn die noch weiter, nämlich 350 Kilometer 
von der Kernsdorfer Höhe entfernten Tertiärvorkommen 
bei Grünl>erg eiTeichen nicht diese Höhe. Da nun das 
Tertiär bei Klonau auf etwa 100 m Länge mit gleichem 
Streichen u'nd Fallen seiner Schichtung auftritt, ist es als 
zusammenhängende, etwa 100 m lange, steilgestellte 
Scholle VAX erachten, die hier, wie wohl in vielen anderen 
Endmoränen, örtlich deren Kern bildet. Dabei mag es 
vorläufig unentscliieden bleiben, ob die Kernsdorfer Höhe 
eine überschüttete Aufpressung (Staumoräne im engeren 
Sinne) ist oder ob sie nur unter dem Geschiebesandmantel 
eine seitwärts durch Hoiizontalschub herbeigefülu'te fremde 
Scholle birt,^t. Letzteres ist wahrscheinlich bei vielen End- 
moränen der Fall, nur daß es als ein seltener Zufall zu 
erachten sein wird, wenn eine in der Moräne senkrecht 
angesetzte Bohining in deren Kern eine der mehr oder 
minder steilgestellten Schollen trifft. 

Das Tertiär gleicht petrographisch dem „Posener Ton". 
Hev beschi'iebene Fund ei'weitert also dessen bisher be- 
kanntes Verbreitimgsgebiet und verbindet dessen äußerste 
Punkte Graudenz, Bischofswerder und Strasburg in West- 
preußen mit Kiparren in Ostpreußen; der Vortragende regt 
an, hier, wo mehrere der tiefsten Schichten des Posener 
Tones zutage liegen, nach pliocänen Pflanzen, Muscheln 
und Wirbeltieren zu suchen. 



Herr GAGEL spricht noch: 

Über einen neuen Fundpunkt nordischer Grundmoräue 

im niederrheinischen Terrassendihivium und die Alters- 

stelhmg dieser Grundmoränen. 

(Mit 1 Textfigur.) 

Aus den weiten, durchschnittlich in etwa 30 — 20 m 
Meereshöhe gelegenen Niederterrassenflächen des Ge- 
bietes von Krefeld und Moers erhel>en sich eine Anzahl 
isolierter Inselberge und ein lang'geaogener, von Oermten 
bis Tönisberg schAvach bogenförmig verlaufender Höhen- 
zaig bis zu etwa 60 — 75 m Meereshöhe. Diese Höhen stellen 
isolierte, durch Enasion zerechnittenc Teile der großenteils 



22 



zerstörten HauptteiTasse des Rheins dar imd zeichnen sich 
durch zwei Eigentümlichkeiten sehr auffallend von den 
übrigen Terrassenbildungen des NiedeiTheins aus. Erstens 
durch die durchgehend sehr intensive, eisenschüssige und 
z. T. lehmige Verwitteioing und Zersetzung (Ferretisierung) 
ihrer sehr grobkörnigen Sedimente, und zweitens durch 
die fast überall in ihnen zu beobachtenden starken Schicht- 
störungen, Aufsattelungen, Faltungen usw. Diese starken 
Schichtstöniiigen imd Aufsattelungen sind veranlaßt durch dasi 
nordische Inlandeis, das zur Zeit seiner größten Ausdehnung 
sich bis in diese G-egend erstreckte, wo es seine äußerste 
südwestliche Grenze fand und als unwiderlegliche Beweise 
seiner Anwesenheit außer diesen starken Zusammen- 
schiebungen und Faltungen der Hauptterrassensedimente 
auch an einzelnen Stellen noch Reste seiner Ginndmöräne 
mit echt nordischen Geschieben hinterließ. Derartige nor- 
dische Grundmoränenreste sind zuerst auf der Höhe und 
Nordwestseite des Hülser Berges beobachtet und beschrieben 
wordeni), dann auch durch P. G. Krause auf der Nordseite 
des Dachsberges, bei Duisburg^) und in einzelnen Bohrungen. 
Während die nordisclie Grundmoräne auf der Höhe und 
Nordwestseite des H ü 1 s e r Berges und bei Duisburg 
in offensichtlichem Zusammenhang mit den starken Schicht- 
störungen der dortigen, stark verwitterten Hauptterrassen- 
schotter steht,' liegt die Moräne auf der ISTordseite (am 
Fuße) des Dachsberges (Nordwestecke von Blatt Moers) 
ganz tief unten in vielleicht 25 m Meereshöhe, auf ganz 
hellen, völlig horizontal geschichteten Kiesen und wird von 
ebenso ungestört liegenden, sehr gix>ben, hori- 
zontal geschichteten, aber tiefbraun eisenschüssig- 
lehmig verwitterten Kiesen und Schottern- überlagert, die 
sich bis zu etwa 35 m Meereshöhe, also zur Höhe der Mittel- 
terrasse erheben. 



1) Fliegel; HJieindiluvium und Inlandeis. Verh. naturw. Ver. 
/. Rheinland und Westfalen, 1910, Band 66. S. 339. 

P. G. Krause: Einige Beobachtungen über Tertiär und Dilu- 
vium des westlichen Kiederrheingebiets. Jahrb. d. pr. geol. 
Landesanstalt, 1911, XXXII. Teil II, S. 135. 

Steegek: Der geologische Aufbau und die Entstehung des 
Hülser Berges. Krefeld, 1913. Beziehungen zwischen Terrassen- 
bildungen und Glacialdiluvium im Niederrheingebiet, ebenda! 

Fliegel und Wunstorf: Die Geologie des Niederrhein-Tief- 
landes. Abh. d. pr. geol. Landesanstalt, N. F. Heft 67, S. 161. 164. 

2) Fliegel: Neue Beiträge zur Geologie des niederrheinischen 
Tieflandes. Jahrb. d. pr. geol. Landesanstalt. 1912, Teil II. S. 4.50 



- 23 




24 



Nun ist es mir im letz^ton Herbst 1918 gelung-en, iiucb 
auf der Höhe des Dachsberg^es, in der Großen Kiesgrube 
auf der Südseite auf bzw. in den intensiv lehmig-eisen- 
scliüssig-verwitterten, stark giestauchteu und gestörten 
hauptterrassenschotteru eine völlig sichere, nordische 
Gnmdmoräne mit typischer Miaränenstniktur und 20 cm 
großen, scharfkantig-eckig-zackigen^) völlig 
unabgerollten, echten Geschieben zu finden, die etwa 
50 — 60 cm stark ist, auf etwa ebenso mächtigen, stark g<?- 
störten Mergelsanden und Tonmergeln iniht, aus deren 
Aufarbeitung sie großenteils entstanden ist imd die auch noch 
von sehr gestörten, groben, stark eisenschüssig zersetzten 
Schottern überlagert wird. ~ Di© groben Hauptterrassen - 
Schotter, die die Hauptmasse dei- großen Kiesgrube aus- 
füllen, sind in ihren oberen Partien, unmittelbar unter und 
neben der nordischen Moiiinc ebenfalls intensiv gefaltet 
und gestaucht, gehen aber naoh unten und nach Osten zu 
in ungestört liegende, horizontal geschichtete, bzw. schwach! 
nach Osten geneigte Schotter über, die alle ebenfalls tief 
rostbraun, stark eisenschüssig- lehmig verwittert sind. 

Über das Alter diesei' nordischen Moränen ist von 
P. G. Krause die Vernmtung geäußert worden, daß sie 
aus dem Anfang der Mittelterrassenzeit stammen, weil eben 
die horizontal geschichteten, überlagernden Schotter über der 
tiefliegenden Moräne an der N o r d seile des Dachsl>erges 
in der Höhe der Mittelterrasse liegen. 

Auf die unmöglichen Folgerungen und Konsequenzen, 
die sich aus dieser Annahme vom Mittelterrassenalter dieser 
nordischen Moränen ergeben, habe ich schon vor längerer 
Zeit liingewiesen^), uml auch Fliegel hat dann auf die 
sich daraus ergebenden Unstimmigkeiten aufmeiksam ge- 
macht^). 

Daß die Mittelterrasse dem Oberen (letzten) Diluvium 
Norddeutschlands entspricht, und daß dieses letzte nordische 
Inlandeis, das das Obere Diluvium ablagerte, nur unwesent- 
lich die Ellje überschritten und nur mit seinen allerletzten 
kiümmerlichen' WSiikungen bis etwa an die Aller herangereicht 



3) Vergleiche die zei-jM-eßten Quarzitgeschiebe. die Stkegek 
von der Grundmoräne am Hülser Berg beschreibt, a. a. O. Taf. 4. 

*) C, Gaöel: Probleme der Bihivialgeologie. BßANCA-Fest- 
.schrift, Berlin. 1914. S. 158. 

5) FLiEfjEL: Neue Beiträge zur Geologie des Niederrheinischen 
Tieflandes. Jahrb. d. pr geol. Landesaiistalt. .1912. XXXII. Teil 11, 
S. 449. 



— 25 ~ 

hat, darül>er lieiTscht wohl heute kein ernsthafter Streit 
inehi" — , also kann dieses letzte Inlandeis (der Mittel- 
terrassenzeit) nicht die HauiJtterrassenablagerungen lani 
Niederrhein aufgiestaucht haben, sondern die Aufstauchung 
und Moränenablage ining- muß älter sein und der Haupteisaeit, 
der Zeit der größten Ausbreitung des Inlandeises, ent- 
fitammen, was ja auch als solches stets angenommen 
wurde, nui" nicht mit der behaupteten Mittelterrassenzeit 
der Aufstauchung ül>ereinstimmte. Die sich aus diesen Über- 
legungen ergebende zeitliche Übereinstinnnung von Haupt- 
eiszeit („Unterem" Diluvium Norddeutschlands) mit dei« 
Hauptterrasse wii'd auch noch dadurch gestützt, daß die 
Hauptterrasse von d'em interglacialen Tegelenhorizont untei'- 
lagert wird, der durch alle seine Verhältnisse, vor allem 
durch die Führung der echten Paludina dihiviana und der 
Valvata naticina, genau übereinstimmt mit den i)n Liegenden 
•des nordostdeutschen „Unteren Dilu\dums" auftretenden mär- 
kischen Paludinenhoriziont. Wir kommen also aus allen 
diesen Erwägungen zu dem übereinstinnnenden Schluß, daß 
die Moränen, bei deren Ablagerung diese Hauptteri'assen- 
schotter des Niederrheingebiets so stajrk gestört und auf- 
gestaucht sind, sich im unmittelbaren Anschluß bzw 
z. T. noch während der Ablagening der Hauptterrasse 
selbst gebildet haben, daß Haujjtterrasse und x'orletzte 
(Haupt) - Eiszeit zeitlich äquivalent sind. 

Dieser so gewtonnene und durch die verscliiedensten 
Argumente belegte Schluß wird noch sehr stark gestützt 
durch den Erhaltungszustand der Hauptterrassenschotter, 
durch die intensive, eisenschüssig-lehmige Zersetzung und 
Verwitteining (Ferretisiei'ung) derselben, die genau und 
in jeder Beziehung der intensiven, eisenschüssigen Inter- 
glacialverwitterung unseres norddeutschen älteren („Un- 
teren") Diluviums entspricht, wie wir sie überall, teils unter 
den jungen, frischen Ablagerungen des Oberen Diluviums, 
teils außerhalb von dessen äußerster Verbreitungsgienze, 
im Westen Schleswig-Holsteins und in der nördlichen 
Lüneburger Heide finden^). Diese eisensch{üssige Zeisetzung 
der Hauptten-assenschotter, im Gegensatz zu der Hellfai-big- 
keit und dem Fehlen jeder eisenschüssigen Zersetzung in 



6) C. Gagel; Das Ratzeburger Diluvialprofil und seine Be- 
deutung' für die Gliederung- des Diluviums. Jahrb. d. pr. geol. 
Landesanstalt, 1912, Heft 2. sowie C. Gagel: Die Beweise für 
•eine mehi-fache Vereisung Norddeutschlands in diluvialei' Zeit. 
•Geolog. Rundschau. 1913. S. 819. 



26 



den unterlagemden ältestdiluvialen Deckenschottern, auf die 
zuerst P. G. Krause a. a. O. die Aufmerksamkeit hingeh^ikt 
hat, ist so auffällig und stimmt so frappant mit den gleichen 
interglacialen Verwitterungserscheinungen in unsemi nord- 
deutschen Diluvium überein, daß dieser Umstand meines Er- 
achtens ein wertvolles Kriterium zur Deutung au(;h siolcher 
zweifelhaften Terrassenablagoi-ungen abgeben dürfte, die 
ihrer Höhenlage nach nicht ohne weiteres in die Haupt- 
terrasse passen und über deren Alter daher vielfach Mei- 
nungsverschiedenheiten bestehen. 

• Das ist z. B. der Fall mit den oben erwähnten, intensiv 
eisenschüssig zersetzten, aber völlig horizontal liegenden, 
groben Schottern, die auf der Nordseite des Dachs- 
berges die tiefliegende horiziontale Moräne bedecken, die 
P. G. Krause zuerst gefunden und beschrieben hat, und 
welche Schotter er ihrer Höhenlage nach für Mittelterra.sse 
erklärt hat"). 

Diese Moräne wird von ganz hellen, unzersetzten 
Kiesen unterlagert, die meines Erachtens wegen ihrei' Be- 
schaffenheit und Höhenlage am ungezwungensten als 
ältestes Diluvium, als Deckenschotter, angesprochen 
werden können, während die überlagernden, so in- 
tensiv eisenschüssig zersetzten, seh'r groben Schotter 
in jeder Beziehung (abgesehen von ihrer relativ 
niedrigen Lage) mit den Hauptterrassenschottern über- 
einstimmen und meines Erachtens daher am einfachsten 
und ungezwTingensten als Erosionsrest bzw. Denudationsrest 
der teilweise zerstörten Hauptterrasse anzusehen sind, wie 
ja auch in der großen Kiesgrube auf der Südseite des 
Dachsberges die tieferen Hauptterrassenschotterlagen schon 
ungestört sind und ihnen in jeder Beziehung gleichen. Ist 
diese , Auffassimg richtig, so würde also die tiefliegende 
horizontale Moräne auf der ISIiordseite des Dachsl^erges an 
den allerersten Anfang der Hauptterrassenzeit zu setzen 
sein, als das Eis gerade bis hierher vorgestoßen war und 
durch seine Stauwirkung die Hauptterrassenablagerung zu 
veranlassen begann, während die ]\Ioränie auf der Höhe 
der Südseite des Dachsberges so ziemlich vom Schluß der 
Hauptterrassenzeit stammen düi-fte. Von demselben Alter 
— Schluß der Hauptterrassenzeit — dürften dann auch die 
Moränen auf der Höhe und Nordwestseite des Hülserberges, 



■') P. G. Krause: A. ;i. O., S. 155 und ,, Weitere Beobachtungen 
im Tertiär und Diluvium des Xiederrheingebiets. Jahrb. d. pr. 
geol. Lande-sanstalt. 1917. I. S. 193—194. 



— 27 — 

sowie bei Duisburg-, stammen, die ebenso wie die auf der 
Südseite des Dachsberges großenteils aus der Aufarbeitung 
und Verknetung einer etwas älteren Tonmergelablag-erung 
mit Hauptterrassenschottern entstanden und größtenteils 
ebenso intensiv eisenschüssig- verwittert sind, 
als die Hauptterrassenschotter selbst, also auch schon aus 
diesem Grunde nicht aus der sehr viel jüngeren Mittel- 
terrassenzeit stammen können, da wir sonst aus dem g-anzen 
jüngeren Diluvium derartig intensive Zersetzungen und Ver- 
witteiningserscheinungen nicht kennen. 

Ebenso intensiv verwittert und eisenschüssig zersetzt, 
wie die gestauchten, aufgefalteten Hauptterrassenschotter am 
Hülserberg selber, sind aber auch die diskordant davon ab- 
setzenden horizontal gesclüchteten, groben Schotter auf der 
Südwestseite des Hülser Berges, in dem südlichen Teil 
der großen Carstenjenschen Kiesgrube, die durch eine dünne, 
Tonmergel-8) bzw. Mergelsaiidbank von den unterlagernden, 
tiefstliegenden, ganz hellen, unzersetzten Deckenschottern 
getrennt werden. Auch sie, deren Oberfläche wesentlich 
niedriger liegt, als die aufgefalteten Terrassenschotter, sind 
wegen dieser, ihrer tieferen Lage und ihres diskordanten 
A.bsetzens gegen den aufgefalteten Teil der Hauptterrassen- 
schotter vton P. G. Krause als Mittelterrassenschotter an- 
gesprochen worden. Bedenkt man aber, daß kaum 400 m 
weiter nördlich bzw. nordwestlich von der Bahn und der 
Carstenjenschen Kiesgrube, in dem Bahneinschnitt, in dei-- 
selben Höhenlage der Mittelterrasse ebenso horizontale, aber 
völlig frische, unzereetzte und meistens wesentlich 
feinere Schotter anstehen, So wird der grundverschiedene 
Erhaltungszustand von zwei sonst gleichen und unter den 
gleichen Umständen in gleicher Höhenlage und in so sehr 
geringer Horizontalentfeimung von einandei" abgelagerten 
Schottern völlig unbegreiflich, wenn man ihnen auch das 
gleiche Alter zuschreibt. Meines Erachtens erklären 

«) Diese Tonmergelbank ist tcotz einer dag:egeu sprechenden, 
offenbar auf einem Erinnerungsfehlei- beruhenden Angabe von 
P. iG. Keause (1. c. 192) tatsächlich vorhanden, von mir im Herbst 
1918 sehr gut beobachtet und durch eingesammelte Proben belegt 
worden. Wie ich hier anhangsweise bemerken möchte, ist der im 
Liegenden der Hanptterrassenschotter befindliche Tegelenhorizont, 
in [Form eines fetten, blaugrauen, pflanzenführenden Tones von 
mindestens 1,20 m Mächtigkeit sehr schön in der Südostecke von. 
Blatt iNieukerk, südwestlich von Tönisberg beim „Helder", an 
der Chaussee von Hüls nach Nieukerk, entwickelt, wo er einen 
ausgesprochenen Quellhorizont bildet und im Herbst 1918 vorüber- 
gehend recht gut aufgeschlossen war. 



— 28 ^ 

.sich diese Verhältnisse, über die schon sioviel Diskussionen 
stattgefunden haben^), am einf.-iclisten, wenn man die hellen 
frischen, unzersetzten Schotter im Bahneinschnitt, nord- 
westlich der Carstenjenschen Grube, als die wirklichen 
Mittelterrassenschotter ansieht; die in gleicher Höhenlag-e 
in der südlichen Cai'stenjenschen Grube auftretenden, 
intensiv eisenschüssig zersetzten, groben Schiotter dagegen 
als jüngste Hochterrassenschlotter, (wie auch schon von 
Steegee angenommen wurde), die sich ganz am Schluß 
der Hochterrassenzeit nach Ablagerung der hochliegenden, 
stauchenden Moräne noch absetzten, bzw. vielleicht noch 
ebenso wie die Sclibtter auf der Nordseite des Dachsberges 
später teilweise denudiert und so mit ihrer Oberfläche in 
ein etwas niedrigeres Niveau gebracht sind. Jedeinfalls 
müssen sie noch denselben intensiv ferretisierenden Klima- 
einwirkungen ausgesetzt gewesen sein, wie die andern 
Hauptterrassenschotter und so viele der norddeutschen, 
haupteiszeitlichen „unterdiluvialon" Ablagei"ungen, und diese 
ferretisierenden Klimaeinwirkungen sind nach allem, was 
wir aus Norddeutschland und dem Alpengebiet wissen, an 
die letzte Interglacialzeit gebunden gewesen. Auch in dem 
Zwischengebiet zwischen Schleswig-Holstein und der nörd- 
lichen Lüneburger Heide einerseits und dem Niederrhein- 
g(e,biet andererseits, so z. B. bei Oldenburg Un(d in den Dammer 
Bergen, habe ich ganz genau dieselben auffälligen, intensiv 
eisenschüssigen intei'glacialen Ver^vitterungserscheinungen in 
den altdiluvialen Ablageningen beobachten könneni") und ge- 
nau derselbe Gegensatz wie zwischen den intensiv eisen- 
schüssig zersetzten Hauptterrassenschottern und den unter- 
lagernden, ganz hellen unzersetzten, ältesten Deckenschottern 
des Niederrheingebiest findet sich auch z. B. im Ockergebiet 
zwischen den eisenschüssig zersetzten Hauptterrassenschot- 
tern der Ocker bei Braunschweig- Wolfenbüttel- Mascheix>de 
usw. und den unterlagernden hellen ältesten Diluvial- 
schottern, was auch scluon seiner Zeit von Harbort>i) und 

') Steeger: Der geologische Aufbau und die Entstehung des 
Hülser Berges. Kiefeld, 1913, S. 46. — Derselbe : Beziehungen 
zwischen Terrassenbildungen und Glacialdiluvium. Krefeld, 1913, 
Krause a. a. O. 

1'') C. Gagel: Über altdiluviale Endmoränen in Ostt'riesland 
und Oldenburg. Jahrb d. pr geol. Landesanstalt. 1919. XXXIX, 
Teil I. S. 20. 

11) E. Hakbout; Bericht über die wissenschaftlichen Ergeb- 
nisse der Aufnahmen in Braunschweig. Jahrb. d. pr- geol. Landes- 
anstalt, 1912, Teil II, S. 498. — Derselbe: Über die Gliedei'ung 
des Diluviums in Braunschweig, ebenda. 1914. 11. S. 283 — 285. 



- 29 ~ 

KocKENi-) betont worden ist, wenn auch Kockbn die Altere- 
verliältnisse nicht erkannt und unrichtig g-edeutet hat. Ich 
möchte allerdings, in nicht völliger Übereinstimmung mit 
Hakbort, diese hochgradig verwitterten und zersetzten 
Schotter und Moränenreste der Ockerhauptterrasse nicht 
als interglacial umgelagerte, sondern als rein glacial©^ 
nur interglacial verwitterte Ablagei-ungen deuten! Daß 
die Ferrettobildungen im Alpinen Diluvium mit den nord- 
deutschen interglacialen Vervvitterungszonen in jeder Weise 
übereinstimmen, ist schon mehi'fach nachgewiesen und be- 
tont wbrden. Die außeroi-dentlich weite, durchgehende Ver- 
breitung dieser Ei"scheinungen in so weit ausednander- 
liegenden und sonst so vorscliiedenen Gebieten beweist 
also meines Erachtens, daß es sich hier nicht um belanglose 
Analogien, sondern um zeitlich und genetisch identische 
Vorgänge und "Wirkungen handelt, die in Norddeutschland, 
im Niederrheingebiet und auf beiden Seiten der Alpen in 
gleicher Weise aufgetreten sind. 

Es sprechen dazu noch die Hen-en Weuth, Flikokl^. 
P. G. Krause und Wilckens. 

Darauf wurde die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

Keilhack. P. G. Krause. Pomteckj. 

12) E Kocken: Diluvialstudien. Neues Jahhrbuch 1910. 



— 30 - 

Briefliche Mitteilungen. 

1. Zu welchen schweren Schäden führt eine 
. übertriebene Betonung der Geologie in der 
Geographie ? 

Von den Herren W. Bkanca und Em. Kaysi:k. 

Die Geographie ist, wie schon der Name besagt, die 
Beschreibung der Erde. Statt des Ausdrucks Erd- 
beschreibung gebraucht man mit Vorliebe auch den 
Namen Erdkunde. Diese Bezeichnung ist aber, wie von 
ßicHTHOFEN mit Kccht betont hat^), zu allgemein, da auch 
andere Wissenschaften, wie besonders die Geologie, den- 
selben Namen beanspruchen können. Zutreffender wäre 
nach ihm die Bezeichnung Erdoberfläclienkunde, 
weil die Oberfläche der Erde das eigenste Forschungsgebiet 
der Geographie ist. 

Wenn wir von dem Altertum absehen, in dem bereits 
zwei Richtungen der Geographie sich unterscheiden lassen, 
eine beschreibende und eine messende 2), so scheint Vakenius 
der erste gewesen zu sein, der in neuerer Zeit in seiner 
1650 erschienenen Geographia generalis, der er 
als Geographia specialis die Länderbeschreibung 
gegenüberstellte, eine mehr wissenschaftliche Behandlung 
des Stoffes anstrebte. Die Zeit war indes für eine solche 
noch nicht reif, und so kam es, daß die Geographie jauch 
nach ihm imd bis ins 19. Jahrhundert hinein ein wesentlich 
morphographisches Gepräge behielt. 

Mit dem Anfang des 19. Jahrhunderts wurden für die 
Weiterentwicklung der Geographie in Deutschland besonders 
zwei Männer maßgebend, K. Ritter und A. v. Humboldt. 
Während der Erstgenannte, seiner historischen Vorbildung 
gemäß, die Erde in erster Linie als Schauplatz des Lebens 
und der Geschichte des Menschen betrachtete und dadurch 
die Geograplüe zu einer Schwestei'wissenschaft der G^ 
Schichtskunde machte, legte A. v. Humboldt als Natur- 
forscher das Hauptgewicht auf die naturwissenschaftliche 
Seite dieser Wissenschaft und wurde damit zum eigent- 



1) Aufgabe und Methoden der heutigen Geographie, Antritts- 
rede. Leipzig 1883. 

2) Nämlich die Gestalt der Erde und ihre Stellung zu den 
Gestirnen bestimmende. 



— 31 — 

liehen Begründer der physikalischen oder physischen Geo- 
graphie. Heute unterscheidet man nach dem Vorgange 
von ihm und Varenius wohl allgemein zwischen einem 
wesentlich beschreibenden Hauptteil der Geogi-aphie, der 
Länder- und Völkerkunde, und einem allgemeinen, der 
allgemeinen oder physischen Geographie. 

Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts hat aber, im Zu- 
sammenhange mit dem großen Aufschwünge dei- Natur- 
wissenschaften, in der Geographie die ihr von Humboldt 
vorgezeichnete naturwissenschaftliche Richtung immer mehr 
die Oberhand über die tiistorische erlangt, was auch darin 
zum Ausdruck konuut, daß von den heutigen Vertretern 
der Geographie an den Hochschulen die meisten sich der 
naturwissenschaftlich-mathematischen Abteilung unserei- 
philosophischen Fakultäten zui^echnen. 

Den Höhepunkt ilirer Entwicklung zu einer auf natur- 
wissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Wissenschaft hat 
die Geographie wohl mit F. v. Richthofen erreicht. Astro- 
nomisch-physikalische Geographie, Klimatologie, Meeres- 
kunde, Tier- und Pflanzen-Geographie, Länder- und Völker- 
kunde, Anthropologie und Ethnogi'apliie, zu denen dann in 
neuester Zeit noch die immer wichtiger werdende Wirt- 
schaftsgeographie liinzukommt — sie alle werden von 
Richthofen und seinen Schülern als der Geogi^aphie nahe- 
stehende Wissenschaften, wenn nicht gar als Zweige dieser 
Wissenschaft betrachtet, die in ihr alle zu einer Einheit 
verbunden werdem durch die Einheitliclikeit des leitenden 
Gesichtspunktes, ihre kausalen Wechselbeziehungen zur 
Erdoberfläche 3). 

Besonders nahe aber sind für Richthofen und die 
meisten neueren Geographen die Berühiaingen der Geo- 
grapliie mit einer bisher noch nicht genamiten Wissenschaft, 
nämlich der Geologie, deren ciußerordentliche Bedeutung 
für die Erdkiulde v. Richthofen immmer wieder und wieder 
betont hat*). Trotzdem bestehen nach ihm zwischen beiden ' 

3) Vergleiche außer dem bereits oben angeführten Aufsatze 
V. RiCHTHOFENs auch dessen Vortrag über die Triebkräfte und 
Richtungen der Erdkunde im 19. Jahrhundert. Rede bei Antritt 
des Rektorats, Berlin 1903. 

4) Man kann, sagt v. Richthofen z. B. einmal, keinen Teil der 
Landoberfläche verstehen, ohne wenigstens einigermaßen einen 
Einblick in die geologische BeschafTenheit und die Vorgänge, 
welche gestaltend auf sie wirken, gewonnen zu haben. Abschnitt: 
, .Geologie" in Neumayers Anleitung zu wissenschaftlichen Beobach- 
tungen auf Reisen. Berlin 1875, S. 231. 



— 32 — 

Wissenschaften ganz wesentliche inetho(liscli<' rnterschiede; 
denn, wenn sicli auch beide in erster Linie niit d'er Kr- 
ibrschung der Erdrinde beschäftigen, so ist doch die Art 
der Betrachtung des Geographen eine ganz andere, als die 
des Geologen. Jener soll die Erdoberfläche als etwas 
Gegebenes auffassen, dieser dagegen als 
etwas Q e w o )" d e n e s. Der Geologe sucht den 
heutigen Zustand d e i" Erde aus dem Zustande 
früherer Erdepochen zu e];klären, während 
der Geograph sich um diese nicht weiter zu 
bekümmern ha t. 

Indes, obgleich dem so ist, wurde die neuere Geographie 
dennoch von einigen ihrer Vertreter mehr und mehr nach 
der geologischen Seite hin geschoben. Das erklärt sich 
leicht durch die Tatsache, daß in Deutschland eine Anzahl 
neuerer Geographen ursprünglich von der Geologie aus- 
gegangen war und daß diese nun bei ihrem Übertritt zur 'Geo- 
graphie, der eine mehr, der andere weniger, eine geolo- 
gische, also eine die historische Entwicklung der Formen der 
Erdoberfläche in den Voi'dergrund schiebende Betrachtungs- 
weise als für die Geogi^aphie notwendig erachtete. Auf ame- 
)"ikanisclier Seite gehört Davis zu diesen geologischen &oo- 
graphen; wie denn überhaupt in Amerika die 
in Deutschland zum Segen beider Wissen- 
schaften schon vor einer Anzahl von Jahr- 
zehnten durchgeführte scharfe Unter- 
scheidung zw^i sehen geologischen und geo- 
graphischen Professuren anscheinend ganz 
im Argen liegt. Wer in Keilhacks Geologenkalender 
die Zahl der ¥amen der Professoren der Geographie an 
den Hochschulen der Vereinigten Staaten von Nordamerika 
aufsuchen w^ollte, würde erstaunen zu sehen, daß dort 
scheinbar fast gar keine Professoren der Greographie vor- 
handen sind; denn von den 90 und einigen hohen und 
niedrigen ,, Hochschulen" der Vereinigten Staaten, die der 
Kalender aufzählt, verzeichnen über 80 keinen Professor 
der „Geographie". Nur 10 nennen einen solchen; aber 
auch von diesen Lelu'stühlen gehörten 8 nur einem 
,, Assistent-Professor" an und nur 2 sind ordentliche 
Professoren der G e o g r a i:i hie! 

So war auch der soeben genannte Davis, der namhafteste 
Geograph der Vereinigten Staaten, wenn nicht der Jetztzeit 
überhaupt, ursprünglich Professor der Geologie. Er war es,. 
der Ende der 80 er Jahre seine bekannte geographisch -^ 



— 33 — 

Methode auf geologischer Grundlage ausbildete., die Methode, 
die er die genetische oder erklärende Be- 
schreibung der Landformen genannt hat. Indeiii 
Davis die Gestalt der Landformen besonders in ihrer Ab- 
hängigkeit von den Abtragungsvorgängen auffaßte, gelangte 
er zu den dem Leben der Menschen entlehnten Benennungen 
jung, alt und reit (greisenhaft), die für lim ganz wesentlich 
verscliiedene Zustände der Abtragung und zugleich des 
Alters bedeuten. Eine große KoUe spielt bei Davis ferner der 
„Erosions-Zyklus", d. h. die Länge der Zeit, die zur Ab- 
tragung eines beliebig gestalteten Stückes der Erdoberfläche 
zu einem dem Meeresspiegel naheliegenden Flachlande, der 
sogenannten Peneplain, erforderlich ist. 

Die Davis sehen Lehi en haben sich auch nach Europa 
verbreitet, hier aber nur geteilte Aufnahme gefunden. Die 
Schüler von Penck und Brückner haben sie sich mit Be- 
geisterung angeeignet, während manche angesehene ältere 
Forscher, wie Kjiümmbl, Supan, Hettner, Passarge und 
andere, sie mehr oder, weniger bestimmt abgelehnt haben. 
Mit Recht macht Supan geltend, daß Davis' Erosions-Zyklus 
eine rein theoretische Annahme sei, die ungeheure 
Zeiträume und zugleich eine Festigkeit der 
Erdrinde ohne alle größeren tektonischen 
Änderungen voraussetze, was mehr als un- 
wahrscheinlich sei. Auch widersprächen diese 
Anschauungen der Lehre der Isostasie; denn wenn eine 
Erdscholle infolge von Abtragung fortgesetzt leichter werde, 
müsse sie dauernd in die Höhe streben, was zur Folge haben 
würde, daß die Erosion nie zur Ruhe käme. Passakge hat 
namentlich eingewendet ''), daß die viel gebrauchten Aus- 
drücke: jung, alt, reif doch nur Sinn hätten, wenn sie 
Zeitbegriffe darstellten. In Wirklichkeit aber hin- 
gen die Formen eines Tales, Berges, einer 
Meeresküste usw. nicht nur von. ihrem Alter, 
sondern meist in viel höherem Maße von 
allerhand anderen Bedingungen, wie Höhen- 
lage, Niederschlagsmenge, Art der Pflanzen- 
bedeckung und besonders Lagerung und 
Widerstandsfähigkeit der Gesteine ab. 

Da aber diese Bedingungen örtlich und zeitlich vielfach 
wechselten, könne z. B. ein und dasselbe Tal abwechselnd 
bald den Zustand der Jugend, bald den der Reife oder des 



5) Physiologische Morphologie, 1912. 



— 34 — 

Alters zeigen. Die fraglichen Ausdrücke seien daher nur 
hohle Schlagwörter, die indes (besonders in Händen junger, 
wenig erfahrener Geographen) gefährlich werden könnten, 
da sie dazu verführten, leichthin über eine Landschaft 
abzuurteilen, statt ihi^e Bildungsart durch genaue Unter- 
suchung klarzustellen. Überhaupt glauben die Gegner von 
Davis, bei aller Anerkennung seiner so unbestreitbar großen 
Verdienste, ihni und seiner Schule eine gewisse Einseitig- 
keit, eine Unterschätzung tiefergehender Naturbeobachtung 
vorwerfen zu müssen. Und nicht mit Unrecht: Davis 
erklärt ja selbst, daß die Beobachtung oder „Induktion" 
ergänzt werden müsse durch „Deduktion",, d. h. daß ein© 
zweckentsprechende genetische Betrachtung der Land- 
formen die Heranziehung „gedachter Formen" nicht ent- 
behren könne. 

Es bedarf aber wohl keiner w e i t e r e n A u s - 
führung, daß mit solchen erdachten Formen 
der Phantasie Tür und Tor geöffnet werdenl 
Davis' Versuch, die Geographie in dieser Weise auf 
das Gebiet der Geologie zu verschieben, kann somit nicht als 
segensreich für 'die Geographie betrachtet werden; und das 
muß immer stärker hervortreten, wenn — ■ wie so oft — [die 
Jünger auf der Bahn dieser Schule noch weitergehen als 
die Meister. 

Auf deutscher Seite ist es vor allem A. Penck, der .die 
Geogi'apliie immer weiter zur Geiologie hin verschieben 
zu sollen meint. Pencks Hauptlebenswerk besteht in der 
Erforschung der diluvialen Eiszeit und aller eiszeitlichen 
Erscheinungen im xllpengebirge, insbesondere in der Lehre 
von einer viermaligen Vergletscherung und von einer groß- 
artigen auskolkenden, Tal und See bildenden Tätigkeit des 
Gletschereises. Diese Arbeiten Pencks haben sich 
somit nicht auf eigentlich geographischem, 
sondern vielmehr auf .geologischem Boden 
bewegt. 

Nach beiden Richtungen hin sind aber die Ergebnisse 
seiner darauf bezüglichen Arbeiten jetzt dui'ch die Unter- 
suchungen dreier namhafter Geologen schwer erschüttert 
worden : 

Einmal hat nämlich kein Geringerer als A. Heim (Geo- 
logie der 'Schweiz, Lieferung IV, Leipzig 1917, bei Tauchnitz) 
es für nötig gehalten, den Anschauungen Pencks bezüglich 
der Übertiefung der Täler, also ihrer Auskolkung durch 
"Eis entgegenzutreten. Da diese Einwendungen von einem 



35 



so ausgezeichneten Kenner der Gletsclierwelt. wie Heim 
kommen, wird Pencx nicht umhin können, sich mit den 
zalilreichen, von dem Schweizer Greologen als beweisend 
angesehenen Tatsachen auseinanderzusetzen. 

Vernichtend aber für Pbncks Lehre ist das, was in 
allerletzter Zeit Dbeckb als Endergebnis ausgedehnter Unter- 
suchungen in einwandfreier Weis© festgestellt hat. 

Erinnern wir uns, daß schon E. Geinitz, Fr. Feech, 
R. Lepsius, E. V. Drygalski und andere sich gegenüber 
Pencks Lehre von einer viermaligen Vergletscherung für 
eine nur einmalige, einheitliche Vergletscheining mit klei- 
neren Schwankungen ausgesprochen haben. Nun gesellt 
sich ihnen noch Deecke hinzu. Zwar behauptet er -nicht 
direkt wie Jene, daß die Eiszeit, wenn auch mit kleineren 
Schwankungen, nur eine einmalige gewesen sei. Er sagt 
vielmehr zunächst nur: Bindende Beweise für eine vier- 
malige Vergletscherung fehlen; die von Penck erbrachten 
vermeintlichen Beweis© sind aus sogleich aufzuführenden 
Gründen keine. Es liegt wedor „in Baden noch 
ebenso wenig in O b e r b a y e r n und in der 
Schweiz ein wirklicher strikter Beweis für 
mehrere Eis- und Inter glazi alzei t e n vor*5)." 
,,Das Eis Zeitproblem . . . muß unbedingt vom 
geologischen Standpunkt aus neu aufgerollt" 
werden, um es zu befreien von den IiTtümern, die durch 
das Ungenügende der geographischen Forschungsart in 
geologischen Fragten entstanden sind. Penck gründet nävA- 
lich seine Lehi'e von den vier diluvialen Eiszeiten und den 
dazwischen liegenden drei Tnterglazialzeiten einmal auf die 
verschiedene Höhenlage der Schotter, zweitens auf deren 
verschiedenen Verwitterungsgrad, drittens auf ihre Über- 
lagerung durch Löß. In unwiderleglicher Weise zeigt nun 
Deecke das Fehlerhafte, Unzureichende der geographischen 
Methode gegenüber diesen geologischen Fi^agen. Denn die 
Verkittung der Schottermassen zu Konglomeraten und die 
als Fen-ettisierung bezeichnete Verwitterungserscheinung 
dieser Konglomerate sind ja nichts als „ein Grundwasser- 
problem" . . .; „niemals daher darf Verwitterung ein Alters- 
kriterium sein", als welches Penck es ansieht und dann 
seine Folgerungen darauf aufbaut; und ,,w3r in glazialen 
Ablagerungen Versinterung trifft, muß sich erst fragen. 



6) Geologie von Baden, Bd. II, 1917, Seite 604—631, Exkurs 
über das badische Glazial. 

3* 



36 



woher diese rühren kann, ehe er sie chrono log-isch ver- 
wertet", wie Penck das ohne weiteres tut. 

So sind also diese drei, von Penck zum Er- 
kennen von vier au f ei nander f o Ig-e n de n Ver- 
gletscherungen angewendeten Beweismittel 
in Wirklichkeit, vor dem R i c h t e r s t u h 1 des 
Geologen, keine solchen, daß man ©in ver- 
schiedenes Alter daraus folgern dürfte. Aber 
noch viel mehr: Deecke zeigt ferner, daß ein 
geolbgischer Fakfor von höchster Wi c h t i g - 
k e i t für die Gestaltung der Erdoberfläche, 
für Veränderungen der Höhenlage, daher für 
die ganze Beurteilung der glazialen Frage, 
i n Pencks betreffenden eiszeitlichen Arbeiten 
mehr oder weniger g a n z^ vernachlässigt wor- 
den ist. Das sind die tektonischen Bewegungen d e i- 
Erdrinde, die sich während der quartären 
Zeiten an verschiedenen Stellen deis ver- 
gletscherten Gebietes in verschiedenem 
Maße vollzogen haben. 

Die ganze, von Penck gegebene Gliede- 
rung der Terrassen und des Lößes, auf die 
er seine L e h r C' von der viermaligen V e r - 
gletscheruhg der Alpen gründet, ist daher, 
w i e Deecke zeigt, eine rein morphologische, 
also zur Lösung einer geologischen Aufgabe 
g a ] i z unzureichende; sicher lassen sich 
T e r 1' a s s e n und Löß n u i' gliedern mit Hilfe 
von Leitfossilien und in diesem Falle von 
Säugetieren." 'Das kann aber nur der Geologe leisten, 
nicht der Geograph. „Das Eiszeitphänomen", sagt Deecke, 
„ist eine geologische Erscheinung in einer geologischen 
Periode und muß, unter Berücksichtigung bekannter geolo- 
gischer Vorgänge, nicht als etwas Isoliertes betrachtet 
werden." 

Es dürfte keinen G e o 1 o g e n g e b e n , der 
diese Erklärung Deeckes nicht voll und ganz 
als richtig unterschriebe. Zur Untersuchung rein 
geologischer Dinge ist eben allein der Geologe befähigt, 
nicht der Geograph. 

M i t d e m o b e n W i e d e r g e g e b e n e n aber wirft 
Deecke den Arbeiten Pencks, trotz aller son- 
stigen Anerkennung sehr viel Schwereres 
vor, als die vorher genannten Verteidiger 



— 37 —* 

einer ei nlie i 1 1 ic lie n Eiszeit es tun; denn selbst 
wenn Pexck mit der viermaligen Vergletscherung Recht 
hätte, sio würde trotzdem Deeckes vernichtendes Urteil über 
die von Pbnck angewandte unzureichende Metliode be- 
stehen bleiben. 

Gleich nach dieser Arbeit Deeckes ist nun eine größere 
Arbeit von Rothpletz erschienen, '') in der auch dieser 
Forscher zu dem gleichen Ergebnis kommt, daß die tek- 
tonischen Bödenbewegungen, die während des Diluviums 
eingetreten sind und die auf die Gestalt der Vorlandgletscher 
ihre Erosions- und Absatztätigkeit und damit auch auf die 
heutige Morphologie der Gegend einen sehr großen Einfluß 
ausgeübt haben, von Penck, Brückner und deren Schülern 
nicht entsprechend ihrer außerordentlichen Bedeutung 
gewürdigt worden sind. B,othpletz hatte das bereits 
im Jahre 1900 betont«). Gleiche Zweifel wie Deecke 
hat EoTHPLETz sodann auch gegenüber Pencks Lehre 
von einer viermaligen V e r g 1 e t s c h e r u n g. Be- 
weise für dessen beide ältesten Vereisungen, die Mindel- 
und Günzzeit, vermag er ebenso wenig in seinem Gebiete 
zu finden, wie Deecke in dem seinigen. 

Die Arbeiten von Heim, Deecke, Rothpletz — 
und das sind wohl erst die Anfänge dieser 
Bewegung — zeigen also, daß die PENCKsche 
Methode in gelalogischen Fragen versagt hat 
und versagen mußte. 

Warum? Warum sollte denn der Geograph alles Nötige 
nicht ebensio gut erlernen und anwenden können wie ein 
Geologe? Selbstverständlich kann er das, aber — dann 
kann er eben kein Geograph mehr sein, sondern ist ein 
Geologe ; und er würde somit unter falscher Flagge segeln, 
wenn er sich dann noch Geograph nennen wollte. 
Auch der G e o g r a ]i h ist ja kein Übermensch 
derart, daß er gleichzeitig zwei so große 
Wissenschaftern, wie die Geographie und die 
Geologie, beherrschen könnte. Die Geogra- 
phie hat sogar sehr viel "mehr als andere 
Wissenschaften bereits einen so riesen- 
haften Umfang, betrachtet schon eine so 



') Die Osterseen und der Isargletscher: Mitteilungen der 
Geographischen Gesellschaft in München, Bd. 12, Heft 2, Nov. 1917, 
S. 99 — 364 im besonderen S. 292 usw. 

8) Schriften d. Ver. f Geschichte des Bodensees, Heft 29, 1900 
und Umschau 1901 Nr. 11, S. 210. 



' '— 38 ^ 

ü b e r g- r o ß e Zahl der verschiedenartigsten 
wissenschaftlichen Gebiete als zu ihr ge- 
hörig, daß gerade umgekehrt weit eher der 
Lehrstuhl der Geographie in eine ganze An- 
zahl von Lehrstühlen geteilt werden müßte, 
als daß der Geograph auch noch mehr oder 
weniger große Teile der Geologie in sein 
Gebiet einbeziehen könnte und dürfte. Es wird 
keiner ein Geologe dadurch, daß er in seiner Jugend einmal 
Geologie studiert hat. Er muß vielmehr auch dauernd in 
der Geologie gestanden und darin geblieben sein und sich 
nur ihr gewidmet haben, wenn er mit Erfolg weiterarbeiten 
will. Wenn er dagegen amtlich gezwungen ist, die Geo- 
graphie als Lebensaufgabe zu betreiben, so kann er 
nicht noch so nebenbei vollwertige geologische Arbeit 
leisten — er müßte denn die Geographie ganz ver- 
nachlässigen. 

Es wäre erstaunlich, wenn die Übelstände, die sich aus 
dem übermäßigen Drängen einzelner Geographen nach der 
Geologie liin ergeben, nur von Geologen, nicht aber auch 
von manchen Geographen erkannt sein sollten. In der 
Tat sind denn auch von geographischer Seite 
Einsprüche gegen ein solches Auswachsen 
der Geographie in die Geologie hinein er- 
hoben worden. 

Vor allem ist es kein Geringerer als W. M. Davis, der die 
Neigung, die Geographie immer weiter nach der geologischen 
Seite hin zu verschieben, so scharf verurteilt, daß man 
deutlich erkennt: selbst eine so geologische 
Eichtun g der Geographie, wie sie durch Davis 
verkörpert wird, will weit abrücken von dem 
Wege, den Penck und andere eingeschlagen 
haben, weil sie ihm als verderblich für die 
Geographie erscheint. Davis tut das in seiner 
Besprechung 9) einer Arbeit von Paul Geöbbr: Der südliche 
Tien-Schan, die von A. Penck in seinen geographischen 
Abhandlungen i») veröffentlicht worden ist. 

Davis sagt inhaltlich ungefähr das Folgende: Die Geo- 
graphen bedauern, wenn sie sehen müssen, daß die Geologie 



y) Referat von W. M. Davis in Geographica! Review publ. by 
tlie American Geographica! Society of New Yorli, Sept. 1918, Vo!. 11 
Nr. 3, S. 240-241. 

10) Bd. 10, 1914 Nr. 1, VI und 104 Seiten mit zahlreichen 
Abbildungen. 



— 39 ~ 

die führende Rolle erhält in einem Buche, dessen Titel es 
doch als ein geographisches bezeichnet. Dieses Buch bringt 
auf den ersten 68 Seiten ein© rein geologische Beschreibung 
des Gebietes mit einer Fülle von geologisch-technischen 
Ausdrücken. Darauf folgen neun der Zusammenfassung ge- 
widmete Seiten und acht Seiten mit Verallgemeinerungen. 
Wenn der Verfasser dann endlich zur Geographie kommt, 
so findet man diese behandelt auf nur 12 Seiten, und ihr 
Inhalt zeigt, daß dem Verfasser geographische Probleme 
erst in zweiter Linie stehen gegenüber den geologischen . . . 
15 Diagramme erläutern den geologischen Text, kein 
Diagramm den geographischen, dem sie sehr nötig wären . . . 
Geographisch läßt die Arbeit viel zu wünschen übrig. Man 
muß bedauern, sio schließt Davis, daß der Direktor 
eines führenden geographischen Institutes 
(Penck) so viele Seiten seiner führenden 
geographischen Zeitschrift einer anderen, 
ja schon blühenden Wissenschaft, der Geo- 
logie, zuwendet und der Geographie, die es 
nötig hätte und für die er berufsmäßig ver- 
antwortlich ist"), raubt. Das ist in Kürze der hier 
in Betracht kommende Teil des DAvisschen Berichtes. 

Gewiß gibt es Grenzgebiete zwischen den verschiedenen 
Wissenschaften. E i n solches Grenzgebiet zwischen Geologie 
und Geographie ist die Morphologie, die einige heutige 
Geographen sogar als alleiniges Besitztum der Geographie 
in Anspruch nehmen wollen. Mit Unrecht. Schon der 
Geologe Carl Friede. Naumann hat in seinem bekannten 
Lehrbuche der Geognosie i^) nicht weniger als etwa 70 Seiten 
der Morphologie gewidmet. Die Sache liegt hier so, daß 
für die Geographie die äußeren Formen der Erdoberfläche 
die Hauptsache sind; der innere, geologische Aufbau und 
die Genesis interessieren die Geographie nur insioweit, als 
sie zur Erklärung der Formen herangezogen werden können. 
Für die Geologie liegt die Sache umgekehrt; hier ist der 
geologische Aufbau die Hauptsache und die Formen der 
Erdoberfläche mehr nebensächlich.. Auch v. Richthofen i3), 
der doch seiner ganzen Ausbildung nach Geologe war, 
hat, wie schon oben hervorgehoben, ausgesprochen, daß 
das Forschungsgebiet der Geographie nur die Erdober- 



11) For which he is professionally responsible. 

12) Bd. I, Leipzig 1858. 

^3) V RiCHTHOFEN, Aufgaben und Methoden der Geographie, 
Universitätsprogramm, Leipzig. 



— 40 — 

fläche sei, also nicht das Grebiet u n t e r der Erdober- 
fläche, und er hat in seiner Lehrtätigkeit diese Grenze 
stets streng- betont und innegehalten. 

In Nordamerika betrachten wbhl die meisten Greologen 
die Morphologie als zur Geologie gehörig und stehen 
deshalb in lebhaftem Widerspruch zu Davis, der sie ganz der 
Geogi^aphie angliedern will. Dort sind eben die Vertreter 
der allgemeinen Geologie nicht, wie in Deutschland, noch 
mit der Paläontologie belastet; und das ist der Grund, wes- 
halb bei uns diese Geologen die Morphologie in ihren Ar- 
beiten bisher mehr vernachlässigt hatten. Sobald aber ein- 
mal bei uns die Trennung der allgemeinen Geologie von 
der historischen Geologie + Paläontologie durchgeführt 
sein wird, werden auch die allgemeinen Geologen der 
Morphologie als einem Teil© der Geologie mehr Aufmerksam- 
keit zuwenden. Dadurch, daß das zur Zeit noch 
nicht in wünschenswertem Maße geschehen 
ist, kann jedoch die M o i" p h o 1 o g i e ihre Zu- 
gehörigkeit zur Geologie nicht verloren 
haben; denn diese Zugehö rigkeit wird durch 
sachliche Grund© bedingt und hängt nicht etwa 
davon ab, tob dieser oder ob jener auf dem Gebiete der 
Morphologie gearbeitet hat oder nicht. 

Auch die Geophysik ist bis zu einem gewissen 
Grade ein Grenzgebiet zwischen Geologie und Geographie. 
Die Vertreter beider Wissenschaften wollen sie für sich 
in Anspmch nehmen. Die Tiefen der Erde sind 
indes zu innig mit der allgemeinen Geologie 
und der Petrographi© verknüpft, als daß das 
Problem der Beschaffenheit des Erdinner n 
in erschöpfender Weis© einseitig vom Geo- 
physiker gelöst werden könnte; es bedarf 
dazu der Mitarbeit des Geologen. 

Ebenso ist die Betrachtung des Erdmagnetismus; 
mehr eins Sache der Geologie, und nur die magnetischen 
Störungen sind zur Geographie gehörig; und ähnlich ist die 
Frage nach dem spezifischen Gewicht der Erde 
mehr geologischer Natur, da sie auf das Engste mit 
der Frage nach der Beschaffenheit des Erdinnern zu- 
sammenhängt. 

Wenn nun solche Grenzgebiete zwischen Geologie und 
Geogi^aphie bestehen, und wenn es an und für sich jedem 
Träger der freien Wissenschaft gestattet sein muß, sich 
in seinen Arbeiten frei zu bewegen, wohin er will, voraus- 



■— 41 — 

gesetzt, daß er wirklich die dazu nötig-en Kenntnisse voll 
und ganz besitzt, so sind doch die Vertreter der Geologie 
und die der Geographie in ilireni Amte an den Universi- 
täten und Hochschulen in Deutschland nicht frei. Sie sind 
bei uns eben nicht bloß Forscher, sondern zugleich auch 
Lehrer und damit einerseits Staatsdiener, andererseits An- 
gehörige des Professorenkollegiums. Damit aber liegen 
ihnen nach zwei Richtungen hin Pflichten 
ob, nämlich gegen ihre Schüler und gegen 
ihre Kollegen: 

Bei ihren Schülern dürfen sie nie Zweifel darüber auf- 
kommen lassen, wio die Grenzen der von ihnen vertretenen 
Wissenschaften zu ziehen sind. Mag ein Lehrer der Geo- 
gi^aphie noch so große geologische Neigungen haben, so 
steht ihm doch das Recht zu deren Betätigung nur für 
seine 'eigenen Arbeiten zu, nicht aber darf er auch 
bei seinen Schülern die Vorstellung er- 
wecken, diese soder jenes Gebiet der Geologie 
gehöre eigentlich zur Geographie. Das gleiche 
gilt natürlich für den Geologen mit etwaigen geographischen 
Neigungen. 

Den Vertretern beider Wissenschaften erwächst aber 
weiter auch die Pflicht, sich doch immer möglichst auf die 
eigene Wissenschaft zu beschränken aus dem weiteren 
Grande, weil ein Übergreifen auf das Gebiet der 
Schwesterwissenschaft sehr leicht zu einer 
Trübung des kollegialen Verhältnisses füh- 
ren kann, wie das nach unseren Erfahrungen 
schon mehrfach dur ch Ü ber gr e i f e n von geo- 
graphischer Seite eingetreten ist. Denn, da es 
eine alte Erfahrung ist, daß man gerade auf denjenigen 
Gebieten, die man ohne umfassende eigene Kenntnisse 
nur als Liebhaberei betreibt, sein Können und Wissen zu 
überschätzen geneigt ist, so kann diese Überschätzung des 
eigenen mangelhaften Wissens sehr leicht eine Quelle von 
Mißhelligkeiten aller Art zwischen den Kollegen werden, 
deren einträchtiges Zusammenarbeiten im Interesse der 
Sache doch dringend erwünscht sein muß. 

Endlich noch ein Drittes und Schlimm- 
stes: Wenn der Geograph sich für einen Geo- 
logen hält und sein Fach nach dieser Seite 
■hin zu verschieben trachtet, dann bekommt 
die betreffende Hochschule schließlich zwei 
Geologen, behält aber keinen wirklichen 



4-^ 



Geographen; und wenn dann an manchen Hochschulen 
nur solche geologische Geographen herangeziogen werden, 
so steigert sich dieser Übelstand mehr und mehr. Darunter 
müßte aber die Sache außerordentlich leiden, denn un- 
sere Hochschulen brauchen notwendig Bei- 
des: einen wirklichen Geographen neben 
einem wirklichen Geologen. 

Stellen wir zum Schluß noch einmal die Aufgaben 
beider Wissenschaften einander gegenüber, so ergibt sich: 
Die Greologie hat alle im Laufe der Zeit aufeinander gefolgten 
Entwicklungsstadien der Erde zu betrachten und die Kräfte 
kennen zu lehren, durch die diese Veränderungen, diese 
Entwicklung bewirkt wurden. Die historische Ent- 
wicklung der Erde gehört also unweigerlich 
in das Gebiet der Geologie. Geologie i s t TE n t - 
Wicklung sges chic lite der Erde, folglich auch 
Entwicklungsgeschichte der Erdoberfläche 
und ihrer Formen. 

Geographie dagegen ist die Kenntnis -s'on 
der Erdoberfläche und deren Beziehungen 
zur Natur, der Lebewelt und ganz besonders 
zum Menschen; und namentlich die gewaltige Wichtig- 
keit der wirtschaftlichen Beziehungen tritt heute mehr und 
mehr in den Vordergrund und fordert gebieterisch vom Geo- 
graphen den Ausbau dieses G-ebietes. An der Eichti^keit 
dieser Definitionen wird kein Sachverständiger zweifeln. 
Ist dem aber so, danffi darf ihnen nicht nur mit dem Munde 
und auf dem Papier Gültigkeit zugesprochen werden, sondern 
die Berliner &eographenschule muß sich auch mit der Tat 
danach richten. Wo bleibt denn die Pflege aller 
Beziehungen der Erde zum Menschen bei 
einer Geographenschule, die mehr und mehr 
geologischen Neigungen nachgeht? Not- 
wendig muß, wenn das Hindrängen zur Geo- 
logie anhält, die eigentliche G ao g r a p h i e im 
selben Maße verkümmern, verschwinden und 
an deren Stelle ein Etwas treten, das mehr 
oberflächliche Geologie als Geographie ist. 
Es liegt doch auf der Hand, daß derjenige, 
der „Geo lo g- G eo gr aph" oder „Geo gr ap h - Geo - 
log" sein will, vbll und ganz weder Geolog- 
noch Geograph, sondern nur ein Zwischen- 
ding zwischen beiden ist. 



— 43 — 

Aber selbst angenommen, eine G-eographenschule machte 
die besten gieolo-^schen Arbeiten der Welt — würde denn 
dadurch die Geog^raphie giefördert, würden die Beziehungen 
der Erdoberfläche zum Menschen erkannt? 



Bei der Besetzung" geog-raphischer Lehr- 
stühle werden alle maßgebenden Personen 
nicht umhin können, sich die obengenannten 
Dinge vor Augen zu halten, wenn Schaden 
verhütet werden soll und wenn wir nicht 
mehr und miehr auf Verhältnisse zurück- 
geschoben werden sollen, wie sie an den Hoch- 
schulen Nordamerikas üblich sind, wo, wie 
Seite 32 zeigt, eine strenge Scheidung zwi- 
schen Geographie und Geologie für die Lehr- 
stühle garnicht zu bestehen scheint. Zweifel- 
los führt uns die PENCKsche Eichtung der Geo- 
graphie mit Riesenschritten rückwärts zu 
solchen nordamerikanischen Verhältnissen 
und damit zu den schweren Übelständen, die 
oben geschildert worden sind, und unter 
denen auch die Geologie leiden muß. 

In seiner inzwischen erschienenen Rektoratsrede (A. 
Pbnck, Die erdkundlichen Wissenschaften an der Universität 
Berlin, akadem. Rede zum 18. August 1918, Berlin 1918) 
berichtet A. Penck (S. 11), daß in der Zeit von 1867—92 
an der Berliner Universität neben Beyrichs Ordinariat für 
„Geologie und Paläontologie" noch eine zweite Professur (erst 
Extraordinariat, dann Ordinariat) „für Geologie" bestanden 
habe, die Justus Roth innehatte. Diese Mitteilung muß 
irreführen, da man unter ,, Geologie" die allgemeine und 
historische verstehen muß. Roth aber hat nie etwas 
anderes in seinen Vorlesungen und Arbeiten vertreten, als 
allgemein Geologisches. Er war somit die Ergänzung zu 
Beyrich, der umgekehrt nur historischer Geolog und 
PaläontoLog war. Es b e s t a n'd en folglich nicht, 
wie A. Pbnck sagt, in Berlin zwei Lehrstühle 
für „Geologie". Ob etwa der Lehrauftrag Roths wirk- 
lich für „Geologie" lautete oder anders gefaßt war, können 
. wir von! hier aus nicht feststellen. Aber selbst wenn dem 
so gewesen wäre, so würde Roth doch nur dem Buch- 
staben nach für „Geologie" angestellt gewesen sein, dem 
Geiste nach aber nur für ,. allgemeine Geologie". 



— 44 ~ 

Ganz ebenso mißverständlich ist das, was A. Penck 
aul S. 39 bezüglich der heutig-en Verhältnisse in München 
sag-t. B-OTHPLETz mag in seinem Testament, in dem er 
eine Summe für die Zweiteilung der hiesigen Professur 
für „Geologie unid Paläontologie" vermachte, von einer 
Teilung in „Geologie" und in „Paläontologie" gesprochen 
haben; wir wissen das nicht. Was er aber auf jeden Fall 
beabsichtigt und gemeint hat, darüber hat er sich in ga,r 
nicht mißzuverstehender Weise in München mündlich aus- 
gesprochen. Daraufhin ist denn auch von der Uni- 
versität in München die Zweiteilung in der' 
Weise beantrargt worden, daß einerseits 
eine Professur für „allgemei-ne Geologie", 
andererseits eine solche für ,,his to r is c he 
Geologie und Paläontologie" besetzt werden sollten. 
Dementsprechend wurde vom Ministerium entschieden. 

In: beiden Fällen also, vor Jahrzehnten 
in Berlin, jetzt in München ist die Teilung 
niclit so, wie A. Penck das befürwortet (1. „Crco- 
lo gie", d. h. allgemein e u n d bis to risc he , 2. ,,Pa- 
l äon to lögie") und wie das aus seinen obigen 
Worten gefolgert werden könnte, geschehen, 
sondern ganz so, wie wir beide in Überein- 
stimmung mit fast allen deutschen Geologen 
befürworten (1. ,, allgemeine Geologie", 2. ,, historische 
Geologie und Paläontologie"). 



2. Über ein Geschiebe (?) von Schlagenthin 
in der Neumark. 

Von Herrn Paul Oppenheim. 

Berlin-Lichterfelde, den 1. Dezember 1918. 

Der Bezirksgeologe Dr. Hans Menzel, welcher zum 
lebhaften Bedauern seiner Facbgenossen seit Beginn des 
Krieges vermißt wird, übergab dem Verf. im Jahre 1913 
zwei Gesteinsstücke, welche nach dem beiliegenden Etikett 
in der Kiesgrube von S c h 1 a g e n t h i n als GescMebe ge- 
sammelt sein sollten. Aller Walirscheinliclikeit nach war 
das Material einer Sendung beigefügt, welche die von 
I. PoNTEN in den jungen Meeresbildungen der Strophaden 



— 45 — 

gesammelten und vom Verl. später studierteni) Konchylien 
enthielt. Ich haibe das betreffende Gestein damals an- 
gesehen und, da ich mir aus ihm keinen Vers zu machen 
vermochte, wieder fortgelegt. Dies hat sich bei öfteren 
Gelegenheiten wiederholt, so daß bis jetzt die Angelegenheit 
unter anderen Beschäftigungen und unter den Ereignissen 
dieser schweren Zeit liegen geblieben ist. Irgendwelche 
persönliche Unterhaltung über den Gegenstand hat, wie ich 
hinzuzufügen nicht unterlassen will, zwischen mir und 
Menzel nicht stattgefunden. 

Die beiden Stücke sind etwa 9 cm groß und 3 cm dick. 
Die Oberfläche ist uneben, auf der einen Seite liegt frisches 
Gestein vor, auf der anderen zeigt es eine dünne Verwit- 
terungsrinde. Die Spuren des Lagers, aus w^elchem die 
Stücke entnommen waren, lassen 'sich an ihnen nicht 
erkennen, weder Sichere Überreste von Kies noch von 
Geschiebemergel haften an ihm von außen. Das Gestein 
ist ein ziemlich harter Oolith, in welchem zahlreiche Trüm- 
mer weißer, kalzinierter Schalen eingestreut sind. Die Farbe 
ist weißgrau, an den verwitterten Stellen schwärzlich. 
Die Oolithkörner sind verhältnismäßig groß und erreichen 
bis 2 mm Länge. Sie sind sehr unregelmäßig in der Gestalt, 
die langgestreckten erinnern äußerlich an die Schalen von 
Cypris faba Deem. Sie scheinen sich meist um Schalen- 
trümmer herum abgesondert zu haben, sind aber nur selten 
regelmäßig konzentrisch im Bau, sondern fließen seitlich 
zu sehr unregelmäßigen Gestalten zusammen. Verbunden 
sind sie unter einander durch eine mehr oder weniger 
kristallinische Zwischenmasse. 

Die im Kalke eingeschlossene Fauna ist ziemlich 
ungünstig erhalten, die Formen stecken zum Teil noch im 
Gestein und sind, empfindlich wie sie selbst sind, aus dem 
harten Kalk nur schwer heraus zu präparieren. Es können 
a r 1 1 i c h e Bestimmungen also nur mit aller Reserve 
gegeben werden. Immerliin läßt sich feststellen, daß diese 
Fauna neben einzelnen kleinen . P 1 a n o r b e n und H y - 
drobien ein© Mactra enthält, die der M. podolica Eich- 
wald entsprechen könnte, zwei brackische Gar dien aus 
der Gruppe der A d a c n i d e n , von denen das eine wahr- 
scheinlich C. obsoletum Eichwai.d ist, das andere dem 
C. conjungeus Partsch nahestehen dürfte, und einen ziem- 



1) Zur Geologie der Strophaden. Zentralbl. f. Mineralogie usw., 
1916, 9—10, p. 221 ff. 



- 4ö — 

lieh glatten Trochus, der an T. podoiicus Eichwald 
erinnert. 

Es scheint also trotz aller Vorsicht, welche, wie oben 
betont, dem Einzelnen gegenüber am Platze sein dürfte, 
kaum zweifelhaft, daß wir es hier mit einem Gestein vom 
Charakter und wahrscheinlich auch vom Alter der sar- 
niatischen Stufe zu tun haben. Die Frage ist nur, ob es 
sich lum ein wirkliches Geschiebe handelt. Der 
Fundpunkt, unfern der bekannten Kiesgrube von Dahms- 
dorf — Müncheberg gelegen, ist nahe genug au Berlin, um 
Verschleppungen zu. igestatten, wenn dies© auch nicht gerade 
sehr wahrscheinlich sein dürften. Menzel selbst scheint 
an der Geschiebenatur nicht gezweifelt zu haben. Dies 
geht aus seinem Etikett hervor, wie aus einzelnen Tinten- 
kreisen, mit denen er die ihm interessant erscheinenden 
Fossilien umzogen hat. Es ist für jeden^ der in Geschieben 
von norddeutschem Tertiär einige Kenntnisse besitzt, ohne 
weiteres klar, daß dieser Fund Menzels, wenn er sich 
bewahrheiten sollte, nicht ohne eine gewisse Bedeutung 
wäre. G e r a d e d e s h a 1 b aber, und w e i 1 m i r selbst 
gewichtige Zweifel und Bedenken keines- 
wegs zerstreut sind, will ich mich liier bescheiden. 
Weiteres auszuführen und kein Kartenhaus von Hypothesen 
auf so unsicherer Grundlage errichten. Andererseits halte 
ich ^es doch für angemessen, derartige Funde zu regi- 
strieren^). Werden sie widerlegt oder auf ihre richtige Be- 
deutung zurückgeführt, so stiftet dies keinen großen Scha- 
den; im anderen Falle läßt sich vielleicht später auf ihnen 
aufbauen. Vorläufig habe ich jedenfalls im Interesse meiner 
Zeit angesichts der Unsicherheit des Gegenstandes ein- 
gehendere Arbeiten an dem Material unterlassen. Was 
ich an Oolithen aus der sarmatischen Stufe des Ostens kenne, 
bzw. in den hiesigen Sammlungen vergleichen konnte, 
stimmt nicht genau mit unserem Stück überein, was nat|ür- 
lich die Fi^age nach keiner Richtung hin ent- 
scheidet. 



2) Ich will nicht verschweigen, daß Herr Jentzsch, dem ich 
das eine der beiden Handstücke durch die freundliche Vermittlung 
von Herrn Jon. Boehm vorlegen ließ, in diesem Punkt anderer 
Ansicht war. Jentzsch hält das Stück für sicher verschleppt oder 
verwechselt; nach seiner ursprünglichen Lagerstätte zu forschen, 
sei zwecklos und es wäre am besten, es einfach wegzuwerfen. 



47 — 



3. Über paläozoologische Sammlungen. 

Von Herrn Ernst Strome^. 

München, den 18. Februar 1919. 

Der Krieg" hat mir ermöglicht, außer den mir schon 
gtut bekannten Samnüung-en im Jahre 1916 und 1917 neue 
kennen zu lernen, wobei sich mir die stärksten Gegen- 
sätze darboten, z. B. die in jeder Beziehung- durchdachte, 
vorzüglich durchgearbeitete und glänzend aufgestellte 
Brüsseler und die Tübinger Sammlung, in welcher der 
z. T. äußerst wertvolle Inhalt leider nicht genügend zur 
C4eltung kommt. Der Krieg legt auch den Gedanken nahe, 
daß die ihm sicherlich folgende Geldnot einer Wissenschaft, 
die nur sehr wenigen praktischen Nutzen hat und deren 
Betrieb nicht unerhebliche Mittel erfordert, verhängnisvoll 
.werden kann, wenn nicht möglichst zweckmäßige, intensive 
Arbeit den Mangel an reichen Zuschüssen ausgleicht. 

Im folgenden sollen nun Erwägungen, die mich seit 
Jahren im stillen beschäftigten, die aber durch das 
neu Gesehene verstärkt und belebt wui'den, vorgetragen 
werden, um denjenigen, die als Leiter, Angestellte oder 
Benutzer paläozoologischer Sammlungen ein Interesse an 
ihnen haben, neue Anregungen zu geben. 

Die Trennung von Schausammlungund wissen- 
schaftlicher Arbeitssammlung, wie sie z. B. im 
Berliner Afuseum für Naturkunde durchgeführt ist, bietet 
solche zweifellose Vorzüge, daß sie nicht erst zu erörtern 
sind. Für viele Sammlungen wird sie aber durch räum- 
liche Verhältnisse verhindert oder doch sehr erschwert 
und für kleinere lohnt sie sich nicht. Ein Mißstand ist 
dabei jedenfalls hervorzuheben, daß nämlich öfters wissen- 
schaftlich sehr wertvolle Stücke derart zu Schauzvvecken 
verwandt, z. B. in montierte Skel.ette eingefügt sind, daß 
sie sich nicht oder nur allzu schwer wissenschaftlich unter- 
suchen lassen. 

Montierte Skelette sind eben so aufzustellen, daß sie 
leicht auseinandergenommen werden können, damit die so 
wichtigen Gelenkflächen, die Schädelunterseite und andere 
bei der Montage verdeckte Teile gut studiert werden können. 
Ergänzungen sind nicht, wie z. B. in der Stuttgarter Samm- 
lung, so auszuführen, daß sie kaum erkennbar sind, sondern 



48 



in der Farbe zwar nicht auffälli^^, aber doch deutlich vom 
Originalmaterial abweichend, wie es z. B. in der Münchener 
Sammlung gut durchgeführt i;.t. Sshr mißlich ist, daß 
meistens, z. B. auch in der letztg-enannten Sammlung, 
Skelette, die von einem Individuum starnmen, nicht aus- 
gezeichnet sind und daß bei den andern Skeletten nicht 
angegeben ist, wie sie zusammengesetzt wurden. Denn 
einheitliche Skelette sind natürlich 'wissenschaftlich viel 
wertvoller als die allermeisten, • die aus Resten mehrerer 
Individuen zusammengesetzt sind, wobei keine Sicherheit 
besteht, ob nicht nach Lebensalter, Proportionen, Geschlecht 
oder gar systematisch verscliiedenes Material vermengt 
wurde. 

In Schausammlungen erfüllen übrigens gute plastische 
Nachbildungen oft viel besser ihren Zweck, als unvoll- 
ständige oder verdrückte Orig-inale; sie können so gefärbt 
sein, daß der Beschauer sie für echt hält, wenn es nur 
auf der Etikette richtig vermerkt ist, womöglich mit An- 
gabe, wo sich das Original befindet. Das nötige Vertrauen 
zur Richtigkeit der Nachbildungen kann aber auch erhalten 
werden, wenn ähnlich, wie im Brüsseler Museum, neben 
den montierten und ergänzten Skeletten bzw. Nachbildungen 
Originalreste in der Verfassung ausgestellt werden, in der 
sie gefunden und frei präpariert sind. 

Öfters wirkt nun gerade in der Paläonbolog-ie noch die 
Erinnerung an das alte Raritätenkabinett ein, indem man 
möglichst absonderliche oder doch tunlichst große Tien-este 
auszustellen sucht. Der Umstand, daß große Fossilien von 
Laien und bei nur oberflächlichem Suchen am ' leichtesten 
gefunden werden und daß auch der sorgfältige Sammler 
stattliche Stücke bevorzugt, läßt überhaupt ein falsches 
Bild von der Durchschnittsgröße der einstigen Tiere auf- 
kommen. Für Schausammlungen ist es allerdings gut, wenn 
gewissermaßen als Lockvög'el, um das Interesse weiterer 
Kreise anzuziehen, einige derartige Formen auffällig aus- 
gestellt sind. In wissenschaftlichen Sammlungen sollen aber 
in erster Reihe die normalen Vertreter aller möglichen 
Tiergruppen und Faunen vorhanden sein; nur wenn Platz 
und Mittel es gestatten, ist es selbstverständlich erwünscht, 
wenn auch aberrante Formen vorhanden sind. 

Jede Sammlung- ist natürlich mehr oder minder von 
den örtlichen geologischen Verhältnissen 
abhängig, vor allem wird sie von den nächst- 
gelegenen Fundorten besonders viel Material ent- 



49 



halten. Universitätssammlungen, die ja speziell zu 
LehrzweckBn dienen, sowie große Sammlungen suchen 
allerdings universell zu sein. Jedenfalls sollten 
hier besonders wichtige Formen, Tiergruppen oder Faunen 
aus allen möglichen Gebieten, wenn auch nur in guten Nach- 
bildungen, nicht fehlen, und zwar muß ein? gewisse Voll- 
ständigkeit angestrebt werden. Wenn z. B. in München die 
Flugsaurier der Solnhofener Plattenka'ke natürlicherweise in 
größter Anzahl und in Prachtstücken vorhanden sind, so ist 
es doch ein Mangel, daß nicht alle oder wenigstens sämt- 
liche besonders schönen Stücke dort, wenn auch nur in guten 
Abgüssen, vertreten sind^). 

Sammlungen naturwissenschaftlicher Veieine oder pri- 
vate und Provinzsammlimgen streben nun ebenfalls oft die 
oben erwähnte Vollständigkeit an, leider meistens nur mit 
dem Erfolge, daß die Kräfte zersplittert werden, und daß 
sie zwar heterogenes Material aus allen möglichen Fund- 
oiten besitzen, die wichtigsten Formen aber nicht oder nur 
in ungenügenden Resten, und daß sie nirgends eine ge- 
wisse Vollständigkeit erreichen. Sie könnten bei richtiger 
Beschränkung selbst bei sehr bescheidenen Mitteln einzig- 
artiges Material zusammenbringen, wenn sie sich bemüh- 
ten, die lokalen Faunen eines begrenzten Gebietes mög- 
lichst vollständig zu erhalten, wie es z. B. in der Brüsseler 
und Regensburger Sammlung geschieht. 

Jeder Forscher, der über die betreffenden Faunen ar- 
beitet, findet in solchen Sanmilungen das Material in sel- 
tener Vollständigkeit beisammen. Die Leiter solch kleiner 
Sammlungen sind überdies meistens nicht Fachleute und 
können ihnen nur nebenbei ihre Kraft und Zait widmen; 
ßie wären aber wohl imstande, sich so in das begrenzte 
Arbeitsgebiet einzuarbeiten, daß sie es beherrschen. 

Im übrigen wäre in solchen Sammlungen nur dazu ge- 
höriges Vergleichsmaterial und höchstens noch eine kleine 
Lehrsammlung zu erwerben. Kornmt, wie es so häufig 
geschieht, fremdartiges Material durch Schenkung herein, 
so kann es für die Lehrsammlung, vor allem aber zum 
Tausch 'dienen, um Notwendiges zu erhalten. 

Gewissermaßen als Ideal der Anordnung sieht man 
meistens die svstematisch- zoologische an und betrachtet es 



1) Eine Art, das zur Vervollständig-ung nötige MateriaJ ohne 
zu große Kosten zu beschaffen, wird am Schluß erwähnt. 

4 



— 50 — 

als besonders wertvoll, wenn möglichst viele Originale 
ausgestellt werden können. Das scheint mir "aber nicht 
richtig zu sein. Mcht nur weist das System bei mittleren 
oder gar kleineren Sammlungen äußerst giroße und em- 
pfindliche Lücken auf, weil einfach aus pekuniären Gi-ün- 
den und oft auch infolge von Raummangel sehr wichtige 
Formen oder ganze Gruppen Und Ordnungen nicht oder nur 
in allzu dürftigen Resten vertreten sein können, sondern 
diese Anordnung ist auch viel zu einseitig. Da meistens 
schon aus rein praktischen Gründen Faunen, aber nicht 
systematische Gmppen bearbeitet werden, ist eine solche 
Arbeit erschwert, wenn das Vergleichsmaterial, vor allem 
auch die Typen der Faunenbearbeitungen, in der rein syste- 
matisch angeordneten Sammlung zerstreut ist. Zu strati- 
graphischen und paläogeographischen, auch zu manchen 
paläobiologischen Studien ist eine Aufstellung nach Faunen, 
oft sogar nach Fundorten erforderlich. Vor allem kommt 
aber das zeitliche Moment bei der rein systematischen An- 
ordnung nicht genügend zur Geltung, und gerade dieses 
spielt doch eine wesentliche Rolle in unserer Wissenschaft 
gegenüber der Zoologie. 

In manchen größeren Sammlungen sind die Fossilien 
deshalb sowohl in einer systematischen als in einer strati- 
grapliischen Abteilung aufgestellt, innerhalb der letzteren 
aber wieder systematisch angeordnet. Richtiger erschiene 
mir, um ein möglichst klares Bild der erhaltenen Faunen 
zu liefern, in der stratigraphischen Abteilung die Fossilien 
nach Lebensgemeinschaften anzuordnen, ihre Bedeutung als 
Leitfossilien füi^ Fazies und geologisches Alter durch Be- 
zeichnungen auf den Etiketten hervorzuheben und vor allem 
auch Angaben über ihre Häufigkeit zu machen.ia) 

In beiden Abteilungen mm wirkt die gewohnte Aus- 
stellung der Originale störend, weil leider nur zu 
viele derselben schlecht oder doch ungenügend erhalten 
sind und durch später gefundene bessere Stücke ersetzt wer- 
den sollten, und weil sie sehr häufig unwichtige, z. B. für 
Faunen nicht charakteristische,- nur vereinzelt gefundene 
Formen oder ganz aberrante T^^pen darstellen. Anderseits 



la) Solche Bezeichnungen für Leitfossilien, für Häufigkeit usw., 
sowie die gleich zu erwähnenden Auszeichnungen der Originale 
sollten durch gegenseitige Vereinbarungen möglichst gleichartig 
in den verschiedenen Sammlungen angewandt werden, um den 
Benutzern ein rasches Zurechtfinden und Verstehen möglichst zu 
erleichtern. 



— 51 — 

erschwert das Verteilen der Orig-inale in die Abteilung-en 
ihr Auffinden. 

Deshalb sollten die Orig-inale stets, wie es z. B. in der 
Berliner Sammlung- der Fall ist, durch Anbringen von einem 
Farbtupfen 2) am Objekt, oder wenn dies, z. B. weg-en dessen 
Kleinheit, untunlich ist, am Objektträger oder -behälter aus- 
gezeichnet werden, und zwar womöglich verschieden für ab- 
gebildete und für mir im Text beschriebene Stücke. Da- 
durch würden diese wertvollen und sorgfältiger als gewöhn- 
liche Sammlungsstücke bestimmten Fossilreste leichter auf- 
findbar und gingen weniger leicht verloren, auch wenn si© 
in montierte Skelette eingefügt oder mit anderen Resten 
gleicher Art in einer Schachtel beisammen sind. Auf den 
Etiketten sind außerdem Typen und Cotypen neuer Arten 
usw. stets als solche deutlich hervorzuheben. 

Nur wichtige und gut erhaltene Originale sind auszu- 
stellen, die übrigen genügend markierten können in den 
Schubladen aufbewahrt werden. Um nun die vorhandenen 
Originale leicht -finden zu lassen, sollte ©ine erstklassige 
Sammlung einen Zettelkatalog all ihrer Originale haben 
und auf dem laufenden erhalten, von dem zwecks leich- 
terer Einsicht von Zeit zu Zeit Listen (gedruckt oder hekto- 
graphiert) für Benutzer der Sarnmlungen aufgelegt und mit 
anderen Sammlungen ausgetauscht werden. Im idealen 
Falle ist der Katalog dreifach anzulegen: 1. nach Autoren, 
2. nach dem paläozoologischen System, 3. nach Stratigraphie 
und Pimdorten. 

Die einfache systematische Aneinanderreihung oder fau- 
nistische Aufstellung der Fossilien, wie sie fast überall sich 
findet, genügt mm keineswegs, um die Objekte voll ver- 
ständlich zu machen und sie zur Belehrung des Beschauers 
wirklich auszunützen. Deshalb sollen im Folgenden Bei- 
spiele gegeben werden, wie Besserungen zu erzielen sind, 
womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß das hier ange- 
führte in allen Fällen oder gar genau in der angegebenen 
Weise durchgeführt werden müßt©.. 

Zunächst sind in den systematischen Abteilun- 
gen jeder Gruppe die rezenten Angehörigen oder nächst 
vergleichbaren Formen in Objekten oder in Abbildungen 
voranzustellen, um den Gesamtorganismus in seinem äuße- 



2) Die Faxbtupfen müssen natürlich leicht zu entfernen sein, 
damit sie bei photographischer Wiedergabe nicht stöi-en. 

4* 



— 52 — 

reii wie in seinem anatomischen Bau vorzuführen^ im Ge- 
gensatz zu den stets im vollständigen fossilen Resten 3). 

Daß instinktive Fossilien von mehreren Seiten sicht- 
bar, auch ihr Innees, Schnitte und Strukturdarstellungen 
in Präparaten oder doch in Zeichnungen viel mehr als üb- 
lich ist, ausgestellt werden sollten, ist nicht erst besonders 
zu betonen. Die Morphologie und Anatomie der 
Fossilien als sichere Grundlage des Wissens kann ja nicht 
genug Beachtung finden. Denn die meisten einstigen For- 
men sind auf Grund dürftiger oder ganz unvollkommen 
untersuchter Reste in das System eingereiht, der Bau auch 
imr ihrer wohl erhaltungsfähigen Hartteile ist jedoch noch 
nicht bekannt. Um wirkliches Verständnis für die Orga- 
nismen zu erwecken, sollten aber wenigstens bei instruk- 
tiven Typen ergänzte Figuren ausgestellt werden. Zum 
Beispiel ist es doch mißlich, wenn in vielen Sammlungen 
ganze Reihen von Steinkernen von Ammoniten und Rostren 
von Belemniten daliegen und fast nirgends ein vollständiges 
Gehäuse eines Ammoniten mit Mundrändern und eine Er- 
gänzung eines Belemnitentieres zu sehen ist, aus welchen 
erst erkenntlich würde, wie mannigfach die Wohnkammern 
der Amm oniten sind und einen wie unwesentlichen Teil das 
meistens allein erhaltene Rostinim darstellt. 

Sehi^ gut und unschwer auszuführen ist das in Brüssel 
angewandte Verfahren, eine in Umrißlinien gezeichnete Ske- 
lettskizze neben dem Fossil auszustellen und in ihr farbig 
den erhalten vorliegenden Teil anzugeben. Selbst Fach- 
leuten ist es ja oft zu schwer odsr unmöglich, zu erkennen, 
was die in den Glaskästen ausgestellten Bruchstücke eigent- 
lich sind. 

Auch die vergleichende Anatomie verdient Be- 
rücksichtigung. Als Beispiele lassen sich, in Skizzen oder 
auch an Objekten selbst, Kelchplatten von Krinoiden, Schei- 
telschildplatten von Seeigeln und das Flügelgeäder von 
Palaeodictyoptera und anderen Insektengruppen vorführen, 
ferner auch die Extremitäten sowie das Abdomen und Post- 
abdomen von Scorpio, LimuLus und paläozoischen Xipho- 
sura und Gigantostraca, die Skelettteile von Belemnites, 
Belosepia, Sepia, Spirulirostra, Spirula und irgendeiner 



3) Die in didaktischer Beziehung höchst ■wünschenswerte, ja 
eigentlich nötige Vereinigung von zoologischer und paläozoologi- 
scher Schausammlung läßt sich leider wohl fast, nirgends erzielen. 
Immerhin wäre erstrebenswert. Schausammlungen von Skeletten 
oder Konchylien mit paläozoologischen zu verbinden. 



— 53 — 

Chondrophoren, endlich das Lacryaiale der Säug-etiere neben 
dem Praelrontale der Reptilien, Stegocephali usw. Es 
könnte dadurch etwas der g-roßen Einseitigkeit der verg-lei- 
chenden Anatomen entg-egengearbeitet werden, die fast alle 
nur rezentes Material ontogenetisch bearbeiten, fossiles aber 
gar nicht oder nur ganz oberflächlich kennen. 

Die Bedeutung der Form sollte an Beispielen 
immer wieder hervorgehoben werden. Belehrend ist dabei, 
wenn auch Pathologie besonders belegt wird, in Ausstellung 
krankhafter Ammoniten, wie z. B. in der Münchener Samm- 
lung, von geheilten Knochenbrüchen usw. Jedenfalls aber 
sollten Altersstadien möglichst oft ausgestellt sein; be- 
kannte Beispiele sind die Änderungen in Skulptur und Quer- 
schnitt von Ammonitenschalen, das Armgerüst von Bracliio- 
poden, der Rückenpanzer von Trilobiten, die kiementra- 
gende Larve des Branchiosaurus oder Archegosaurus nüt 
geringerer Verknöcherung und anderer Schädelform als 
der erwachsene, der junge Ichthyosaurus mit anderen Kör- 
perproportionen als der erwachsene, das Milchgebiß der 
Säugetiere neben dem bleibenden, endlich Abkauungsstadien 
von Zähnen. Auch auf Greschlechtsunterschiede ist auf- 
merksam zu machen, wo sie gesichert sind, wie bei Gi- 
gantostraken und bei Krabben oder bei Hirschen und 
Schweinen, und wo sie vermutet werden, wie bei manchen 
Trilobiten (Sao) oder bei Nautilus und bei Dlcynodon 
und Udenodon oder bei Tltanotherlum. Der Grenerations- 
wechsel ist bei Foraminiferen unschwer darzustellen, wie 
z. B. in München der Zeugungskreis eines Nummuliten zeich- 
nerisch ausgestellt ist. 

Bei Korallen und anderen Coelenteraten sollten die 
Einzeltiere gegenüber den Stöcken und verschiedenen Stock- 
formen, z. B. bei Cyathophyllum, und Polymorphisnms z. B. 
bei Heliolltes und Dlctyonema, vorgeführt weiden. 

Da immer wieder individuelle Variabilität in Form und 
Größe bei systematischen Arbeiten in ihrer Bedeutung nicht 
richtig eingeschätzt werden, sind auch dafür möglichst viele 
und mannigfaltige Belege nötig. Gute Beispiele besonders 
großer, systematisch bedeutungsloser Formverschiedenheiten 
bieten hauptsächlich festsitzende Tiere, wie Korallen, ge- 
wisse Spongien, Austern, oder sehr wenig bewegliche, wie 
der Capulide Platyceras, auch der Brachiopode Pygope. 
Starke Größenschwankungen können vielfach belegt wer- 
den, z. B. an Schädeln von erwachsenen Höhlenbären. Da- 
neben sollten aber auch Beispiele sehr geringer Variabilität 



— 54 — 

nicht fehlen, z. B. gewisse Ammoniten. Graphische Dar- 
stellungen, VariationskurveMi können das Verständnis er- 
leichtern. 

Selbstverständlich sind auch Standortsvarietäten beson- 
ders zu belegen, z. B. die in der Durchschnittsgröße so 
verschiedenen Macrocephalites der Kalk-, Phosphat- und 
Pyritfazies oder die Backenzähne von Mastodon angustidens 
typus 'und M. angustidens subtapiroides, der vermutlichen 
Grasland- und Urwaldform. Bei geographischen Abarten 
z. B. von Trilobiten, sollten wiederum kleine Kartenskizzen 
mit ausgestellt sein. 

Endlich dürfen auch Beispiele paläontologischer Mutation 
nicht fehlen, und zwar nicht nur die etwas abgebrauchten 
von Planorbis multiformis und Vivipara-Tulotoma, welch 
letztere in Frankfurt gut ausgestellt sind, sondern auch mo- 
derne, wie z.. B. Calceola sandalina lata und alta.. Auch 
hier sind Kurven, welche die Verschiebung des Mittelw^ertes 
der Variation angeben, mit auszustellen. Besonders ist die 
unmittelbare zeitliche Aufeinanderfolge der Formen dabei 
zu betonen, denn sie ist ebenso wesentlich wie ihre ge- 
staltliche Verkettung. 

Die Darstellung der Biologie kann in einer guten 
paläontologischen Sammlung in mannigfacher Weise ge- 
schehen, vor allem sollte sie in Beispielen vorgeführt wer- 
den, die gegenüber denjenigen de^r zoologischen Sammlung 
Besonderheiten aufweisen. 

Die Art der Ernährung kann in charakteristischen Ge- 
bissen, in Darm- und Magenausfüllungen, in Kotballen und 
in Parasiten belegt werden. Beispiele sind von Säugetier- 
gebissen das des Aasfressers Hyaenodon, des Schnecken- 
fressers Cordylodon, des Omnivoren Höhlenbären; den 
Darminhalt zeigen Ganoidfische der Solnhofener Platten- 
kalke, auch manche Trilobiten, den Mageninhalt oft Hybodus 
und Ichthyosaurus (gefressen© Junge gegenüber solchen 
im Eileiter) des oberen Lias von Holzmaden. Ferner ist 
Platyceras nicht selten auf Crinoidenkelchen gefunden, also 
als Parasit auszustellen. Spuren von Parasiten sind die 
Höhlen in Crinoidenstielgliedern, die wahrscheinlich von 
Myxostomiden bewohnt wurden ^a). 

Die Fortbewegungsart zeigen uns Kriech- und Fuß- 
spuren an, wie z. B. die Fährte des Dinosauriers Camp so g- 



3a) Der wurmartige Raum in Plewodicty am problematicum des 
Devons war aber sicher nicht von einem echten Parasiten besetzt, 
es handelt sich hier vielleicht um ein Beispiel für Symbiose. 



— 55 — 

nuilius mid die eines Litnulus im Solnhofener Plattenkalk 
der Münchener Sammlung. Bei diesen ist ausnahmsweise 
nicht nuj' der Abdruck der Fährtenplatte, sondern auch 
diese selbst erhalten. Wo das nicht der Fall ist, sollte 
zwecks leichteren Verständnisses ein Gipsabguß die wirk- 
liche Fährte vorführen und womöglich sollte das Fußskelett 
des zugehörigen Tieres in sie ©ingefügt oder doch ein- 
gezieichnet sein. Rezente Fährten zum Vergleich erleichtern 
natürlich das Verständnis. 

Beispiele von Tieren mit Angriffswaffen, wie z. B. 
Machaerodontinae, und von Schutzwaffen, z. B. die 
stacheligen Lichadidae und Produdidae, die gepanzerten 
'Devonfische und Dinosaurier (Polacanthus usw.) sollten 
nicht fehlen. Auch hier wären rezente Formen zum Ver- 
gleich mit auszustellen, z. B. neben jenen Fischen ge- 
panzerte Welse, also ähnlich geschützte, aber gar nicht 
verwandte Tiere. 

Besonders belehrend wären aber biologische G-rgppen, 
wie Bodenkriecher, gute und schlechte Schwimmer, 
Flieger usw. Bei letzteren z. B. wäre u. a. Meganeura 
als größtes Insekt auszustellen, ein Palaeodictyo ptere als 
Typus für ein Insekt mit vier ganz gleichartigen Flügeln, 
Thoracopterus als ein wahrscheinlicher Flieger unter den 
Ganoidfischen der Trias, ein lang- und kurzschwänziger 
Pterosaurier, Pteranodon als größter Flieger, Archaeopterix 
im Gegensatz zu einem guten Flugvogel, die ältesten be- 
kannten Fledei-mausflügel aus dem Mitteleocän von Messel 
usw., natürlich fast nur in guten RekonstriLktionszeich- 
nungen, da Originale kaum, Gipsabgüsse und Modelle z. T, 
nur schwer erhältlich sind. Leichter zu beschaffen ist eine 
Gruppe festsitzender Formen stark bewegten Wassers, be- 
stehend aus einem Kalkschwammstock, z. B. Barroisia, ausi 
gewissen Deckelkorallen, Richthof enldae, Rudisten, Ba- 
lanidae, usw. 

Besonders wichtig ist die Darstellung von Lebens- 
gemeinschaften aller möglichen Art, z. B. die Gegenüber- 
stellung der Riff-Faunen aus dem 'Devon, oberen Jura und 
Tertiär oder die Aufstellung der Nummulitenfauna mit den 
großen Nautilus und Cerithiuni, dem stattlichen Conocly- 
peus und den Myliobatinae und Pycnodus, die mit ihren 
Piasterzähnen sicher Nummuliten zermalmten. Instruktiv 
wäre, etwa in Form einer Tabelle, eine entsprechende 
rezente Lebensgemeinschaft zum Vergleich vorzuführen mit 



56 



Auszeichnung des Bi'uchteils, von dem normalerwei=e allein 
Eesfco überliefert sind. "^ 

Endlich sind auch Beispiele von Tieren auszustellen, 
die sicher eins andere Lebensweise führten als ihre 
jetzigen nahen Verwandten, wie z. B. Limulus aus Süß- 
wasserablagerungen im Gregensatz zum jetzigen marinen, 
Eryon aus Seichtwasserabsätzen des oberen Jura gegen- 
über der heutigen Tiefseeform, das Mammut mit seinen 
Anpassungserscheinungen an ein Leben in kaltem Klima 
neben dem tropischen Elefanten. Natürlich dürfen hier 
wie auch sonst kurze Erläuterungen der ausgestellten Ob- 
jekte oder Abbildungen nicht fehlen. Solche Erkläiiingen 
sind z. B. in der Berliner und Brüsseler Schausammlung 
vorhanden, z. T. aber wohl viel zu ausführlich. 

Was die Tiergeographie anlangt, so läßt sich 
die Verbreitung von Tieren, die einigermaßen gesichierte 
Rückschlüsse auf einstige klimatische Verhältnisse ge- 
statten, in kleinen Karten vorführen. Besonders be- 
tehrend ist in dieser Beziehung die Verbreitung der 
Nummuliten, die ungefähr dem heutigen Verlauf von 
Warmwasserströmen entspricht, im Gregensatz zu der- 
jenigen der Fusulinae, welche fast ganz auf die Nord- 
hemisphäre beschränkt und hier bis in sehr hohe Breiten 
in Massenentfaltung vertreten sind und so nicht nur eine 
abweichende Ausdehnung der Meere, sondern auch ganz 
anders geartete Klimazonen erweisen. Von Interesse ist 
auch die Verbreitung der Rudistae, der oberjtu\assischen 
Korallenriffe, die der Dinosaurier, des Mammuts usw. 

Beweise einstiger Landverbindungen können vor- 
geführt werden in Kärtchen, auf welchen z. B. die di- 
luvialen Inselformen der Elefanten und Flußpferde an- 
gegeben sind. Als verhältnismäßig gut bekanntes Bei- 
spiel der allmählichen Ausbreitung und von Wanderungen 
lassen sich die Proboscidea vorführen, als ein solches für 
allmähliche Einschränkung die Dipnoi oder Nautilus. 
Ceratodontinae können uns Relikten im Gegensatz zu 
einstiger fast universeller Verbreitung zeigen, Camelidae 
oder Limulus sind endlich Beispiele für die Erklärung 
heutiger diskontinuierlicher Verbreitung. Die Darstellung 
einstiger tiergeographischer Reiche oder Provinzen in 
Kärtchen mit kleinen Paunenlisten oder mit bildlicher Vor- 
führung der wichtigsten Charakterformen ist schließlich 
ebenfalls anzustreben. Wünschenswert ist übrigens, daß 
die hierzu nötigen Kärtchen nicht in der MEKKATOKschen 



— 57 ~ 

Projektion ausgeführt werden, weil diese gerade die pa- 
läontologisch gut erforschten Gebiete stark verzerrt und 
die Zusammenhänge der zirkumpolaren Länder nicht ei'- 
kennen läßt. 

In der stratigrapliisch angeordneten Ab- 
teilung der Sammlung sollen Tabellen zeitlicher Ver- 
breitung interessanter Tiergruppen oder Aj'ten mit An- 
gabe des Höhepunktes nicht fehlen. Es ist ferner nicht 
nur, wie oben erwähnt, die Häufigkeit des Vorkommens 
fossiler Formen auf den Etiketten anzugeben, sondern es 
sind auch sowohl die Leitfossilien als auch die ersten 
und letzten bekannten Vertreter von Gattungen oder von 
größeren systematischen Einheiten auf ihnen besonders zu 
vermerken. Heute noch lebende Arten, Gattungen usw, 
sollten mit einem Abzeichen versehen werden; besonders 
im Ivänozoikum würde das bemerkenswerte Ergebnisse klar 
und einfach deutlich machen. Endlich ist wünschenswert, 
wenn 'die Fazies auf der jeder Fauna vorangestellbein 
Etikette einvähnt wird. Gegenüberstellungen besonders 
interessanter Fazies und deren Wechsel im Laufe der 
Zeiten sollten möglichst anschaulich belegt werden. Die 
oben erwähnten Beispiele für Lebensgemeinschaften und 
solche für Tiergeographie ließen sich auch hier einfügen. 

Ganz besonderes Interesse erweckt schließlich eine 
ausgiebige Darstellung alles dessen, was auf die Ab- 
stammungslehre Bezug hat. Zunächst ließen sich 
hier Beispiele geologisch langlebiger, konstanter Typen 
gegenüber sehr kurzlebigen derselben Ordnung aufstellen, 
wie z. B. Lagena oder Terebratida gegenüber Orbitolina und 
Stringocephalas und bei den konstanten Gattungen solche 
mit geringem Formenreichtum, wie z. B. Lingula gegen- 
über solchen mit großem Formenschatz, wie RhynchoneUa 
oder Terebratula. Aus allen möglichen Tiergruppen sollten 
solche Beispiele vorgeführt werden, schon um zu zeigen, 
wie relativ der Begriff langlebig je nach der Tiergruppe ist. 
Bei Haifischen z. B. ist Notidanus, der vom Oberen Jura an 
vorkommt, dem erst vom Tertiär an "bekannten Carcharias 
gegenüber langlebig, bei Säugetieren aber muß eine vom 
Alttertiär an bis jetzt vorkommende Gattung, wie Sciurus, 
schon als langlebig gelten. Besonders interessant ist, daß 
sich auch so hochstehende Wirbellose, wie Nautilus, gewisse 
Skorpione oder Limulus, als sehr langlebig vorführen lassen. 

Sodann ist der Unterschied von Anpassungsreihen, 
Stufenreihen und Stammreihen mit Beispielen zu belegen. 



— 58 — 

Bei Wirbeltieren wird für erstere etAva die Anpassung- an 
das Wasserleben in Vorderextremitäten dargestellt, z. B. 
von Pleurosaurus, Larwsaurus, Plesiosaurus. Als Stufen- 
reihe käme die der Equidae, als Stammreihe die von Masto- 
don angustidens bis longirostris in Betracht. Für Parallel- 
entwickiung kennt man z. B. unter den Ammoniten genug 
Beispiele, für Konvergenz solche von Brachiopoden. 
Auch Kreuzung von Spezialisierung- gehört vorgeführt 
Und erklärt, z. ,B. bei Sägehaien, wo Oxyprlstis in sei- 
nen Säg'czähnen zwischen Onchopristis, Oncliosaurus einer- 
seits und Pristis anderseits vermittelt, in der Zahl der Ka- 
näle seiner Säge aber höher als Pristis steht. 

Pur verschiedene Arten der Entwicklung seien hier 
ebenfalls Beispiele genannt, zunächst für die Höherentwick- 
lung die Vorführung des Schädelausgusses (Himes) alt- 
tertiärer Säugetiere gegenüber dem verwandter jungter- 
tiärer und rezenter, für Größenwachstum die Stufenireihe 
der Equidae, für Komplikation die Sutur der Ammoniten, 
die Jochbildung und Schmelzfältelung von Huftierzähnen, 
für Rückbildung im Bau eines Organs die Reduktion des 
Ganoins und dann der Knochenkörperchen in den Schuppen 
von Teleostomi, für Neubildung von Organen die der Horn- 
zapfen von Titanotheriidae, für Rückbildung die des Beckens 
der Seekühe oder der seitlichen Zehen der Equidae, für 
Vermehrung der Elemente eines Organs die der Zahnspitzen 
eines Notidanus-Zahnes oder die der Lamellen eines Backen- 
zahnes von Elefanten; für Einschränkung der Zahl sind z. 
B. (die Dichograptidae, die Palaeoregularia gegenüber den 
Neoregularia unter den Seeijgeln vorzuführen. 

Als Beispiel einer Entwicklung an Ort und Stelle ist 
Planorbis multiformis vorzuführen, als solches für Entwick- 
lung mit Wanderungen die der Proboscidea. Entwick- 
lungszentren ließen sich wohl am besten in Kärtchen mit 
•Schichttabelien und Eintragung der Entwicklungsreihen vor- 
führen, 2. B. Nordamerika im Tertiär als Entwicklungszen- 
trum der Camelidae, Equidae usw. Eine Entwicklung mit 
Anpassung an eine andere Lebensweise stellt diejenige von 
Creodonta, Protocetus, Zeuglodon, Squalodontidae und 
Cyrtodelphidae dar, also von landbewohnenden Urraubtieren 
zu schwimmenden Fischfressern. 

Für Atavismus wäre ein menschlicher Humerus mit Pro- 
cessus supracondyloideus auszustellen, der einem Humeras 
eines alttertiären primitiven Primaten mit noch vollstän- 
diger Knochenspange am Poramen entepicondyloideum ge- 



— 59 - 

g-enüberzustellen wäre*). Belege für die Beziehungen zwi- 
schen Ontogenie und Phylogenie bietet die Zahnentwick- 
hmg von Ceratodus gegenüber Zähnen von Dipterus oder 
die Ontogenie von Limuliis gegenüber BelUnuridae oder 
auch die des Triboliten Isotelus gegenüber Basiliciis. Für 
iterative Entstehung endlich ist trotz oberflächlicher Ein- 
wände die wiederholte Ableitung von Vo/ö-Pormen aus 
Pecteri ein Beispiel, wobei das in großen zeitlichen Ab- 
ständen erfolgende Auftreten dieser Formen zu betonen ist. 

Die hier genannten Beispiele ließen sich natürlich außer- 
ordentlich vermehren, sie sollen nur erläutern, was ich 
imter belehrender Ausnutzung des Materials verstanden 
wissen will. Ob sie innerhalb der systematischen, bezüg- 
lich der stratigraphischen Sammlung auszustellen sind, oder 
ob sie in einer besonderen Abteilung ,,A II g e m e i n © F a- 
1 a e n 1 1 o g i e" zusammengefaßt werden sollen, ist je 
nach dem zur Verfügung stehenden Raum und Material zu 
entscheiden. Je nachdem sind natürlich auch alle oder nur 
die wichtigsten der hier genannten Fälle mit Beispielen zu 
belegen. Außerdem ist noch zu erwägen, ob nicht eine be- 
sondere Voranstellung der Problematica, me es ganz im 
kleinen in der Straßburger Palaeontologischen Sammlung ge- 
schehen ist, und der Erhaltungsarten vorzunehmen ist. Bei 
Erhaltungsarten wäre u. a. ein vollständiges Tier, daneben 
sein ganzes Skelett und schließlich die gewöhnlich allein er- 
haltenen Skelettteile auszustellen, und zwar von mehreren 
Tiergruppen. 

Gegen das hier Ausgeführte wird man wohl in erster 
Reihe einwenden, daß seine Verwirklichung Geld und vor 
allem sehr viel Arbeit kostet. Das muß natürlich zugegeben 
werden. In den bestehenden Sammlungen steckt aber schon 
sehr viel Geld und Arbeit, und es jst eine gewisise Ver- 
schwendung, wenn ihre kostbaren, oft sehr sorgfältig bear- 
beiteten Fossilien nicht voll in ihrem belehrenden Wert aus- 
genutzt werden. Vom Stande der anatomischen, systemati- 
schen und stratigraphischen Sammlung ist der Palaeontologe 
so wesentlich abhängig, daß dieser nicht hoch ^enug ge- 
hoben werden kann, damit endlich oberflächliche Formbe- 
schreibungen und dementsprechend ungenügend begiündete 
systematische Einreihungen nicht mehr wie bisher als Typus 
palaeontologischer Arbeiten erscheinen. Di© meisten pa- 



1) Die Bären, z. B. der Höhlenbär, können zeigen, wie die hier 
in Eückbildung begriffene Knochenspang© dieses Foramens variabel 
auftritt, während sie bei Urraubtieren konstant ist. 



— 60 - 

laeontologischen Sammlung-en, außin- z. B. die Brüsseler, 
Berliner und Frankfurter, sind ja nicht viel mehr als gut ge- 
ordnete Magazine. Es ist dies kein besonderer Vorwurf, 
denn es gilt überhaupt von den allermeisten wissenschaft- 
lichen und Kunstsammlungen. Ihre trostlose Geistesarmut 
ist aber nicht geeignet, das Interesse weiter Kreise zu er- 
■wecken oder Studierende genügend anzuregen. Allerdings 
erfordert gerade die Palaeontologie zu viele Vorkenntnisse, 
um eigentlich i)opulär zu werden, zudem sind wissenschaft- 
liche Sammlungen nicht für diejenigen da, die nichts wissen. 
Immerhin ist, wie die Verhältnisse in Württemberg, neuer- 
dings auch in Frankfurt, erweisen, bei geeigneter, zielbe- 
wußter Popularisierung der Wissenschaft bei vielen natur- 
wissenschaftlich Gc^bildeten Interesse wachzurufen. Deren 
Zahl nimmt infolge des sehr verbesserten naturwissenschaft- 
lichen Unterrichts der Volks- und Mittelschulen und mit Hilfe 
der vervollkommneten populär-wissenschaftlichen Literatur 
sehr rasch zu. 

Die erweckte Anteilnahme an unserer Wissenschaft 
kommt a-ber unmittelbar oder indirekt den wissenschaftlichen 
Sammlungen zugute, sei es durch freiwillige Mitarbeiter, wie 
z. R in Frankfurt, sei es durch Schenkungen von Fossilien 
oder durch Geldspenden, sei es auch nur durch die Möglich- 
keit, billig Privatsammlungen zu erwerben oder Tausche 
einzugehen. Nicht selten bedeuten Privatsammlungen aller- 
dings eine Konkurrenz für die öffentlichen Sammlungen, es 
ist jedoch immer noch besser, wenn Fossilien in jene ge-. 
langen, als daß sie unbeachtet zugrunde gehen, und gerade 
die Verhältnisse in Württemberg beweisen, wie private 
Sammlertätigkeit schließlich ein besonders glänzendes Auf- 
blühen der Stuttgarter Sammlung nüt verursachen half. 

Tausch sollte übrigens allgemein eine viel größere Rolle 
spielen als bisher statt des kostspieligen Ankaufs von Händ- 
lern, wobei die Herkunft der Fossilien oft nicht ganz ein- 
wandfrei gesichert erscheint. Von jeder Sammlung sollten 
gute Fundorte auf reichliches und schönes Material möglichst 
ausgebeutet werden; die Fossilien könnten dann von Stu- 
denten zu Übungszwecken präpariert und bestimmt werden, 
so daß dazu mur eine Nachhilfe bzw. eine Nachprüfung sei- 
tens der Sammlungsbeamten nötig ist. Es ließen sich so 
Suiten gut bestimmter und in bezug auf Fundort und /Fund- 
schicht gesicherter Fossilien zu gegenseitigen Tauschzwecken 
anbieten, wobei zur Ergänzung sorgfältige Abgüsse beson- 
ders schöner Sammlungsstücke mit heranzuziehen sind. 



61 



Aul diese Weise können den Sammlungen nicht nur 
wertvolle Fossilien zugeführt, sondern vor allem auch Geld- 
mittel gespart werden, die so für den inneren Ausbau frei 
werden. 

Gewichtiger erscheint der andere Einwand bezüglich der 
großen Arbeit, die dieser erfordert. Hiqrzu lassen sich aller- 
dings freiwillige Hilfskräfte in erheblichem Maße heran- 
ziehen, wie das z. B. schon in Frankfurt geschieht; zu den 
schwierigeren wissenschaftlichen Arbeiten genügen deren 
Kenntnisse jedoch meistens nicht, und zum mindesten ist 
eine Anleitung und Nachprüfung ihrer Tätigkeit nötig, was 
im allgemeinen nur wissenschaftlich geschulte Beamte tun 
können. Hier ist nun zunächst ein Mißstand zu beseitigen. 
Die Beamtenstellen an den Sammlungen sind nämlich 
großenteils mit Nichtordinarien besetzt, welchen man nicht 
übel nehmen kann, wenn sie möglichst dankbares Material 
zwecks wissenschaftlicher Veröffentlichung zu bearbeiten 
und sich ihrer Lehrtätigkeit zu widmen suchen, statt nur der 
stillen Arbeit in der Sammlung nachzugel:^n. Denn diese 
wird leider fast ;gar nicht gewürdigt o ler doch nur dem 
Direktor zugute gerechnet. Bei Berufungen wird an- 
scheinend kaum darauf geachtet, ob der künftige Samm- 
Imigsleiter auch Gutes in der Tätigkeit an einer Sammlung 
geleistet hat oder überhaupt etwas davon versteht. Es ist 
ja doch so weit in der Zurücksetzung der Paläontologie in 
Deutschland gekommen, daß als Leiter von großen paläonto- 
logischen Sammlungen Tektoniker oder Petrographen ernst- 
lich in Betracht gezogen wurden. Dies muß natürlich vor- 
erst anders werden und wird es auch, wenn die Arbeit in 
der Sammlung mehr Nachdenken und Wissen erfordert als 
bisher, was bei der Ausführung der oben vorgeschlagenen 
Neuerungen der Fall ist. Es dürften dann natürlich die 
Stellungen an den Sammlungen nicht so, wie es bisher fast 
die Regel war, vergeben *werden, daß sie ohne Ausschreibung 
den erstbesten bei dem Freiwerden einer Stellung gerade 
anwesenden oder dem Leiter zufällig bekannten Bewerbern 
überlassen wurden, und es müßte ein Weg gefunden w^erden, 
daß wertvolle Arbeit in ihnen dem Vollbringer derselben 
selbst zugute gerechnet wird. 

Es müßte auch den wissenschaftlichen Beamten tunlichst 
besonderer Urlaub erteilt werden, damit sie auch andere 
Sammlungen studieren, wissenschaftliche Reisen ausführen 
und selbständige wissenschaftliche Arbeiten ohne zu große 
Kraftzersplitterung machen können. Endlich dürften nicht 



— 62 ~ 

mehr solche Hung-eiiöhne gezahlt werden, wie sie für man- 
che Assistentenstellen besonders in Preußen im Brauche 
waren, denn jede Arbeit ist ihres Lohnes wert, sogar die 
wissenschaftliche. 



Neueingänge der Bibliothek. 

Andeee, K. : Erscheinungs-, Raum- und Zeitwissenschaften. Ein 
Wort insbesondere über die Stellung der Geologie und Geo- 
graphie und ihre gegenseitigen Beziehungen. S.-A. aus 
der Natur. Leipzig 1919. 

Bekg, G. : Mikroskopische Untersuchungen an Jilrzen von Bor 
in Serbien. S.-A. aus: Zeitschrift für praktische Geologie. 
26. Jahrg. H. 7. Halle 1918. 
— - Die Eisenerzlagerstätten der lehemals russischen Gebiete (Groß- 
Rußland, .Ukraine, Finnland, Sibirien, Polen. S.-A. aus: Stahl 
und Eisen, 1919, Nr. 8. Düsseldorf 1919. 

BoKN, A. : Das Hjrobecken. Eine Skizze seiner Entstehung und 
seines geologischen Aufbaus. Mit 2 Karten, 2 Profiltafeln 
und 18 Textfiguren. S.-A. aus: Neues Jahrb., Min.- usw. 
Beilage, Band 42. Stuttgart 1919. 

Gagel, C : Über zwei fossilführende Interglaziale in "Wolhynien. 
S.-A. aus: Zentralbl. Min. Jahrg. 1918, N?\ 19 u. 20. Stutt- 
gart 1918. 
— ■ Tiefengesteine von den Caiiarischen Inseln. S.-A. aus: W. v., 
Jahrg. 1915, Nr. 12. Stuttgai't 1915. 

— Probleme der Diluvialgeologie. S.-A. aus : BRANCA-Festschrift 
1914. Berlin 1914. 

— Die altsteinzeitliche Fundstelle Markkleeberg bei Leipzig. Ge- 
danken e'ines Geologen über den gegenwärtigen Stand der 
paläolitischen Forschung. S.-A. aus : Mannus, Zeitschr. f. 
Vorgeschichte im Auftrage der Gesellsch. f. deutsche Vor- 
geschichte. Bd. VI. "Würzburg 1914. 

— Beobachtungen über einige Wolframitlagerstätten im süd- 
östlichen Portugal. S.-A aus: Zeitschr. f. prakt. Geologie 
H. 8, 1916. Berlin 1916. 

Harbokt, E. : Graphitführende Pegmatitgeschiebe aus dem Di- 
luvium von Liszaguraberge bei "Wronken in Masui-en. S.-A. 
aus: Diese Zeitschrift Bd. 67, 1915, Monatsber." Nr. 6. 
Berlin 1915. 

— Über zonar in Steinsalz und Kainit eingewachsene Magnet- 
kieskristalle aus dem Kalisalzbei-gwerk Aller-Nordstern. S.-A. 
aus: Kali, Zeitschrift für Gewinnung, Verarbeitung und Ver- 
wertung der Kalisalze 9. Jahrg. 1915, Heft 6. Halle a. S. 
1915. 

— Deutschlands mineralogische Bodenschätze als Quellen deut- 
scher Kraft. S.-A. aus: Deutsche Kriegswochenschau Nr. 64. 
1918. Berlin 1918. 

— Die Bodenschätze Rumäniens. S.-A. aus: W. v., Nr. 76, 1918. 



— 63 — 

Heim, Aknold ; Zur Geologie des Grünten im Allgäu. S.-A. aus : 
HEiM-Festschrift, Vierteljahrsschrift der Naturforschendeyi Ge- 
sellschaft in Zürich 1919. Zürich 1919. 

— Über Arbeitsmethoden schweizerischer Ali3engeolog-en. S.-A. 
w. V. 

Hummel, K. : Über einige Fossilien aus der unteren Dyas von 
Tasmanien. S.-A. aus : Neues .Jahrbuch für Min 191.5, 
Bd. 1, Stuttgart 1915. 

Keilhack, K. : Geologische AA'irkungen der Sturmflut der- .Jahres- 
wende 1913/14 auf die ICüsten der Ostsee. II. Eugen, Usedom 
und Wollin. S.-A. aus : Jahrbuch der Preuß. Geologischen 
Landesanstalt für 1914, Bd. 35, T. II, H. 1. Berlin 1914. 

— Aufschlüsse märkischer Eisenbahn-Xeubauten. S.-A w. v. 
für 1915, Bd. 36, T). II, H. 1. Berlin 1915. 

■ — Über tropische und subtropische Torfmoore auf der Insel 
Ceylon. S.-A. w. v. für 1915, Bd: 36, T. II, H. 1. Berlin 1915. 

— Bemerkungen zu einigen in den .Jahz'en 1916 und 1917 er- 
schienenen Arbeiten von E. Wunderlich, O. Jabkel und 
A. Penck. S.-A. w. V., Bd. 38, T. I, H. 2. Berlin 1918. 

— Felix "Wahnschafpe, Gedächtnisrede gehalten von K. Keil- 
hack am 2. März 1914. S.-A. w. v. Bd. 35, T. II, H. .3. 
Berlin 1914. 

-— Ein artesischer Grundwasserhorizont in der Berliner Gegend. 
S.-A. aus : Internationale Zeitschrift für "Wasserversorgung, 
3. Jahrg., H. 7. Leipzig. 

— Die äußerste Endmoräne der jüngsten A'ereisung Xorddeutscli- 
lands. S.-A. aus: Geologische Rundschau, Bd. VII, H. 7/8. 
Leipzig 1917. 

— • Kriegs- und Militärgeologie. S.-A. aus: Lehrbuch der prak- 
tischen Geologie von Prof. Dr. Keilhack. II. Bd., 3. Aufl. 
1916. (Kapitel 72.) Verlag von F. Exke in Stuttgart. 

— ■ Entstehung, Einteilung und geologische Bedeutung der Torf- 
moore und ihre Beeinflussung durch Meliorationen. S.-A. aus : 
Beiträge zur Naturdenkmalpflege, herausgegeben von H. Con- 
WENTz, Bd. 5. H. 2. Berlin 1916. 

— Die geologischen Verhältnisse des Kreises Teltow. S.-A. aus : 
Teltower Kreiskalender 1914. 

Kkause, P. G. : Zur Geologie des Kreises Sensburg. Abdruck aus : 
Unsere masurische Heimat. Meiningen 1918. 
— -Zum Gedächtnis von Adolf Karl Remele. S.-A. aus: 
Diese Zeitschrift Bd. 68, 1916, Monatsber. 4/6. Berlin 1916. 

— Über einen neuen Fundpunkt jungdiluvialer Koiichyllen aus 
Ostpreußen. S.-A. aus: W. v. Bd. 69, Monatsber. 1/4. 
Berlin 1917. 

— Einige Beobachtungen im Tertiär und Diluvium des westlichen 
Ni'ederrheingebietes. S.-A. aus: Jahrbuch der Preuß. Geo- 
logischen Landesanstalt für 1911, Bd. 32, T. II H. 1. Berlin 
1912. 

— Bheinprovinz, Bericht über wissenschaftliche Ergebnisse im 
Jahre 1915. "S.-A. w. v. Bd. 36, T. II, H. 3. 'Berlin 1916. 

— Weitere Beobachtungen im Tertiär und Diluvium des Niedei'- 
rheins. II. Stück. S.-A. aus: AV. ,v. Bd. 38, T. I. H. 2. 
Berlin 1918. 



64 



ßechniings - Abscliluss 

der Deutschen Geologischen Gesellschaft (E. V.) zu Berlin 
für das Jahr 1918. 



Einnahmen: 

1. Bestand am 31. Dezember 1917 .... 1 594,36 M. 

2. Mitgliederbeiträge 12 286,13 „ 

3. Druckschriftenverkauf 3 888,63 „ 

4. Zinsen 538,10 „ 

5. Sonstiges 1 200, — ,, 



Summe 19 507,22 M, 



Ausgaben: 

1. Druckkosten 11 171,36 M. 

2. Bibliothek 343,75 „ 

3. Verwaltung 

a) Vergütung 2 125, — ,, 

b) Versendung der Zeitschrift .... 826,66 ,, 

4. Sonstiges 1 534,25 ,, 

5. Per Saldo 3 506,20 „ 

Summe 19 507,22 M. 



Vermögensbestand : 

Effektenbestand 12 300,— M. 

Hierzu Barbestand 3 506,20 ,, 



Vermögensbestand am 31. XII. 1918 15 806,20 M. 
E. P i c a r d , Schatzmeister. 



Zeitschrift 



der 



Deutschen Geologischen Gesellschaft. 

B. Monatsberichte. 
Nr. 5-7. MD. 



Protokoll der Sitzung vom 7. Mai 1919. 
Vorsitzender: Herr Keilhack. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung- und macht Mit- 
teilung von der Anmeldung folgender neuer Mitglieder: 

1. Fräulein Gisela Bender in Baden-Baden, Lichtentaler 
Allee 32, 

2. Herr Dr. Albert Ratzbl, Assistent am Geol. In- 
stitut der Universität Heidelberg, 

beide vorgeschlagen von den Herren Salomon, 
BoTzoNG und Ewald. 

3. Herr cand. geol. Fritz Kautsky aus Wien, zurzeit 
Berlin N 4, Invalidenstr. 43, 

auf Vorschlag der Herren Dietrich, Janensch und 
Pompeckj. 

4. Herr Bergassessor Bernhard Dreybr in Berlin N4, 
Invalidenstr. 44, 

vorgeschlagen von den Herren Beyschlag, Krusch 
und Räfler. 

5. Herr Waldemar Schornstein in Waidenburg i. Schi., 
Markt 14, 

• vorgeschlagen von den Herren Beyschlag, Krusch 
und Bärtling. 

Der Vorsitzende berichtet, daß die Ergebnisse der 
Prüfung der Rechnungslegung für. das Jahr 1917 durch 
Rundschreiben sämtlichen Mitgliedern mitgeteilt sind und 
deren Zustimmung dazu erbeten worden ist. Es sind 193 Zu- 
stimmungen dazu und Entlastungserteilungen eingegangen. 
Widerspruch ist nicht erhoben, so daß damit die Entlastung 
für die Geschäftsführung vollzogen ist. 

Der Vorsitzende legt die neu eingegangenen Bücher und 
Sonderabdrucke vor. 

5 



— 66 — 

Sodann macht Herr Pompeckj eine Mitteilung- übei- die 
von den uns feindlichen Mächten l>etriebenen Bestrebungen, 
die deutsche Wissenschaft auch nach dem Krieg-e zu boy- 
kottieren uhd namentlich die referierenden deutschon Zeit- 
schriften lahmzulegem. Es sind nun von deutschen wissen- 
schaftlichen Gresellschaften Anregungen entstanden, diese 
Pläne zu durchkreuzen. 

Herr Pompeckj schlägt der Gesellschaft folgende Ent- 
schließung zur Annahme durch die Gesellschaft vor: 

Die Deutsche Geologische Gesellschaft erklärt, daß 
das Bestehen der auch die Literatur des Auslands be- 
sprechenden referierenden Zeitschriften für das wissen- 
schaftliche Allheiten auf den Gebieten der Naturwissen- 
schaften und Technik unumgänglich notwendig ist. Sie 
betont die gi'oße Notwendigkeit, daß im Hinblick auch 
auf die hohen nationalen Aufgaben der Wissenschaften 
die deutschen, referierenden Zeitschriften, welche den 
Natin^Avissenschaften und der Technik dienen, auf jede 
nur irgend mögliche Weise unterstützt werden müssen. 

Zur Erörterung sprechen die Hennen Raufp, Wolpf, 
Wekth, Oppenheim und der Vorsitzende. 

Der Antrag des Herrn Pompeckj wird angenommen. 

Der Vorstand wird ermächtigt, die Entschließung an 
das Kultusministerium einzureichen. 

Herr F. HERRMANN spricht 

Über Erdbrände. 

Mit dem nicht sehr glücklich gewählten, aber seit lajiger 
Zeit in der geologischen Literatur eingebürgerten W^orte 
Erdbrand bezeichnet man nach J. Rothi) die Erscheinung 
der Selbstentzündung bei Stein- und Braunkohlen. Diese Be- 
griffsbestimmung ist zweifellos zu eng gefaßt, da auch 
bituminöse Schiefer Veranlassung zu Erdbränden geben 
können. So haben nach einer mir von Herrn von Linstow 
gemachten Mitteilung die sehr bituminösen und schAvefel- 
kiesreichen Dictyonemaschiefer Estlands zwischen Baltisch- 
Port und Pakker-Ort im Ausstrich längs der Küste infolge 



1) J. Roth, Allg. u. chemische Geologie, lll. Bd., S. 25 f., 
1893. Hierin viele Nachweise der älteren Literatur. — Über Mi- 
neralneubildungen bei Ei'dbränden V"-!. ebenda I. Bd., S. 420. 
1879, und III. Bd., S. 366, 18. 



— 67 — 

Selbstentzündung 19Uö lanfangreiclie Erdbrände bewirkt. 
Andererseits fehlt in der RoTuschen Begril'fsbestim- 
mung eine Unterscheidung zwischen den ohne Zutun 
des Menschen entstandenen, rein geologisch bedingten, 
und den künstlich durch Bergbau, Tagebaubetrieb 
und ähnliclie gewaltsame Eingriffe in die Natur hervor- 
gemfenen Erdbränden. Letztere bilden allerdings die Mehr- 
zahl der bekanntgewordenen und in der Literatui- be- 
handelten Erdbrände. Die Wirkungen beider Gruppen von 
Erdbränden, die dabei entstehenden Mineralneubildungen^) 
— auf den sächsischen und österreicliischen geologischen 
Karten als Erdbrandbiklungen, Kohlenbrandgesteine oder 
Porzelianjaspis bezeichnet — dürften wenig oder gar nicht 
verschieden sein. 

In den meisten Fällen wii'd es schwer oder immöglich 
sein, die Entstehungsursachen der Erdbrände festzustellen. 
Gelingt es Jedoch, Beweise für ein so hohes Alter eines 
Erdbrandes zu erbringen, daß der Mensch als Urheber nicht 
in Frage kommen dürfte, so haben wir damit ein A^^eitel'e9 
Beispiel eines natürlichen, nur auf Selbstentzündung brenn- 
lichci' Mineralien beruhenden Erdbrandes gewonnen. Es soll 
im folgenden diese Beweisfühj'ung füi^ ein serbisches Erd- 
brandvorkonunen versucht wei"den, vorher aber kurz auf 
einige der bekanntesten sonstigen EMbrände"-) eingegangen 
werden. 

Der sogenannte brennende Berg bei Dudweiler*), dem 
H. V. Dechens) eine kurze Besprechung widmet, ist trotz 
seines hohen Alters ein auf Bergbau ziu-ückzuführender 
Erdbrand im Ausgehenden des Blücherflözes. Da,sselbe gilt 
■wohl auch für den bekannten Erdbrand von Planitz^) bei 
Zwickiiu, obwohl er bereits aus dem 15. Jahrhundert lu-kund- 
lich erwähnt wird. Dagegen wird der Porzellanjaspis von 



-) Vgl. M. Mayencon, Comptes read. hebd. T. 86, S. 491 f , 
1878, und J. Roth, a. a. O. 

Am meisten ins Auge fallend sind von den Erdbrandbildungen 
die lebhaft gelb und rot gefärbten gehärteten (verziegelten) Tone 
und Schiefertone. 

3) In den Werken von Zincken, Physiographie der Braimkohle 
1867, S. 255 f. und .1. Roth, a. a. O. ist eine große Anzahl von 
derartigen Fundstellen angegeben, auf die hier verwiesen sei. 

*) Erl. Geol. Karte v. Preußen, Lief. 6, Blatt Dudweiler S. 4 f. 

^) Dechen, Rheinprovinz 1884, S. 266. 

6) Dalmek in Erl. z. geolog. Spezialkarte d. Kgr. Sachsen, 
Sektion Planitz-Ebersbrunn 1885, S. 43. 

5* 



— 68 — 

Groß-Almerode') als eine Erdbranclbiiduug- der Alluvialzeit 
angesprochen und durch diese Einordnung in das strati- 
graphische System die mutmaßlich natürliche Entstehung 
angedeutet. Der auf der Sektion Zittau^) mit tesonderem 
Buchstaben miterschiedene Porz^Uanjaspis im dortigen mio- 
cänen Braunkohlenton wird von Th. Siegbrt als Kohlen- 
brandgestein beschrieben. Der Burgberg westlich Zittau 
besteht aus solchen Gesteinen und ist nach Siegert ein 
Erosionsrest, der seine Erhaltung nur seiner Brennung und 
Härtung verdankt. Bei Hartau tritt das Gestein in erheb- 
licher Ausdehnung auf der „roten" Höhe zutage und ist 
auch in mehreren Schächten dort angetroffen, so in einem 
Schacht bei 12,5 m Tiefe in 4 m Mächtigkeit. Leider sind 
aus den Erläuterungen Siegeets die über- und unterlagern- 
den Schichten nicht zu ersehen. Di© Erdbrände bei Zabrze 
(Hindenburg) und Kattowitz hielt bereits Eömee^) für vor- 
historisch, mindestens jodoch für entstanden vor Einsetzen 
des Bergbaues. Sie liegen auf den veröffentlichten Blättern 
(1:25 000) Kattowitz und Gleiwitzi°), gehören den Ausbissen 
des Pochhammer- und Heinitzflözes an und sind wohl ^^-egen 
ihi^er geringen Oberflächenausdehnung nicht besonders aus- 
geschieden und in den Erläuterungen nicht erwähnt. Das bei 
weitem ausgedehnteste und in jeder Hinsicht bemerkens- 
werteste Erdbrandgebiet von Mitteleuropa ist unstreitig das 
nordwestböhmische Braunkohlenbecken. Die geologische 
Karte dieses Gebiets in dem Werke „Die Mineralkohlen 
Österreichs''^!) gibt die „Erdbrandgesteine", die sich oft 
mehrere Kilometer weit erstrecken, mit besonderer Farbe 
an. Doch auch fast alle älteren Karten^^) scheiden sie aus. 
Die Entstehung dieser sehr alten Erdbrände wurde von 
älteren Autoreni^) mit den Basalteruptionen in Verbindung 



7) Geol. Karte v. Preußen, Lief. 23, Blatt Groß-Almerode und 
Erl. S. 36. 

8) Geol. Spez. -Karte d. Kgr. Sachsen, Sektion Zittau-Ovbin- 
Lausche, Blatt 107 und Erl. dazu S. 42 f., 1897. 

9) F. EÖMEE, Geologie von Obeilschlesien, 1870, S. 68. 

10) Geol. Karte v. Preußen, Lief. 173, Bl. Kattowitz und 
Gleiwitz. 

11) Die Mineralkohlen Österreichs, Wien 1903, S. 292 f. und 
S. 340, sowie Tafel Xu. 

12) G. C. Laube, Geol. Exkui'sionen im Thermalgebiet des 
nordw. Böhmens, 1884, S. 24, 38. 40, 58, 98, und Profiltafel 1. 
— A. E. Retjss, Geogn. Skizze d. Umg. von Karlsbad usw., 1863, 
S. 44 f. und Karte. 

13) Vgl. J. Knett. '74. Vers. D. Xaturf. u. Ärzte 1902, 
Teil n, 1, S. 141. 



— 69 ~ 

gebracht, aber bereits Jokely^*) hält sie jnit Haidinger 
für SelbstentzüiidungspTOdukte, die mit den Basalteruptionen 
nichts zu tun haben. Das hohe Alter derselben .wird nach 
ISTaumannis) dadurch bewiesen, daß die Greländefonnen in 
den Erdbrandgebieten Jünger sind als die BraUnkohlenbrände, 
und zwar sind die Täler in die Gebiete ohne Erdbrand, also 
in unveränderte Tone und Sande eingeschnitten, während 
dazwischen die gehärteten Erdbrandgesteine als Kuppen 
(Härtlinge) hervorragen. Diese Erdbrände gehören also 
ziemlich sicher der Diluvialzeit an. Dasselbe gilt wohl auch 
von den entsprechenden G-esteinen bei Zittau, die oben 
erwähnt sind. 

In den Jahren 1917 und 1918 bot sich mir nun Gelegen- 
heit, zahlreiche Vorkommen von Erdbrandspuren auf den 
Kohlengruben Serbiens zu beobachten. Sie finden sich liier 
an Kohlen der Kreide und des Tertiärs. Die Gründe, die die 
Selbstentzündung begünstigten oder veranlaßten, sind die- 
selben, wie bei allen sonstigen Erdbränden: der durchweg 
hohe Gehalt an Schwefelkies, die gestörte Lagerung, die 
allenthalben die Kohle zum Ausstreichen an der Erdober- 
fläche bringt und vielleicht auch das Klima, in dem starke 
Regenfälle mit nachfolgender erheblicher Erw^ärmung ab- 
wechseln, was die Schwefelkieszersetzung in freigespülten 
und durchfeuchteten Kohlenflözen begünstigen mag.^^) 
Jedenfalls haben wir kaum irgendwo die Brandspuren ver- 
mißt, wo Kohlenausbisse vorhanden waren. 

So lassen sich z. B. die stark bituminösen tertiären 
Schiefer und Kohlen von Aleksinac in ilirer Eortsetzung nach 
Norden an Hand der Erdbrandspuren deutlich verfolgen. 

Ebenso sind die Kreidekohlen von Vina bei Knjazevac 
auf 500 — 1000 m im Ausgehenden verbrannt, haben das 
Nebengestein in der gewohnten "Weise verändert und sogar 
auf die unverbra^nnt gebliel^ene Kohle verkokend eingewirkt, 

1*) J. JoKELY. Jahrb. d. K. u. K. geol. Reichs-Anst , 1858, 
S. 533 ff. 

15) C. F. Naumann, Lehrb. d. Geognosie I, S 736 f. und III, 
S. 145 f., 1858—1872. 

16) ,,Die Fähigkeit der Kohle, durch aufgenommenen Sauerstoff 
sich teilweise zu oxydieren, führt zur Erwärmung. Eine weitere 
■Wärmequelle ist die Oxydation des in der Kohle enthaltenen 
Schwefelkieses, die in feuchter Luft rascher erfolgt, als in 
trockener." — 

,,Auf der leichten Verwitterbarkeit des Fe S2 und der dabei 
freiwerdenden "Wärme beruht die hohe Temperatur mancher Erz- 
gruben und die Selbstentzündung mancher Kohlenhalden." (Klock- 
MANN, Mineralogie, 11. Aufl., 1900, S. 327.) 



70 



in derselben Weise, wie es v. Ctümbeli^) aus der Braunkohle 
von Häring in Tirol, und Dalmeri*^) von Planitz in S.ichsen 
beschi-eibt. 

Am ausgedehntesten war in Serbien die Erscheinung 
an den jungtertiären Braunkohlen (Ligniten) des Kostolacer 
Höhenrückens zu l3eobachten, der sich einige Meilen östlich 
von Semendria von der Donau nach Süden erstreckt und 
einen von Radiärsprüngen des pannonischen Senkungsfeldes, 
an dessen Südrand wir uns hier l>efinden, gebildeten schmalen 
Horst darstellt. Die infolge dieser Sprünge zum Ausbiß ge- ' 
langende Kohle ist ringsum an den Hängen verbrannt und 
hat die mächtigen überlagernden Tone geradezu verziegelt. 

Diese Erdbrandbildungen lassen sich iDesonders am West- 
abhang des Höhenmckens weit nach Süden über Pozarevac 
hinaus verfolgen, während- ich sie am östlichen Hang bis zu 
dem Ort Bradarac (Bradarci) kenne. Sie sind in mehreren 
kleinen Stembmchen an der Straße von Kostolac nach 
Pozarevac aufgeschlossen und werden als das einzige härtere 
Material, was in dieser von Löß, Ton und Sand bedeckten 
G«gend zu finden ist, zur Verbesserung der Straßen benutzt, 
ähnlich wie das bei Bogutschütz u. a. 0. in Oberschlesien 
nach Römerin) mit den dortigen Erdbrandgesteinen geschah. 

Auch die Ausbisse in der Umgebung der Grube Radenka 
im nördlichen Serbien lassen sich zum großen Teil nur an 
den veränderten Tönen im Grelände verfolgen. Infolge dieser 
Erfahrungen über das Verhalten der serbischen Kohlen ge- 
lang es Herrn Weltbr und mir, als wir nördlich des 
Ochridasees auf Gnmd einer Literaturnotiz ein Braunkohlen- 
vorkommen aufsuchten, dieses tatsächlich mit Hilfe der 
schon von weitem sichtbaren rotgebrannten Tone im Han- 
genden des Braunkohlenflözes aufzufinden. Somit können 
die Erdbrände auch ausgezeichnete Leitgesteine beim Auf- 
suchen von Kohlen sein. 

Bei allen diesen noch heute zutage ausgehenden ser- 
bischen Erdbrandgesteinen w'ar es jedoch zum mindesten 
zweifelhaft, ob nicht der Mensch den Brand veranlaßt hatte. 
Da liefern nun Bohrungen, die zur Erschließung der Braun- 
kohlen von Kostolac 1917 ausgeführt ■\^amden, sehr be- 
merkensAverte Anhaltspunkte für ein höheres Alter und da- 
mit für die natürliche Entstehung der dortigen Erdbrände. 



") V. GüMBEL, Sitz.-Ber. Bayr. Akad.. 1883, S. 150. 

IS) Dalmer, a. a. 0. 

19) EÖMER, a. a. O., S. 68 f. 



7/ 



Zur Vera nschaulicliuiig- 
der Lagern ngs vor hä Itni sse 
dient das Profil (Fig. 1), 
das nach den Bohrergeb- 
nissen und vom Mark- 
scheider ausgeführten Hö- 
henmessungen entworfen 
ist. Es stellt einen Quer- 
schnitt durch den West- 
abhang des Kostolacer 
Höhenrückens dar. Die 
geologischen Verhältnisse 
sind kurz etwa folgende: 
Das ganze Gebiet ist von 
einer Lößdecke verhüllt, 
die ziemlich gleichmäßig 
4— 5 m mächtig ist, stellen- 
weise jedoch auch über 
10 m Mächtigkeit erreicht. 
Dann folgt unter einer 
10 — 25 m mächtigen Lage 
von Tönen der levantini- 
schen Stufe mit massein- 
haften Paludinen das hier 
bis zu 16 m mächtige 
Tjignitflöz. Während es in 
der mit II a bezeichneten 
Bohrung noch in seiner 
vollen Mächtigkeit ange- 
troffen wurde, ergab sich 
nach dem Ausgehenden 
nach Westen hin — die 
Oberfläche fällt mit etwa 
5 ° etwas steiler ein als 
das Flöz mit etwa 4 ° 
— eine erhebliche Ver- 
schwächung des Flözes. 
Dabei machten sich schon 
in Bohnmg III an der 
Grenze zwischen Tbn und 
Flöz Brandspuren be- 
merkbar, die in Boh- 
nmg III a ganz erheb- 
lich Avaren. Bohruni? I"\^ 



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— 72 — 

und V endlich trafen das Flöz nicht mehr. In Boh- 
ining IV staniden unter der Lößdecke diluviale üm- 
lagerungsprodukte an, Schotter mit verschwemmten Ton- 
fetzen in einer Mächtigkeit von etwa 6 m, darunter dann 
die anscheinend verstürzten Tone in verminderter Mächtig- 
keit von nur etwa 4 m. Endlich folgte gebrannter Ton 
mit Braunkohlenresten in etwa 2 m Mächtigkeit. Dai-unter 
wurde die normale Unterlage des Braunkohlenflözes, wie 
es von anderen Bohrergebnissen bekannt war, erbohrt; 
nämlich 2 m Tone und daninter Schwimmsande. Die Deutung 
des Profils ist nicht ganz sicher. Entweder ha1>en wir es 
bis zu den Brandwirkungen hinab mit diluvialem Schutt 
zu tun, oder der tiefere Teil des Profils liegt noch auf 
primärer Lagerstätte, nur durch die "Wirkungen des Erd- 
brandes in sich etwas verstürzt. Solche Verstürzungen im 
Hangenden des Erdbrandes sind sehr bezeichnend und in den 
Aufschlüssen bei Kostolac und südlich davon, bei Klenownik, 
gut zu beobachten. ISTaumannso) u. a. schildern sie z. B. 
aus dem Teplitzer Becken. 

Gleichviel, ob man das beschriebene Profil auf die 
eine oder andere Weise deutet, bleibt die Tatsache 
bestehen, daß die Erdbrandspiu'en in der erheblichen Tiefe 
von 16 m, etwa 1 m über dem heutigen Donauspiegel und be- 
trächtlich unter dem dortigen uns bekannten Grundwasser- 
spiegel, erbohrt worden sind, überlagert von diluvialem 
Schotter und mächtigem Löß. Ähnliche Verhältnisse trafen die 
Bohrung V — ntir daß hier der Ton wieder durch Staffelung 
in eine tiefere Lage gelangt ist — und ein Teil der zahlreichen 
Bohrungen, die im weiteren Verlauf der Untersuchungen zur 
Feststellung der Westgrenze des Braunkohlenfeldes nieder- 
gebracht wurden : überall mehr oder minder starke Erdbrand- 
spuren unter der Diluvial- und Tonbedeckung und ent- 
sprechende Verminderung der Braunkohlenmächtigkeit. 
Dieser Befund läßt meines Erachtens nur die Deutung zu, 
daß infolg-e der Abbruche des Kostolacer Horstes das Flöz 
zum Ausstreichen an der Erdoberfläche gelangte, durch 
Selbstentzündung in Brand geriet und verbrannte, nach 
dem Innern des Berges zu in abnehmendem Maß, nur noch 
in seinen oberen Lagen. Die überlagernden Tone wurden 
dabei entsprechend stärker oder schwächer gebrannt und 
gefrittet. Erst danach fanden die diluvialen Umlageningen 
und die Ablagerung des Lößes statt. Eine ganz genaue Zeit- 

20) A. a. 0. ni, S. 145. 



73 



angäbe läßt sich naturgemäß nicht geben. Die Erdbrände 
müssen hier in der Zeit zwischen dem jüngeren Diluvium 
und der Ablagerung der Belvedereschotter stattgefunden 
haben. Sie dürften also jedenfalls der Einwirkung des 
Menschen ihre Entstehung nicht verdanken, w^ogegen ja 
schließlich auch che sonstige ganz allgemeine Verbreitung 
der Erscheinung spricht. 

Ich glaul>e somit den Beweis erbracht zu hal>en, daß 
hier ein natürliches Erdbrandvorkommen vorliegt. 

Zum Schluß sei noch kurz auf die allgemeine Be- 
deutung der besprochenen Erscheinungen für die Greologie 
hingewiesen. 

Die Erdbrände sind keineswegs nur Sonderfälle, die 
einen gewissen Merkwürdigkeitswert besitzen — ich erinnere 
an die Treibgärtnereien in Planitz bei Zwickau und in 
Staffordslüre in England, die die von den Erdl)ränden hervor- 
gerufene Erhöhung der Bodentemperatur benutzten — , son- 
dern geologisch selbständige Bildungen. Allerdings ist der 
Vorgang der Selbstentzündung der gleiche wie bei den 
künstlich durch Aufschlußarbeiten hervorgerufenen Bränden, 
mit Ausnahme der wohl meistens zweifelhaften Falle, wo 
Eruptivgesteinkontakt die Ursache der Entzündung ^var. 
Vorbedingung ist nur, daß ein stark bituminöses oder kausto- 
biolithisches Gestein den Einwirkungen der Atmosphäre 
ausgesetzt wird, ehe es sich mit einer schützenden Ver- 
witterungsdecke überziehen kann. Überall wo ein solches 
Gestein über die Erosionsbasis gehoben ist und durch Erd- 
rutsche, Abspülung oder ähnliche Ursachen freigelegt wird, 
sind die Bedingungen für einen Erdbrand gegeben, der dann 
weiter in der von den Gruben- und Haldenbränden genugsam 
bekannten Weise verläuft. 

Die Erdbrandgesteine selbst kömien, wie die Beispiele aus 
Sachsen imd Böhmen zeigen, geologisch-morphologische Be- 
deutung gewännen, sie können weiterhin, wie in Serbien, 
leitend bei der Aufsuchung und Verfolgung der Kohlenflöze 
sein, oder, wie in den Bohrimgen von Kostolac, die ehemalige 
Lage des Flözes anzeigen und damit weiteres unnötiges 
Bohren ersparen. Auch auf die Bedeutung für Mineralogie 
und Petrographie sei liier nochmals hingewiesen, nachdem 
IS^AUMANN^i) und RoTH^i) die Erscheinung als Parallele zu 
echter kaustischer Metamorphose herangezogen haben. Zieht 

21) A. a. 0. 



74 



man außerdem die Verbreitung- der Erscheinung- in Betracht 
— Roth22) erwähnt u. a. außer den hier g-enannten Vor- 
kommen in Deutschland, Böhmen, Serbien und Estland 
beispielsweise solche aus Frankreich, England, Rumänien, 
Grönland und Amerika — , so erschiene es gerecht- 
fertigt, wenn auch in unseren neueren Lehrbüchern der 
Geologie, ebenso -wie es in den älteren, z. B. von Nau- 
MANN28) geschah, die Erdbrände wieder Erwähnung finden 
würden, wo sie unter den Wii'kungen der Atmosphäre oder 
bei der kaustischen Metamorphose einzm^eihen wären. 

An der Besprechung beteiligen sich die Herren 

POMPECKJ, WbISSEEMEL, ZIMMERMANN I, BlrvTLING, KeiL- 

HACK und der Vortragende. 

Herr POMPECKJ erwähnte einen modernen Erdbrand am 
M e i ß n e r. 1907 war nördlich von S c h av a 1 b e n t h a 1 auf 
der Ostseite des Meißners, wo erhebliche Gehängerutschungen 
vorgekommen waren, ein Erdbrand zu beobachten: aus einem 
verfallenen Stollenmundloch an der Unterkante des Basalts 
stiegen den Sommer hindurch leichte Rauchwolken auf, 
welche auf einen Brand der Braunkohle zurückzuführen 
waren. Der Brand erlosch gegen Ausgang des Sommers. 
An der gleichen Stelle sind vorgeschichtliche Brände vor- 
gekommen, wie aus den Funden von ,,. Jaspis" hervorgeht. 
Zu den von dem Herrn Vortragenden besprochenen vor- 
geschichtlichen Erdbränden fügt Herr Pompeckj das ^'or- 
kommen von rotgebrannten Posidonomyenschiefern des 
Oberen Lias an den ,, Zwerglöchern" bei Hildes heim 
und Spuren eines ähnlichen Brandes in Schichten gleichen 
Alters vom Westfuß des PI a i n b e r g s , westlich von Lutter 
am Barenberge unterhalb \oii ,,. Jägerhaus". 

Herr R. BÄRTLING weist in der Diskussion nochmals 
auf die Verbreitung: und praktische Bedeutung der Erd- 
brandgesteine hin. 

Daß die Erdbrände nicht nur auf Kohlenlagei'stätten 
beschränkt sind, beweisen die \'orkommen im Posidonomyen- 
schiefer des oberen Lias bei Hildesheim. Besonders bekannt 
ist hier das als Versteinerungsfundort wichtige Vorkommen 
an den ,,ZAvergslöchern" bei Hildesheim. Die Erdbrand- 



A. a. O. 
A. a. O. 



— 75 ~ 

gesteine beschränken sich aber nicht auf die Unigebung- 
dei' Zwergslöcher, sondern finden sich auch noch in etwa 
4 km Entfernung am Hohen Wall beim Kriegerdenkmal 
Avieder. Im Gegensatz zu der von Herrn Pompeckj in der 
Erörterung ausgesprochenen Ansicht, daß es sich hier um 
prähistorische Erdbrände handelt, die ohne I-Aiiwirkung des 
Menschen in den verhältnismäßig nicht sehr bitumen- 
reichen Posidonomyenschiefern entstanden sind, möchte ich 
auch der Auffassung Ausdruck geben, daß sie auch auf 
alten JBergbau zurückgeführt werden können. Die ZAvergs- 
löcher sind Reste eines frühmittelalterlichen Alaunschiefer- 
bergbaus. In dem igebrannten G^estein war ein kleiner, alter 
Stollen, in dem wir in meiner Kinderzeit oft gespielt haben, 
vor etwa 25 — 30 Jahren noch offen. Heute ist davon nichts 
mehr zu sehen, wie mir mitgeteilt Avurde. Alit Sicherheit 
läßt sich zwar das höhere oder jüngere Alter der Erd- 
brände und des Bergbaus nicht beweisen, da der Zustand 
des Stollens, soweit ich mich entsinne, keine Schlüsse zuließ. 
Es wäre denkbar, daß man durch den alten Bergbau auch 
Alaun im gebrannten Gestein gesucht hat. Wärerl die 
Brände erst in spätmittelalterLicher Zeit entstanden, so 
würden uns sicher alte Urkunden der Stadt Hildesheim 
von einem brennenden Berg berichten. Ohne Frage sehr 
alt sind die Erdbrandgesteine am Hohen Wall in Hildes- 
heim, da auf ihnen zmn Teil das alte Michaeliskloster 
und ein Tteil der Stadtmauer ruhen, dagegen ist eine Mit- 
wirkung des Menschen bei Entstehung des Erdbrandes an 
den Zwergslöchern zum mindesten walirscheinlich. 

Sichere Schlüsse auf das Alter vieler Erdbrände sind 
auf dem Balkan möglich, wo ich sie ebenso wie Herr 
Heekmann an sehi" zahlreichen Kohlenvorkommen l>e- 
obachten konnte. Ihr Auftreten am Ausgehenden des Flözes 
ist zwar nicht unbedingt überall zu linden, ilu^e Verbreitung 
ist laber eine ganz außerordentlich große, namentlich bei 
den leichter entzündlichen Braunkf)!ilen. Sie sind' seltener 
bei den Kreidekohlen und scheinen bei den Steinkohlen 
des Lias und des Karbons in Serbien ganz zu fehlen. Sie 
erleichterten uns die Aufsuchung neuer oder wenig bekannter 
Lagerstätten ganz außerordentlich und haben in jenen 
Ländern für größere Braunkohlenvorkoramen fast die gleiche 
Bedeutung wie der eiserne Hut für größere Erzlagerstätten. 

Nicht nur die Lage der Braunkohlenflöze zeigten uns 
diese Erdbrandgesteine an, sondern sie ließen auch mit 



76 



gewissem Vorbehalt Schlüsse auf deren Mächtigkeit zu. 
Derartige Schlüsse können natürlich nur relativ sein, da 
die Ausdehnung der Brandwirkung selbstverständlich in 
großem Umfang davon abhängt, ob die Scliichten im Hangen- 
den selbst reich an brennbaren Bestandteilen waren oder 
nicht. Auch sonst ist es natürhch ausgeschlossen zu sagen, 
daß so und soviel Meter verbrannter Deckgebirgsmächtig- 
keit eine bestimmte Mächtigkeit eines ausgebrannten Kohlen- 
flözes entsprechen. Wenn aber die Mächtigkeit des Erd- 
brandgesteins im Hangenden der Lagerstätte 10, 20 und 
noch erheblich mehr Meter betrug, so war man berechtigt, 
auf ein ansehnliches abbauwürdiges Kohlenvorkommen zu 
schließen. 

Die Bedeutung der Erdbrandgesteine für die Aufsuchung 
und Beurteilung von Kohlenlagerstätten in sonst noch 
wenig erschlossenen Gebieten, namentlich in heißeren 
Ländern, ist daher nicht zu unterschätzen. 

Abgesehen von dem von Herrn Heermann beschriebe- 
nen Vorkommen bei der Grube Kostolac finden sich in 
Serbien noch verschiedentlich Erdbrandgesteine, bei denen 
ein hohes Alter und eine Entstehung ohne Einwirkung des 
Menschen leicht und sicher nachweisbar ist. So ist bei der 
Senonkohlengrube Dobra sreca in Vi na (etwa 11km west- 
lich Knjazevac) ein hohes xilter mit Sicherheit anzunehmen. 
Ein Teil der Erdbrände an dieser Stelle ist zwar wohl 
Aveiter nichts als ein alter Grubenbrand, aber westlich von 
der Kohlengruben finden sich noch Stellen, avo der Brand 
hohes Alter hat. Hier ist stellenweise als einzige Spur der 
alten Erdbrände nur die verkokte Kohle am Ausgiehenden 
erhalten. An diesen Stellen ist also der Brand ältei- als 
die heutigen Oberflächenformen. Da die Verkokung der 
Kohle erst in einiger Tüefe an der unteren Grenze der 
Brandwirkung eintritt, so müssen also seit Beendigung des 
Erdbrandes bis zm' Freilegung des verkokten Kohlenflözes 
durch die Denudation recht ansehnliche Mächtigkeiten fester 
Erdbrandgesteine und der verhältnismäßig festen Neben- 
gesteinsschichten des Senons abgetragen sein. 

Auch die von Herrmann erwähnten Erdbrandgesteine 
im Becken von Aleksinac haben ein diluviales Alter. Hier 
sind vorwiegend die reichen Paraffinschiefer (bituminöse 
Schiefer mit einem zmschen 10 und 25 v. H. wechselnden 
Gehalt an paraffim^eichem ExDhteer) Träger und Verbreiter der 
alten Erdbrände am Auss:ehenden gewesen. Solche Brand- 



— 77 — 

spuren finden sich besonders im Moravicatal gegenüber dem 
Dorf Subotinac. Stellenweise sind dort die vollkommen aus- 
gebrannten Paraffinschiefer, die zu gefritteten Massen und 
glasig-blasiger Schlacke verlirannt sind, durch die Erosion 
am Gehänge des Tales herausgewaschen und zu wild zer- 
rissenen Klippen zerschnitten. Diese liegen an dem heute 
nicht mehr von der Erosion des Flusses betroffenen Ge- 
hänge zwischen der Niederterrasse und den höheren 
Terrassen. Die Entstehung des Brandes fällt also demnach 
in das jüngere Diluvium. Vermutlich liegt die Zeit ihrer 
Entstehung in einem etwas jüngeren Zeitabschnitt des 
Diluviums, als die der Erdbrände vom Kostolac-Pozarevacer 
Höhenrücken. 

Zum Schluß sei erAvähnt, daß diese Erdbrandgesteine 
für den Bergbau auch noch wegen ihrer Standfestigkeit 
größere Bedeutung hatten. In den nichtgebrannten Tonen 
und Tonmergeln des Kostolacer Braunkohlenbeckens bestand 
ein außerordentlich starker Gebirgsdmck, der das Auf- 
fahren zweigleisiger Stollen, wenn auch nicht unmöglich, 
so doch zu kostspielig und unrentabel machte. Wesentlich 
günstiger lagen diese Verhältnisse, wie die Erfahining zeigte, 
in den Erdbrandgesteinen, in denen kein ' übermäßiger 
Gebirgsdruck in den Stollen, Querschlägen und Schächten 
auftrat, so daß ein verhältnismäßig leichter Holzausbau 
genügte, und die außerdem leicht zu bearbeiten und zu 
gewinnen waren, w^odurch die Arbeiten sehr günstig fort- 
schritten; außerdem waren die dabei gewonnenen Gesteine 
bei dem Mangel jeglichen härteren Materials in weiter 
Umgebung sehr gut zu Dammschüttungen und Wege- 
bauten zu verwenden. Wenn man die Waiil hat, derartige 
Grubenbaue entweder in das unveränderte Tongestein oder 
in die harten Erdbrandgesteine zu verlegen, so wird man 
daher das letztere unter allen Umständen vorziehen müsse»!. 

Die Bedeutung der Erdbrände und Erdbrandgesteine ist 
also auch in praktisch-geologischer Beziehung eine ziemlich 
große, so daß man Herrn Hekrmann unbedingt darin recht 
geben muß, daß diese Erscheinungen* in den neueren Lehr- 
büchern der Geologie viel zu sehr vernachlässigt sind. 

Sodann spricht Herr WOLFF 
Über eine Talsperre im Diluvialgebiet bei Danzig. 

Zur Erörterung sprechen die Herren Köhne, Pompeckj, 
Fliegel und der Vortragende, 



— 78 — 

Herr JOH. BÖHM spricht sodann: Über eine 
Neithea aus der oberen Kreide von Bettin^erode. 

An der Erörteining beteilig'en sich die Herren Pompeckj, 
Oppenheim und der Vortragende. 

Herr JOH. BÖHM in Berlin legt sodann eine 

Mya JClinghardti nov. si). aus der tertiäreu diamaut- 
führenden Strandtorrasse bei Bogenfels in Südwestafrika 

vor. 

Dünnschalig, flach gewölbt, qaev spitz eiförmig, un- 
gleichseitig. Wirl>el im hinteren Drittel der Gresanitlänge 
gelegen, Hinterrand abgestutzt und wenig klaffend. OV)er- 
f lache konzentriscli gerunzelt und fein gestreift. Die linke 
Klappe trägt einen kräftigen, weit unter die rechte Klappe 
vorgi^if enden, löffeiförmigen Ligamentträger, die rechte 
einen hinteren Seitenzahn. 

Im Umriß und in dei' Gestalt des Ligamentträgers 
schließt sich die südafrikanische Art an Mya truncata L. 
an. Da die ältesten Vertreter der Gattung Mya bisher 
ei'st aus dem3Iiocän Nordamerikas bekannt geworden sind, 
ist ihr Vorkommen aus tertiären Schichten südlich des 
Äquators liemerkenswert. 

Zur Erörterung sprechen die Herren Pompeckj, 
OrpENHKiM und der Vortragende. 

Herr P. 0PPENHE13I glaubt nicht, daß die beiden 
vorgelegten Stücke, die in der allgemeinen Gestalt und in 
der Lage des Wirbels stai^k voneinander abweichen, zu 
derselben Art zu ziehen sind, und er hält es ferner für 
zum mindesten selu^ zweifelhaft, daß es sich hier wirklich 
um die nordische Gattung Mya L. handelt, schon in Hin- 
blick darauf, daß von den starken, für die Gattung so 
charakteristischen Klaffen an den südwestafrikanischen 
Stücken nichts zu bemerken sei. Diese erinnern ihn an 
eine Form, welche sich ebenfalls im Eocän Ägyptens findet 
und welche zuerst 1887 von Mayek-EymarI) als Lovellia 
Schweinfurthi, und dann von ihm^) selbst als Raeta Schwein- 
fiirthl beschrieben und abgebildet wurde. Im übrigen ver- 
weist er hinsichtlich seiner Stellungnahme zur Altersfrage 



1) Journal de Conchyi:ogie, 1S87, S. 320, T. XI, Fig. 11. 
-) Zur Kenntnis alttertiärer Faunen in Ägypten. Palaeonto- 
graphica XXX, 3, 1903, S. 190, T. XIX. Fig. 1—2. 



— 79 — 

der diamantführendeu Absätze Deutsch- Süd westafrikas 
auf das, was er sowohl in seinem E^eferat^) über die Publi- 
kation von I. Böhm und W. Wbissermel, als in seinem 
Aufsatz über das Eocän in Togo*) niedergelegt hat. 

Das Protokoll der Sitzung wird vom Schriftführer ver- 
lesen und von der Versammlung genehmigt. Darauf wird die 
Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

Keilhack. Pompeckj. Bärtling. 



Protokoll der Sitzung vom 4. Juni 1919. 
Vorsitzender: Herr Keilhack. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung und gibt bekannt, 
daß als neues Mitglied der Gresellschaft iDeizutreten wünscht 
Herr Dipl.-Ing. Arthur Simok, Bergingenieur in 
Kupferdreh a. Ruhi-, Hauptstr. 48, 

vorgeschlagen von den Heri^n Kj.usch, Monke 
und Schneider. 

Herr Erdmannsdörffer hat in einem Schreiben über 
die in Aussicht genommene diesjährige Hauptversammlung 
in Hannover nunmelir endgültig mitgeteilt, daß mit Rück- 
sicht auf die Verkehrs- und Verpfleg-ungssch^vierigkeiten 
sowie die sehr erheblichen Kosten, eine solche in diesem 
Sommer nicht möglich sei und daher um ein Jahr ver- 
schoben werden möge. 

Der Vorsitzende legt eine Anzahl neu eingegangener 
Sonderabdrucke vor. 

Darauf erhält Herr KAUTSKY 'das Wort zu einem 
Vortrag über Das Miocän von Hemmoor. 

Zu den Ausführungen nehmen Herr Pompeckj und 
der Vortragende das Wort. 



3) N. Jahrl>. f. Mineralogie 1914, II. S. 453. 
^) Beiträge zur geologischen Erforschung der Deutschen 
Schutzgebiete. Heft 12, 1915, S. 118. 



80 



Darauf spricht Herr GOTHAN 

Über einen interessanten Pteridospermenfund. 

Vortragender g-ab zuncächst einen kurzen Überblick über 
die Entwicklung der Pteridospermenfrage und ging auf ein- 
zelne Typen (Lyginodendreen, MeduUoseen) etwas näher 
ein. Er zeigte dann ein Stück einer Sphenopteris dicksoni- 
oides GöPPBRT aus dem nicdei'schlesischen Liegendzut;-, das 
noch das Laub nnt Samen und deren Cupulae in Zusammen- 
hang zeigt, und wies darauf hin, wie selten derartige Stücke 
sind; bisher ist eigentlich noch keine Sphenopteris in Zu- 
sammenhang mit Samen gefunden worden, da bei der Gruppe 
der Sphenopteris Hoeninghausi (Lyginodendreen) der Zu- 
sammenhang der emzelnen Teile erst mühevoll konstruiert 
werden mußte, ^"ortragender machte dann noch ein anderes 
Stück bekannt, das aus demselben Horizont Niederschlesiens 
stammt, und der altbekannten Sphenopteris adiantoides 
ScHLOTH. sp. (= elegans auct.) angehört. Weniger deutlich 
als das vorige, läßt es doch bei genauerer Untersuchung 
noch Telangium- oder Calymmotheca-B.ü\\&i\ (Cupulae) in 
Zusammenhang mit den bekannten querriefigen Stengeln 
der Art {„Heterangium Grievei" der Engländer) erkennen, 
die, wie die Calymmotheken der Lyginodendreen, als ver- 
mutlich samenumhüllend zu denken sind. Samen sind aber 
an diesem Stück nicht mehr zu bemerken. Die Stücke 
sind beide sehr wichtig und sollen geleg'entlich abgebildet 
werden. Sie fanden sich l>ei der im Gange befindlichen: 
Neuordnung der Palaeobot. Sanmüung der Geologischen 
Landesanstalt in Berlin. 

An der Ei^örterung des Vortrags nehmen Herr Huth 
und der Vortragende teil. 

Darauf ^vird die Sitzung geschlossen. 

V. w. o. 

P. G. Krause. M. Belowsky. Pompeckj. 

Keilhack. 



Im Juli 1919 hielt die Gesellschaft wegen des Verkehrs- 
streiks keine Sitzung ab. 



81 



Briefliche Mitteilungen. 

4. Patella Wünschmanni nov. sp. und die 
Fauna des Ilsenburgmergels bei Wernigerode. 

Von Herrn Jon. Böhm. 
(Hierzu 2 Textfiguren.) 

Berlin, den 1. April 1919. 

Die Gattung Patella wurde 1678 von Listbri) für die 
an der englischen Küste weit verbreitete Patella vulgata 
aufgestellt und von Linne^) 1758 in die zehnte Auflage seines 
Systema Naturae, das Grundwerk der systematischen Zoo- 
logie, aufgenommen. A. Eömf:r, Gbinitz, Buvignier und 
andere Autoren haben aus der Kreideformation Arten dieser 
Gattung beschrieben; sie alle — zwölf :an der Zahl — 
reihten Pictet und Campiche^) 1862 im Anschluß an 
d'ORBiGNY*), der die Gattung Patella auf die rezenten 
Formen beschränkte, bei Helcion ein. Sie führten als Grund 
hierfür an: „Les coquilles sont dans les Acmeides et les Pa- 
tellides patelloides. Celles des Acmeides sont en general plus 
minces, plus lisses, ä ornements moins saillants, mais ces le- 
geres differences laissent souvent de grands doutes." 

Demgegenüber hielt Stoliczka ">) daran fest, daß die Gat- 
tung Patella bereits in der Kreideformation vertreten sei und 
zwar durch P. campanulata Reuss im Cenoman Böhmens. 

Die oben erwähnten äußeren Merkmale: napf förmige 
Gestalt, kräftige Schale und Berippung, welche nach Pictet 



1) M. Listbe: Historiae animalium Angliae tres tractatua, 
S. 195. 

*) Linke: Systema Naturae, S. 780. 

3) Pictet et Campichb: Description des fossiles du terrain 
cretace des environs de Sainte-Cix)ix. " Mat. Paleont. Suisse. 
Ser. 3, Vol. II, S. 717—720. 1864. 

*) d'Oebigny: Prodrome de Paleontologie, Vol. II, S. 72, 
134. 193. 232. 1850. 

^) Stoliczka: Cretaoeous Fauna of Southern India. Vol. II. 
Gasteropoda. Mem. geol. Surv. India. Palaeont. Ind. 1868. 
und Campiche für die Zugehörigkeit eines Gastropoden zur 
Gattung Patella sprechen, zeigt ein Gehäuse, das mit einem 
zweiten, weniger günstig erhaltenen Herr Oberlehrer Dr. 



— 82 — 

Wünschmann in Halberstadt aus dem Trümmerkalk am Gal- 
genberg bei Wernigerode aufgenommen hat. 

Patella Wünschmanni nov. sp. 




Nat. Gr. Geol. Laudesmuseum in Berlin. 
Länge 34 mm, Breite 29 mm, Höhe 15 mm. 



G-ehäuse dickschalig, schief kegelförmig, Grundriß ei- 
förmig; die größte Breite ist in der Mitte der Schalenlänge 
gelegen, sie nimmt zu dem halbkreisförmigen Hinterrande 
hin allmählich ab, verjüngt sich rasch zu dem schmal abge- 
rundeten Vorderrande. Von dem im vorderen Drittel gele- 
geneu Wirbel dacht die Schale steiler zum Vorderrande als 
zu den Seitenr ändern ab; die Kammlinie vom Wirbel zum 
Hiinterrande ist, im Profil gesehen, schwach konvex ge- 
kiiimmt. Die Symmetrie des Gehäuses wird linksseitig durch 
eine Falte, die vom Wirbel ausgeht und in einer Verbiegung 
des Bandes ausklingt, beeinträchtigt. Die Einbiegung — eine 
Verletzung der Schale ist nicht erkennbar — findet ihre 
natürliche Erklärung durch die Lebensweise der Patellen, 
welche sich im Bereich der Gezeiten an felsigen Küsten an- 
siedeln. Eine aufragende Gesteinskante hemmte das Tier 
bei seinem Wachstum an der gleichmäßigen Ausbildung und 
Abrundung der Schale. Ein zweites Exemplar, dessen obere 
Schalenlagen durch Verwittenmg zerstört sind, zeigt solche 
Einbiegung des Randes nicht. Auch war die Gesteinsfläche, 



— 83 — 

der das Tier auflag-, nicht tischeben; der Schalenrand zeigt 
eine schwache Biegung. 

Von dem korrodierteai Wirbel strahlen 17 kräftige, 
schmale Rippen aus, die gegen den Rand hin sui Höhe zu- 
nehmen, über ihn jedoch nicht fortsetzen. Auf den flachen, 
breiten Zwischenfeldern schaltet sich je eine kürzere, mehr- 
fach über die halbe Höhe hinaufreichende Rippe ein. An- 
wachsstreifung kräftig. 

Die Firste der Rippen und die Anwachsstreifung, soweit 
diese nicht durch eine dünne, fest anhaftende Kruste von 
Trümmerkalk verdeckt wird, weisen keine Abnutzung auf. 
Das Gehäuse ist sonach nur eine kurze Strecke transportiert 
und in der Nähe seiner Siedlungsstätte in den Trümmerkalk 
eingebettet worden. Sein Vorkommen schließt sich an das 
von Schröder ß) auf Grund anderweitiger Beobachtungen 
gewonnene Ergebnis, daß „zwischen Timmenrode und Goslar 
bereits zur Zeit des Oberen Emscher an der Stelle des 
jetzigen Harzes eine Insel aus dem Meere hervorgeragt hat" 
und daß ihre mesozoische Decke zur Zeit der Quadraten- 
schichten stellenweise bis auf die paläozoischen Gesteine 
abgetragen war. Wenig gerollte Fragmente derselben er- 
füllen bis zu Bröckchengröße herab den Trümmerkalk und 
bezeugen dessen küstennahe Bildung. 

Mit Patella Wünschmanni fand Herr Oberlehrer Wünsch- 
iiANN im Tl'ümmerkalk : 

Gonioteuthis quadrata Blv. sp. 
Gryphaea vesicularis Lam. 
Exogyra haliotoidea Sow. 
Nelthea quinquecostata Sow. 

— propinqua Hzfl. 
Lima cretacea Woods 
Spondylus spinosus Sow. 
Aptyxites sp. 

Die Art ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Sie 
gehört der Gruppe zwerghafter Rudisten an, die A. Römer, 



^) Schröder: Exkursion in das nördliche Harzgebiet zwi- 
schen Goslar und Thale. Führer Exkurs. Deutsch, geol. Ges., 
S. 74, 78. 1914. Siehe auch die einschlägigen Ausführungen von 
Ewald: Die Lagerung der oberen Kreidebildungen am Nordrande 
des Harzes. Monatsber. Akad. Wiss. Berlin. 1863 und Brandes: 
Einige Bemerkungen über Trümmergesteine im mittleren und 
oberen Untersenon der Aufrichtungszone des nördlichen Harz- 
randes. Diese Zeitschr., Bd. 54, Verhdl., S. 49. 1902. 

6* 



— 84 — 

Ewald und G. Müller^) aus d&in subhercynen, Lund- 
GREN aus dem schwedischen Senon beschrieben, deren Vor- 
kommen im westfälischen Senon Wegner 8) und Joh. 
Böhm 9) festgestellt haben und für welche letzterer den 
Namen Aptyxites in Vorschlag gebracht hat. 

? Gastrochaena Ostraea Gbin. 

Teredo voracissima J. Müll. 

Echinogalerus peltiformis Whlbg. sp. 

Cidaris clavigera Kön. 

Terebratula cf. semiglobosa Sow. 

Rhynchonella alata 

Thecidea cf. vermicularis Schloth. 

Crania ignabergensis Retz. 

Trochocyathus cf. conutus E. et H. 

Micrabacia senoniensis Bölschb 

Serpula gordialis Schloth. 

Porös phaera globiilaris Phill. 

— nuciformis Hinde 

Der Trümmerkalk ist am Galgenberge dem Ilsenburg- 
mergel in mehreren Bänken eingelagert. Jasche i») hat 
1858 eine Darstellung der Lagerungsverhältnisse daselbst 
sowie die nachstehende Liste der organischen Einschlüsse 
im Ilsenburgmergel — die Schwämme sind hier nicht mit 
aufgenommen — gegeben: 

Astraea macrocoma Rbuss. 

Parasmilia centralis Ehrenbg. 

Cyclolites coronula Goldf. 

Ananchytes ovatus Lam. 

Rhynchonella plicatilis Bronn. 

Terebratula cf. semiglobosa Sow. 

Ostrea diluviana L. 

Spondylus spinosus Goldp. 

— striatus Goldf. 
Reden muLticostatus Nilss. 
Pinna fenestrata Rom. 



"') G, MüLLEE : Die Rudisteu der oberen Kieide am nörd- 
lichen Harzrande. Jahrb. k. Preuß. Geol. Landesanst. f. 1889, 
Bd. 10, S. 140-143. 1892. Hier auch die Literatur. 

8) "Wegner : Die Granulaten-Kreide des westlichen Münster- 
landes. Diese Zeitschr., Bd. 57,. S. 193. 1905. 

*) Joh. Böhm : Über die untersenone Fauna bei Lüding- 
hausen. Ebenda, Bd. 70, Mon.-Ber., S. 193. 1918. 

1") Jasche: Die Gebirgsformationen in der Grafschaft Werni- 
srerode am Harz,. S. 88. 92. 1858. 



— 85 — 

CucuUaea striatula Reuss. 
Panopaea plicata Sow. 
Trochus Nllssonl Münst. 
Crloceras ? 
Galeus pristodontus Ag. 

Diese Liste wurde durch Aufsammlungen der Herren 
Schröder und Wünschmann ergänzt: 

Belemnltella mucronata Schloth. 
Gonloteuthls quadrata Blv. 
Pleurotomarla cf. regalis A. Rom. 
Delphlnula tricarlnata A. Rom. 
Gryphaea vesicularis Lam. 
Exogyra canaliculata Sow. 
Pecten cretosiis Defr. 

— inversus Nilss. 

— cfr. laevls Nilss. 

— Dujardlnl A. Rom. 
Nelthea qulnquecostata Sow. 

cf. gryphaeata Schloth. 
Lima canallfera Gdfs. 

— (Llmatula) semlculata Nilss. 

— (Llmea?) granulata Nilss. 

— (Plaglostoma) Hoperl Mant. 
Anomla lamellosa A. Rom. 
Astarte similis Mstk. 
Spondylus Dutemplei d'Orb. 
Cardlam sp. 

Area cf. Gelnitzl Reuss. 
Llmopsls calva Sow. 
Crenella Inflata Jos. Müll. 
Lucina cf. subnummlsmalls d'Orb. 
Rhynchonella limbata Schloth. 
Galeola papulosa Klein. 
Caratomus sp. 

Bourgueticrinus ellipticus Mill. 
Pomatoceros granulatum Sow. ep. 



— 86 ~ 

5. Zur Fauna des Emscher bei Soest. 

Von Herrn Jon. Böhm. 

Berlin, den 20. März 1919. 

Im Hellweger Tal, jener breiten Niederung-, die den 
Nordfuß des Haarstrangs von mindestens Soest bis nach 
Dortmund begleitet und mit diluvialem Lehm, sowie gleich- 
altrigen lehmigen und mergeligen Fließsanden erfüllt ist, 
treten an wenigen Stellen in breiten, flachen Inseln gi'aue 
Mergel an die Tagesoberfläche. Sie wurden von Krüschi) 
dem Emscher zugewiesen. Infolge ihrer leichten Verwitter- 
barkeit sind Aufschlüsse an der Oberfläche recht spärlich 
und Versteinerungen in ihnen bisher so gut wie nicht ge- 
funden worden, wogegen solche in Schächten und Tief- 
bohrungen an zahlreichen Punkten bei Durchörterung des 
Emscher angetroffen wurden. 

Crelegentlich seiner geologischen Begiehung der Um- 
gegend von Soest traf Bärtling-) nahe bei Oestinghausen 
(Blatt Herzfeld i. Westf.) in einigen Bachaufrissen und 
mehreren zwecks Mergelung der Felder angelegten Gruben 
den Emscher an. Eine derselben, am Südrand des Rom- 
bergs gelegen, zeigte sich nach Zahalka^) bis in die Tiefe 
von 4 m ganz zerfallen. „Noch tiefer waren 1,5 m etwas 
festere, aber doch weiche Schichten eines tafelförmigen, 
dunkelgrauen Mergels zu beobachten. Dieser hat unter dem 
Mikroskop sehr viel Ton, ziemlich viel Kalk in Form von 
Foraminiferen, besionders Globigerinen, Textularien, Lagenen 
usw., Echinodermenstacheln, selten manche Reste aus Kiesel- 
säure, besonders Spongiennadeln. Diese Lokalität gehört 
schon gewiß den höheren Schichten des Emscher an." 

Herr Oberlehrer A. Franke in Dortmund hat auf meine 
Bitte Proben des Mergels von derselben Fundstelle unter- 
sucht und mir nachstehende Liste der darin beobachteten 



1) iKRUSCH : Der Südrand des Beckens von Münster zwischen 
Menden und Witten auf Grund der Ergebnisse der geologischen 
Spezialaufnahme. Jahrb. K. Preuß. Oeol. Landesanst. f. 1908, Bd. 29, 
Teil II, S. 95, 102, 1912. 

i 2) Bäetling: Erläuterungen zur geologisch-agronomischen 
Karte der Umgebung von Soest. 1909. 

3) Zahalka: Die sudetische Kreideformation und ihre Äqui- 
valente in den westlichen Ländern Mitteleuropas. II. Abteilung. 
Die nordwestdeutschejund die_^böhmische Kreide, S. 43, Prag. 1915 



87 



Foraminifei"©!! und Ostracoden zur Veröffentlichung über- 
lassen, wofür ich ihm auch an dieser Stelle herzlichen 
Dank sage. , 

Ammodiscus gaultinus Bebth. 

Nodosarla aspera Reuss. 

Nodosaria cf. cyllndroides Reuss. 

Nodosaria (Dentalina) cognata Reuss. 

Nodosaria (Dentalina) communis d'ORB. 

Frondicularia inversa Reuss. 

Marginulina ensis Reuss. 

Cristellaria ovalis Reuss. 

Cristellaria rotulata Lam. 

Polymorphina fusiformis Rom. 

Ramiilina aculeata Wright. 

Pleurostomella siibnodosa Reuss. 

Flabcllina rugosa d'ORB. 

Haplo phragmium compressum Beissbl. 

Lituola nautiloidea Lam. 

Rotalia nitida Reuss. 

Rotalia exsculpta Reuss. 

Rotalia Micheliniana d'ORB. 

Rotalia (Planorhulina) lenticala Reuss. 

Anomalina ammonoides Reuss. 

Olobigerina marginata Reuss. 

Pulvinulina Karsteni Reuss. 

Bulimina intermedia Reuss. 

Bulimina Presti Reuss. 

Bulimina Murchisoniana d'ORB. 

Bulimina Ovulum Reuss. 

Bulimina variabilis d'ORB. 

Verneuilina Bronni Reuss. 

Verneuilina Münsteri Reuss. 

Valvulina allomor phinoides Reuss. 

Tritaxia tricarinata Reuss. 

Gaudryina laevigata A. Franke. 

Gaudryina rugosa d'ORB. 

Gaudryina pupoides d'ORB. 

MilioUna cf. contorta d'ORB. 

Textularia turris d'ORB. 

Textularia foeda Reuss. 

Textularia anceps Reuss. 

Textularia globifera Reuss. 

Textularia conulus Reuss. 

Cytherella ovata Rom. 



88 



CythereUa WULiamsoniana Jones. 
CythereUa reniformls J. u. H. 
CythereUa Mänsteri Rom. , 
Cytheropteron pedatum Makss. 
Cytheropteron alatum Bosq. 
Pseudocythere ? simplex J. et H. 
Bythocypris Roemeriana Reush. 
Bairdia subdeltoidea v. Mstb. 
Bairdia tiarrisiana Jones. 

Zahalka fand ein Saeigelbruchstück — im Greologischen 
Landesmuseum in Berlin . werden ©in Stachel von Cidaris 
cf. sceptrifera Mant. und Fragmente eines irregulären See- 
igels aufbewahrt — , Inoceramenfragmente, einen Ammo- 
niten von 4 cm Durchmesser und eine klein© Belemnitella 
(31 mm lang, 2,5 mm breit). Ich kann nunmehr platten- und 
walzenförmige Wurzelstücke von Schwämmen {IVentriculi- 
tes, ? Chenendoporä), Qastrochaena Amphisbaena Goldf. 
sp., Actinocamax verus Mill. und Gonioteuthis westfalica 
ScHLüT. sp. hinzufügen. 

Ein Aufschluß grauer Mergel auf der bei Haus Dahse 
bei Ostinghausen (Blatt Benninghausen) gelegenen Viehweide 
bot keine Eossilfunde. 



6. Die Tanganjika-Formation in Deutsch- 
Ostafrika. 

Von Herrn E. Kkenkel. 
Vorläufige M i 1 1 1 e i 1 u n g. 

(Mit 3 Textfiguren.) 

Leipzig, den 24. Januar 1919. 
Das nördliche Ostufer des Tanganjikasees 
zwischen dem vierten und sechsten Grad© südlicher Breite 
wird von einer sedimentären, mächtigen Formation ein- 
genommen:. Innerhalb ihres Verbreitungsgebiets finden sich 
jedoch auch in großer räumlicher Erstreckung Diabase 
als Decken und Gänge. Am Tanganjikasee selbst reicht diese 
Formation südwärts bisi in die Nähe des hohen kristallinen 
Kungwestockes, nordwärts bis zu dem, bei dem kleinen Orte 
Njassa wieder emportauchenden kiistallinen Grundgebirge 



89 



der Landschaft Urundi. Ostwärts erstreckt sie sich an- 
näherungsweise bis in die Flußgebiete des Malagarassi 
und Sindi. 

Zuerst von Dantz^) vom Mittellaufe des Malagarapsi 
beschrieben, der diese Formation als ,,Zone der roten, flach 
gelagerten Sandsteine"-) bezeichnete, wurde sie später von 
ToRNAu^) als „Ta ngan jikafo r mat io n" in die jgeo- 
logische Literatur eingeführt. Dieser, in Anbetracht dea' 
geogi^aphischen Lage sehr geeignete Name wird im folgen- 
den beibehalten werden, zumal das Alter der Tanganjika- 
formation bisher infolge ihres fast völligen Mangels an 
Fossilien*) nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte 
und demzufolge eine bereits mehrfach versuchte Herüber- 
nahme südafrikanischer, stratigraphisch vielleicht ent- 
sprechender Formationsbenennungen in dieser vorläufigen 
Mitteilung besser unterbleibt. 

ToRNAu hat die Tanganjikaformation in zwei Schicht- 
gruppen gegliedert, in eine untere der „Sandstein- 
schichten" und in eine obere, der ,,Kalkki es ei- 
se h i c h t e n". Die Beobachtungen, die zur Abteilung dieser 
zwei Ginippen führten, kann ich nach meinen Feststellun- 
gen im allgemeinen bestätigen. Wenigstens scheint es mir 
sicher, soweit die imten beschriebenen Profile in Frage 
kommen, daß nach oben hin die Tanganjikaformation mehr 
kalkige und dolomitische Glieder zählt, als in den tieferen 
Komplexen, in denen Sandsteine und Tonschiefer über- 
wiegen, Kalke aber keineswegs ganz fehlen. Wo allerdings 
die Grenze zwischen den genannten beiden Abteilung'en 
zu ziehen ist, das bleibt eingehenderen Forschungen vor- 
behalten und ist jedenfalls nicht ganz einfach zu entscheiden. 

Im folgenden soll eine Anzahl von Begehungen im 
Bereiche der Tanganjikaformation geschildert 
werden, und zwar von ihrer Ostgrenze angefangen nach dem 
Tanganjikasee zu. Diese Profile gehören in ihren unteren 



1) Dantz: Die Reisen des Bergassessors Dr. Dantz in Deutsch- 
Ostafrika in den Jahren 1898, 1899, i900. . (Mittig. aus den 
Deutschen Schutzgebieten, 15. Bd , S. 34,) 

2) Dantz: a. a. O., S. 66. 

3) ToRNAu: Zur Geologie des mittleren und westlichen Teiles 
von Deutsch-Ostafrika. Beiträge zur geol. Erforschung d. Deut- 
schen Schutzgebiete^, Heft 6, S. 14. 

*) Nur an einer einzigen Stelle wurden im Felde unbestimm- 
bare Abdrücke einer Muschel in dunklen Kalken beobachtet, so 
daß doch vielleicht mit der Hoffnung noch zu rechnen ist, 
Fossilien aufzufinden. 



— 90 — 

Teilen den Sandsteinschichten der Tanganjikaformation an. 
in ihren höheren leiten sie bereits 7ax den Kalkkiesel- 
schichten über. 

Ani^eschlossen wii'd eine kurze Besprechung- der 
U h a d i a b a s e. 

1. Profile bei der Station Malaga rassi der 
M i 1 1 e 1 1 a n d b a h n. 

Die Station Malagarassi der Mittellandbahn liegt 
am Ostufer des Malagarassiflusses, an der alten Karawanen- 
straße von Tabora nach Udjidji am Tanganjikasee. Der 
Malagarassi fließt hier aus den ebenen weiten Steppen- 
gebieten seines Mittellaufes in die, diese südwärts begrenzen- 
den, mauerartig emporsteigenden Plateauberge der Tangan- 
jikaformation — den östlichen Erosionsrand der Formation — 
hinein, in der er seinen Lauf bis zum Tanganjikasee innehält. 
In unmittelbarer Nähe der Station zeigt sich folgendes 
Profil: 

1. Der Fuß des steil ansteigenden Erosionsrandes be- 
steht aus im ganzen recht gleichmäßigen, hellen Gneis- 
graniten und B i o t i t g n e i s e n , die mit geringem 
Winkel (10—35°) tiach Südosten emfallen. Er ist z. T. 
von Grehängeschutt und jüngeren Ablagerungen übei'deckt. 

2. Diskordant darüber folgt die Tanganjika)- 
formation: rote, rotviolette, teils feste, teils mürbe 
Sandsteine, mittel- bis grobkörnig, lagenweise mit 
eingestreuten Quarzgeröllen. Die mürben Abarten über- 
wiegen in den unteren Schichten. Die petrographisch 
recht eintönigen Sandsteine sind dick gebankt und liegen 
horizontal; sie werden von vielen senkrechten Klüften 
durchzogen. Die Mächtigkeit beträgt mindestens 70 — 80 
Meter. Nicht seltenes! Vorkommen von Bruchstücken har- 
ter, oolithischer Sandsteine im Gehängeschutt deutet wohl 
auf ihr Auftreten in diesem Profile hin. 

3. Auf der Höhe des Plateaus liegen junge, aus der 
Verwitterung des unterlagernden Sandsteinkomplexes 
hervorgegangene sandige Deckschichten. 

Profile von ähnlichem Aufbau lassen sich auch in der 
weiteren Umgebung von Malagarassi am Plateausteilrand 
wie an den in diesen eingeschnittenen kleinen Nebentälern, 
ferner im Malagarassitale selbst bis zur Einmündung des 
Sindi mit kleinen Abänderungen immer wieder beobachten, 
so daß nähere Angaben imterbleiben können. Hier und da 



91 



finden sich kouglonieratische Lagen, auch. mürl>e Blätter- 
schiefer eingestreut. 

2. Profile im Sinditale. 

Vom Berge der Perlen, der seinen Namen von 
den dort die steilen Felswände als leichter Überzug beklieiiden- 
den sekundären — nicht ausbeutungsfähigen — Kupfer- 
mineralien Malachit und Kupfervitriol führt, in der Land- 
schaft Uwende, am linken westlichen Ufer des S i n d i , 
55 km in der Luftlinie vom ebengenannten Profil gelegen, 
sei das folgende, im ganzen recht ähnliche Profil erwähnt: 

a) Die tiefsten Teile des Profils bestehen, wie das 
ganze untere Grehänge des Sinditals, aus Gneisgranit 
und Augengneis; 

b) über der eingeebneten Gneisgranit- Oberfläche 
folgt ein geringmächtiges Grundkonglomerat aus 
QuarzgeröUen und seltenen Bestandteilen des Grund- 
gebirges. Von Interesse ist die Beobachtung Tornaus, 
der die gleiche Örtlichkeit vor mir . besucht hat, daß 
einzelne dieser Geröll© windgeschliffen sind; 

c) darüber lagern vei'schiedenmächtige horizontale 
Bänke eines groben, auch quarzitischen Sandsteins, 
die mit sandigen Schiefern und Konglomeratlageii 
wechsellagern. Die Mächtigkeit der Sandsteine mag 125 in 
betragen. 

3. Profile aus der Umgebung vonGottorpan 
der Mittellandbahn. 

Die Station G o 1 1 o r p der Mittellandbahn erhebt sich 
200 m östlich des Rutschugi, der von Norden her 
in einem engen, tief eingeschnittenen Bett dem Malagarassi 
als dem Hauptstix)m des Gebiets zugeht. Die kleine, aber 
durch den Salzexport der Saline Gottorp sehr bedeut- 
same Station erhebt sich in einem weiten, länglichrunden 
Talkessel, der durch die vereinte Erosionsarbeit der beiden, 
auch zur höchsten Trockenheit wasserführenden Flüsse ge- 
schaffen worden ist, wie sich an seiner Bodengestaltung, 
alten Flußlauf änderungen, Talterrassen genau nachweisen 
läßt. Die Erosionsarbeit der beiden Flüsse wurde erleichtert 
durch die im Grunde des Tales anstehenden, leicht weg- 
führbaren Schiefer der Tanganjikaformation. 

a) Die tiefsten, im, Talbecken von Gottorp über den^ 
gneisigen, von basischen Gängen durch - 



92 



brochenen Ginindgebirge entblößten Schichten der Tan- 
ganjikaformation sind schätzungsweise 50 — 60 ni mächtig© 
b) Schiefer, die, soweit zu erkennen, unmittelbar 
dem Grundgebirge aufliegen, und Ablageiningen eines 
tieferen Wasserbeckens darstellen. Es sind gelbliche, hin 
und wieder auch hellrot liehe, blättrige, sehr weiche Schiefer- 
tone, die äußerst fein geschichtet sind und von vielen 
Eissen und Klüften zerspalten werden. Ein gewisser Ge- 
halt an hellem Glimmer in kleinsten Schüppchen ist fast 
immer vorhanden. Die Führung an Quarzkörnchen 
wechselt in den einzelnen Vorkommnissen. Im ganzen 
steigert sich der Sandgehalt der Schiefer nach oben zu, 



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Fig. 1. Kombiniertes Profil durch die Tanganjikaformation 
im Becken von Gottorp (überhöiit). 

Gn = Gneisgranit \ h«» rr„nr!p-Phir^P« Seh = Schiefer 1 der Tanganjika- 
Di = DiabasgängeJ ^^l Grundgebirges g ^ Sandsteine / formation 

\ der Deckschichten 



D = Sande, Lehme 

T = Tone 

G == Gehängeschutt 



mit Annäherung an die überlagernden Sandsteine, ent- 
sprechend der Ausfüllung und Verlandung ihres Bildungs- 
raums. Den Schiefern sind in den oberen Lagen bereits 
einzelne Sandsteinlinsen eingeschaltet. Im Bette des Rut- 
schugi, etwas oberhalb der Eisenbahnbrücke, finden sich 
auch ziemlich feste graue Platten dieses Schiefers. 

Ein Grundkonglomerat über dem kristallinen Grund- 
gebirge, wie esi im Profile des Berges der Perlen ansteht, 
konnte nicht beobachtet werden. Die Schiefer, wie die 
ganze Tanganjikaformation im Bereiche von Gottorp, 
liegen horizontal. Sie sind aufgeschlossen z. B. am Ge- 



— 93 ~ 

hänge des linken Malagarassiufers hinter den G^ebäuden 
der Saline Gottorp. Sie werden hier von der Salinen- 
verwaltung vielfach als WcgJbeschotterung benutzt. Ferner 
am gegenüberliegenden Ufer in den kleinen, vom Piatoau- 
rand zum Malagarassi herabziehenden Bachrissen, Einen 
sehr guten Aufschluß bietet der Bahndurchschnitt gleich 
westlich der Eisenbahnbrück© über den Rutschugi. Unter 
den jungen, lehmigen und sandigen Deckschichten treten 
mit wellig ab- und aufsteigender Oberfläche überall die 
hier bereits stark verwitterten, sehr feinblättrigen Schiefer- 
tone zutage, die sich von diesem Aufschluß bis in die Tiefe 
des Rutschugitales verfolgen lassen. Der Bahnaufschluß 
durchsticht einen flachen Schieferhügel, der als Erosions- 
rest mitten im' Becken von Gottorp der Abtragung durch 
Rutschugi und Malagarassi entgangen ist. Auf beiden 
Gehängen des Rutschugitales sind die Schiefer noch eine 
Strecke weit flußaufwärts zu verfolgen; sie bilden hier die 
unteren flachen Gehänge des Tales. 

Am Bahndamm lagen 1916 in der Nähe der Station 
dunkelkirschrote und grünlich gefärbte feste Tonschiefer- 
platten, einzelne mit ausgezeichneten Wellenfurchen und 
kleinen und großen Entfärbungsringen bedeckt. 

c) Über den nun sandiger gewordenen Schiefern 
folgen die Sand Steinquader in horizontaler Lage- 
i'ung und dicken unregelmäßigen Bänken. Farbe und 
Korn sind wechselnd. Neben oberflächlich dunkelvioletten 
finden sich reinweiße und grünliche Sandsteine. An den 
vei^witterten Felswänden des Malagarassi- und Rutschugi- 
tals, besonders in den Bergsturzmassen, die die Bahn- 
linie westlich von Gottorp durchquert, kommt die häufige 
diskordante Parallelsti'uktur der Sandsteine ganz aus- 
gezeichnet zur Anschauung. 

Vom Talkessel von Gottorp aus ziehen sich die Sand- 
steine in rechter Eintönigkeit östlich das Durchbruchstal 
des Malagarassi aufwärts. Ebenso begleiten sie die Straße 
vom Rutschugiposten nach der Station Malagarassi 
(die alte Karawanenstraße Tabora-Udjidji), die nicht dem 
engen unwegsamen Tale des Malagarassi folgt, sondern 
nördlich des Flusses die Plateauhöhen überquert. Südlich 
lassen sie sich mehrere Tagemärsche weit an der fast 
verfallenen, während des Krieges aber wiedjer öfter be- 
gangenen Straße G o 1 1 o r p - N a m a n j e r e - I3ismarckburg 
verfolgen, nördlich hingegen das Rutschugital aufwärts. Zu 



— 94 ^ 

Kennzeichnung ihres Verhaltens westlich der Gregend vod 
Gottx)rp und des Rutschugi dienen die von der Begehung 
der Karawanenstraße Tabora-Udjidji vom Rutschugiposten 
westwärts bis zu den 15 km entfernten Mrindeberg giet- 
Avonnenen Beobachtungen: 

4. Profil vomi Rutschugiposten zum Mrinde- 

berg. 

Vom Rutschugiposten, der wegen Schlafkrank- 
heitsgefahr aufgehoben wurde, zum Mrindeberg finden 
sich bis zum Guttubache horizontale, gebankte, z. T. röt- 
liche, ziemlich grobkörnige Sandsteine. Zwischem dem Guttu- 
und Buhingabache wurden Stücke von Sandstein, Kalkstein 
und gebändertem Hornstein beobachtet. Im Buhingabach 
steht z. T. in Hornstein verwandelter dolomitischer Kalk 
an. Auf das bisher ebene Gelände folgen in einem 70 m 
hohen Anstiege wechsellagernde sandige Schiefer- und Sand- 
steine. Auf deil Fortsetzung der Straße bis zum Njambassa- 
bache liegen einzelne große Kalkstücke; im Bache selbst 
finden sich Sandstein und Hornstein in Stücken; im Simba- 
bache wieder dolomitischer Kalk mit Hornstein. Der 50 m 
hohe Mrindeberg besteht aus verschiedenartigen Sand- 
steinen und sandigem Kalkstein. 

In diesen Beobachtungen spricht sich der für die Sand- 
steinschichten der Tanganjikaformation auch in anderen Pro- 
filen wahrnehmbare, nach oben zunehmende Gehalt an kalki- 
gen Bestandteilen aus. Rein kalkige Schichten kommen in 
der Umgebung von Gottorp noch nicht vor, da diese den 
tieferen, sandig-tonigen Komplexen dieser Formation an- 
gehört. 

5. Profil vom Rutschugiposten bisMasansa, 
an der Straße von Gottorp nach dem Militär - 

posten Kassulu in Uha. 

Der Rutschugiposten hegt an der Kreuzung der 
Hauptkarawajienstraße Tabora-Udjidji mit dem Rutschugi- 
flusse, eine gute Marschstunde nördlich von Gottorp. Vom 
Tale des Rutschugi bis an die Kante der höchsten Terrassen- 
fläche — vor Erreichung des ersten Lagerplatzes M a s - 
a n s a und vor Beginn der weiten, nur noch wenig ge- 
gliederten, nach H c h - U h a überleitenden, geologisch 
übrigens gleichartig gebauten Steppen — lassen sich beim 
Aufstieg entlang der Straße Gk)ttorp-Kassulu an den mit 



— 95 ~ 

Busch- und Myomlxjwald bekleideten Abhängen folgende 
Glieder der Tanganjikaformation feststellen: 

Die kleine Ortschaft ßutschugi steht auf weißen und 
rotvioletten Sandsteinen, die die Fortsetzung der im Becke-m 
von Gottwrp anstehenden Sandsteine sind. Sie bilden hier 
malerische Felspartien bis hoch über den Rutschugi. Darüber 
folgen in verschiedenem Wechsel: helle und bläuliche Kalke; 
rötliche, sandige Schiefertone, recht mürb und bli'öckelig; 
Kalke und dolomitische Kalke, Hornsteine in kleinen und 
großen Blöcken, Sandsteine. Die Reihenfolge dieser Auf- 
zählung soll nicht genau die Schichtenfolge bedeuten. Die 
Kalke erzeugen vielfach steilere Anstiege. 

Die Zusammensetzung des Profils ähnelt sehr dem eben 
vom Rutschugiposten zum Mrindeberg entlang der Haupt- 
karawanenstraße beschiiebenen. Ja, es wäre möglich, daß 
sich bei näherer Untersuchung eine starke Übetreinstim- 
mung der Schichtausbildung hier wie dort ergeben würde. 
Bei der nicht allzugroßcn räumlichen Entfernung beider 
Profile voneinander, in der Luftlinie vielleicht 12 km, könnte 
dies auch kaum Wunder nehmen^). 

6. Profile im Malagarassitale von der Station 

Lugufu der Zentralbahn zu den Ngoma-Itale- 

fällen und N g a m b a f ä 1 1 e n des M a 1 a g a r a s s i. 

Der Malagarassi bildet vor seiner Einmündung in den 
Tanganjikasee ein prachtvolles, steilwandiges, von herr- 
licher Vegetation belebtes, junges Durchbruchstal 
durch die Rand berge des Sees, die er in Stromschnellen und 



*) Die Saline Gottorp brennt einen vorzüglichen weißen 
Kalk in zwei Kalköfen aus einem im Gebiete des oberen Rut- 
schugitales am K.a t s ch a t s c h a b er g e anstehenden Kalk- 
stein, der von den Waha lastenweise zur Saline gebracht wird. 
Dieser Kalk ist blauschwarz, dicht, manchmal kristallinisch, sehr 
fest und muschelig brechend, oft auch von schwärzlichen Tonhäuten 
durchzogen. Trotz langem Suchen wurden organische Reste in 
ihm nicht gefunden. Das Gestein hat eine g-ewisse Ähnlichkeit 
mit einem bei Lugufu vorkommenden, das noch zu erwähnen 
ist. Vielleicht handelt es sich hier, wie bei dem Vorkommen von 
Lugufu, um die gleiche stratigraphische Schicht dunklen Kalkes, 
eine Einlagerung in den höheren Komplexen der Tanganjika- 
formation. — Ein dem genannten petrographisch ganz ähnlicher, 
blauschwarzer, sehr fester Kalkstein wurde 1915/16 in Kigoma von 
der Firma Holzmann u. Cie. für Bauzwecke gebrannt. Der 
genaue Fundort dieses Kalkes ist mir entfallen; jedenfalls stammt 
er aus der Nähe der Bahn zwisclicn Lugufu und Sima, aus dem Be- 
reiche der Tanganjikaformation. 



96 



in den zwei großen Wasserfällen N g- o m a - 1 1 a 1 e, dem 
oberen Falle, und N g- a m b a , dem unteren, übei^windet^) 
An den unteren, kleineren, aus niehrej'en Stufen be- 
stehenden Ngambaf allen und in ihrer Umgebung 
stehen rötliche, auch! bläuliche, feste, zum Teil quarzitische 
Sandsteine an. Jhr© kristalline Unterlage — eine alte Fast- 
ebene — , die in der Umgebung von Gnottorp noch entblößt 
ist, ist hier wegen ihres Einfallens westwärts nicht mehr 
aufgeschlossen. Die Sandsteine liegen horizontal und sind 




« quafithscht San 
m,1 Well^nfurchtn 



Flg. 2. Profil (überhöhti durch die Taiiganjikaformation an den 
Ngoma-Italefälien des Malagarassi. 

gebankt. Eingeschaltet sind ihnen an den unteren Hängen 
des Tales sandig-tonige, glimmerhaltige Schiefer von röt- 
licher und grünlicher Farbe. Die Schichtflächen dieser Schie- 
fer sind häufig mit schönen Wellenfurchen bedeckt. In 
den roten Abarten zeigen sich weißliche, kreisrunde Ent- 
färbungsringe, wie sie sich ähnlich, oft ganze Schicht- 
platten bedeckend, auch in den buntgefärbten Schiefertoniein 
des mitteldeutschen Rotliegenden finden. 

Ganz ähnlich sind die tiefsten, in dem sich an den 
unteren Fall anschließenden Canon des Malagarassi der Be- 



6) Das Eng-tal des Malagarassi zwischen den beiden Fällen 
zeigt die Sandsteinplatten bedeckt mit Tausenden von Strudel- 
löchern aller Größen, ober- und unterirdisch zu ganzen Sy- 
stemen untereinander verbunden, wohl eine der großartigsten Ent- 
wicklungen von StJ-udellöchern, die es gibt. Ihre Bildung ist 
vor allem wichtig für die Rückwärts Verlegung der Fälle. 



— 97 - 

obachtung zugänglichen Schichten der Tanganjikaformation 
zusammengesetzt. 

Die Umgebung deri oberen großen Fälle, der N g o m a - 
It alefälle, besteht gleichfalls aus meist feinkörnigen, 
rötlichen, von dunklen Hornsteinadern nicht selten durch- 
zogenen Sandsteinen, die grob gebankt und von vielen, die 
Zurückverlegung des Hauptfalles erleichternden Kluft- 
systemen durchzogen sind. 

Die kleinen, zur ersten Plateaustufe steil ansteigendeji 
Regenwasserrisse und -bäche des rechten Malagarassiufers 
zeigen, daß den Sandsteinen in nicht zu großer Höhe über 
dem Flußniveau — fortlaufende Profile lassen sich nur 
durch eingehende Begehungen aufstellen — dolomitischö 
Kalke, rieine Kalke, Kalke mit Hornsteinknauern einge- 
schaltet sind. Diese kalkigen Einlagerungen sind dünn- 
bankig, ihre Farbe blaugrau bis grau. Nach außen ver- 
wittert das feste homogene, muschelig brechende Gestein 
mit gelblichen Farbtönen. Fossilien wurden nicht gefunden. 
Die Mächtigkeit der kalkigen Schichten betrug im Durch- 
schnitt 4 — 5 m; jedoch war nie die ganze Folge entblößt, 
sojdaß die Mächtigkeit in Wirklichkeit größer ist. Die 
zwischen den beiden Malagarassitällen anstehenden Kalk- 
scnichten hängen höchstwahrscheinlich zusammen mit den 
nur zwei Stunden unterhalb der Ngambafälle am M u 1 i n d o - 
bache und Tangeberg beobachteten, mit denen sie 
auch petrographisch übereinstimmen. Sie geben möglicher- 
weise einen wichtigen Horizont ab für eine eingehende 
Gliederung der älteren Komplexe der Tangajikaformation. 

Kalkige Einlagerungen wiederholen sich in geringerem 
Umfange noch mehrere Male bis zur Höhe der ersten 
Plateaustufe. 

Neben diesen sind tonige, sandig-tonige und kalkig- 
tonige Schiefer vom Niveau des Flußbettes bis zur Höhe 
des Plateaurandes in einer Reihe • von wiederkehrendten 
Horizonten zu finden. Die Schiefer sind sehr dünnblättrig 
und mürbe, kirschrot, braunviolett, gelbgrau gefärbt. In den 
orographisch höheren Niveaus sind sie stärker vertreten als in 
den unteren. Fossilien wurden auch in ihnen nicht gefunden. 

Im ganzen ist also das Profil vom Malagarassi bis 
hinan zur ersten Plateaufläche, auf der der Weg von der 
Bahnstation Lugufu nach Gogome und von hier zu der 
Fährstelle an den Ngambafällen — bis auf den plötzlichen 
steilen Abstieg ins Tal des Flußes — nur .wenig absteigend 
verläuft, aus: 

7 



— 98 — 

1. rötlichen und grauen Sandsteinen, die Hauptmasse 
des Profiles bildend, 

2. Kalken, doloniitischeii Kalken, in Einlagerungen 
wiederkehrend, 

•^. Schiefertonen, nach oben zwischen die Sandsteine 
häufiger eingeschaltet, 
aufgebaut. 

Auf der Höhe des Plateaus, das von kleinen und großen 
tafelförmigen Bergen und Rücken überragt wird, 
finden sich an den Negerwegen von den F^len zur Bahn 
meist Blöcke von verkieselten Kalken und Dolomiten und 
Hornsteinblöcke mit lagenartiger und konzentrischer Bän- 
denmg, während Sandsteine und Schiefer stark zurücktreteTi. 
Diese Blöcke stellen wohl die Reste schon weitgehend 
denudierter jüngerer Schichten der Tanganjikaformation dar, 
die nach dem petrographischen Oharakter dieser Überreste 
zu urtieilen, überwiegend Gesteine kalkiger Beschaffe nh'eiit 
umschlossen haben. Daß in diesen Horizonten kalkige 
Schichten an Bedeutung gewinnen, bezeugen auch die süd- 
lich der Tanganjikabahn einige Kilometer westwärts der 
Station Lugufu im Myombowalde vorkommenden dunklen, 
festen spätigen Kalke, die von hellen Kalkspatadern 
reichlich dui'chzogen sind. Wähi-end des Krieges wurde 
von griechischen Bauunternehmern in Kigoma versucht, 
diese Kalke zum Zwecke des Kalkbrennens auszubeuten. 

Der geologische Aufbau der dem Plateau aufgesetzten 
Berge wurde nicht untersucht. Auf dem Wege von Gogome 
nach der Fährstelle an den Ngambafällen lag am Fuße 
eines dieser Berge, ihn als flach geneigte Schutthalde un)- 
kleidend, viel Kalktrümmerwerk. Die Kalkbrocken ver- 
wittern in den wunderlichsten und mannigfaltigsten Formen, 
die an Kaikonkretionen oder Lößkindl erinnern. Sie be- 
stehen aus hellem, feinkörnigem bis dichtem, kieseligem 
Kalke, der bisweilen Trümmerstruktur zeigt. Nicht selten 
ist der Kalk rötlich verfärbt, vielleicht durch aus den roten 
Schiefertonen abfließendes Regen- odei- Sickerwasser. Große 
im Boden eingebettete Blöcke, die vielleicht auch Reste des 
anstehenden Gesteins darstellen, zeigen karrenartige Ver- 
witterungsformen und feinsti"eifige Anäzung durch parallel 
nach unten gerichtete Regenwasserrillen. 

Als vielleicht noch in dieses Profil gehörend mögen 
— einstweilen — • als Letten bezeichnete Gesteine erwähnt 
werden. Sie stehen zwischen den Stationen Lugufu und 
Gottorp der Mittellandbahn an und werden von (nnzelnen 



99 



ihner Durchstiche aufgeschlossen. Zu ihrer Charakteristik 
kann nicht viel gesagt werden, da sie nur vom Zuge 
aus beobachtet wurden. Es sind geschichtete, buntfarbene, 
- weiße, rötliche, violette — Gesteine, die stark ver- 
faltet und von Verwerfungen durchzogen sind. Diese Lage- 
ningsstöioingen sind vorläufig wohl am besten auf Ge- 
hängerutschungen oder Quellungserscheinungen zurückzu- 
führen. Ob diese Letten zur Tanganjikaformation z,ii rechnen 
sind, muß dahingestellt bleiben, da ihr Verband mit den 
benachbarten Gliedern der Formation nicht feststeht. 

7. Umgebung von Kigoina und Udjidji. 

Die hohen ßandberge des buchtenreichen, landschaftlich 
sehr abwechslungsvollen und schönen Gebiets um Kigoma 
und Udjidji gehören ganz der Tanganjikaformation an, 
die sich durch die bisher erwähnten Profile ununterbroclien 
von ihrer Ostgrenze in der Nähe der Station Malagarassi 
bis an das Ostufer des Tanganjikasees verfolgen läßt, 
und auch ihre Fortsetzung über den See hinweg an das 
Ufer des Kongostaates findet. Zwischen den Profilen von 
Gottorp, liugufu, Ngoma-Itale und dem Ostufer des Sees 
vermitteln längs der Bahn, wie an einer Reihe von Auf- 
schlüssen in ihrer Umgebung beobachtet wurde, ähnlich 
aus Sandsteintm, Tonschiefern, Kalken zusammengesetzte 
Schichtserien. 

Die Hügel, welche die Bucht von Kigoma umsäumen, 
bestehen ganz überwiegend aus Sandsteinen, denen unter- 
geordnet Lagen von Schiefertonen eingeschaltet sind. Die 
Sandsteine wechseln in ihrer Zusammensetzung außerordent- 
lich rasch und stai'k. In der Höhe des Seespiegels, rund 
um die den Hafen bildende engere Bucht von Kigoma, 
treten dickbankige Sandsteine auf, die ihre ursprüngliche 
horizontale Lagerung meist verloren haben, ja sogar Fal- 
tungserscheinungen zeigen. Ihre Farben sind hell, oft grün- 
lich-weiß; auch rotbraune und violette Abarten finden sich. 
Unter den Mineralbestandteilen übei"wiegt Quai^z; Feldspat- 
splitter, helle und dunkle Glimmerblättehen, chloiitische Sub- 
stanz treten zurück; selten sind kleine Splitter fremder Ge- 
steine. Der dickbankige Sandstein ist sehr fest, läßt sich 
leicht bearbeiten und gibt einen guten Baustein ab. Gute 
Aufschlüsse fanden sich 1915 an der Hafenbahnstr-ecke, am 
Lokosmotitvschuppen und an dem zur Spitze des „Enten- 
schnabels", der die Bucht abschließenden, weit in den See 
vorspringenden schmalen Tjandzunge, durchgebtx)chenen Ab- 



— wo — 

stellgeleis. Diese Sandsteine reichen bis in erhebliche Tiefen 
untyer das Seeniveau, wie sich bei Brunnenbohiningen in 
Kligoma — am alten Hospital, an der Straße Kigoma- 
üdjidji — ergab, ohne sich petrographisch bedeutsam zu 
ändern. In einzelnen Bänken werden die tieferen Lagen 
der Sandsteine auch schon recht grobköniig, so am ,, Enten- 
schnabel". Die hohen Abhänge der Randberge der Kigoma- 
bucht, wie der sich südwärts an diese anschließenden, den 
„Elefantenfuß" und „Pferdefuß" bildenden Vorgebirge, lassen 
bis auf ihre Gipfel hinauf grobkörnige, ja z. T. grob- 
konglomeratische Sandsteine erkennen, in denen das Binde- 
mittel weitgehend zurücktritt. In den konglomeratischen 
Lagen sind die Quarze, die alle anderen Bestandteile bis 
zu deren vollständiger Unterdrückung überwiegen, gut ge- 
rundet, meist hell oder rötlich gefärbt. Die konglomera- 
ratischen Lagen, die schwer verwittern, treten an den G-e- 
hängen der Randberge sehr hervor und täuschen gegenüber 
den feinkörnigen, weniger widerstandsfähigen Sandsteinen 
eine vielleicht in Wirklichkeit nicht bestehende Vorherr- 
schaft vor. Einlageiningen von Tonschiefern sind selten. 
Stark verwitterte, bröckelige, sandige Tonschiefer von 
dunkelschmutzigbrauner Farbe stehen am Bahngleis an, etwa 
da, wo die Tanganjikabahn das innerste Ende der Kigoma- 
bucht verläßt und an dem dieser zunächst folgenden Teiche 
entlang fährt. In welchem Verbände diese Tonschiefer 
mit den Sandsteinen stehen, konnte nicht näher festgestellt 
werden. Es handelt sich wohl nur um eine geringmächtige 
Einlagei-ung in letzteren. Kalkige Einlagerungen in den 
Sandsteinen sind in den Randbergen der Bucht bisher nicht 
gefunden worden, so daß die Bauten Kigomas auf die Zufuhr 
von Kalk aus den oben beschriebenen Kalkfundstellen an- 
gewiesen sind. 

Sandsteine stehen auch im Untergründe, wie in der 
Umgebung von Udjidji an, wo sie bis nahe an die Küste 
herantreten. Ferner an dem Höhenrücken, der die Buchten 
von Kigoma und Udjidji vom breiten, mit jungen, frucht- 
baren Alluvionen tief angefüllten Luitschetale trennt und von 
der Straße von Udjidji nach der Bahnstation Luitsche über- 
schritten wird.') 



■') In der Umgebung von Udjidji kommen Dünen nicht vor. 
wie Dantz (a. a. O. S. 67) angibt. Unmittelbar am Strande 
des Sees finden sich junge Seesande, die mehrere Meter über 
sein jetziges Niveau hinaufgehen, entsprechend dem an vielen 
Orten nachweisbaren früher höheren Stande des Tanganjika. 



— 101 — 

Die Schilderung des petrographischen Cha- 
rakters der verschiedenen Gesteine: Sandsteine, Kalke, 
Schiefer, Letten, der Tanganjikaformation bleibt der ausführ- 
lichen geologischen Beschreibung ihres Verbreitungsgebiets 
im Osten des Tanganjikasees vorbehalten, auch diejenige 
ihrer Färbungserscheinungen, der weitgehenden Verkiese- 
lungsprozesse, ihrer Vervvitterungs- und Oberflächenformen, 
ebenso auch ihrer tiefgreifenden Abtragung«) in einzelnen 
Gebieten. 

Als jüngere Verwitterungsdecke ''berkleidet die Tangan- 
jikaformation ein lückiger Mantel von Scliottem,^) Sanden 
und Lehmen. 

Im Verbreitungsgebiet der Tanganjikaformation treten 
Diabase an verschiedenen Stellen auf, wobei dahingestellt 
bleiben soll, ob der Name „Diabas" für diese mächtige 
Gesteinsmasse nach neueren petrographischen Anschauungen 
ül)erall zutrifft.") 

Ihr Verbreitungsgebiet ist jedoch wesentlich geringer 
als das der sedimentären Glieder der Formation. In ge- 
waltigen zusammenhängenden Massen treten sie nördlich 
der Mittellandbahn zu Tage und bauen hier die gebirgigen 
Plateaus von Hoch-Uha auf, in ihrer Hauptmasse sich 
ungefähr zwischen den Tälern des bei Udjidji in den Tan- 
ganjikasee mündenden Luitschefluß- Systems und dem 
Knie des oberen Malagarassi über den Militärposten K a s - 
sulu erstreckend. Auch südlich dieses Hauptverbreitungs- 
gebiets sind vei'schiedene Vorkommnisse von Diabas be- 
kannt geworden, so in den Njamuribergen südöstlich 
Udjidji, in den Gabwebergen südlich des Malagarassi. 

Der Diabas, wie er sich an den Straßen von Kigoma 
und Udjidji nach Kassulu über Luitsche und über Lussimbi 
findet, ferner in der Umgebung von Kassulu, am Ostrande 



**) Starke Abtragung bezeugen die an der Küste des Sees 
bei Kigoma anstehenden, mächtigen höhlenreichen Konglo- 
merate noch unbekannten Alters, die meist aus schmutzig 
gefärbten grünen und rotbraunen Quarziten bestehen. Das Mutter- 
gestein entstammt wohl dem Bereiche der Tanganjikaformation, 
ist aber nach seiner Verbeitung noch unbekannt.. 

^) Schotterdecken von erheblicher Ausdehnung und 
Mächtigkeit wurden z. B. auf den Höhen östlich der Station 
Luitsche beobachtet. Sie sind wohl diluvialen Alters. — Be- 
merkt werden mag hier beiläufig, daß Gebiete mit hochgelegenen 
Schotterdecken in Deutsch-Ostafrika nicht selten sind. Ihnen 
wurde bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. 

10) Von Dantz (a. a. O., S. 71), nach den Bestimmung)en 
Kuhns als Diabas bezeichnet. Ebenso von Tornau S. 31. 



— 102 — 

des mehrer© hundert Meter steil zu den vorgelagierten 
Steppen abfallenden, von kurzen steilen Tälern eingerissenen 
Diabaszuges von Hoch-Uha (an den Negerwegen von der 
Straße Kigoma-Kassulu nach Lugufu und zur Straße Gottorp- 
Kassulu), zeigt makroskopisch recht wenig Veränderungen. 
Das Gefüge ist kleinkörnig, ja feinkörnig bis dicht; nur an 
einer Stelle, auf dem Hochplateau südwestlich von Kassulu, 
wurde an oberflächlich herumliegenden Stücken eine schöne 
Intersertalstruktur wahrgenommen. Die Farbe des frischen 
Gesteins ist dunkelgrün bis blauschwarz. Die Farbe der 
Verwitterungsrinde von Bruchstücken dagegen ist gelblich 
bis hochrot. An vielen Stellen ist der Diabas Uhas als 
Mandelstein ausgebildet, so in der Umgebung von 
Kassulu. 

An Wegeeinschnitten und Bachrissen kann man häufig 
die bekannte kugelige und brotlaibartige Verwitterung des 
Diabases schön erkennen. Die Diabasigebiete Uhas sind 
teils von einem hochroten fruchtbaren Lehm, der besondere 
tiefgründig als Abschwemmimgsmasse die Fußgestello der 
Abhänge bedeckt, teils von braunen und grauen Verwitte- 
rungserden überzogen, durch die auf weiten Strecken noch 
der steinige Untergrund hervorsieht. Große Diabasflächen 
sind mit vereinzelten Hornsteinkalkbrocken bedeckt, — wohl 
ein Beweis dafür, daß wenigstens gewisse Teile des Diabas- 
hochlandes noch von sedimentären Formationen überzogen 
waren, wahrscheinlich den Kalkkieselschichten der Tjin 
ganjikaformation. 

Die Erscheinungsform der Diabase Uhas ist einerseits 
die von buckel- und schildförmigen, anderseits auch von 
deckenartigen Massen. Ihre Oberflächenformen weichen 
stark und auffällig von denen der umgebenden sedimen- 
tären Gebiete ab. 

Das ganze Diabasmassiv Uhas, zusammen mit seinen 
weiter abliegenden Anhängseln, dürfte als in einer geolo- 
gischen Periode entstanden zu betrachten sein, in der sich 
vielleicht noch mehrere Phasen unterscheiden lassen werden. 
Das ganze ist eine große (Intrusions-)Masse, die mit ihren 
höheren Teilen stellenweise effusiv wurde, mit ihren tiefern 
aber in einer älteren Formation steckengeblieben ist. Als 
solche ältere Formation kann nur die Tanganjikaformation 
in Frage kommen. Die Diabase haben deren ältere Gliedea- 
in Form von Gängen durchbrochen und sich in den Jüngeren, 
den Kalkkieselschichten, ausgebreitet, diese z. T. auch durch- 
brochen und überströmt. Wo sie nahe an die Oberfläche 



— 103 — 

kamen, sind sie als Mandelsteine ausgebildet oder in an- 
derer Weise beeinflußt. Wo sie ältere Gebirge durch- 
brachen, lassen sich an diesen leichte, aber unverkennbare 
Spuren von Kontaktmetamorphose erkennen.— 

Die Tektonik der Tanganjikaforma.tion soll hier nui' 
kurz gestreift werden. Die Lagerung der Schichten ist ganz 
überwiegend horizontal. Kleine Stöningen von geringer 
räumlicher Ausbildung sind aber auch innerhalb des Gebietes 
horizontaler Lagerung nicht selten. Von einer großen Stö- 
rungszone, die vielleicht eine Breite von 15 Kilometern 
erreicht, wird die Tanganjikaformation entlang der Küste 
des Sees durchsetzt, die mit der Entstehung des Tangan- 
jikagrabens im Zusammenhange steht. 

Wenn die Lagerung der Tanganjikaformation landein- 
wärts des Sees als horizontal bezeichnet wurde, so ist hervor- 
zuheben, daß wahrscheinlich doch der ganze Schichtkomplex 
eine gering© Neigung nach Westen aufweist. Der Nei- 
gungswinkel ist jedoch so gering, daß er erst durch genaue 
Messungen der Höhenlage bestimmter Schichten zu ermitteln 
ist. Selbst auf Hunderte von Metern entblößte Talwände 
lassen im Innern des Verbreitungsgebiets eine Neigung der 
Schichten nach irgendeiner Richtung nicht feststellen. Ver- 
werfungen innerhalb der Tafellagerung von geringer Sprung- 
höhe sind von vielen Orten bekannt, .so aus der Nähe der 
Station Malagai^assi, bei Gottorp, wo Neigungswinkel der 
Sandsteine bis zu 15° vorkommen. Andere Orte sollen hier 
nicht aufgezählt werden. 

Im Gegensatz zu den bisher beschriebenen, nur gering- 
fügigen Störungen ist die Lagerung an der Küste außer- 
ordentlich unruhig. Alle diese tektonischen Veränderungen 
sind hervorgeiiifen durch die Entstehung des Tanganjika- 
grabens, und trotz dessen starker Absenkung ist es fast 
verwunderlich, daß sich diese Einsenkungsbruchstörungen 
nur wenig landeinwärts verfolgen lassen. Guten Einblick 
in diese Störungen entlang der Küste gewährt schon die 
nähere Umgebung von Kigoma, die- für die an der übrigen 
Ostküste zu beobachtenden Störungen ^ das Sandsteinufer 
ist in ein förmliches Mosaik von kleinen Schollen 
mit gegeneinander abweichender Lagerung zerstückelt - 
typisch ist. An der Südseite der Kigomabucht sind, wie 
erwähnt, durch die Anlage der Zentralbahn helle Sand- 
steinschichten der Tanganjikaformation bloßgelegt worden. 
'Wo die Bahn in die Gerade nach dem Bahnhof Kigoma 
einbiegt, ist eine kleine, aber ausgezeichnete Palte an- 



104 



geschnitten, deren obere Partien in eine Faltenüberschiebung- 
übergehen. Weiter nach dem Bahnhof zu sind Faltung-en 
-nicht mehr aufgeschlossen; wohl aber machen einzelne 
Lagen der Sandsteine einen außerordentlich g^equälten Ein- 
druck, der auf starke Pressung^en zurückzuführen ist. Die 
Sandsteine fallen nach dem See zu mit 20 — 25 ° ein. In 
der Landzunge „Entenschnabel" bietet die Gleisanlag'e einen 
guten Einblick in die aufgerichteten, etwa mit 30° in der 
Längserstreckung der Landzunge einfallenden Sandstein- 




Fig. 3. Faltenüberschiebung in quarzitischen Sandsteinen der 
Tanganjikaformation bei Kigoma (1250,1 km der Zentralbahn). 

bänke. An den Steilwänden der sich südlich an die Kigoma- 
bucht bis nach Udjidji anschließenden Landzungen ist die 
Lagerung sehr wechselnd. Südwesteinfallen herrscht vor. 
Bei Udjidji fallen die Sandsteine südlich. In der Nähe der 
(während des Krieges als Holzstation dienenden) Lugufu- 
mündung ist die Lagerung gleichfalls sehr unre'gelmäßig. 
An dem nördlich der Kigomabucht vorspringenden Kap 
Tschere wui-nie auf eine längere Strecke häufig wechseln- 
des Einfallen beobachtet. 

Die ganze Ostküste des Tanganjikasees stellt eine 
mannigfaltig gebaute, auch gefaltete Störungszone dar, 
(deren Vorhandensein nicht nur durch die Lagerungs- 
verhältnisse innerhalb der sedimentären Tanganjikaformation 
erwiesen, sondern auch in dem diese nördlich und südlich 
begrenzenden Gebiet kristalliner Gesteine angedeutet ist. 

(Vollendet in Davos, Schweiz, im Dezember 1917; durch 
die Zensui'behörde in Stuttgart wurde jedoch die Druck- 
legung während des Krieges verboten.) 



105 — 



7. Was ist unter „Scharung" zu verstehen? 

Von Herrn Otto Wilcken:^ (finilier in Straß bürg i. E.). 

Zui^zeit Bremen, 8. Mai 1919. 

Der Ausdruck „Schaining" für eine Vereinigung zweier 
Kettengebirge wird in der geologischen Literatur in ver- 
schiedenem Sinne gebraucht, so daß es zweckmäßig 
erscheint, den Begriff zu definieren und die Anwendung 
des Wortes dementsprechend zu beschränken oder für die 
verschiedenen Erscheinungen, auf die es bisher angewandt 
wurde, gesonderte Bezeichnungen einzuführen. 

Schar, scharen, sich scharen sind urspininglich Aus- 
diücke des Heerwesens und beziehen sich sodann ganz 
allgemein auf den Zusammenschluß einer /Anzahl von 
Personen zu einer mehr oder weniger scharf begrenzten 
Einheit. Die Bergmannssprache, aus der Geographie und 
Geologie den Ausdruck übernommen haben, bedient sich 
seiner zur Bezeichnung gewisser Arten des gemeinsamen 
Auftretens von Erzgängen. Nach Vbith (Deutsches Berg- 
wörterbuch mit Belegen [1871], S. 403 — 404) bedeutet „sich 
scharen" von Gängen und Klüften: „im Streichen unter 
einem spitzen Winkel aufeinandertreffen und entweder durch- 
einander hindurchgehen oder auf eine kleinere^^der größere 
Strecke vereinigt bleiben und sich dann erst wieder 
trennen". Nach den Belegen, die Veith zur Vervollstän- 
digung dieser Angaben anführt, ist diese seine Definition 
vielleicht schon zu sehr spezialisiert. Wir werden sogleich 
sehen, daß nach anderen Zitaten das Durchkreuzen der 
Gänge und die Wiedertrennung nach einer Vereinigung 
nicht zu einer Scharung erforderlich sind. 

„Zwei Gänge, welche gleiches Streichen und Ver- 
f lachen!) besitzen, können" — so heißt es bei Mohs^) — 
„nicht miteinander in Berührung kommen . . . Von solchen, 
die untereinander nicht parallel sind, sagt man, wenn sie 
unter einem spitzen Winkel zusammenkommen, daß sie 
sich scharen oder das Scharkreuz bilden." 



1) Statt ,, Verflachen" ist in der Geologie der Ausdruck „Fallen" 
oder „Einfallen" üblich. 

^) MoHs, Fk. : Die ersten Begriffe dei- Mineralogie und Geo- 
gnosie. II. Geognosie, § 451 (1842). 



— 106 — 

Nach GÄTZSCHMANN3) ist Scliaren ,Ai^ Zusainmen- 
laufen zweier Gänge im Streichen unter einem spitzien 
Winkel", und v. Schönberg*) schreibt: „Scharen heißt, 
wenn zwei Gängle zusammen kommen und sich miteinander 
schleppen" Bei 0. W. Kphler^) findet sich der Satz: 
„Wenn zwei verschieden schmale Gänge ... in ihrem 
Streichen sich scharen und einen mächtigen fortsetzenden 
Hauptgang bilden." 

Das Zusammenlaufen der Gänge in der Streichlichtung 
erscheint also immer als das Wesentliche. Kreuzung ge^ 
hört nicht zur Scharung, wie auch aus folgendem, von 
Vbith angeführten Zitat aus der „Zeitschr. f. d. Berg-, 
Hütten- und Salinen wesen" 14. B. 275 hervorgeht: „Die 
gewöhnlichste Form, in welcher (im Clausthaler Gang- 
gebiete) Gänge und Gangtrümmer sowohl in der Streichungs- 
ais auch in der Fallrichtung miteinander in Verbindung 
treten, ist die der Scharung; Gangkreuze sowie Ver- 
werfungs- und Auslenkungserscheinungen sind in diesem 
Gebiete als Seltenheiten zu bezeichnen." 

Dementsprechend lautet auch die Erkläining in Cbednebs 
Elementen der Geologie^): 

,,Ein Mineralgang tritt selten für sich allein, vielmehr 
meistens mit anderen vergesellschaftet auf. Diese ziehen 
sich dann in größerer oder geringerer Parallelität oft weit 
nebeneinander her; eine solche zonenweise Gangvergesell- 
schaftung wird als Gangz u g bezeichnet. Vereinigen sich 
zwei dieser Gänge, so scharen sie sich, legt sich 
der eine an einen anderen an, so wird er von diesem 
geschleppt, durchschneiden sie sich gegenseitig, so 
durchsetzen sie einander und bilden ein G a n g k r e u z." 

Auch für Ceednbr ist also die Vereinigung zweier 
Gänge, die ähnliche Streichrichtung besitzen, das Wesent- 
liche der „Scharung". Wenn zwei Gänge scharen^), so 
wird einer daraus. Wenn zwei Gänge in unmittelbarer 



^) Gätzschmann : Sammlung bergmännischer Ausdrücke 
S. 64 (1859). 

*) V. Schönberg, Abk. : Ausführliche Berginformation, zur 
dienlichen Nachricht vor Alle, die bey dem Berg- und Schmelz- 
wesen zu schaffen ; usw. (Leipzig 1698), Anhang S. 80. 

5) Anleitung zu den Rechten und der Verfassung bei dem 
Bergbau im Königreich Sachsen (Frevberg 1824), S. 312. 

«) 11. Aufl. (1912), S. 346—347. 

"<) „Scharen" wird transitiv und intransitiv gebraucht; die 
reflexive Form ist neben letzterer gleichberechtigt. Auch ,,an- 
scharen" wird intransitiv und reflexiv gebraucht (Veith). 



107 



Berührung nebeneinander herlaufen, so nennt man das eine 
Schleppung. 

Es herrscht in diesem Punkte keine vollständige Einhellig- 
keit der Autoren. Bei A. v. Groddeck«) z. B. heißt es wieder: 
„Zwei Gänge scharen sich, wenn sie unter einem spitzen 
Winkel zusammen konmien und dann gemeinschaftlich fort- 
streichen." Dies wäre nach Credner eine Schleppung. 
So ist vielleicht hierauf nicht soviel Gewicht zu legen. 
Es bliebe als das Wesentliche der Scharung das Zusam- 
menlaufen von zwei Gängen unter spitzem Winkel. Der 
Unterschied, ob sie sich ganz vereinigen oder nebenein- 
ander herlaufen, ist unwichtig. 

Die Anwendung des Ausdrucks Scharung auf Gebirge 
fand nach dem Zeugnis von A. Penck») zuerst durch 
A. V. Humboldt statt. Im Anschluß an das oben an- 
geführte Zitat von Geoddeck fährt nämlich Penck fort: 

„In diesem Sinne sprach zuerst A. v. Humboldt (Zentral- 
asien I, S. 97, 197) gelegentlich der Betrachtung des 
Kuen-luen und Hindu-Koh von einem Arischaren der Ge- 
birge, indem er ausführte, daß diese beiden Gebirge sich 
geradlinig aneinanderschließen, während sich der Himalaya 
nur an den Kuen-luen schart, d. h. im allgemeinen parallel 
mit demselben verläuft, schließlich sich aber doch mit dem- 
selben vereinigt." 

Eine Aufsuchung der Zitate in Humboldts „Zentral- 
asien" ergibt, daß die Stelle S. 197 in diesem Zusammen- 
hang nicht in Frage kommt; denn dort ist nicht von einer 
G«birgsscharung die Rede, sondern von der Schaiiing usw. 
von Granitgängen im Tonschiefer von Buchtarminsk, die 
G. Rose beobachtet hatte. Die andere von Penck heran- 
gezogene Stelle (die sich übrigens nicht auf S. 97, sondern 
auf S. 99 findet) lautet: 

„Ich wage daher jetzt zu behaupten, daß der Hindu-Kho 
und die ganze Kette vom Meridian Attoks und von Ka- 
firistan an bis Mazenderan und bis zum Elburz in Persien 
nicht der Himalaya sind ; daß dieser, welcher ganz Indien 
im N von Neapel und Butan begrenzt, nur ein Seitenzweig 
vom Hindu-Kho, und daß die unmittelbare Fortsetzung des 
letzteren der Kuen-luen ist, dessen westlichstes Ende 
den Namen Thsung-ling führt. Es handelt sich hier nicht 
um eine einfache Berichtigung oder Veränderung in der 

8) Die Lehre von den Lagerstätten der Erze (1879), S. 48, 
(Penck). 

9) Morphologie der Erdoberfläche, Bd. 2, S. 899. 



— 108 — 

Nomenklatur, sondern um das geologische Faktum der 
Existenz einer Spalte, welche ihre ursprüngliche Richtung' 
von nach W auf einem ungeheuren Räume behält: es han- 
delt sich um eine Kontinuität der Richtung der Erhebungs- 
achse. Stoßen wir beim Bergbau auf eine Gabelung der 
Gänge, so betrachten wir stets denjenigen Zweig als eine 
Fortsetzung des Hauptzweigs, welcher dasselbe Streichen 
zeigt (denselben Winkel mit dem Meridian macht). Der 
Seitenzweig (Trum), welcher sich nach einer anderen Rich- 
tung trennt, erhält einen anderen Najnen, selbst in dem 
Fall, wo er später zum anscharenden wird, d. h. parallel 
dem sein anfängliches Streichen behaltenden Gange läuft. 
Diese Rückkehr zum Parallelismus können wir auch 
in der kolossalen Kette des Himalaya beweisen, da sie 
jenseits des Meridians von Katmandu, nachdem sie eine 
um 7 ° südlichere Breite erreicht hat, auf einer Länge von 
200 Meilen die Westostrichtung oder die des Kuen-luen 
und Hindu-Kho hat. Diese Analogien zwischen der 
geologischen Konstitution der großen asiatischen Kordilleren 
und der Veränderungen im Streichen der Gänge können 
wohl, glaube ich, zur Aufklärung über Phänomene beitragen, 
welche ältere Karten schlecht darstellen und welche aji- 
fänglich eine ziemlich seltsame Verwicklung zeigen." 

Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgehen, daß 
Humboldt den Vergleich zwischen 

der Abtrennung des Himalaya von der Erhebungsachse 
Hindu-Kho — Kuen-luen einerseits und 

der Gabelung eines Ganges, dessen Seitenzweig anfäng- 
lich eine andere Richtung einschlägt (was ja im Wesen 
der Gabelung liegt), dann aber anschart (d. h. parallel 
dem Gangzweige verläuft, der die ursprüngliche 
Streichrichtung beibehalten hat), anderseits 

zunächst durchführt, um darzutun, daß Hindu-Kho — Kuen- 
luen die große zusammenhängende Erhebungsachse bilden, 
von der der Himalaya nur einen Seitenzweig darstellt, 
so wie man im Bergbau bei einer Gabelung von Gängen 
den in der Fortsetzung der ursprünglichen Streichrichtung 
liegenden Zweig als Hauptzweig betrachtet, während der 
Seitenzweig einen anderen Namen erhält, und zwar auch 
dann, wenn er später anschai't, d. h. dem Hauptzweig 
parallel läuft. 

Humboldt wendet also den Ausdruck Scharung, scharen 
nicht direkt auf die Gebirge an. Er sagt nicht, der 



— 109 ~ 

Himalaya schare mit dem Kuen-luen — Hiiidu-Kho. Ja, er 
gebraucht das Wort „scharen" überhaupt nicht, sondern 
nur „anscharen" und versteht hierunter die Rückkehr 
eines abgezweigten Ganges in die Richtung desjenigien, von 
dem er abgezweigt ist, also etwas anderes, als die bisher 
angeführten Definitionen angeben. 

Die Gabelung eines Gang-es, dessen Gabel einen spitzen 
Winkel einschließt, und die Scharung zweier Gänge, d. h. 
ihre Vereinigung unter einem spitzen Winkel, ist ja morpho- 
logisch dasselbe. Je nachdem man von dem einen Gang oder 
von der anderen Seite, von den zwei Gängen her, vor- 
schreitet, gibt man der Änderung des Zustands den einen 
oder den anderen Namen. Insofern kann man sagen, 
Humboldt habe einen Vergleich zwischen scharenden 
Gängen und dem Zusammentritt von Himalaya und Hindu- 
Kho gezogen, obgleich er eigentlich von einer Gabelung 
spricht. 

Nicht ganz dem Gebrauch des Wortes „scharen" ent- 
spricht es, wenn Pencki") schreibt: „Während sich der 
Himalaya an den Kuen-luen schart, d. h. im allgemeinem 
parallel mit demselben verläuft, schließlich aber doch sich 
mit demselben vereinig-t." Der im allgemeinen parallele 
Verlauf der sich vereinigenden Gänge gehört wohl zum 
Begriff der Scharung, aber ebensogut die Vereinigung. 
Deshalb ist das „aber doch" nicht ganz am Platze. Die 
parallele Strecke braucht nicht besonders lang' zu sein, wie 
man nach dem „schließlich" denken könnte. 

In Aufnahme gekommen ist das Wort „Scharung-" in 
der Geologie erst durch E. Subss. ,,In ähnlichem Sinne", 
schreibt Pencrii), „redet auch E. Süess von sich an- 
scharenden Gebirgen" („Das Antlitz der Erde" I, S. 305). 
„In ähnlichem Sinne" bezieht sich auf die Bezeichnung 
einer Scharung für einen Parallelismus zweier Gebirge, 
die sich „schließlich aber doch" miteinander vereinigen. 

An der zitierten Stelle spricht Suess davon, daß sich 
an die Innenseite des Apennins ein selbständiger Gebirgs- 
zweig anzuscharen scheinei^). Gemeint ist damit wohl eine 
parallele Anschmiegung. 

„Außerdem aber", fährt Penck fort, „bezeichnet er als 
Scharung das Zusammentreten verschiedener Gebirgsbogen, 



10) Morphologie der Erdoberfläche, Bd. 2, S. 399. 

11) Ebenda. 

12) Da(.^ diese Vorstellung veraltet i.st, tut hier nichts /.ui 
Sache. 



— 110 — 

z. B. des Hinia-laya und Hindu-Koh (js^roße indische 
Schai-ung-) („Das Antlitz der Erde" I, S. 545, 574), und 
spricht auch von der Scharung des variscischen und armori- 
kanischen Bogens (Sitzungsbor. Ak. d. Wiss., Wien. Math.- 
nat. Kl. XCIV. 1886, S. 112)." 

SuESs definiert an diesen Stellen den Ausdruck 
„Scharung" nicht. Das betreffende Kapitel ist überschrieben 
,,Die indischen Scharungen". Im „Antlitz" I, S. 545, 
heißt es: ,, Zugleich ist hier einige Gelegenheit ge- 
boten, um das Verhältnis großer gefalteter Ketten zu ein- 
ander, die Art ihrer Scbarung, zu verfolgen." Auf 
S. 550 (von Penck nicht zitiert) heißt es dann: ,, Aller- 
dings liegen einige Anzeichen . . . vor, welche darauf hin- 
deuten, daß an der Straße von Hormuzd zwei bogenförmig 
vorti-etende Sj^stenie äußerer Falten aneinanderscharen und 
daß folglich die Gestalt dieses Meeresteils in dem Verlaufe 
der Gebirgsfalten und dem Verhältnis derselben zu dem 
arabischen Vorlande tief begründet sei; in dem Streichen 
der inneren Ketten ist aber eine solche Scbarung nicht 
bekannt." Hier wird also von der Aneinanderscharung 
zweier bogenförmiger Faltenzüge gesprochen, ein Fall, auf 
den später Suess den Begriff der Scharung beschränkt hat. 
Auf S. 552 wird von den (an den iranischen Bogen) an- 
scharenden Ketten des Hindu-Koh" gesprochen. Auf S. 558 
heißt es: „ . . . die äußeren Faltungen des Hindu-Koh in 
Hazära (scheinen) etwas weiter gegen S vorgedrungen zu 
sein als die benachbarten Teile des Himalaya. Man möchte 
darum in dem Tertiär laride am Jhelum ein gewaltiges 
Schleppen und Vorüberschleifen der scharenden Gebirgs- 
teile verrateniä); die Beobachtungen zeigen aber nichts 
ähnliches." Auf der von Penck zitierten S. 574 findet 
sich das Wort ,,Schaning" nur in einer Überschrift: 
„Übersicht der großen Scharung". Dem Zusammenhang 
nach wird hieninter die Linie des Zusammentreffens der 
Bogen des Himalaya und des Hindu-Koh verstanden und 
auf S. 576 wird folgender Vergleich gezogen: „Wie zwei 
flache Lavaströme oder zwei Güsse von Schlacke, neben- 
einander hinfließend, ihre ei'starrenden Wellen scharen 
lassen an einer langen Linie, an welcher sich diese Wellen 
bald vereinigen und bald gegenseitig schleppen, so be- 
gegnen sich die Ketten des Himalaya und des Hindu-Koh." 
In der zusammenfassenden Übersicht am Schluß dieses Ka- 



1*) Soll wohl heißen : vermuten. 



/// 



pitels (S. 588 — 591) heißt es endlich: „Im östlichen China 
hat uns Richthofkn ausgedehntes Tafelland kennen gelehrt; 
dagegen deutet der Verhiuf der vorliegenden Inseln auf 
neue scharende Ketten von Formosa durch die Liu-kiu-Inseln 
gegen Kiu-siu; von dort durch Nipon nach Jesso, von 
da durch die Kurilen gegen Kamschatka, endlich durch die 
Aleuten und Alaska gegen Kenai und zui- Scharung mit 
dem Nordwestende der amerikanischen Gebirgszüge. 
Sowie^*) gegen die Indische Halbinsel dringen scharende 
Bogen von NW, N und NO gegen den nordpazifischen 
Ozean vor." 

Es ist begreiflich, wenn Penck, cüeser Anwendung des 
Wortes ,, Scharung" durch Subss folgendi^), definiert: „Die 
Stelle, an welcher zwei Gebirgsb o g e n nahezu senkrecht 
aufeinanderstoßen, ist deren Scharung." Durch die An- 
wendung des Ausdrucks auf das girlandenförmige Zusammen- 
treten von Gebirgsbogenenden hatte Subss, ohne den Be- 
griff zu definieren, eine neue und von der urspmnglichen 
der Bergmannssprache abweichende Bedeutung des Wortes 
Scharung in die Geologie und Geographie eingeführt. 

Sehen wir uns nun um, wie die Lehrbücher sich zu 
der Sache stellen. Kayseri«) spricht nur von einer Scharung 
im Sinne der Bergmannsspra-che. „Ähnlich wie alte Massive", 
schreibt er, „Avirken nicht selten andere, früher gebildete 
Faltenzüge; sie lenken neue, sich in ihrer Nähe bildende 
Falten ab, so daß diese sich mit ihnen scharen." Als 
Beispiel wird die Beugung und Anschmiegung der Falten 
des sinischen Systemis an das des Kuen-luen erwähnt. 

In I4ÖWLS Geologie (S. 185) findet sich der Satz: 
„Stark gekrümmte Faltenzüge pflegen sich jedoch, wie Suess 
zuerst am Südrande der iranisch-tibetanischen Kettengebirge 
nachwies, in Spitzliogen oder in scharf gekrümmten Rund- 
t>ogen zu verketten (zu ,, scharen")." Löwl folgt also dem 
Gebrauche Subss'. 

SuPAN^') schreibt: „Wenn Gebirgsketten von ver- 
schiedener Streichrichtung zusammenstoßen, so geschieht 
es auf dreierlei Weise. Vereinigen .sie sich unter einem 
spitzen Winkel, so nennt man diesen Vorgang nach berg- 
männischem Gebrauch eine Scharung." Als Beispiel einer 



1*) Müßte heißen : So wie. 

15) Penck; Morphologie der Enlobt^rfläohe. Bd. 2, S. 399. 

16) AUg-. Geologie, 4. Aufl., S. 738. 

1^) Grundzüge der physischen Erdkunde (6. Aufl. 1916), 
S. 685—686. 



112 



solchen wird die Vereinigung des Jura mit den Westa,lpen 
angefülirt. Man kann hierin einen Beweis dafür sehen, 
daß Gabelung- und Scharung morphologisch dasselbe sind. 
Wenn irgendwo, so würde man in diesem Falle lieber von 
einer Gabelung, einer Verzweigung sprechen, da die Un- 
selbständigkeit des Jura, seine Abzweigung vom Stamme 
der Alpen, doch ganz offenbar ist. Als eine andere Art 
von Scharung bezeichnet Supan sodann diejenige des 
sinischen Faltensystems mit dem Kuen-luen. Von der dritten 
Art des Zusamraenstoßens von Gebirgsketten verschiedener 
Streichrichtung, die Slpan anführt, dem glatten Abschneiden 
der einen Falten durch die anderen, braucht hier nicht die Rede 
zu sein. „Sübss", heißt es dann bei Supan weiter, „wendet 
den Ausdruck Scharung auch auf den Fall an, wo zrwei 
Gebirgsbogen, die ihre konvexe Seite ungefähr derselben 
Himmelsrichtung zukehren, an ihrem Ende miteinander ver- 
wachsen und dadurch eine Girlande bilden." Supan nennt 
diese Art der Vereinigung „Endverwachsung". Daß er dafür 
eine besondere Bezeichnung einführt, beweist zur Genüge, daß 
er mit dieser Anwendung des Ausdrucks ,, Scharung" nicht 
einverstanden ist. 

ScHAFFERi^) gibt folgende Erkläning: Zwei oder mehrere 
parallele Falten können sich unter mehr oder weniger spitzem 
Winkel oder von verschiedenen Seiten kommend, fast in 
gleichei' Eichtung zusammenlaufend, endlich in einem ein- 
springenden Winkel vereinigen (scharen), wobei in letz- 
terem Falle eine girlandenartige Faltenreihe (Festonbogen) 
entsteht." Aus diesem Satz ist nicht klar zu ersehen, ob 
Schaffer nur die girlandenförmige oder alle angeführten 
Arten der Vereinigung als Scharung bezeichnet wissen will. 

H. WAGNER19) setzt Scharung = engeres Aneinander- 
schließen, dem ein Auseinanderweichen gegenübersteht. 

Erst im letzten Band des „Antlitz der Erde" gibt Suess 
etwas, was man vielleicht für eine Begriffserklärung für 
,, Scharung" halten könnte. „Die oft wiederkehrende bogen- 
förmige Gestalt der Gebirgsketten", steht S. 578, „ist das 
auffallendste Kennzeichen des asiatischen Baus. Die Art, 
in welcher die Bogen sich begegnen, ist eine zweifache; 
entweder sie treten in Schaning zusammen, oder ein Bogen 
kreuzt die Richtung des andern." Es geht aus diesen 

18) F. X. Schaffbk: Grundzüge der allgemeinen Geologie, 
S. 126. 

19) Lehrbuch der Geographie. I, S. 404. 



— 113 — 

Worten aber nicht mit Sicherheit hervor, ob Subss nur die 
girlandenförmige Begegnimg von Gebii'gsbogen als Scharung 
bezeichnet wissen will, oder ob er diese Art der Bogen- 
verbindung zwar ihre Scharung nennt, ohne damit andere 
Arten der Scharung überhaupt auszuschließen. 

Ich fasse zusammen. Unter Scharung versteht der 
Bergmann die Vereinigung von zwei annähernd in gleicher 
Richtung streichenden Gängen unter einem spitzen Winkel. 
Durch SuESs ist in die Geologie der Ausdruck Scharung 
für eine girlandenförmige Endverwachsung zweier an- 
nähernd nach derselben Seite konvexer G^birgsbogen ein- 
geführt worden. Der m'sprüngliche Sinn des Wortes, das 
der Bergmannssprache entlehnt ist, hat damit eine Änderung 
erfahren. Nachdem aber ein so einflußreicher Schriftsteller 
wie SuESs diese Übung eingeführt und ein so grundlegendes 
Werk wie Pencks „Morphologie der Erdoberfläche" die- 
selbe angenommen hat, ist an ihre Abschaffung nicht zu 
denken. Wir sind im Gegenteil gezwungen, für die unter 
einem spitzen Winkel erfolgende Angliederung einer Ge- 
birgskette, die mit einer anderen vorher ziemlich die gleiche 
Richtung besitzt, eine andere Bezeichnung zu wählen. Mir 
scheint hierfür der Ausdruck „Anschaffung" geeignet zu 
sein, da damit der alte Sinn von „Sclmrung" in einem 
ähnlichen Worte gerettet wii*d. Da aber freilich für die 
Praxis der Unterschied der Wörter „Scharung" und „An- 
scharung" etwas gering ist, so wäre vielleicht jedes Miß- 
verständnis am besten ausgeschlossen, wenn man künftig- 
hin die Schaning im SuEss'schen Sinne als „Bogen- 
scharu ng", das, was ich eben Anscharung genannt habe, 
als „G a b e l s c h a r u n g" bezeichnete. 



114 — 



8. Theoretisches zur Faziesverteilung 
in den Alpen. 

(Ein Beitrag zur Beurteilung der Deckentlieorie.) 

Von Herrn K. Hummel. 

Freiburg i. Br., den 17. März 1919. 

Während der letzten zwei Jahrzehnte wurde die Ah)en- 
geologie von der Deckentheorie beherrscht. Niemand wird 
leugnen, daß die geologische Erforschung der Alpen dieser 
Theorie sehr viel zu verdanken hat. Sie hat es ermöglicht, 
den Bau des Gebirges unter einheitlichen G-esichtspunkten 
zu betrachten, dadurch wurde die Übei'sicht über die Mannig- 
faltigkeit des Vorhandenen sehr erleichtert. Ferner haben 
die großzügigen, fesselnden Leitgedanken der Deckentheorie 
den Eifer der Einzelforschung mächtig angeregt und dadurch 
•die Keinntnis der Einzelheiten des Alpenbaus sehr ge- 
föMert. Aber infolge der Übertreibungen, die sich einzelne 
Anhänger der Deckentheorie zu schulden kommen ließen — 
ich erinnere nur an die phantastischen Profile, in welchen 
die Decken kilometerhoch über den jetzigen Bergspitzen 
und ebenso tief unter dem Meeresspiegel gezeichnet wur- 
den — und ferner infolge der mechanischen Unwalirschein- 
lichkeiten, um nicht zu sagen Unmögliclikeiben, welche die 
Theorie in sich birgt, hat allmählich eine Reaktion Q<i§Qn 
die Deckentheorie, eingesetzt, die zu beginißen ist, weil sie 
verhindern wird, daß sich eine gute Arbeitstiyix)these ver- 
Avandelt in ein Dogma, welches der wissenschaftlichen Er- 
kenntnis gefährlich zu werden begann. Viele der Einzel- 
arbeiten der letzten Jahre haben sich dai-auf beschränkt, 
nachzuweisen, daß sich die Deckentheorie auch auf dieses 
oder jenes Stückchen der Alpen anwenden läßt. Alles, 
was nicht zu dieser Theorie paßte, wurde mehr oder weniger 
stillschweigend übergangen und die Grundlagen der 
Theorie wurden als unerschütterlich feststehend hingenom- 
men. Die Reaktion gegen die Deckentheorie Avird nun 
dazu führen müssen, deren Grundlagen nachzu- 
prüfen. Besteht die Theorie diese Prüfung, wird sie 



— 115 — 

nachlner um so gefestigter dastehen. Halten aber ihi"e 
'Giiindlagien der Nachprüfung nicht stand, dann wird es 
für dien wissenschaftlichen Fiortschritt nur von Vorteil sein, 
wenn man die Theorie sobald als möglich ,,lüstorisch" 
werden läßt. 

Die .Deckentheorie hat eine tektonische und eine 
stratigraphische Huuptgrundlage. Zunächst stützt sie sich 
auf die Erkenntnis, daß vielerorts in den alpinen Ge- 
birgen große Überfaltungen und Überschiebungen vorhanden 
sind. Zur eigentlichen Deckentheoiie (d. h. zu der Annahme, 
daß große, jetzt nördlich der Zentralmassive liegende Sedi- 
mentmassen von deren Südseite stammen imd eret durch 
Deckenschub nach Norden gekommen sind) kommt man aber 
erst, wenn man diese Erkenntnis mit der stratigraphischen 
Tatsache verknüpft, daß innerhalb der Alpen einerseits an 
vielen Stellen gleichaltrige, aber faziell verschiedene Sedi- 
mente nahe beieinander, aber in tektonisch getrennten Ge- 
birgsteilen vorkommen, während anderseits an weit von- 
einander entfernt liegenden Stellen sich dieselbe Fazies 
Aviederholt. Die erate dieser Tatsachen könnte man leicht 
ohne die Deckentheorie erklären; denn ein Faziesweclisel 
auf kurze Entfernung ist durchaus nichts Seltenes. Die 
z\\eite Tatsach© dagegen erklärt die Deckentheorie recht 
einleuchtend, indem sie annimmt, daß die isopischen, jetzt 
in getrennten Gebieten vorgefundenen Sedimente ursprüng- 
lich isotopisch waren und in zusammenhängenden, dem 
Streichen des jetzigen Gebii-ges parallel verlaufenden Zonen 
gebildet wru'den. Erst bei der Gebii^g-sbildung sollen dann 
diese langgestreckten Fazieszonen als Deckensysteme über- 
einander geschoben und durch die spätere Erosion die Sedi- 
mente der ursprünglich einheitlichen Faziesbozirke in ört- 
lich getrennte Stücke aufgeteilt worden sein. 

Die tektonisch en Grundlagen der Decken- 
theorie sind schwer angreifbar. Denn die Tatsache, daß 
Überschiebungen in den alpinen Gebirgen vorkommen, läßt 
sich nicht abstreiten. Doch ül>ersc breiten die tatsächlich 
sichtbaren Überschiebungen, z. B. die unbestreitbar nach- 
gewiesenen Deckenbildungen des helvetischen Faziesbezirks, 
nirgends mittlere Ausmaße, und man braucht daraus nicht 
notwendig auf solch gewaltige Deckenschübe zu schließen, 
Avie LuGp:ojsr, Termier usw. sie annehmen. Zudem kann 
man manche tektonische Erscheinungen, die man jetzt als 
Beweis© von weitreichenden Überschiebungen ansieht, viel- 
leicht auch auf andere Weise deuten, ich erinnere nur an 



— 116 — 

die Arbeiten von Myliusi). Und wenn auch dessen Theorie 
der mehrseitigen kurzen Schübe und der Drehung- der Ki^aft- 
richtung mancherlei Grezwnngenes an sich haben mag, so 
weiß ich doch nicht, ob sie mehr mechanische Unwahr- 
scheinlichkeiten in sich birgt als die Annahme der Decken- 
theorie, daß ganze Serien von flächenhaft recht großen, 
aber verhältnismäßig dünnen Schichtpaketen nacheinander 
die ganze Breite der Alpen überquert haben, ohne dabei 
wllkommen den inneren Zusammenhalt zu verlieren. Wenn 
inan aber auch im Gegensatz zu Mylius anerkennen will, 
daß die in den Alpen vorhandenen Überschiebungen das 
Ausmaß von 5 — 6 km oft recht wesentlich übersclireiten, 
und in der helvetischen Zone scheint mir dies unzweifelhaft 
der Fall zu sein, so braucht man damit noch lange nicht 
zur eigentlichen Deckentheorie, zm' Herleitung der Decken 
vOn jenseits der Zentralmassive, zu kommen, sofern es ge- 
lingt, die der Deckentheorie zugrunde liegenden Fazies- 
verhältnisse auf andere Weise ebenso einleuchtend zu 
erklären. Es scheint mir dafür zwei Wege zu geben, deren 
Gangbarkeit untersucht werden muß. 

Zunächst kann man behaupten und zu beweisen suchen, 
daß das, was die Deckentheoretiker für isopisch halten 
(es handelt sich dabei vor allem um Idas Verhältnis der 
Fazies der Klippen bezw. der nördlichen Ostalpen zu der 
Fazies der Südalpen), tatsächlich heteropisch ist und 
deshalb auch nicht isotopisch gewesen zu "sein braucht. So 
haben u. a. Fbbch^) und Dbecke^) -versucht, eine nähere 
Verwandtschaft der Klippenfazies mit der germanischen 
Fazies nachzuweisen, auch Mylius zielt in ähnlicher Rich- 
tung. Bei all diesen Versuchen steht Jedoch letzten Endes 
Ansicht gegen Ansicht; denn wenn die Klippenfazies nicht 
genau mit der süd- bezw. ostalpinen Fazies übereinstimmt, 
sö ist sie doch ebenso sicher recht verschieden von der 
germanischen Fazies. Sicherheit können all diese Versuche 
erst dann erhalten, wenn uns einmal durch Bohrungen der 
mesozoische Untergrund des schweizerischen und baye- 



i) H. Mylius: Geologische Forschungen au der Grenze 
zwischen Ost- und Westalpen. München 1912/13. 

— Derselbe; Berge von scheinbai' ortsfremder Herkunft in 
den bayerischen Alpen. Landeskundl. Forschungen, herausgeg. 
V. d. Geograph. Ges. in München, Heft 22. 

^) F. Frech: Die Trias der Zentralalpen und der Lombardei 
(Lethaea geognostica, 11, 1, 3, Abt., Kap. V). 

3) W. Peecke: Die Trias der Schweizer Alpen und damit 
zusammenhängende Fragen. Oentralblatt 1917, 1. 



— 117 — ^ 

rischen Molasselandes genauer bekannt sein wird. Allerdings 
scheint es mir ein schwacher Punkt der Deckentheorie zu 
sein, daß die gewaltigsten Deckenbildungen, die isolier- 
testen Klippen, gerade in den G«.genden liegen, in denen 
wir wenig oder nichts vom mesozoischen Untergrund des 
unmittelbaren Vorlandes wissen, während an anderen Stel- 
len, wo die Fazies des Vorland-Mesozoikums besser bekannt 
ist, z. B. im südlichen Teil der Westalpen, das Ausmaß der 
von den Deckentheoretikern angenommenen Überschiebun- 
gen bedeutend geringer ist. Zwar zeichnet Tbrmier auch 
für diese Gregenden einige das ganze Gebirge überquerende, 
weit nach Westen reichende Decken, diese schweben aber 
völlig in der Luft; es sind keine Zeugenklippen von ihnen 
erhalten, diese Decken sind also äußerst hypothetisch. 

Aussichtsreicher als dieser erste, von Frech, Dbeckb, 
Mylius usw. beschrittene Weg scheint mir ein anderer Weg 
zu sein, der die Faziesverteilung in den Alpen ohne Decken- 
theorie zu erklären gestattet, ohne daß es nötig wäre, di© 
von den Anhängern der Deckentheorie festgestellten faziellen 
Ähnliclikeiten zwischen Nord- und Südalpen usw. anzuzweifeln. 
Es scheint mir nämlich die Möglichkeit vorzuliegen, daß 
die isopischen Sedimente, welche wir in den 
verschiedenen Teilen der Alpen finden, niemals iso- 
topisch gewesen sind, wie dies die Deckentheorie 
annimmt, sondern daß sich in verschiedenen 
Bildungs räumen gleichartige oder ähnliche 
Sedimente gebildet haben, während sich gleich- 
zeitig in zwischenliegenden Zonen andersartige Sedimente 
niederschlugen. Zwar dürfte es sehr schwierig, wenn nicht 
unmöglich sein, einen exakten Beweis für diese Annahm© 
zu erbringen, da die Feststellung von Übergängen sehr er- 
schwert wird durch die mannigfachen tekfconischen Störun- 
gen, welche wir aus weiter unten zu erörternden Gründen 
in besonderer Stärke gerade an den Faziesgrenzen erwarten 
dürfen. Der jetzige Stand unserer Kenntnisse gestattet 
jedenfalls einen derartigen unmittelbaren Beweis noch nicht. 
Trotzdem scheint es mir nicht überflüssig zu sein, sich mit 
dieser Möglichkeit zu befassen; denn da in der letzten 
Zeit fast jede Einzelarbeit in den Alpen im Banne der 
Deckentheorie stand, so ist vielleicht manche Tatsache, 
welche auf derartige Möglichkeiten hinweisen könnte, der 
Beobachtung oder Beachtung entgangen, weil man eben 
überhaupt nicht mit solchen Möglichkeiten rechnete. Wei- 
tere Arbeiten könnten also recht wohl Tatsachenmaterial 



— 118 — 

beibringen, durch welches meine Annalmie unmittelbar 
gestützt wird. Ich selbst kann derartiges Tatsachenmaterial 
zunächst noch nicht beibringen und habe mir daher auch 
nur das Ziel gesetzt, mittelbar auf G r u n d v o n Ana- 
logieschlüssen dieMöglichkeit zu beweisen, 
daß sich isopische Sedimente gleichzeitig in 
verschiedenen, durch Gebiete anderer Fa- 
zies getrennten Bezirken bilden können. Ich 
will also Beispiele für solche Fälle beibiingen aus tektonisch 
weniger gestörten Gebieten, avo die gegenseitige Lage der 
Fazies durch Deckenschub nicht verändert wiiKle. 

Als besondei'e Fazies allgemeinster Art muß man die 
Eruptivgesteine ansehen. Bei diesen ist die Tat- 
sache, daß sie sich in verschiedenen Bezirken unabhängig' 
voneinander in völlig gleicher ,, Fazies" bilden können, so 
selbstverständlich, daß ich dies hier gar nicht zu er- 
wähnen hätte, wenn nicht auch Eruptiva bei der Identifi- 
zierung der verschiedenen Deckensysteme eine Bolle spielen 
würden; ich erinnere an die basischen G^est«ine der lepon- 
tinischen Decken. Daß wir diese Gesteine jetzt an vielen 
Stellen finden, wo keine Eruptionsstellen mehr zu sehen 
eind, das beweist noch lange nicht, daß diese Gesteine 
völlig wurzellos und „exotisch" sind. Denn die viükani- 
echen Magmen vermögen auf verhältnismäßig- sehr kleinen 
Gängen und Spalten nahe an alten tektonischen Linien em- 
porzudringen; bei der nachfolgenden Überfaltung und Schup- 
pung wurden hauptsächlich diese älteren tektonischen Stö- 
rungszonen so zerdrückt und verändert, daß jetzt nichts 
mehr die alten Eniptionsstellen erkennen läßt. 

Für alle kristallinen Schiefer gilt in etwas be- 
schränkterem Maße dasselbe wie für Eruptivgesteine. Die 
Metamorphose vei'wischt zwar nicht alle primären Gesteins- 
unterschiede, aber sie vereinheitlicht doch im allgemeinen 
den Typus, so daß unschwer in getrennten Gebieten voll- 
kommen gleiche Fazies entstehen können. Auch sie dürfen 
daher zur Feststellung früherer örtlicher Zusanmienhänge 
nach der Methode der Deckentheorie nur sehr mit Vor- 
sicht benützt werden. 

Ebenso erübrigt es sich, besondere Beispiele da- 
für anzuführen, daß sich t e r i- e s t r i s c h e , und über- 
haupt kontinentale Bildungen in getrennten Be- 
zirken in durchaus gleicher Fazies wiederh.)len. Die Bil- 
dungen der alten Kontinente fast • aller Epochen und Ge- 
genden sehen sich oft zum Verwechseln ähnlich und lassen 



— 119 — 

sich nur durch ikren Eossilgehalt unterscheiden. Dies ^It 
insbesondere auch für alle salinaxen Bildungen — bestehen 
doch bei den Salzablagerungen der indischen Salzkett© 
Zweifel darüber, ob sie zum Cambriura oder zum Tertiär 
zu rechnen sind! Salzbildungen, Gipse, E-auchwacken u. dgl. 
dürfen daher niemals zum Beweis für ursprüngliche Iso- 
topie jetzt örtlich getrennter Ablagerungen dienen. Trotz- 
dem spielen die salingi,ren Bildungen der alpinen Trias eine 
wichtige EoUe bei der Vergleichung nord- und südalpiner 
Sedimente. 

Auch bei R i f f b i 1 d u n g e n sollte man eigentlich nach 
allem, was uns die heutige Verbreitung der Korallenriffe 
lehrt, nicht erwarten, daß man sie als Beweis für die 
frühere räumliche Zusammengehörigkeit jetzt getrennter Ge- 
biete benützen könnte. Da sie aber in der für unsere Be- 
trachtung besonders wichtigen ost- und südalpinen Fazies 
eine so hervorragende Rolle spielen, habe ich sie bei der 
Zusammenstellung meiner Beispiele nicht völlig ausge- 
schieden. 

Es bleiben nun die normalen, d. h. geschichteten 
marinen Sedimente aller Art. Bei diesen ist der 
Gedankengang, daß gleichartige und gleichaltrige Sedimente 
in einem zusammenhängenden Bezirk gebildet wurden, am 
nächsten liegend. Aber auch hier sollte eigentlich schon 
eine ganz einfache, altbekannte Tatsache zu der Erkenntnis 
führen, daß es nicht notwendig so sein muß. Wir finden 
nämlich vollkommen übereinstimmende, sich nur durch die 
verschiedenaltrige Fauna unterscheidende Faziesbildungen 
in verschiedenen Formationen an verscliiedenen Orten. Ich 
erinnere an die Ähnlichkeit zwischen manchen unterdevo- 
nischen Hercynkalken und den Hallstätterkalken der alpinen 
Trias'*). So gleicht ferner dei- südwestdeutsche Hauptrogen- 
stein fast völlig dem Oolith des Barremiens und oberen 
Hauteriviens des Neuenburger Jui^a. Beispiele dieser Art 
könnten noch in großer Zahl gefunden werden. Weiju nun 
aber gleichartige Fazies sich zu verachiedenen Zeiten an 
verschiedenen Orten bildeten, so ist nicht einzusehen, wa- 
rum sie sich nicht auch zu gleicher Zeit an verscliiedenen 
Orten sollten bilden können. Die Ähnlichkeit muß dann 
entschieden noch größer werden als bei verschiedenaltrigen 
Bildungen, weil ja auch die Fauna ungefähr dieselbe sein 
wird. Und wenn wir nun noch annehmen, daß die Bildungs- 



<) Vgl. Feech: Lethaea palaeozoica, 2. Bd.. S. 13.3. 



— 120 — 

räume zwar getrennt, aber in nicht allzu großer Entfernung 
Voneinander liegen, wie dies bei den hypothetischen Bil- 
dungsräumen der ost- bezw, südalpineu Fazies der Fall 
wäre, so sind die Momente, welche zur gegenseitigen Über- 
einstimmung der Fazies auch während längerer geologischer 
Zeiträume führen können, noch bedeutend vergrößert. Denn 
man darf dann ajinehmen, daß der vertikale (d. h, 
zeitliche) Wechsel der Sedi^jientation in bei- 
den Räumen gleichartig beeinflußt wird 
durch tektonische Bewegungen, welche ent- 
weder den gesamten alpinen Sedimentations- 
raum überhaupt o.der aber die trennende, bei- 
den Räumen benachbarte Mittelzone betref- 
fen. Kommt man so schon durch allgemeine Überlegungen 
zu dem Ergebnis, daß eine Faziesverteilung, welche die 
alpinen Fazies Verhältnisse ohne Deckentheorie zu erklären 
gestattet, theoretisch durchaus möglich ist, so sollen die 
folgenden Beispiele zeigen, daß solche oder doch ähn- 
liche Fälle der Fazies Verteilung in den uns bekannten 
sedimentären Schichten gar nicht allzu selten wirklich vor- 
kommen. 

Die Beispiele habe ich auf Grund von Literaturangaben, 
meistens an Hand von Haugs „Traite de Geologie", zu- 
sammengestellt. Die fazielle Beschaffenheit eines Gesteins 
läßt sich oft nur durch den Augenschein mit Sicherheit be- 
urteilen, Literaturangaben lassen ungewiß, ob es sich tat- 
sächlich um gleiche Fazies handelt, wenn die Vergleichs- 
punkte nicht unmittelbar betont werden. Es ist daher mög- 
lich, daß ich im einen oder anderen Fall nicht vollkommen 
gleichwertige Sedimente zueinander in Beziehung gebracht 
habe. Da dies aber sicher nicht für alle im folgenden auf- 
geführten Fälle zutrifft, so kann das Ergebnis meiner Unter- 
suchung durch diese Überlegung nicht wesentlich beein- 
flußt werden, zumal ich es für wahrscheinlich halte, daß 
die Beispielsreihe nicht vernündert, sondern im Gegenteil 
erheblich vermelirt würde, wenn die oben angeführten 
Schwierigkeiten bezüglich der Beurteilung der Faziesver- 
hältnisse auf Grund von Literaturangaben nicht beständen. 
Denn in sehr vielen Fällen verstecken sich gleichartige oder 
sehr ähnliche Faziesbildungen in getrennten Gebieten unter 
verschiedenen Lokalnamen. 

Häufigen Fazieswechsel findet man im Silur des 
nördlichen Europa. Man geht wohl nicht fehl, wenn 
man diese Tatsache mit der beginnenden kaledonischen Ge- 



— 121 — 

birgsbildung- in Zusammenhang bringt. Mit der Annäherung 
an diese G-ebirgszone wächst überall der Anteil des terrigenen 
Materials an der Sedimentation, zugleich Avächst aber auch 
die Mcächtigkeit der Sedimente. Dies weist darauf hin. 
daß wir in der Gebirgszone sowohl festes Land als auch 
besonders tiefe, oder vielmehr andauernd sich vertiefende 
marine Senken hatten. Für die Art, wie die Faziesbildungen 
im Silur von Jemtland ineinandergreifen, ist eine 
von WiMAN^) gegebene Karte recht lehrreich. Allerdings 
ist diese Karte eine Verquickung einer Fazieskarte mit einer 
Altersstufenkarte, und sie gibt daher ein übertriebenes Bild 
vom Ineinandergreifen der Faziesbezirke. Tatsache aber 
scheint mir jedenfalls zu sein, daß wir im Untersilur von 
Jemtland starken Fazieswechsel haben und daß die Fazies- 
grenzen durchaus nicht geradlinig und keineswegs parallel 
dem jetzigen Gebirgsstreichen verlaufen. Zwar ist dieses 
Silurgebiet von Jemtland insofern für meine Zwecke nicht 
besonders beweiskräftig, als einige Autoren das Ineinander- 
greifen der Fazies auch dort auf Deckenschübe zurück- 
führen wollen. Daß die großen Quarzitmassen, namentlich 
der Vemdalsquarzit und der Strömsquarzit, mehr oder we- 
niger stark überschoben sind, steht fest. Wiman glaubt 
jedoch an Überschiebungen von nur geringem Ausmaß, und 
auch HöGBOHM^) hält die oben genannten Quarzite für nur 
von „minor thrusts" (im Vergleich zu der gi'oßen Hoch- 
landüberschiebung) beeinflußt, und die weiter westlich ge- 
legene Quarzitreihe (Oviksfjällen, FöUinge) hat er in seiner 
Karte (Taf. 8) sogar als unmittelbar autochthon eingezeich- 
net. Dann kommt man aber imbedingt zu einem recht 
starken Fazieswechsel, mindestens zu einem stark bucht- 
förmigen Eingreifen der normalen untersilurischen Fazies 
zwischen die Quarzitfazies in der Gegend des Sborsjös. Auf 
keinen Fall kann Wimans Fazies der gebankten Schiefer 
(nördlich von Oviksfjällen) und die Fazies des Quarzits mit 
Phacops elliptifrons (Offerdal) durch Überschiebung ge- 
deutet werden. Die Entstehung des letzteren möchte Wiman 
vielleicht auf das Vorhandensein von Inseln im Silurmeer 
zurückführen. Ebensolche Annahmen kann man aber dann 
ebenso gut für die anderen, größeren Quarzitmassen machen. 



'") C. "Wiman: Kambrisch-silurische Faziesbildungen in 
Jemtland. Bull. Geol. Inst. Fpsala. Bd. III, 1897, Taf. VH. 

6) A. G. HöGBOHM : Studies in the post-silurian thrust ]-egion 
of Jemtland. Geol. Föien. Stockholm Förhandl.. Bd. 31, 1909, 
S. 289. 



— 122 — 

Von irgend einer Küste müssen diese Sandmassen unbedingt 
gekommen sein. Ist es nun wahrscheinlich, "daß diese 
Küste oder dieses Inselgebirge, wenn es auch im allgemeinen 
dem Streichen des jetzigen Grebirges parallel verlief, voll- 
kommen geradlinige Begrenzungen hatte? Ist es nicht viel 
natürlicher, anzunehmen, daß es sich um eine mannigfach 
geg'liederte Küstenlinie handelte? Dann braucht die ur- 
sprüngliche Faziesvertoilung gar nicht wesentlich von der 
Jetzigen verschieden gewesen zu sein. Daß die mächtigen 
Quarzitmassen sich tektonisch anders verhielten als die 
normalen Silurschichten, und daß sie daher mehr oder we- 
niger auf ihre Umgebung hinaufgeschoben Avurden, das ist 
ja natürlich. Auch der angeblich einen Raum von 140 km 
überquerende Deckenschub der skandinavischen Hauptschüb- 
masse mit ihrer nochmals andersartigen Silarfazies (Köli- 
schiefer usw.) läßt sich vielleicht (ich betone, daß 
ich hier nur von theoretischen j\Iö gl i c hk ei t e n 
spreche) auf verhältnismäßig viel geringere randliche Über- 
schiebungen umdeuten, wenn man annimmt, daß die ur- 
sprünglichen Faziesgrenzen keine geraden Linien waren, 
sondern ungefähr den jetzigen Ül>erschiebungsrändern pa- 
rallel verliefen. Die Gebiete, avo Avir jetzt die Hochlands- 
fazies des Cambriums und Silm^s ent^A^ckelt sehen, lassen 
sich als mehr oder Aveniger abgeschlossene, allmählich sich, 
vertiefende Meeresbecken innerhalb eines Inselgebirges auf- 
fassen. Die präcambrischen Gesteinsmassen der Überschie- 
bungsdecke waren dagegen vielleicht teilweise überhaupt 
niemals von silurischen Sedimenten 1>edeckt, sondern bil- 
deten die Landmassen, von denen das Material der siluri- 
schen Quarzite herstammte. Wir sehen jetzt freilich nir- 
gends mehr unmittelbai^ Küstenbildungen des Silurmeers 
am Rande dieser hypothetischen Inseln; die LitoraUähhuigen 
w^urden Avieder abgetragen oder A^on der Überschiebung ver- 
deckt. Auch Avenn AAär jetzt ein solches ])räcambrisches 
Massiv ringsum von Überschiebungsflächen begrenzt finden, 
so schließt dies nicht aus, daß die Hauptmasse des Massivs 
trotzdem autochthon ist; denn es kann sich um randliche 
Überschiebungen kleineren Ausmaßes handeln. Man muß 
dann allerdings, in ähnlicher Weise Avie Rothpletz oder 
Mi'Lirs, annehmen, daß der Schub nacheinander in verschie- 
denen Richtungen wirkte. Dies ist gerade für das. kaledo- 
nische Gebirge insofern nicht ganz unAvalirscheinlich, als 
es ja feststeht, daß der Hauptschub in Skandinavien in 
anderer, entgegengesetzter Richtung ging als in Schottland, 



— 123 — 

Daß gerade die alten Küstenlinien zu Überschiebungslinien 
wurden, ist nicht verwunderlich; denn dafür sprechen sowohl 
mechanische (Starrheit des alten Massivs gegenüber den 
biegsameren jüngeren Sedimenten), als auch tektonische 
Gründe (Wiederaufleben der tektonischen Linien, welche 
urspmnglich die Bildung der Küste veranlaßten). 

Ein kleineres Beispiel von inselfömüger Entwicklung 
einer tektonisch bedingten Fazies haben wir im Untersilur 
von Locknesjön in Jemtland. Es ist der sogenannte L o f - 
t a r s te n , eine detritogene Einlagemng im Orthocerenkalk. 
WiMAN^) hat nachgewiesen, daß diese rings von normalem 
Orthocerenkalk umschlossene Fazies an das Vorhandensein 
von tektonischen Störungen und das Aufragen von Grund- 
gebirgsinseln im Silurmeer geknüpft ist. Dieses Vorkom- 
men dürfte, in verkleinertem Alaßstabe, eine Parallele bil- 
den zu manchen Sedimenten der lepontinischen Fazies in 
den Alpen. 

"W. W. Watts«) ist der Ansicht, daß das Unter- 
silurmeer Englands kein offenes Meer war, sondern 
ein vulkanischer Archipel. Diese Angabe bezieht sich vor 
allem auf das außerhalb, südöstlich der kaledonischen Geo- 
synklinale gelegene Gebiet. Da aber die terrigenen Sedi- 
mente der Geosynklinale beweisen, daß sie im allgemeinen 
in größerer Landesnähe gebildet wurden als die kalk- 
reicheren Sedimente der südöstlichen, neritischen Fazies, 
darf man vermuten, daß das Gebiet der Geosynklinale 
ebenfalls Archipel-Charakter hatte. Wohl sind die Sedimente 
der Geosynklinale im allgemeinen bathyal, aber sie sind 
zugleich terrigen. Diese Verhältnisse scheinen mir die 
Richtigkeit von Deeckes^) Ansicht zu beweisen, daß die 
Geösynklinalen keine einfachen Mulden, 
sondern Gebiete großer Höhenunterschiede 
und starker Krustenschwankungen sind, in 
denen inselförmige Landniassen und große 
Meerestiefen, bzw. rasch einsinkende, von 
mächtigen Sedimentmassen erfüllte Becken 
nahe beieinander liegen. Ein modernes Beispiel für 



■?) C. Wiman: Eme untersilurische Litoralfazies bei Lock- 
nesjön in Jemtland. Bull. Geol. Inst. Upsala, Bd. IV. 1898, 
S. 133. 

8) Handbuch der regionalen Geologie, III. 1, The British 
Isles, S. 74. 

9) W. Deecke: Die alpine Geosynklinale. Neues Jahrb., 
Beil. 33, 1912. S. 831—8.58. 



— 124 — 

solche Verhältnisse ist dei' hinterincüsche Arcliipel, ins- 
besondere die Gegend der Molukken. 

Im Devon bietet die Verteilung der kalkigen Fazies 
des Unterdevons, des sog. Hercyns, ein gutes Beispiel für 
die Wiederholung vollkommen gleicher Fazies in verschie- 
denen, voneinander getrennten Bezirken. Wir haben ein 
zusammenhängendes Gebiet dieser Fazies im Osten (Böhmen, 
Ostalpen). Außerdem finden wir petrographisch wie 
faunistisch sehr ähnliche Sedimente vereinzelt weit ab von 
. diesem geschlossenen Gebiet, nämlich im Harz, an der 
Lahn, im Kellerwald, in Südfrankreich usw. 

Bemerkenswert ist es, daß die eigenartige, strichweise 
Verbreitung des Hercyns sich bei den faziell recht ähn- 
lichen Hallstätte r Kalken wiederfindet. 

Biese typische Fazies, welche auch in der Decken- 
theorie eine wichtige Rolle spielt, soll sich nach Haug^") 
in zwei Geosynklinalen gebildet haben, die durch eine 
im Gebiet der jetzigen Adria gelegene Geantiklinale ge- 
trennt waren. Wenn diese Fazies sich in zwei nur lose 
zusammenhängende Geosynklinalen bilden konnte, so ist 
nicht einzusehen, warum sich gleichartige 
Schichten nicht noch in einer dritten, nörd- 
lich der Zentralalpen gelegenen Geosyn- 
k 1 i n a 1 e gebildet haben sollen. 

Eine ähnliche Wiederholung einer Cephalopodenfazies 
in zwei durch eine Geantiklinale getrennten Geosynklinalen 
beobachten wir im Lias von Italienii). In Ligurien 
(Spezia) einerseits und im Süden von Toskana (Monte 
Cetona) sowie im westlichen Sizilien andererseits ist der 
Lias in bathyaler Cephalopodenfazies entwickelt, in den 
Apuaner Alpen dagegen und im östlichen Sizilien und 
Calabrien findet sich neritische Brachiopodenfazies. Für 
wichtig halte ich es, daß die Grenzen dieser Faziesbezirke 
nicht mit dem jetzigen Gebirgsstreichen parallel laufen. Haug 
stellt zwar (S. 985) eine derartige Parallelität fest; dies© 
bezieht sich aber nur auf den Verlauf einzelner Ket- 
ten, nicht auf die Gesamtrichiung des Apennin;, 
denn diese ist NW — SO, während Haug selbst N" — S als 
die Streichrichtung der liassischen Synklinalen angibt und 
die Synklinale von Toskana mit derjenigen von Westsizilien 
verbindet. Dies berechtigt zu der Annahme, daß auch die 



10) Traite de geologie, 1907 S. 897. 

11) Traite de geologie, 1907. S. 952 u. 984. 



125 



alpinen Faziesgrenzen stellenweise quer zum Gebirge ver- 
laufen. 

In den französisch-italienisclien Alpen nimmt Haug^^) 
für den Lias ebenfalls zwei N — S streichende G-eosynklinalen 
an, die durch die Geantiklinale des Biian9onnais getrennt 
w^erden. Sowohl in der w^estlichen Synklinale der Dauphine, 
als auch- in der östlichen des Piemont bilden sich Tonschiefer 
von großei' Alächtigkeit; in beiden haben wir also ungefähr 
dieselbe Fazies. Denn die Eruptiva, durch welche sich 
die liassischen Gesteine der östlichen Synklinale von denen 
der westlichen unterscheiden, kann ich. nicht als Charak- 
teristikum der marinen Fazies betrachten. Eine ähnliche 
Faziesverteilung wie im Lias heiTscht nach Haug in diesen 
Gegenden noch Avährend des ganzen Jura. 

Ein sehr typisches Beispiel für die Wiederholung einer 
ganz fest umschriebenen Fazies in weit getrennten Gebieten 
haben wir in den Grauen Kalken des oberen Lias, die 
nach den Feststellungen von G. Bobhmi^) soAvohl in Ve- 
netien, als auch in Nordfrankreich, im Dpt. Sarthe, auftreten. 

Der neritische Dogger des südwestlichen Frankreich 
wiederholt sich in ähnlicher fazieller Ausbildung am Nord- 
rande der iberischen Meseta, während in der zwischen- 
liegenden Pyrenäen-Geosynklinale eine vollkommen andere, 
eine bathyale Doggerfazies vorkommt. 

Im M a 1 m sind in der Umgebung des Schwarzwalds 
und der Vogesen einerseits und am Morvan andererseits 
recifale Bildungen entwickelt; in der zwischenliegenden 
Senke fehlen die Riffe, es bildeten sich dort ähnliche Sedi- 
mente wie in Schwaben jenseits der alten süd westdeutschen 
Massive. 

Beispiele kleineren Maßstabs zeigt die Entwicklung des 
Malms westlich vion Genf. Das etwa 10 km lange und 
5 — 6 km breite Kimmeridge-Riff von Valfi n^'^) 
liegt inmitten gleichaltriger Schichten von anderer, ge- 
schichteter Fazies. Etw^as kleinere Riffinseln finden sich 
nordöstlich und südwestlich davon. Der Übergang vom 



12) Haug: Traite de geologie, 1907. S. 973. 

13) G. BoliHM : Die Fazies der grauen Kalke von Venetieu. 
im Departement Sarthe. Zeitschr. d. Deutschen geol. Ges. 1887. 

— Derselbe: Über die Fauna der Schichten mit Durga 
im Departement Sarthe. Zeitschr d. Deutschen geol. G-es., 
Bd. 40, 1888. 

1*) Hatto: Traite de g6ologie, 1907. S. 1062. 



— 126 — 

Riff zur geschichteten Fazies vollzieht sich auf veriiältnis- 
mäßig sehr kurze Entfernung. Bei tektonischer Bean- 
spinichung würden sich die Riffkalke höchst wahrschein- 
lich aus mechanischen Gründen anders verhalten als die 
geschichtete Fazies. Also auch wenn die Riffe nicht ohne- 
hin von alten tektonischen Linien, die wieder aufleben 
könnten, begrenzt werden, so würden tektonische Ti'en- 
nungslinien jedenfalls am leichtesten an der Grenze 
der beiden Fazies entstehen. Wie leicht könnte also 
durch stärkere gebirgsbildende Bewegungen in dieser Gegend 
eine ganze Reihe von scheinbaren Klippen oder Fenstern 
mit 'ausgesprochen verschiedener Fazies in den verschie- 
denen tektonischen Elementen entstehen 1 

Die untere Kreide des südöstlichen Frank- 
r e i c h s 1^) bietet ähnliche Veihältnisse, wie ich sie oben 
vom Malm von Burgund angeführt habe, nur sind die Riff- 
öildungen weniger deutlich mit alten Massiven verknüpft. 
In der Gegend südwestlich Grenoble einerseits und in der 
Basse Provence andereresits ist Urgonfazies vorhanden, in 
der zwischenliegenden, NW— SO streichenden „Fosse vocon- 
tienne" finden sich nur bathyale Bildungen, die Urgon- 
kalke fehlen. Ähnlich verlaufende Faziesgrenzen sind in 
diesem Gebiet später in Cenomani'^) und Tiux)n vorhanden, 
nur treten an Stelle der neritischen Urgonfazies allmählich 
(im Turon) kontinentale Bildungen, während sich in der 
Posse vocontienne anstelle von bathyalen neritische Sedi- 
mente bilden. Wir haben hier also Konstanz der s y m - 
m etrischenAnordnung derFaziesbezirke auf 
beidenSeitenderFosse vocontiennewährend 
eines recht langen geologischen Zeitraums. 
Die Lage der Faziesgrenzen schwankt während dieser Zeit 
allerdings in gewissem Maße, aber namentlich die Nord- 
grenze der Fosse bleibt nahezu an derselben Stelle. 

Zur unteren und mittleren Kreide gehört auch das 
Beispiel, welches mir die erste Veranlassung zu diesen 
Betrachtungen g©gel>en hat. Im A 1 b i e n und C e n o m a n 
des A r d e n n e n - D e p a r t e m e n t s sind drei Fazies- 
bezirke vorhanden, \V(?'lehe folgende Profile aufweisen^^): 



1^) Haüg: Traite de geologie. 1907. S. 1188. 
16) Haug: Traite de geologie, 1907. S. 12.50 und 51. 
1') Bakrois : Memoire sur le terraiii cretace de.s Ardennes. 
Aniiales de la Socirte geol. du Nord. Bd. V. 1878, S. 227. 



— 127 — 

1. Nordwestlicher Bezirk, Gegend Rozoy-Liart: 

G r ü n 8 a n d der Pecten asper-Tjowe. 

G a i z e de M a r 1 e m o n t (Zone der Schloenbachia 

in f lata). 
Sables gr ossiers deLiart (Glaukonitischer 

Quarzsand, Albien mit Douvilleiceras mam- 

millare). 
Stellenweises Vorkommen von A p t i e n. 

2. Mittlerer Bezirk, südlich des Malacquise-Baches, bis 
in die Gegend von Attigny: 

Grünsand Ir,^ ry 

MarnedeGivronj ' 

Zone der Schloenbachia inflata fehlt oder ist durch 

geringmächtige Tonablagerung vertreten. 
Gaize de Draize (Albien mit Douvilleiceras 
mammillare). 

3. Südöstlicher Bezirk, Argonnen: 

G r ü n s a n d der Pecten asper-Tjono,. 

Gaize de l'Ar gönne (Zone der Schloenbachia 
inflata). 

Gaultton (Albien mit Hoplites interruptus). 

Grünsand (Albien mit Douvilleiceras mam- 
millare). 

Stellenweises Vorkommen von A p t i e n. 

Diese drei Profile zeigen, daß während des ganzen 
Albiens und Cenomans die fazielle Entwicklung im nord- 
westlichen und südöstlichen Bezirk nahezu vollkommen über- 
einstimmte. Der einzige erhebliche Unterschied ist das 
Fehlen des Gaulttwns im Nordwesten. Dieser Ton nimmt 
jedoch schon im nördlichen Teil der Argonnen erheblich 
an Mächtigkeit ab. Der mittlere Bezirk dagegen hat eine 
vollkommen andere fazielle Entwicklung, nur die oberste 
Stufe, der cenomane Gmnsand, stimmt mit den beiden 
benachbarten Bezirken überein. Die Nordgrenze des mitt- 
leren Fazies bezirks ist sehr scharf; . sie verläuft für alle 
Stufen etwa im Tal des Malacquise-Baches. Die Südgrenze 
ist nicht ebenso scharf zu ziehen, da die einzelnen Pazies- 
stufen etwas übereinandergreif en ; der allgemeine Verlauf 
der Faziesgrenze stimmt aber in seinem Streichen mit der 
nördlichen Grenze überein. Die drei Faziesbezirke sind 
höchstwahrscheinlich tektonisch bedingt und giehen ver- 
mutlich auf eine schwache mesozoische Faltenbildung zu- 
rück, die sich posthimi an die stärkeren palaeozoischen 



— 128 — 

Falten der Ardennen und des Kohlengebirg-s anschloß. Ob 
im Tal des Malacqiüse-Baches tektonische Störungen im 
jurassischen Untergrunde nachzuweisen sind, konnte ich 
nicht in Erfahrung bringen. Sicher sind aber solche Stö- 
rungen an der südlichen Faziesgrenze vorhanden. Im Jura 
der Gegend von Semuy hat R. Gkahmann bei seinen wäh- 
rend des Krieges vorgenommenen Untersuchungen mehrere 
kleine Verwerfungen nachgewiesen. Ebenso stellte ich selbst 
in der Gegend ZAvischen Montgon und Le Chesne eine 
schwache, ONO fetreichende Flexur fest, so daß mir die 
tektonische Grundlage der Faziesgi'enzen dort ziemlich 
sicher erwiesen zu sein scheint. Wenn nun in diesem Ge- 
biet eine stärkere Gebirgsbildung einsetzte, würden mit 
aller Wahrscheinlichkeit die Hauptstörungslinien mit den 
Faziesgrenzen ungefähr zusammenfallen^ zumal der Wechsel 
der Mächtigkeiten und der Gesteinsbeschaffenheit das Ab- 
reißen der Schichten an diesen Stellen begünstigt. Die 
jetzt feststellbaren Faziesübergänge würden also wahrschein- 
lich vollkommen verwischt werden, und es läge die Mög- 
lichkeit sehr nahe, daß der mittlere Faziesbezirk als eine 
tektonische Klippe oder als ein Fenster angesehen würde. 
Am Rande des Rheintalgrabens finden wir überall die 
mittelölig ozänen Küstenkonglomerate, denen 
in der Mitte des Grabens gleichaltrige Septarientone, Fisch- 
schiefer usw. entsprechen. Dbeckei») hat schon darauf hin- 
gewiesen, wie deckenähnliche Erscheinungen zustande kom- 
men könnten, wenn Schwarzwald und Vogesen von beiden 
Seiten her etwas über den Rheintalgraben geschoben würden. 
Ich möchte noch darauf aufmerksam machen, daß man diese 
Küstenkonglomerate, ebenso wie den obenerwähnten silu- 
rischen Loftarsten ganz gut als eine tektonische 
Fazies bezeichnen könnte; denn sie finden sich im Rhein- 
talgraben überall, wo durch tektonische Bewegungen eine 
oligozäne Küste geschaffen Avurde. Wären inmitten des 
Rheintalgrabens größere Horste stehen geblieben, oder hätten 
sich ähnliche Gräben östlich oder westlich des Rheintal- 
grabens gebildet, so würden wir wahrscheinlich an all diesen 
Stellen ähnliche Konglomerate finden. Ich möchte diese 
Tatsache in Parallele setzen, nicht nui' mit dem alpinen 
Flysch, sondern auch mit den Breccien der lepontinischen 
Fazies. Wir finden diese Fazies jetzt sehr häufig in be- 



iß) ^V. Deecke: Die Trias der Schweizer Alpen und damit 
ztisammenhängende Fi'agen. Centralblatt 1917, Nr. 1. 



— 129 — 

sonders stark gestörten Zonen, die „Decken" sind zer- 
quetscht und ausg-ewalzt. Die Deckentheorie führt dies auf 
die ostalpinen Massen zurück, die sich über die lepontinischen 
Decken hinwegwälzten. Warum wurden aber die helve- 
tischen Decken nicht in derselben Weise zerquetscht und 
ausgewalzt, als sich die höheren Decken daiüber hinweg- 
bewegten? Liegt nicht die Vermutung nahe, daß die 
lepontinischen Breccien — und dasselbe gilt 
fürdenFlysch — nurstrichförmigeBildungen 
an tektonischen Störungslinien sind, daß sie 
ebenfalls als tektonische Fazies zu betrach- 
ten sind? Sie können sich dann in durchaus ähnlicher 
Ausbildung mehrmals innerlialb des Alpenkörpers wieder- 
holen, und die mehr oder weniger übereinstimmende tek- 
tonische Lagerung, auf welche sich die Deckentheorie stützt, 
erklärt sich dann einfach dadurch, daß ähnliche Se- 
dimente ihre Entstehung ähnlichen tekto- 
nischen Vorgängen an verschiedenen Punk- 
ten verdanken. Daß solche tektonische Bewegungen 
während des Mesozoikums im Alpengebiet, namentlich in der 
lepontinischen und ostalpinen Zone, nicht selten waren, 
daß dieses Gebiet keine einheitliche, langsam sinkende Mulde, 
sondern eine tektonisch mannigfach bewegte Zone war, 
das wird ja mehr und mehr lauch von den Anhängern 
der Deckentheorie zugegeben und bedarf wohl keines 
weiteren Beweises mehr.^^) 

Über die Faziesverteilung in den Meeren 
der Jetztzeit stehen mir leider zu wenig Angaben zur 
Verfügung, so daß ich nicht in der Lage bin, vollkommen' 
beweiskräftige Beispiele anzuführen. Selbst im offenen 
Ozean scheinen die heutigen Faziesgrenzen oft einen recht 
verwickelten Verlauf zu haben. So greift im nördlichen 
Atlantischen Ozean der Globigerinenschlamm mehrfach auf 
große Entfernungen hin fingerförmig nach Norden in den 
Bereich der terrigenen Sedimente hinein.20) Viel größer 
muß der Fazieswechsel aber offenbar in den großen ost- und 
westindischen Archipelen sein, deren Sedimente leider bisher 
recht unvollkommen erforscht wurden. Doch spricht ja 
allein schon die Verbreitung der Korallenriffe und die Ver- 
teilung der über- und untermeerischen Vulkane für eine 



19) Vgl. Abgand: Sur l'arc des Alpes occidentales. Eclogae 
geol. Helv., Bd. XIV, 1916, 1. 

20) Hauo: Traite de g(3ologic, 1907, S. 155. 

9 ' 



— 130 - 

sehr wechselvoUe Verteilung der Fazies, wobei Wieder- 
holung-en in getrennten Bezirken sicher nicht ausbleiben. 

Die Reihe meiner Beispiele kann sicherlich noch ver- 
mehrt werden. Aber was ich angeführt habe, scheint mir 
zu genügen, um den Beweis zu erbringen, daß zum min- 
desten die Möglichkeit besteht, die Fazies- 
verteilung in den Alpen und den anderen 
alpinen Gebirgen ohne Deckentheorie zu 
erklären. Die Wahrscheinlichkeit der ganzen Decken- 
theorie, soweit sie von jenseits der Zentralmassive gekom- 
mene Überschiebungen annimmt, schwindet damit beträcht- 
lich; denn durch die tektonischen Erscheinungen allein kann 
die Deckentheorie, soweit sie sich nicht auf lokale Decken- 
bildungen, z. B. innerhalb des helvetischen Faziesbezirks, be- 
schränkt, nicht ausreichend begründet werden. 

Wenn die Deckentheorie stürzt, so schwindet freilich 
mit ihr das schöne, einheitliche Bild, das wir uns in den 
letzten beiden Jahrzehnten vom Aufbau und Werden der 
Alpen machten. Es schwindet auch die übersichtliche An- 
schauung, daß während des Mesozoikums im Alpengebiet 
nur verhältnismäßig wenige, dem jetzigen Gebirgsstreichen 
parallel verlaufende Faziesgrenzen vorhanden waren. Die 
Synthese auf Grund der Einzelbeobachtung hat dann von 
neuem einzusetzen. Ich halte es für wahrscheinlich, daß man 
auf Grund von unvoreingenommenen Einzeluntersuchungen 
zu dem Ergebnis kommen wird, daß das Alpengebiet 
während der ganzen geologischen Ge- 
schichte eine tektonisch labile Zone war, 
meistens den Charakter eines Inselgebirges 
hatte. Moderne Beispiele für ein derartiges Gebiet haben 
wir im indoaustralischen Archipel mit seinem raschen 
Wechsel zwischen großen Meerestiefen und Bergeshöhen, mit 
seinen Korallenriffen und Vulkanreihen, mit den häufigen 
Erdbeben, die auf das Andauern tektonischer Vorgänge 
hindeuten. 21) 

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen übrigens auch 
Beobachter, die sonst durchaus auf dem Boden der Decken- 
theorie stehen, ich nenne nur Akgand und Staub. Letzterer 



^1) Vgl. Hr. A. BROU^vER: Kort overzicht onzer kennie 
omtrent geologische formaties en bergvormende bewegingen in den 
O. J. Archipel beoosten Java en Celebes. Verh. Geol.-Mijn- 
bouwkundig Genootschap vor Nederland en Kolonien. Geol. Serie, 
Deel II. Jan. 1918. 



— 131 — 

hat sich in einer neuen Arbeit^^) eing-ehend mit den Fazies- 
verhältnissen Graubündens befaßt. Tix)tzdem Staub in dieser 
Arbeit in jeder Weise für die Deckentheorie eintritt, scheinen 
mir die tatsächlichen Ergebnisse seiner Untersuchung-en mit 
meinen Annahmen durchaus nicht in Widerspruch zu stehen. 
Denn am wichtigsten scheint mir die Tatsache zu sein, daß 
er die faziellen Verhältnisse der von ihm untersuchten Ge- 
biete nur dadurch erklären kann, daß er eine während des 
ganzen Mesozoikums andauernde Gebirgsbildung- annimmt 
und dadurch natürlich zu einem mesozoischen Inselmeere 
geführt wird. Für die Richtigkeit der Annahme, daß große 
Gebiete der Nordalpen weither von Süden überschoben sind, 
kann ich in dieser Arbeit keine Beweise finden. Staub hat 
solche wohl lauch gar nicht gesucht; denn er steht von 
vornherein auf dem Boden der Deckentheorie. Und er 
konnte solche Beweise in seinem Arbeitsgebiet überhaupt 
nicht finden, weil sich seine Untersuchungen, wie er selbst 
ausdrücklich betont (S. 166/67) in erster Linie auf die- 
jenigen Gebiete beschränken, in denen der Zusammenhang 
der Decken mit den Wurzeln noch unmittelbar nachzuweisen 
ist, wo es sich also nur um Überschiebungen von ver- 
hältnismäßig geringem Ausmaß handelt, deren Vorhanden- 
sein auch ich keineswegs anzweifeln möchte. Alle Ver- 
knüpfungen über größere Entfernungen hin sind jedoch 
meines Erachtens rein spekulativ; sie erfolgen auf Grund 
von Faziesähnlichkeiten und werden hinfällig, sobald man 
annimmt, daß sich ähnliche Fazies in verschiedenen Be- 
zirken wiederholen. Und für einen derartigen Fall gibt Staub 
selbst den Beweis, indem er (S. 170) von der ,,pseudo- 
ostalpinen" Trias der Splügenerkalkberge und des Avers 
sagt, daß sie faziell, aber nicht tektonisch dem Brian^onnais 
der Westalpen entsprechen. Wenn in diesem einen Fall 
die tektonische Verknüpfung auf Grund der Fazies nicht 
erlaubt ist, warum soll sie in den meisten anderen Fällen 
zulässig sein? Die tektonische Lagerung kann wohl nur in 
den seltensten Fällen den Zusammenhang erweisen, zumal 
wenn noch solche Zweifel möglich sind wie in den Freiburger 
Alpen und im Chablais, wo die gegenseitige tektonische 
Lage der Klippen- und der Brecciendecke von Schardt 
einerseits und von Lugbon, Jbannbt und Zyndbl anderer- 



^2) R. Staub: Über Faciesverteilung und Orogenese in den 
südöstlichen Schweizer Alpen. Beiträge zur geol. Karte der 
Schweiz, N. F., Lief. XLVI, in. 

9* 



- 132 — 

seits genau entg-egeng-esetzt gedeutet wird. Und, abgesehen 
von den besonderen Verhältnissen kleineren Maßstabs im 
helvetischen Paziesbezirk, können auch die Fazies- 
übergänge nicht gut zum Beweis für die Richtigkeit 
der Annahme der Deckentheorie ins Feld geführt werden; 
denn Staub betont selbst, daß ein absolut genaues Bild 
der Faziesübergänge und -zusammenhänge b i s i n alle 
Einzelheiten und Feinheiten hinein in Graubünden 
auf lange hinaus! zu den noch zu erstrebenden Dingen 
gehört, daß er die Faziesveränderungen nur in ihren 
großen Zügen studiert hat und es der späteren 
Detailforschung überlassen muß, die unzähligen sekun- 
dären Schwankungen von Mächtigkeit und Fazies der 
Bündner Sedimente in ihren richtigen Zusammenhang 
zu bringen. Dieser richtige Zusammenhang kann aber 
(zumal vielleicht manches, was man jetzt der Theorie zu- 
liebe für „sekundär" hält, sich als recht wesentlich er- 
weisen könnte) unter Umständen erheblich anders aussehen 
als das, was jener Autor jetzt als „die großen Züge" 
betrachtet, die schon auf durchaus sicherem Fundament 
stehen sollen. Solange die Deckentheorie in ihrer jetzigen 
Form ein Teil dieses Fundamentes bildet, kann ich dieses 
nicht als sicher betrachten. Sichere Grundlagen kann nur 
die jetzt noch fehlende Einzelforschung geben — diese 
wird entscheiden. 



9. Die Ritterquelle von Hecklingen bei Staßf urt. 

Von Herrn A. Becker. 
(Mit 1 Textfigur.) 

Staßfurt, den 12. Januar 1919. 

In einem Busch des Dorfes Hecklingen befindet sich 
eine eigenartige, reizende Naturerscheinung. Hier sieht man 
in einem kleinen Quelltümpel, der Ritterquelle, neben 
beständig fließenden Quellen auch solche aufsteigen, deren 
periodische Wirbel den feinen Sand, der den Grund deckt, 
aufwühlen und niedliche, schwarzumränderte Kreise er- 
zeugen. Das Quellwasser hat 15,9 Härtegrade und eine 
mittlere Jahrestemperatur von -|- 10,5 ° C. Bei größter Kälte 
fällt die Quellentemperatur wenig unter -j- 10 °, bei größter 



— 133 — 

Hitze stei^ sie wenig über + 11 ° C. Die Analyse dea 
Wassers ergab nach Herrn Chemiker Dr. Steinkopp auf 1 1 

480 mg CaSOi 

300 „ MgCI, 

140 „ MgSd^ 

- „ KCl 

990 „ NaCl. 

Das Quellwasser ist das Sickerwasser, das von dem 
Mittleren Buntsandstein des Heckin ger Plateaus in die 



S 6 7 t S 



17 13 ik is tf M n 19 20 II n n 2if zi 2t n 2i 23 io 



Fig. 1. Teraperaturschwankungen der Ritterquelle 
im Dezember 1918. 



Zerrüttungszone der abgesunkenen Tone des Oberen Bunt- 
sandsteins gelangt und nun auf Verwerfungsspalten, die 
letztere durchziehen, emporsteigt. Gehen wir von der 
mittleren Jahrestemperatur, die für unsere Gegend 8—9 ° C 
beträgt, aus und legen die geothermische Tiefenstufe von 
35 m für 1 ° Celsius zugrunde, so stellt sich die Teufe, 
aus der die Wasser kommen, auf (10,5 — .8,5) -35 m = 70 m. 



— 134 — 

10. Zur Tektonik von Rumpfschollengebirgen. 

Von Herrn H. Quiring. 

Berlin, den 3. Mai 1919. 

In einer ausgezeichneten Studie über die Verwerfungen 
hat Höfer von Heimhalti) u. a. auch die Bildungsweise 
der Hangendsprünge einer eingelienden Betrachtung unter- 
zogen. Er hat sich hierbei den Anschauungen angeschlossen, 
die von mir seinerzeit^) bei der Analyse von Grubenprofilen 
aus dem oberschlesischen Steinkohlenbecken gewonnen 
worden sind und die zu dem Ergebnis geführt haben, daß 
alle Schollenverschiebungen, die unter Vermittlung echter 
Sprünge (Hangendsprünge) sich vollziehen, eine tangentiale 
(horizontale) Zerrung (Druckentlastung) in der Erdrinde 
voraussetzen, v. Höfer will nur insofern meine Schluß- 
folgerungen eingeschränkt wissen, als er den Sprüngen, die 
gefaltete Rümpfe durchsetzen, eine Sonderstellung zuzubilli- 
gen geneigt ist. Im Anschluß an die Behandlung des ober- 
schlesischen Schollengebiets spricht er sich folgendermaßen 
aus:^) „Im Schollengebirge liegen innerhalb jeder Scholle 
die Schichten nahezu tafelförmig und sind nur selten und 
dann gewöhnlich nur wenig gefaltet, oft auch flachliegend, 
wenn nur Zerrung waltete. Wenn ich auch vielfach mit 
Quiring übereinstimme, so kann ich doch nicht das west- 
fälische Kohlengebiet als Schollengebiet anerkennen, da es 
ein typisches Faltengebirge mit allerlei Verwerfungen ist; 
die von ihm hierfür berechneten Ausdehnungskoeffizienten 
gehören deslialb nicht hierher." 

Wie ich dieser Kritik entnehme, ist für v. Höfer der 
Gegensatz zwischen einem durch tangentiale Druckwirkun- 
gen entstandenen Faltengebirge und einem durch tangentiale 
Zerrung entstandenen Scholiengebirge so tiefgehend, daß 
er sich meiner Anschauung, daß ein Faltengebirge nach 
der Faltung von intensiven Zerrungsvorgängen betroffen 
werden kann, so daß es zum Schollengebirge wird, nicht 
anzuschließen vermag. 

Die Untersuchung fast aller alten Faltengebirge zeigt 
jedoch, daß sie später Schollenbewegungen erlitten haben. 



1) H. HöFEii V. Hbimhalt: Die Verwerfungen. Vieweg, 
Braunschweig, 1917. 

2) H. QuiKiNG : Die Entstehung der SchoUeneebirge. Zeitschr. 

(1. D. geol. Ges., 1913, Abh. S. 418 ff. 

3) HÖPBE, S. 85. 



— 135 — 

Wohl weisen die dabei entstehenden Ru mpfschol. len- 
gebi rge keinen so regellosen Verlauf der Sprünge auf, wie 
vielfach die tafelförmigen ungefalteten Schollengebirge, aber 
allein aus diesem Grunde sie nicht als Schollengebiete anzu- 
erkennen, dürfte doch zu weit gehen. 

Zur weiteren Klärung der Frage habe ich nochmals das 
Ruhrkohlenbecken, ein typisches Rumpfschollengebirge, in 
bezug auf Verlauf und Entstehung der Querverwerfungen 
einer Untersuchung unterzogen, die kürzlich erschienen 
ist.*) Indem ich auf die dort gemachten Ausführungen 
verweise, möchte ich nur hervorheben, daß ich wiederum für 
ein etwa 3 km langes Grubenlängsprofil,^) gelegt durch 



*) H. QuiEiNG : Über Verlauf und Entstehung von Querver- 
werfungen in Faltengebirgen ; nach Beispielen aus dem rheinisch- 
westfälischen Steinkohlengebirge. Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- 
und Salinenwesen im preuß. Staate. Berlin, 1919, Abh. S. 133 ff. 

^) W. V. LosiNSKi hat in einer Abhandlung über Vulkanis- 
mus und Zusammenschub (Geol. Rundschau, 1918, S. 65 ff.) be- 
mängelt, daß die von mir zur Berechnung der linearen ZeiTungs- 
koeffizienten in Oberschlesien herangezogenen Profile nicht senk- 
recht zu den Sprüngen gelegt worden sind. Ich kann ihn in 
einer Beziehung beruhigen : Die Zerrungszahlen sind, wie das 
auch für die rheinisch-westfälischen Profile erfolgt ist, unter 
möglichster Reduktion auf ideale senkrechte Schnitte be- 
rechnet worden. Das Verlangen v. Losinski's jedoch, die Pi-ofile 
senkrecht zu den Sprüngen zu legen, zeigt deutlich, ein wie 
subjektiver imd anderei'seits gefährlicher Theoretiker v. L. 
ist, dessen Vorschläge nur mit größter Vorsicht aufzunehmen 
sind. Denn erstens : Derjenige, der ernsthaft nach der "Wahr- 
heit sucht, wird es möglichst vermeiden, selbstgefertigte 
Profile Seinen Schlußfolgerungen zugrunde zu legen, da sonst 
die Gefahr des circulus vitiosus droht. Aus diesem Grunde 
habe ich bei meinen Untersuchungen über die Tektonik des ober- 
schlesischen Schollengebietes stets markscheiderische 
Profile hei-angezogen, deren absichtliche Veränderung im 
Sinne der Forderungen v. Losinski's als ein sehr gewagtes Unter- 
fangen angesehen werden müßte. Und zweitens: Gruben- 
profile, die durch mehrere Sprünge gleichzeitig gelegt sind, 
können nur einen senkrecht schneiden, alle anderen dagegen 
müssen im Winkel geschnitten werden. Zu einer . „tridi- 
mensionalen" Berechnung, wie sie Ransome, Emmons und Garrby 
in Anlehnung an die stereometrische markscheiderische Ausrich- 
tung von Sprüngen und Lagerstätten durchgeführt haben, la.g 
und liegt für mich nicht die geringste Veranlassung vor, da die 
Aufgabe, die ich mir gestellt hatte, nur eine überschlägige 
(vgl. Anm. Sehollengebirge, S. 438) zahlenmäßige Feststellung 
verlangte. Im übrigen verweise ich auf einen demnächst im 
„Glückauf" erscheinenden Aufsatz von K. Lehmann über die 
Tektonik des rheinisch-westfälischen Steinkohlengebirges, worin 
die Vorschläge v. Losinskis unter Zugrundelegung markscheide- 
rischer Gesichtspunkte eine kurze Behandlung erfahren werden. 



136 - 

eine Spezialmulde nördlich von Herne, die lineare Zerrungs- 
zahl berechnet und zu etwa 4 o/o der ursprünglichen Er- 
streckung gefunden habe. An allgemeinen Ergebnissen 
für die Tektonik des Ruhrkohlenbeckens führe ich fol- 
gende an : 

1. Die das rheinisch-westfälische Steinkohlengebirge 
durchsetzenden Querstöiningen gliedern sich in 

a) Blätter (Horizontalverschiebungen), 

b) Echte Sprünge. 

Widersinnige Sprünge (Liegendsprünge) treten nur in 
sehr geringer Zahl auf. 

2. Die Blätter haben teils eine horizontale Verschiebung 
der durch sie getrennten Schollen vermittelt (Verschiebungs- 
blätter), teils sind sie Veranlassung zu einem verschiedenen 
Faltenwurf in den durch sie getrennten Schollen gewesen 
(Grenzblätter). 

3. Die Mehrzahl der Blätter ist vor Beendigung der 
Faltung ajigelegt worden. Ein kleiner Teil der Ver- 
schiebungsblätter kann auch nach der Faltung gebildet 
worden sein. 

4. Die Blätter sind meist später zu Sprüngen mit 
hohem Vertikalverwurf umgebildet worden. 

5. Die reinen Spriinge zeigen keine Einwirkung auf 
die Faltenbildimg bzw. den Vorschub der Falten; sie sind 
daher erst nach Abschluß der Faltungsperiode entstanden. 

6. Die Entstehung der Sprünge ist auf tangentiale (hori- 
zontale) Zerning in postkarbonischer Zeit zurückzuführen. 
Ob die Zerrung von Haus aus „gerichtet" gewesen ist, kann 
nicht mit Sicherheit entschieden werden. Die Anlage der 
überwiegenden Zahl der Spininge war vor Ablagerung des 
.Kreidemergels beendet. 

7. Nach Ablagerung des Kreidemergels haben Druck- 
spannungen in WSW — ONO-Richtung einen geringen Zu- 
sammenschub des Gebirges in der Längsachse bewirkt. 
Hierbei ist der ursprüngliche Vertikalverwurf einiger Störun- 
gen verringert worden. Auf diese Bewegung sind die 
„Liegendsprüiige" unter den Querstörungen zurückzuführen. 

8. Die Ausbildung der niederrheinischen Bruchzone hat 
im Känozoikum zum Wiederaufreißen eines Teils der Quer- 
störungen, insbesondere im westlichen Teile des Rulirkohlen- 
beckens, geführt. 



Zeitschrift 



der 



Deutschen Geologischen Gesellschaft. 

B. Monatsberichte. 

Nr. 8-12. 11)19. 



Bericht über die Sitzung- am 5. November 1919. 

Vorsitzender: Herr Keilhack. 

Beginn der Sitzung: 71/4 Uhr. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit der Nachricht 
von dem Ableben des Mitglieds des Beirats der Gesellschaft, 
Herrn Oberbergrat Prof. Dr. Richakd Beck in Freiberg 
(Sachsen), dem er einen warmen Nachruf widmet. Die 
Gesellschaft hat erst jetzt Nachricht erhalten von dem 
Tode des Mitglieds, Herrn stud. geol. Kurt Klusemann, 
der bereits 1914 bei Ypern gefallen ist. 

Der Vorsitzende gedenkt ferner dreier Mitglieder, die 
beieits seit Ende 1914 vermißt werden und deren Rück- 
kehr nunmehr als ausgeschlossen angesehen werden muß. 
Es muß also als sicher angenommen werden, daß sie auf 
dem Felde der Ehre gefallen sind. Es sind dies 

Herr Beztrksgeologe Dr. Hans Menzel, 
Herr Geologe Dr. Wilhelm Quitzow upd 
Herr Geologe Dr. Wilhelm Feanck, 

alle drei bei der Geologischen Landesanstalt in 

Berlin. 

Auch den vier Gefallenen widmet der Vorsitzende 
warme Worte des Gedenkens. Die .Anwesenden erheben 
sich zu Ehi'en der Verstorbenen von ihren Plätzen. 

Als neue Mitgliedei- wünschen der Gesellschaft bei- 
zutreten: 

Herr Dr. Kabl Gkipp, Assistent am mineralog. In- 
stitut in Hamburg, 
vorgeschlagen von den Herren Güeich, Oppenheim 
und Wysogoeski; 

10 



138 



Herr Dr. Josef Abkls in Freiburg- i. Br., Maria- 
Tlieresia-Straße 6, 
vorgeschlagen von den Herren Deecke, "Wbpi-kjj 
und Wilser; 
Herr Dr. Frebold, Hannover, Isernhagener Str., 
vorgeschlagen von den Herren Hoyek, Keilhack 
und Schöndorf; 
Herr Dr. Hbllmut Fritsche, G-eologisches Institur 
der Bergakademie, 
vorgeschlagen von den Herren SxEiNM^y^N, Tu - 
MANN "und Wanner; 
die Herren cand. geol. Carl CoBRENt>, Berlin-Dahleiu. 

Holtzmannstr., und 
cand. geol. Otto Pratje, Berlin N 4, Invalidenstr. 4;>, 
Geol.-Paläontolog. Institut, 
beide vorgeschlagen von den Herren Dietrich. 
Janensch und Pompeckj; 
Hen- Prof. Sebastian Rodel, Direktor der Bealschulc 
zu Fürth i. Bayern, Kaiserstr. 94, 
vorgeschlagen von den Herren Steuejj. Klemm 
und Janensch ; 
Herr Karl Lüdemann, wissenschaftl. Mitarbeiter der 
Fabrik für wissenschaftl. Präzisionsinstrumente 
von Max Hildebrand in Freiberg i. Sa., A.lbert- 
straße 26, und 
Herr Hans Wagner, Assistent am Deutschen Ento- 
mologischen Museum in Berlin-Dahlem, 
beide vorgeschlagen von den Herren KEiLHAfK. 
Oppenheim und Bärtling. 

Der Vorsitzende legt die in großer Zahl als Greschenk 
eingegangenen Druckschriften vor. 

Die Zinsen aus der HERMANN-CBEDENER-Stiftung sind 
im nächsten Jahr wieder zu vergeben. Bewerbungen sind 
bis z.um 1. April an den Vorstand der Gresellschaft ein- 
zureichen. Von der Bewerbung sind Studierende, die noch 
nicht promoviert oder noch kein Staatsexamen gemacht 
haben, ausgeschlossen. Die mit Hilfe der Stiftungsmittel 
angefertigte Arbeit ist der Deutschen Geologischen Gesell- 
schaft zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen. 

Das im Monatsbericht 1 des vorigen Jahrgangs (1918) 
angekündigte Preisausschreiben des Herrn Ernst Strome« 
VON Eeichenbach wird dem nächsten zur Versendung 
kommenden Heft unserer Monatsberichte beigegeben werden. 



139 



Herr P. KRÜSCH spricht über das Thema: 

Der Gebirgsbau im holländisch-preußischen Grenzgebiet 
von Winterswijk, Weseke, Buurse usw. 

ein ho I län d i seh - deutscher Gren zgebirgsrest). 

(Mit 2 Textfigureii.) 

Ein Blick auf die von der Rijksopsporing van Delf- 
stoffeni) herausgegebene tektonische Übersichtskarte der 
westdeutschen Kohlengebiete zeigt an der Grenze von Hol- 
land und Deutschland in einer schmalen im allgemeinen 
nordsüdlich gerichteten Zone der Gegend von Winterswijk 
und Buurse eine Fülle in den verschiedensten Richtungen 
verlaufender Verwerfungen, während westlich davon in Hol- 
land und östlich davon im Gebiet des Niederrheins und 
Westfalens große Gesetzmäßigkeit im Streichen der Stö- 
i-ungen herrscht (siehe Fig. 1). Es überwiegen hier die 
l>ekannten zwei Systeme, nämlich das nordwestlich ge- 
richtete Hauptsyst^m mit bald nach Osten, bald nach Westen 
einfallenden Querstörungen und ein dieses annähernd recht- 
winklig kreuzendes. Auf die verworrene Tektonik dieses 
iiordsüdlichen Grenzgebiets will ich hier kurz eingehen. 

Die fragliche Gegend bildet eine höchst einförmige 
Ebene. Weite Flächen bestehen aus diluvialen Sauden usw., 
tuir ab und zu stößt das von ihnen verhüllte Liegende in 
mehr oder weniger ausgedehnten Flächen hindurch. 

Die Kenntnis vom geologischen Bau hat sich infolge- 
dessen nur langsam Bahn gebrochen. Die erste Etappe 
stellt die v. DECHEXsche Karte i. M. 1:80000 dar, auf 
der der Autor die seit 1841 gesammelten Beobachtungen 
zahlreicher Forscher wie Hosius, v. d. Mark, F. Römeh. 
Schlüter, Stkombeck usw. bildlich zusammengefaßt hat. 
Einigermaßen genau festgelegt wurde so die Grenze der 
Oberen und Unteren Kreide; die übrigen Formationen sind 
im allgemeinen nur in rundlichen Flecken dargestellt, die 
kein klares Bild der Lagerungsverhältnisse geben. Be- 
sondere Beachtvmg schenkte v. Decken in den Erläute- 
rungen zur Karte den Sole vorkommen, die später vergessen 
und erst im letzten Jahrzehnt gleichsam wieder entdeckt 



1) Eindverslag over de oiiderzoekingeii en uidkomsten van 
den Dienst der Rijksopsporing von Delfstoffen in Nederland. 
1903—1916. Kartenanlage 13. 

10* 



— 140 — 

wurden. Er leitete den Salzgehalt der Quellen aber aus 
dem Münder Mergel her, da die Möglichkeit des Vor- 
handenseins von Trias und Dyas in der fraglichen Gegend 
für ihn nicht in Betracht kam. 

Den nächsten wichtigen Fortschritt zeitigten die Ar- 
beiten unseres verstorbenen Kollegen Gottfried Müller, 




KohtenkalH Carbon 



Zechstein ßuntsandstein 



Ob.Kreide 



FiiT. 1. Tektonische Übersichtskarte des hollündisch-deutschen 
Grenzgebiets der Gegend von Winterswijk, Oeding, Buurse usw. 

die mit der Tiefbohrung V r e d e n aufs engste verknüpft 
waren. Müller gelang der Nachweis, daß bei Oeding 
Buntsandstein und weiter nördlich an der Haarmühle 
östlich Buurse Muschelkalk auftritt. 

Im Profil der Tiefbohrung Vreden^) bestimmte er bis 
82,9 m Tertiär, bis 111,29 m Wealden, bis 173,9 m Lias, 



2) G. MüLLBE, Diese Zeitschr., 1902. 



141 



bis 211,9 m Muschelkalk, bis 960 m Biintsandstein und bis 
1229,6 m Zechstein. Er stellte fest, daß die Bohrung dicht 
\"or dem Steinkohlengebirge eingestellt worden ist. Von 
besonderem Interesse war die Durchteufung erheblicher 
Steinsalzmächtigkeiten im Röt und Zechstein. Ob Kali- 
salze in Verbindung mit dem Steinsalz auftreten, steht nicht 
fest. Es wird behauptet, daß das Bohrgestänge unmittelbar 
vor Erreichung der Steinsalzoberkante plötzlich gefallen ist, 
und daß diese Beobachtung auf die Durchteufung einer 
leicht löslichen Schicht, wie z. B. ein Kalisal/lager schließen 
lasse. 

G. Müller führte mich in die ivennmis der Geologie 
der dortigen Gegend ein. 

Ohne erheblichere kostspielige Schürfarbeiten war 
weitere Klärung der Lagerungs Verhältnisse nicht zu er- 
hoffen. Die Mittel hierfür bewilligte die Fürstlich Salm- 
SALMsche Generalverwaltung in Anholt i. Westf. ; da 
('S sich um ihr Privatbergregalgebiet handelte, hatte sie ein 
besonderes Interesse an der Feststellung des geologischen 
Baues. 

An den von mir geleiteten Aufnahmen beteiligten sich 
Herr Bärtling, die Bergassessoren Schulzb-Buxloh. 
Schulze u. a. Die Bestimmung der Versteinerungen über- 
nahm Herr J. Böhm in liebenswürdigster Weise; an den 
allerletzten Arbeiten im Ölschiefergebiet wirkte auch Heri' 
Schmierer durch Bestimmung von Proben mit. 

. Wegen der erheblichen Diluvialdecke war es notwendig, 
zunächst mit bis 6 m tiefen Flachbohrungen vorzugehen 
und die darunter anstehenden Formationen abzufühlen. 

Die so entstandene Karte stellt einen ganz wesentlichen 
Fortschritt gegenüber der bisherigen Kenntnis dar. Es wurde 
zunächst bewiesen, daß die früher zwischen Oberer und 
Unterer Kreide angenommene Verwerfung nicht 
existiert^ sondern- eine normale Überlagerung stattfindet; die 
Obere Kreide hebt sich ganz allmählich in ähnlicher Weise 
wie am Südrand des Beckens von Münster heraus. 

Die Verbreitung des B u n t s a n d s t e i n s bei Oeding 
ergab sich als erheblich. Wir mußten die Durchragung 
zunächst als Sattel mit ostwestlichem Streichen auffassen. 

An der Haarmühle fand Bärtling die teilweise Be- 
grenzung des Muschelkalkes durch Verwerfungen und stellte 
so die Schollennatur fest. 

Die Untere Kreide interessierte besonders wegen 
der Eisenerzführung der verschiedenen Horizonte, auf die 



142 



ich weiiti vuiten genauer eingehe. Ihr Muldenhau wurde 
über ausgedehnte Flächen verfolgt. 

Erwähnen will ich schließlich noch den wichtigen 
Jura fund des Herrn Schulze-Buxloh bei Weseke. Di(> 
hier nachgewiesenen Poly plocus-^chichtQn des Unteren 
Doggers mußten damals ebenfalls als ein Sattel aufgefaßt 
Averden. Man dachte sich also die voih Diluvium bedeckten 
Schichten zu einer Reihe ostwestlich verlaufender Sättel und 
Mulden gefaltet. 

Eine weitere Klärung konnten nur tiefere Bohrungen 
bringen. Zu einer derartigen Tiefbohrung war dan- 
kenswerter Weise die Fürstliche Verwaltung in Anholt 
i. Westf. bereit. Sie wurde im B u n t s a n d s t e i n g e b i e t 
von Oeding angesetzt. Obgleich der Nachweis geführt 
werden konnte, daß die Rogensteine des Unteren Bunten 
zu Tage anstehen, blieb die Bohrung zu unser aller Über- 
raschung bis d>&& m Tiefe in diesem Horizont. Ausge- 
führte Flachschürfungen ergaben dann, daß die Buntsand 
steinschichten auf der ganzen Fläche steil stehen, es sich 
also nicht um einen Sattel, sondern um eine ausgedehnte 
aufgerichtete Scholle des Unteren Bunten handelt. Die 
Bohrung blieb bis 1262 m im Zechstein und wies erhebliche 
Mächtigkeit von Steinsalz mit zwischengeschalteten Kali- 
salzbänken von geringerer Stärke nach. 

Veranlaßt durch die Schürfarbeiten auf deutscher Seite 
begann dieRijksopsporing van Delfstoffen mit 
der Erforschung der geologischen Verhältnisse im angren- 
zenden holländischen Gebiet. Ihr zielbewußter Direktor 
Dr. VAN Waterschoot van der Gracht führte — 
unterstützt von dem leider so früh verstorbenen hollän- 
dischen Distriktsgeologen Hufnagel — mit den ihm 
zur Verfügung stehenden sehr erheblichen Mitteln zum 
Teil unter meiner Mitwirkung einen großzügigen Aut- 
schlußplan durch, der zunächst darin bestand, mit l^leineren 
Tiefbohrungen die Jüngeren Formationen zu durchteufen und 
so die Tektonik gleichsam abzufühlen. Erst wenn sie fest- 
stand, wurde an der geeigneten Stelle eine Tiefbohrung 
angesetzt. So fand man zunächst, daß Dogger in größerer 
Verbreitung auch in der Gegend von Burlo südlich Weseke 
vorkommt. Nach den an anderen Stellen gewonnenen Erfah- 
rungen dürfte es sich um eine oder mehrere bedeutendi' 
Schollen handeln. 

Von Wichtigkeit war die Klärung der Lagerungsvei- 
hältnisse im Gebiet von Winterswijk. Hier wurde Trias 



143 



in erheblicher Verbreitung- in der Nähe der Oberfläche 
nachgewiesen und gezeigt, daß die Aufragung von zwei 
Verwerfungen begrenzt wird, die ein mit der Spitze nach 
Westen gerichtetes Dreieck bilden^). 

Man klärte auch die Tektonik des uns hier weiter be- 
sonders interessierenden Gebietes von Buurse nördlich von 
Winterswijk, wo schachbrettartig Schollen von Trias und 
Jura miteinander abwechseln und zum Teil von Tertiär 
bedeckt sind*). Unsere Kenntnis von dem Auftreten der 
Trias an der holländischen Grenze erfuhr also durch die 
holländischen Arbeiten eine ganz wesentliche Erweiterung. 

Die auf die Flachbohrungen folgenden Tiefbohrungen 
zeigten den geologischen Aufbau des tieferen Untergrundes 
in dem Grenzgebiet. 

Am interessantesten ist die Bohrung Planten- 
g a a r d e^), die unter 69 m Tertiär, bis 380 m Buntsandstein, 
bis 1029,3 m Zechslein und bis 1134,01 m Karbon ergab. 
Auffallend ist hier der Wechsel der über dem Zechstein 
liegenden Deckschichten auf ganz kurze Entfernung. 
Während die Flach bohrung H. bereits Zechstein erreicht 
hatte, traf ihn die nur wenig entfernte Tief bohrung Planten - 
gaarde zum erstenmal erst bei 380 m an. Wichtig ist 
in dem Tiefbohrprofil die Wiederholung der Wechsellagerung 
Zechstein— Karbon; man durchteufte die Grenze beider For- 
mationen zum erstenmal bei rund 600 m, kam aber 
unter den zerrissenen Steinkohlengebirgsschichten wieder in 
den Zechstein, van Watbrschoot hat eine Darstellung 
dieser einschneidenden Störung gegeben, leider deckt sich das 
Bild nicht mit seiner tektonischen Oberflächenkarteß). Man 
kann nicht feststellen, ob er die in der Bohrung aufge- 
schlossene Störung mit der südlichen Grenzstörung des durch 
Flaehbohrungen bei Winterswijk nachgewiesenen Verwer- 
l'uiigsdreiecks identifiziert; die Lage könnte stimmen, das 
P^infallen beider ist aber entgegengesetzit, nämlich im Profil 
durch die Bohrung nach Norden und im Verwerfungsdreieck 
nach Süden gerichtet. Zweifellos ergibt die Bohrung Planten- 



3) Jaarverslag der E.ijksopsporinir van Delstoffen over 1908, 
Fig. 6. 

"*) Eindverslag (a. a. 0.), Kartenbeilage 7. 

^) Jaarverslag der Rijksopsporing van Delstoffen over 1909, 
Fig. 5. 

6) Jaarverslair der Rijksopsporing van Delstoffen over 1919, 
Fiii. 12, S. 85. 



— 144 — 

gaarde aber die hochgradige Störung des Gebiets auch im 
tieferen Untergrunde. 

Nicht weit von ihr steht die Tiefbohrung R a t u ni'), 
die unter 22 m Tertiär, bis 93,8 m Lias, bis 125,5 m Muschel- 
kalk, bis 810,85 m Buntsandstein, bis 1140,8 m Zechstein 
durchteufte und dann in das Steinkohlengebirge eindrang, 
wo sie bei 1380,4 m eingestellt wurde. Das Deckgebirgs- 
profil ist also ein ganz anderes als das der nur wenig 
entfernten Bohrung Plantengaarde. Während der Bunt- 
sandstein in der letzteren unter 69 m Tertiär erreicht wurde, 
traf man ihn in der Bohrung Ratum unter Muschelkalk 
erst bei 125,5 ni Tiefe an. In bezug auf das Deckgebirge 
steht die Bohrung Ratum in einem Graben, während die 
Bohrung Plantengaarde auf einem Horst angesetzt wurde; 
an der Karbonoberkante ist der Niveauunterschied mit 111 m 
noch etwas größer. 

Die Bohrung Ratum ergibt also wieder die gleiche Ki- 
fahrung wie viele Tiefbohrungen in Westfalen und am 
Niederrhein, daß nämlich die Wirkung der Verwerfungen 
nach dem jüngeren Deckgebirgshorizont zu etwas abnimmt. 

Eine dritte holländische Tiefbohrung wurde weiter nörd- 
lich im Triasgebiet von B u u r s e^) angesetzt. Sie durch - 
teufte unter 63,2 m Tertiär, 861,8 m Buntsandstein und 
wurde leider als der Krieg ausbrach bei 917,8 m im Platten - 
dolomit des Zechsteins eingestellt. 

Die Bohrung Buurse ist insofern noch interessant, als 
sie die Salzführung des dortigen Röt, welche man schon 
aus den Bohrungen Vreden, Eibergen und anderen kannte, 
auch weiter im Norden bestätigte. Infolgedessen hat sich 
die holländische Regierung veranläßt gesehen, eine größere 
Salzkonzession bei Buurse an Unternehmer zu vergeben, 
welche das Steinsalz des Röt auszulaugen beabsichtigen. 

Vergleicht man die Zechsteinoberkante, so er- 
gibt sich in südnördlicher Richtung bei Oeding 866 m, bei 
Plantengaarde 380 m, bei Ratum 810,85 m, bei Vreden 
960 m", bei Buurse 861,8 m. Das ist also ein gesetz- 
loses Auf und Ab um recht erhebliche, bis rund 480 m 
reichende Beträge. 

Die neuesten Aufschlußarbeiten der Gegend wurden 
im letzten Kriegs jähr von der Fürstlich SALM-SALMSchen 



■?) Jaarverslag der Rijksopsporing van Delstoffen over 1913, 

TM. n. 

8) Eindverslag (a. a. O.) S. 31. 



145 



General Verwaltung ausgeführt und bezweckten die Fest- 
stellung der Eisenerzführung der Unteren Kreide und die 
Klärung der Lagerungsverliältnisse im Juragebiet von 
Weseke. 

Die von Herrn Markscheider Leibold in Essen ausgeführ- 
ten Eisenerz schürfe stehen durchgehends am östlichen 
Ausgehenden der Unteren Kreidemulde von Ottenstein usw. 
und zwar südlich des genannten Orts. Sie bestätigen unsere 
frühere Kenntnis, daß Valenginien fehlt, das Hauterivien 
sandig entwickelt ist und keine brauchbaren Eisenerze führt, 
und daß die bekannten in beträchtlicher Menge auftretenden 
Toneisensteinkonkretionen dem Barremien und Aptien ange- 
hören, ihre Hinzurechnung zum Gault seitens v. Dechfns 
also nicht gerechtfertigt ist. Das Verhältnis von Eisenstein 
zu plastischem Ton wurde wenigstens in der Nähe des 
Ausgehenden als günstig erkannt, im übrigen zeigten die 
östlich von dem uns hier interessierenden hochgradig ge- 
störten Grenzstreifen liegenden Schürfe normale ruhige La- 
gerungsverhältnisse in der Unteren Kreide. 

Das zweite neueste Schürfgebiet betrifft den J u r a von 
Weseke. Im Jahre 1854 hat man hier in zwei Brüchen, 
von denen man nur die Lage des einen jetzt noch sicher 
kennt, Ölschiefer j.jewonnen, dessen Zugehörigkeit zäun 
Jura damals nur vernnitet wurde. Man scheint dadurch 
unsicher geworden zu sein, daß in nicht großer Entfernung 
im Wenningfeld zwischen Vreden und Stadtlohn in den nach 
beiden Orten benannten Steinbrüchen Ölschiefer gefunden 
wurden, die zweifellos dem Wealden angehören. Bei unseren 
früheren Aufnahmen wurden dann die Ölschiefer von Weseke 
überbohrt und anscheinend als Ton bestimmt. Die jetzigen 
Schürfarbeiten führte Herr Leibold in Essen mit größter Ge- 
wissenhaftigkeit durch, man schürfte Nordsüd- und Ost- 
westprofile ab. Die Schürfstellen lagen in der Regel 
50 m auseinander, in der Nähe der Störungen wurden sie 
zum Teil so dicht gesetzt, daß nur wenige Meter ZAvischen- 
raum blieben. Das so untersuchte Gebiet bildet ein fast 
gleichschenkliges Dreieck, dessen nordsüdliche rund 800 m 
lange Basis durch das Schweringsche Gut verläuft, während 
die Spitze nach Osten gerichtet ist, und rund 800 m von 
der Basis und wenige hundert Meter von Weseke entfernt 
liegt. 

Die Schürfarbeiten ergaben, daß die bisher als Sattel 
aufgefaßte Doggerfläche östlich vom Schwering'schen Gut 
— früher Sattel von Weseke — eine gesunkeneScholle 



\ ■ 



— 146 — 

von Polyplocus -Schi cht an darstellt. An sie stößt im 
Süden durch eine Verwerfung' getrennt ein Posidonien 
Schieferhorst, der noch weiter südlich durch eine abermalige 
annähernd ostnordöstliche Störung begrenzt wird. Die süd- 
lich von dieser anstehende Posidonienschieferfläche wird 
von Gault überlagert. Die Grenzstörungen des Posidonien - 
Schieferhorstes streichen nach Osten aufeinander zu. Das 
Posidonienschiefergebiet wird nach Westen durch eine 
annähernd nordsüdlich am Ostrande des Schwering'scheii 
Guts entlang verlaufende Störung begrenzt, die nach Osten 
einfällt. Im Westen folgt dann eine größere Liasfläche, 
gleichsam einen Quer hörst bildend. 

Die Faltung der Juraschichten ist, wie sich aus dem 
Nordsüdprofil ergibt, sehr schwach, berechtigt aber doch 
noch die Bezeichnung der Haupt-Posidonienschieferfläche als 
P o s i d n i e n s c h i e f e r - S a 1 1 e 1 h r s t. 

Interessant ist der Verlauf des kleinen Aluldennord- 
flügels unmittelbar östlich vom Gut Schwering. Er bricht 
rund 100 m östlich vom genannten Gut an einer annähernd 
nordöstlich verlaufenden bogenförmigen nach Osten einfal- 
lenden Störung ab, die zugleich die Westgrenze der Bogger- 
scholle darstellt. 

Die Mächtigkeit des Posidonienschiefers kann im Osten 
zu 25 — 30 m angenommen werden, nach Westen hebt er sich 
ganz allmählich bis zur westlichen Grenz Verwerfung beim 
Gut Schwering mehr und mehr heraus; an dieser endet er' 
und Lias y, also sein Liegendes, bildet weiter westlich die 
Oberfläche. 

Auch die etwas südöstlich von unserm Störungsstreifen 
liegende Doggerfläche von Weseke stellt also ein hoch- 
gradig gestörtes Schollengebiet dar, dessen Verwerfungen 
keine Gesetzmäßigkeit zeigen. Auch hier hängt die Form 
der Verbreitung der einzelnen Formationen von den Ver- 
werfungen ab. Es ist somit ein ganz ähnliches Bild wie: 
bei Winterswijk und Buurse, nur daß die geologischen 
Niveauunterschiede sehr srerins: sind. 



Kombiniert man die besprochenen Aufschlüsse in der 
uns besonders interessierenden schmalen nordsüdlichen Zon(> 
an der deutsch-holländischen Grenze, so ergibt sich das ganz 
willkürliche Auf- und Abspringen der Zechstein- und Karbon - 
Olierflächen, sowohl in nordsüdlicher, als auch in ostwestlicher 



147 



Kichtuiig- (siehe Profil Fig'. '-B). In 
dem Gebiet von Vreden, welclies man 
u^owohnt ist infolge des Auftretens 
mächtigerer diluvialer Schichten als 
..Loch" anzusehen, liegt das Karbon, 
obgleich 211,9 m jüngere Formationen 
bis zum Muschelkalk einschließlich 
Norhanden sind, mutmaßlich nicht 
Tiefer als in der unteren Buntsand- 
sieinscholle von Oeding. Ks ist also 
keinerlei Schlußfolgerung 
\ o n der Oberfläche auf die 
'J' i e f e m ö g 11 c h. Weiter nördlich 
zeigt die Triasscholle von Haarmühle- 
lUmrse wieder eine Hebung der Zech- 
steinoberkante, die leider keine große 
Ausdehnung • östlich der Grenze auf 
deutschem Gebiet haben dürfte. 

Die beiden Kreidetransgrcssionen 
landen bereits ältere Gebirgsschollen 
vor, die sie M^eitgehend zerstörten. 
Ein Teil der Verwerfungen ist also 
zweifellos älter. Die postkretazische 
Abrasion wirkte weiter energisch, so 
(laß von der Kreide auf weiten 
Flächen nur Wealden und der auch 
nur fetzen weise erhalten blieb. 

Während die älteren Formationen 
bis zur Trias einschließlich stark auf- 
gerichtet sein können, erweisen sich 
die jüngeren verhältnismäßig weniger 
aufgerichtet. Es ist sehr walirscliein- 
lich, daß ein Teil der Hauptverwer- 
fungen im Spätkarbon angelegt wurde 
mid später wieder aufriß. Diese Er-- 
scheinungen kennt man längst aus 
dem westfälischen Industriegebiet. Die 
Hauptzerstückelung des Grenzstreifens 
Weseke, Oeding, Buurse ist aber we- 
sentlich jünger und zum Teil recht 
jung. 



■l'i« 

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"Aul 









— 148 ~ 

Soweit man die Verhältnisse bisher kennt, sind die 
jüngeren Formationen schwach gefaltet, am ausgeprägtesten 
ist es die Untere Kreide, ganz schwach die Obere. Neben 
der zweifellos vorhandenen ebenfalls schwachen spätkarbon- 
rotliegenden Faltung ist also eine kretazische nachweisbar, 
von der die jüngere Obere Kreide nur noch ganz schwach 
betroffen wurde.' 

Die auffallenden tektonischen Verhältnisse des deutsch - 
holländischen Grenzstreifens mit intensivster Schollenbewe- 
gung erwecken den Eindruck durcheinander geschobener 
Blöcke, und erklären sich nach meiner Meinung aus der 
eigenartigen Lage des Streifens zum . Tertiär Hollands und 
der Oberen Kreide des Beckens von Münster. Der Streifen 
begrenzt das Kreidebecken von Münster im Westen, denn 
das' allmähliche Ausgehen immer älterer Oberer Kreide- 
horizonte in westlicher Richtung bei Oeding, Stadtlohn usw. 
drängt mich dazu anzunehmen, daß hier in der Nähe der 
Obere Kreideuferrand lag, der eine ähnliche ■ Rolle spielt, 
wie der Südrand des Kreidebeckens von Münster in der 
Gegend von Horde usw. Es dürfte sich hier um die west- 
liche Fortsetzung dieses Südrandes handeln, die allerdings 
durch den Rheintalgraben unterbrochen wird. Die Höchst - 
tiefe des Kreidebeckens kann zu mehreren tausend Metern 
angenommen werden. 

Andererseits liegt der Streifen an der Grenze des 
holländischen Tertiärs, also der tiefen, nuitmaßlich ebenfalls 
mehrere tausend Meter erreichenden Senke, die sich in 
der Tertiärzeit bildete und heute von gewaltigen Massen ■ 
lockerer Sedimente ausgefüllt ist. 

Unser Störungsstreifen stellt also die Schwelle zwischen 
3wei gewaltigen Senkungs gebieten dar, in der 
sich zm- Zeit der Oberen Kreide und des Tertiärs sehi- 
bedeutende Spannungen auslösen mußten. Diese formten 
sie zu einem Gebirge um, das vorzugsweise SchoUengebirgs- 
charakter hat, aber auch Faltungserscheinungen zeigt. 

Namentlich im Tertiär wurde es zerstückelt, von den 
Senkungen noch mitbetroffen, zum Teil zerstört und im 
Diluvium von den Sauden usw. fast völlig verschüttet. 

Von Interesse ist seine südliche und nördliche Fort- 
setzung. Es ist anzunehmen, daß nach Süden unter der 
diluvialen Bedeckung noch einige Klötze dieses Gebirges 
bis zum Rheintalgraben wie die Mauerreste einer Ruine 
auftreten. Die nördliche Fortsetzung ist schwieriger fest- 



149 



zustellen, weil hier die westliche Fortsetzung des eben- 
lalls tertiären Teutoburger Waldes und der ihn begleiten- 
den Brüche die Lagerungs Verhältnisse besonders kom- 
plizieren. 

Zur Erörterung sprechen die Herren Bäetling, Pom- 
PECKJ und der Vortragende. 

Hierauf übernimmt Herr Pompeckj den Vorsitz und 
erteilt das Wort Herrn KEILHACK zu seinem Vortrag 
über: „Das Niederlaiisitzer Miocän und die Stellung der 
Crlassande von Hohenbocka in ilim."i) 

An der Erörterung beteiligten sich die Herren Zimmei;- 
MANN I, Wbissermel,. Jextzsch, Biereye, Beyschlag, 
Pompeckj und der Vortragende. 

Darauf übernimmt Herr Keilhack wieder den Vorsitz. 

Herr BEYSCHLAG legt als erstes fertiggestelltes Blatt 
einer Geologischen Übersichtskarte von 
Deutschland das Blatt Trier vor. Diese Karte wird 
nach dem Beschluß der Direktoren der Geologischen Landes- 
anstalten das Gesamtgebiet des Deutschen Reichs umfassen 
imd von jeder Anstalt für ihr Gebiet herausgegeben werden. 

Der Bericht wird vom Schriftführer verlesen und 
genehmigt. 

V. w. o. 

Keilhack. Oppenheim. Bäetling. 



Bericht über die Sitzung vom 3. Dezember 1919. 
Vorsitzender: Herr Keilhack. 

Der Vorsitzende eröffnet um 6 Uhr die Geschäfthche 
Sitzung, 

Das Ergebnis der Vorstands- und Beiratswahl wird fest- 
gestellt durch die Herren Schneider, Krause, Bäetling, 
Meister, v. zur Mühlen, Burre und dem Vorsitzenden. 



1) Der ^'ortrag wird unter den „Brieflichen Mitteilungen" 
veröffentlicht. 



— 150 — 

Es wurden 237 Stimmzettel abgegeben, darunter 2 un- 
gültige. 

Es erhielten Stimmen : 

Als Vorsitzender: 

Herr Pompeck j 234, Herr Raufp 1 Stimme. 

Als stellvertr. Vorsitzende: 

Herr Rauff 229, Herr Krusch 227, die Herren Kühn. 
Penck, Keilhack, Boehm, Beyschlag, Jentzsch, 
Michael, Scheibe und Schröder je 1 Stimmo, 
ungültig 2 Stimmen. 

Als Schriftführer: 

Die Herren Bärtling 234, Janensch 233, Schneidek 
231, Seidl 215, Haarmann und v. Ltnstow je 3, 
Harbort 2, GoTHAN, Paeckelmann, Wibgers, 
Stahl, Schucht, Mestwerdt, Zimmermann ». 
SoLGBR, Fliegel, Rbck und StiELER je 1 Stimnh>, 
ungültig 1 Stimme. 

Als Schatzmeister: 

Herr Picard 233, ungültig 1 Stinmie. 

Als Archivar: 

Herr Dienst 234, Schneider 1 Stimme. 

Als Beiratsmitglieder: 

Die Herren Stromer v. Reichenbach 232, Tietzk 
(Wien) 232, Stille 230, Wichmann 230, Bergeat 
229, Drevermann 227, Cloos, Deecke und Martin 
Schmidt je 2, Rinne, Wüst, Broili, Erich Kaiser, 
Brauns, Kossmat, Th. Wegner, Steinmann, 
Wanner, Süess, K. Martin, Wedekind, Steuee, 
V. HuENE, Branca, Stremmb, Andres, v. Groth, 
Hennig, Stollby, Jaekel, Salomon und Saukk 
je 1 Stimme. 

Demnach sind gewählt: 

Zum Vorsitzenden: 

Herr Pompeck.t. 

Zu stellvertr. Vorsitzenden: 

Herr Rauff und 
Krusch. 



151 



Zu Schriftführern: 

Herr Bärtmng, 

„ Schneider, 

„ Janensch, 

„ S:ig}iDL. 

Zum Schatzmeister : 

Herr Picard. 
Zum Archivar : 

Herr Dienst. 

Zu Beiratsmitgliedern : 

Die Herren Bergeat, Dkevermann, Stille, Tibtzb, 
Stromek V. Reichenbach, "Wichmann. 

Um 7 Uhr 15 Minuten wird die wissenschaftliche Sitzung 
vom Vorsitzenden ei'öffnet mit Bekanntgabe des Wahl- 
ergebnisses. 

Die Gewählten, die anwesend sind, nehmen die Wahl 
mit Dank an. 

Als Mitglieder werden aufgenommen: 

Fräulein Dr. phil. Luise Büchner in Hannover-Klee- 
feld, Schellingstr. i, 

auf Vorschlag der Herren Schöndorf, Salomox 

und Keusch. 

Herr stud. geol. Hans Jüngst, Berlin W 10, Friedrich- 
Wilhelm- Str. 5, 

auf Vorschlag der Herren Pompeck.j, Dietrich 

und Haarmann. 

Herr konz. Markscheider Hennekbn in Wanne, Unser- 
Fritz-Str. 156, 

auf Vorschlag der Herren Fremdling, Schwaet- 

MANN und Bärtling. 

Herr Dr. Ernst Nowack, Assistent der Lehrkanzel 
für Geologie in Leoben, Montanistische Hochschule, 

auf Vorschlag der Herren Peteascheck, Bärtling 

und TiETZE (Wien). 

Herr konz. Markscheider Kliver in Bochum, Schiller- 
straße 37, 

auf Vorschlag der Herren Bärtling, Fremdling 

und Oberste Brink. 



— 152 - 

Herr konz. Markscheider Baldekmann in Essen-Alten- 
essen, Heßlerstr. 51, 

auf Vorschlag der Herren Fremdling, Baumgäktei. 
und Bäetling. 

Herr konz. Markscheider Befino in Bochum, Gudrun- 
straße 19, 

auf Vorschlag- der Herren Fremdling, Bkück und 
Bäetling, 

Herr cand. geol. Feitz Kuse in Charlottenburg, Horst- 
weg 6, 

auf Vorschlag der Herren Dietrich, Janensch und 

POMPECKJ. 

Die Herren Dr. Bruno v. Freibbrg in Halle a. S., 
Geologisches Institut der Universität, Domstr. 5, 
Dr. Johannes Weigelt, Privatdozent für Geologie 
und Palaeontologie an der Universität Halle a. S., 
Wielandstr. 221, 

Dr. Karl Willruth, Geologischer Assistent des 
Halleschen Verbandes für die Erforschung der mittel- 
deutschen Bodenschätze in Halle a. S., Mühlweg 2511, 

alle di^ei auf Vorschlag der Herren vok Wolff, 

JoH. Walther und R. Bäetling. 

Sodann erhält Herr STILLE das Wort zu seinem Vortrag 
„Über die Begriffe ,Orogenese' und ,Epirogenese*".>y 

An der Erörterung beteiligen sich die Herren Po^ipkck.t, 
Schneider und der Vortragende. 

Der Vorsitzende spricht Herrn Stille den Dank der 
Gesellschaft aus. 

Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. 

V. w. 0. 

P. G. Krause, K. Keilhack. Bäetling. • 



1) Der Vortrag erscheint etwas erweitert im letzten Heft 
der Abhandlungen dieses Jahrgangs, 



— 153 — 

Briefliche Mitteilungen. 

11. Beiträge zur Kenntnis der Trias 
von Katalonien. 

Von Herrn A. WubM'. 

Heidelberg, den 17. Februar 1914. 
1. Cassianellen aus der oberen Trias Kataloniens. 

Schon 1899 hatte der um die Geologie Kataloniens 
außerordentlich verdiente spanische Geologe Almera in einer 
kleinen Notiz „Sobre el descubriniiento de la fauna de» 
Saint Cassien en el Trias de nuestra provincia''^) aus deit 
oberen Trias der Provinz Barcelona eine sehr interessante 
Fauna beschrieben, die nach seinen Angaben nahe Be- 
ziehungen zu der Fauna von St. Cassian zeigte. Diese 
Notiz, die in einer spanischen Lokalzeitschrift erschienen 
ist, ist naturgemäß ziemlich unbekannt geblieben. Der 
Fundpunkt der Fauna liegt am Monte Puig de ia Creiis 
und am Mas FonoU de Pontons im südostlichen Teil der 
Provinz Barcelona, nicht sehr weit von der Tarragonischen 
Grenze. Die Fauna stammt aus stark ausgelaugten Dolo- 
miten, die einem ziemlich hohen Niveau des Keupers an- 
gehören. Almera gibt folgende Arten an (nach den Be- 
stimmungen von M. Bergeron und Munier Chalmas): 
Cassianella äff. decussata, CassianeUa äff. planidorsata, 
Natica gregaria var., Chetunltzia sp., Pecten sp., Modiola 
usw. Weitaus die wichtigsten und interessantesten Ver- 
treter dieser Fauna sind natürlich die Cassianellen. Torn- 
QUIST2) hatte Gelegenheit, diese Funde in der Sammlung 
des Priesterseminars in Barcelona einzusehen. Er war bei 
dem flüchtigen Besuch nicht in der Lage, die Bestimmung 
der Cassianellen zu bestätigen; er lifeß es sogar unent- 
schieden, ob die ihm vorgezeigten schlecht erhaltenen Stücke 
überhaupt zu Cassianella gehörten. Um nun in dieser Frage 
eine Entscheidung herbeizuführen, bat ich Herrn Almera, 



1) Bol. de la Real. Academia de Ciencias y Artes de Bar- 
celona 1899. 

-) über die außeralpine Trias auf den Balearen und in Ka- 
talonien. Sitzungsber. d. Königl. Preuß Akad. der Wissensch. 
1909, XXXVI, S. 916 u. 917. 

11 



~ 154 — 

mir möglichst gut erhaltenes Material zu einer genauen 
Untersuchung zu übersenden. Herr Dr. Almera kam 
diesem Wunsch bereitwilligst nach, wofür ich ihm auch 
hier meinen Dank aussprechen möchte^a). 

Eine sorgfältige Präparation der ganz leidlich erhaltenen 
Fauna hat mit Bestimmtheit ergeben, daß in der Tat 
Cassianellen vorliegen, und zwar handelt es sich um 
CassianeUa decussata und eine der C. decussata sehr 
nahe verwandte Form, die einige Beziehungen zu C. plani- 
dorsata zeigt. Ich bezeichne sie als C decussata var. 
planidorsata. Die Cassianellen treten in den Handstücken 
geradezu gesteinsbildend auf. Zusammen mit ihnen findet 
sich eine Myophoria, die von Almera als Myophoria 
Goldfiissi Alb. bestimmt, von Tornquist als Myophoria 
vestita Alb. erkannt wurde. Außerdem konnte ich fest- 
stellen: Pecten discites, Myophoria äff. elegans, Pseudo- 
corbala sp., Anodontophora sp., Dentalium. Die Gastro- 
podenfauna setzt sich nach der freundlichen Bestimmung 
von Herrn Häberle in Heidelberg aus folgenden Arten 
zusammen: ? Trypanostylus sp., Euchrysalis Laube sp.. 
Cryptonerita sp., Hologyra cfr. laevissima Kittl sp. 

Dank dem Entgegenkommen von Herrn Almera ist 
es mir möglich, dasi Niveau der Fauna genauer festzulegen. 
Das Profil der oberen Trias ist nach seinen Angaben in 
der Gegend von Foix folgendes (von unten nach oben) : 

1. Dolomitische Plattenkalke am Perlon de Foix, 

2. Schichten mit Myophoria vestita Alberti, 

3. Massiger Fucoidenkalk, 

4. Roter, gipsführender Sandstein, 

5. Plattenkalke mit Gastropoden und Gervilleia sp.^) 

6. Rauchwacken und rote, gipsführende Mergel, 

7. Dolomite mit Cassianellen und der oben erwähnten 
Begleitfauna, 

8. Massige Kalkbänke eocänen Alters mit Alveolina. 
Die Cassianellen liegen also anscheinend im Niveau 

des Keupers. Es dürfte M^ohl naheliegen, diese cassianellen - 
führenden Dolomite Spaniens mit den Cassianer Schichten 
Südtirols zu parallelisieren. Die Vergesellschaftung mit 
Myophoria vestita, die sich auch in den Cassianer Schichten 



' 2a) Inzwischen ist der verdiente spanische Geologe der 
"Wissenschaft durch den Tod entrissen. 

3) Es handelt sich um eine stark konzentrisch gerippte, 
radial gestreifte Form, die wegen schlechter Erhaltung nicht 
näher bestimmbar ist. 



— 15^ — 

findet, ist eine Bestätigung für die Richtigkeit dieser Auf- 
fassung. ToKNQUisT fiat diese spanischen Dolomite dem 
Hauptsteinmergel Deutschlands oder dem Hauptdolomit der 
Alpen gleichgestellt. Koken*) möchte sie auf Grund des 
Vorkommens von Myophoria vestita als Äquivalente der 
Raibler Schichten aufgefaßt wissen. Die Cassianellen 
sprechen für noch tieferes Niveau. Nach der Angabe 
BiTTNEEs findet sich Cassianella decussata in Cassianer 
und etwas jüngeren Schichten. 

Die Fauna bestätigt also meine früher-') ausgesprochene 
Behauptung, daß der Keuper Kataloniens alpine Einflüsse 
zeigt, daß zu dieser Zeit eine Kommunikation mit dem 
alpinen Ozean vorhanden war. 

Eigenartige Beziehungen zeigt diese Fauna zu der von 
mir beschriebenen von Mora de Ebro^). Auch in den Trachy- 
cerasschichten von Camposines haben sich Cassianellen ge- 
funden, deren Bestimmung allerdings, da sie als Steinkerne 
erhalten sind, auf gewisse Schwierigkeiten stieß. Pecten 
discites ist gleicherweise in Pontons, wie in Camposines 
vertreten, eine Myophoria von Camposines erinnert an 
M: vestita. Ammoniten sind von Pontons nicht bekannt 
geworden. 

Alle diese vielleicht nur scheinbaren Beziehungen legen 
den Gedanken nahe, daß beide Faunen demselben Horizont 
angehören könnten. Nun sind bisher die Trachyceras- 
schichten von Mora von Mojsisovics auf Grund vergleichen- 
der paläontologischer Erwägungen zum Muschelkalk gestellt 
worden. Auf den Balearen kommt Protrachyceras Curionii 
\ergesellschaftet mit Protrachyceras Villanovae vor, dem- 
selben Ammoniten, der sich auch in Mora findet. Nun ist 
Protrachyceras Curionii allerdings in den Reitzi-Schichten 
hauptsächlich verbreitet, es geht aber, auch in ein höheres 
Lager über. Auch die von mir beschriebene Zweischaler- 
fauna von Mora zeigt manche Anklänge an die von St. 
Cassian. Der spanische Geologe Mallada hatte die Schichten 
von Mora auf Grund stratigraphischer Beobachtungen dem 
Keuper eingereiht. Erst eine genaue ortliche Untersuchung 
der Tarragonischen Trias kann hier Klärung schaffen. 



*) Beiträge zur Kenntnis der Schichten von Heiligenkreuz. 
.\bh. d. k. k. Geol. Reichsanstalt. Bd. XVI. 

5) "WuKM, Beiträge zur Kenntnis der iberisch-balearischen 
lYiasprovinz. Verhandl. d. Naturh. Med Vereins Heidelberg. N. F. 
XII. Bd., 1913, S. 535. 

6) WuEM, a. a. O., S. 561. . . 

11* 



— 156 - 

Beschreibung der Fauna. 

Larnellibranehiata. 
CassianeUa decussata Münst. sp. 

Obwohl die Erhaltung der Stücke nicht ausnehmenrf 
gut ist, genügt sie doch vollkommen für eine sichere Be- 
stimmung. Es liegen mir zum Teil gewöhnliche, zum Teil 
Skulptursteinkerne, zum Teil Hohldrücke vor; an letzteren 
läßt sich ausgezeichnet die Skulptur beobachten. Die Zahl 
der Hauptrippen auf der Hückenwölbung ist, wie bei der 
Cassianer Art, gewöhnlich 5 — 6. Sekundürrippen schieben 
sich manchmal schon nahe unter dem Wirbel ein, viel- 
fach sind sie aber auch schwach entwickelt. Im allgemeinen 
kann man sagen, daß die Berippung bei der spanischen 
Form weniger grob erscheint, als bei der Cassianer. Ich 
habe aber unter Cassianer Material Stücke gesehen, die, 
ebenso wie die spanische Art, feinere Berippung tragen. 

Die Steinkerne, an denen meist die Radialstreifung 
nur undeutlich zu sehen ist, zeigen den Doppelwirbel der 
Cassianellen. In der Form und Breite der Rückenwölbung 
lassen sich erhebliche Schwankungen beobachten. Bittnbr 
hebt dies ausdrücklich von der Cassianer Art hervor und 
bildet verschiedene Spielarten ab. Namentlich weichen unter 
dem spanischen Material Formen mit auffallend flachem, 
breitem Rücken von dem Typus decussata erheblich ab. 
Ich neigte ursprünglich zu der Meinung, daß hier eine von 
C decussata verschiedene Form vorläge, die der CassianeUa 
planidorsata nahestehe. Auch Munier Chalmas und Berge- 
kon, denen die Cassianellen von Mas FonoU zur Bestim- 
mung vorlagen, hatten neben CassianeUa cf. decussata 
eine Form ausgeschieden, die sie CassianeUa cf. planidorsata 
bezeichneten. Vergleiche mit der Cassianer C. planidorsata 
haben aber ergeben, daß der für diese Form so charakte- 
ristische senkrechte Steilabfall des mittleren Schalenteils 
gegen den vorderen Flügel der spanischen Art durchaus 
fehlt. Auch erscheint der Rücken nicht ausgehöhlt, wie bei 
dem Typus C. planidorsata sondern nur abgeplattet. 
Weiter haben sich alle Übergänge zwischen Formen mit 
schmalem, hochgewölbtem Rücken und solchen mit breitem, 
abgeplattetem Rücken unter dem reichen spanischen 
Material beobachten lassen. Will man aber dennoch die 
Abweichung der breiten, abgeplatteten Form vom Typus 
decussata zum Ausdruck bringen, so genügt es meines 
Erachtens, sie als var. planidorsata abzutrennen. 



— 157 — 

Pecten discites Schlotheim. 
Eine Pecten form stimmt vollständig mit Pecten discites 
überein. Die einzelnen Exemplare wechseln ziemlich in der 
Größe. Auffallend ist, daß Pecten discites sich hiör bis 
in dieses hohe Niveau erhalten hat. 

Myophoria vestita Alb. (= Myophoria Whateleyae v. B. 
var. vestita Koken). 

Schon ToENQuiST hatte diese Myophoria aus der oberen 
Trias von Pontons richtig erkannt und auf ihre strati- 
graphische Bedeutung aufmerksam gemacht. Die Anzahl 
der vor der Arealkante stehenden Rippen beträgt 7, bei 
den ALBEETischen Originalen, wie Rübenstrunk') ausdrück- 
lich betont, und wie ich selber an ausgezeichneten Exem- 
plaren nachprüfen konnte, nicht 12, sondern nur 9. Die 
von ToENQuiST vernmtete Abweichung vom ALBEETischen 
T^^pus ist also nicht sehr groß. Als einzigen Unterschied 
der spanischen von der Gansinger Form kann man vielleicht 
anführen, daß die Rippen bei den Gansinger Exemplaren 
dichter gedrängt stehen und nicht so scharfrückig erscheinen, 
wie bei den spanischen. Toenquist hatte die für diese Art 
so charakteristische Querverzierung des Lunularraumes nicht 
beobachten können. Auch ich habe viele Steinkerne präpa- 
riert, ohne diese Querverzierung feststellen zu können. Nur 
ein einziger Hohldruck, der von einer benachbarten Fund- 
stelle stammt (Foix), zeigt deutlich die Spuren dieser Quer- 
rippung. Damit ist die Artbestimmung sichergestellt. 

Neuerdings hat Koken^) Myophoria vestita aus den 
Schichten von Heiligenkreuz beschrieben und ihre Identität 
mit M. Whateleyae v. Buch sp. nachgewiesen. Nur durch 
verschiedene Rippenzahl (10 Aargau Gansingen gegen 
8 Bergamasker Alpen) sollen sich die beiden Formen unter- 
scheiden. Er bezeichnete deshalb die Aargauer Form als 
M. Whateleyae var. vestita. 

Myophoria äff. elegans Dunkee. 
Die Bestimmung eines einzigen,- wenn auch gut er- 
haltenen Myophoria-Steinkerns stößt auf geAvisse Schwierig- 
keiten. Der äußere Habitus ist der von M. elegans. Das 



'') Beitrag zur Kenntnis der deutschen Trias-Myophorien. 
Mitt. d. Bad. Geol. Landesanstalt. VI, S. 222. 

8) Beiträge zur Kenntnis der Schichten von Heiligenkreuz 
(Abteital, Südtirol). Abhandl. d. k. k Geol. Eeichsanst Bd. XVI, 
Heft 4, S. 36, Taf. IV, Fig. 5. 



— 158 — 

Arealfeld fällt aber viel steiler ab als bei M. elegans 
und trägt auch nicht den deutlich ausgeprägten Knick. 

Pseudocorbala sp. 
Ein Steinkern erinnert ganz an die von mir aus dem 
Muschelkalk Aragoniens beschriebene Pseudocorbala gre- 
garia Phil.^). Die scharfe Radialkante ist deutlich sichtbar. 

Anodontophora sp. 
Die Steinkerne sind zu schlecht erhalten, um nähere 
Bestimmung zuzulassen. 

Scaphopoda. 
Dentalium. 
Ein winziger Eest gehört zu Dentalium. Damit ist 
dieser im nördhchen Binnenmeer so häufige Skaphopode 
auch im südlichen Binnenmeer nachgewiesen. 

Gastro poda (von D. Häbeelb). 

Neritopsidae. 
Hologyra cfr. Laevissima Kittl sp. 
Literatur bei Häberle, Predazzo S. 339 ff. 
Ein auf einem. Gesteinsstück aufsitzender, anscheinend 
etwas verdrückter Steinkern mit stark gewölbtem letztem 
Umgang läßt trotz seines unvollständigen Erhaltungszu- 
standes eine deutlich ausgeprägte, stufenförmig abgesetzte 
Spira erkennen. Es handelt sich also um eine Form mit 
nicht resorbierten Windungen, die nach ihrem ganzen Habitus 
als eine Hologyra aufzufassen ist und dem großen Formen - 
kreis der H. laevissima am nächsten stehen dürfte. 

N e r i t i d a e. 
Cryptotierita sp. 

Literatur bei Häbbklb, Gastropoden von Predazzo S. 359, 

486 u. 487. 
Zu dieser auch im deutschen Muschelkalk nachgewiesenen 
Gattung dürfte mit ziemUcher Sicherheit ein auf einem Ge- 
steinsstück sitzender breiter Steinkern mit erhabener, Jedoch 
abgestumpfter Spira, stark gewölbten Umgängen und etwas 
abgedachter Schloßwindung zu stellen sein. Das Stück zeigt 
in seinem äußeren Habitus sowohl Anklänge an Cryptonerita 



9) über den geologischen Bau und die Trias von Aragonien. 
Diese Zeitschr. 63, 1911, S. 117. 



— 159 — 

elliptica K : r. wie an C. conoidea J. Böhm und dürfte 
wohl als eine Übergangsform zwischen beiden aufzufassen 
sein. Ein ähnliches Stück habe ich auch von Mora de Ebro 
als C. elliptica bestimmt. 

Zu dieser Form gehört wahrscheinlich auch der Hohl- 
druck eines etwas größeren Exemplars vom gleichen Fundort. 

Pyramide llidae. 
? Trypanostylus sp. 
Literatur bei Häberle, Predazzo S. 390. 
Als zu diesem Formenkreis gehörend ist nach seinem 
äußeren Habitus vielleicht ein aus drei niedrigen, langsam an- 
wachsenden Windungen bestehendes Fragment eines spitz- 
turmförmigen Steinkerns anzusehen. Die Flanke ist ganz 
flach und stumpfkantig begrenzt, im unteren Teil etwas 
konkav. Am nächsten kommt das Stück wohl T. triadicus 
[KiTTL sp. (Häberle, Predazzo S. 397), doch läßt sich die 
Beschaffenheit der Spindel nicht feststellen; vielleicht handelt 
es sich auch um eine der Gattung Spirostylus oder Ompha- 
loptycha angehörende Form. 

Euchrysalis Laube sp. 

Literatur bei Kittl, St. Cassian, HL, S. 203, und Häbekle, 
Predazzo S. 509. • 

In diesen Formenkreis dürfte ein zierlicher, etwa 5 mm 
großer, etwas pupoider Steinkern mit langsam anwachsenden 
und auf der Flanke abgeflachten Windungen gehören, dessen 
letzter Umgang etwas in axialer Richtung hinabgezogen und 
verschmälert ist. Die Beschaffenheit der Spindel läßt sich 
nicht feststellen. 

Am nächsten steht das Stück wohl E. fasiformis 
MusTK. sp. (Kittl, St. Cassian, HL, 1894, S. 204, Taf. VI, 
Abb. 23—24, 26—28 u. 54), doch bietet es für eine Identi- 
fizierung nicht genügend charakteristische Merkmale. 

II. Eine Fauna aus der Oberen Trias von Valldeneu. 

Außer der oben beschriebenen 'Fauna hat mir Herr 
Almeea eine Suite von Fossilien aus dem Keuper von 
Valldeneu zugesandt. Die Fauna stammt aus Mergelkalken 
und ist nur zum Teil gut erhalten. Als interessantester 
Vertreter ist Myophoria Qoldfussi v. Alb. zu nennen, 
die mir in vielen Exemplaren vorliegt. Die Form ent- 
spricht vollkommen der deutschen Art. Daneben tritt noch 



— 160 — 

eine gestreifte Gervilleia auf, die jedenfalls mit GerviUeia 
substrlata Credn. identisch ist. Einzelne Stücke zeigen 
jenen oft messerscharfen Rückenabbruch, den auch Zellerio) 
an deutschen Exemplaren beobachtet hat. Diese 'Formen, die 
in Deutschland für den Grenzdolomit charakteristisch sind, 
würden als var. lineata Goldf. zu bezeichnen sein. Da 
auch Myophorla Goldfussi in dem gleichen Niveau auf- 
tritt, so dürfte die spanische Fauna ungefähr mit unserer 
Lettenkohle gleichaltrig sein. 

[Manuskript eingegangen am 27. Febi-uar 1914. Die Ver- 
öffentlichung erlitt duz'ch den Krieg erhebliche Verzögerung. 

Die Redaktion. R. Bäetling.] 



12. Untersuchungen über die Entwicklung der 
Lobenlinie von Leioceras opalinuni Rein 

Von Fräulein Th. Hoyermann. 

(Mit 6 Textfiguren.) 

Die Embryonalkammer hat eine quer spindelförmige 
Gestalt mit einer Breite von etwa 1,05 mm und einer Höhe 
von etwa 0,84 mm. Die Siphonairöhre hat an ihrem Anfange 
eine länglich runde Anschwellung. Der Prosipho ist sehr 

Höhe 




Breite 



Fig. 1. Embryoiialkammer von Leioceras opalin m Refn. 

kurz. Die Anfangskammer nimmt annähernd 2/3 der ersten 
Windung des Gehäuses ein. Die zwei ersten Windungen, 
an deren Ende eine kräftige Einschnürung zu beobachten ist, 
sind kugelig aufgebläht und ohne Skulptur. Auf der 3. Win- 



10) Neues Jahrb. f. Min. Beil. 25, 1908, S. 73, Taf. 1, Fig. 3. 



161 — 



düng zeigt sich eine feine Streifung des Gehäuses auf den 
Flanken und der Externseite, sowie schwache, wulstartige 
Ei'hebungen auf der Mitte der Flanken. Die Streifung gleicht 
derjenigen, die an gleich großen Gehäusen von Ammonites 





Fig. 2. Querschnitt von 

Leioceras opnlinam Kein. 

Durchmesser 5 mm. 



Fig. ?). Leiorems opalinum Rein. 

Durchmesser l,o mm. 



Romanl Opp.i) beobachtet wurde. Streifung und Wülste 
verschwinden am Anfang der 4. Windung wieder; das Ge- 
häuse ist wieder glatt, bis auf der 5. Windung als endgültige 
Skulptur sichelförmig geschwungene Rippen erscheinen. 
Erst bei einem Durchmesser von etwa 5 mm beginnt die 
Höhe der Windungen deren Breite an Ausmaß zu übertreffen. 
Entwicklung der Lobeniinie. Die erste Loben- 
linie besteht aus einem hohen Außensattel, einem gerundeten 
Laterallobus, einem sehr flachen, breiten Innensattel und 
einem flachen Internlobus. Ihr© Formel ist: 
Li J (6 Elemente) 3) 

Die zweite Lobeniinie zeigt diese Elemente vermehrt 
durch einen sehr flachen, breiten Externlobus und den 
1. Umschlaglobus (Ui), der dicht unter der Naht liegt. 
Die Formel dieser Lobeniinie ist: 

E Li Ui J (12 Elemente) 

Auf der dritten Lobeniinie ist der Externlobus schon 
bedeutend vertieft und wird durch einen mäßig hohen 
Mediansattel geteilt. Der Laterallobus ist etwa halb so 
tief wie der Externlobus. Die Formel ist: 
M E Li Ui J (13 Elemente; 

Die vierte Lobeniinie zeigt den 2. Umschlaglobus (Un) 
dicht über der Naht. Da derselbe durch Spaltung des ventral- 



1) Th. Hoyekmann : Über Dorsetensia Buckman und Am- 
monites Romani Opp., Dissertation p. 54. 

2) Siehe i), p. 20, Anm. 



— 162 — 

wärts vom jüngsten Lrobus (Ui) gelegenen Sattels entstand, 
bezeichnen wir die Sattelspaltung als eine ventropartite. 
Während eines ganzen Umganges wächst jetzt das Gehäuse, 




Fig. 4. Embryonalkamraer und ein Umgang von 
Leioceras opalinum Rein. 

ohne daß den Elementen der Lobenlinie neue hinzugefügt 
werden. Die Formel der Lobenlinie ist jetzt: 

M E Li Uli Ui J (17 Elemente) 

Auf der 2. Hälfte der 2. Windung (Ft)^) erscheint der 
3. "Umschlaglobus (Um) auf der Naht. Um entstand durch 
Spaltung des dorsalwärts vom jüngsten Lobus (Un) gelegenen 
Sattels. Die Formel ist: 

M E Li Uli Um Ui J (21 Elemente) 

Fio zeigt Ulli auf der Außenseite. Fn läl.U. den 4. Um- 
schlaglobus (Uiv) auf der Naht erkennen. Derselbe entstand 
wie Um durch Spaltung des dorsalwärts vom jüngsten 
Lobus gelegenen Sattels. Uiv nimmt den Platz des 2. inneren 
Seitenlobus ein, und wir haben die Formel: 

M E Li Uli Um Uiv Ui J (25 Elemente) 

Auf der Mitte der 4. Windung (F14 — 15) wurde als erste 
Differenzierung der Lobenlinie ein Einschnitt in der Mitte 
des Externsattels beobachtet. Die Differenzierung der Loben- 
linie geht weiterhin so vor sich, daß entweder nur der Sattel 
L — Uli einen Medianeinschnitt erhält, bevor eine seitliche 



3) Die Gehäuse wurden zum Zwecke der Untersuchung durch 
eine Anzalil radialer Ebenen derart zerlegt, daß jede Windung 
in 4 Kreisausschnitte zerfiel. Der Anfang der 1. Windung wurde 
auf den tiefsten Punkt des auf der ersten Sutur vorhandenen 
Internlobus gelegt. 



— 163 — 



Abflachung des Laterallobus erfolgt oder aber die Sättel 
Uli — Um, Um — Uv werden auch noch mit einem Median- 
einschnitt versehen, bevor eine seitliche Abflachung des 
Laterallobus zu bemerken ist. Der zweite Fall war weniger 
häufig zu beobachten als der erste. 

Fi5 zeigt über der Naht einen neuen Lobus, Uv- Das 
Gehäuse hat nun einen Durchmesser von etwa 3,5 mm. Die 
Breite der Windungen ist immer noch größer als ihre Höhe. 
Die Formel der Lobenlinie lautet jetzt: 

M E Li Uli Um Uv Uiv Ui J (29 Elemente) 

Bei einem Durchmesser von etwa 4 mm wurde U\i als 
3. innerer Seitenlobus beobachtet, so daß die Formel lautet: 

M E Li Un Um Uv Uvi Uiv Ui J (33 Elemente) 
Aus Vorstehendem geht hervor, daß die Sattelspaitung 
als eine ventropartite beginnt, bei der Anlage von Um und 
Uiv dorsopartit ist und dann in eine alternierende übergeht. 



J 



jm 




E 



Flg. 5. Septalfläche'*) bei 

einem Durchmesser von etwa 

4 mm. 




Fig. 6. Schema der Lobenanlage. 



Leioceras opalinum Rein. 
Es wurde noch die Anlage der Loben Uvii-x festgestellt. 
Bei einem Gehäusedurchmesser von etwa 13 mm lag Ux 
auf der Naht. Die Differenzierung der Lobenlinie ging 
hier bis zum Sattel Um — Uy. 



*) Die linke Seite ist nach der rechten ergänzt. 



— 164 — 

Wie schon andererorts^) bemerkt wurde, geben die 
Bedingungen, unter denen die Gehäuse von Leioceras 
opalinum Rein und Ammonites Romani Opp. wachsen, Ver- 
anlassung, die beiden Formen als eng verwandt zu be- 
trachten. Es bedarf aber noch der Untersuchung einer 
größeren Anzahl nahestehender Formen, um an Hand einer 
breiteren Unterlage von Tatsachenmaterial ihre Stellung zu- 
einander festlegen zu können. 

Tübingen, Geologisches Institut, Februar 1918. 



13. Beiträge zur Kriegsgeologie. 

Von Herrn Paul Range. 

Principo, Januar 1919, 
eingegangen den 8. Juli 1919. 

Wie so vielen anderen Gebieten der Wissenschaft hat 
der Weltkrieg auch der Geologie neue Bahnen gewiesen 
und ihren Jüngern neue Betätigungsfelder eröffnet. Wäh- 
rend vor 1914 wohl kaum jemand^) ernsthaft daran dachte, 
Geologen als Berater in militärischen Fragen heranzuziehen, 
hat der Krieg einwandfrei bewiesen, daß auch diese Wissen- 
schaft dem Feldherrn wertvolle Dienste leisten kann. Der 
Daie — und dazu rechne ich auch den Generalstabsoffizier 
— macht sich oft eine falsche Vorstellung von der Tätig- 
keit eines Geologen. Einerseits spannt er seine Forde- 
rungen zu hoch und erwartet mancherlei Unmögliches von 
dessen Tätigkeit, andererseits zieht er ihn bei Fragen, wo 
er helfen könnte, oftmals nicht zu Rate. Der Kriegsgeolog© 
ist in erster Linie dazu berufen, den Heerführer in allen 
die Wasserbeschaffung und Wassererschließung betreffen- 
den Fragen zu beraten. Daneben wird man ihn auch über 
Beschaffenheit der Wege, Gangbarkeit des Geländes, Be- 
schaffung von Kalk und Schotter, Steinmaterial für Bauten 
und älinliches befragen. Auch die Brennstoffbeschaffung 
kann in seinen Bereich fallen, wenn Braunkohlengruben oder 
Torfmoore im Operationsgebiet vorhanden sind. Handelt 
es sich bei den Fragen der Brennstoffbeschaffung um berg- 



5) Siehe i), p. 61. 

1) Meines Wissens hat nur W. Keanz schon vorher die Not- 
wendigkeit der Militärgeologie betont. „Kriegstechnische Zeit- 
schrift", 1913, Heft 10. 



— 165 - 

männische Arbeiten, so wird der Greolog-e einen geeigneten 
Offizier, der im Privatberuf Bergmann ist, anfordern müssen,. 
um sich nicht zu sehr zu zersplittern. Besonders im Stel- 
lungskrieg, in dem die Heere oft monatelang auf einen 
begrenzten Raum angewiesen sind und sich daher die natür- 
lichen Hilfsmittel intensiv nutzbar machen müssen, wird die 
Befriedigung solcher Bedürfnisse der Truppe erhöhte Be- 
deutung erlangen. 

Aus diesen Erwägungen geht hervor, daß die Tätigkeit 
des Kriegsgeologen in erster Linie eine beratende ist. Er 
wird daher den höheren Stäben zuzuteilen sein. Ob man 
schon der Division einen Geologen zuteilen kann, wird von 
der verfügbaren Menge geeigneter Kräfte abhängen. Zu 
jeder Armee gehört jedenfalls ein beratender Geologe. 

Aus den geschilderten Aufgaben des Geologen ergibt 
sich, daß er über umfassende Kenntnisse und Erfahrungen 
verfügen muß. Er muß nicht nur körperlich sehr leistungs- 
fähig sein, sondern auch mit Geschick und Verständnis; 
auf die ihm von der Führung gestellten, nicht immer ein- 
fach zu beantwoi'tenden Fragen eingehen können. Man 
sollte daher nicht, wie das im Kriege melirfach geschehen 
ist, junge Leute, die ihr Studium noch nicht absolviert 
haben und über gar keine oder ganz geringe Felderfahrung 
verfügen, in solche Stellen bringen. Sie schädigen nur 
das Ansehen des Geologen und machen die höhere Führung 
mißtrauisch und zweifelhaft, ob eine derartige Einrichtung 
überhaupt von Wert sei. Sie eignen sich bestenfalls als 
Hilfskräfte unter einem älteren Herrn ihres Fachs. Die- 
Angliederung der Kriegsgeologen an die Vermessungs- 
abteilungen scheint mir gleichfalls nicht zweckmäßig, da 
die Aufgaben beider Dienstzweige zu sehr auseinandergehen. 
Sie ist nur da am Platz, wo die Vermessungsabteilungen 
in weniger kultivierten Ländern arbeiten. Doch gehört 
dann außerdem ein berate.nder Geologe zum Stabe des 
Oberbefehlshabers. Analog arbeiten ja in den noch un- 
erschlossenen Gebieten der Vereinigten Staaten Geologie 
und Vermessungskunde Hand in Harid. Eine Angliederung 
des Geologen an den Hygieniker oder den ICorns- und 
Armeearzt ist auch nicht zu empfehlen. Beider Arbeiten 
berühren sich in Wasserversorgungsfragen vielfach, 
so daß der Hygieniker gern das Gutachten des Geo- 
logen in Anspruch nehmen wird, aber in anderen Fragen 
sind die Arbeitsgebiete doch zu sehr verschieden, um eine 
etwaige Unterstellung zu rechtfertigen. Es wird dadurch 



— 166 — 

immer ein Tteil der g^eolog-ischen Aufgaben leiden. Am 
zweckmäßigsten wird es sein, den Kriegsgeologen als Be- 
rater bei einem höheren Stab© selbständig zu verwenden 
und ihm die gegebenenfalls vorhandenen jüngeren Kollegen 
bei den Divisionen zu unterstellen. Ein© Angliederung an 
1 A, I B oder 0. Q., im Stellungskrieg auch an den Kom- 
mandeur der Pioniere, ist am günstigsten. Zweckmäßig 
wird es sein, ihm die Bohrkommandos, falls solche den 
Armeen beigegeben werden, zu unterstellen. Das Ansetzen 
der Bohrpunkte für die Bohrungen ist stets eine geologische 
Aufgabe, dazu muß er allerdings über die nötige technische 
Erfahrung verfügen. Aus diesen Erwägungen geht hervor- 
daß man am vorteilhaftesten solche Herren als Kriegs- 
geologen verwendet, die Reserveoffiziere sind. 

Die Geologen der geologischen Landesanstalten eignen 
sich am besten für Kriegsgeologenstellen, da sie schon durch 
ihren Friedensberuf auf Beantwortung praktischer Fragen 
hingewiesen sind. Als Dirigent für sämtliche Kriegsgeologen 
muß ein Fach Vertreter im Großen Hauptquartier vorhanden 
sein, der im wesentlichen die Personalfragen zu bearbeiten hat 
und dem die einzelnen Herren nach ihren Kenntnissen 
und besonderen Befähigungen möglichst bekannt sein sollten, 
und ebenso ein Vertreter beim stellvertretenden Kriegs- 
ministerium, der besonders die Kartenbeschaffung und evtl. 
Materialbesorgungen zu dirigieren hat. 

Es erübrigt sich noch, die Organisation in der Heimat, 
die mit der im Felde Hand in Hand arbeiten muß, zu 
skizzieren. In den größeren Staaten des Deutschen Reichs 
bestehen geologische Landesanstalt©n, die üb©r einen Stab 
geschulter Feldgeologen verfügen, welch© nach ihrer Vor- 
bildung die geeignetsten Herren für die Feldstellen sind, 
(im ganzen etwa 100). Größtenteils sind diese Herren, soweit 
sie Offiziere waren, nicht in Geologenstellen verwandt 
worden, und man hat daher später, als ein Teil derselben 
gefallen oder an anderer Stell© unentbehrlich geworden 
war, auf andere, nicht gediente Kräfte zurückgreifen müssen. 
Zweckmäßiger würde es sein, die Herren schon im Mobil- 
machungsbefehl für Feldstellen vorzusehen und bereits im 
Frieden durch geeignete Kurse auf ihre Tätigkeit im Felde 
vorzubereiten, unter steter Betonung des Grundsatzes, daß 
im Kriege nur Einfaches Erfolg verspricht, und daß stets 
schnelle Beantwortung der gestellten Fragen gefordert 
werden muß. Die geologischen Landesanstalten sind 
außerdem in erster Linie dazu berufen, schon im Friedein 



— 167 — 

das nötige geologische Kartenmaterial bereitzulegen, an dem 
es im Felde vielfach g'emangelt hat. Zu diesem Zweck 
müssen die Direktoren der Anstalten mit dem Kriegs- 
ministerium rechtzeitig in Verhandlungen treten. Denn 
einen Geologen in sein Arbeitsgebiet ohne die vorhandenen 
geologischen Karten zu schicken, ist etwa dasselbe, als 
wenn man einen Truppenarzt ohne Ausrüstung- ins Feld 
schickt. Diejenigen Herren, welche sich früher weniger 
mit Wasserbeschaffungs- und Erschließungsfragen befaßt 
haben, werden g^ut tun, sich rechtzeitig damit vertraut zu 
machen. Kenntnis des Militärbohrg-eräts muß unter allen 
Umständen gefordert werden, da es das einzige Gerät ist, 
mit dem die Pioniere und Eisenbahnkompagnien eingearbeitet 
sind. Der Geologe muß soviel vom Gerät verstehen, daß er 
die einzelnen Bohrtrupps in der Wasserbohrmethode beraten 
und ihnen aufgeben kann, wie weit sie verrohi-en müssen 
u. dgl. m. Ferner nmß er eingehende Kenntnisse der 
einzelnen Wasserhebevorrichtungen besitzen. Er muß die 
verschiedenen Pumpensysteme kennen, muß ihre Leistungs- 
fähigkeit beurteilen können und sollte auch in der Lag(? 
sein, sachgemäße Anforderungen selbst aufzustellen bzw:. 
aufgestellte zu beurteilen. Fehlen ihm diese unerläßlichen 
Detailkenntnisse, so wird er den Truppenführer nur mit 
so allgemeinen Ratschlägen unterstützen, daß derselbe mit 
Recht fragt, warum er sich dazu einen Fachmann halten soll. 

Bei Skizzierung der Aufgaben des Geologen im Kriege 
sollen hier nur allgemeine Richtlinien gegeben werden. 
Speziellere, teilweise von der meinigen abweichende A^if- 
fassung'en finden sich in der angezogenen Literatur.^) 

Wir teilen die Aufgaben des Geologen nach der Art 
der Kriegführung wie folgt: 

A. Auf europäischen Kriegsschauplätzen: 

r. Bewegungskrieg: 1. In der Ebene, 
2. Im Gebirge. 

11. Stellungskrieg: 1. In der Ebene, 
2. Im Gebirge. 



2) Am wichtigsten sind : Kranz, Geologie und Hygiene im 
Stellungskrieg. „Centralblatt f. Min. usw." und spätere Ar- 
beiten desselben Verfassers, 1916. Bärtlixg : Grundzüge der 
Kriegsgeologie. Diese Zeitschrift, 1916, S. 70—85. Keilhack: 
Kap. 72, Kriegs- oder Militärgeologie, aus seinem Lehrbuch der 
praktischen Geologie, III. Aufl., 1916. 



— 765 — 

B. Auf primitiven Krieg-sschauplätzen. 
(Unterabteilung'en wie oben.) 

A. I. 1. 

Der Bewegiing:skrieg mit seinen rasch wechselnden 
Bildern bietet kein günstiges Arbeitsfeld für den Kriegs- 
geologeu. Die Truppenverschiebungeii gehen meist so schnell 
vor sich, daß er sich auf Beratung in Wasser versorgungs- 
fragen wird bescliränken müssen. Bei der Wasserversorgung 
einer Truppe handelt es sich um zweierlei: einmal um die 
Versorgung iaus vorhandenen Anlagen, dann um Erstellung 
upuer. Nur das erstere kommt in Frage. Der Geologe muß 
in Avenigen Stunden, oft auf rascher Autofahi't, ein zuver- 
lässiges Bild der vorhandenen Wasserversorgungsmöglich- 
keiten (Brunnen, Leitungsnetze, Bäche, Flüsse, Seen usw.) 
gewinnen können. Dabei ist von ausschlaggebender Be- 
deutung, daß er sich über die Leistungsfälligkeit der vor- 
handenen Wasserhelievorrichtun'gen sofort klar ist und genau 
angeben kann, wieviel Stundenleistung sie haben. Ein Lot 
zum Messen der Tiefe der Brunnen sollte stets mitgenommen 
werden. Beim Rückmarsch werden vom weichenden Gegner 
sehr häufig die Wasserleitungen in größeren Ortschaften 
zerstört sein. Da nmß dann auf die meist vorhandenen, 
aber wenig benutzten Brunnen aus früherer Zeit zurück- 
gegriffen werden. Die hygienischen Grundsätze müssen detn 
Geologen bekannt sein, damit er die Truppenärzte beraten 
und notwendige Maßnalmien durch dieselben veranlassen 
kann. Es genügt niclit, daß er angibt, da und da ist Wasser 
vorhanden, er muß angeben können: an dem und dem (^i'l 
können in der und der Zeit so und soviel Tiere und Menschen 
getränkt werden. Die Länge der vorhandenen Tränk - 
einrichtimg für Tiere ist stets zu notieren, ebenso die 
Anzahl voi'handener Schöpfstellen, damit beim Übergang 
zur Ruhe den Truppen möglichst bequem liegende Wassei'- 
entnahmestellen zugewiesen werden können. Auf die Mit- 
nahme von Pumpen bei der kleinen Bagage ist der TVuppeii- 
führer in wasserarmen Gebieten hinzuweisen. Kleine Flügel- 
pumpen mit Saug- und Druckschlauch werden oft schon 
gute Dienste tun. Einige größere Saug- und Druckpumpen 
sind sehr empfehlenswert. x\uf Einbau der Pumpen in 
Brunnen bei Wassertiefe von über 8 m unter Terrain ist 
Ifedacht zu nehmen, wenn keine Tiefenbrunnenpumpen mit 
Arbeitszylinder zur Verfügung stehen. Bei Ansammlung 
größerer Truppenmengen wird bei tiefen Brunnen Motor- 



— 169 - 

betrieb kaum entbehrt werden können und kann bei prak- 
tischer Vorbereitung des nötigen Materials auch in wenigen 
Stunden erfolgen. Ob und wo Wasser vorhanden ist, wird 
der Geologe aus den geologischen Spezialkarten besser 
entnehmen können, als aus den topographischen Karten, 
die in dieser Beziehung häufig Lücken aufweisen. Be- 
fragen der Landeseinwohner ist ein wichtiges Hilfsmittel, 
wobei man gelegentlich zu Zwangsmaßnahmen greifen muß, 
falls die Angaben nicht anders zu erhalten sind. Dem 
Geologen müssen "die für die Truppen benötigten Wasser- 
mengen genau bekannt sein. Folgende Tabelle diene als 
Anhaltspunkt: 

Der einzelne Mann braucht: 

zur einmaligen Stillung des Durstes nach größeren 
Märschen 2 1 

für ein Nachtquartier für Abend und Morgen 
mit Essenbereitimg mindestens 5 1 

ganzer Tagesbedarf mindestens 10 1 

Diese Mengen lassen sich im Notfall auf die Hälfte 
lieschränken, doch wird das stets als Übelstand empfunden 
werden. 

Ein Pferd säuft: 

nach langen Märschen 20 I 

bei mehrmaligem Tränken jedesmal 6 — 10 1 

Tagesbedarf im Sommer ... 30 I 

Ein Ochse säuft: 

nach längerem Marsch 40 l 

bei zweimaligem Tränken am Tage ..... 20 1 

Tagesbedarf im Sommer 40 1 

Ein Esel: 

nach langem Marsch 1^ I 

bei mehrmaligem Tränken jedesmal 5 1 

Tagesbedarf im Sommer 15 — 20 1 

Kleinvieh : 

nach längerem Treiben 51 

bei mehrmaligem Tränken jedesmal 2 1 

Tagesbedarf im Sommer 5 — 8 1 

Maultiere brauchen etwa die gleichen' Mengen wie ein 
Pferd, können aber meist länger Durst ertragen. 

12 



- 170 - 

An den Tränken nehmen 3 Pferde minaeöiens 2 m 
Raum ein; ein Ochse 1 m. Zum Sattränken muß den Tieren 
etwa 10 Minuten Zeit gelassen werden. 

Lastautos brauchen zur Füllung ihi^er Wassertanks etwa 
50 1, Personenautos 20 — 40 1, Lokomotiven, je nach Größe 
der Kessel und Tender, 10—20 cbm. Ein Fesselballon zur 
Gasbereitung täglich 40 cbm; eine Bäckereikolonne zum 
Brotbacken 2 — 4 cbm. 

Für einen Tl-uppenverbandplatz', KrankensammeLstelle, 
Feldlazarett, Ortslazarett werden stets größere Wasser- 
mengen benötigt. Der voraussichtliche Bedarf ist von 
dem leitenden Arzt zu erfragen. Möglichst vom Feinde 
uneingesehene Entnahme ist hier vor allem nötig. 

Alle Angaben über vorhandene Wassermengen müssen 
schnell gemacht werden können, und es gehört eine große 
Arbeitsfreudigkeit dazu, nach langem Marsch sich da sofort 
an die Erkundungen zu machen. Schnelligkeit ist aber 
unerläßlich. 

A. I. 2. 

Im Gebirge sind die Aufgaben analog, nur wird es 
sich hier häufiger um Beurteilung des Schüttungsvermögens 
vorhandener Quellen handeln, dessen Bestimmung nicht 
immer leicht ist. Auch hierüber muß der Geologie bereits 
im' Frieden ausgiebige Erfahrung gesammelt haben. Die 
Verunreinigung der Wasserentnahmestellen aus Bächen ist 
bei dem schnellen Abfluß weniger zu befürchten, als in 
der Ebene, bei gefaßten Quellen muß aber darauf sehr 
geachtet werden. Bisweilen werden schon im Bewegungs- 
krieg vom Truppenführer Fragen über G^steinsbeschaffen- 
heit;, Möglichkeit von Sprengungen, ob sich das Gestein 
mit der Picke bearbeiten läßt u. dgl. m. gestellt werden, 
über die man sich häufig schon vorher durch Kartenstudien 
orientieren kann. 

A. IL 1. 



Der Stellungskrieg bietet dem KJriegsgeologen ein 
wesentlich größeres Arbeitsfeld. Zwar wird auch hier die 
Wasserbeschaffung für die Truppen der vordersten Linie 
und der rückwärtigen Verbindungen die Hauptaufgabe sein, 
aber es werden auch andere geologische Fragen beantwortet 
werden müssen. Man wird nicht immer mit den vor- 
handenen Wasservorräten auskommen können, sondern neue 
Entnahmestellen erschließen müssen. Als wichtigsten Grund- 



- 171 — 

satz sollte man aber auch hier beachten, daß zunächst stets 
das vorhandene festgestellt und verbessert wird, ehe man 
an die Erschließung neuer Vorräte geht. Eine Verbesserung 
der vorhandenen Wasseranlagen durch Einbau leistungs- 
fähiger Pumpwerke geht stets wesentlich schneller, als 
das Stoßen von Bohrungen oder das Graben von Schacht- 
brunnen, die dann außerdem nocli mit Holz oder Wellblech 
ausgebaut werden müssen. Man sei sich von vornherein 
darüber klar, in welcher Tiefe das Wasser zu erwarten ist. 
Rechnet man mit größeren Tiefen als 6 oder höclistens 
10 m, so wird man stets zu einem Bohrbrunnen raten. Bis 
30 oder 40 m arbeitet das Pionierbohrzeug recht gut. Nur 
sei man auch da vorsichtig in der Annahme des Termins 
der Fertigstellung. Denn alle technischen Neuanlagen 
brauchen Zeit. Gerade beim Stoßen von Bohrlöchern wird 
man mit übermäßigem Drängen auf Beschleunigung der 
Arbeit oft unerwünschte Mißerfolge erleben. Man mache 
den Truppenführer von vornherein darauf aufmerksam, daß 
eine Wasserbohrung keine einfache technische Arbeit ist, 
zumal wenil das zu durchteufende Gebirge unbekannt oder 
gar als schwierig bekannt ist. Fast stets wird mit Tag- 
und Nachtschicht gearbeitet werden müssen. Beleuchtung 
für die Nacht ist rechtzeitig vorzusehen. In nicht zu 
schwierigem Gebirge muß ein Bohrfortscliritt von etwa 6 m 
bis zur Tiefe von 20 m bei 24 stündiger Arbeitszeit gefordert 
werden. Danach wird man mit etwa 3 — 4 m Tägesfortschritt 
bis etwa 40 m rechnen können. Größere Tiefen werden 
auf europäischen Kriegsschauplätzen in der Regel nicht 
notwendig sein. Sollte dieser Fall doch eintreten, so muß 
ein für solche Tiefen eingerichtetes, maschinell angetriebenes 
Bohrzeug von einer leistungsfähigen Bohrfirma angefordert 
werden, dieselbe muß aber eingearbeitetes Personal mit- 
senden. Es gibt manche Gebiete, in denen regional tief- 
liegende Grundwasserhorizonte vorhanden sind, die soviel 
Auftrieb besitzen, daß das Wasser in erreichbare Höhe 
unter der Erdoberfläche nachsteigt oder gar überfließt. 
Solche artesischen Brunnen werden . mit Recht immer als 
großer Erfolg angesehen, doch sorge man beizeiten für 
Abschluß des Bohrlochs, damit man die Geister, die man 
rief, auch in seiner Gewalt behält. Genaues Studium geo- 
logischer Detailkarten ist vor Ansetzen neuer Bohrungen 
durchaus nötig, dazu praktischer Blick und Erfahrung. Wer 
sich viel mit diesen Fragen beschäftigt, wird bald eine 
große Sicherheit im Ansetzen neuer Bohrstellen besitzen, 

12* 



— 172 — 

und die Erfolge werden nicht ausbleiben. Häufig wird der 
KJriegsgeologe auch mit der Wünschelrute zusammen arbeiten 
müssen. Viele höhere Offiziere glauben an dieses Wunder 
insti-ument, und man tut gut, mit seinem vielleicht ab- 
weichenden Urteil zurückzuhalten. Probieren geht auch hier 
über Studieren, und man wird durch aufmerksames Be- 
obachten und Registrieren der auf Ausschlagen der 
Wünschelrute angesetzten Bohrungen vielleicht zur Lösung 
des ganzen Problems beitragen können. Ein bloßes Negieren 
einer zunächst unerklärten Erscheinung ist einer empirischen 
Wissenschaft unwürdig. 

Deckung gegen Fliegersicht und Artilleriefeuer ist bei 
Neuanlagen von Brunnen zu beachten. Truppenanhäufungen 
sind durch Verteilen der Wasserentnahme auf verschiedene 
Stunden^ auch nachts, zu vermeiden. Die Pumpenanlagen 
und das Motorhaus selbst lege man möglichst einige hundert 
Meter entfernt von der Entnahmestelle an, die man gedeckt 
anbringt und zu der man das Wasser durch Rohrleitungen 
hinfühi't. Ganz wird man dem Flieger die Anlagen meist 
nicht verbergen können, da die vielen Zuwegungen stets 
andeuten, wo das Wasser entnommen wird, zumal wenn 
nur wenige Anlagen vorhanden sind. Durch gelegentliches 
Überfliegen der eigenen Anlagen kann man aber häufig 
sehen, wie Abhilfe zu schaffen ist. 

Neben der Wasserbeschaffung wird auf europäischen 
Kriegsschauplätzen auch die Entwässerung wichtig sein. 
Gebiete mit nahem Grundwasser sind aus geologischen 
Karten meist kenntlich. Man warne da vor Anlage tiefer 
Schützengräben und Unterstände. Es läßt sich oft durch 
geringe seitliche Verschiebung der Anlage viel eiTeichen. 
In höher gelegenem Gelände prüfe man, ob nicht durch- 
lässige Schichten in erreichbarer Tiefe unter der Ober- 
fläche liegen, in welche durch Senkschächte die Abwässer 
der Schützengräben abgeleitet werden können. Man ver- 
meidet dadurch das lästige Auspumpen der Schützengräben. 
Die Benutzung von Erdbohrern von 1 — 2 m Länge ist für 
solche Untersuchungen wichtig. Sie sind sowohl für den 
Nachweis nahen Giimdwassers, wie für die Prüfung der 
Gesteinsbeschaffenheit ein wertvolles Hilfsmittel. Es lassen 
sich auch solche Bohrer bis 3 m und 4 m Länge ohne 
Schwierigkeit in nicht zu festem Gebirge verwenden. 

Daneben wird Beschaffung von Kies und Schotter für 
Betonbauten, Straßendämme u. dgl. vielfach verlangt werden. 



— 173 - - 

Der G-eolog'e muß über die Verwendbarkeit der verschie- 
denen Eruptivg^esteine und Sedimente zu diesem Zweck 
vertraut sein, muß auch wissen, welche Arten Kies und 
Sand am geeignetsten zur Mischung mit Zement sind, um 
vor Fehlern warnen zu können. Auch bei Anlage von 
Unterständen für Munitionsdepots wird man seinen Rat 
gebrauchen. Bei größeren Tiefen ist hier zu beachten, 
ob Grund- oder Spaltwasserzutritt zu erwarten steht. 
Man soll auch über die Wirkung der einzelnen Spreng- 
mittel auf die verschiedenen Gresteine (spröde, zähe usw.) 
unterrichtet sein, um gegebenenfalls raten zu können. 
Liegt die Truppe lange Zeit im Stellungskrieg, so nähern 
sich die Aufgaben des Kriegsgeologen denen des Feld- 
geologen im Frieden. Er wird versuchen, alle Vorteile, 
die laus geologischer Kenntnis gezogen werden können, 
der Armee nutzbar zu machen. Man wird dann auch 
an Schaffung von Grundwasserkarten, Karten der Ver- 
breitung von Lehm- und Sandgelände, Felsboden u. dgl. 
gehen; nur sei man sich immer bewußt, daß gelehrtes 
Beiwerk für praktische Zwecke vom Übel ist. Es ist nicht 
nötig, von obermiocänem Meeressand zu sprechen. Die 
Angabe scharfer Quarzsand genügt vollkommen. 

A. IL 2. 



Der Stellungskrieg im Gebirge wird sich auch in der 
Hauptsache mit Wasserversorgungsfragen zu beschäftigen 
haben. Häufig sind gewisse Hänge, die aus durchlässigem 
Gestein gebildet werden, oder ungünstiges Schichtenfallen 
zeigen, ganz wasserarm und dasselbe ist nur durch Trans- 
port heranzuschaffen. Oft sind aber auch Quellhorizonbe 
Aveithin an den Hängen zu verfolgen und können leicht 
erschlossen werden. Gipfellagen oder Kämme sind stets 
ungünstig. Bisweilen kann man durch künstliche Sammel- 
tehälter helfen, da die Niederschläge im Gebirge häufiger 
sind, während die Truppenbesetzung meist schwach ist. 
Bei Wasserversorgung aus Quellen wird es oft nötig sein, 
das Wasser einige hundert Meter abzuleiten, um die Ent- 
nahmestellen der Sicht des Feindes zu entziehen. Auf 
Mitnahme der nötigen Rohre (zweizöUige genügen fast 
stets) lasse man rechtzeitig Bedacht nehmen. Wasser- 
bohrungen werden im Gebirge kaum in Frage kommen. 
•Die Untersuchung der verschiedenen Gesteine für Anlage 
von Unterständen, die Gefahr von Rutschungen bei lehmigen 
und tonigen Hängen wird untersucht werden müssen. Auch 



- 174 — 

auf Gebieten mit häufigem Steinschlag achte man in höheren 
Teilen des Gebirges. 

B. 

Unter primitiven Ländern verstehe ich die Kriegs- 
schauplätze im Südosten Europas, sowie in allen außereuropä- 
ischen Ländern. Wer hier a,Is Kriegsgeolog© Nützliches 
leisten will, muß vor allem ein guter Reiter sein. Man 
muß die Fähigkeit haben, tagelang im Sattel zu sitzen 
und doch arbeitsfreudig zu bleiben. Eine zähe Gesundheit 
ist unbedingt erforderlich. Herren über 45 Jahre, die nie 
im Ausland waren, gewöhnen sich nur noch schwer an 
Schwierigkeiten ausländischer Expeditionen. Bei kriege- 
rischen Unternehmungen in unbekannten Ländern wird 
der Geologe oft der einzige Vertreter der exakten Natur- 
wissenschaften im Stabe des Heerführers sein. Er besorge 
sich daher rechtzeitig auch die nötig© geographische Literatur 
über die einschlägigen Gebiete, um auch in der Beziehung 
Auskunft geben zu können. Daß er sich etwa vorhandenes 
geologisches Material vollständig beschafft, setze ich als 
selbstverständlich voraus. Für Expeditionen nach Übersee 
muß der Kriegsgeologe befähigt sein, kartographisch zu 
arbeiten; zum mindesten sollte er gute Routenaufnahmen 
herstellen können. Die eigentlichen Fachaufgaben gehen 
über die auf europäischen Kriegsschauplätzen oft wesent- 
lich hinaus. Im Vordergrund wird auch hier stets die 
Wasserbeschaffung stehen. Häufig wird eine lange Etappen- 
linie erst mit Wasserstationen ausgebaut werden müssen. 
Es wird dazu auch umfangreicher Erkundungen bedürfen, 
zu denen man bei der Größe der Reisen oft andere Offiziere 
und geeignete Unteroffiziere heranziehen wird. Ein Schema 
der Wasserstellenbeschreibung, das sich für derartige Auf- 
gaben bewährt hat, sei hier wiedergegeböh: 

Wasserstellenbeschreibung. 
Ort: ..-.- 

Art der Wasserstelle: (Quelle, Brunnen, Bohrloch. 
Zisterne, Stauteich, Wasserloch, Grundwasser in einem 
Trockenflußbett) 

Tiefe des Brunnens: (Bohrlochs) bis zum Wasser 
, Wasserstand 



— 175 — 

Fassungsvermögen der Zisterne (des Stauteichs) 

Wasserförderungseinrichtung (Handpumpe, Mo- 
torpumpe usw.) 

Tränkvorrichtung (Länge und Beschaffenheit der 
Tränktröge) 

Ergiebigkeit der Wasserstelle (Schätzen nach der Zahl 
des getränkten Viehs, Befragen der Einwohner) 

Bemerkungen: (Beschaffenheit des Wassers u. a.) 

Man muß auf ' Mitnahme reichlicher Mittel zur Neu- 
erschließung von Bohrbrunnen Bedacht nehmen. Etwa sechs 
gut besetzte und mit Reservematerial wohl ausgerüstete 
Bohrtrupps werden mindestens erforderlich sein, um an 
verschiedenen Stellen gleichzeitig beginnen zu können. Man 
warne beim Ansetzen von Bohrungen vor zu hoch ge- 
spannten Erwartungen. Es gibt in subtropischen Ländern 
mit geringen Niederschlägen weite Gebiete, wo kein Grund- 
wasser vorhanden und wieder andere, wo das vorhandenei 
salzig ist. Oft ist auch unter salzigem Oberflächenwasser 
ein tieferer Horizont mit gutem Wasser vorhanden. Bohr- 
bninnen haben neben ihrer schnelleren Fertigstellung vor 
Schachtbrunnen stets den Vorteil, daß sie hygienisch 
einwandfrei sind. Der Nachteil liegt darin, daß die Pumpen 
sorgfältig bedient werden müssen. Ohne europäisches Auf- 
ßichtspersonal wird man sie niemals lassen können. Zweck- 
mäßig werden die Bohrtrupps dann zu einem Kommando unter 
einem geeigneten technischen Offizier vereinigt, und der 
Kriegsgeologe behält sich nur ,das Ansetzen der Bohr- 
stellen nach dem Befehl -der Truppenführung vor. Wasser- 
hebevorrichtungen wird man möglichst verschieden mit- 
nehmen; Handpumpen für geringere und größere Tiefen, 
Becherpumpen mit Göpelantrieb und vor allem Motor- 
pumpenanlagen für Tiefen bis zu 100 m müssen vorgesehen 
werden. Zerlegbare Bassins zur Wasserspeicherung sind 
notwendig. Auch an Autos für den Transport von Wasser 
muß rechtzeitig gedacht werden. Diese technischen Hilfs- 
mittel kann man im Lande in der Regel nicht erhalten. 
Man ist daher auf den oft lange dauernden Nachschub von 
der Heimat angewiesen. Man achte auch auf die Ein- 



— 176 - 

richtungen der Landesbewohner zur Wasserfördemng-. Oft 
können sie, wenn sie zerstört sind, wieder instandgesetzt 
werden. Die Wassermengen, welche die Truppe benötigt, 
entsprechen etwa den oben angegebenen, doch bedenke 
man, daß in heißen Ländern das Wasserbedürfnis noch 
größer ist. Vielfach sind die Zug- und Eeittiere aber er- 
zogen, daß sie nur einmal am Tage Wasser nehmen. Die 
Mengen, welche auf einmal gebraucht werden, sind dann 
wesentlich größer. Als Anhaltspunkt mag folgende Tabelle 
dienen: 

Menschen täglich mindestens . . 5 1 

Pferde 30 1 V 

Ochsen 40 1 I , . . , . m •• i 

j^ggj 20 1 I emmaligem Tranken 

Kleinvieh 5—8 1 1 - 

Kamele 50 1 bei zweitägigem Tränken 

Lastautos brauchen zur Füllung ihrer Tanks 50 1. Bei 
heißem Wetter ist schon nach fünf Stunden = 50 km Fahrt 
Neufüllung erforderlich. 

Bei der Berechnung des Wasserquantums vergesse man 
nicht, daß primitive Völker weniger Disziplin besitzen als 
deutsche -Soldaten, und daß bei Wassermangel viel leichter 
Panik eintritt, als in einem disziplinierten Heer. Der 
Mohammedaner geht von seinen religiösen Waschungen nur 
sehr ungern ab. Zubereitung von Speisen, z. B. von Reis, 
erfordert größere Wassermengen. Mit einem Tagesbedarf 
von 2 1 pro KJopf kann man nur bei einer sehr gut 
trainierten Truppe auskommen. Dabei müssen dann noch 
Speisen mitgenommen werden, die kein Wasser zur Zu- 
bereitung erfordern. Wir haben afrikanische Expeditionen 
von mehreren Wochen mit diesem Quantum durchgeführt. 
Die Beschaffung von Wasser wird häufig durch Transporte 
nach den Stellen, wo keins vorhanden ist und nicht er- 
schlossen werden kann, ergänzt werden müssen. Am 
schnellsten geht derselbe mit Wasserautos, wenn dieselben 
fahren können. Sonst werden Fässer oder Schläuche auf 
Packtieren verwandt. Die* Gewohnheiten der Landes- 
einwohner geben da oft wertvolle Anhaltspunkte. Nur ver- 
gesse man nicht, daß eine Armee ganz andere Wasser- 
mengen benötigt, als eine kleine Friedenskarawane. Ein 
genaues Durchrechnen des gesamten Wasserbedarfs der 
Tlnppe ist bei Wüstenexpeditionen die Grundbedingung des 
Gelingens. Hier wird der Geologe zum wichtigsten Berater 
des Führers. 



- m — 

Auch in primitiven Ländern kann es zum Stellungskrieg 
kommen, wie die Erfalirungen des Weltkrieges gezeigt 
haben. Für diese gilt dann sinngemäß das oben Gesagte. 
Der Greologe wird in solchen Fällen zweckmäßig, eine 
Wasserkarte für das betreffende Gelände fertigen. Häufiger 
als in Europa wird die Frage nach Beschaffung von Kalk 
zum Brennen, Schottermaterial für Wege, Baumaterialien- 
prüfung, Brennstoff beschaffung an den Geologen heran- 
treten. Er ist dabei mehr als iii aufgeschlossenen Ländern 
auf seine eigene Erfahrung angewiesen, da Steinbrüche, 
Kalkbrüche und Kiesgruben oft erst neu angelegt werden 
müssen. Wahl eines günstigen Zufuhr- und Abfuhrweges 
ist ein wichtiges Erfordernis. 

Die Hilfsmittel, welche der Kriegsgeologe ins Feld 
nimmt, sollen einfach sein. Zur Feldausrüstung gehören 
ein guter Kompaß, eine gute Taschenuhr für Routen- 
aufnahmen, ein Hammer, Salzsäureflasche zm^ Prüfung des 
fealkgehalts, Kandbohrer. Dazu das nötige Kartenmaterial, 
sowie Zeichenstifte und Zeichenpapier. Wenn der Geologe 
in qualitativer Wasseruntersuchung bewandert ist, wird sich 
die Mitnahme eines Reagenskastens empfehlen. Doch können 
die Untersuchungen meist durch den Korpsstabsapotheker 
oder eine Hilfskraft im Lazarett ausgeführt werden. 

Die vorstehenden: Ausführungen sind das Ergebnis einer 
mehr als vierjährigen Kriegstätigkeit, der ein achtjähriger 
Aufenthalt in den afrikanischen deutschen Kolonien voran- 
ging. Sie können naturgemäß nur Anhaltspunkte geben, 
und wenn sie zu weiteren Diskussionen Veranlassung bieten, 
ist ihr Zweck erfüllt. 



14. Die Glassande von Hohenbocka und ihre 
Stellung im Miocän der Lausitz. 

Von Herrn K. KbilhaCk. 

Berlin- Wilmersdorf, den 5. November 1919. 

Im Kreuzungspunkt der Eisenbahnen Falkenberg — Kohlfurt 
und Lübbenau — Kamenz liegt die Station Hohenbocka. Das 
gleichnamige Dorf mit seiner Gemarkung bildet den Mittel- 
punkt einer Industrie, die den Namen des kleinen Lausitzer 



— 178 — 

Dörfchens weithin bekannt gemacht hat. Hier wird nämlich 
in einer ganzen Anzahl, von Gruben ein schneeweißer, zucker- 
körniger, äußerst gleichmäßig gekörnter, glimmerfreier und 
nahezu ganz aus Quarz bestehender Sand gewonnen, der 
für die Herstellung völlig farbloser Gläser verwendet and zu 
diesem Zweck weithin nach Rußland, Polen, Ungarn und 
selbst über das Meer nach Nordamerika versandt wird. 
Sein Hauptwert liegt in der fast völligen Abwesenheit von 
Eisen Verbindungen. Die Glassandgruben beginnen am süd- 
westlichen Abhang des Koschenbergs, jener aus Kulm- 
grauwacke, Granit und Diabas aufgebauten Kuppe im süd- 
lichsten Teil der Provinz Brandenburg, und ziehen sich von 
dort in einem schmalen Streifen auf die obengenannte Bahn- 
kreuzung zu, in deren vier Quadranten je eine Glassand- 
grube sich befindet. Aufe der südwestlichen Richtung 
schwenkt der Glassandzug hier um nach WSW und läßt 
sich in dieser Richtung bis zum Dorf Guteborn verfolgen, 
so daß sich eine Gesamtlänge von 12 km ergibt. In diesem 
Teil des Zuges, in dem nur noch eine größere Glassand- 
grube liegt, wird seine Verfolgung erleichtert durch den 
Umstand, daß der Glassand vielfach durch ein kieseliges 
Bindemittel zu einem nicht sehr festen Quarzsandstein ver- 
kittet ist, der in kleinen Kuppen im Walde an die Ober- 
fläche tritt und an manchen Stellen sogar klippenartig dem 
Boden entragt. In früheren Zeiten ist auf diesen Sand- 
steinen, die sich von den Knollensteinen der Halleschen 
Braunkohlenformation stark unterscheiden, sogar ein Stein- 
bruchbetrieb von allerdings nur örtlicher Bedeutung um- 
gegangen. 

In allen älteren Aufschlüssen lagerte über dem Glas- 
sand unmittelbar Diluvium, und zwar ein wahrscheinlich 
der ersten * Eiszeit angehörender, völlig entkalkter Ge- 
schiebelehm und über diesem Sande und Kiese mit Ge- 
rollen von überwiegend südlicher Herkunft. Sein Liegendes 
war nicht bekannt und seine stratigraphische Stellung im 
Niederlausitzer Miocän deshalb völlig unsicher. Erst in neuerer 
Zeit hat der Fortschritt der Aufschließung der Lausitzer 
Braunkohlen durch Bohrungen und Tagebau und die Ver- 
folgung des Glassandes durch neue Aufschlüsse und Er- 
weiterung der alten quer zum Streichen Klarheit über diese 
Fragen gebracht. 

Sieht man von örtlichen Abweichungen ab, so gliedert 
sich das Niederlausitzer Miocän in folgender Weise: 



179 



Diluvium 




0,5 m heller Ton 




3 m weißer und gelber Quarzkies 




1 m weißer massiger Ton 




1 m violetter Schieferton mit Blatt- 




abdrücken 
1,5 m weißer Sand 


> 3. Abschnitt 


bis 10 m weißer, massiger Flaschenton 




bis 15 m grober weißer Sand und Kies 




bis 1 m dunkler Kohlenletten 


« 


bis 22 m Braunkohle (Oberflöz) 




bis 5 m Kohlenletten 

20 m weißer feiner Glimmersand 


■ 2. Abschnitt 


35 m dunkler, feiner Glimmersand 




bis 13 m Braunkohle (Unterflöz) 




30 m grauer Glimmersand 




10 m Kohlenletten 


> 1. Abschnitt 


10,5 m grauer Glimmersand 




bis 62 m weißer Kaolin-Sand 





Kulm 

Die Gesamtmächtigkeit des Miocäns beträgt also etwa 
240 m, von denen 95 m auf feine Glimmersande und 
62 m auf Kaolinsande entfallen. In dieser, auf den Auf- 
bau des Muldentiefsten sich beziehenden Schichtenfolge findet 
sich nur ein Glied, welches mit dem Glassand verglichen 
werden kann: der weiße Kaolinsand, der beim Abschlämmen 
des Kaolins einen dem Glassand völlig gleichenden Quarz- 
sand hinterläßt. Wenn sie gleichen Alters sind, so stellen 
sie Faziesbildungen eines und desselben Abschnittes des 
ältesten Miocäns der Lausitz dar. 

Daß der Glassand in das Liegende der älteren Braun- 
kohle obigen Profils gehört, ist durch neuere Aufschlüsse 
in den Glassandgruben bewiesen, bei deren Erweiterung 
nach Osten hin zwischen Diluvium und Glassand sich ein- 
schaltende Braunkohle angetroffen wurde, die nach Osten 
hin schnell an Mächtigkeit zunimmt und bei der jetzigen 
Kohlenknappheit auf Rohkohle ausgebeutet wird. Die neuen 
Aufschlüsse haben bereits 5 m Kohlenmächtigkeit ergeben. 
Nach Lage der Dinge kann es sich nur um das Unterflöz 
obigen Profils handeln. Das wird bewiesen durch die Auf- 
schlüsse des neuen Tagebaues „Erika" der Ilse-Bergbau-A.-G., 
in welchem unter dem Flöz graue, an kolloidalem Bitumen 



— 180 - 

reiche Glimmersande lagern, die in ihrem obersten Teil, 
bis zu 1 bis 2 m Tiefe, glassandartig entwickelt, d. h. frei 
von Glimmer sind. Ein weiterer Beweis für die Zugehörig- 
keit des Glassandes zum ältesten Teil des Miocäns ist die 
Erbohrung v^on weißen Quarzsanden mit Quarzsandstein- 
einlagerungen an der Basis des Miocäns in der Forst Grün- 
haus nordwestlich von Hohenbocka und durch die Ver- 
knüpfung von Kaolintonen mit Glassanden in neu aufge- 
schlossenen Gruben 3 km südöstlich von Hohenbocka bei 
Leippe. In jenem Gebiete ist das sonst leidlich eben la- 
gernde Miocän in eine Anzahl enger Falten gelegt, in 
deren Sattelaxen der Glassand an die Oberfläche tritt, 
während fette Kaolintone mit über 30 o/o Alo O3 sich seit- 
lich anlegen. 

Für das Verständnis der Entstehung der Glassande 
und ihrer Verbreitung ist es wichtig, ihre Lagerungsbezie- 
hungen zu dem altern Gebirgsuntergrunde zu beachten. Sie 
treten nämlich nur in einem Zuge auf, der mit dem Zutage- 
treten altern festen Gebirges in Zusammenhang steht. 

Die Glassandgruben bei Hosena lehnen sich unmittel- 
bar an den Koschenberg an. Die Tagebaue der Grube 
„Erika" liegen nur 2 km nördlich von den Erhebungen des 
Kulms und Granits bei Schwarzkollm. In der Gegend 
des "Westendes des Glassandzuges bei Guteborn ist älteres 
Gebirge in mehreren Bohrungen in geringer Tiefe ange- 
troffen worden. Die Glassande sind also an eine Schwelle 
älterer Gesteine gebunden, die von der nächsten nach 
Süden folgenden Zone gleicher Gesteine im Bundesstaat 
Sachsen zwischen Wittichenau und Kamenz durch eine tiefe, 
wieder mächtige Braunkohlenflöze führende Senke ge- 
trennt wird, in welcher die Schichten der Tertiärformation 
wieder über 100 m Mächtigkeit erreichen. 

Danach sind die Glassande als Uferbildungen aufzufassen 
im Randgebiete eines ausgedehnten Binnensees, in dessen tie- 
feren Teilen dieselben Sande, zusammen mit den von Süden her 
aus den sächsischen Granitgebieten herbeigeführten Kaolin- 
massen zur Ablagerung gelangten. Unzw^eifelhaft hat auch 
der Wind bei der Auslese der vollkommen gleichmäßigen 
Quarzkörner und bei der Abtrennung der Glimmerblättchen 
eine Rolle gespielt. 

Die erdgeschichtüche Entwicklung des Lausitzer Mi- 
ocäns spielte sich demnach in folgender Weise ab: 

Ein weites Süßwasserbecken von etwa 75 — 100 km ost- 
westlicher Länge und mindestens 50 km nordsüdlicher Breite 



- 181 — 

wurde durch südliche, aus dem sächsischen Granitgebiete 
kommende Flüsse in seinen dem Südrande genäherten Becken- 
teilen mit einem iGemenge von feinen Quarzsanden und 
Kaolin ausgefüllt. In den Uferzonen wurden unter Mit- 
wirkung des Windes daraus die Glassande ausgesondert. 
Als die Kaolinzufuhr aufhörte erfolgte die weitere Aus- 
füllung des Beckens durch feine Glimmersande, mit denen 
zusammen große Mengen von kolloidalen bituminösen 
Stoffen vielleicht faulschlammartiger Entstehung abgelagert 
wurden. Nach völliger Zuschüttung des Seebeckens siedelte 
sich ein erstes, 50 — 100 Quadratmeilen großes Waldmoor 
an, aus welchem das Unterflöz hervorging. Damit schloß 
der erste Zyklus der Entwicklung. 

Eine Senkung im Betrage von etwa 60 m schloß die 
Torf- bzw. Braunkohlenbildung ab und leitete einen neuen 
Zyklus ein, der mit Absatz von Kohlenletten begann, aber 
sehr bald wieder mit den vorerst dunklen, dann bitumenfreien 
hellen Glimmersanden so lange fortfuhr, bis auch dieses, 
erheblich kleinere, aber immer noch 40 — 50 km lange und 
etwa 30 km breite Becken völlig ausgefüllt war. Eine 
zweite, gegenüber der ersten keinerlei Unterschiede zeigende 
Waldmoorvegetation erzeugte das erheblich mächtigere 
Oberflöz, mit welchem der zweite Zyklus a*bschloß. 

Der nun folgende dritte und letzte Zyklus spielte sicii 
nicht in einem tiefen Seebecken ab, sondern in einem 
flachen, von Flüssen durchströmten Gebiete, deren Strömung 
beträchtlich genug war, grobe Sande und feine Kiese zu 
befördern. In den regelmäßig überschwemmten und durch 
die tonige Trübe der Gewässer ständig aufgehöhlten Teilen 
der Flußniederungen entstanden nach Art unserer Marschen- 
schlicke — aber ohne Salzwassermitwirkung — die massigen 
weißen Flaschentone, in dauernd unter Wasser stehenden 
Altwässern der Flüsse oder in flachen Seen die feinge- 
schichteten Schiefertone, in denen uns der Pflanzenreichtuni 
des Lausitzer Miocäns in prächtiger Weise überliefert ist. 
Da diese pflanzenführenden Tone zu den allerjüngsten Bil- 
dungen des Miocäns gehören, sind sie an den meisten Stellen 
der phocänen Erosion oder der glazialen Zerstörung an- 
heimgefallen und heute nur noch an einer Stelle, bei der 
Ziegelei Wischgrund auf Meßtischblatt Kl.-Leipisch, zu be- 
obachten. 



— 182 — 

15. Die Tübinger geologisch-paläontologische 
Universitäts-Sammlung. 

Von Herrn E. Hennig. 

Tübingen, den 28. Oktober 1919. 

In dieser Zeitsclirift, Bd. 71, 1919, Monatsber. 1 — 4, 
S. 47 U., hat Herr Steomer von Reichenbach als Para- 
digma einer Sammlungsanordnung, wie sie nicht sein soll, 
die Tübinger Sammlung, im „stärksten Gregensatz" zu einer 
— ausländischen gewählt. Er hat aber nicht beachtet, wann 
und unter welchen Umständen er einen so ungünstigen 
Eindruck von ihr erhielt. Sein letzter Besuch fand nach 
eigener Angabe während des Krieges statt. 

In dieser Zeit wurde das Dachgeschoß des Instituts 
völlig neu ausgebaut, einmal, um das neugeschaffene 
Mineralogische Institut aufzunehmen, sodann um neue 
hell© und geräumige Schausäle für die 
geo lo gisc h- p aläb n to lo gis c he Sammlung zu 
schaffen. Daß in solcher Übergangszeit unter den er- 
schwerenden Verhältnissen der Zeit nicht die wünschens- 
werte Ordnung gewahrt werden kann, liegt auf der Hand, 
und es ist übereilt, einen dadurch bedingten Eindruck vor 
breitester Öffentlichkeit zeitlich zu verallgemeinern. 

Einen wesentlichen Teil der Wünsche, die Herr 
Stkomee für die Verwaltung der Universitäts-Sammlungen 
zu erkennen gibt, hätte er schon vor Veröffentlichung 
der betreffenden Anregungen in Tübingen verwirklicht, 
weiteres eingeleitet oder vorbereitet finden können (siehe 
Jahresbericht des Instituts in den Jahresh. d. Ver. f. vaterl. 
Naturk. in Württemberg, 1919). Die Möglichkeit zu der 
seither in Angriff genommenen völligen Neu- Ordnung und 
-Aufstellung der Sammlungen hat aber lediglich die ange- 
deutete tatkräftige Vorsorge meines Herrn Amtsviorgängers 
für die räumlichen Vorbedingungen eines solchen Unter- 
nehmens gewährt. In seinem Interesse und in Wahrung 
des Rufs der Sammlungen eines Quenstedt und Koken 
sehe ich mich zu diesem Hinweise genötigt. 



183 — 



Preisausschreiben. 



Straß bürg i. E., den 15. Dezember 1917. 

An 
den Vorstand der Deutschen Geologischen Gesellschaft. 

Infolge der sehr reichlichen Bezahlung', die ich- als 
Kriegsgeologe erhalte, war ich in der Lage, trotz der 
Teuerung während des Krieges davon zurückzulegen. Es 
erscheint mir nun nicht recht, daß ich einen solchen Ver- 
mögenszuwachs zu einer Zeit erziele, in der Tausende 
meiner Mitbürger bittere Not leiden und viele meiner Fach- 
genossen, als G-emeine dienend, harte Beschwerden und 
ernste Gefährdungen erdulden und von ihrem Vermögen 
zusetzen müssen. Ich halte mich deshalb für verpflichtet, 
den ,, Kriegsgewinn", so unbedeutend er andern gegenüber 
sein mag, einem gemeinnützigen Zweck zukommen zu 
lassen. Es liegt mir dabei selbstverständlich am näclisten, 
mein Spezialfach, Paläozoologie, das durch den Krieg und 
die ihm sicher folgende Not schwer geschädigt erscheint, 
fördern zu helfen. 

Ich bitte den Vorstand der Deutschen Geologischen 
Gesellschaft, diese Absicht dadurch zu unterstützen, daß 
er folgende Stiftung annimmt: 

Ich bestimme 

1200 M., mit Worten: Eintausendzweihundert Mark 

zur Aussetzung von Preisen für Arbeiten über chemische 
Präparationsmethoden von Fossilien. 

Besonders soll die natürliche Verkieselung 
und auch die Herauswitterung tierischer 
Fossilien studiert und experimentell nach- 
zuahmen versucht werden, denn verkieselte 
Fossilien lassen sich aus Kalksteinen und Dolomiten mit 
Hilfe verdünnter Säuren leicht gewinnen, und sehr häufig 



— 184 — 

wittern aus dem Gestein Fossilien prächtig heraus, wäh- 
rend unsere bisherigen Methoden chemischer und mechani- 
scher Präparation sie nur höchst unvollkommen gewinnen 
lassen. Als Anhang sind die bisher ange- 
wandten chemischen Präparationsmethoden 
überhaupt mit einschlägiger Literatur zu besprechen. 

Bewerber müssen Eeichs deutsche oder Deutsch- 
österreicher sein, brauchen aber nicht Mitglieder der 
Deutschen Geologischen Gesellschaft zu sein. Sie haben 
ihre deutsch geschriebene Arbeit druckfertig und mit Stich- 
wort versehen, unter Beifügung von Namen und Anschrift 
in verschlossenem Briefumschlag, spätestens zwei Jahre 
nach Erscheinen des ersten Preisausschreibens dem Preis- 
richterkollegium einzusenden. 

Dieses besteht aus drei Hochschullehrern, welche von 
dem Vorstand der Deutschen Geologischen Gesellschaft 
ausgewählt und um ehrenamtliche Übernahme ihrer Auf- 
gabe ersucht werden. Sie prüfen innerhalb eines halben 
Jahres die eingelaufenen Arbeiten und können entweder 
einen Preis zu 1100 M. oder zwei zu 700 und 400 M. 
oder idrei zu 620, 330 und 150 M. verLeihen. Die Preise 
erhöhen sich entsprechend um die Zinsen, welche das 
Kapital von der Einzahlung an nach Annahme durch die 
Deutsche Geologische Gesellschaft trägt. Um die Zinsen 
möglichst hoch belaufen zu lassen, emp'fiehlt sich die An- 
lage in Kriegsanleihe. Sollte kein Preis zuerkannt werden 
können, iso ist eine entsprechende Neuausschreibung nötig. 

Das Preisausschreiben erfolgt möglichst bald nach end- 
gültigem Friedensschluß in der Zeitscliiift der Deutschen 
Geologischen Gesellschaft oder in deren „Monatsberichten", 
sowie im „Oentralblatt für Mineralogie usw.", ebenda auch 
das Ergebnis des Preisrichterspruchs. Zur Deckung der 
daraus und sonst entstehenden Kosten dienen 100 M. 

Die preisgekrönten Arbeiten sind Eigentum der Deut- 
schen Geologischen Gesellschaft und werden von ihr in 
ihrer Zeitschrift veröffentlicht, in der Form, daß womög- 
lich die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit voll- 
ständig, die andern nur, soweit sie diese ergänzen und 
berichtigen, mit Nennung der Autorschaft im Druck ei'- 
scheinen. 

a.-o. Prof. Dr. Ernst Frhr. Stromer 
von Reichenbach 

Kriegsgeologe. 



— 185 



Berlin, den 1. Dezember 1919. 

N4. Invalidenstr. 44. 

Vorstehendes Preisausschreiben wird hiermit veröffent- 
licht. Als Tag- der Veröffentlichung ist der 1. Januar 1920 
anzusehen, die Arbeiten müssen also in der von Herrn 
Steombe von Reichenbagh vorgeschriebenen Form bis 
zum 31. Dezember 1921 in Händen des Vorsitzenden der 
Gesellschaft sein. Mit Rücksicht auf die gewährte Frist 
von zwei Jahren können die erforderlichen Preisrichter jetzt 
noch nicht ernannt werden. Ihre Namen werden aber vor 
Schluß des Preisausschreibens, und zwar spätestens in der 
Hauptversammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft 
im Jahre 1921 bekanntgegeben. 

Die Bekanntgabe des Ausschreibens erfolgte bereits 
durch eine allen Mitgliedern der Gesellschaft zugestellte Be- 
nachrichtigung, sowie im „Centralblatt für Mineralogie, Geo- 
logie und Paläontologie". In der Benachrichtigung 
ist infolge eines Druckfehlers als Schluß- 
termin für die Einreichung der Arbeiten 
der 31. Dezember 1922 angegeben. Nach den 
Bestimmungen des Stifters kommt jedoch 
nur der 31. Dezember 1921 in Frage. 

Der Vorstand 
der Deutschen Geologischen Gesellschaft. 

K. Keilhack R. Bärtling 

Vorsitzender Schriftführer 



13 



186 — 



Neueingänge der Bibliothek. 

Ahlbukg, J. : Über die Eisenerze und Eisenmanganerze des 
■ Lahngebietes und ihre Beziehungen zu Eruptivgesteinen. 
S.-A. aus: Zeitschr. f. prakt. Geologie, H. 2 u. 3, 1917. 
Berlin 1917. 

— Die nutzbaren Bodenschätze des Lahngebietes als Grund- 
lage des Lahnkanals. Vortrag, gehalten in der 10. ordentl. 
Hauptversammlung des Lahnkanalvereins e. V. am 29. Juni 

: 1918 zu Bad Ems. Wetzlar 1918. 

Bekg, G. : Die Beziehungen der primären Gangmineralien zu 

emander und zu den Eruptivgesteinen. S.-A. aus : Zeitschr. 

• f. prakt. Geologie, Jahrg. 27, 1919, H. 7 u. 8. Halle 1919. 

Böen, A. : Zur Organisation der Trilobiten. I. Das Kopfschild 

von Chasmops Odini EiChw. S.-A. aus: Senekenbergiana, 

Bd. I, Nr. 5. Frankfurt a. M. 1919. 

— Über Mittelsilur. S.-A. w. v , Bd. I, Nr. 2. Frankfurt a. M. 
1919. 

Beandt, B. : Beobachtungen und Studien über die Siedlungen in 
Weißrußland. Beiträge zur polnischen Landeskunde der 
Landeskundlichen Kommission beim Generalgouvernement 
Warschau, Eeihe C, Nr. 30. S -A. aus : Zeitschr. d. Ges. f. 
Erdkunde, Jahrg. 1918, Nr. 7/8, u. 1919, Nr. 1/2. Berlin 1919. 

DoEN, C. : Über die geologischen Verhältnisse der Quellhorizonte 
in der Wiesentalb (Oberfranken). S.-A. aus: Sitzungsber. d. 
physikal.-medizin. Sozietät in Erlangen. Bd. 5Ö/51 (1918/19). 
Erlangen 1919. 

Heideeich, Fr. : Die Erde. Eine allgemeine Erd- und Länder- 
■ künde. 2. Aufl. 1. Teil: Allgemeine Erdkunde. A. Hart- 
lebens Verlag. Wien 1919. 

Jawoeski, E. : Die systematische und stratigraphische Stellung 
von Torlessia Machayi Bath (Terebellina) von Neuseeland. 
S.-A. aus: Zentralbl. Min., Jahrg. 1915, Nr. 16. Stuttgart 1915. 

— Beiträge zur Kenntnis des Jura in Südamerika. Teil II. 
Spezieller paläontologischer Teil. S.-A. aus: Neues Jahrb. Min., 
Beilage. Bd. 40. Stuttgart 1915. 

— Der geologische Aufbau des nordwestlichen Afrika. S.-A. aus : 
Geolog. Rundschau, Bd. V, H. 4. Leipzig-Berlin 1914. 

Jentzsch, A. : Über die nördliche Fortsetzung der oberschlesischen 
Keupertafel. S.-A. aus: Jahrb. d. Preuß. Geolog. Landes- 
anstalt f. 1918, Bd. 39, T. I, H. 1. Berlin 1919. 

— Über Phosphatvorkommen in Westpreußen. S.-A. w. v. 
Kaunhowen, f.: Über russische Phosphorite. S.-A. aus: Zeitschr. 

f. prakt. Geologie, Jahrg. XXVII, 1919, H. 5 u. 6. Berlin 1919. 

Koch, G. A. : Deutschösterreichische Naturschätze. S.-A. aus : 
„Volkszeitung", 64. Jahrg. v. ,25. 12. 18, Wien, u. Zeitschr. 
des Internationalen Vereins der Bohringenieure u. Bohr- 
techniker von Hans Ueban. XXVI. Jahrg., Nr. Afh. Wien 1919. 

Keanz, W. : Die Geologie in der Kriegsliteratur bei Beschaffung 
von Rohstoffen des Bodens und Wasserversorgung für Truppen. 
S.-A. aus : Deutsche Naturwissenschaft, Technik und Erfin- 
dung im Weltkriege, herausgegeben von Prof. Dr. Bastian 
SCHMiD, München. München-Leipzig 1919. 



— 187 — 

Kranz, W.: Zur Sozialisierung der Wasserversorgung, des Grund- 
wassers und der Quellen. Naturwissenschaft!. Wochenschrift, 
N. F.XVIII, Nr. 22. Berlin 1919. 

Keusch, P. : Die Ausdehnung und Tektonik der nordwestdeutschen 
Steinkohlengebiete. S.-A. aus : Diese Zeitschrift Bd. 70, 
Monatsber. 8/12. 1918. Berlin 1918. 

Untersuchung der Bauxitvorkommen von Remeoz in gene- 
tischer Beziehung. S.-A. aus": W. v., Monatsber. 1/4. Berlin 
1918. 

— Die Verteilung der Metallgehalte (Kupfer, Silber, Molybdän 
und Vanadin) im Richelsdorfer Kupferschiefer, ein Beitrag 
zur Genesis des Flözes. S.-A. aus : Zeitschr. f. prakt. Geo- 
logie, Jahrg. 27, H. 5. Berlin 1919. 

Meybb, H. L. f. : Hilfsmittel bei Benutzung geologischer Karten. 
S.-A. aus: Zentralbl. Min., Jahrg. 1917, H. 1. Stuttgart 1917. 

— -HARRASsowrrz, H. L F.: Die Blockfelder im östlichen Vogels- 
berg. S.-A. aus: Berichte über die Versammlungen d. Nieder- 
rhein, geolog. Vereins 1916. Bonn 1918. 

Hareassowitz, H. L. F. : Eocäne Schildkröten von Messel bei 

.Darmstadt. S.-A. aus: Zentralbl. Min., Jahrg. 1919, Nr. 9 u. 

10. Stuttgart 1919. 

— • Die Klimate und ihre geologische Bedeutung. S.-A. aus: 

Bericht der Oberhess. Gesellsch. f. Natur- und Heilkunde zu 

Gießen, N. F., Naturw. Abt., Bd. 7 (1916—1919). Gießen 1919. 

Mohr, H. : Ist das "VVechselfenster ostalpin? Graz 1919. 

— Der Veitscher Magnesittypus im Ural. S.-A. aus: Montanisti- 
sche Rundschau, Jahrg. 1919, Nr. 1. Wien 1919. 

Naumann, E. : Einige Bemerkungen über die Stellung des Jenaer 
Saurierkalkes im Profil und zur Abgrenzung des Alittleren 
Muschelkalkes in Thüringen. S.-A. aus: Jahrbuch der Preuß. 
Geologischen Landesanstalt für 1917, Bd. 38, T. I, H. 2. 
Berlin 1918. 

— Ein Aufschluß in der Finnestörung bei Rastenburg. ^.-A, 
w. V. 

Oppenheim, P. : Über die Erhaltung der Färbung bei fossilen 
Molluskenschalen. S.-A. aus: Centralbl. für Min. etc. 1918: 
Nr. 21 u. 22. Stuttgart 1918. 

Pannekoek van Rheden, J. J. : Über die Halbinsel Sanggar. 
Insel Soembawa (Niederländisch Ost-Indien). S.-A. aus: Zeit- 
schrift für Vulkanologie, Bd. IV. Berlin. 

Peaesent, H. : Kriegsmäßige Volkszählungen im Generalgouverne- 
ment Warschau und die Bevölkerungszahl in Kongreßpolen. 
S.-A. aus : Jahrbücher für Nationalükonomie und Statistik, 
Bd. 113, Folge III, Bd. 58, 1919. Jena 1919. 

Richter, R. : Aus der Eifelkalkmulde von Prüm. S.-A. aus : 
Sitzungsberichte d. Naturhist. Vereins d. preuß. Rheinlande 
und Westfalen. Bonn 1919. 

- Beiträge zur Kenntnis devonischer Trilobiten aus dem rhei- 
nischen Schiefergebirge. Vorbericht zu einer Monographie 
der Trilobiten der Eifel. Diss. Marburg 1909. 

- Beiträge zur Kenntnis devonischer Trilobiten. 1. Beitrag: 
Die Gattung Dechenella und einige verwandte Formen. S.-A. 
aus: Abhandl. d. Senckenbergischen Naturforsch. Ges., Bd. 31, 
Frankfurt a. M. 1912. 

13* 



— 188 — 

Richter, R.: Beitraj^e zur Kenntnis devouischer^Trilobiten. 2. Beitrag: 
Oberdevonlsche Proctiden. S.-A. w. v. Frankfurt a. M, 1913. 

— Das Übergreifen der pelagischen Trilobitengatlungen Tropido- 
coryphe und Thysanopeltis in (Jas normale rhein. Mitteldevon 
der Eifel (und Belgiens). S.-A. aus: Zentralbl. Min. Stutt- 
gart 1914. 

— Über das Hypostom und einige Arten der Gattung Cyphaspis. 
S.-A. w. V. Stuttgart 1914. 

— Neue Beobachtungen über den Bau der Trilobitengattung 
Harpes. S.-A. aus : Zoologischer Anzeiger, Bd. 45. Leipzig 
1914. 

— Von unseren Trilobiten. S.-A. aus: 45. Bericht d. Sencken- 
bergischen Naturforsch. Ges., Sonderheft 1914. Frankfurt 
a. M. 1914. 

— Eigenartige Ausbildung eines ,, Strudeltopfs'" durch schaukelnde 
, Keibsteine. S.-A. aus : Zentralbl. Min. Stuttgart 1915. 

' — Zur stratigiaphischen Beurteilung von Calceola (Calceola 
sandalina Lam. n. mut. lata und alia). S.-A. aus: Neues 
Jahrb. Min. Stuttgart 1916. 

— Die Entstehung der abgerollten Daleider-Versteinerungen und 
das Alter ihrer Mutterschichten. S.-A. aus : Jahrb. d. preuB. 
Geolog. Landesanstalt f. 1916, Bd. 37, I. Berlin 1916. 

— Zur Stratigraphie und Tektonik der üsling-Eifelmulde. I. über 
den Muldenabschnitt südlich der Schneifei. S.-A. aus: Zen- 
tralbl. Min. Stuttgart 1919. 

— u. E. : Bemerkungen über das Schnauzenschild (Scutum ro- 
strale) bei Homalonoten. S.-A. w. v. Stuttgart 1917. 

— Die Lichadiden des Eifler Devons. S.-A. aus : Neues Jahrb. 
Min. Stuttgart 1917. 

— Über die Einteilung der Familie Acidaspidae und über einige 
ihrer devonischen Vertreter. S.-A. : aus : Zentralbl. Min. 
Stuttgart 1917. 

— Neue Proetus-Arten aus dem Eifler Mitteldevon. S.-A. w. v. 
Stuttgart 1918. 

— R. u, E. : Paläontologische Beobachtungen im rheinischen 
Devon. I. Über einzelne Arten von Äcidaspis, Lichas, Chei- 
rurus, Aristozoe, Prosocoelus, Terebratula und Spirophyton 
aus der Eifel. S.-A. aus: Jahrbücher d. Nassauischen Vereins 
f. Naturkunde, 70. Jahrg., 1917. Wiesbaden 1918. 

— Von unseren Trilobiten. II. Eine überraschende Trilobiten- 
fauna aus dem Eifler Devon. S.-A. aus : 47. Bericht d. Sencken- 
bergischen Naturforsch. Ges. Frankfurt a. M. 1918. Er- 
schienen 1919. 

— Der Proetidenzweig Astycoryphe — Tropidocoryphe — Ptero- 
paria, mit 18 Abb. S.-A. aus: Senckenbergiana, Bd. I, Nr. 1 
u. 2. Frankfurt a. M. 1919. 

— ■ Von unseren Trilobiten. II. S.-A. aus : 47. Bericht d. Sencken- 
bergischen Naturforsch. Ges. 1918. Frankfurt a. M. 1918. 

ScHWEETSCHLAGER, J. : Die lithograi^hischen Plattenkalke des 
obersten "Weißjura in Bayern. Mit 20 Abbildungen. Verlag 
Natur und Kultur, München. München 1919. 

Stille, H.: Über Haiiptformen der Orogeness und ihre Verknüpfung 
S.-A. aus: Nachrichten von der K. Gesellsch. der Wissen- 
schaften zu Göttingen. Mathem.-physikal. Klasse 1918. 

— Alte und junge Saumtiefen. S.-A. w. v. 



— J89 — 

Steomeb, E. : Der Rhein, Deutschlands Strom, aber nicht Deutach- 
lands Grenze. Nürnberg 1919. 

Tobleb, A. : Notiz über einige Formaniferen führende Gesteine 
von der Halbinsel Sahggar (Soembawa). S.-A. aus: Zeit- 
schrift für Vulkanologie 1918, Bd. IV. Berlin. 

Tbauth, f. ; Über einige Krustazeenreste aus der alpin-niedi- 
terranen Trias. S.-A. aus : Annalen des naturhistorischen 
Hofmuseums, Bd. 32. Wien 1918. 

Vatee, H. : Die Beschreibung des Standortes als Grundlage zur 
Beurteilung seines Einflusses auf den Pflanzenwuchs. S.-A. 
aus: Internat. Mitt. f. Bodenk., H. 4—6, 1916. Berlin 1916. 

Veesluys, J. : Verslag der Excursie van het Geologisch Mijn- 
bouwkundig Genootschap voor Nederland en Kobnien naar 
de venen van Drente en de fosfaatgroeven bij Ootmarsum 
op 1, 2 en 3 Mei 1919. 

— Voor de Praktijk der Hydrologie. S.-A. aus: Water, Nr. 10, 
April 1919. 

Walter, J. : Die Lebewelt der Braunkohlensiimpfe. Braunkohlen- 
und Brikettindustrie, H. 1, Jahrg. 1917, Halle 1917. 

— Das unterirdische Magma. S.-A. aus : Himmel und Erde, 
Bd. XXI, 3. Leipzig. 

— Die Entstehung der Kalisalzlagerstätten. S.-A. aus: Zeitschr. 
f. angew. Chemie u. Zentralbl. f. techn. Chemie, Jahrg. XXI, 
H. 32. Bericht über den 4. deutschen Kalitag vom 9. und 
10. Mai 1908 in Nordhausen. Leipzig 1908. 

— Über das Zitieren von Abbildungen. S.-A. aus: Zentralbl. 
Min., Jahrg. 1909, Nr. 17. Stuttgart 1909. 

— Über die Geologie von Capri. S.-A. aus: Diese Zeitschr., 
Jahrg. 1889. Briefliche Mitteilungen. Berlin 1889. 

— Der Samum als geologische Kraft. Himmel und Erde. 111. 
naturw. Monatsschr. Jahrg. X, H. 7. Berlin 1898. 

— Bericht über die Resultate einer Reise nach Ostindien im 
Winter 1888/89. S.-A. aus: Verhandl. d. Ges. f. Erdkunde 
zu Berlin, 1889, Nr. 7. Berlin 1889. 

— Über Entstehung und BesiedeUmg der Tiefseebecken. Lippert 
& Co., Naumburg. 

— Rezente Bodenbewegung in den Örtelschen Daohschiefer- 
brüchen in Lehesten. S.-A. aus: Diese Zeitschi'., Jahrg. 1903. 
Berlin 1903. 

— Über Mastodon im Werragebiet. S.-A. aus: Jahrb. d. Kgl. 
Preuß. Geolog. Landesanst. f. 1900. Berlin 1901. 

— Versuch einer Klassifikation der Gesteine auf Grund der 
vergleichenden Lithogenie. S.-A. aus: Congres göologique 
international, 7. session, Russie 1897. St. Petersburg 1897. 

— Untersuchungen über den Bau der Crinoiden mit besonderer 
Berücksichtigung der Formen aus -dem Solnhofener Schiefer 
und dem ' Kelheimor Diceraskalk. Inaug. Diss. Universität 
Jena. Stuttgart 1886. 

— Die Erweiterung des Weltbildes durch den geologischen Unter- 
richt. Halle. 

— Die lithologischen Eigenschaften der Gesteine im Liegenden 
der kambrischen Formation. S.-A. aus : Compte rendue du 
Xl'e Congres geologique international. Stockholm 1912. 

— Aus der Geschichte der naturwissenschaftlichen Gesellschaften 
zu Jena. S.-A. aus: Jenaische Zeitschr. f. Naturwissenschaft, 
Bd. 39, 1905. Jena 1905. 



- 190 - 

Walter, J. : Über Chirotherium. S.-A. aus: Diese Zeitschr., Bd. 69, 
Jahrg. 1917, M.-B. 5—7. Berlin 1917. 

— Über die Geschichte von Windkantern in der lybischen Wüste. 
S.-A. w. V. Bd. 63, 1911, M.-B. *7. Berlin 1911. 

— Über • tektonische Druckspalten und Zugsjialten. S.-A. w. r. 
Bd. 66, 1914, M.-B. 5. Berlin 1914. 

— Laterit in Westaustralien. S.-A. w. v. Bd. 67, 1915, M.-B. 4. 
Berlin 1915. 

— Salzlagerstätten und Braunkohlenbecken in ihren genetischen 
Lagerungsbeziehungen. S.-A. aus: Kali, Zeitschr. f. Gewin- 
nung, Verarbeitung und Verwertung der Kalisalze, Jahrg. 12, 
1918, H. 13. Halle 1918. 

— Der Erziehungswert der Geologen und ihre Stellung in der 
Schulprganisation. S.-A. aus: Monatshefte f. d. naturwissen- 
schaftl. Unterricht aller Schulgattungen. Natur und Schule, 
N. F., Bd. VI, H. 10. Leipzig-Berlin 1913. 

— Mineralogie und Geologie in Forschung, Lehre und Unter- 
richt. S.-A. w. V. Bd. IV, H. 12. Leipzig-Berlin 1905. 

— Über den Transport von Ammonitenschalen. S.-A. aus : Diese 
Zeitschr. Jahrg. 1898. Berlin 1898. 

— Über rezente Gipsbildung. S.-A. w. v. 

— Erklärung. S.-A. aus: Petermanns Mitteilungen, Jahrg. 60,. 
Aprilheft. Gotha 1914. 

— Die Wüsten der Urzeit. Naturwissensch. Wochenschr., N. F., 
Bd. IX, der ganzen Reihe XXV. Bd., Nr. 1. Jena 1910. 

— Otto Lüdecke S.-A. aus: Leopoldina, H. 47, 1911, Nr. 1 
Halle 1911. 

— Über die geologische Tätigkeit des Windes. Naturwissensch. 
Wochenschr., Bd. XVI, Nr. 37. Berlin 1901. 

— Der große Staubfall von 1901 und das Lößproblem. Natur- 
wissensch. Wochenschr., N. F., Bd. II, der ganzen Reihe 
XVIII. Bd., Nr. 51. Jena 1903. 

— Das geologische Alter und die Bildung des Laterits (Schluß). 
Der Laterit in Australien. Laterit in Afrika. Das geologische 
Alter des Laterits. Petermanns Mitteilungen, Jahrg. 62, 1916, 
Febrüarheft. Gotha 1916. 

— Geologische Probleme der Braunkohlenlager. S.-A. aus: Braun- 
kohle, H. 10, 1917. Halle 1917. 

Werth. E.r Parcpithecus. ein primitiver Menscheuaffe. S.-A. aus: 
Sitzungsber. d. Ges. naturforsch. Freunde. Berlin 1918, Nr. 9. 

— Der tertiäre Mensch (die Eolithen- und Vormenschenfrage), 
S.-A. aus: Prähistorische Zeitschrift X. Band. 1918. 

Wetzel, AV. : Über Blauquarz und über Kieselringe. S.-A. aus : 
Neues Jahrb. Min., Jahr.g. 1913. Nr. 11. Stuttgart 1913. 

— Untersuchungen über das Verhältnis von Chalcedon und 
Quarzen zu Quarz. S.-A. w. v. Jahrg. 1913, Nr. 12. Stutt- 
gart 1913. 

— Über Druckfiguren und Schlagfiguren in Glimmern und an 
glimmerähnlichen Mineralien. S.-A. w. v. Jahrg. 1914, Nr. t. 
Stuttgart 1914. 

— Ein Konglomerat in den Grenzschichten zwischen Lias und 
Dogger des Teutoburger Waldes. Vortrag, gehalten zu Osna- 
brück in der Vers. d. Niedersächs. geolog. Vereins am 17. April 
1909. S.-A. aus: 2. Jahresber. d. Niedersächs. geolog. Ver- 
eins zu Hannover, 1909. Hannover 1909. 



191 



Wetzel, W.: Schmelzendes Seeeis im Bereich einos Nordostfront- 
abschnitts (1916). 'S.-A. aus: Zentralbl. Min., Jahrg. 1916, Nr. 12. 
Stuttgart 1916. 

— - Zur Stratigraphie der Juraablagerungen von Popilani. S.-A. 

w. V. Jahrg. 1919, Nr. 7 u. 8. Stuttgart 1919. 
VV ICHMANN, A. : On the Volcanoes in the Island of Tidore (Mo- 
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te Amsterdam. Proceedings vol. XXI, Nr. 8, 1919. 

— On the Secretion of Phosphates in the stems of Djatikapur 
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— Über Geschiebe von Ardennengesteinen im niederländischen 
Diluvium. S.-A. aus: Zentralbl. Min., Jahrg.' 1919, Nr. 5u. 6. 
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— ■ Eknst Wilhelm Beneckb. S.-A. aus: Jahresberichte und 
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— Der geologische Unterricht an den Universitäten. S.-A. aus : 
Aus der Natur. Leipzig 1919. 

WoLFP, W. : Die Erdgeschichte und Bodengestaltung Schleswig- 
Holsteins. Haihburg 1919. 

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für die Entwicklung des polnischen Flachlandes. Beiträge 
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sion beim Generalgouvernement Warschau, Eeihe C, Nr. 30: 
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Wunderlich, E., Kolzer. J., Fax sen. E.. Fax jun. F.. und 
Praesent, H. : Die Grenzen Kongreß-Polens. S.-A. aus : 
Mitteilungen der geographischen Gesellschaft in Wien, Bd. 61 
und 62. Wien 1919.' 

Wunderlich, E. : Die allgemeine Oberflächenentwicklung des 
mitteleuropäischen Flachlandes. Sonderdruck. Bibliothek 
geographischer Handbücher. Begründet von Friedeich 
Ratzel. Neue Folge. Festband, Albrecht Penck zur Voll- 
endung des 60. Lebensjahres gewidmet von seinen Schülern 
und der Verlagsbuchhandlung. 

Die Oberflächengestaltung des norddeutschen Flachlandes. 
I. Teil. Das Gebiet zwischen Elbe u. Oder. Geographische 
Abhandlungen. Herausgegeben von Prof. Dr. Albeecht Penck 
in Berlin. Neue Folge. Veröffentlichungen des Geogra- 
phischen Instituts an der Universität Berlin. Heft 3. Berlin 
1917. 



Ortsregister. 



Die Seitenzahlen der Monatsberichte sind kursiv gedruckt. 



A. Seite 

Aachen, Quellen 147 

Afrika, Tektonik 201 

Aleksinac, Erdbrand 69, 76 
Alleghanies, Tektonik . . 201 
Alpen, Fazies Verteilung . . 114 

—, Tektonik 202 

Altmühltal, Siebenschläfer 78 

Amasra, Karbon 3 

Amassia, Dyas 9 

Anden, Kernlakkolithe . . 4 
Asien, Gebirgsscharungen 107 

—, Tektonik 203 

lArdennen, Kreidefazies . 126 

Argenau, Trias 16 

Armenien, Dyas .... 10 
Avricourt, Muschelkalk . .117 

B. 

Baden, Pliocän 153 

Balearen, Trias 155 

ßalia Maden, Dyas .... 8 
Balkan, Erdbrand . .... 75 
Baranowo, Keuper . ... 15 
ßärenbruch, Keuper . . 15 
Base], Siebenschläfer ... 77 
Basin Ranges, Tektonik . . 170 
Bayerischer AVald, C4esteine 34 

—, Redwitzit 9 

Bereketli Maden, Dyas . . 9 
Bettingerode, Obere Kreide 78 

Bingen, Pliocän 153 

Birseck, Siebenschläfer . . 77 
Bodenwöhr, Porphyr ... 34 
Bödexen, Muschelkalk . . 87 
Bogenfels, Tertiär ... 78 
Böhmen, Erdbrände . . . 68 
—, Siebenschläfer .... 77 
Bromberg, Trias . .... 15 
Buurse," Tektonik 139 



C. Seite 

Cirey, ^Muschelkalk . . .104 
Corbersdorf, Redwitzit . . 10 
Czernowitz, Bergrutsch . . 148 
Czortkow, Quellen .... 140 

D. 

Danzig, Talsperre 77 

Deutsch-Altenburg, Inter- 
glazial 77 

Deutschland, Orogenese . 208 
Deutsch-Ostafrika, Tangan- 

jikaform.ation 88 

Deutsch-Südwestafrika, 

Tertiär 78 

Djidde, Karbon . ' 3 

Drywsjaty-See, Diluvium 15 

Dudweiler, Erdbrand ... 67 

Dünaburg, Diluvium .... 75 

E. 

Ehringsdorf, Travertin . 60, 77 
Elsaß, Tertiärterrassen . . 152 
Elsaß-Lothringen, Muschel- 
kalk 80, 104 

England, Silur 123 

. 201 
9, 18 
. 3 
. 66 



Tektonik 
Erbendorf, Redwitzit 
Eregli, Karbon . . . 
Estland, Erdbrände . 



Fichtelgebirge, Lamprophyre 9 

Floß, Redwitzit 9 

Folkringen, Muschelkalk . 104 
Franken, Muschelkalk . . 80 
Frankreich, Kreidefazies . 126 
Friedberg, Keuper .... 15 



193 - 



G. Seite 

Galizien, Grundwasseraus- 
tritte 139 

Garmersreuth, Redwitzit . 13 
Gerolzhofen, Muschelkalk . 81 
Gesprengberg, Interglazial 77 
Gottorp, Tanganjikaformation 91 
Great Basin, Tektonik . .170 
Grevenbrück, Massenkalk . 123 
Groß-Almerode, Erdbrand 68 
Groß-ZöUnig, Trias . ... 16 



H. 



Haarmühle, Muschelkalk 
Haarstrang, Emscher . 
Hainberg, Erdbrand 
Häring, Erdbrand . . 
Hecklingen, Quelle . . 
Hellweger Tal, Emscher 
Hemmoof, Miocän . . 
Heraklea, Karbon . . 
Hildesheim, Erdbrand 
Himalaya, Scharung 
Hindenburg, Erdbrand 
Hindu-Koh, Scharung . 
Hohenbocka, Glassande 149, 177 
. Holland, östl. Grenz- 
gebirge 

Holzminden, Muschelkalk 
Horde, Kreidesüdrand 
Hülser Berg, Diluvium . 
Hundsheim, Interglazial 



140 

86 
74 
70 

132 

86 

79 

3 

74 

107 
68 

107 



139 
87 

148 
22 
11 



I. J. 

Jemtland, Silurfazies . 121, 123 
Jena, Muschelkalk ... 97 
Indien, Gebirgsscharungen 107 
Italien, Lias 124 

K. 

Karpathenvorland, Quellen 144 
Kastlhänghöhle, Sieben- 
schläfer . . ■ 78 

Katalonien, Ti'ias .... 153 
Kattowitz, Erdbrand . . . 68 
Kempen (Posen), Trias . . 16 
Kernsdorfer Höhe, Tertiär 19 
Kigoma, Tanganjikaformation 99 
Kleinasien, Karbon und Dyas 2 
Kleinasien, Tektonik . . 203 
Klein-Eomstedt, Muschelkalk 97 
Klenownik, Erdbrand . . 72 

Klonau, Tertiär 20 

Kohlscheid, Quellen . . . 147 
Koschenberg, Glassand . . 178 



Seite 
Kösseine, Redwitzit ... 10 
Kostolac, Erdbrand .... 70 

Kozlu, Karbon 3 

Knjazevac, Erdbrand 69, f6 
Krefeld, Diluvium ... 21 
Kronstadt, Interglazial . . 77 
Kuen-luen, Scharung . . . 107 



Lake Bonneville, Tektonik 170 
Lausitz, Miocän . . 149, 177 
Lorenzreuth, Redwitzit . . 12 
Lothringen, Muschelkalk 80, 104 
i Lüneburg, Muschelkalk . . 91 

M. 

Mainzer Becken, Pliocän . 153 
Malagarassi, Tanganjika- 
formation . 90 

Marktredwitz, Redwitzit 9 

Mazedonien, Erdbrand . . 70 

Mecklinghausen, Massenkalk 122 

Meggen, Baryt 125 

Meiningen, Muschelkalk 80 

Meißner, Erdbrand . ... 74 

Merzivun, Rotliegendes . . 10 

Mielencin, Trias 16 

Mitteldeutschland, Muschel- 
kalk 80 

— , Tektonik 208 

Mitterteich, Redwitzit . . 9 

Mora de Ebro, Trias . . . 755 

Moers, Diluvium .... 21 
Münstersches Becken, 

Grundwasserwirkungen 135 

— — , Tektonik , . 139, 148 

N. 
Naabtal, Flußspat .... 43 

— , Redwitzit 9 

Narajowka, Quellen . . . 148 
Neumark, Geschiebe? . . 44 
Ngambafälle, Tanganjika- 
formation 95 

Ngoma-Italefälle, Tangan- 
jikaformation 95 

Niederlande, Grenzgebirge 139 
Niederlausitz, Miocän 149, 177 
Niederrhein, Diluvium . . 21 
— , Tektonik .... 134, 144 
Nordamerika, Tektonik 170, 201 
Norddeutschland, Muschel- 
kalk 80 

Nordwestafrika, Tektonik 201 



- 194 — 



O. Seite 

Oberfranken, Lamprophyre 9 

, Muschelkalk .-..'. 97 

---, Redwitzit 1, 9 

Öberpfalz, Porphyr ... 34 

— , Eedwitzit 1 

Oberpfälzer AVald, Gesteine 1, 34 
Oc'hridasee, Erdbrand . . 70 
(iding, Tiefbohrung . . . N2 
Ödschönlind, Uralitperidotit 27 

Öls, Trias 16 

Örmten, Diluvium .... 21 
Östinghausen, Emscher . . 86 
Ostafrika, Tanganjikafor- 

mation 88 

Ostpreußen, Tertiär . . . 19 
Ottenstein, Muschelkalk . 87 



Persien, Gebirgsscharungen 107 

Peterswalde, Tertiär . . . 20 

Pfahl, Fluorit 43 

Piügarten, Porphyr . . 34 

Planitz, Erdbrand .... 67 

Plante ngaar de, Tiefbohrung 143 

Plößberg, Eedwitzit ... 9 

Polen, Siebenschläfer . . 78 

PoUe, Muschelkalk .... 87 

Pommern, Geschiebesand 20 

Posen, Trias 18 

— , Wealden 18 

Pottenstein, Siebenschläfer 77 

Predazzo, ]\Ionzonit ... (5 



R. 

Kadenku, Erdbrand . . . 70 
Randecker Maar, Morpho- 
logie 163 

Eatum, Tiefbohrung . . . 144 

Regen, Porphyre 34 

Reichsland, Tertiärterrassen 152 
Rentwertshausen, Muschel- 
kalk 81 

Reuth bei Erbendorf, Red- 

witzit 9, 18 

Rheinisches Schiefergebirge, 

Tertiärterrassen .... 154 
Rheinisch-Westfälisches 

Steinkohlenbecken . . . 134 
Rheintalgraben, Küstenkon- 

gloraerate 128 

Rhone, Pliocän IGO 

Ruhrkohlenbecken, Tektonik 134 



S. Seite 

Saarburg, Muschelkalk , . . 120 
Sachsen, Erdbrände . . . 70 
Sauerland, Schwerspatperi- 

morphosen 122 

Schelkingen, Siebenschläfer 78 
Schlagenthin, Geschiebe? . 44 
Schubin, Pohrioch .... 15 
Schwalbental, Erdbrand . . 74 
Schwäbische Alb, Vulkane 163 
Schwarzes Meer, Karbon 2 
Schweizersbild, Sieben- 
schläfer 78 

Schweizer Jura, Pliocän . 155 
Serbien, Erdbrände . . 69, 75 
Seussen, Redwitzit .... 12 
Sindital, Tanganjikaforination 91 

Soest, Emscher 56 

Spanien, Trias 153 

Stanislau, Quellen ... 144 

Staßfurt, Quelle 132 

Siiddeutschland, Muschel- 
kalk 80, 104 

Südwestafrika, Tertiär . . 78 

Sundgau, Pliocän 15() 

Süßenborn, Siebenschläfer 59 
Sythen, Grundwasserwir- 
kungen 137 

Szaradowo, Keuper . . . /5 

T. 

Tanganjikasee, Tanganjika- 

forraation S5 

Tarragona, Trias .... 155 

Taurus, Dyas 8 

Taxöldern, Konglomerate 42 
Thüringen, Muschelkalk 80, 93 

Tirol, Erdbrand 70 

Tirschenreuth, Redwitzit 9 

Togo, Eocän 79 

Tönnisberg, Diluvium . . 21 
Tschatal Aghzi, Karbon . . 3 
Tübingen, Geolog.-Paläon- 

tol. Sammlung 182 

Turmberg, Geschiebesand . 20 

U. 

Udjidji, Tanganjikaformation 99 

Ulm, Quellen 148 

Ungarn, Siebenschläfer . . 77 
Unterfranken, Muschelkalk 80 

V. 

Valdeneu, Trias 759 

Valfin. Kimmeridffe . . . 125 



195 



Seite 

Verdental, Muschelkalk . . 104 
\'er. Staaten, Tektonik 170, 201 
\'ina, Erdbrand .... 69, 76 
Virginia, Tektonik , . . 201 
\'ogesen, Tertiärterrassen 152 
\'olkach, Muschelkalk . . 81 
\'ölklingshofen, Sieben- 
schläfer ". . 78 

Vreden, Tiefbohrung . . . 140 
Vypustek, Siebenschläfer 78 

W. 

W'aldnaabtal, Redwitzit 9 
Wasatch-Gebirge, Tektonik 170 
Weiden, Oberpfalz, Redwitzit 9 
AVeimar, Muschelkalk . . 93 
-, Siebenschläfer .... 59 
Weißenburg, Tertiär- 
terrassen 153 

Wernigerode, Senon . . 81 

Weseke, Jura 145 

Weseke, Tektonik . ... 139 
Weserland,. Muschelkalk 80, 87 



i: Seit.' 
Westfalen, Grundwasser- 

Wirkungen 135 

-, Tektonik 134, 139 

Westpreußen, Geschiebesand 20 
Wierzbiczany, Trias .16 

Windisch-Eschenbach, Red- 

witzit 9, 17 

Winterswijk, Tektonik . . 139 
Wolin, Siebenschläfer . . 77 
Wölsauer Hammer, Red- 

witzit 11 



Zabrze, Erdbrand .... 68 

Zechovik, Siebenschläfer 77 

Zentralalpen, Tektonik . . 202 
Zentralasien, Gebirgs- 

scharungen 107 

ZitUu, Erdbrand 68 

Zonguldak, Karbon ... 3 

Zwerglöcher, Erdbrand . . 74 

Zwickau, Erdbrand . . 67 

Zuzlawitz, Interglazial . . 11 



Sachregister. 

Die Seitenzahlen der Monatsberichte sind kursiv gedruckt. 



A. Seite 

Äcrostichutn aureum . . . 13 
Alaunschiefer, Kleinasien . 6 
Albien, Ardennen .... 126 

Alces latifrons 76 

AUochthone Steinkohle . . 7 

Ananchytes ovata 3 

Andesittuff, Kleinasien . . // 
Anscharung, Begriff . . 112 
Aptien, Frankreich . . . 126 
Arkosen 46 

B. 

Bairdienton 81 

Barium in Meeressedi- 
menten 125 

Barytbildung 128 

Barytlager, Meggen ... 128 
Barytperimorphosen . . . 122 
I]ergrutsch, Czernowitz . . 148 
Bewegungen, weitspannige 171 
r.Iätter, Westfalen .... 134 

Bison priscus 76 

Bogenscharung, Begriff . 113 
Braunkohle, Lausitz . . . 179 
Braunkohlen, Selbstentzün- 
dung 66 

Braunkohlenbecken, Böhmen 68 

Broader swells 184 

Broad movements . . 171, 190 
Buntsandstein, Po.sen , . 16 



C. 

Carbon siehe Karbon 
Cardium conjungens . 

— obsoletum 

Cassianellen, Spanien 
Cassianella decussata 
Cenoman, Ardennen . 
Cervus verticornis . . 
Chrysodium, Kleinasien 

— aureum 



45 

45 

152 

156 

126 

76 

12 

13 



Seite 
Coenothyris vulgaris . .113 

Cölestin 126 

Compressifsschichten, 

Lothringen lOG 

CEEDNEE-Stiftung . . 14, 138 

Cypris faba 45 

Cyrenen, Vorkommen, Posen 18 

D. 

Decke, Elsässer 156 

Deckentheorie ...... 114 

Devon, Alpen 124 

— , Sauerland 122 

Diabase, Deutsch- Ostafrika 88 
Dictyonemaschiefer, 

Selbstentzündung ... 66 
Diluvium, Erdbrände 69, 76 

— , Niederrhein 21 

— , Säugetiere 59 

Dinptheriensande .... 154 

Dislokationen 193 

Dogger, Frankreich . . . 125 

— , Weseke 142, 145 

Dolomit im Massenkalk . 122 

Muschelkalk . . . Ifj3 

Dolomitregion im Muschel- 
kalk U4 

Durchbruchstal, Deutsch- 
Ostafrika 91 

Dyas, Kleinasien . . . . 2, S 

E. 

Eisenerzführung dei- Unt. 

Kreide 145 

Elephas trogontherii . . 76 

Elsässer Decke 156 

Emscher, Soest 8ß 

Endmoräne, Ostpreußen 19 

Endverwachsung v. Gebirgen 112 

Ennoyage 176 

Entschließung betr. Refe- 
rierende Zeitschriften 66 



197 



Seite 
Eocän, Kleinasieii .... // 

— , Togo 78 

Epirogenese 75/, 164 

Eppelsheimer Sande . . . 154 
Equus süssenbornensis . 76 
Erdbeschreibung.Abgrenzung 30 

Erdbrände 66 

Erdkunde, Abgrenzung . . 30 
Erdoberflächenkunde, Begriff 30 
Erosion durch Regen . . 143 
— , subterrane 144 

F. 

Falten großer Amplitude . 190 
Faltung, kaledonische 200,201 

— , takonische 201 

— , tertiäre 202 

Fazies, Tektonische . . . 128 
Fa,zies Verteilung, Alpen . 114 
Ferrettobildungen, Nieder- 
rhein 29 

Flächenaustritte 135 

Fluorit als Gesteinsbinde - 

mittel 47 

Flußspat als Gesteinsbinde- 
mittel 47 

Flußspatgänge, Naabtal . 43 

Flysch, Kleinasien .... 11 

Foraminiferen, Emscher . 86 

Fusulinenkalk, Kleinasien 8 

G. 

Gabelscharung, Begriff . . 113 
Gabelung eines Ganges . 109 

Gangauslenkung 106 

Ganggabelung 109 

Ganggesteine 1 

Gangkreuze, Begriff . . . 106 
Gangverwerfungen .... 106 
Gault; Frankreich . ... 127 
Gebirgsrest, AVestfalen . . 139 

Gelbe Kipper 82 

Geographie, V'erhältnis zur 

Geologie 30 

Geologie als Prüfungsfach 14 
— , Verhältnis zurGeographie 30 

Geosynklinalen 184 

Geschiebe, Neumark . . . 44 
Geschiebesand, Ostpreußen 20 
Glassande, Hohenbocka 149, 177 
Glimmerdiorit ..... 5 
Glimmersande, Lausitz . 179 
Glimmersyenit .... 5, 21 
Glossopteris, Kleinasien . 12 



Seite 
Gothlandium, Orogenese . 201 
Granit, Randzone .... 7 
Granitlamprophyre .... 1 

Granitosen 47 

Großfalteu 190, 203 

Grundmoräne, Niederrhein 21 
Grundwasseraustritte . . 135 
Grünsand, Frankreich . . 126 

H. 

Hallstätter Kalk 124 

Hangendsprünge 134 

Hauptmuschelkalk .... 80 
Hauptterebratelbank . 83, 100 
Hauptversammlung 1919 . 79 
Hauterivien, Westfalen . . 145 

Hebungen 178 

Helvetischer Faziesbezirk 115 
Hellweger Tal 86 

HBKMANN-CEEDNEK-Stiftung 

14, 138 

Heterangiutn Grievei . . 80 
HohJeneichhörnchen . . . GO 
Hologyra laevissima . . . 158 
Horizontal Verschiebungen, 

Westfalen 134 

Hornstein, Pfahl 45 

I. J. 

llsenburgmergel 81 

Inoceratnus baliicus ... 3 
Interglaziale Verwitterung 29 
Interglazial, Fauna . . .59, 77 
Intramediterrane Faltungs- 
phase 203 

Jungtertiäre Faltung . . 202 
Jura, Weseke .... 142, 145 

K. 

Kaledonische Faltung 200, 201 

Kaolinsande, Lausitz . . . 779 

Karbon, Kleinasien ... 2 

— , Westfalen, Tektonik . 134 

Kersantlt 31 

Keuper, Posen 15 

Kieseloolithschotter . . . 154 

Kieselschiefer, Kleinasien 6 

Kimmeridge, Valfin . . . 125 

Kipper, gelbe 82 

Knollenkalk, Lothr. 

Muschelkalk 109 

Kohlenbrandgesteine . . . 67 

Kohlenkalk, Kleinasien . 6, 8 



198 



Seitf 
KohJerikeuper ....... 81 

Kreide, Obere, Bettingerpde 78 
— , Untere, Frankreich . 126 
— , — , Westfalen .... 145 

Ivreidekohleu, Serbien . . 69 
Ivxeidetransgressionen, 

Westfalen 147 

Kriegsgeolog'ie 164 

lvri.stallgranit 4, 45 

Kulm, Kleinasieu .... 6 
Ivüstenkalke im Muschelkalk 103 
Ivüstenkonglomerate, 

mitteloligocäne .... 128 



Lamprophyre, granitische 


1 


Landoberflächen, alte, Elsaß 


168 


Leioceras opalinum . . 


160 


Leithia melitensis . . . 


m 


Lepontinische Fazies . . 


123 


Lettenkohle, Lothringen 


1U4 


— , Unterfranken . . . 


81 


— , Weserland 




87 


Levantin, Serbien 




71 


Lias, Hildesheim 




74 


— , Italien .... 




124 


' ~ Ivleinasien 




Q 


— , Weseke 




146 


Liegendsprünge 




136 


Lignit, Serbien . . 




71 


Lobenlinie, Leioceras . . 


160 


Lovellia Schweinfuri 


hi . 


7S 



M. 

Mactra podolica 45 

Malchitporphyre 21 

Malm, Nordalpen .... 125 

Massenkalk, Sauerland . . 122 
Meeressedimente, 

Eariumgehalt . . . 125 

Aliocän, Hemmoor .... 79 

— , Lausitz 149, 177 

Mineralquellen, barium- 

haltige 126 

Mitgliederverzeichnis . . 209 

Mitteldevon, Sauerland . . 122 

Mitteldiluvium, Säugetiere 59 
Mitteloligocäne Küsten - 

konglomerate .• . . . 128 

Monzonit 5, 23 

Morphologie 165 

— , Grundwasseraustritte . 135 



Muschelkalk, Küstenfazies . 103 

— , Lothringen 104 

— , Posen 16 

-, Stratigraphic ... 80, 104 
Mya Ktinghardti .... 78 

Myoxiis glis 60 

Myophoria costata, Posen . 16 

— elegans 157 

— Goldfiissi ... 81, 159 
■ ' transversa 81 

— vestita 757 

- Whateleyae 157 

N. 
Nagelkalk .... .87 

Narrower waves 184 

Neithea, Gattung 7S 

Neueingänge der 

Bibliothek . ... 62, 1S2 
Nierenkalk, Lothr. Muschel- 
kalk H)9 

Niveauveränderungen . . 165 
Nodosus&chicUQW . 83, 89, 100 
— , Lothringen 101 

O. 

Obere Kreide, Bettingcrode 78 
Obersilur, Orogenese . . .201 

Oligocän, Elsaß 159 

— , Küstenkonglomerate . ]28 
Ölschiefer, Serbien .... 76 
Orbitolinenkalk, Klein - 

asien 3 

Ordovicium, Orogenese . 201 
Orogenese, Begriff . 151, 164 
Ostracoden, Emscher . . . 86 
Östren ostracina . . . .113 

P. 

Paläozoologische Samm- 
lungen 47 

Paraffinschiefer, Serbien . 76 

Patella WünSchmanni . . 81 

Perlen discites 157 

Pegmatit 3 

Pfahl 41 

Planorbis multiformis . . 58 
Plattenkalk, Lothring. 

Muschelkalk 107 

Pliocän, Elsaß 152 

PolyplocuS-Schichien, 

Weseke 142, 145 

Porphyr, Bayei-. Wald 31 



— 799 



Seite 

Porphyr breccie 41 

Porphyrgranit 4 

Porphyrtuff, Bayer. Wald . 41 

Porphyrose 47 

Porzellanjaspis 67 

Posener Ton, Ostpreußen . 21 
Posidonomyenschiefer, 

Hildesheim 74 

— , Weseke 146 

Postglazial, Fauna .... 77 
Postpontische Phase . . . 203 
Preisausschreiben 

Stkömek 14, 183 

Prüfung in Geologie für 

Oberlehrer 14 

Pteridospermen 80 

Q. 

Quarz, Bayerischer Wald 45 

Quarzmonzonit 23 

Quellen 135 

~-, Hecklingen . . . 132 

Quellentemperatur .... 132 

(^uellnischen 142 

(^uerverwerfungen, 

Westfalen 134 

R. 

Racta Schweinfurthi . . . 78 

Rahmenfaltung 188 

Randzone der Granit- 
massive 7 

Rechnungslegung für 1917 . 65 

Redwitzit 1 

Regenerosion 143 

Rheintalgraben 128 

Rhinoceros etrascas ... 76 

RrCHTHOFENStiftung ... 1 

Riffbildungen, Alpen . . . 118 

Rotliegendes, Bodenwöhr . 41 

— , Kleinasien 10 

Röt, Posen 16 

Requienienkalk, Kleinasien 3 
Rumpf Schollengebirge, 

Tektonik 134 



Saline, .Deutschostafrika . . 91 
Salzgebirge, Posen .... 16 
Sammlungen, Paläontolo- 
gische 47,182 

Sattel von Weseke . . . 145 

Sattelhorst, Weseke . . . 146 

Säugetiere, diluviale ... 59 



Seite 

Scharung, Begriff .... 105 
Schollengebirge, Tektonik . 134 
Schollenverschiebungen . 134 
Requienienkalk, Kleinasien 3 
Schwefelkies, Selbst- 
entzündung 69 

Schwerspat, Bayerischer 

Wald . . " 45 

Schwerspatbildung .... 128 
Schwerspatlager, Meggen . 128 
Schwerspatperimorphosen 1 22 

Schriesheimit 27 

Selbstentzündung b. Kohlen LiG 
SemiparUtiis?,QMchten, 

Lothringen .... 104,111 
— , Unterfranken. . . 81,100 

— , Weserland 87 

Senkungen 178 

Senon, Kleinasien .... 3 

— , AVernigerode 84 

— , Westfalen 137 

Sickerpackung 149 

Siebenschläfer, Weimar . , 59 

Silur, England 123 

— , Jemtland .... 120,123 

—, Orogenese '201 

Skelette, Aufstellung . . . 47 
Spaltungsgesteine .... 1 
Sphenopteris adiantoides . 80 

— dicksonoidcs 80 

— Hoeninghausi .... 80 
Sphaerocodien, 

Vorkommen . . . 98, 100 

Sprünge 134 

Steinkohle, Heraklea, 

Entstehung 7 

— , Selbstentzündung . . . 66 
Steinkohlengebirge s. Karbon 
Strandterrasse, Deutsch- 
südwestafrika .... 78 
Strontium in Meeres- 
sedimenten 125 

Störungen, Sundgau . . . 1.59 

— , A\'estfalen 759 

Sundgausfhotter 156 

Sürelt'xa ion 176 

Syenitgranit 5 

Synorogenese 205 



Taeniopteris mnltinervia . II 
Takonische Faltung . . . 201 
Talsperre, Danzig .... 77 
Tangan ikarormaiion . . . 88 



— 200 



Seite 

Tanganjikagraben .... 103 

Tektonik 165 

— , Deutschostafrika . . . 103 
— von Schollengebirgen . 134 
Tektonische Fazies . . . 128 
Terebratelschichten ... 82 
Terrassen, Niederrhein . . 21 

— , tertiäre 152 

Terrassenverbiegungen . . 171 
Tertiär, Deutschsüdwest- 
afrika 78 

—, Galizien 159 

— , Neumark 44 

— , Ostpreußen 20 

Tertiäre Terrassen . . . 152 
Tertiärkohlen, Serbien . . 09 
Torfdolomite, Heraklea . . 5 
Tournaykalk, Kleinasien . 8 
Trachyceras -Schichten, 

Spanien 154 

Travertin, Ehringsdorf . §0, 77 
Trias, Bayerischer IVald . 56 

— , Katalonien 152 

Trochitenkalk 83, 90 

— , Lothringen . . . 104, 105 
Trümmerkalk, Senon . . . 82 

U. 

Übersichtskarte, 

geologische 149 

Undation, Begriff .... 191 
Undulationen, Begriff . . 191 
Untere Kreide, Eisenerz . 145 
Untersenon, Westfalen . . 137 
Untersilur, Orogenese . . 201 

Uralitperidotit 27 

Urneckar 158 



Seite 

Urrhein 155, 158 

Ufsus Deningeri .... 76 

V. 

Valanginien, Westfalen . . 145 

Varistische Züge 208 

Verbiegungen 171 

Verschiebungblätter . . . 136 

Verwerfungen 134 

— , holländ. Grenzgebirge . 139 

Visekalk, Kleinasien ... 8 
Vormediterrane Phase der 

Faltung 203 

Vorpontische Faltungs- 
Phase 203 

Vorslandswahl 149 

Vulkane, Schwäbische Alb 1G3 

W. 

Wälderton, Posen 18 

Wasserbeschaffung im 

Kriege 164 

Wasserstellenbeschreibung 174 
AVasserverbrauch im 

Kriege 169 

Wealden, Posen 18 

— , Westfalen 145 

Weitspannige Bewegungen 171 



X. 



Xerus 



60 



Z. 



Zechstein, Posen ..... 16 
Zerrung, tangentiale . . . 134 



Zeitschi-ift 



der 

Deutschen Geologischen Gesellseliaft. 

(Abhandlungen und Monatsberichte.) 



A. Abhandlungen. 



l.u.2. Heft. 71. Band. 1919. 

.lanuaj' biü Juli 1919. 

Berlin 1919. 

Vfjlüg von Ferdinand Erike in Stuttgart. 



INHALT. 

.Aufsätze: Seile 

1. Willmann, Kahl: Die Redwilzile, eine neue Gruppe 
von granitischeii Lamprophyrpn. (Hierzu Tafel 1 
und 1 Textfigur) 1 

■2. Lehnek, A. : Beiträge zur Kenntnis des oberpfälzischen 

Waldgebirges. (Hierzu Tafel 11 und 1 Textfigur) ;{4 

o. SoEHGEL, W.: Der Siebenschläfer aus den Kiesen von 
Süßenborn bei Weiui.ir. (Hierzu Tafel ITT und 
1 Textfigur) _ ö9 

i. Wagner, Georg: Beiträge zur Kenntnis des Oberen 
Hauptmuschelkalks von Mittel- und Norddeutsch- 
land. (Mit 3 Textfiguren) 80 

.'). Boden, K.: Zur Gliederung' des 01)eren Muschelkalks 

in Lothringen 104 

(Fortsetzung im nächsten Heft). 



Deutsche Geologische Gesellschaft. 



Vorstand für das Jahr 1919 

Vorsitaender: Herr Keilhack Schriftführer: Herr BÄBTLiNa 



Stellvertretende' ( 
Vorsitzende : | 
Schatzmeister : 
Archivar: 



PoMPBCKJ ,, Oppenheim 

liELOWSKY „ P. G. KrAUSB 

l'iCABD ,, Graf Matuschka 
Schneider 



Beirat für das Jahr 1919 

Die Herren: STEiNMANN-Bonn a. Rh.. ScHMiDT-Büsel, Joh. Walthbr- 
Halle a. S., Milch - Brpshiii. Beck - Freibers' i. S., Gükich - Hamburg. 



Mitteilungen der Redaktion. 

Im Interesse des regelmäßigen Erscheinens der Abhandlmigen und 
Monatsberichte wird um umgehende Erledigung aller Korrekturen gebeten. 

Die Manuskripte sind druckfertig und leserlich einzuliefern. Der 
Autor erhält in allen Fällen eine Fahnenkorrektur und nach Umbrechen 
des betreffenden Bogens eine Eevisionskorrektur. Eine dritte Korrektur 
kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen geliefert werden. Für eine 
solche hat -der A u t ot die Kosten stets zu übernehmen. 

Im ]\ranuskript sind zu bezeichnen: 
Überschriften (lialbfett) doppelt unterstrichen. 
Lateinische Fossilnamen (kursiv!) durch Schlangenlinie. 
Autornamen (]\IaJuskeln) rot unterstrichen. 
Wichtige Dinge (gesperrt) schwarz unterstrichen. 



Bei Zusendungen an die Gesellschaft wollen die Mitglieder 
folgende Adressen benutzen : 

1. Manuskripte zum Al)diuek in dei' Zeitscnrift, Korrekturen, sowie 
darauf bezüglichen Schrittwechsel an Herrn ßezirksgeologen 
Dr. ßärtling, Berlin N 4, Invaiidenstr. 44. 

2. Einsendungen an die Bücherei, sowie Eeklamationen nicht ein- 
gegangener Hefte, Anmeldung neuer Mitglieder, Anzeigen von 
Adressenändenmgen Herrn Professor Dr. Schneider, Berlin N 4, 
Invaiidenstr. 44. 

3. Anmeldung von A'orträgen für die Sitzungen Herrn Professor 
Dr. Belowsky, Berlin N 4, Invaiidenstr. 44. 

4. Sonstiger Briefwechsel an den Vorstand der Deutschen 
Geologischen Gesellschaft, Berlin N 4, Invaiidenstr. 44. 

5. Die Beiträge sind an die Deutsche Bank, Depositenkasse L, 
Berlin N 4, Chausseestr. 11, für das Konto ,. Deutsche Geologische 
Gesellschaft E. V.", porto- und bestellgeldfrei einzusenden oder 
auf das Postscheck -Konto Nr. 1012 der Deutschen Bank, Depositen- 
kasse L, Berlin K 4, beim Postscheckamt in Berlin NW 7, zur Gut- 
schrift für die Deutsche Geologische Gesellschaft E.V. zu überweiaen. 



Verlag von FERDINAND ENKE in Stuttgart. 

Die Lagerstätten der nutzbaren 
Mineralien und Gesteine 

nach Form, Inhalt und Entstehung 

dargestellt von 
Prof. Dr. F. BeySdilag, Geh. Oberbergrat, Direktor der Geo- 
logischen Landesanstalt Berlin. Prof. Dr. P. Krusch, Geh. Bergrat, 
Abteilungsdirigent an der Geologischen Landesanstalt Berlin und Prof. 
Dr. J. H. I^. Vogt, früher an der Universität Kristiania, jetzt an 
der Technischen Hochschule zu Trondhjem. 

Drei Bai\<ie. 

L Band: Erzlagerstätten. I. zweite. neabearbeUeio Manage. Mit 

281 Abbildungen. Lex. 8». 1914. Geh. M. 18,60; in Leinw. geb. M. 20,60. 
II. Band: Erzlagerstätten. II Mit 175 Abbildungen. Lex. 8". 1913. 

Geh. M. 22,80; in Leinw. geb. M. 25,20. 

Der III. Band wird die Lagerstätten der Kohle, des Salzes und des 

Erdöls zum Vorwurf der Bearbeitung haben. 

Die nutzbaren Mineralien 

mit Ausnahme der Erze, Kalisalze, Kohlen 
und des Petroleums. 

Von Dr. B. Dammer und Dr. O. Tietze. 

Mit Beiträgen von Privatdoz. Dr. R. Bärtling, Berginspektor Dr. G. Einecke, 

Prof. Dr. F. Kaunhowen, Geh. Rat Prof. Dr. P. Krusch, Geh. Rat Prof. Dr. 

0. Pufahl, Dr. A. Rosenbach und Geh. Rat Prof Dr. R. Scheibe. 

I. Band: Mit 57 Textabbildungen. Lex. S«. 1913. 
7vi/PI Riindp ^^^- ^- l^,— ; in Leinwand geb. M. 17, — . 

Ltw\.\ l^aiiuv.. jj Wrm^.^ Mit 93 Textabbildungen. Lex. 8». 1914. 
Geh. M. 16,— ; in Leinwand geb. M. 18,—. 

Die Untersuchung und Bewertung 
von Erzlagerstätten. 

Von Geh. Rat Prof. Dr. P. KruSdl. 



Zweite, neubearbeitete Jtuflage. 



Mit 125Te.xtabbild. Lex. 8«. 1911. Geh. M. 17,-; in Leinw. geb. M. 19,— . 

Gerichts- und Verwaitungsgeologie. 

Die Bedeutung der Geologie in der Rechtsprechung und Verwaltung für Geologen, 
Bergleute und Ingenieure, Richter, Rechtsanwälte und Verwaltungsbeamte, 
gerichtliche und Parteigutachter. Von Geh. Rat Prof. Dr. P. KruSch. 

Mit 157 Textabb. Lex. 8». 1916. Geh. M. 24,—; in Leinw. geb. M. 26,40. 

30% Teuerungsznschlag einschl. Sortimenterzuschlag. 



Verlag von FERDINAND ENKE in Stuttgart. 

Lehrbuch der Erz- und Steinhohlenoufbereltung. 

Von H- Scl*em*en, Oberbei'gnit und tecliiiit>ches Mitglied des 

Oberbergamts zu Clausthal und F. vIlillQ&t, <>rd. Professor an dei- 

Bergakademie zu Clausthal. 

Mit 523 Textabbildungen und 14 Tafeln. 
Lex. 80. 1913. Geh. M. 30,— ; in Hail)frz. geb. M. 34,- 

Handbuch der Brikettbereitung. 

Von G. Franlce, Geh. Bergrat, Professor der Bergbau-, Auf- 
bereitungs- und Brikettierungskunde an der Bergakademie zu Berlin. 

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1. Band: Die Brikettbereitiing aus Steinkohlen, Braunkohlen und 

sonstigen Brennstoffen. Mit 9 Tafeln und 255 Textabbildungen. 

Lex. 80. 1919. Geh. M. 22,— ; in Leinw. geb. M. 24,40. 

IL Band: Die Brikettbereitung- aus Erzen, Hüttenerzeugnissen, 

Metallabfällen und dergleichen, einschließlich der Agglonierierung. 

Nebst Nachträgen. Mit 4 Tafeln und 79 Textabbildungen. 

Lex. 80. 1910. Geh. M. 8,— ; in Leinw. geh. M. 10,—. 

Die Schwerspatlagerstätten Deutschlands 

in geologischer, lagerstättenkundlicher u. bergwirtschaftlicher Beziehung 
Von Privatdozciit Dr. R. Bärtling. 

Mit 19 Textabbildungen. Lex. 8". 1911. Geh. M. (;,40. 

Die Mineralschätze der Balicanländer und Kleinasiens. 

Von Hofrat Professor Dr. C. Doeller. 

Mit 27 Textabbildungen. Lex. 80. 1916. Geh. M. 6,40. 

Die KoHlenvorräte der W^elt. 

Von Professor Dr. F". Frecll.. 

Mit 22 Abbildungen. Lex. 8«. 1917. Geh. M. 7,—. 

Die Erzlagerstätten der Verein. Staaten vnn Nnrdamerika 

mit EinschluB von Alaska, Cuba, Portorico und den Philippinen 

nach Geschichte, Form, Inhalt und Entstehung auf Grund der Quellen 

dargestellt von Cl:k£U*les L. Henning 

Mitglied der Geologischen VereinigTing und anderei gelehrten GeseUsduiften. 
Mit 97 Figuren u. Karten im Te.x.t. Lex. 8". 1911. Geh. M. 8,— ; in Leinw. geb. M, y,t)U. 

Der E^rz- tind Metallmarkt. 

Von Ingenieur Ai Haenig. — Lex. 80. 1910. Geh. M. 10,80. 

30 ^/o Tenernn^szuächlag einschl. Sortimenterznschlag. 
Bei Frech, Kohlenvorräte nur 10% Sortimenterzuschlag. 



[it einer Beilage der Verlagshandlung Friedrich V i e w e g c'^- Sohn 
Braun,schwei^, betr. ,, Unterricht und Wanderung". 



ARTHUR SCHOLEM, BERUN. 



Zeitschrift 



der 

Deutschen Geologischen Gesellscliaft. 

(Abhandlungen und Monatsberichte.) 

A, Abhandlungen. 
3. u. 4. Heft. 71. Band. l9l9. 

Juli bis Dezember 1919. 

Berlin 1920. 

Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart. 



INHAL1\ 

Aufsätze: Seite 

5. Boden, K.: Zur Gliederung des Oberen Muschelkalks 

in Lothringen (Fortsetzung) ■ 113 

6. Behr, Fritz M. : Über Schwerspatperimorphosen im 

mitteldevonischen Massenkalk des Sauerlandes. 
(Hierzu Tafel IV) ,122 

7. Wegner, Th.: Die morphologische Bedeutung der 

Grundwasseraustritte. (Hierzu Tafel V und 4 Text- 
flguren) " 135 

8. Kessler, Paul: Geologische Beobachtungen im Reichs- 

lande 152 

9. Stille, Hans: Die Begriffe Orogenese und Epirogenese 164 
Mitgliederverzeichnis 209 



Deutsche Geologische Gesellschaft. 

Vorstand für das Jahr 1920 

Vorsitzender: Herr Pompeckj Schriftführer: Herr BIetlino 

Stellvertretende | ,, Kauff „ Janensch 

Vorsitzende: \ „ Krusch ,, Schneider 

Schatzmeister: ,, Picard „ Seidl 
A-rchivar: ,, Dienst 

Beirat für das Jahr 1920 

Die Herren: Frh. Stromer v. REiCHENBACH-München, TiETZE-Wien, Stille- 
Göttingen, WiCHMANN-Utrecht, BERGEAT-Königsberg, DREVERMANN-Frankfurt a. M. 



Mitteilungen der Redaktion. 

Im Interesse des regelmäßigen Erscheinens der Abhandlungen und 
Monatsberichte wird um umgehende Erledigung aller Korrekturen gebeten. 

Die Manuskripte sind druckfertig und leserlich einzuliefern. Der 
Autor erhält in allen Fällen eine Fahnenkorrektur und nach Umbrechen 
des betreffenden Bogens eine Revisionskorrektur. Eine dritte Korrektur 
kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen geliefert werden. Für eine 
solche hat der Autor die Kosten stets zu übernehmen. 

Im Manuskript sind zu bezeichnen: 
Überschriften (halbfett) doppelt unterstrichen, 
Lateinische Fossilnamen (kursiv!) durch Schlangenlinie, 
Autornamen (Majuskeln) rot unterstrichen, 
Wichtige Dinge (gesperrt) schwarz unterstrichen. 



Bei Zusendungen an die Gesellschaft wollen die Mitglieder 
folgende Adressen benutzen : 

1. Manuskripte zum Abdruck in der Zeitscnrift, Korrekturen, sowie 
darauf bezüglichen Schriftwechsel an Herrn BezirI(SgeoIogen 
Dr. Bärtling, Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

2. Einsendungen an die Bücherei, sowie Reklamationen nicht ein- 
gegangener Hefte, Anmeldung neuer Mitglieder, Anzeigen von 
Adressenänderungen Herrn Kustos Dr. Dienst, Berlin N 4, Inva- 
lidenstr. 44. 

3. Anmeldung von Vorträgen für die Sitzungen Herrn Professor 
Dr. Schneider, Berlin N 4, Invalidenstr, 44. 

4. Sonstiger Briefwechsel an den Vorstand der Deutschen 
Geologischen Gesellschaft, Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

5. Die Beiträge sind an die Deutsche Bank, Depositenkasse L, 
Berlin N 4, Chausseestr. 11, für das Konto ,, Deutsche Geologische 
Gesellschaft E. V,", porto- und bestellgeldfrei einzusenden oder 
auf das Postscheck-Konto Nr, 1012 der Deutschen Bank, Depositen- 
kasse L, Berlin N 4, beim Postscheckamt in Berlin NW 7, zur Gut- 
schrift für die Deutsche Geologische Gesellschaft E.V. zu überweisen. 



Verlag von FERDINAND ENKE In Stuttgart. 

Die Lagerstätten der nutzbaren 
Mineralien und Gesteine 

nach Form, Inhalt und Entstehung 

dargestellt von 
Prof. Dr. F. BeyScKlag, Geh. Oberbergrat, Direktor der Geo- 
logischen Landesanstalt Berlin. Prof. Dr. P. Krusdi, Geh. Bergrat, 
Abteilungsdirigent an der Geologischen Landesanstalt Berlin und Prof. 
Dr. J. H. L- \^o^t, früher an der Universität Kristiania, jetzt an 
der Technischen Hochschule zu Trondhjem. 
Drei Banicl«. 

I. Band: Erzlagerstätten. I. zweite, neubearbeitete Jtuflage. Mit 

281 Abbildungen. Lex. S». 1914. Geh. M. 18,60; in Leinw. geb. M. 20,60. 

II. Band: Erzlagerstätten. II Mit 175 Abbildungen. Lex. 8". 1913, 

Geh. M. 22,80; in Leinw. geb. M. 25,20. 

Der III. Band wird die Lagerstätten der Kohle, des Salzes und des 

Erdöls zum Vorwurf der Bearbeitung haben. 

Die nutzbaren Mineralien 

mit Ausnahme der Erze, Kalisalze, Kohlen 
und des Petroleums. 

Von Dr. B. Dammer und Dr. O. Tietze. 

Mit Beiträgen von Privatdoz. Dr. R. Bärtling, Berginspektor Dr. G. Einecke, 

Prof. Dr. F. Kaunhowen, Geh. Rat Prof. Dr. P. Krusch, Geh. Rat Prof. Dr. 

0. Pufahl, Dr. A. Rosenbach und Geh. Rat Prof. Dr. R. Scheibe. 

I. Band: Mit 57 Textabbildungen. Lex. 8«. 1913. 
7wPi R/iflHp ^^^- ^- lö, — ; in Leinwand geb. M. 17, — . 

^wv.1 t^giiuu. jj p^j^^j. ^^j.^ gg Textabbildungen. Lex. 8«. 1914. 

Geh. M. 16,— ; in Leinwand geb. M. 18,—. 

Die Untersuchung und Bewertung 
von Erzlagerstätten. 

Von Geh. Rat Prof. Dr. P. KruSCh. 
= Zweite, neubearbeitete Jtuflage. = 

Mit 125 Textabbild. Lex. 8». 1911. Geh. M. 17,-; in Leinw. geb. M. 19,— . 

Gerichts- und Verwaltungsgeologie. 

Die Bedeutung der Geologie io der Rechtsprechung und Verwaltung für Geologen, 
Bergleute und Ingenieure, Richter, Rechtsanwälte und Verwaltungsbeamte, 
gerichtliche und Parteigutachter. Von Geh. Rat Prof. Dr. P, K.ruscl)i. 

Mit 157 Textabb. Lex. 8o. 1916. Geh. M. 24,— ; in Leinw. geb. M. 26,40. 

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Von H- Scl^ennen, Oberbergiat und technisches Mitglied des 

Oberbergamts zu Clausthal und F. JTIJnQSt, ord. Professor an der 

Bergakademie zu Clausthal. 

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Lex. 80. 1913. Geh. M. 30,-; in Halbfrz. geb. M. 34,— . 

Handbuch der Brikettbereitung. 

Von G. Frainke, Geh. Bergrat, Professor der Bergbau-, Auf- 
bereitungs- und Brikettierungskunde an der Bergakademie zu Berlin. 

Zwei Bände. 

I. Band: Die Brikettbereitung ans Steinkohlen, Braunkohlen und 

sonstigen Rrenn.stoffen. Mit 9 Tafeln und 255 Textabbildungen. 

Lex.' 80. 1919. Geh. M. 22,— ; in Leinw. geb. M. 24,40. 

IL Band: Die Brikettbereitung aus Erzen, Hüttenerzeugnissen, 

Metallabfällen und dergleichen, einschließlich der Agglonierierung. 

Nebst Nacbträgen. Mit 4 Tafeln und 79 Textabbildungen. 

Lex. 80. 1910. Geh. M. 8,-; in Leinw. geb. M. 10,-. 

Die Schwerspatlagerstätten Deutschlands 

in geologischer, lagerstättenkundlicher u. bergwrirtschaftlicher Beziehung 
Von Privatdozent Dr. R. Bärlllng. 

Mit 19 Textabbildungen. Lex. 80. 1911. Geh. M. 6,40. 

Die Mineralscliätze der Balkanländer und Kleinasiens. 

Von Hofrat Professor Dr. C Doelter. 

Mit 27 Textabbildungen. Lex. 80. 1916. Geh. M. 6,40. 

Die RoHlenvorrate der W^elt. 

Von Professor Dr. F. Frecli- 

Mit 22 Abbildungen. Lex. 8«. 1917. Geh. M. 7,—. 

Die Erzlagerstätten der Verein. Staaten von Nordamerika 

mit Einschluß von Alaska, Cuba, Portorico und den Philippinen 

nach Geschichte, Form, Inhalt und Entstehung auf Grund der Quellen 
dargestellt von C]:^£irles L. Henning 

Mitglied der Geologischen Vereinigung und anderer gelelirten Gesellscliaften. 
Mit 97 Figuren u. Karten im Text. Lex. 8". 1911. Geli. M. 8,— ; in Leinw. geb. M. 9,60. 

Der Erz- tind MetallmarKt. 

Von Ingenieur Ai Haenig. — Lex. 8«. 1910. Geh. M. 10,80. 

60 o/n Teiierun^szuschlag einschl. Sortimenterzwschlag. 
Bei Frech, Kohlenvorräte nur 200/q Sortimenterzuschlag. 



Druck von Arthur Scholem, Berlin SVV 19, Beuthslr. 6. 



Zeitschi'ift 



der 



Deutschen Geologischen Gesellschaft. 

(Abhandlungen und Monatsberichte.) 



B« Monatsberichte. 

Nr. 1-4. 71. Band. 1919. 

Berlin 1919. 

Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart. 



INHALT. Seite 

Bericht über dip Sitzung- vom 5. Februar 1919 / 

Vorträge: 

FLIEGFL, G.: Über Karbon und Dyas in Kleinasien nach 

eigenen Reisen. (Mit 2 Textbildern) 2 

GOTHAN: Bemerkungen zum Vortrag von Herrn Flieuel 12 

Bericht über die Sitzung vom 2. April 1919 13 

Vorträge: 

HESS VON WICHDORF, H.: Beiträge zur Diluvial- 
Geologie in der westlichem Umgebung von Dünaburg 

und des Dryswjaty-Sees (Titel) 15 

JENTZSCH, a'. : Über den Keuper der Provinz Tosen . 15 

JENTZSCH, A. : Cyrenenfund aus der Provinz Posen . . 18 

JENTZSCH, A. : Über den Kern der Kernsdorfer Höhe . 19 

GAGEL, C. : Über einen neuen Fundpunkt nordischer 

Grundmoräne im niederrheinischen Terrassendiluvium 

und die Altersstellung dieser Grundmoräne. (Mit 

1 Textfigur) 21 

Briefliche Mitteilungen . 

BRANCA, W. und KAYSER, EM.: .Zu welchen schweren 
Schäden führt eine übertriebene Betonung der Geologie 

in der Geographie 30 

OPPENHEIM, PAUL: Übei ein Geschiebe (?) von Schlagen- 
thin in der Neumark 44 

STROMER, ERNST: Über paläozoologische Sammlungen 47 

Neueingänge der Bibliothek t2 

Rechnungsabschluß für das Jahr 1918 64 



Deutsche Geologische Gesellschaft. 



Vorstand für das Jahr 1919 



Torsitzender: 
Stellvertretende 

Vorsitzende: 
Schatzmeister: 
Archivar: 



Herr Keilhack 
,, pompeckj 
„ Belowsky 

,, PiCARD 

,, Schneider 



Schriftführer: Herr Bärtling 
Oppenheim 
P. G. Krause 
Graf Matüschka 



Beirat für das Jahr 1919 



Die Herren: SxEiNMANN-Bonn a. Eh., ScHMiDT-Basel, Jon. Waltheh- 
Halle a. S., Milch - Breslau, Beck - Freiberg i. S., Gürich - Hamburg. 



Mitteilungen der Redaktion. 

Im Interesse des regelmäßigen Erscheinens der Abhandlungen und 
Monatsberichte wird um umgehende Erledigung aller Korrekturen gebeten. 

Die Manuskripte sind druckfertig und leserlich einzuliefern. Der 
Autor erhält in allen Fällen eine Fahnenkorrektur und nach Umbrechen 
des betreffenden Bogens eine Revisionskorrektur. Eine dritte Korrektur 
kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen geliefert werden. Für eine 
solche hat der Autor die Kosten stets zu übernehmen. 

Im Manuskript sind zu bezeichnen: 
Überschriften (halbfett) doppelt unterstrichen, 
Lateinische Fossilnamen (kursiv!) durch Schlangenlinie, 
Autornamen (Majuskeln) rot unterstrichen, 
Wichtige Dinge (gesperrt) schwarz unterstrichen. 



Bei Zusendungen an die Gesellschaft wollen die Mitglieder 
folgende Adressen benutzen : 

1. Manuskripte zum Abdruck in der Zeitscnrift, Korrekturen, sowie 
darauf bezüglichen Schriftwechsel an Herrn Bezirksgeologen 
Dr. Bärtling, Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

2. Einsendungen an die Bücherei, sowie Reklamationen nicht ein- 
gegangener Hefte, Anmeldung neuer Mitglieder, Anzeigen von 
Adressenänderungen Herrn Professor Dr. Schneider, Berlin N 4, 
Invalidenstr. 44. 

3. Anmeldung von Vorträgen für die Sitzungen Herrn Professor 
Dr. Belowsky, Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

4. Sonstiger Briefwechsel an den Vorstand der Deutschen 
Geologischen Gesellschaft, Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

5. Die Beiträge sind an die Deutsche Bank, Depositenkasse L, 
Berlin N 4, Chausseestr. 11, für das Konto ,, Deutsche Geologische 
Gesellschaft E. V.", porto- und bestellgeldfrei einzusenden oder 
auf das Postscheck-Konto Nr. 1012 der Deutschen Bank, Depositen- 
kasse L, Berlin N 4, beim Postscheckamt in Berlin NW 7, zur Gut- 
schrift für die Deutsche Geologische Gesellschaft E.V. zu überweisen. 



Die Lagerstätten der nutzbaren 
Mineralien und Gesteine 

nach Form, Inhalt und Entstehung 

dargestellt von 
Prof. Ur. F". BeySdilag, (-reh. Obeibergrat, Direktoi- der Cieo- 
logischen Landesaiistalt Berlin. Prof. Dr. I>. ICruSCi), Abteilungs- 
dirigeiit an der (Teologischeu Landfsaiistalr und Dozent an der Berg- 
akademie, Berlin. Prof. Dr. J. H. L-. Vogl, früher an der Universität 
Kristiania, jVtzt an lU'i Technischen Hochschule zu Trondhjera. 

Drei Bände. 



1. Band: Erzlagerstätten I. 

Allgemeines. Magniatische Erzausscheidungen. Kontaktlagersttätten. 
Zinnsteinganggruppe und Quecksilberganggruppe. 

Ziveite nett bearbeitete Atiflage» 

Mit 281 Abbild. L.'.x. .S'*. 1914. (ich. M. 1S,(J0: in Leinw. i^eli. M. 2U,bU. 

II. Band: Erzlagerstätten II. 

Art und Ursache der Spaltenbildung. Junge Gold-Silbeierzganggru|.ipe. 
Alte Golderzganggruppe. Metasornatische Goldlagerstätten. AJte Blei- 
Silber- Zinkerzganggruppe. Radiunierzgänge. Metasomatische Blei- 
Silbei'-Zinkeizgruppe. Antimonerzganggruppe. Metasomatische Anti- 
monerzgruppe. Eisenerzganggruppe. Metasomatische Eisenerzgruppe. 
Manganerzganggruppe. Metasomatische Manganerzgruppe. Kupfererz- 
ganggruppe. Metasomatische Kupfererzgruppe. Schwefelkies- und 
Arsenkiesgaiiggruppe. Metasomatische Kiesgruppe. Gediegen Kupfer- 
gruppe. Nickel -Kobalt -Arsenerzganggruppe. Nickelsilikatgruppe. 
Rückblick auf die Genesis der Erzgänge. — Erzlager. Allgeraeines. 
Eisenerzlager. Manganerzlager. Kupferschinfergruppe. Fahlbandgruppe. 
Schwefelkiesgruppe. Witwatersrandgruppe. Geschwefelte Kupfer-Blei- 
Zinkei-zgruppe. Antimonerzgruppe. Zinnstein- und Edelmetallseifen. 
Mit 175 Abbild. Le.x. 8". 1913. Geh. M. 22.80; in Leinw. geb. M. 25,20. 
Der III. Band wird die Lagerstätten der Kohle, des Salzes und des 
Erdöls zum Vorwurf der Bearbeitung haben. 

Die nutzbaren Mineralien 

mit Ausnahme der Erze, Kalisalze, Kohlen 
und des Petroleums. 

Von Dr. B. Dammer und Dr. O. Tietze. 

Mit Beiträgen von Privatdoz. Dr. R. Bärtliog, Berginspektor Dr. Q. Einecke, 

Prof. Dr. F. Kaunbowen, Geh. Rat Prof. Dr. P. Krusch, Geh. Rat Prof. Di . 

0. PufabI, Dr. A. Rosenbach und (ieh. Rat Prof. Di R. Scheibe. 

Zwei Bände. ^^^^ ^^^' Textabbildungen. Le.x. 8«. 1913/14. 
^ Geh. M. 31, — ; in Leinwand geb. M. 35, — . 

80"/o Tenerungszuschlag ein^cJiI. Sortimenterzuschlag. 



Verlag von FERDINAND ENKE in Stuttgart. 
I^el^rbucK der Oeologie 

Von Geh. Rat Prof. Dr. E. tL&.y»€ir 

lu zwei Teilen 

I- Teü: Allgemeine Geologie 

Fünfte, sehr vermehrte Auflage. 

Mit 729 Textabbild. Lex. 80. 1918. Geh. M. 48.— ; in Leinw. «•eb. M. 53,— 
Das seit langem fehlende, auf dem Gebiete der Geologie führende Lehrbuch ist 
durch betr.ächtliche Vermehrunn an Text und .Abbildungen sein- erweitert u verbessert 

Früher er.schien: 

n.Teii: Oeologi^che Formeklion^Runde 

Fünfte Auflage. 

Mit 190 Textabbildungen und 97 Versteinerungstafelii. Le.K. 8'>. 1913. 
Geh. M. 22, — ; in Leinwand geb. M. 27, — . 

Lehrbuch der praktischen Geologie 

Arbeits- und Untersuchungsmethoden auf dem Gebiete der Geologie, 

Mineralogie und Paläontologie. 

Von Geh. Bergrat Prof. Dr. Konrad KeilhacK. 

Mit Beiträgen von Bezirksgeologen Dr. Q. Berg in Berlin: Prof. Dr. E. v. Drygalski in 

München; Prof Dr. E. Kaiser in Gießen: Geh. Bergrat Prof. Dr. P. Krusch in Berlin: 

Prof. Dr. S. Passarge in Hamburg: Prof. Dr. A. Rothpletz in München: Prof Dr. K. Sapper 

in Straßbnrg: A. Sieberg in Straüburg und Regierungsrat J. Szombathy in Wien. 

Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. 

7lW0i RfinriO ^'' ^ Doppeltafeln und 418 Textabbildungen. Lex. 8*^. 
twei DUIIUC. 1916-1917. Geh. M. 29,20; in Leinw. geh. M. 35,20. 

Sachs, ^Ar/hu^ Pie Grundlinien der Minera- 

\i\fttf^ für Mineralogen. Geologen, Chemiker und Physiker. 
lUgie Lex. 80. 1918. Geheftet M. 2.80. 



300/q Teuernngszu.schlag einschl. Sortimenterzuschlag. 

Soeben erschienen : 

Vergesellschaftung, Regelung 
und Besserung der Wirtschafft 

Von Emil Schiff. 

Lex. 80. 1919. Geh. M. 4,—. 

Die Steinkohlen in Oberschlesien und an der Saar > 

die Bedeutung ihres Besitzes und die Foigen ihres Verlustes 
für Deutschland. 

Von Landesgeologen Dr. Axel Schmidt, Stuttgart. 

Lex. 80. 1919. Geh. M. 2,—. 

100/q Teuerungszuschlag einschl. Sortimenterzuschlag. 



Druck ron Arthur Scholem, Berlin SW 19, Beuthstr. 6. 



Zeitschi'ift 



der 



Deutschen Geologischen Gesellschaft. 

(Abhandlungen und Monatsberichte.) 

B. Monatsberichte. 

Nr. 5-7. 71. Band. 1919. 

Berlin 1919. 

Verlae von Ferdinand Enke in Stuttgart. 



INHALT. Seite 

Bericht über die Sitzung vom 7. Mai 1919 65 

Vorträge: 

HERRMANN, F.: Über Erdbrände. (Mit 1 Texttigur) . 66 
POMPECK J: Diskussion zum Vortrag Herrmann ... 74 
BÄRTLING, R. : Verbreitung und praktische Bedeutung der 

Erdbrandgesteine (Diskussion zum Vortrag Herrmann) 74 
WOLPF, W.: Über eine Talsperre im Diluvialgebiet bei 

Danzig (Titel) 77 

BÖHM, JOH.: Über eine Neithea aus der oberen Kreide 

von Bottingerode (Titel) 78 

BÖHM, JOH. : Mya Kl^inghardti nov. sp. aus der tertiären 
diamantführenden Strandterrasse bei Bogenfels in 

Südwestalrika 78 

OPPENHEIM, P.: Diskussion zum Vortrag Böhm . . . 78 

Bericht über die Sitzung vom 4. Juni 1919 79 

Vorträge: 

KAUTSKY : Das Miocän von Hemmoor (Titel) .... 79 
üOTHAN : Über einen interessanten Pteridospermenfund 80 
Die Juli-Sitzung fiel aus. 
Briefliche Mitteilungen: 

BÖHM, JOH. : Patella Wänschmanni nov. sp. und die Fauna 

des II senburgmergels bei Wernigerode. (Mit 2 Textfig.) 81 
BÖHM, JOH.: Zur Fauna des Emschers bei Soest. . . 86 
KRENKEL, E.: Die Tanganjika-Formation in Deutsch- 
Ostafrika. (Mit 3 Textfiguren) . " 89 

WILCKENS, OTTO: Was ist unter „Scharung" zu ver- 
stehen? 105 

HUMMEL, K.: Theoretisches zur Faziiesverteilung in den 

I Alpen. (EinBeitrag zur Beurteilung der Deckentheorie) 114 
BipCKER, A.: Die Ritterquelle von Hecklingen bei Staß- 

\ fürt. (Mit 1 Textfigur) . 132 

QUIRING. H.: Zur Tektonik von Rumpfschollengebirgen 134 ' 



Beiliegend: Mitteilungen des Vorstandes. 



Deutsche Geologische Gesellschaft. 



Vorstand für das Jahr 1919 

Vorsitzender; Herr Keilhack Schriftführer: Herr Bäetlino 

Stellvertretende f ,, Pompeckj ,, Oppenheim 

Vorsitzende: \ ,, Belowsky „ P. G. Kraus» 

Schatzmeister: ,, Picaed ,, Graf Matuschka 

Archivar: ,, Schneider 

Beirat für das Jahr 1919 

Die Herren: STEiNMANN-Bonn a. Rh., Schmidt- Basel, Joh. Walthbk- 
Halle a. S., Milch - Breslau, Beck - Freiberg i. S., Güeich - Hamburg. 



Mitteilungen der Redaktion. 

Im Interesse des regelmäßigen Erscheinens der Abhandlungen und 
Monatsberichte wird um umgehende Erledigung aller Korrekturen gebeten. 

Die Manuskripte sind druckfertig und leserlich einzuliefern. Der 
Autor erhält in allen Fällen eine Fahnenkorrektur und nach Umbrechen 
des betreffenden Bogens eine Revisionskorrektur. Eine dritte Korrektur 
kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen geliefert werden. Für eine 
solche hat der Autor die Kosten stets zu übernehmen. 

Im Manuskript sind zu bezeichnen : 
Überschriften (halbfett) doppelt unterstrichen, 
Lateinische Fossilnamen (kursiv!) durch Schlangenlinie, 
Autornamen (Majuskeln) rot unterstrichen, 
Wichtige Dinge (gesperrt) schwarz unterstrichen. 



Bei Zusendungen an die Gesellschaft wollen die Mitglieder 
folgende Adressen benutzen: 

1. Manuskripte zum Abdruck in der Zeitsenrift, Korrekturen, sowie 
darauf bezüglichen Schriftwechsel an Herrn Bezirksgeologen 
Dr. Bärtling, Berlin K 4, Invalidenstr. 44. 

2. Einsendungen an die Bücherei, sowie Ileklamationen nicht ein- 
gegangener Hefte, Anmeldung neuer Mitglieder, Anzeigen von 
Adressenänderungen Herrn Professor Dr. Schneider, Berlin N 4. 
Invalidenstr. 44. 

3. Anmeldung von Vorträgen für die Sitzungen Herrn Professor 
Dr. Belowsky, Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

4. Sonstiger Briefwechsel an den Vorstand der Deutschen 
Geologischen Gesellschaft, Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

5. Die Beiträge sind an die Deutsche Bank, Depositenkasse L, 
Berlin N 4, Chausseestr. 11, für das Konto ,, Deutsche Geologische 
Gesellschaft E. V.", porto- und bestellgeldfrei einzusenden oder 
auf das Postscheck-Konto Nr. 1012 der Deutschen Bank, Depositen- 
kasse L, Berlin N 4, beim Postscheckamt in Berlin NW 7, zur GutV 
schrift für die Deutsche Geologische Gesellschaft E.V. zu überweisen. 



Verlag von FERDINAND ENKE in Stuttgart. 



Die Lagerstätten der nutzbaren 
Mineralien und Gesteine 

nach Form, Inhalt und Entstehung 

dargestellt von 
Prof. Dr. F. Beyschlag, Geh. Oberbergrat, Direktor der Geo- 
logischen Landesanstalt Berlin. Prof. Dr. P. Krusch, Abteilungs- 
dirigent an der Geologischen Landesanstalt und Dozent an der Berg- 
akademie, Berlin. Prof. Dr. J. H. 1,. \^OQt, früher an der Universität 
Kristiania, jetzt an der Technischen Hochschule zu Trondhjem. 

Drei Bände. 



1. Band: Erzlagerstätten 1. 

Allgemeines. Magniatische Erzausscheidungen. Kontaktlagetstätten. 
Zinnsteinganggruppe und Quecksilberganggruppe. 

Zureite Tkc\x bearbeitete Atiflage. 

Mit 281 Abbild. Lex. 8». 1914. Geh. M. 18,60; in Leinw. geb. M. 20,60. 

II. Band : Erzlagerstätten 11. 

Art und Ursache der Spaltenbildung. Junge Gold-Silbererzganggruppe. 
Alte Golderzganggruppe. Metasomatische Goldlagerstätten. Alte Blei- 
Silber -Zinkerzganggruppe. Radiumerzgänge. Metasomatische Blei- 
Silber-Zinkerzgruppe. Antimonerzganggruppe. Metasomatische Anti- 
monerzgruppe. Eisenerzganggruppe. Metasomatische Eisenerzgruppe. 
Manganerzganggruppe. Metasomatische Manganerzgruppe. Kupfererz- 
ganggruppe. Metasomatische Kupfererzgruppe. Schwefelkies- und 
Arsenkiesganggruppe. Metasomatische Kiesgruppe. Gediegen Kupfer- 
gruppe. Nickel - Kobalt - Arsenerzganggruppe. Nickelsilikatgruppe. 
Rückblick auf die Genesis der Erzgänge. — Erzlager. Allgeraeines. 
Eisenerzlager. Manganerzlager. Kupferschiefergruppe. Fahlbandgruppe. 
Schwefelkiesgruppe. Witwatersrandgruppe. Geschwefelte Kupfer-Blei- 
Zinkerzgruppe. Antimonerzgruppe. Zinnstein- und Edelmetallseifen. 
Mit 175 Abbild. Lex. 8». 1913. Geh. M. 22,80; in Leinw. geb. M. 25,20. 
Der III. Band wird die Lagerstätten der Kohle, des Salzes und des 
Erdöls zum Vorwurf der Bearbeitung haben. 

Die nutzbaren Mineralien 

mit Ausnahme der Erze, Kalisalze, Kohlen 
und des Petroleums. 

Von Dr. B. Damm er und Dr. O. Tietze. 

Mit Beiträgen von Privatdoz. Dr. R. ßärtling. Berginspektor Dr. G. Einecke, 

Prof. Dr. F. Kaunhowen, Geh. Rat Prof. Dr. P. Krusch, Geh. Rat Prof. Dr. 

0. Pufahl, Dr. A. Rosenbach und Geh. Rat Prof. Dr. R. Scheibe. 

Zwei Bände ^'^ ^^^ Textabbildungen. Lex. 8». 1913/14. 
' Geh. M. 31, — ; in Leinwand geb. M. 35, — . 

30% Teuerungszuschlag einschl. Sortimenterzuschlag. 



Verlag von FERDINAND ENKE in Stuttgart. 
I^el^rbticliL der Oeologile 

Von Geh. Rat Prof. Dr. E. Kayser 

In zwei Teilen 

^- T^eü: Allgemeine Geologie 

Fünfte, sehr vermehrte Auflage. 

Mit 729 Textabbild. Lex. 80. 1918. Geh. M. 48,— ; m Leinw. geb. M. 53,— 

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Früher erschien: 

"•T'^^^- Geologisclue Form^tionsRuncie 

Fünfte Auflage. 

Mit 190 Textabbildungen und 97 Versteinerungstafeln. Lex. 8». 1913. 
Geh. M. 22,— ; in Leinwand geb. M. 27,—. 

Lehrbuch der praktischen Geologie 

Arbeits- und Untersuchungsmethoden auf dem Gebiete der Geologie, 

Mineralogie und Paläontologie. 

Von Geh. Bergrat Prof. Dr. Konrad KeilhacK. 

Mit Beiträgen von Bezirksgeologen Dr. G. Berg in Berlin; Prof. Dr. E. y. Drygalski in 

München; Prof. Dr. E. Kaiser in Gießen; Geh. Bergrat Prof. Dr. P. Krusch in Berlin; 

Prof. Dr. S. Passarge in Hamburg; Prof. Dr. A. Rothpletz in München; Prof. Dr. K. Sapper 

in Straßburg; A. Sieberg in Straßburg und Regierungsrat J. Szombathy^in Wien 

Dritte, völlig neu bpgrbpjtete Jluflage. 

Tiiipi RHnrfp Mit 2 Doppeltafeln und 418 Textabbildungen. Lex -S« 
fcWU UUllUtl, 1916-1917. Geh. M. 29,20; in Leinw. geb. M. 35,20. 

Sachs, ^Ärfhun' Pie Grundlinien der Minera- 

Jp, für Mineralogen, Geologen, Chemiker und Physiker. 
**' Lex. 80. 1918. Geheftet M. 2.80. 



log 



300/q Teuerungszuscblag einschl. Sortimenterzuschlag. 

Soeben erschienen : 

Vergesellschaftung, Regelung 
und Besserung der Wirtschaft 

Von Emil Schiff. 

Lex. 80. 1919. Geh. M. 4,—. 

Die Steinkohlen in Oberscmesienund an der Soor 

die Bedeutung ihres Besitzes und die Folgen ihres Verlustes 
für Deutschland. 

Von Landesgeologen Dr. Axel Schmidt, Stuttgart. 

Lex. 80. 1919. Geh. M. 2,—. 

lOo/o Teuerungszuschlag einschl. Sortimenterzuschlag. 



Druck von Ailhur Scholem, Berlin SW 19, Beuthslr. 6. 



Zeitschrift 

der 

Deutschen Geologischen Gesellschaft. 

(Abhandlungen und Monatsberichte.) 

B. Monatsberichte. 

Nr. 8-12. 71. Band. 1919. 

Berlin 1920. 

Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart. 



INHALT. 

Seite 

Bericht über die Sitzung vom 5. November 1919 137 

Vorträge: 

KRUSCH, P. : Der Gebirgsbau im holländisch-preußischen 
Grenzgebiet von Winterwijk, Weseke, Buurse usw. 

(Mit 2 Textfiguren) 139 

KEILHACK, K. : Das Niederlausitzer Miocän und die 

Stellung der Glassande von Hohenbocka in ihm (Titel) 149 

Bericht über die Sitzung vom 3. November 1919 149 

Voistandswahl 149 

Vorträge: 

STILLE, H.: Über die Bejjriffe „Orogenese" und „Epi- 

rogenese" (Titel) 152 

Briefliche Mitteilungen : 

WURM, A.: Beiträge zur Kenntnis der Trias von 

Katalonien 153 

HOYERMANN, TH.: Untersuchungen über die Entwick- 
lung der Lobenlinie von Leioceras opalinum. (Mit 

6 Textüguren) 160 

RANGE, P.: Beiträge zur Kriegsgeologie 164 

KEILHACK, K. : Die Glassande von Hohenbocka und 

ihre Stellung im Miocän der Lausitz 777 

HENNIG, E.: Die Tübinger geologisch-paläontologische 

Universitäts-Sammlung 182 

Preisausschreiben von Herrn Stromer v. Reichenbach . . . 183 

Neueingänge der Bibliothek 186 

Ortsregister • . . . . 192 

Sachregister 196 



Deutsche Geologische Gesellschaft. 

Vorstand für das Jahr 1920 

Vorsitzender: Herr Pompeckj Schriftführer: Herr Bäktlino 

Stellvertretende j ,, Rauff „ Janensch 

Vorsitzende: | ,, Krusch „ Schneider 

Schatzmeister: ,, Picard „ Seidl 
Archivar: ,, Dienst 

Beirat für das Jahr 1920 

Die Herren: Frh. Stromer v. REicuENBACH-München, TiETZE-Wien, Stille- 
Göttingen, WiCHMANN-Utrecht, BERGEAT-Königsberg, DREVERMANN-Frankfurt a. M. 



Mitteilungen der Redaktion. 

Im Interesse des regelmäßigen Erscheinens der Abhandlungen und 
Monatsberichte wird um umgehende Erledigung aller Korrekturen gebeten. 

Die Manuskripte sind druckfertig und leserlich einzuliefern. Der 
Autor erhält in allen Fällen eine Fahnenkorrektur und nach Umbrechen 
des betreffenden Bogens eine Revisionskorrektur. Eine dritte Korrektur 
kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen geliefert werden. Für eine 
solche hat der Autor die Kosten stets zu übernehmen. 

Im Manuskript sind zu bezeichnen : 
Überschriften (halbfett) doppelt unterstrichen, 
Lateinische Fossilnamen (kursiv!) durch Schlangenlinie, 
Autornamen (Majuskeln) rot unterstrichen, 
Wichtige Dinge (gesperrt) schwarz unterstrichen. 



Bei Zusendungen an die Gesellschaft wollen die Mitglieder 
folgende Adressen benutzen : 

1. Manuskripte zum Abdruck in der Zeitscnrift, Korrekturen, sowie 
darauf bezüglichen Schriftwechsel an Herrn Bezirksgeologen 
Dr. Bärtling, Berlin N 4, Invalidenstr. 44. 

2. Einsendungen an die Bücherei, sowie Reklamationen nicht ein- 
gegangener Hefte, Anmeldung neuer Mitglieder, Anzeigen von 
Adressenänderungen Herrn Kustos Dr. Dienst, Berlin N 4, Inva- 
lidenstr. 44. 

3. Anmeldung von Vorträgen für die Sitzungen Herrn Professor 
Dr. Schneider, Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

4. Sonstiger Briefwechsel an den Vorstand der Deutschen 
Geologischen Gesellschaft, Berlin N4, Invalidenstr. 44. 

5. Die Beiträge sind an die Deutsche Bank, Depositenkasse L, 
Berlin N4, Chausseestr. 11, für das Konto ,, Deutsche Geologische 
Gesellschaft E. V.", porto- und bestellgeldfrei einzusenden oder 
auf das Postscheck-Konto Nr. 1012 der Deutschen Bank, Depositen- 
kasse L, Berlin N 4, beim Postscheckamt in Berlin NW 7, zur Gut- 
schrift für die Deutsche Geologische Gesellschaft E.V. zu überweisen. 



Verlag von FERDINAND ENKE in Stuttgart. 

Die Lagerstätten der nutzbaren 
Mineralien und Gesteine 

nach Form, Inhalt und Entstehung 

dargestellt von 
Prof. Dr. F. BeySChlag, Geh. Oberbergrat, Direktor der Geo- 
logischen Landesanstalt Berlin. Prof. Dr. P. Krusctl, Abteilungs- 
dirigent an der Geologischen Landesanstalt und Dozent an der Berg- 
akademie, Berlin. Prof. Dr. J. H. !•. Vogi, früher an der Universität 
Kristiania, jetzt an der Technischen Hochschule zu Trondhjem. 

Drei Bande. 

I. Band: Erzlagerstätten I. 

Allgemeines. Magmatische Erzausscheidungen. Koiitaktlagerstätten. 
Zinnsteinganggruppe und Quecksill)erganggruppe. 

Z^veite iietx bearbeitete Atxflage. 

Mit 281 Abbild. Lex. 8». 1914. Geh. M. 18,60; in Leinw. geb. M. 20,60. 

IL Band : Erzlagerstätten II. 

Art und Ursache der Spaltenbildung. Junge Gold-Silbererzganggruppe. 
Alte Golderzganggruppe. Metasomatische Goldlagerstätteii. Alte Blei- 
Silber -Zinkerzganggruppe. Radiumerzgänge. Metasoraatische Blei- 
Silber-Zinkerzgruppe. Antimonerzganggruppe. Metasomatische Anti- 
monerzgruppe. Eisenerzganggruppe. Metasomatische Eisenerzgruppe. 
Manganerzganggruppe. Metasomatische Manganerzgruppe. Kupfererz- 
ganggruppe. Metasomatische Kupfererzgruppe. Schwefelkies- und 
Arsenkiesganggruppe. Metasomatische Kiesgruppe. Gediegen Kupfer- 
gruppe. Nickel -Kobalt -Arsenerzganggruppe. Nickelsilikatgruppe. 
Rückblick auf die Genesis der Erzgänge. — Erzlager. Allgemeines. 
Eisenerzlager. Manganerzlager. Kupferschiefergruppe. Fahlbandgruppe. 
Schwefelkiesgruppe. Witwatersrandgruppe. Geschwefelte Kupfer-Blei- 
Zinkerzgruppe. Antimonerzgruppe. Zinnstein- und Edelmetallseifen. 
Mit 175 Abbild. Lex. 8". 1913. Geh. M. 22,80; in Leinw. geb. M. 25,20. 
Der III. Band wird die Lagerstätten der Kohle, des Salzes und des 
Erdöls zum Vorwurf der Bearbeitung haben. 

Die nutzbaren Mineralien 

mit Ausnahme der Erze, Kalisalze, Kohlen 
und des Petroleums. 

Von Dr. B. Damm er und Dr. O. Tietze. 

Mit Beiträgen von Privatdoz. Dr. R. Bärtling, Berginspektor Dr. Q. Einecke, 

Prof. Dr. F. Kaunhowen, Geh. Rat Prof. Dr. P. Krusch. Geh. Rat Prof. Dr. 

0. Pufahl, Dr. A. Rosenbach und Geh. Rat Prof. Dr. R. Scheibe. 

Zwei Bände. ^^* ^^^ Textabbildungen. Lex. 8«. 1913/14. 
— Geh. M. 31, — ; in Leinwand geb. M. 35,—. 

607o Teuerangszuschlag einschl. Sortimenterzuschlag. 



Verlag von FERDINAND ENKE in Stuttgart. 
I^eKrbucK der OeoloQie 

Von Ueh. Kat Prof. Dr. E- Kayser 

In zwei Teilen 

I- Te il: Allgemeine Oeologie 

Fünfte, sehr vermehrte Auflage. 

Mit 729 Textabbild. Lex. b«. 1918. Geh. M. 48,— ; in Leinw. geb. M. 53,— 

Das seit langem fehlende, auf dem Gebiete der Geologie führende Lehrbuch ist 

durch beträchtliche Vermehrung an Text und Abbildungen sehr erweitert u. verbessert. 

Früher erschien: 

II- Te il: Oeologisclie FormsktionsRunde 

Fünfte Auflage. 

Mit 190 Textabbildungen und 97 Versteinerung-stafeln. Lex. 8'\ 1913. 
Geh. M. 22, — ; in Leinwand geb. M. 27,—. 

Lehrbuch der praktischen Geologie 

Ai'beits- und Untersuchungsraethoden auf dem Gebiete der Geologie, 

Mineralogie und Paläontologie. 

Von Geh. Bergrat Prof. Dr. Konrad KeilhacK. 

Mit Beiträgen von Bezirksgeologen Dr. G.Berg in Berlin; Prof. Dr. E. T. Drygalski in 

München; Prof. Dr. E. Kayser in Gleiten; Geh. Bergrat Prof. Dr. P. Krusch in Berlin; 

Prof. Dr. S. Passarge in Hamburg; Prof, Dr. A. Rothpletz in München; Prof. Dr. K. Sapper 

in Straßburg; A. Sieberg in Straßburg und Regierungsrat J. Szotnbathy in Wien. 

Dritte, völlig neu bearbeitete Jluflage. 

Tinoi RfintlO ^^^*' ^ Doppeltafeln und 418 Textabbildungen. Lex. S". 
LWCI DUIIUC. i9^e -1917. Geh. M. 29,20; in Leinw. geb. M. 35,20. 

Sachs, Arthur Die Grundlinien der Minera- 

Zn für Mineralogen, Geologen, Chemiker und Pi.ysiker. 
■*^ Lex. 80. 1918. Geheftet M. 2.80. 



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600/q Teuerungszuschlag einschl. Sortimente rzuschlag. 

Soeben erschienen : 

Vergesellschaftung, Regelung 
und Besserung der Wirtschaft 

Von Emil Schiff. 

Lex. 80. 1919. Geh. M. 4,—. 

Die Steinkohlen in Oberschlesienund an der Saar 

die Bedeutung ihres Besitzes und die Folgen ihres Verlustes 
fUr Deutschland. 

Von Landesgeologen Dr. Axel Schmidt, Stuttgart. 

Lex. 80. 1919. Geh. M. 2,—. 

200/o Teuerungszuschlag einschl. Sortimenterzuschlag. 



Druck von Arthur Scholeni, Berlin SW 19, Beuthslr. 6. 



Deutsche geologische gesellschaf t , 

Serlin. 

Zeitschrift der Deutschen geolo- 
gischen gesellschaf t. Bd. 71, I919 

















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Deutsche geologif 
Zeitschrift dei 
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